2. Plastik.

Einleitung. Der in den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts vollendete spätromanische Bau der Kirche ist auffälligerweise, abgesehen von der ornamentalen Behandlung der Kapitäle und einiger Konsolen, ohne plastischen Schmuck geblieben. Statuen und Reliefs werden nicht nur aus der Zeit der Erbauung, sondern auch aus der nachfolgenden Zeit bis zum beginnenden 14. Jahrhundert überall vermißt. Nirgends eine Spur ehemaliger Befestigung figürlicher Darstellungen und nicht ein einziger Fund, welcher vom alten Bau herzurühren scheint. Die zum Zweck der Feststellung des ersten Grundrisses 1899 vorgenommenen Ausgrabungen waren nach dieser Hinsicht erfolglos. Eine zuverlässige Erklärung des sonderbaren Umstandes ist nicht möglich.

Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts, im engen Anschluß an die Erweiterungsbauten der beiden Seitenschiffe von St. Sebald, entfaltete sich in Nürnberg eine Bildhauerschule und zwar gleich mit emsiger Tätigkeit, denn eine Menge von Aufträgen wurden ihr zuteil. Zunächst waren die beiden Seitenschiffportale mit Bogenfeldern und das südliche mit den Statuen Katharina und Petrus auszustatten, ferner einige Statuen an den Strebepfeilern des nördlichen Seitenschiffes, die Figuren der Jungfrauen an der Brauttüre und schließlich im Innern die Statuen der zwölf Apostel, des Kaisers Heinrich und der Kaiserin Kunigunde und einige andere Figuren anzubringen. Gewiß ein weites Arbeitsfeld, welches der Schule Gelegenheit bot, ihr ganzes Können zu zeigen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt hatten sich ebenso wie die politischen sehr zu ihrem Vorteil geändert, und so hielten es die Patriziergeschlechter der Pfarrgemeinde für eine Ehrenpflicht, zur reichen Ausstattung der Kirche ausgiebige Beiträge zu leisten.

Was die Qualität der Werke anlangt, so geht die größere Anzahl über die Mittelmäßigkeit hinaus. Eine Arbeit, die Statue der hl. Katharina (Abb. [137], [138]), ist zum Teil von hervorragender Schönheit. Überhaupt ist ein Streben nach Formenschönheit charakteristisch für die Gestaltung fast sämtlicher Bildwerke. Gesichtszüge, Haarlocken, Haltung, Draperie, alles will gefällig erscheinen. Mit jener hl. Katharina zeigt insbesondere ein Kopf am nördlichen Querschiff, möglicherweise das Bildnis des Meisters, sowie das Wappen mit dem sogenannten Jungfrauenadler am gegenüberliegenden Bestelmeyerschen Hause nahe Verwandtschaft. Die Arbeiten gehören stilistisch noch in die Epoche der Hochgotik und zeigen ebenso wie der Neubau der Seitenschiffe verwandtschaftliche Beziehungen zur Freiburger Schule.

Die Lebensfähigkeit der ersten Nürnberger Bildhauerschule währte etwa ein Menschenalter. Vom Ende der dreißiger Jahre an ging die Führung in der Plastik von St. Sebald auf die andere Pfarrkirche St. Lorenz über, es folgten die Frauenkirche und der Schöne Brunnen. An plastischen Arbeiten aus dieser Zeit hat die Kirche St. Sebald nur zwei, die Statuen der Heiligen Helena und Antonius im südlichen Seitenschiff, aufzuweisen, welche mit den Figuren an der Vorhalle der Frauenkirche nahe verwandt erscheinen.

Mit dem Neubau des Ostchores regte sich in der Plastik von St. Sebald wieder neues Leben. Nur war der Umfang der Aufträge diesmal verhältnismäßig gering. Es scheint, daß die unmittelbar vorausgegangenen Bauten und insbesondere der Ostchorbau selbst an den Opfersinn der Bürgerschaft zu hohe Anforderungen gestellt hatten. Und dann machte ein anderes früher in Nürnberg nicht gekanntes Kunstgebiet, das der Glasmalerei, welches zur Ausstattung der hohen Chorfenster Anlaß gab, der Plastik bedeutende Konkurrenz.

So kam es, daß von den zahlreichen zur Aufstellung von überlebensgroßen Statuen geschaffenen Stellen an der Innenseite der Ostchorwand mit ihren originellen Konsolen und Baldachinen nur zwei mit Statuen, den Aposteln Petrus und Paulus, besetzt wurden, den einzigen bedeutenderen Vertretern der figürlichen Plastik dieser Schule. Dagegen fand jetzt das Relief mehr Ausbreitung dadurch, daß außen an jedem Ostchorstrebepfeiler Tafeln mit Passionsdarstellungen angebracht werden sollten. Die neue Schule hat die ihr gestellten Aufgaben mit großem Geschick gelöst. Sie hat es verstanden, einer derb-kräftigen Art in der Charakteristik der einzelnen Gestalten beredten Ausdruck zu verleihen und die Begebenheiten durch klare Disposition anschaulich zu erzählen, und steht damit in innerster Beziehung zur Nürnberger Bildhauerschule um die Wende des 15. Jahrhunderts, die sich ebenfalls hauptsächlich auf dem Gebiete der Reliefkunst betätigt hat und diesen beiden Vorzügen mit ihren Weltruf verdankt.

Zur Schule der Skulpturen am Ostchor zählt auch das überaus eigenartige Gehäuse des Wandtabernakels im Innern.

Polychrom sind fast alle Schöpfungen der ersten Schule: bei den Statuen im Innern auch Konsolen und Baldachine, selbst der Hintergrund ist zuweilen farbig behandelt; die Bogenfelder außen an den Seitenschiffportalen zeigen Spuren von Farbe und Gold. Bunt behandelt ist bei den Werken der zweiten Schule nur das Sakramentshäuschen.

Die Bildhauerschulen von St. Sebald in der Frühzeit und aus den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts repräsentieren die Hauptentwicklungsstufen der Steinplastik Nürnbergs während des ganzen Jahrhunderts, in dessen letzten Jahrzehnten nur noch die Tonplastik eine besondere Blüte erlebt zu haben scheint. Von den Hervorbringungen dieser Kunst bietet der Ostchor von St. Sebald gleichfalls einige bemerkenswerte Proben. Es ist von Interesse zu beobachten, wie jene hauptsächlichsten beiden Schulen, als Anfangs- und Endpunkt einer fortlaufenden Entwicklung, sich trotz aller Ähnlichkeit diametral entgegenstehen. Bei der ersten Schule mußten eben eine Reihe von Anleihen bei einer anderen Schule gemacht werden, welche auf eine große Vergangenheit zurückblicken konnte. Die Abhängigkeit der Nürnberger Schule äußerte sich infolgedessen in der Aufnahme eines ihr fremden Elementes, welches sich nicht einleben wollte. Bei der zweiten Schule ist von fremdartigen Einflüssen keine Spur mehr, die charakteristischen Eigenschaften der Nürnberger Bildhauerkunst bis Adam Kraft, vornehmlich drastische ausdrucksvolle Darstellung, sind hier bereits in die Erscheinung getreten.

