Reinhold Köhler und Anton Schiefner.
1. Die Goldspinnerinnen.
Wie S. [10] eine Handvoll aus neunerlei Arten gemischter Hexenkräuter zur Verfertigung des Hexenknäuels gebraucht wird, so kömmt S. [243] ein Trank aus neunerlei Kräutern vor, wovon ein Jüngling drei Tage hinter einander neun Löffel täglich erhält. S. [246] wäscht sich die Höllenjungfrau neun mal ihr Gesicht in der Quelle und umwandelt sie neun mal. S. [262] neun Kinder. Die Heiligkeit und die häufige Anwendung der Neunzahl ist bekanntlich uralt und weit verbreitet, namentlich auch bei den finnisch-tatarischen Völkern. Vgl. Ph. J. v. Strahlenberg Das Nord- und Ostliche Theil von Europa und Asia, Stockholm 1730, S. 75-82, und Schiefner Die Heldensagen der Minussinschen Tataren S. XXIX. Auch in den in neuster Zeit von W. Radloff gesammelten Proben der Volksliteratur der türkischen Stämme Süd-Sibiriens begegnet die Neunzahl sehr oft. Was insbesondere die neunerlei Kräuter betrifft, so erwähnt Strahlenberg S. [78], daß die Bauern in Liefland »gemeiniglich neunerlei Kräuter zu ihren Arzenei-Getränken gebrauchen.« Auch im deutschen Aberglauben spielen die neunerlei Kräuter eine wichtige Rolle (A. Wuttke Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 2. völlig neue Bearbeitung, Berlin 1869, §. 120, vgl. auch §§. 74, 85, 92, 253, 495, 528, 683). K.