Biotechnik
Die Organe der Tiere, auch die äußeren Gliedmaßen, sind zum Teil sehr sinnreich konstruierte Apparate, die sich mit wissenschaftlichen Instrumenten, wie sie in der Physik und Technik gebraucht werden, vergleichen lassen, so daß man geradezu von einer Biotechnik, einer Technik des Lebens, im Tierreich reden kann. —
Der Fisch führt im Wasser die verschiedensten Bewegungen aus. Er vermag mit und gegen die Strömung zu schwimmen, steigt in vertikaler Richtung ohne Flossenschlag auf und nieder, senkt sich auf den Boden herab, bleibt in jeder beliebigen Tiefe unbeweglich stehen, oder stellt sich sogar mit dem Kopf gegen den Strom, ohne von ihm fortgerissen zu werden. Eine derartige Anpassung an das Leben im Wasser verlangt eine ganz besondere Ausrüstung des Körpers.
Die Schwimmblase des Fisches
Ein wichtiges Organ für die Schwimmkunst der Fische ist die Schwimmblase, die eine vielseitige Bedeutung hat. Die Schwimmblase liegt unterhalb der Wirbelsäule unter den Nieren. Sie stellt entweder einen länglichen Sack dar oder ist durch Abschnürungen in zwei oder drei Kammern geteilt. Durch einen besonderen Gang steht sie meist mit dem Schlunde in Verbindung, kann aber auch ganz in sich abgeschlossen sein. Sie ist mit einem Gas gefüllt, das aus Sauerstoff (15%), Stickstoff (83%) und Kohlensäure (2%) besteht. Bei Tiefseefischen ist der Sauerstoffgehalt höher und beträgt bis 70%. Die Zusammensetzung des Gases ist also von der Beschaffenheit der Luft verschieden, und infolgedessen kann die Füllung der Schwimmblase, auch wenn diese mit dem Rachen verbunden ist, nicht durch die Außenluft erfolgen. Der in den Rachen führende Luftgang dient nur der Ausscheidung überflüssigen Gases. Fehlt diese Rachenverbindung, so werden die Gase durch ein besonderes Organ resorbiert, durch das „Oval“. Das Oval ist ein Knäuel von Blutgefäßen, die das Gas aufsaugen und in das Blut überführen. Die Blutgefäße können durch eine Muskelvorrichtung willkürlich geöffnet und geschlossen werden, je nachdem ihre Tätigkeit aufgenommen oder unterbrochen werden soll.
Die Gasfüllung der Schwimmblase geschieht durch zahlreiche Blutgefäße, „rote Körper“ genannt, welche vermittels besonderer Drüsen das aus dem Blut ausgeschiedene Gas hineinströmen lassen.
Die Schwimmblase dient zunächst zur vertikalen Bewegung. Durch ihre wechselnde Füllung wird das spezifische Gewicht des Körpers verändert, so daß der Fisch ohne Schwimmbewegungen im Wasser aufsteigen und sich senken kann.
Die Abschnürung der Schwimmblase in mehrere Abteilungen befähigt den Fisch, die Stellung des Körpers im Wasser beliebig zu ändern. Durch eine verschiedene Gasfüllung der Kammern wird der Schwerpunkt des Körpers verlegt, wodurch der vordere Teil, das Kopfende, gehoben oder gesenkt wird. Der Körper steht dann nicht horizontal, sondern schräg aufwärts oder abwärts.
Bei einigen Fischen ist die Schwimmblase mit dem innern Ohr durch eine Knorpelmasse verbunden, die in einer am Labyrinth des Ohrs anliegenden Membran endigt. Hierdurch wird der wechselnde Wasserdruck, welchen die Spannung der Schwimmblase anzeigt, auf das Ohr übertragen. Der Apparat wirkt gewissermaßen wie ein Barometer. Auch bei Fischen, denen diese Vorrichtung fehlt, findet eine Übermittlung des Wasserdrucks auf das Ohr statt, indem sich der Druck des Schwimmblasenumfangs unmittelbar auf das Labyrinth fortpflanzt.
Darmatmung
Die Schwimmblase dient ferner zur Unterstützung der Atmung, die beim Fisch durch die Kiemen erfolgt. Sie setzt den Fisch instand, eine gewisse Zeit außerhalb des Wassers durch eine Zufuhr von Sauerstoff fortzuleben und schützt ihn vor einem raschen Erstickungstode, der erst eintritt, wenn der Sauerstoffgehalt der Schwimmblase aufgebraucht ist, was bei manchen Arten ziemlich lange dauert. Auf diese Weise verträgt der Karpfen oder Hecht, der von der Köchin vom Markt in einem Netz nach Hause getragen wird, den trockenen Transport ohne Schaden.
Die respiratorische Bedeutung der Schwimmblase erreicht ihren höchsten Grad bei den Lurchfischen. Hier ist die Schwimmblase zur Lunge umgewandelt, die mit den im hinteren Rachen mündenden Nasenöffnungen verbunden ist und das Tier zur Luftatmung auf dem Lande befähigt. Die australischen Lurchfische haben also eine Doppelatmung, eine Atmung durch Kiemen im Wasser und eine zweite durch Lungen auf dem Lande. Sie sind hierdurch imstande, die Zeit der Dürre, in der die Gewässer austrocknen, lebensfähig zu überstehen.
Vielen Tiefseefischen, ferner den Haifischen, Plattfischen, Makrelen und einigen anderen Arten fehlt die Schwimmblase. Andere Arten, wie Kofferfische und Igelfische, die ebenfalls keine Schwimmblase haben, benutzen ihren Magen als hydrostatischen Apparat, indem sie ihn mit Luft anfüllen. Die im Magen aufgespeicherte Luft schützt diese Fische auf dem Trockenen vor dem Erstickungstode, da der notwendige Sauerstoff durch den Darm zugeführt wird, so daß man geradezu von einer Darmatmung sprechen kann.
Hautsinnesorgane der Fische
Die Natur hat die Fische mit einem besonderen Hautsinnesorgan ausgestattet, das man als „sechsten“ Sinn bezeichnen kann. Am Kopf und an den Seiten des Körpers befinden sich röhrenartige Linien, die durch die Schuppen Verästelungen nach außen senden. Diese „Seitenorgane“ sind Sinnesorgane, mit denen der Fisch die Richtung und die Stärke der Wasserströmung in feinster Weise wahrnimmt. Nähert sich der Fisch einem Stein, einem Wehr oder irgendeinem Gegenstand im Wasser, so prallt das vom schwimmenden Fisch bewegte Wasser an dem in der Nähe befindlichen Hindernis ab und flutet zurück. Diese Rückwärtsbewegung des Wassers, auch wenn sie noch so gering und fein ist, übt auf die Seitenorgane einen Druck aus, der vom Fisch sofort wahrgenommen wird. Die Seitenorgane dienen also der Orientierung beim Schwimmen und sind biologisch von allergrößter Bedeutung. Mit ihrer Hilfe kann der Fisch, wenn im trüben Wasser und im Dunkel der Nacht das Augenlicht versagt, sich sicher und gefahrlos bewegen.
Ohr der Fische
Die Fische besitzen mit Ausnahme der Haie keine äußeren Ohröffnungen. Man nimmt daher an, daß sie taub sind. Nur sehr starke Schallwellen, wie sie die Detonation von Sprengstoffen erzeugt, werden wahrgenommen, aber nicht durch Hören, sondern durch Empfinden des in das Wasser gelangten Drucks der Schallwellen, der an die Seitenorgane und das Ohrlabyrinth dringt.
Eine Ausnahme scheinen die Welse und ein Süßwasserfisch Amerikas, der Killifisch, zu machen. Durch Versuche wurde nachgewiesen, daß sie auf durchdringende Geräusche, wie schrille Pfiffe, reagierten. Es bleibt aber fraglich, ob es sich tatsächlich um ein Hören handelt, oder ob auch hier vielleicht die Seitenorgane im Spiele sind, die den im Wasser sich fortpflanzenden Druck der Schallwellen übermitteln.
Einige Fischarten sind imstande, mit der Schwimmblase, durch Reibung von Knochenteilen, oder durch Einpressen von Luft in der Mundhöhle und den Kiemen Geräusche hervorzubringen, wie z. B. der Igelfisch, der Killifisch und der knurrende Gurami. Da besonders die Männchen in der Fortpflanzungszeit sich hören lassen, so darf man vermuten, daß ihre Liebestöne den Zweck haben, die Weibchen anzulocken. Diese müssen also die Laute vernehmen, ob mit dem Gehör oder wieder durch Empfindung des Drucks der Schallwellen, bleibt freilich dahingestellt. Genaue Untersuchungen darüber fehlen einstweilen noch.
Die wahre Bedeutung des Fischohres liegt nicht im Hören, sondern in andern Funktionen. Wie schon gesagt wurde, steht bei vielen Fischen die innere Ohröffnung mit der Schwimmblase in Verbindung und nimmt ihre von der Wassertiefe abhängige Spannung wahr. Das Ohr ist ferner der Sitz eines besonderen Gleichgewichtssinnes. Im Ohr liegen halbkreisförmige Kanäle, die eine Flüssigkeit, die Endolymphe, enthalten. Der Sinn für das Gleichgewicht wird durch die Bewegung dieser Flüssigkeit, die je nach der Körperlage wechselt, ausgelöst. Zerstört man die Kanäle, so ist der Fisch nicht mehr fähig, sich im Gleichgewicht zu halten, er führt schraubenförmige Bewegungen aus und schwimmt auf dem Rücken.
Das Ohr unterrichtet schließlich den Fisch über die Geschwindigkeit des Schwimmens. Drei Gehörsteine, Otolithen genannt, werden bei den Bewegungen des Fisches aus ihrer Lage gebracht und drücken auf das Labyrinth. Die Stärke und Art des Drucks zeigt dem Fisch die Geschwindigkeit des Schwimmens an.
Das Schwimmen der Fische
Die meisten Fische haben einen spindelförmigen Körper, der sich mit einem Torpedo vergleichen läßt, dessen Bauart der bestmöglichen Wasserverdrängung gerecht wird. Kopf und Schwanz sind mit dem Rumpf fest verbunden. Die Vorwärtsbewegung beim Schwimmen wird allein durch die Schwanzflosse verursacht, die seitwärts ausschlägt und wie ein Propeller wirkt. Rücken- und Afterflosse dienen als Kiel. Sie halten den Körper in gleichmäßiger Lage und Richtung. Wird letztere geändert, so werden Rücken- und Afterflosse angezogen, um die Wendung zu erleichtern, und erst wieder entfaltet, wenn der Kurs geradeaus geht. Die paarweise angeordneten Brust- und Bauchflossen dienen nicht als Ruder, sondern als Höhen- und Seitensteuer sowie zum Balancieren des Körpers.
Fische, deren Leib vom Torpedotyp abweicht, führen andere Schwimmbewegungen aus. Der wurmartige Aal schlängelt beim Schwimmen den Leib, die Schollen und andere Plattfische bewegen den flachen Körper wellenförmig. Die Rochen gebrauchen ihre lappenartig verbreiterten Brustflossen als Flügel. Wie der Vogel mit den Flügeln, so führen sie mit den Brustflossen wellenförmige Schläge von unten nach oben aus. Sie fliegen gewissermaßen im Wasser.
Im Gegensatz zu den Schollen und Rochen, die mit ihrem platten Körper wagerecht schwimmen, gibt es auch Fische, die mit einem flachen, scheibenförmigen Körper senkrecht im Wasser stehen. So hat der im Amazonenstrom heimische Blattfisch (Pterophyllum scalare) einen platt zusammengedrückten, blattartigen Körper. Die Schwanzflosse ist groß und breit, und die Rücken- und Afterflosse sind zu gewaltigen Segeln geworden. Der Fisch, der mit seiner grotesken Körperform kein guter Schwimmer sein kann, hält sich im Pflanzendickicht in möglichst ruhigem Wasser auf.