Als Arbeiten der Plastik des 15. Jahrhunderts hat die Kirche mehrere gefaßte Holzfiguren aufzuweisen, welche ursprünglich die Seitenaltäre zierten und nach Beseitigung derselben auf die immer noch leeren Konsolen der Ostchorwand gestellt wurden, und dann eine stattliche Anzahl von Epitaphien, welche an der Außenseite in der Nähe der Begräbnisstätten der Stifter eingelassen wurden. Den Höhepunkt in der Ausstattung des Baues mit Bildwerken bezeichnet das zu Ende gehende 15. und das beginnende 16. Jahrhundert, zu welcher Zeit von den ersten Meistern der Nürnberger Plastik Werke Aufnahme fanden, die an dem Ruhm der Kirche mindestens den gleichen Anteil haben wie der Bau selbst.

Eine zusammenfassende Würdigung dieser Werke unterbleibt hier, da dieselben nicht in Beziehung zur Geschichte des Baues stehen.

Bei dem nun folgenden Inventar der plastischen Werke, das sich auf eine Aufzählung und kurze Erläuterung der einzelnen Skulpturen beschränkt, werden zunächst die Arbeiten am Äußeren der Kirche und alsdann die im Innern derselben in fortlaufender Reihenfolge behandelt werden.

A. Die Plastik am Außenbau.

Am Mittelfenster des Westchors die überlebensgroße Erzstatue des Christus am Kreuz (Abb. [62]). 1625 gegossen von Johann Wurzelbauer, dem Sohn des Meisters vom Tugendbrunnen. Ersatz für das von den Gebrüdern Johann und Georg Starck 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix, welches zuerst an dem Schwibbogen zwischen Sebalder Pfarrhaus und Moritzkapelle hing und 1543 nach Abbruch des Bogens an den Westchor von St. Sebald verbracht wurde. Der Ersatz war wahrscheinlich infolge starker Verwitterung dieses Kreuzes notwendig. Unten am Kreuz befindet sich eine Messingtafel mit den Anfangsbuchstaben der Stifter: H S G S und eine zweite Messingtafel mit der Inschrift:

Adspicite, o homines! miseranda in imagine Christum,
Adspicite immiti trajectum pectora ferro,
Pectora foedatasque manus perfusaque tabe
Ora cruentatumque caput crinesque revulsos.
Cernite liventes atro squalore lacertos,
Cernite eheu! plenos lacrimarum fundite rivos!

Monumentum hoc, quod prisca Starckiadum pietas dicavit per Johannem et Georgium Starckium, fratres, renovatum est MDCXXV.

Bezüglich der Sage von den „Herrgottschwärzern“ siehe M. M. Mayer a. a. O., S. 7.

Abb. 62. Erzkruzifix am Westchor.

Epitaph der Ketzel von 1453. Steinrelief an der Nordseite des Westchors. Oben bildliche Darstellung: Rettung der Seelen aus dem Fegefeuer. Darunter Inschrift: „Anno domini Mccccxxxiii iar an sontag nach Maria geburt starb der erber elter Heinrich Ketzell, dem got genad.“ Darunter das Wappen der Ketzel und die Zeichen ihrer Würde als Ritter des Heiligen Grabes (Kreuz von vier kleinen Kreuzen umgeben), als Ritter des „Ordens von der Lilie oder vom Blumentopf“ des Ordens der „Equitum ensiferorum Cypri“ (Schwert, von einem S umschlungen) und als Ritter der hl. Katharina auf dem Berge Sinai (das halbe Rad der hl. Katharina). Darunter die Inschrift: „Dar nach starb sein sun Heinrich Ketzell am montag nach der heiligen drei kunig dag M cccc liii iar, dem got genad.“ Dieser Heinrich Ketzel war der erste aus seiner Familie, der zum Heiligen Grabe zog.

Epitaph der Pfinzing von etwa 1480. Steinrelief an der Nordseite des Westchors. Rechts das Wappen Pfinzing-Kreß, links Pfinzing-Lauffenholz, zwischen beiden die kleinen Wappen der Pfinzing und der von Plauen. Über den Wappen Inschrift, welche dahin noch entziffert werden kann, daß ein Berthold Pfinzing 1357, ein anderer Berthold Pfinzing 1479, ferner ein Otto und ein Sebald Pfinzing sowie des letzteren Frau Elisabeth, geb. Mendel, hier begraben wurden. Stark verwittert.

Epitaph der Maurer von etwa 1458. Steinrelief an der Nordseite des Westchors. Christus am Kreuz mit Maria und Johannes nebst den Stiftern. Darunter das Wappen der Maurer und folgende Inschrift: „Von xps gepurt xiiic und lviii iar an sant Ambrosius tag wart Herman Maurer vnd sein wirtin hie pegraben, des Sebolt Grabners anher. Anno domini xiiiic lviii iar starb Sebolt Grabner.“ Kopie. Das Original im Lapidarium der Kirche. Vgl. Redslob in den Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1907, S. 54 (doch mit unrichtiger Jahreszahl 1448).

Am ersten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes ein Steinrelief mit Christus am Kreuz, Maria und Johannes. Darüber die Inschrift: „Anno M cccclxjjj jar an sant Barbara tag verschied Burckhart Semler, dem got genedig sey.“ Mit den Wappen der Semler und Tetzel. Kopie. Original im Lapidarium.

An demselben Pfeiler die lebensgroße Statue der hl. Maria mit dem Christuskind und die Statuette des hl. Christophorus, Kopien der Neuzeit. Ebenfalls Kopien sind die drei Konsolen mit den Baldachinen (eine Konsole war von jeher leer). 1330–1335. Originale der Figuren im Lapidarium.

Am nördlichen Seitenschiffe zwischen Turm und Portal das Fuggersche Epitaph von 1497. Steinrelief mit dem Schutzmantelbild Mariä. Unter dem Mantel Mariä die Familienglieder des Stifters. Darunter ein kreisrundes Medaillon mit dem Wappen der Fugger und der Inschrift: „A. D. 1497 am sontag nach Bartholomei tag starb Peter Fugger von Augsburg, der hier begraben liegt, dem gott gnädig sey. Amen.“ Siehe Edwin Redslob, a. a. O., S. 57.

Abb. 63. Bogenfeld im Portal des nördlichen Seitenschiffs mit Darstellungen aus dem Marienleben.

Abb. 64. Statue der Eitelkeit der Welt am nördl. Seitenschiff. Vorderseite.

