Fußnoten
[1] Das Wort Parcerie, was eigentlich in den brasilianischen Verträgen Parçarie heißen sollte, nach dem portugiesischen Wort parçaria, ein Antheil, eine gemeinschaftliche Gesellschaft – bedeutet eine Art von Contract nach welchem sich hiesige Arbeiter gewöhnlich verpflichten, nach unentgeltlicher Überfahrt in einen fremden Welttheil, so lange für ihren neuen Herrn zu arbeiten, bis sie die, durch ihren Transport angewachsenen Kosten abverdient haben. Sie bekommen aber dafür keinen bestimmten Tagelohn, sondern sind auf einen Antheil am Gewinn beschränkt, der in den betrügerischen Contracten gewöhnlich so hingestellt ist, daß der Arbeiter glauben soll, er bekomme die Hälfte vom Gewinn des Ganzen, während es aber doch nur meint daß er die Hälfte dessen bekommen soll was er etwa verdient. Aber selbst das ist eingebildet, denn er verdient eben Nichts wenn sein Herr beweisen kann daß er selber keinen Nutzen in einem Jahr gehabt hat und in tausend Fällen sind deshalb schon diese Verträge von gewissenlosen Pflanzern gemißbraucht worden.
[2] Das betreffende Document ist wörtlich – mit Ausschluß der Namen – einem derartigen Parcerie-Vertrag entnommen, und mag als Beweis dienen, wie leichtsinnig zahllose Menschen derartige Schriftstücke unterzeichnen, und sich dadurch binden, ohne eine Ahnung über deren Tragweite zu haben.
[3] Ich kann Auswanderer nicht genug davor warnen, sich von irgend einem Agenten Entfernungen auf den Karten zeigen und erklären zu lassen. Denn Nichts auf der Gottes Welt ist unzuverlässiger als ein solcher Beweis, Leuten gegenüber, die kein Verständniß über die Schwierigkeiten und Entfernungen in fremden, besonders wilden Ländern haben können. Ich will hier nur ein Beispiel anführen. Die deutsche Colonie Pozuzo in Peru liegt auf der großen Weltkarte nur etwa drei Viertel-Zoll von Lima entfernt, und ich gebrauchte allein und ohne Gepäck nur mit meiner Satteltasche und theils zu Pferd, theils zu Fuß, weil die Wege zu entsetzlich waren, unter den größten Beschwerden und selbst Gefahren achtzehn Tage um sie zu erreichen. Solche Kunstgriffe, wie hier Herr Kollboeker anwendet, sind aber nur zu häufig von schurkischen Agenten gebraucht und benutzt worden, um arme unwissende Menschen dorthin zu schaffen wo sie einen Nutzen von ihnen erwarteten. Was aus den Armen nachher wurde, kümmerte sie wahrhaftig nicht.