Der wundersamste Gesell unter den Fischen ist der Mondfisch (Orthagoriscus mola), der im Mittelmeer und im Atlantischen Ozean lebt. Sein platter, vertikal stehender Körper sieht aus wie die Mondscheibe. After- und Rückenflosse sind gleich groß und stehen sich oben und unten gegenüber. Der Fisch hat sonderbarerweise keinen Schwanz und ruft daher den Eindruck eines schwimmenden Fischkopfes hervor. Er wird infolgedessen auch „Schwimmender Kopf“ genannt ([Abbildung 6]).
Die Seepferdchen, die infolge ihrer höchst sonderbaren Gestalt alles Fischartige verloren haben, aber dennoch zu den Fischen zählen, schwimmen vermittels der sehr kräftig entwickelten Rückenflosse, die sehr schnelle, zitternde Bewegungen ausführt, welche sich von vorn nach hinten fortpflanzen. Hierdurch werden die benachbarten Wasserteile nach rückwärts verdrängt, und durch ihren Widerstand wird der Fischkörper vorwärts geschoben. Beim Schwimmen nach rückwärts geht die Bewegung der Flossenstrahlen in umgekehrter Weise vor sich. Der Schwanz dient beim Schwimmen als Steuer. Er ist außerdem ein Greiforgan, mit dem der Knochenfisch sich an Gegenständen, wie Tang und Pflanzenstengeln, anzuklammern vermag, wie man es in den Aquarien der Zoologischen Gärten jederzeit beobachten kann. Die Seepferdchen, die keiner Schausammlung eines Aquariums fehlen, üben wegen ihres eigenartigen Wesens und ihres sonderbaren Aussehens stets eine besonders große Anziehungskraft auf die Besucher aus. —
Das Schwimmen der Säugetiere
Unter den Säugetieren finden wir die Anpassung an das Wasserleben in der höchsten Vollkommenheit bei den Walfischen, die einen fischartigen Körper besitzen, der mit Flossen ausgerüstet ist. Die Vorwärtsbewegung erfolgt wie bei den Fischen durch die Schwanzflosse. Auf dieselbe Weise schwimmen auch die Robben mit ihren zum Gehen untauglichen hinteren Gliedmaßen, die zu Flossen geworden sind. Sie liegen in der Verlängerung der Längsachse des Körpers nach hinten gestreckt. Die Triebkraft erfolgt durch seitliches Zusammenschlagen ihrer senkrecht stehenden Flächen.
Bei den Fischen, Walfischen und Robben, die mit der Schwanzflosse oder den hinteren Gliedmaßen schwimmen, läßt sich die Art der Vorwärtsbewegung mit einem Schraubendampfer vergleichen, der durch die am hinteren Ende des Schiffsrumpfes liegende Schraube getrieben wird.
Andere Wassertiere, wie Biber und Fischotter, schwimmen mit den Füßen, deren Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind und als Ruder benutzt werden. Hier kommt das Prinzip des Auslegerbootes zur Geltung.
Das Schwimmen der Vögel
Unter den Vögeln sind die im südlichen Eismeer heimischen Pinguine die besten Schwimmer. Ihre Flügel sind flossenartig umgebildet, tragen anstatt Federn hornartige Plättchen und werden sowohl beim Schwimmen an der Oberfläche des Wassers wie beim Tauchen als Ruder benutzt. Die nach hinten gestreckten Füße dienen zum Steuern ([Abbildung 7]).
Alle übrigen Schwimmvögel, wie Gänse, Schwäne, Enten, Kormorane und Taucher, rudern stets mit den Füßen, die durch ihre Schwimmhäute breite Flächen haben. Einige Arten, wie Säger und Lummen, benutzen beim Tauchen und Schwimmen unter Wasser die Flügel als Ruder.
Die Wale, die wie die Fische ganz an ein Wasserleben gebunden sind, haben die Fähigkeit, sehr lange unter Wasser bleiben zu können, ohne Luft schöpfen zu brauchen. Die Finnwale (Balaenoptera) sollen sich mehrere Stunden an der Oberfläche des Wassers aufhalten und etwa alle zehn Minuten Luft holen. Hierdurch wird das Gewebe des Körpers so reichlich mit Sauerstoff durchtränkt, daß das Tier dann stundenlang in der Tiefe des Wassers weilen kann, ohne zu ersticken. Außerdem vermögen die sehr dehnbaren Lungen viel Luft aufzunehmen. —
Das Schwimmen der Quallen
Als ein Fallschirm im Wasser wirkt der glockenförmige Gallertkörper der Quallen. Die gallertartige Substanz ihres Körpers ist nur wenig schwerer als das Meerwasser, so daß nur eine geringe Kraft erforderlich ist, um ein Untersinken zu verhindern, wobei die schirmartige Gestalt von großem Vorteil ist. Die Fortbewegung erfolgt durch ein Zusammenziehen des weichen Körpers vermittels einer auf der Unterseite liegenden ringförmigen Muskulatur. Beim Zusammenziehen wird das im Körper befindliche Wasser rückwärts herausgepreßt, und der hierbei erfolgende Rückstoß treibt das Tier nach vorn. Die Qualle pumpt sich also gewissermaßen vorwärts.
Die Röhrenquallen oder Siphonophoren, welche nicht ein Einzelwesen, sondern, wie wir später noch sehen werden, eine ganze Kolonie von Tieren darstellen, haben oben eine Gasblase, die durch eine besondere Gasdrüse gefüllt wird. Diese Gasflasche verursacht einen Auftrieb, der die Röhre, um die die einzelnen Tiere gruppiert sind, senkrecht stellt.
Die zu den Röhrenquallen gehörende Segelqualle schwimmt nur an der Oberfläche des Wassers, ohne sich herabzusenken. Oben auf dem scheibenförmigen Körper steht ein großes dreieckiges Segel, das den Wasserspiegel überragt. So wird die Segelqualle wie ein Segelschiff durch den Wind auf dem Meere getrieben. Die Segelqualle besitzt noch eine andere Eigentümlichkeit, sie ist nämlich Luftatmer. Sie hat ein System von Luftkammern, das oben mit feinen Poren durchsetzt ist. Die in den Kammern befindliche Luft wird durch die Poren ausgepreßt und durch Frischluft ersetzt.
Durch zahlreiche Verästlungen dringt die Luft aus den Kammern in alle Teile der Tierkolonie.
Nesselorgane der Quallen
Die Quallen sind ferner mit Nesselorganen ausgerüstet, die als Fangarme auftreten oder als lange Fäden vom Körper herabhängen. Die Nesselorgane besitzen kleine Nesselkapseln, die einen spiralig aufgerollten Faden enthalten, der am vorderen Ende einen Dorn trägt. Bei Berührung wird der Deckel der Kapsel gesprengt, der Faden schnellt heraus, bohrt sich mit dem Dorn in das Opfer ein, und der Nesselsaft ergießt sich in den Körper. Das Gift lähmt oder tötet kleine Tiere sehr schnell.
Diese Nesselorgane, die nach dem Prinzip der Dynamitbombe, die durch Aufschlag explodiert, konstruiert sind, sind bei den Röhrenquallen besonders stark entwickelt. Wie ein Maschinengewehr beschießen die zahlreichen Nesselkapseln ein Tier, das mit den Fangfäden in Berührung kommt. —
Kletterbewegungen der Affen
Viele Säugetiere sind ausgezeichnete Kletterer. Obenan stehen die Affen als echte Baumtiere. Die kräftige Muskulatur ihrer langen Arme und Beine und die zu Greiforganen gewordnen Füße befähigen sie hierzu in hohem Maße. Bei einigen Affen ist auch der lange Schwanz zum Greiforgan geworden, das die kühnen Turnkünste vortrefflich unterstützt. Die Kapuziner- oder Rollschwanzaffen benutzen beim Klettern ihren Schwanz zum Festhalten, indem sie das Ende um einen Ast ringeln, und können sich sogar am Schwanz aufhängen. In bewundernswerter Weise verstehen die Klammeraffen (Ateles) ihren Schwanz zu gebrauchen. Er ist geradezu eine fünfte Hand. Der Affe springt in weitem Bogen durch die Luft. Im Sprunge erfaßt plötzlich der Wickelschwanz einen Ast, und der Affe schaukelt sich mit nach unten hängendem Körper, um im nächsten Augenblick den Schwung seines Körpers zu einem neuen Weitsprung auszunutzen. Unglaublich ist die Schnelligkeit, mit der der Schwanz als Hand benutzt wird, und mit der er den Bewegungen des Körpers, der Füße und Arme folgt und sich ihnen anpaßt. Die Verwendung des Schwanzes als Hand zeigt sich am besten darin, daß der Affe sogar imstande ist, Gegenstände mit dem Schwanz aufzuheben. Er benutzt ihn auch zum Ergreifen von Nahrung. Die untere Seite des Schwanzes ist nackt und besitzt ein feines Tastgefühl. —
Die Kunst des Fliegens spielt im Tierreich eine große Rolle. Sie erreicht ihre höchste Vollkommenheit bei den Vögeln, die zu Beherrschern der Luft geworden sind.
Das Fliegen der Lurche, Kriechtiere und Fische
Die niedrigste Form in der Biotechnik des Fluges ist das Fallschirmfliegen, wie wir es bei Lurchen, Kriechtieren, Fischen und einigen Säugetieren finden. Der Flug ist von Klettertieren erworben worden, indem sich die Kletterorgane allmählich zu Flugwerkzeugen umbildeten, die zunächst den Zweck hatten, in Gestalt eines Fallschirmes den Weitsprung sicherer zu gestalten und seine Leistung zu vergrößern.
Auf Borneo und Java leben eigentümliche Baumfrösche, die sich durch langzehige Füße auszeichnen, deren Zehen durch große Schwimmhäute verbunden sind. Beim Sprung in die Tiefe zieht der Frosch die Beine an den Körper und breitet die Zehen mit den Schwimmhäuten weit aus. Die Füße bilden vier Fallschirme, die den Frosch langsam und sicher in schräger Linie herabgleiten lassen. Der Javaflugfrosch ist oben tiefgrün, auf der Bauchseite gelb gefärbt. Die Schwimmhäute haben blaue Flecken. Er besitzt ebenso wie der etwas kleinere Laubfrosch Saugscheiben an den Zehen.
Eine bessere Flugeinrichtung sehen wir beim Flugdrachen (Draco volans), einer kleinen nur 21 cm langen Echse auf den Sundainseln. Die hinteren falschen Rippen sind über den Körper hinaus verlängert und durch eine Flughaut verbunden. In der Ruhe sind die Flughäute zusammengefaltet, beim Sprung durch die Luft werden sie wie ein Schirm aufgespannt. Der Flugdrache benutzt seine Flugkunst besonders zum Fang fliegender Insekten. Er springt von seinem Sitz herab, gleitet mit Hilfe der beiden Fallschirme im sanften Bogen durch die Luft und landet auf einem tiefer gelegenen Ast. Nach neueren Beobachtungen soll der Flugdrache bis zu 20 m weit fliegen können und sogar imstande sein, im Fliegen Hindernissen auszuweichen. Die Farbe des Körpers und der inneren Hälfte der Fallschirme ist ein metallisch glänzendes Rotbraun mit dunkeln Zeichnungen und Flecken. Die vordere Hälfte der Flughäute ist orangerot. Der Oberkopf und die Bauchseite sind grün.