Abb. 65. Statue der Eitelkeit der Welt am nördlichen Seitenschiff. Rückseite.

Abb. 66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal.

Abb. 67. Geißelung Christi. Stationsrelief am Ostchor.

Abb. 68. Kreuztragung. Stationsrelief am Ostchor.

Links davon das Hallersche Epitaph. Steinrelief mit Christus am Kreuz, Maria und Johannes. Links das Wappen der Haller, rechts das der Paumgartner. Unten knieende Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Haller, Paumgartner und anderer Geschlechter. Um 1420. Stark verwittert.

Nordportal, beziehungsweise nördliches Eingangsportal des nördlichen Seitenschiffes, die sogenannte Anschreibtüre. Bogenfeld mit den Reliefdarstellungen des Todes, Leichenbegängnisses und der Krönung Mariä (Abb. [63]), durch eine Querleiste getrennt: unten die beiden erstgenannten, oben die letztgenannte Darstellung. Farbig gefaßt. Um 1310. Von derselben Werkstätte wie das Bogenfeld des Südportales.

Von den Kapitälen der acht flankierenden Säulen an der Portalgewandung sind zwei ornamental bearbeitet. An den übrigen befinden sich kleine menschliche Gestalten, meist in kniender und betender Stellung gegen das Bogenfeld gerichtet. Von der gleichen Hand, jedoch ohne Spuren farbiger Behandlung.

Die zwei Figuren der Verkündigung zu beiden Seiten des Portales stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Dagegen waren die ursprünglichen Konsolen und die Baldachine, jetzt durch Kopien ersetzt, aus der Zeit des Portales.

Am nächsten Strebepfeiler die lebensgroße Statue eines Jünglings, die Eitelkeit der Welt darstellend (Abb. [64], [65]). Der Rücken ist entblößt und von Würmern zerfressen; Kröten und Schlangen kriechen daran. Die Figur wird von der Seite gesehen. Aus der Schule der Seitenschiffe. Konsole und Baldachin sind Kopien. Etwa 1310–1315. Die gleiche Vorstellung in einem Liede Walthers von der Vogelweide und dem größeren Gedichte „Der Welt Lohn“ von Konrad von Würzburg († 1287). Unter den Werken der Plastik ist unsere Darstellung mit denen am Südportal des Domes zu Worms nah verwandt und auch mit denen an den Münsterkirchen zu Freiburg i. B., Straßburg und Basel zu vergleichen. Zeitlich stellt sie die letztentstandene dieser Figuren dar (vgl. das Referat eines Vortrages über diesen Gegenstand von K. Schaefer im Jahresbericht über das 19. Vereinsjahr des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, 1896, S. 9 ff.).

An der Mauer oberhalb des Kaffgesimses ein kleines Kreuzigungsrelief: Der Gekreuzigte mit Maria und Johannes zu seinen beiden Seiten. Inschrift nicht mehr festzustellen. 14. Jahrhundert. Kopie. Das Original nicht mehr vorhanden.

Am ersten Ostchorpfeiler neben der Brauttüre ein Relief mit Christus am Kreuz, Maria und Johannes. Um 1320.

Darunter auf einer Steinleiste drei Wappen: zwischen zwei Wappen der Stromer das Wappen der Haller. Kopie.

An dem gleichen Pfeiler hoch über diesem Kreuzigungsrelief der S. 42 erwähnte Kopf (Meisterkopf?).

Die Brauttüre oder „Ehetür“. In den Leibungen des Portales und unmittelbar neben demselben auf Sockeln und Konsolen die halblebensgroßen Figuren der fünf klugen (links) und der fünf törichten Jungfrauen (rechts) (Abb. [66]) mit Spuren alter Bemalung. Die letzte der linksstehenden Figuren stammt aus der Neuzeit.

Die Statuen gehören der Schule des Meisters vom südlichen Portal an, ebenso die Tierfiguren an den vier Konsolen. Es zeigt sich noch die Feinheit und der weiche Fluß in der Gewandbehandlung, dagegen bereits Eintönigkeit in Haltung und Köpfen. Mit Konsolen und Baldachinen aus der Zeit des Portales, etwa 1315 bis etwa 1320.

Derselben Zeit gehören an zu beiden Seiten des Türbogens die halblebensgroßen Figuren des Adam und der Eva, die ersten nackten Gestalten in der Nürnberger statuarischen Plastik, mit den Wappen der Muffel und Vorchtel und am Scheitel des Bogens das Brustbild des segnenden Christus. In den Zwickelfeldern Prophetengestalten in Relief.

Erst gegen Ende der vierziger Jahre des 14. Jahrhunderts wurde die Brauttüre durch ein zwischen die beiden Strebepfeiler eingespanntes Maßwerk zu einer Portalhalle umgestaltet.

Die Hauptteile desselben bilden ein Spitzbogen und ein demselben eingefügter Halbkreisbogen, die äußeren Zwickel des Spitzbogens sind rechteckig eingerahmt. Die leeren Flächen sind mit zierlichen, durchbrochen gearbeiteten Ornamenten ausgefüllt und der Halbkreisbogen unten mit einem ebenfalls zierlichen, durchbrochen gearbeiteten Bogenfries besetzt. Das Gesims des Spitzbogens ist mit Krabben besetzt. Weibliche Figuren tragen die Konsolen, auf welchen das Ganze zu ruhen scheint.

Zu beiden Seiten des Maßwerks zwei dreiviertellebensgroße Figuren, neue Kopien von Statuen aus der Zeit um 1430: links die hl. Maria mit dem Christuskind, unten das Wappen der Topler, rechts der hl. Sebald mit dem Wappen der Schnöden. Die Originale befinden sich im Innern der Kirche.

An der Westwand der großen Sakristei die überlebensgroße Statue eines Christus mit den Wundmalen. Christus hält mit der Linken die Mantelenden und weist mit der Rechten auf die Seitenwunde. An der Konsole halten zwei menschliche Gestalten das Wappenschild der Rieter. Mit Konsole und Baldachin aus der Zeit um 1400. Die Figur ist eine Kopie; das Original befindet sich in der Kirche.

An der Nordseite der Sakristei Darstellung der Gregoriusmesse, daneben ein Relief der Verkündigung Mariä mit dem Helmschmuck der Muffel. Beide Reliefs, von denen das erstere heute durch eine Kopie ersetzt ist (Original im Lapidarium), befanden sich bis zur letzten Wiederherstellung der Kirche in der Nähe des Treppentürmchens am nördlichen Turm.

