Hundertfünfundvierzigster Brief.

Frankfurt a. M., den 29. April 1849.

Es giebt der Verzweifelnden jetzt nur zu Viele. Sie theilen sich jedoch in zwei Klassen. Die eine giebt händeringend Alles auf, die andere sieht Hülfe lediglich in gewaltsamen oder unausführbaren Maßregeln.

Diese sagen: welcher rechtliche Deutsche kann länger dulden, daß Preußen unentschlossen und muthlos Versteck spielt? Kann seine Regierung die neue Zeit und ihre großen unvermeidlichen Zwecke nicht begreifen, gestalten, beherrschen; so müssen wir ohne Preußen, ja am besten ohne alle diese hemmenden Fürsten und Dynastien, die Wiedergeburt Deutschlands begründen und ihm die gebührende Stelle in Europa verschaffen.

Wenn Bitten, Ermahnen, verständiges und gesetzliches Andringen ganz vergeblich bleiben, so müssen wir uns zu der moralischen Kraft und durch diese auch die physische verschaffen und Kämpfe wagen, die (wie die Weltgeschichte zeigt) zuletzt immer siegreich waren u. s. w.

— — Für eine schwankende Politik, für halbe Maßregeln kann sich Niemand begeistern und opfern. Wenneher ist in der Weltgeschichte so viel dargeboten und so viel verscherzt worden?

Philister sind auf ihrem Boden immer unwiderleglich. Ihnen zu Folge hätten die Griechen Troja nicht angreifen, ihre Stammgenossen in Asien nicht unterstützen, Alexander die Perser nicht bekriegen und die Römer sich auf ihre Stadtfeldmark beschränken sollen. Luther mußte dem Papste gehorchen, Hampden die Steuer zahlen, Wilhelm III. ruhig in Holland bleiben, Friedrich II. keinen Krieg gegen solche Übermacht wagen, Friedrich Wilhelm III. Napoleon gehorchen; — und Friedrich Wilhelm IV. also auch die Oberleitung Deutschlands ablehnen!

So machen Schulmeister und alte Weiber männlichen Geschlechtes ihre eigene Weltgeschichte. Verliert die hiesige Reichsversammlung alles Gewicht und alle Bedeutung, bevor eine zweite einrückt, so bleibt nur Aufruhr von unten und das Schwert von oben!