Auch unter den Geckos finden sich einige Formen mit Flughäuten am Leibe und Spannhäuten zwischen den Zehen, die den Tieren einen kurzen Gleitflug gestatten. —
Wir befinden uns an Bord eines großen Dampfers und durchqueren den Indischen Ozean auf der Fahrt nach Ceylon. Unser Blick streift über die endlose Wasserfläche. Plötzlich taucht vor uns eine Schar kleiner Lebewesen aus dem Wasser auf, ihre Leiber glitzern wie Silber in dem Schein der Tropensonne. Sie schweben eine kurze Strecke über dem Meeresspiegel dahin, um schnell wieder im Wasser, aus dem sie raketenartig auftauchten, zu verschwinden. Es waren fliegende Fische. Diese eigentümlichen Gesellen sind Bewohner der warmen Meere; eine Art, der Schwalbenfisch (Exocoetus volitans), kommt auch im Mittelmeer vor. Die Flugfische besitzen sehr große, lange und breite Brustflossen, welche beim Fliegen als Tragflächen wirken. Der Fisch schnellt sich durch einen kräftigen Schlag mit der Schwanzflosse aus dem Wasser, spreizt die flügelartigen Brustflossen aus und gleitet in einer Kurve mit nur geringer Erhebung und kurzem aufsteigendem, aber langem abfallendem Ast über dem Wasserspiegel dahin. Im Fluge werden die ausgebreiteten Brustflossen nicht aktiv bewegt. Sie werden nicht als Flügel, sondern nur als Fallschirm gebraucht. Dagegen stellen sich die Flossen automatisch nach dem Winde ein, und die kräftigen Brustmuskeln, welche die Flossen halten, wirken dabei wie die Schnur eines Drachens. Der Flug der Fische erfolgt nach dem Prinzip des Drachens. Bei günstigem Aufstieg gegen den Wind können die Fische eine Entfernung bis zu 200 m im Gleitflug zurücklegen. Meist ist die Flugbahn nur 20–30 m lang. Kommt beim Aufsteigen aus dem Wasser der Wind von der Seite, so drehen sich die Flugflossen allmählich gegen den Wind ein, wodurch eine stärkere Krümmung der Flugbahn hervorgerufen wird. Am Tage erheben sich die Fische meist nur 1–2 m über das Wasser, in der Nacht dagegen führen sie höhere Flüge bis zu 6 m aus. In der Nacht werden die Fische häufig durch den Lichtschein der Schiffe angelockt und fallen dann bei ihrem Fluge auf Deck nieder.
Die Flugfische benutzen ihre Flugfertigkeit, um der Verfolgung der Raubfische zu entgehen, wie im Übermut und aus Spielerei, was dem „Springen“ anderer Fische entspricht ([Abbildung 8]).
Das Fliegen der Säugetiere
Auch unter den Säugetieren finden wir Fallschirmflieger. Die einfachste Form des Fallschirms stellt der zweizeilig behaarte, buschige Schwanz des Eichhörnchens dar. Im Sprung streckt das Eichhörnchen den Schwanz nach hinten und sträubt die langen dichten Haare seitwärts, wodurch eine Tragfläche gebildet wird, die den Sprung des Tiers unterstützt. Schneidet man einem Eichhörnchen den Schwanz ab, so ist es nicht mehr imstande, weite Sprünge auszuführen.
Besser ausgerüstet als die gewöhnlichen Eichhörnchen sind die Flughörnchen, die eine Spannhaut zwischen den Vorder- und Hinterfüßen haben, welche in der Ruhe zusammengefaltet, beim Sprunge schirmartig aufgespannt wird. Die Flughörnchen beleben in verschiedenen Gattungen mit etwa 50 Arten die nördliche Hälfte der Erdkugel von der warmen bis zur kalten Zone. Sie führen sämtlich ein Nachtleben und halten sich am Tage in hohlen Bäumen oder anderen Verstecken verborgen.
Die größte Art ist der in Ostindien und auf Ceylon beheimatete Taguan (Petaurista oral), der eine Länge von 120 cm erreicht, wovon etwa die Hälfte auf den sehr langen Schwanz kommt. Das Tier ist auf der Oberseite schwarzgrau, unten weißgrau gefärbt. Die mit sehr kurzen Haaren bedeckte Flughaut ist rötlich schwarzbraun. Der Taguan ist imstande, vermittels seiner Flughaut 60 m weite Sprünge auszuführen und kann mit Hilfe des als Steuer wirkenden Schwanzes noch in der Luft die Richtung verändern.
Der Zwerg unter den Flughörnchen lebt in Arrakan und Kotschinchina und hat eine Leibeslänge von nur 12 cm.
Der kaum größere Assapan (Glaucomys volans) Nordamerikas zeichnet sich durch große Beweglichkeit und Gewandtheit aus. Mit unglaublicher Schnelligkeit tollt er in den Zweigen umher, führt weite Sprünge aus, hängt sich schwebend an einen Ast, um im nächsten Augenblick fortzuhuschen. Man vermag den zierlichen, behenden Bewegungen des Tieres und dem schnellen Wechsel seiner Stellungen kaum mit dem Auge zu folgen. Aus großer Höhe springt der Assapan im Schwebeflug herab, um noch im letzten Augenblick vor dem Aufprall auf der Erde durch eine jähe Wendung einen Baumstamm oder Ast zu ergreifen und hurtig an ihm emporzurutschen. Das zierliche, gelbbraun gefärbte Tier ist ein wütender Räuber, der neben Pflanzenkost sehr die Fleischnahrung liebt, kleine Vögel, sogar Säugetiere überfällt und erwürgt.
Flughörnchen gelangen öfters in den Tierhandel. Sie sind sehr anmutige und fesselnde Zimmergenossen, die meist schnell zahm werden.
Nicht nur bei den Eichhörnchen, sondern auch in anderen Klassen der Säugetiere finden wir Fallschirmflieger. Hierzu gehört der etwa katzengroße Kaguang (Galeopithecus volans), der die Sundainseln, einige benachbarte kleinere Inseln und die Malaiische Halbinsel bewohnt. Das sonderbare Tier, das in Gebirgswäldern haust, besitzt ebenso wie die Flughörnchen eine Flughaut zwischen den vorderen und hinteren Gliedmaßen. Seine systematische Einreihung hat den Forschern viel Kopfzerbrechen verursacht, da es sowohl Merkmale der Halbaffen wie der Fledermäuse, der Raubtiere, der Beuteltiere und der Insektenfresser zeigt. Die neuere Systematik gliedert die Pelzflatterer, denen der Kaguang angehört, den Insektenfressern ein.
Unter den Beuteltieren hat der Eichhörnchen-Flugbeutler (Petaurus sciureus) die Kunst des Fallschirmfliegens erworben ([Abbildung 5]).
Eine höhere Stufe in der Technik des Fliegens als die Fallschirmflieger haben die Fledermäuse erreicht. Hier erhebt sich der Flug aus dem passiven Gleitflug der Fallschirmflieger zum aktiven Gebrauch der Flugwerkzeuge. Die Fledermäuse und ihre Verwandten bilden die besondere Ordnung der Flattertiere (Chiroptera), deren Hände zu Flugwerkzeugen geworden sind. Armknochen und Finger sind sehr lang. Die drei innersten Finger übertreffen an Länge sogar den sehr langen Unterarm. Durch diese Verlängerung der vorderen Gliedmaßen kann die faltenreiche Flughaut, die von den Hinterfüßen längs des Leibes bis zu den Händen reicht und auch die Finger ganz überzieht, weit ausgespannt werden. Die Flugeinrichtung ist also in der Hauptsache auf die vorderen Gliedmaßen verlegt, was bereits an die Vögel erinnert, bei denen die Arme zu Flügeln geworden sind.
Auch der übrige Bau des Körpers ist bei den Flattertieren in ähnlicher Weise wie bei den Vögeln dem Flugwesen angepaßt. Um die Atmung beim Fliegen zu erleichtern, ist der Brustkorb sehr geräumig, da die Wirbelsäule nach hinten gekrümmt ist, und das Brustbein sich unten von der Wirbelsäule nach außen entfernt. Ebenso wie bei den Kielbrustvögeln befindet sich auf der Mitte des Brustbeins ein Kiel, der die Ansatzfläche für die Brustmuskulatur, die die Arme beim Fliegen bewegt, vergrößert. Die Rippen sind zum großen Teil mit dem Brustbein und den Wirbeln, teilweise auch untereinander fest verschmolzen, so daß der Körper die zum Fluge notwendige Starrheit besitzt. Auch eine große Anzahl der Lendenwirbel ist mit dem Becken verwachsen.
Die Flughaut ist sehr kompliziert gebaut und besitzt ein filzartiges, sehr elastisches Gewebe, das reichlich mit Blutgefäßen durchsetzt ist und einen lebhaften Stoffwechsel unterhält. Ferner ist sie mit Sinneshaaren ausgestattet, die ein feines Tastempfinden ermöglichen.
Die Flugbewegung ist ein Flattern, d. h. die Flügel müssen ununterbrochen bewegt werden, um den Körper in der Luft zu halten. Ein Schweben, wie es die Vögel tun, kann die Fledermaus nicht ausführen. Trotzdem ist der Flug sehr gewandt, schnell und rascher Wendungen fähig. Ebenso wie bei den Vögeln hängt die Gewandtheit des Fliegens von der Bildung der Flügel ab. Fledermäuse mit langen, schmalen Flugflächen fliegen viel gewandter und schneller als solche mit kurzen und breiten Flughäuten. Vom Boden können die Fledermäuse nur unbeholfen und schwer auffliegen. Sie rutschen mit ausgebreiteten Flughäuten vorwärts, heben den Körper hoch und versuchen in die Höhe zu springen, bis es ihnen glückt, im Sprung die Flugwerkzeuge zu entfalten und sich in die Luft zu erheben. Infolge der Unbeholfenheit auf dem Erdboden ruhen alle Flattertiere stets in hängender Stellung. Im Absturz ist es ihnen ein leichtes, die Flughäute zu entspannen und den Flug aufzunehmen.
Die Nahrung der Flattertiere besteht in Früchten und Insekten. Einige Arten, die amerikanischen Blattnasen, saugen auch größeren Tieren das Blut aus. Für die Viehherden bilden diese blutsaugenden Fledermäuse eine große Plage. Der im Volksmunde als Blutsauger verschriene Vampir Brasiliens ist aber völlig zu Unrecht in diesen Verdacht gekommen. Er macht in dieser Beziehung gerade eine rühmliche Ausnahme unter seinen Verwandten, lebt nur von Insekten und Früchten und saugt niemals Blut.
Das Fliegen der Insekten
Völlig verschieden vom Fallschirmflug und Flatterflug ist das Fliegen der Insekten, das eine ganz besondere Technik darstellt.
Die Insekten, auch Sechsfüßler genannt, bilden einen besonderen Kreis unter den Gliedertieren, die sich durch einen in mehrfache Abschnitte (Segmente) gegliederten Körper und durch ebenfalls gegliederte Füße auszeichnen. Die Festigkeit des Körpers wird durch die Chitinhülle gegeben, die das fehlende innere Skelett ersetzt.
Die Insekten sind die einzigen wirbellosen Tiere, die fliegen können. Freilich besitzen nicht alle Vertreter dieser Klasse die Flugfähigkeit; viele Arten sind unflugfähig, bei anderen sind entweder nur die Männchen oder nur die Weibchen im Besitz der Flugkunst.
Mit Ausnahme der Mücken und Fliegen, die nur zwei Flügel besitzen, haben alle flugfähigen Insekten vier Flügel. Je ein Flügelpaar befindet sich an der Mittel- und Hinterbrust. Bei den Käfern ist das vordere Flügelpaar zu harten Flügeldecken geworden.
Die Technik des Insektenflugs beruht auf dem Prinzip des Hubflugs, d. h. die Arbeit der Flügel muß zunächst den Körper in der Luft halten, und nur die überschüssige Kraft, die hierfür nicht verbraucht wird, dient zur Fortbewegung. Das Heben des Körpers ist also die primäre und die Fortbewegung die sekundäre Erscheinung. Da der Hubflug aus einem beständigen Steigen und Fallen besteht, so ist der Fall um so größer, je langsamer die Flügelschläge aufeinander folgen. Je schneller also die Flügel arbeiten, um so günstiger gestaltet sich der Hubflug. Infolgedessen ist bei vielen Insekten die Anzahl der Flügelschläge ungeheuer groß. Der Hubflug wird dadurch zum Schwirrflug. Die Stubenfliege macht im Fluge in der Sekunde 190 Flügelschläge, die Honigbiene 200 und die Hummel sogar 240. Da im Fluge die meiste Kraft zur Erhaltung des Körpers in der Luft verbraucht wird, so ist die Fluggeschwindigkeit der Insekten nicht allzu groß. Sie beträgt bei der Stubenfliege 2,20 m in der Sekunde und bei der Biene 3,75 m. Die Geschwindigkeit des Insektenflugs ist also im Vergleich zum Vogelflug sehr gering, denn die Brieftaube durchfliegt in der Sekunde ca. 19 m. Im Gegensatz zum Insektenflug beruht der Vogelflug auf dem Prinzip des Drachenflugs, bei dem die Triebkraft in erster Linie der Vorwärtsbewegung zugute kommt.