Links von der Brauttüre um die ganze Sakristei herum die meisten der sogenannten Wetzrillen, über deren Bedeutung sich die Wissenschaft bisher nicht klar ist. Sie finden sich auch sonst an der Kirche, namentlich an den Portalen.[VIII]

An den Pfeilern des Ostchores von der nördlichen bis zur südlichen Sakristei zehn Reliefdarstellungen aus der Passion. Die Enstehungszeit fällt zusammen mit der Erbauungszeit des Chores, demnach in die Jahre 1372–1379. Die Reliefs sind — bis auf eines — aus gleicher Schule, aber nicht von gleicher Hand. Rechteckiges Format und gleiche Größe. Jedes Relief hat einen anderen Patrizier zum Stifter, wie die beigefügten Wappen erkennen lassen.

Abb. 69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches Begräbnis am Ostchor.

Die Darstellungen sind:

1. Einzug in Jerusalem (Kopie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts). — Wappen der Welser.

2. Abendmahl. Kopie. — Wappen der Groland.

3. Ölberg. — Wappen der Geuder. Vom Anfang des 15. Jahrhunderts.

4. Gefangennahme. — Wappen der Pfinzing.

5. Christus vor Pilatus. — Wappen der Geuschmid.

6. Geißelung (Abb. [67]). — Wappen der Beheim.

7. Dornenkrönung. — Wappen der Sachs.

8. Kreuztragung (Abb. [68]). — Wappen der Grundherr.

9. Christus am Kreuz. — Wappen der Behaim.

10. Auferstehung. — Unbekanntes Wappen.

Am Ostchor zwischen den beiden Pfeilern mit dem Pfinzingschen und dem Geuschmidschen Passionsrelief das Schreyersche Grabmal (Abb. [69]). Steinrelief von Adam Kraft, vollendet 1492.

Das Relief ist dem Raum zwischen den zwei Strebepfeilern angepaßt, so daß sich das größere Mittelstück an die Wand und die beiden kleineren Seitenflügel an die Pfeiler anlehnen. Es füllt die Mauerfläche vom Sockel bis zum Gesims der Fensterbank und mißt in der Höhe über 2·50 m, in der Länge beinahe 6 m. In der Mitte vor dem Relief eine eiserne, durchbrochen gearbeitete Laterne als Ewiglichtlampe mit der Jahrzahl 1492. Eine neue kassettierte Holzdecke mit Kupferbedachung schützt das Ganze vor den Unbilden der Witterung, ein eisernes Gitter schließt nach außen ab. Von den Baldachinen, die zu beiden Seiten den Abschluß des Grabmales bilden, ist derjenige rechts erneuert. Original im Lapidarium.

Abb. 70. Konsole mit Mönchen an einem südlichen Pfeiler des Ostchors.

Das Relief enthält vier Darstellungen aus der Passion: auf dem rechten Flügel die Kreuztragung, auf der rechten Hälfte des Mittelteiles die Heimkehr des Volkes vom Richtplatz, auf der linken Hälfte die Grablegung und auf dem linken Flügel die Auferstehung. Die einzelnen Szenen sind nicht streng und auch nicht äußerlich voneinander geschieden, sie gehen mittels eines reichen landschaftlichen Hintergrundes unter Anwendung der Perspektive ineinander über. Die Landschaft steigt fast bis an den oberen Rand empor. Die Hauptfiguren sind dreiviertellebensgroß. Im Vordergrund unten sind die Familien der Stifter in verkleinertem Maßstab mit ihren Wappen abgebildet; die Wappen sind links Schreyer-Kammermeister, Schreyer-Link, Schreyer, Schreyer-Oertel, Schreyer-Landauer, Schreyer-Marstall, Eyb, Fuchs, Schreyer und Kammermeister, rechts Landauer-Rothenhahn, Landauer, ..?.., Schlüsselfelder-Landauer, Starck-Landauer, Landauer, wiederum Landauer und Rothenhahn. Das ganze Relief zeigt Spuren von Bemalung.

Am 11. September 1490 schloß Adam Kraft mit dem Kirchenmeister Sebald Schreyer und dessen Neffen Matthäus Landauer in Gegenwart zweier Zeugen behufs Übernahme und Ausführung der Bildhauerarbeit einen detaillierten Vertrag ab. Siehe Neudörfer, Nachrichten, herausgegeben von Lochner, 1875, S. 16 ff. und A. Gümbel im Repertorium für Kunstwissenschaft. XXV (1902), S. 360 ff. Es wurde unter anderem die Bestimmung getroffen, daß nur ein guter, ganzer und „unwetteressiger“ Stein, bei Vach (1 Stunde nördlich von Fürth) oder anderswo gebrochen, zur Verwendung gelangen und daß die Kosten für die Ausführung 160 fl. nicht übersteigen solllen. Als Zehrgeld während der Arbeit wurden 50 bis 60 fl. ausgemacht. Am 7. Mai 1492 war das Werk vollendet.

Abb. 71. Darstellung des Jüngsten Gerichtes. Schedelsches Relief über der Schautüre.

Das Kraftsche Relief ist von eminent malerisch-dramatischer Wirkung, die figurenreichste und umfassendste Komposition Krafts (vgl. Lübke, Geschichte der Plastik. 1880, II, 722). Nach Lochner hätte Kraft nach einem Gemälde gearbeitet, möglicherweise nach einem Gemälde Wolgemuts, des Freundes von Sebald Schreyer. Die Behauptung scheint der Wahrheit zu entsprechen, da die Kraftschen Schöpfungen sonst nicht in solchem Maße auf malerische Wirkung berechnet sind. Allein der Entwurf für die Komposition selbst scheint Krafts geistiges Eigentum zu sein. In der Ausführung ist den Schülern mitunter manches überlassen worden. Ausführliches bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. Berlin 1897, S. 19 bis 27 und 64.

Abb. 72. Grabrelief der Holzschuher am südlichen Seitenschiff (Kopie aus der Barockzeit).

Schon vor 1453 hatten die miteinander verwandten und befreundeten Familien Schreyer und Landauer ihr Begräbnis an der Stelle des Kraftschen Denkmals. Unten über dem Grabgewölbe liegen noch zwei Grabsteine: links der Grabstein des Hans Schreyer († 1437) mit seinem und den Wappen der Eyb und Fuchs, rechts ein Grabstein mit dem Wappen der Landauer.

Für das von Sebald Schreyer gestiftete Ewige Licht und für das Sakramentshäuschen wurde 1493 ein Ablaß gewährt. 1508 wurde der Ablaß bestätigt.

An den Strebepfeilern des Ostchores waren zwei übereinander liegende Reihen von Konsolen und Postamenten zur Aufnahme zahlreicher Figuren bestimmt, von denen jedoch nur wenige zur Ausführung gekommen sind. Der oberen Reihe gehören zwei Prophetenfiguren an, die sich in sehr vergittertem Zustande an einem Strebepfeiler der Nordseite vorfanden und von denen die eine sich jetzt im Germanischen Museum, die andere im Lapidarium der Kirche befindet.