Bei den mit vier Flügeln ausgerüsteten Insekten leisten Vorder- und Hinterflügel ungefähr dieselbe Arbeit mit derselben Anzahl der Flügelschläge. Eine Ausnahme machen jedoch die Käfer mit ihren zu harten Schutzdecken umgebildeten Vorderflügeln. Die frühere Ansicht, daß ihre Vorderflügel am Fliegen nicht aktiv beteiligt sind, ist durch neuere Beobachtung widerlegt worden. Sie bewegen sich von oben nach unten, ohne jedoch die Horizontallinie zu erreichen, und ihre Schläge sind langsamer als die der Hinterflügel, die die Hauptarbeit des Fliegens verrichten. Der Maikäfer ist nicht imstande, ohne weiteres aufzufliegen, sondern er muß erst eine mühsame Vorbereitung treffen. Er „zählt“, wie der Volksmund sagt, d. h. er bewegt in gleichmäßigem Takt Leib und Fühler auf- und abwärts. Hierdurch wird durch die an den Seiten des Leibes liegenden Atemöffnungen ein Luftvorrat in besondere Luftsäcke eingepumpt. Dieser Luftvorrat befähigt erst den Maikäfer, sich in die Luft zu erheben.
Die Schmetterlinge mit ihren großen und breiten Flügeln sind imstande, außer dem Hubflug auch einen Segel- und Gleitflug auszuführen. Ihre Flugtechnik nähert sich daher der Flugkunst der Vögel.
Libellen und Fliegen können im Fluge sehr schnelle und scharfe Wendungen und Drehungen ausführen, weil der Schwerpunkt ihres Körpers in der Drehachse zwischen den Flügeln liegt.
Wenn ein größeres Insekt, wie eine Libelle oder ein Schmetterling, im Zimmer unterhalb der Decke dahinfliegt, so stößt es fortgesetzt an der Decke an. Die Ursache liegt nicht an einer Ungeschicklichkeit des Fliegens, sondern hat ihre physikalischen Gründe. Über dem fliegenden Insekt entsteht ein luftleerer Raum, der sich um so weniger schnell mit Luft füllen kann, je näher das Tier der Decke ist. Hierdurch wird der luftleere Raum verstärkt und das Tier nach oben gezogen, wodurch der Anprall an der Zimmerdecke erfolgt.
Das Fliegen der Vögel
Die höchste Vollkommenheit hat das Flugwesen bei den Vögeln erreicht, die die Beherrscher der Luft geworden sind. Das Fliegen der Vögel ist bald ein Dahinstürmen durch die Luft, wobei die Flügel ruderartig bewegt werden, bald ein Gleiten oder ein Schweben und Kreisen, wobei der Vogel ohne Flügelschlag die Luft durchschneidet, in prachtvollen Schwenkungen sich hebend und senkend. Der Flug der Kolibris ist ein Schwirren. Mit unglaublich schnellen Flügelschlägen, die man mit dem Auge nicht mehr wahrnehmen kann, rüttelt der Kolibri vor der Blüte und taucht dabei seinen langen Schnabel in den Blumenkelch, um Nektar zu schlürfen und kleinste, im Innern der Blüte verborgene Insekten hervorzuholen. Der Turmfalke steht mit hastigen Flügelschlägen in der Luft, nach Insekten oder Mäusen ausspähend. Eine solche Flugkunst erfordert eine besondere Organisation sowohl des Körpers wie der Flugwerkzeuge.
Ein gewandter Flug verlangt vor allem eine gewisse Starrheit des Rumpfes. Dieser muß wie ein stählernes Luftschiff die Luft durchschneiden. Jede Biegsamkeit und Weichheit würde für die Erhaltung des Gleichgewichts hinderlich sein. Infolgedessen bildet das Skelett des Vogels eine geschlossene Einheit. Die Wirbelsäule ist unbeweglich, mit dem Becken fest verschmolzen und bildet mit den Rippen und dem sehr großen Brustbein ein geschlossenes Ganzes. Die Festigkeit des Brustkorbes wird bei vielen Vögeln noch durch besondere Hakenfortsätze der Rippen, welche diese gegenseitig stützen, erhöht. Von dem kurzen Schwanzskelett sind die ersten Wirbel mit dem Becken verwachsen und die letzten Wirbel zu einem einheitlichen Knochen, dem Steißknochen, verschmolzen, so daß nur die mittleren 5–7 Wirbel frei und beweglich sind, um dem Schwanz Bewegungsfreiheit zu geben.
Der Schultergürtel stellt die Verbindung der Flügel mit dem Rumpf her. Die säbelförmigen Schulterblätter laufen dem Rückgrat parallel und erstrecken sich bisweilen fast bis zum Becken. Am vorderen Ende der Schulterblätter befinden sich die Rabenschnabelbeine. Sie führen senkrecht nach unten zum Brustbein und sind fest mit diesem verankert. Sie verleihen den Schultern und den auf ihnen ruhenden Flügeln eine feste Stütze. Die Schlüsselbeine sind zum einheitlichen Gabelbein verwachsen. Also überall im Körperbau das Prinzip der Festigkeit und geschlossenen Einheit, wie es für den Flug erforderlich ist.
Das große und breite Brustbein trägt in der Mitte eine kammartige Erhöhung, den Kiel, der die Ansatzfläche für die Brustmuskeln, welche die Flügel bewegen, vergrößert. Dieser Kiel ist das typische Wahrzeichen für die Flugfähigkeit des Vogels. Er fehlt nur den Straußen, Nandus, Emus, Kasuaren und Kiwis, welche nicht fliegen können. Man nennt daher diese Vögel „Flachbrustvögel“ (Ratitae) im Gegensatz zu den „Kielbrustvögeln“ (Carinatae).
Arme und Hände haben ihre ursprüngliche Bedeutung völlig verloren und sind ganz dem Flugwesen angepaßt. Unterarm und Hand sind die Träger der Schwungfedern, die dementsprechend als „Handschwingen“ und „Armschwingen“ unterschieden werden. Da die Hand ihre Bedeutung als Greiforgan eingebüßt hat, so ist die Zahl der Finger und Handknochen erheblich reduziert. Es sind nur 2 Mittelhandknochen und nur 3 Finger vorhanden, von denen 2 verwachsen sind und der äußere dritte, der als Daumen anzusehen ist, ein besonderes kleines Flügelchen, wissenschaftlich „Alula“ genannt, trägt, dessen Bedeutung wir später noch kennenlernen werden. Kasuare und Kiwis haben sogar nur einen Finger an ihrer ganz verkümmerten Hand.
Die Bewegung der Armknochen ist beschränkt und nur so weit gestattet, als es für den Flug notwendig ist. Hierdurch wird jede unnütze Bewegung, die den Flug beeinträchtigen würde, ausgeschaltet. Hand und Unterarm können nämlich nur horizontal in der Ebene des ausgespannten Flügels bewegt werden, aber in keiner anderen Richtung. Sie gestatten also nur die Bewegung, die zum Öffnen und Schließen der Flügel notwendig ist. Sie werden wie ein Taschenmesser auf- und zugeklappt. Der geöffnete Flügel bildet also eine einheitliche feste Tragfläche, die beim Fliegen schraubenartig im Schultergelenk bewegt wird.
Die Technik des Fliegens
Der Flug der Vögel erfolgt in verschiedener Weise. Werden die Flügel gleichmäßig auf und nieder bewegt, so spricht man vom „Ruderflug“. Die Flügel wirken in der Luft wie die Ruder eines Bootes im Wasser. Der Ruderflug, den alle Vögel ausführen, ist die typische Flugbewegung. Erfolgt sie sehr schnell mit schnurrenden Flügelschlägen, so wird der Ruderflug zum „Schwirrflug“, wie ihn in höchster Vollkommenheit die Kolibris ausüben. Im Gegensatz zum Schwirrflug steht der Flatterflug, der mit hastigen, unbeholfenen Flügelschlägen vor sich geht, wie wir ihn bei den Hühnervögeln finden.
Beim „Gleitflug“ senkt sich der Vogel in schräger Linie aus der Höhe herab mit völlig unbeweglichen Flügeln. Der Motor wird also abgestellt, und die noch im Körper aufgespeicherte Kraft der Vorwärtsbewegung wird dabei ausgenutzt. Die ausgespannten Flügel wirken dann als Fallschirm.
Eine besondere Eigentümlichkeit des Vogelflugs ist der„Segelflug“, der den Forschern viel Kopfzerbrechen verursacht hat. Der segelnde Vogel schwebt ohne sichtbaren Flügelschlag durch das Luftmeer, senkt sich, steigt höher, führt gewandte Schwenkungen aus, zieht Kreise oder bewegt sich in Schraubenlinien auf- und abwärts — eine vollendete Technik des Fliegens! Besonders die Möwen sind wahre Künstler im Segelflug. Ihnen fast gleich tun es die größeren Raubvögel. Wohl jeder hat schon das Kreisen des Bussards hoch in der Luft bewundert.
Wie ist dieser Flug ohne Flügelschlag möglich? Zu seiner Erklärung hat man die verschiedensten Theorien aufgestellt. So glaubte man, daß aufsteigende Luftströmungen den Vogel in der Luft tragen und heben, so daß die Triebkraft der Flügelbewegung unnötig wird und die Flügel nur als Segel und Fallschirm wirken. Diese Annahme ist jedoch nicht zutreffend, denn die Vögel schweben auch an solchen Orten, wo keine aufsteigenden Luftströme vorhanden sind, z. B. die Möwen über dem Meeresspiegel, die Raubvögel und Störche über dem flachen Lande. Andere Forscher meinten daher, daß der Segelflug mit Hilfe feiner, zitternder Bewegungen der Flügel ausgeführt werde, die in größerer Entfernung nicht mehr wahrnehmbar sind. Solche geringen Flügelbewegungen können aber unmöglich ausreichen, um den Vogelkörper in der Luft zu tragen und ihn sogar zu so ungewöhnlichen Flugkünsten zu befähigen. Nach einer anderen Auffassung soll die aus der Kreisbewegung sich ergebende Zentrifugalkraft die Energie zur Überwindung der Schwerkraft liefern. Hiergegen läßt sich einwenden, daß der Segelflug keineswegs von einer Kreisbewegung abhängt, da er auch geradlinig erfolgt.
Alle diese Erklärungen sind nur reine Theorien, die einer gewissenhaften Kritik nicht standhalten können.
Der durch seine ersten Flugversuche berühmte Techniker Otto Lilienthal schreibt in seinem Werke „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“: „Fragen wir uns, worauf wir die Möglichkeit des Segelns zurückzuführen haben, so müssen wir in erster Linie die geeignete Flügelform dafür ansehen; denn nur solche Flügel, deren Querschnitte senkrecht zu ihrer Längsachse die geeignete Wölbung zeigen, erhalten eine günstige Luftwiderstandsrichtung, daß keine größere Geschwindigkeit verzehrende Kraftkomponente sich einstellt. Aber es muß noch ein anderer Faktor hinzutreten; denn ganz reichen die Eigenschaften der Fläche allein nicht aus, um dauerndes Segeln zu gestatten. Es muß ein Wind von einer wenigstens mittleren Geschwindigkeit wehen, welcher dann durch seine aufsteigende Richtung die Luftwiderstandsrichtung so umgestaltet, daß der Vogel zum Drachen wird, der nicht nur keine Schnur gebraucht, sondern sich sogar frei gegen den Wind bewegt.“
Gustav Lilienthal, der Bruder des verstorbenen Aviatikers, hat die Untersuchungen über die Biotechnik des Fliegens fortgesetzt und nachgewiesen, daß außer einer geeigneten Wölbung des Flügels vor allem die Dicke der Flügelknochen für den Segelflug in Betracht kommt. Nach Lilienthal ist der Auftrieb einer gewölbten Fläche um so größer, wenn die vordere Kante verdickt ist, wie es beim Vogelflügel der Fall ist. Alle Vögel, die segeln, haben besonders starke Armknochen. Während z. B. der Unterarm des Fasans, der nicht segeln kann, nur ¹⁄₃₀ so dick ist als die Flügelbreite, beträgt die Armstärke beim Albatros, der ein vortrefflicher Segler ist, den achten Teil der Flügelbreite. Außerdem spielt auch die Länge der Flügel für das Segeln eine große Rolle. Nach Lilienthal können nur Vögel mit stark gewölbten und verdickten Flügeln den Segelflug ausüben, und zwar nur im möglichst gleichmäßigen Winde, also über dem Lande nur in größeren Höhen, über dem Wasser auch in geringerer Tiefe. Der segelnde Vogel wird also vom Winde getragen und getrieben.
Im Gegensatz zu Lilienthals Erklärung steht die Anschauung Ahlborns, der meint, daß nicht ein gleichmäßiger Wind, sondern gerade die Windschwankungen die Kraftquelle für den Segelflug geben, indem sie dieselbe Wirkung ausüben wie die aktiven Flügelschläge. Die positiven Windstöße wirken wie die Tiefschläge der Flügel, die Flauten wie die Hochschläge. Die eigentlichen Triebfedern beim Segelflug sind die gespreizten äußeren Handschwingen, die sich automatisch in die Vortriebstellung einrichten.
Der Segelflug, den nur gewisse Vögel ausüben können, bedarf jedenfalls noch einer weiteren gründlichen Erforschung, denn die Widersprüche über seine Entstehung und die Art seines Wesens sind noch zu groß, um ein klares Urteil zu gestatten.
Eine andere Flugart ist das „Rütteln“, wobei der Vogel mit schnellen Flügelschlägen an derselben Stelle in der Luft stehenbleibt. Man sieht es hauptsächlich vom Turmfalken, der infolgedessen auch Rüttelfalk genannt wird. Ebenso wie der Segelflug bedarf auch der Rüttelflug, der nur wenigen Vögeln eigen ist, noch der Aufklärung.
Die Alula oder der Afterflügel des Daumens scheint zum Bremsen der Fluggeschwindigkeit und zum Steuern zu dienen. Vor dem Landen wird der entfaltete Afterflügel abgespreizt und aus der Flügelfläche heraus schräg nach oben gestellt. Hierdurch wird der Körper um seine Querachse nach oben gedreht, und der Vogel kommt in eine aufrechte Haltung, wie sie zum Sitzen erforderlich ist. Ein ungleichmäßiges Aufrichten beider Afterflügel dient wahrscheinlich zur Quersteuerung.
Die seitliche Steuerung während des Fluges wird mit den Flügeln ausgeführt. Durch Verminderung des Flügelschlages und Anziehen eines Flügels wird der Körper seitwärts beigedreht.
Der Schwanz kommt anscheinend als Steuer nur wenig in Betracht. Der ausgebreitete Schwanz wirkt als Tragfläche, die einen Auftrieb verursacht und die Herstellung des Gleichgewichts erleichtert. Infolgedessen wird beim abwärts gerichteten Fluge der Schwanz nach oben gestellt, um seine hebende Wirkung auszuschalten.
Die Beine werden beim Fliegen auf längere Strecken nach hinten unter den Schwanz gelegt. Den Hals strecken wohl die meisten Vögel beim Fliegen nach vorn, einige, wie z. B. die Reiher, ziehen ihren langen Hals ein.
Das Auffliegen erfolgt stets gegen den Wind, und zwar meist in schräger Linie. Kleine Vögel, wie z. B. die Lerchen, steigen auch senkrecht in die Höhe, was man als „Kletterflug“ bezeichnet.
Fluggeschwindigkeit und Flugdauer der Vögel
Die Fluggeschwindigkeit der Vögel ist früher sehr überschätzt worden. Die größte Fluggeschwindigkeit entfalten die tropischen Stachelschwanzsegler (Chaetura) und der Fregattvogel mit einer Eigengeschwindigkeit von etwa 40–44 m/sec. Die Geschwindigkeit der Brieftaube beträgt etwa 19–20 m/sec., also ungefähr 70 km in der Stunde, was nahezu der Schnelligkeit eines Eilzuges gleichkommt.
Manche Vögel haben eine fabelhafte Flugdauer. Der Mauersegler verbringt den größten Teil seines Lebens in der Luft, in der sich sogar die Begattung abspielt. Möwen und andere Seevögel fliegen stundenlang über dem Meere, ohne zu ermüden. Die ausdauerndsten Flieger sind die Sturmvögel, deren Heimat der offene Ozean ist, wo sie tagelang in Unwetter und Sturm über den Wellen dahinschweben, nur hin und wieder eine kurze Rast auf dem Wasserspiegel haltend. Ein Albatros, der größte Sturmvogel, folgte einem Schiff, das mit 4,5 Knoten Geschwindigkeit fuhr, sechs volle Tage im Fluge.
Die Sturmvögel gehören zu den wunderbarsten Vogelgestalten. Sie suchen ihre Nahrung, Fische und Meerestiere, an der Oberfläche des Wassers und treiben sich tagelang mitten auf dem Weltmeere umher, bald niedrig über den Wellen fliegend, geschickt jeder Bewegung des Wassers folgend, ohne sich zu benetzen, bald in herrlichen Schwenkungen höher steigend, um dann in reißend schnellem Fluge durch die Luft zu schießen. Mit größter Gewandtheit und Schnelligkeit drehen und wenden sie sich im Fluge nicht nur nach der Seite, sondern auch auf- und abwärts. Die kleineren Sturmtaucher verschwinden aus reißend schnellem Fluge plötzlich in den Wellen, schwimmen, auf der Jagd nach Beute, ein Stück unter Wasser, wobei sie mit den Füßen und Flügeln rudern, um dann wie eine Rakete aus dem Wasser wieder aufzutauchen und durch die Luft zu jagen. Die Sturmvögel sind die besten, gewandtesten und ausdauerndsten Flieger aller Vögel. Sie nisten an den Meeresküsten und auf Inseln, teils auf dem Erdboden, teils in selbst gegrabenen Erdlöchern. Die Farbe des Gefieders ist im allgemeinen rauchbraun mit mehr oder weniger weißen Abzeichen auf dem Rücken und der Unterseite. Die Sturmvögel bewohnen alle Weltmeere zwischen dem Nördlichen und Südlichen Eismeer. Ihr Verbreitungszentrum liegt jedoch in den warmen Zonen.
Eine besondere Eigentümlichkeit der Sturmvögel ist der Bau der Nasenlöcher. Diese liegen entweder zusammen in einer einheitlichen Röhre auf der Firste des Schnabels, oder in zwei verwachsenen Röhren, oder aber in zwei getrennten Röhren auf jeder Seite des Schnabels. Die Sturmvögel bilden eine eigene Ordnung in der Reihe der Vögel.
Stimme und Gesang der Vögel
Außer dem Flugvermögen ist noch eine zweite Eigenschaft bei den Vögeln zur höchsten Entwicklung gelangt, nämlich die Stimme. Sie hat bei keinem anderen Tier eine solche Vollkommenheit erreicht als beim Vogel und besonders beim Singvogel. Der Gesang der Nachtigall in milder Lenzesnacht mit seinen flötenden, sehnsuchtsvoll schluchzenden Tönen, der markige Schlag der Drossel, das melancholische Lied des Rotkehlchens und die frischen Wirbel der Feldlerche sind herrliche Musik, die das Herz des nüchternsten Menschen erwärmen müssen.
Die hohe Ausbildung der Stimme bei den Vögeln ist vielleicht eine Folge ihrer Flugkraft. Die große Beweglichkeit, die der Flug dem Vogel verleiht, erhöhte die Bedeutung der Stimme als gegenseitiges Verständigungsmittel, als Anlockungsmittel bei ihrem geselligen Leben, und um in der Paarungszeit den Zusammenschluß der Geschlechter herzustellen. Der Gesang der Singvögel spielt ja gerade in der Brunstzeit eine so bedeutende Rolle beim Erwerb der Gattin, die durch die verführerischen Töne angelockt und geschlechtlich erregt wird, und als Waffe im Kampf mit dem Nebenbuhler. Ein Sängerkrieg im wahrsten Sinne des Wortes ist der Vogelgesang im Frühjahr.
Eine so hohe Fähigkeit der Stimmbildung verlangt freilich eine besondere Organisation. So besitzt denn der Vogel ein eigenes Organ für die Erzeugung der Stimme, einen zweiten Kehlkopf, der zwischen Luftröhre und Bronchien eingeschaltet ist. Es ist der „untere Kehlkopf“ oder „Syrinx“, der mit besonderen Membranen, die durch ein kompliziertes Muskelsystem gespannt werden, ausgerüstet ist. Der untere Kehlkopf läßt sich in seinem Bau mit einem Blasinstrument vergleichen. Ebenso sind die Luftsäcke, die einen großen Teil des Vogelkörpers durchziehen und von den Lungen mit Luft versorgt werden, sowie die teilweis eigenartig geformte Luftröhre, die sich bisweilen in großen Windungen durch das Brustbein hindurch bis in die Leibeshöhle erstreckt, von großer Bedeutung für die Stimme. Es würde zu weit führen, hier auf den Bau dieser Organe näher einzugehen, zumal ich sie in meinem Werk „Das Leben der Vögel“[1] eingehend geschildert habe, das auch die „Stimme und den Gesang der Vögel“, ihre Entstehung und Bedeutung ausführlich behandelt.
Instrumentallaute der Störche, Spechte, Bekassinen, Enten
Freilich besitzen nicht alle Vögel des Gesanges süße Gabe. Viele Vögel, z. B. Gänse, Enten, schnepfenartige Vögel und andere vermögen nur wenige Laute hervorzubringen, die zum Teil sogar recht unschön sind. Andere Vögel sind ganz oder doch fast stumm. Der Strauß bringt nur in der Paarungszeit ein dumpfes Brummen hervor und sagt sonst gar nichts. Der männliche Wiedehopf ruft ein eintöniges „hup, hup“, sein Weibchen ist stumm. Unser allbekannter Freund Adebar ist bis auf ein heiseres Zischen, das im Rachen erzeugt wird und kein eigentlicher Stimmlaut ist, völlig schweigsam. Nur die jungen Nestvögel lassen ein katzenartiges Miauen hören. Den Mangel seiner Stimme weiß der alte Storch aber in anderer Weise zu ersetzen. Er klappert mit dem Schnabel, indem er die Schnabelhälften heftig aneinanderschlägt und dabei den Kopf auf den Rücken legt und allmählich aufrichtet. Das Klappern spielt im Leben des Storchs, den der Volksmund nicht mit Unrecht „Klapperstorch“ nennt, eine große Rolle. Es ist nicht nur ein Zeichen geschlechtlicher Erregung, sondern wird auch sonst fleißig geübt. Es dient zur gegenseitigen Begrüßung und zum Ausdruck freudiger, wie bösartiger Stimmung. Sogar die ganz jungen Störche klappern bereits im Horst mit ihren noch weichen Schnäbeln, oder richtiger gesagt, sie führen nur die Klapperbewegung aus, denn die anfangs noch weichen Schnabelränder erzeugen noch keinen Ton.
Das Klappern des Storchs ist eine Instrumentalmusik, wie sie auch von anderen Vögeln ausgeübt wird. Hierzu gehört das Trommeln der Spechte. Der Specht führt hierbei mit seinem sehr harten Schnabel schnelle, wirbelartige Schläge auf einem dürren Ast aus, dessen Holz hierdurch in seinen Bestandteilen in Schwingungen versetzt wird und einen surrenden Ton erzeugt.