Die untere Reihe von Konsolen ist mit allerlei satirischen und anderen Profandarstellungen, auch naturwahren Tiergestalten usw. in trefflicher Ausführung geschmückt (Abb. [70]). Ein Teil derselben ist erneuert (Originale im Lapidarium). Dieser unteren Reihe gehört am siebenten Pfeiler des Ostchores, d. h. an dem Pfeiler, an welchem unten das Relief der Dornenkrönung angebracht ist, oberhalb des Kaffgesimses auf einem Sockel die lebensgroße Statue des hl. Sebald an sowie am folgenden Pfeiler die der hl. Maria, beide aus der gleichen Zeit wie die Passionsdarstellungen. Die Figuren sind durch besonders reich gebildete Baldachine hervorgehoben; ihre Hintergründe zeigen deutliche Spuren alter Bemalung, von der sich noch Engelsgestalten erkennen lassen. Ein Sockelstück auf dem Fenstergesims zwischen diesen beiden Figuren läßt darauf schließen, daß sie ehemals mit einer Mittelfigur zu einer wirkungsvollen, durch reichen Farbenschmuck ausgezeichneten Gruppe verreinigt waren.

Die neueste Wiederherstellung der Kirche hat die meisten der leergebliebenen Postamente mit Propheten, Aposteln und anderen Heiligengestalten belebt (siehe das Kapitel über die jüngste Restauration S. 90).

Über der Schautüre das eingerahmte Steinrelief des Jüngsten Gerichtes (Abb. [71]). Die Komposition zerfällt in eine obere und untere Hälfte. Oben thront in der Mitte Christus, zu beiden Seiten sitzen in einem Bogen auf Wolken die zwölf Apostel. Die ausgesparten Zwickel über denselben füllen vier schwebende Engel aus, die ursprünglich mit Posaunen ausgerüstet waren. Zu Füßen Christi knien die fürbittenden Maria und Johannes, in die untere Hälfte der Komposition reichend. Diese wird durch eine Inschrifttafel in eine linke und rechte Hälfte zerlegt: hier werden die Auferstandenen von einem Engel in die Himmelspforte, welche Petrus hütet, geleitet, dort von einem Ungeheuer in den Höllenrachen befördert. Über der Inschrifttafel zwischen Maria und Johannes erheben sich die Toten. Links und rechts von der Tafel der betende Donator und das Wappen seiner Familie, nämlich das der Schedel. Die Inschrift lautet: „Anno domini MCCCCLXXXV die quarta mensis Decembris obiit peritissimvs artivm et medicine doctor Hermannvs Schedel, physicvs Norinbergensis, qui cvm sva familia hic in pace qviescit.“ Die Gedenktafel ist jedenfalls eine Stiftung des Hartmann Schedel, des berühmten Herausgebers der nach ihm benannten 1493 erschienenen Weltchronik, zu Ehren seines Sohnes. Die Entstehung dürfte in die nächsten Jahre nach 1485 fallen.

Auf einem der Grabsteine befindet sich ein Steinmetzzeichen. Die Komposition ist noch ganz mittelalterlich. Die profilierte Umrahmung ist erneuert (vgl. Redslob a. a. O. S. 58 ff.).

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (1831), S. 15, befand sich früher rechts von diesem Relief eine weitere Gedenktafel der Familie Schedel, nämlich ein eingerahmtes Holztafelgemälde mit der Geburt Christi, darüber in drei Abteilungen die Inschrift: „Hartmannus Schedel, artium ac utriusque medicine doctor, obiit anno domini m. d. xiiii die xxviiii mensis Nouembris. Magdalena Schedlin, filia Antony Haller, obiit Anno domini m. d. v. die xiiii mensis Julii. Anne Schedlin, filia Alberti Heugeli, obiit anno domini M. cccc xi mensis Septe[mb]ris.“ Das schon zu Mayers Zeit sehr verwaschene Bild war 1888 nicht mehr vorhanden; der Rahmen befindet sich im Lapidarium.

Abb. 73. Bogenfeld im Portal des südlichen Seitenschiffes.

An der Kapelle neben der südlichen Sakristei Kruzifixus zwischen Maria und Johannes. Rundfiguren des 14. Jahrhunderts. An der Konsole des Johannes das Wappen der Groland, unter der Maria das Wappen der Zollner. Kopien. Die Originale der Maria und des Johannes befinden sich in der Kirche.

An dem nun folgenden Dreikönigsportal die Rundfiguren der heiligen drei Könige und der Maria mit dem Kinde auf Konsolen. An letzteren die Wappen der Holzschuher, Muffel und Frey (?). Die Figuren stammen aus der Zeit des Portales. Die Tympanonfüllung wird durch die Rückseite des holzgeschnitzten und polychrom behandelten Ebnerschen Reliefs gebildet, das bei der Beschreibung der Denkmäler des Innern näher behandelt wird. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Relief, um es vor den Unbilden der Witterung zu schützen, umgekehrt worden ist, früher indessen einen Schmuck des äußeren Portals, das in gleicher Weise polychrom behandelt ist, bildete.

Abb. 74. Grabrelief der Pömer am südlichen Treppenturme.

Links vom Dreikönigsportal ein Ecce homo mit dem Wappen der Geuschmid.

Zu beiden Seiten des Portals zwei Bischöfe. Kopien. Die Originale in der Kirche.

Am ersten Fenster des Seitenschiffes Doppelrelief: oben Krönung Mariä, unten der ungläubige Thomas. Das obere Relief ist alt, das untere Kopie (Original im Lapidarium).

An der anderen Seite des Fensters ein Epitaph der Holzschuher, ursprünglich vielleicht aus der Zeit um 1430. Steinrelief mit dem thronenden Gott Vater, den Gekreuzigten haltend, in der Mitte, mit den hl. Johannes dem Täufer, Sebald und Paulus auf der linken und Petrus, Thomas und Christophorus auf der rechten Seite; vor den Heiligen die Stifter mit den Wappen der Holzschuher und Pömer links und den Wappen der Holzschuher und Pfinzing rechts; auf dem steinernen Tragbalken des Reliefs die Wappen der Holzschuher und Kreß, Holzschuher und Hummel, Holzschuher und Groland und Holzschuher und Haller. Offenbar Kopie der Barockzeit (Abb. [72]).

An der Wand des nächsten Joches Relief der Auferweckung des Lazarus, durch zwei Säulen dreigeteilt. Nach M. M. Mayer, a. a. O., S. 17, trug der obere, später in Verlust geratene Teil die Jahreszahl 1520 und das Wappen der Pömer. Kopie, deren oberer Teil frei ergänzt wurde; Original des unteren Teiles im Lapidarium (Abb. [140]). Vermutlich ein Werk des Veit Stoß.

An der Stirnseite des nächsten Strebepfeilers ein kleines Relief: Christus am Ölberg. Kopie. Über die Ölbergreliefs an St. Sebald und die daran erkennbare Stilentwicklung handelt im Zusammenhang E. Redslob in den Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1907, S. 14 ff.