Die männlichen Spechte trommeln im Frühjahr, um sich den Weibchen bemerkbar zu machen, und zwar sind es hauptsächlich die Buntspechte, welche diese Kunst ausüben, da sie außer ihrem eintönigen Lockruf, der wie ein kurzes, scharfes „kick“ klingt, weiter keine Töne hervorbringen können. Die Grünspechte, die einen weithinschallenden, melodischen Ruf haben, trommeln weniger, sondern suchen sich mehr durch ihre Stimme bemerkbar zu machen.
James’ Preß Agency, London
Abbildung 12
Ein Flugsaurier der Jurazeit
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GRÖSSERES BILD
Friedrich v. Lucanus phot.
Abbildung 13
Rentier-Herde
in einem Lappenlager in Tromsoe
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GRÖSSERES BILD
Wenn wir im Frühjahr des Abends an einem Luch entlang wandern, dann hören wir aus der Höhe eigenartige Töne herabschallen, die an das Meckern einer Ziege erinnern. Es ist die Bekassine oder Himmelsziege, die ihren Balzflug in der Luft ausübt und diese sonderbaren Töne hervorbringt, die den fehlenden Gesang ersetzen sollen. Durch einwandfreie Untersuchung namhafter Ornithologen ist festgestellt worden, daß es sich auch hier nicht um Stimmlaute, sondern um Instrumentalmusik handelt. Die Bekassine bringt die Töne mit den Schwanzfedern hervor. Sie läßt sich im schrägen Bogen mit halb angezogenen Schwingen in der Luft ein Stück herunterfallen und spreizt die Schwanzfedern aus. Der Luftstrom, der unterhalb der Flügel nach rückwärts entweicht, trifft auf die äußeren Schwanzfedern und setzt sie in Schwingungen, welche einen surrenden Ton hervorrufen. Durch feine Zuckungen mit den Flügeln wird die Tonfolge fortlaufend unterbrochen, wodurch ein dem Meckern ähnliches Tremulieren entsteht. Aus dem Absturz schwingt sich der Vogel wieder in die Höhe, um das Spiel von neuem zu beginnen.
In einer Jagdzeitschrift behauptete jüngst ein Weidmann, daß er eine Bekassine beobachtet habe, die auf dem Erdboden sitzend meckerte, und zweifelte infolgedessen die Theorie des Schwanzmeckerns an. Dies ist jedoch ein Irrtum, der wohl dadurch veranlaßt wurde, daß gleichzeitig eine zweite Bekassine in der Nähe ihren Balzflug ausführte, was von dem Beobachter übersehen wurde. Daß die Bekassine die Töne tatsächlich mit den Schwanzfedern hervorbringt, ist durch eingehende Beobachtung und experimentelle Untersuchung festgestellt worden und unzweifelhaft richtig. Man kann das Meckern künstlich hervorrufen, wenn man eine äußere Schwanzfeder der Bekassine mit dem Kiel senkrecht auf einer biegsamen Rute befestigt und dann diese kräftig durch die Luft schwingt.
Die Tauben lassen beim Auffliegen ein laut klatschendes Geräusch erschallen, indem sie die Flügelspitzen über dem Rücken kräftig aneinanderschlagen. Man darf diese Instrumentallaute wohl als ein Warnsignal ansehen, das die Genossen zur Flucht veranlassen soll.
Eine sexuelle Bedeutung hat das Flügelklatschen, das der Ringeltäuber im Balzflug ausübt.
Bei der Indischen Baumente (Dendrocygna javanica) zeigt die erste Schwungfeder eine starke Ausbuchtung auf der Innenfahne, durch die im Fluge ein lautes, pfeifendes Geräusch hervorgebracht wird. Diese Feder ist also ein regelrechtes Musikinstrument, eine „Schallschwinge“, die zur gegenseitigen Verständigung dieser stimmlosen Enten dient, um im Fluge die Verbindung aufrechtzuerhalten.
Das Kaninchen, welches nur in höchster Lebensnot Klagetöne ausstößt, im übrigen aber fast stumm ist, warnt seine Genossen bei Gefahr durch lautes Aufschlagen mit den Hinterläufen auf den Erdboden. Sobald dies Signal ertönt, fahren alle in der Nähe befindlichen Wildkaninchen zu Bau.
Instrumentallaute der Fische
Unter den im allgemeinen stummen Fischen gibt es einige Arten, die Töne hervorbringen können, die ebenfalls keine Stimm-, sondern Instrumentallaute sind. Einige Welsarten Amerikas und der Knurrhahn bringen durch krampfartige Zusammenziehung der Muskeln im Innern ihres Körpers Geräusche hervor, die sich auf die äußere Wand der Schwimmblase übertragen, welche als Resonanzboden wirkt und den Ton verstärkt. Andere Fische erzeugen Töne durch Reibung der Kiemendeckelteile, der Zähne, der Schultergürtelknochen und der Flossenstacheln. Diese Geräusche lassen bei einigen Arten besonders die Männchen zur Fortpflanzungszeit hören, um die Weibchen anzulocken, woraus man meinte schließen zu können, daß nicht alle Fische taub sind, eine Annahme, die freilich noch der Bestätigung bedarf, da, wie schon an anderer Stelle gesagt wurde, die Wahrnehmung der Schallwellen auch durch den Wasserdruck auf die Seitenorgane erfolgen kann.
Stimme der Lurche
Unter den Lurchen finden wir bei den Fröschen bereits einen wohlentwickelten Kehlkopf mit Stimmbändern. Bei vielen Arten wird die Stimme noch durch ein besonderes Instrument, die Schallblasen, welche mit Luft angefüllt werden, verstärkt. Die Schallblasen liegen entweder innerlich, wie bei den Unken und Grasfröschen, oder sie treten äußerlich hervor, wie beim Laubfrosch und Wasserfrosch. Die Schallblasen des Laubfrosches liegen unter der Kehle und sind von einer gemeinsamen Haut überzogen, so daß die aufgeblähten Blasen wie eine große Kugel erscheinen. Beim Wasserfrosch treten die beiden Schallblasen durch besondere Schlitze an den hinteren Seiten des Kopfes hervor.
Instrumentallaute der Reptilien
Unter den Reptilien ist die Klapperschlange wegen ihres an der Schwanzspitze sitzenden Rasselinstruments allgemein bekannt. Diese Klapper entsteht erst allmählich durch die wiederholten Häutungen der Schlange. Der Vorgang ist folgender: Die beiden letzten, verschmolzenen Schwanzwirbel sind mit einer hornartigen Kappe überzogen. Bei der Häutung streift sich diese Kappe nicht ab, sondern bleibt als Ring an der sich neu bildenden Hornhaut des Schwanzendes haften. Durch weitere Häutungen nimmt die Zahl der Ringe zu, die jedoch auch bei alten, erwachsenen Tieren meist nicht mehr als 12 beträgt und selten bis auf 21 anwächst, was die höchste bisher festgestellte Ringzahl ist. Der Prozeß scheint sich also nicht bei jeder Häutung, die mehrmals im Jahre stattfindet, zu wiederholen. Die einzelnen Hornringe sind gegeneinander beweglich und erzeugen durch schnelles Hin- und Herschwingen des Schwanzendes das Rasseln. Das Klappern geschieht nicht nur in der Erregung, wodurch es unter Umständen zum Warnsignal werden kann, sondern bezweckt in erster Linie die gegenseitige Anlockung der Geschlechter. Durch das Klappern verraten sich die Giftschlangen ihrem ärgsten Feind, dem Menschen, und tragen so unbewußt zu ihrer eigenen Vernichtung bei.
Die amerikanischen Klappschildkröten (Cinosternum) haben auf der Innenseite des Oberschenkels eine mit Hornhöckern besetzte Stelle. Durch Reibung dieser Gebilde können die Schildkröten einen zirpenden Ton hervorbringen.
Die Klappschildkröten führen ihren Namen nach der eigenartigen Verschlußvorrichtung ihres Panzers. Das Brustschild besteht aus drei Teilen, von denen der vordere und hintere Teil beweglich sind und an den Rückenpanzer angeklappt werden können, was den Tieren einen vorzüglichen Schutz gegen ihre Feinde gibt.
Ein eigenartiger Musikant ist der mittelasiatische Wundergecko. Der kleine Kerl bringt mit dem Schwanz zirpende Töne hervor, indem er die dachziegelartig übereinanderliegenden Hautschuppen aneinanderreibt. Durch sein Zirpen lockt der Gecko Heuschrecken an, die seine bevorzugte Nahrung bilden. „Er ergeigt sich“, wie Brehm treffend sagt, „seinen Lebensunterhalt.“ —
Das Zirpen der Heuschrecken
Das Zirpen der Heuschrecken im saftigen Wiesengras hat ja jeder schon gehört. Das Instrument, mit dem der kleine grüne Musikant die lieblichen Töne hervorbringt, befindet sich an den Hinterfüßen und den Flügeln. An der Innenseite der keulenartig verdickten Schenkel der Hinterbeine steht eine Reihe kleiner Zapfen, und die Flügel haben eine leistenartig vorstehende Ader. Durch Reiben der Zapfen an dieser Ader entsteht der zirpende Ton, der durch die als Resonanzboden wirkenden Flügel noch verstärkt wird. Die Tiefe und Höhe des Tons wechselt je nach der Schnelligkeit, mit der der Musikant die Geige spielt. Die Töne werden natürlich von den Heuschrecken selbst vernommen. Ihr Ohr sitzt aber nicht am Kopf, sondern am ersten Ring des Hinterleibes. Hier befindet sich auf jeder Seite ein Häutchen, das Trommelfell, das über einen Hohlraum gespannt ist, in dem der Hörnerv liegt.
Bei den Grillen erfolgt das Zirpen durch ein Aneinanderreiben beider Flügeldecken, die vorstehende Schrilladern besitzen.
Meister in der Tonkunst sind die Zikaden, die in über 1000 Arten die warmen Länder, besonders Asien bewohnen. Eine Art, die Bergzikade, kommt auch in Deutschland vor. Die Zikaden tragen einen komplizierten Singapparat am Hinterleibe, der aus zwei Trommelhäuten besteht, die durch starke Muskeln in Schwingungen versetzt werden. Hierdurch entstehen sehr laute, schrille Töne. Die Zikaden leben sehr gesellig im Gipfel der Bäume. Beginnt ein Männchen seinen Gesang, so stimmen alle übrigen ein, und der ganze Wald hallt plötzlich von einem tausendstimmigen Konzert wider, das, ebenso jäh wie es begann, nach kurzer Zeit verstummt, um bald wieder von neuem zu beginnen. So wechseln in der strahlenden Glut der Tropensonne brausender Gesang und unheimliches Schweigen stundenlang ab. Jede Art bringt besondere Töne hervor, die bald melodisch, bald gellend und unschön erklingen, so daß der Eindruck des Zikadenkonzerts außerordentlich verschieden sein kann. Hieraus erklärt sich auch die abweichende Beurteilung dieser Musik. Während Anakreon in seiner Ode die Zikaden preist mit den Worten:
„Glücklich nenn’ ich dich, Zikade!
Daß du auf den höchsten Bäumen,
Von ein wenig Tau begeistert,
Ähnlich einem König singst“,
beklagt sich Virgil über die „gellenden Töne“.
Ebenso wie unser Maikäfer erscheint die Zikade in gewissen Zeitabständen in besonders großer Menge. In Nordamerika wiederholt sich der Zikadensegen alle 17 Jahre, eine andere im Süden der Vereinigten Staaten lebende Art hält eine Zeitfolge von 13 Jahren inne. —
Totenuhr
Klopfende Töne, die in gleichmäßigen Abständen wiederholt werden und an das Ticken einer Uhr erinnern, bringen die Klopfkäfer hervor, indem sie mit dem Kopf gegen Holz schlagen, um sich gegenseitig von ihrer Anwesenheit zu verständigen und sich zusammenzufinden. Der Volksglaube betrachtet das unheimliche Klopfen der versteckt lebenden Käfer als Vorboten eines Trauerfalles und nennt daher den kleinen Störenfried „Totenuhr“. Die Larven bohren sich Gänge im trockenen Holz und verursachen die allbekannte Wurmstichigkeit der Möbel und Hausbalken.
Kraftleistungen der Insekten
Die Insekten vermögen zum Teil ganz gewaltige Kraftleistungen zu vollbringen, wie sie kein anderes Geschöpf auch nur annähernd ausführen kann. Der Floh ist imstande, mit seinen zu Springwerkzeugen gewordenen Hinterfüßen 1 m weite Sprünge auszuführen, das ist etwa das Tausendfache seiner Körperlänge! Auch besitzt der kleine Schelm eine geradezu übernatürliche Körperkraft, denn er vermag das Achtzigfache seines Gewichts zu ziehen.
Die Larven vieler Insekten, die im Holz leben, entwickeln geradezu fabelhafte Kräfte bei der Herstellung ihrer Gänge.
Der nur wenige Millimeter große Borkenkäfer bohrt sich durch die Rinde tief in den Stamm der Bäume hinein, um hier seine Eier abzulegen, eine Arbeit, die eine gewaltige Kraft verlangt.
Die höchste Kraftentfaltung finden wir bei den Holzwespen. Die Weibchen treiben ihren langen Legestachel tief in einen Baumstamm hinein, um hier die Eier unterzubringen. Die Larven fressen sich dann später immer weiter in das Holz, um sich zu verpuppen. Auch die ausgeschlüpften Holzwespen verbringen geradezu unerhörte Kraftanstrengungen, um aus dem Innern des Holzes ans Tageslicht zu gelangen. Kiefernholzwespen, welche im Holz von Kisten, in dem Artilleriemunition aufbewahrt wurde, zur Entwicklung gelangt waren, versuchten sich einen Weg ins Freie zu bahnen und fraßen dabei den harten Stahlmantel der Geschosse an.
Die Schnellkäfer (Elateridae) vermögen sich, wenn sie auf dem Rücken liegen, vermittels eines Dornes an der Unterseite der Vorderbrust, der in eine Grube der Mittelbrust hineinpaßt und wie eine Feder wirkt, in die Höhe zu schnellen. In der Luft dreht sich der Käfer um, so daß er mit dem Bauch zur Erde niederfällt und aus seiner hilflosen Rückenlage befreit wird. Dieser Schnellapparat ist für ihn ein wichtiges Werkzeug, da er wegen seiner kurzen Füße nicht imstande ist, sich aufzurichten, wenn er durch Zufall auf den Rücken gefallen ist.
Eine abenteuerliche Gestalt unter den Kerbtieren ist der Pfeilschwanzkrebs, der in mehreren Arten die Küsten des Atlantischen und Stillen Ozeans bewohnt. Mit ihrem eigentümlichen Körperbau haben die Pfeilschwanzkrebse ein wahrhaft vorsintflutliches Aussehen und sind auch im wahrsten Sinne des Wortes vorweltliche Tiere, denn nahe Verwandte, die fast dasselbe Aussehen hatten wie die heutigen Pfeilschwanzkrebse, lebten schon in der paläozoischen Erdperiode. Die heutigen Vertreter dieser Spinnenkerfe erreichen zwar nicht mehr die Riesengröße ihrer Vorfahren, die bis 2 m lang waren, haben aber immer noch die stattliche Körperlänge von ½ m. Der größte Teil des gepanzerten Tieres besteht aus dem ovalen Kopfbrustschild, an den sich der gleichfalls gepanzerte und mit Stacheln bewehrte Hinterleib anschließt. Der Körper trägt sechs Paare von Gliedmaßen. Das erste Paar sind kurze, scherenförmige Fühler, die anderen Paare dienen sowohl als Beine zur Fortbewegung wie als Kauorgane und sind zu diesem Zwecke mit besonderen Kauwerkzeugen ausgerüstet. Das merkwürdige Tier hat vier Augen, von denen zwei als kleine Punktaugen in der Mitte und zwei an den Seiten des Kopfschildes sitzen. Der Hinterleib trägt einen langen, sehr beweglichen Schwanzstachel. Dieser Schwanz ist ein sehr wichtiges Werkzeug für das Tier. Fällt der Pfeilschwanzkrebs beim Überklettern von Steinen auf den Rücken, so stemmt er den Schwanzstachel gegen den Boden und richtet sich durch die Hebelwirkung wieder auf, denn die kleinen, kurzen Füße sind nicht imstande, den schwerfälligen Körper umzuwenden.
Elektrische Tiere
Selbst die Kraft der Elektrizität haben die Tiere in ihren Dienst gestellt. Zitterwels, Zitteraal und Zitterrochen haben elektrische Batterien in ihrem Körper, mit denen sie starke Schläge austeilen können. Die elektrischen Organe bestehen aus einer Anzahl nebeneinanderliegender Platten, die aus umgewandelter Muskelsubstanz gebildet sind, und einem Gewebe, das zwischen den einzelnen Platten eingeschaltet ist. Es entspricht der Apparat dem Kupfer und Zink der Voltaschen Säule. Die elektrische Batterie steht mit dem Nervensystem in Verbindung, durch das die Entladung ins Werk gesetzt wird. Die elektrischen Schläge folgen sich sehr schnell. Beim Apparat des Zitteraals erfolgen 200–300 Entladungen in der Sekunde, die eine Stärke von 300 Volt haben. Der Fisch kann die Stärke und Zahl der Entladungen willkürlich bemessen. Die Kraft nimmt jedoch beim Gebrauch erheblich ab und erreicht erst nach längerer Ruhe wieder die volle Höhe. Der Zitteraal vermag durch seine sehr kräftigen Schläge große Tiere, sogar den Menschen zu betäuben.
Die elektrischen Organe dienen dazu, Beutetiere zu betäuben oder zu töten, und sind zugleich ein vorzügliches Abwehrmittel in Gefahr. Ihre Lage am Körper ist verschieden. Beim Zitteraal befinden sie sich unter dem Schwanz, beim Zitterwels umhüllen sie wie ein Mantel fast den ganzen Leib und beim Zitterrochen liegen sie hinter den Kiemen. Die einzelne Batterie des Zitteraals besteht aus 6000 Platten. —
Vielen Tieren gab die Natur Vorrichtungen, die ganz besonderen Zwecken dienen, Apparate und Instrumente, die für die Lebensweise von entscheidender Bedeutung wurden.
Eckzähne des Walrosses
Das Walroß trägt im Oberkiefer zwei gewaltige Eckzähne, die senkrecht nach unten stehen und über den Unterkiefer weit herausragen. Sie erreichen beim erwachsenen Tier ein Gewicht von 3 kg und eine Länge von ¾ m. Diese Stoßzähne dienen den Bewohnern der Eisregion des hohen Nordens als Eisbrecher, um sich einen Weg durch das Treibeis zu bahnen. Ferner benutzen die Walrosse ihre Zähne als Stütze beim Erklettern der Eisblöcke, und schließlich sind die Zähne beim Nahrungserwerb von großem Nutzen. Die Nahrung des Walrosses besteht aus Krebstieren, Mollusken und anderen niederen Lebewesen des Meeres. Mit den Zähnen wühlt das Walroß den Schlamm an der Küste und im Meeresgrund auf, um die hier befindlichen Tiere hervorzuholen, die dann mit Hilfe der starken Schnauzborsten zusammengefegt und eingeschlürft werden. Das Walroß gehört zu den größten der heute lebenden Säugetiere. Es erreicht eine Länge von 4,5 m mit einem Leibesumfang von 3 m und ein Gewicht bis zu 1000 kg.
In früherer Zeit dehnte sich das heute ausschließlich auf den höchsten Norden beschränkte Verbreitungsgebiet nach Süden bis zu den Küsten Schottlands und Norwegens aus. Auf der Bäreninsel war das Walroß vor 100 Jahren noch so zahlreich, daß die Fänger auf einem Jagdzuge manchmal viele Hundert dieser Tiere erbeuteten. Heute kommt das Walroß hier nicht mehr vor, und auch auf Spitzbergen ist es fast ganz verschwunden. Menschlicher Unverstand und Habgier haben auch hier einmal wieder in unverantwortlicher Weise gewütet!
Stoßzähne des Elefanten
Die beiden mächtigen Stoßzähne des Elefanten, die das so begehrte Elfenbein liefern, sind die verlängerten, einzigen Schneidezähne. Sie besitzen keine Wurzeln, sondern sind unten offen und haben wie die Schneidezähne der Nagetiere ein unbegrenztes Wachstum. Wenn die Stoßzähne in erster Linie auch nur ein sekundäres Geschlechtszeichen sind, da sie den Weibchen häufig fehlen und, wenn sie vorhanden sind, stets bedeutend kleiner und schwächer bleiben, so haben sie doch anderseits eine nicht zu unterschätzende Bedeutung als Instrument. Der männliche Elefant schlitzt mit ihnen die Stämme hoher Bäume auf, um sie zu Fall zu bringen, wenn er sie nicht niedertreten kann, und um auf diese Weise zu dem begehrten Laub des Wipfels zu gelangen. Außerdem löst er mit den Stoßzähnen die Rinde ab, um den ausfließenden Saft des Kernholzes zu genießen, und gräbt Knollen und Wurzeln aus der Erde. Bei diesen Arbeiten bedient sich der Elefant vorzugsweise des linken Stoßzahnes, der infolgedessen häufig bedeutend mehr abgenutzt ist als der rechte. Als Waffe scheinen die Stoßzähne weniger gebraucht zu werden. Brunftige Männchen, die um den Besitz eines Weibchens kämpfen, umfassen sich mit dem Rüssel und suchen sich mit dem Gewicht ihres Körpers zu Fall zu bringen oder zu verdrängen.
Ein anderes wichtiges Organ des Elefanten ist die zum Rüssel umgebildete Nase. Der Rüssel ist zunächst ein Schlauch, mit dem der Elefant sein Getränk einsaugt, um es dann ins Maul zu spritzen. Der Rüssel eines großen Elefanten vermag 10 Liter Flüssigkeit aufzunehmen. Ferner ist der Rüssel mit seinen beiden fingerartigen Endgliedern ein vorzügliches Greiforgan, das mit einem feinen Tastgefühl ausgestattet ist. Mit den Fingern vermag der Elefant kleinste Gegenstände vom Erdboden aufzunehmen. Reißt er Äste von Bäumen herunter, so umschlingt er sie mit dem Rüssel in mehreren Windungen.
Horn des Nashornes
Das Nashorn benutzt sein gewaltiges Horn auf der Nase als Standhauer und Axt. Im dichtesten Dorngestrüpp, gegen dessen Verletzung es durch seinen borkigen Hautpanzer geschützt ist, bahnt es sich schnell und sicher einen Weg, indem es die Zweige mit dem Horn zur Seite schlägt. Auch zum Ausroden von Sträuchern wird das Horn gebraucht, um zu den Wurzeln, die eine Lieblingsnahrung dieses Dickhäuters bilden, zu gelangen. Größere Bäume werden mit dem Horn aus dem Erdreich herausgehoben. So dient das Horn als Stemmeisen, Grabscheit, Axt und Beil.
Schwertfisch
Nach dem fast 1 m langen, doppelschneidigen, sehr scharfen Schwert, das der Schwertfisch an der oberen Kinnlade trägt, hat dies kampfesmutige Ungeheuer des Meeres seinen Namen erhalten. Der Schwertfisch (Xiphias gladius), der eine Körpergröße von 2–3 m erreicht, bewohnt alle Meere, jedoch vorzugsweise in den wärmeren Breiten. Mit seiner gefährlichen Waffe schlachtet er wie ein Scharfrichter seine Opfer ab. Er schwimmt in einen dicht gedrängten Fischschwarm hinein, schlägt mit Gewalt nach allen Seiten mit dem Schwert umher und tötet so eine große Anzahl der Fische. Die Kraft des Schlages und die Schärfe der Waffe ist so groß, daß die Fische häufig ganz durchschnitten werden. Ist die Zahl der Opfer groß genug, dann hält der grausame Wüterich seine Mahlzeit. Die fürchterliche Waffe hat den Charakter des Tieres verdorben, das von Mordlust und geradezu sinnloser Bosheit erfüllt ist. Es läßt seine Wut auch an anderen größeren Lebewesen aus, die ihm nicht zur Nahrung dienen. So greift der Schwertfisch ohne weiteres Walfische an, die ihm zu nah kommen, und verletzt sie mit dem scharfen Schwert in bedenklicher Weise. Badende Menschen sind schon vom Schwertfisch durchstochen worden, ja kleinere Schiffe wurden durch den Dolchstoß seines Schwertes zum Sinken gebracht. Es ist nichts Ungewöhnliches, daß bei der Ausbesserung größerer Überseeschiffe das abgebrochene Schwert eines solchen Fisches im Schiffsrumpf gefunden wird — ein Zeichen, mit welcher Wucht der Fisch seine Waffe gebraucht, und wie groß deren Schärfe ist ([Abbildung 9]).