Das von M. M. Mayer S. 17 erwähnte schon damals fast ganz verwitterte Relief mit dem hl. Sebaldus und zwei anderen Heiligen ist der Zeit zum Opfer gefallen.

Abb. 75. Grabrelief der Haller am südlichen Turm.

Südportal, beziehungsweise das südliche Eingangsportal des südlichen Seitenschiffes:

Bogenfeld mit der Reliefdarstellung des Jüngsten Gerichtes (Abb. [73]). Aus der mit der Erweiterung der Seitenschiffe begründeten Bildhauerschule. Um 1310. Der Darstellung liegt die in der gotischen Zeit übliche Komposition zugrunde, sie unterscheidet sich jedoch von den übrigen Darstellungen des 14. Jahrhunderts noch durch den Mangel einer sichtlichen Hervorhebung der Horizontalteilung sowie durch das Vorhandensein des Erzengels Michael als einer stehenden Figur. Das Relief zeigt ebenso wie die säulenartige Profilierung der Leibungen Reste alter Bemalung.

Bei dem für die Komposition zur Verfügung stehenden engen Raum konnten die sonst nirgends fehlenden Engel mit den Leidenswerkzeugen nicht untergebracht werden oder wurden vergessen. Sie erhielten nachträglich in Gestalt von Statuetten ihren Platz zu beiden Seiten in der Bogenleibung auf dem Gesims der Kapitäle.

Außerdem steht noch links auf demselben Gesims die Figur des Abraham mit den Seligen im Schoß. Dem Bildhauer schwebte wahrscheinlich die Komposition des Nordportales am Bamberger Dom, der sogenannten Fürstenpforte, vor Augen.

Seitlich des Portales die nahezu lebensgroßen Statuen der hl. Katharina (Abb. [137]) und des hl. Petrus. Beide stammen aus derselben Schule wie die übrigen Figuren und das Relief des Portales. Die Statue der hl. Katharina erinnert in ihrem Kostüm und mehr noch in ihrer vornehmen Haltung und in der Behandlung der Draperie an die Statuen des 13. Jahrhunderts. Der Kopf der Statue (Abb. [138]) muß ein Meisterwerk des 14. Jahrhunderts genannt werden. Der Schöpfer dieser Leistung war vielleicht der Begründer der ersten Bildhauerschule von St. Sebald. Kopien. Die Originale in der Kirche.

Konsolen und Baldachine gehören der gleichen Zeit an, die figürlichen Darstellungen an den Kapitälen der Portalleibungen der gleichen Schule.

Am Treppentürmchen des südlichen Turmes ein Hochrelief mit zwei Darstellungen, oben: Christus am Ölberg (vgl. Redslob, a. a. O., S. 15 ff. und daselbst Tafel I), unten: Christus als Schmerzensmann, zu beiden Seiten knien fünf Familienglieder des Stifters, unter diesen sechs Pömersche Allianzwappen (Abb. [74]). Die ganze Tafel, die Spuren alter Polychromie zeigt und leider stark verwittert ist, ist von einem kräftig profilierten steinernen Rahmen eingefaßt. Pömersche Stiftung vom Jahre 1396.

Abb. 76. Türklopfer vom Brauttor.

Darunter die Inschrift: „Heinrich Pömer der erste alhier starb an St. Anna tag anno domini m ccc xxxj. Konrat Pömer starb an dem nehsten tag nach Kunigundis in der fasten anno domini m ccc lxj. Friedereich Pömer starb an der eilf tavsent meyd obent anno domini m ccc lxxvjj. Fraw Elspet Jorg Pömerin, her Gotfrid Schoppers tochter, starb am pfinztag nach Kungundis in der fasten anno domini m ccc lxxxxjjj.“ Ferner die Inschrift: „Steffan Pömer starb am fritag vor Martini anno domini m ccc lxxxxv. Jorg Pemer starb am pfinstag nach obersten im ccc lxvj iar.“

Nach Mayer, a. a. O., S. 18, sollen Tafel und Inschriften 1797 restauriert worden sein. Die jetzigen Inschriften sind Kopien.

Daneben eine eingerahmte Tafel mit vier Wappenpaaren übereinander. Links vier Wappen der Pömer, rechts von oben nach unten die Wappen der Rummel, Haller, Schmittmaier-Imhoff und Zollner. Um 1400.

Unter dieser Tafel das Wappenschild der Pömer-Eisvogel. Um 1400.

Am südlichen Turm eine Tafel mit zwei Reliefdarstellungen in einem mit Rosetten besetzten Rahmen. Die Tafel wird von einem Zinnenkranz bekrönt (Abb. [75]). Oben: Christus am Ölberg, dabei die knienden Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer und Haller. Unten: Die Dreifaltigkeit mit den Heiligen Philipp und Simon, dabei die knienden Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer, Haller und Derrer auf der linken und den Wappen der Eglofstein und Grundherr auf der rechten Seite. Stiftung der Fütterer, und zwar von zwei verschiedenen Familien dieses Geschlechts. Um 1430.

Im Bogenfeld des südlichen Turmportales das Steinrelief der Kreuzauffindung und Kreuzprobe der Kaiserin Helena. Die Heilige steht in der Mitte der beiden figurenreichen Szenen. Rechts wird das gefundene Kreuz weggetragen, links wird durch das Kreuz eine totkranke Frau geheilt. Unten knien rechts und links die Stifter mit ihren Familien; von den Wappen derselben sind noch die der Groß und Oertel zu erkennen. Vorzügliche Arbeit um 1510.

Am südlichen Turm neben dem Portal die überlebensgroße Statue des hl. Christophorus. Der Märtyrer, ein Riese von Gestalt, trägt gesenkten Hauptes auf den Schultern das Christuskind, welches sich am Kopfe des Heiligen und an dessen baumähnlichen Wanderstab festhält, und schreitet langsam durch das Wasser. An der Konsole halten zwei Engel das Schlüsselfeldersche Wappen; dabei die Inschrift: „Heinrich Schlüsselfelder anno domini M CCCC Xlii.“ Das Werk pflegt man vermutungsweise dem Bildhauer Hans Decker, der 1449 in den Nürnberger Bürgerbüchern erscheint, zuzuschreiben. Es zeigt früh entwickelten Naturalismus. Ein mit Kupfer gedecktes Dach schützt die Statue vor den Unbilden der Witterung.

An der Südwestecke des südlichen Turmes in der Höhe der Glockenstube ein ziemlich roher, etwa lebensgroßer Kruzifixus aus der Zeit um 1400.

Am Löffelholzchor ein kleines Ölbergrelief. 14. Jahrhundert.

Außer dieser Steinplastik wäre am Äußeren der Kirche noch einiger bronzener Türklopfer Erwähnung zu tun, dreier prächtiger, den Ring haltender Löwenköpfe des romanischen Stils an der Brauttüre (Abb. [76]), der Türe des Dreikönigsportales und der des südlichen Seitenschiffes, eines Türklopfers der Spätrenaissance mit stilisiertem Frauenkopf an der Tür des nördlichen Seitenschiffes.

B. Die Plastik im Inneren.

1. Die Plastik der Westhälfte.
Abb. 77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff. Abb. 78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff. Abb. 79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff. Abb. 80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff.

Abb. 81. Statue des Apostels Bartholomäus im Mittelschiff.

Abb. 82. Statue der hl. Kunigunde im nördlichen Seitenschiff.

Die Apostelstatuen im Mittelschiff (Abb. [77] bis [81]). Dieselben sind Ausläufer der mit dem Umbau der Seitenschiffe begründeten Bildhauerschule und zeigen teils noch die Vorteile derselben durch glückliche Übersetzung der charakteristischen Merkmale ins Monumentale, teils auch schon deutlich den Verfall der Schule. Sie gehören der Zeit von etwa 1315 bis 1335 an. Bei der gegenwärtigen Restaurierung wurden sie sämtlich von der dicken Tünchkruste, mit der eine frühere Zeit nicht nur die Wände der Kirche, sondern auch die Statuen überzogen hatte, befreit. Die alte Polychromierung mit reicher Verwendung von Gold und auch die teppichähnlichen Hintergründe kamen hierbei wieder zum Vorschein und wurden von kundiger Hand renoviert.

Die Konsolen, welche die Wappen der Nürnberger Familien Ebner, Schreyer, Tucher, Kreß, Muffel, Knebel, Baumgartner, Neumarkter, Rieter tragen, haben die Gestalt von Kapitälen teils in schlichter Profilierung, teils mit reicher Ornamentik. Nur bei einer Konsole an der südlichen Pfeilerreihe findet sich figürlicher Schmuck: zwei zierliche Engelsfiguren flankieren einen mit Draperie umrahmten weiblichen Kopf.

An einem der Pfeiler des Mittelschiffes anstatt einer Apostelfigur die Statue Johannes des Täufers aus der gleichen Werkstätte wie die Apostel.

Ebenfalls als Ausläufer der gleichen Schule sind zu betrachten die beiden Statuen der heilige Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde (Abb. [82], [83]) im nördlichen Seitenschiff. Um 1330; mit den Wappen der Stromer aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Zepter der Kaiserfigur ist neu.

Desgleichen gehört dieser Schule die Statue des hl. Bischofs Erhard an einem Pfeiler der nördlichen Reihe an (Abb [84]) (vgl. S. 132). Um 1335.

Hierher sind auch zu zählen als letzte und weniger gute Vertreter dieser Schule vier Statuen im Ostchor an der Nordwand desselben, nämlich ein hl. Bischof, ein Jacobus d. Ä. (später abgeändert in Sebald) und ein Apostel (siehe S. 157–159).

Nicht in die Schule der Seitenschiffportale gehört die überlebensgroße Statue eines Christus mit den Wundmalen am ersten nördlichen Pfeiler des Mittelschiffes. Die Behandlung des Nackten ist ziemlich flach, die der Draperie dagegen erinnert in ihrer Vornehmheit an die klassizistische Richtung der romanischen Epoche. Mit Konsole und Baldachin aus der Zeit um 1335. An der Konsole das Wappenschild der Holzschuher.

Christus als Schmerzensmann. Überlebensgroße Steinfigur mit Konsole und Baldachin. Im nördlichen Seitenschiff am ersten Pfeiler. Nachbildung des vorigen aus der Zeit um 1380. Mit dem Wappen der Pömer.

Christus als Schmerzensmann. Halblebensgroße Steinfigur, früher am westlichen Pfeiler der südlichen Reihe, jetzt an der Nordwand des Löffelholzchores, aus der Zeit um 1400. Ohne Sockel und Baldachin. Mit dem Wappen der Ebner.

Die hl. Helena (Abb. [85]). Lebensgroße Steinfigur im südlichen Seitenschiff am ersten Pfeiler. Mit Baldachin aus der Zeit um 1350. Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, welches zwei Knappen halten, aus der Zeit um 1320.

Ebenda Maria mit dem Kinde, durch Krone und Zepter als Himmelskönigin charakterisiert. Lebensgroße Steinfigur aus dem 14. Jahrhundert. Das Zepter ist neu.

Daneben die ebenfalls steinerne Statue der hl. Katharina, in der Gesamtkomposition der früher erwähnten ähnlich, doch roher und von älterem Typus. 14. Jahrhundert.

Der hl. Antonius. Dreiviertellebensgroße Steinfigur im südlichen Seitenschiff am Turmpfeiler, aus der Zeit um 1350. Baldachin fehlt. Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, gehalten von zwei Knappen, aus der Zeit um 1320.

Abb. 83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nördl. Seitenschiff. Abb. 84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff. Abb. 85. Statue der hl. Helena im südlichen Seitenschiff. Abb. 86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff.

Abb. 87. Kreuzschleppung von Adam Kraft.

Abb. 88. Eherner Taufkessel im Löffelholzchor.

An dem letzten nördlichen Pfeiler des Mittelschiffes (zugleich ehemaliger Vierungspfeiler) gegenüber der Kanzel die Statue des hl. Sebald aus der Zeit um 1390 (Abb. [86]). Sebald faßt mit der Rechten den Pilgerstab und hält mit der Linken das Modell eines gotischen, aus zwei Stockwerken bestehenden Chores. Stein in farbiger Fassung. Mit Konsole und Baldachin aus Stein. Die Konsole wird von einem Engel gebildet, welcher die auf einem Wappenschilde vereinigten, mit der Legende des Heiligen verknüpften Wappen von Dänemark und Frankreich samt den Wappen der Mendel, Volckamer und Haller trägt.

Am zweiten südlichen Pfeiler des Mittelschiffes ein Steinrelief mit der Kreuztragung von Adam Kraft (Abb. [87]) aus dem Jahre 1496.[IX] Das Relief war früher an der Stadtgrabenmauer am Steig beim Zeug- oder Kornhaus eingemauert und wurde nach Auflassung des Grabens zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Kirche St. Sebald verbracht, wo es an der bezeichneten Stelle als Altaraufsatz dient.

Komposition wie Ausführung erinnern stark an die Kraftschen Stationen in der Burgschmietgasse und an das Schreyersche Grabmal am Ostchor der Kirche. Der obere Teil des Rahmens ist ornamental behandelt. Höhe 2·30, Breite 1·10 m.