Sägefisch
Ein würdiges Seitenstück zum Schwertfisch ist der etwa 5 m lange Sägefisch, der in mehreren Arten in allen Weltmeeren warmer Zonen lebt. Der Oberkiefer trägt einen etwa 1,5 m langen schmalen Fortsatz, der an beiden Seiten mit scharfen Hautzähnen besetzt ist und wie eine Doppelsäge aussieht. Mit dieser fürchterlichen Waffe soll der Fisch anderen großen Fischen, sogar Walen den Leib aufschlitzen. Sonst ist über seine Lebensweise noch wenig bekannt.
Hammerfisch
Da wir einmal bei eigentümlichen Fischformen angelangt sind, so soll auch der sonderbare Hammerfisch nicht unerwähnt bleiben. Der Kopf dieses Haifisches hat die Gestalt eines wagerecht gehaltenen Hammers, dessen Stiel der Halsansatz bildet. Auf jedem Ende des Hammers sitzt ein Auge. Einen besonderen Zweck scheint diese höchst eigentümliche Kopfform nicht zu haben. Sie ist vielmehr eine Laune der Natur, die diese Fische bereits in der Kreidezeit erschaffen hat. —
Seihapparat des Walfischmauls
Der Walfisch kann infolge seines engen Schlundes nur kleine Fische von der Größe des Herings verschlucken. Das gewaltige Tier braucht aber sehr viel Nahrung. Da hat die schöpferische Kraft dem Tier in sehr sinnreicher Weise geholfen. Sie gab ihm ein gewaltiges Maul, mit dem der Wal imstande ist, eine große Anzahl Fische auf einmal aufzuschnappen, wofür besonders die Züge der Heringe, die zu Millionen in dichtgedrängter Masse dahinschwimmen, eine willkommene Gelegenheit bilden. Beim Schließen des Mauls wird eine bedeutende Wassermenge mit aufgenommen. Um das Wasser abfließen zu lassen, ohne die Fische dabei zu verlieren, besitzt das Walfischmaul besondere Einrichtungen, die als Seihapparat wirken. Die Kiefer sind bei den Zahnwalen mit einer Reihe dichtstehender Zähne besetzt, durch deren Zwischenräume das Wasser abfließt, ohne daß die Fische hindurchgleiten können. Andere Wale haben anstatt der Zähne sogenannte Barten in den Kiefern, sichelförmige Hornplatten, mit fein gefasertem Rand, die wie ein feinmaschiges Netz wirken, durch das das Wasser abläuft. Diese Wale heißen zum Unterschiede von den Zahnwalen „Bartwale“.
Der Vogelschnabel als technisches Werkzeug
Auch der Schnabel mancher Wasservögel ist zum Seihapparat geworden. Bei den Schwänen, Gänsen und Enten stehen an den Außenkanten des Schnabelüberzugs feine zahnartige Gebilde, durch welche ebenso wie bei den Walen das Wasser bei der Nahrungsaufnahme abfließt. Sogar die Zunge dieser Vögel ist mit Fransen ausgestattet, die die Nahrung vor dem Verschlucken noch einmal durchsieben.
Bei den Vögeln vertritt der Schnabel oft die Stelle eines besonderen Werkzeuges, das für den Lebensunterhalt von Wichtigkeit ist.
Der dünne, feingebogene Schnabel des Baumläufers stellt eine Sonde dar, mit der der Vogel in die feinsten Ritzen der Baumrinde eindringen kann, um verborgene Kerfe hervorzuholen.
Der harte, scharfkantige Schnabel der körnerfressenden Singvögel, besonders der Kernbeißer, wirkt als Kneifzange, mit der der Vogel die Hülsen hartschaliger Sämereien aufknackt. Der Kirschkernbeißer ist sogar imstande, mit seinem massigen Schnabel Kirschkerne zu zertrümmern.
Die Schnepfe gebraucht ihren langen, nervenreichen Stecher als Pinzette und holt damit Würmer aus der Erde, indem sie den Schnabel hineinbohrt. Um die Nahrung leicht erfassen zu können, ohne den ganzen Schnabel öffnen zu müssen, was infolge des Widerstandes der Erde größere Kraft verlangen würde, besitzt die Schnepfe die Fähigkeit, nur das vordere Ende des Schnabels unabhängig von dem übrigen Schnabelteil öffnen und schließen zu können. Bei der frisch erlegten Schnepfe läßt sich diese eigenartige Beweglichkeit des Schnabels durch einen seitlichen Druck mit den Fingern gegen den Kopf leicht hervorrufen.
Der Kreuzschnabel besitzt in seinen kreuzweise übereinanderliegenden Schnabelhälften ein praktisches Instrument zum Öffnen der Tannenzapfen. An diesen eigentümlichen Vogel mit seiner wechselnden Gefiederfarbe, der sogar im Winter bei Frost und Schnee zur Brut schreitet, knüpfen sich allerhand Sagen und Märchen. Man glaubte früher, daß das Wasser, das durch den Kot des Vogels verunreinigt ist, ein unfehlbares Heilmittel gegen Fallsucht und Krämpfe sei, und zwar sollten die Vögel, bei denen die Hakenspitze des Oberschnabels rechts neben dem Unterschnabel liegt, die Krankheiten der Männer, die Linksschnäbler dagegen die Krankheiten der Frauen heilen. In einsamen Gebirgsdörfern, wo der Kreuzschnabel ein beliebter Käfigvogel ist, mag noch heute dieser Aberglaube Geltung haben.
Beim amerikanischen Hakenweih (Rostrhamus sociabilis) bildet die Spitze des Oberschnabels einen langen, nach unten gebogenen Haken, der weit über den Unterschnabel reicht. Die Nahrung dieses unserem Bussard nahestehenden Raubvogels besteht aus Schneckenleibern. Der Vogel lauert der kriechenden Schnecke auf und stößt den Haken des Schnabels durch ihren Körper dicht vor dem Gehäuse, wodurch die Schnecke verhindert wird, sich einzuziehen. Dann reißt er die Schnecke aus dem Gehäuse heraus und verzehrt sie.
Der sehr große, unförmige, aber dünnwandige und leichte Schnabel der Tukane ist eine Fruchtpresse, die den Vögeln beim Verzehren von Früchten gute Dienste leistet ([Abbildung 10]).
Ein vielseitiges Instrument ist der Papageischnabel. Der gekrümmte Oberschnabel läuft in eine den Unterschnabel überragende, gebogene Spitze aus und trägt häufig auf jeder Seite einen zahnartigen Ansatz, der in eine entsprechende Vertiefung des Unterschnabels hineinpaßt. Der dicke, breite, nach unten gewölbte Unterschnabel hat vorn eine breite, ausgeschweifte Kante, deren Enden in hochstehende Spitzen auslaufen. Mit diesem Werkzeug kann der Papagei Unglaubliches leisten. Er benutzt es als Zange, Bohrer und Schraubenzieher. Immer wieder muß man staunen, was für Zerstörungen ein großer Papagei, besonders ein Kakadu, vollbringen kann. Dicker Draht wird durchkniffen, Eisenblech durchlöchert und zernagt, das härteste Holz in kurzer Frist zersplittert. Die Gebrauchsfertigkeit des Schnabels wird noch dadurch erhöht, daß der Oberschnabel durch ein zwischen ihn und den Schädel eingeschaltetes Scharnier sehr beweglich ist, im Gegensatz zu anderen Vögeln, bei denen der Oberschnabel mit dem Schädel fest verwachsen ist. Die Papageien vermögen mit ihrem kräftigen Schnabel sehr schmerzhafte und nicht ungefährliche Bißwunden beizubringen. Eine Arara kann mit ihrem mächtigen Schnabel mit einem Biß die Handknochen zertrümmern. Die gewaltige Wirkung des Schnabels zeigt sich am besten darin, daß die großen Araras imstande sind, die eisenharte Schale der Paranüsse aufzuknacken.
Saugzunge der Honigsauger
Bei den zierlichen, bunt gefärbten Honigsaugern Afrikas, die nicht zu den Kolibris, sondern zu den Singvögeln gehören, ist die Zunge mit ihren einwärts gebogenen Rändern zum Saugschlauch geworden, mit dem die Vögel den Nektar aus den Blüten schlürfen.
Pinselzunge der Loris
Die Loris, kleine bis mittelgroße, sehr bunt gefärbte Papageien, die Australien und die umliegenden Inseln bewohnen, haben eine Pinselzunge, d. h. ihre Zunge trägt am vorderen Ende einen Büschel haarartiger Borsten, mit denen die Vögel den Saft der Blüten und Früchte auftutschen.
Löffelzunge
Auf Neuguinea lebt ein riesengroßer, tiefschwarzer Kakadu mit nacktem, rotem Gesicht und breitem Federbusch auf dem Kopfe. Seine rote, walzenförmige, fleischige Zunge ist ausgehöhlt, und die Ränder können nach innen umgebogen werden. Mit diesem „Löffel“ befördert der absonderliche Vogel die mit dem gewaltigen Schnabel zerkleinerte Nahrung, die hauptsächlich aus Nüssen besteht, in die Speiseröhre.
Der Ararakakadu hat eine schnarrende Stimme, die an das Knarren einer Tür erinnert und von dem üblichen Kreischen der anderen Papageien völlig abweicht. Der Vogel hat in seinem gewaltigen Schnabel eine Riesenkraft. Gefangene zerbeißen Futtergefäße aus gebranntem Ton, dickem Porzellan, ja sogar aus Gußeisen mit Leichtigkeit. Nur ganz schwere schmiedeeiserne Geschirre leisten seiner Zerstörungswut Widerstand.
Der Schnabel der Spechte mit der vorn abgeschnittenen, aber scharfen Kante ist ein regelrechter Meißel, mit dem die Vögel festes Kernholz durch kräftige Schläge zersplittern können. Als Höhlenbrüter nisten sie nicht in natürlichen Baumhöhlen, sondern meißeln sich ihre birnenförmigen Bruthöhlen in die Baumstämme und schaffen hierdurch anderen Höhlenbrütern, wie Hohltaube, Wiedehopf und Blaurake, passende Niststätten.
Friedrich v. Lucanus phot.
Abbildung 14
Uhu
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GRÖSSERES BILD
Aus Benzingers Lichtbildern f. d. Unterricht
Abbildung 15
Kiwi oder Schnepfenstrauß
Ein flügelloser Vogel mit haarartigem Gefieder
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GRÖSSERES BILD
So finden wir überall im Tierleben eine mannigfache Technik. Die Gliedmaßen und Organe sind zum Teil zu Instrumenten geworden, wie sie menschlicher Erfindungsgeist zur Ausübung der Kunst, für die Forschung in der Wissenschaft und zum Handwerk ersann. Die Natur gab den Tieren diese technischen Hilfsmittel zur Erfüllung ihrer Lebensaufgaben und ihrer Daseinsnotwendigkeiten, damit sie den Kampf des Lebens siegreich bestehen, bis die Kräfte erlahmen und des Lebens Kreislauf sich schließt, um neuen Generationen Platz zu machen, die vielleicht dereinst in Anpassung an veränderte Lebensbedingungen, die Erdumwälzungen hervorrufen, in fortschreitender Entwicklung eine andere Technik des Lebens erwerben.
[1] Friedrich von Lucanus, Das Leben der Vögel. Verlag August Scherl, Berlin 1925.