In der Mitte des Westchores ein eherner Taufkessel (Abb. [88]), etwa um 1410 entstanden. Um den Hals sowohl wie um den Kessel laufen in Reliefs Arkadenbögen, dort 12, hier 21, mit ebensovielen Figuren: Christus am Kreuz, Maria, Johannes, Apostel, Propheten und andere Heilige. Die übrigen Teile sind durch Ringe mehrfach profiliert und mit Weinranken verziert. Vor dem Hals stehen auf Postamenten, welche mit dem Fuß des Kessels organisch verbunden sind, in gleichen Zwischenräumen vier männliche Figuren, mit ihrem Häuptern gleichsam den Kessel stützend, von denen drei aus einer und derselben Gußform gegossen zu sein scheinen. Der Innenraum des Halses, der an der Nordseite mit einer Tür versehen ist, war für Heizung eingerichtet, um das für die Taufe bestimmte Wasser an Ort und Stelle wärmen zu können.

Der Taufkessel hatte dadurch historische Berühmtheit erlangt, daß in ihm am 11. April 1361 der nachmalige König Wenzel getauft worden sein und das Taufwasser besudelt haben soll. Dabei kursierte die andere Erzählung, daß man beim Wärmen des Taufwassers im Pfarrhof bei St. Sebald mit dem Feuer unvorsichtig umging, so daß der Pfarrhof abbrannte. Daß der Pfarrhof 1361 abbrannte, ist urkundlich nachweisbar. Beruht auch jene erste Anekdote auf Wahrheit, so hat es sich damals um den jetzt nicht mehr vorhandenen Taufstein gehandelt, womit dann auch übereinstimmt, daß das Wasser im Pfarrhof vorgewärmt wurde.

Der Taufkessel verdient weniger wegen der Ausführung des einzelnen als vielmehr wegen seiner originellen Gesamterscheinung Beachtung. Er ist das älteste bekannte Denkmal Nürnberger Gießkunst. Sein ursprünglicher Standort war wie der seines aus Stein gefertigten Vorgängers im Schiff der Kirche.

1572 wurde der Kessel gereinigt und unter den Fuß eine Steinplatte gelegt. Der einfach profilierte Holzdeckel stammt aus der Zeit der Spätrenaissance.

Im östlichen Joch des südlichen Seitenschiffes in einer Nische die Büste des Pfarrers an St. Sebald Friedrich Michahelles († 1903), von Fritz Zadow in griechischem Marmor ausgeführt.

2. Die Plastik im Ostchor.

Es folgt zunächst die Beschreibung der Statuen an der Ostchorwand, und zwar derjenigen neben den Fenstern auf den vom Chorbau herrührenden Konsolen in fortlaufender Reihe von der Brauttüre an.

Rechts über der nördlichen Sakristeitüre der Apostel Jacobus d. Ä. mit Pilgerhut, Tasche und Stab, lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der letzten Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die „Renovierung“ der Barockzeit hat den Jacobus durch Beigabe eines Kirchenmodells in einen hl. Sebald verwandelt.

Abb. 89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Stoß. Abb. 90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor. Abb. 91. Thomaschristus von Veit Stoß im Ostchor. Abb. 92. Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor.

Links vom Mendelschen Fenster Christus als Weltheiland, die Weltkugel in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Holzfigur in der Art des Veit Stoß. 1657 wurde die Statue „aus dem Werkhaus in der Karthausen“ an den jetzigen Ort verbracht (Rechnungen im Freiherrlich von Tucherschen Familienarchiv). Aus dieser Zeit stammt der in Kupfer getriebene Heiligenschein. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Rechts vom Mendelschen Fenster der hl. Andreas mit Kreuz und Buch (Abb. [89]). Überlebensgroße Holzfigur, ohne Zweifel von Veit Stoß, in der Naturfarbe mit leichter Andeutung der Farbe von Lippen und Augen. Um 1495. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Tucherschen Fenster der Apostel Johannes (Abb. [90]), den Giftkelch in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Figur von gebranntem Ton. Um 1410. Hände und ein Teil der Gewandung sind neu. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Rechts vom Tucherschen Fenster der hl. Johannes der Täufer mit Buch und Lamm in der Linken. Überlebensgroße Steinfigur. Um 1430. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Fürerschen Fenster ein hl. Apostel mit einem Buch in der Linken. Lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der letzten Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die rechte Hand ist ergänzt.

Rechts vom Fürerschen Fenster der Apostel Johannes. Lebensgroße Holzfigur. Jedenfalls von einer Kreuzigungsgruppe stammend. Um 1460.

Links und rechts vom Stromerschen Fenster die beiden Holzfiguren einer Verkündigung, links der Engel und rechts Maria, knieend. Um 1460. Das Zepter des Engels ist erneuert. Am linken Sockel das Wappen der Starck, am rechten das der Imhoff.

Zu beiden Seiten des Bambergischen Fensters die fast lebensgroßen Steinfiguren der Heiligen Heinrich (Abb. [48], [49]) und Kunigunde. Um 1335. Wiederum letzte Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die beiden Statuen waren vor der letzten Restaurierung bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die gefundenen Spuren berechtigten zur Ergänzung der Figuren als Diözesanheilige. Bei Heinrich ist das Modell des Bamberger Domes, bei Kunigunde das Zepter neu.

Zu beiden Seiten des Maximilianfensters die überlebensgroßen Steinfiguren der Apostel Paulus und Petrus. Um 1375, aus der Zeit der Vollendung des Ostchorbaues die einzigen Statuen der langen Konsolen- und Baldachinreihe. Schule des Meisters des Sakramentshäuschens. Beide Apostel mit ihren Attributen. Gut erhalten. An der Konsole der Paulusstatue das Wappen der Usmer.

Abb. 93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor.

Abb. 94. Statue der Maria von der Behaimschen Heimsuchung.

Zu beiden Seiten des Markgrafenfensters zwei überlebensgroße Holzfiguren von Veit Stoß aus dem Jahre 1495 (an den Konsolen bezeichnet und datiert). Christus als Schmerzensmann und Maria als Schmerzensmutter (Abb. [91], [92]). Die Holzfarbe ist beibehalten. An den Plinten wurden bei der letzten Wiederherstellung der Kirche das Zeichen des Meisters und die Jahrzahl aufgedeckt. An der Christusstatue sind eine Hand und ein Fuß ergänzt. An der Statue der Maria ist der über den rechten Arm geschlagene Gewandzipfel nachträglich, vermutlich von Stoß selbst, angefügt. Nach den Wappen an den Konsolen stellen sich beide Statuen mit den später behandelten drei Passionsszenen darunter als eine Stiftung der Familie Volckamer dar.

Zu beiden Seiten des Pfinzingschen Fensters die unterlebensgroßen Holzfiguren eines hl. Papstes und eines hl. Bischofs aus der Zeit um 1470. Besondere Attribute fehlen. Die Statuen stammen vermutlich von einem der früheren Altäre der Kirche. Hallersche Stiftungen.

Links vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Steinfigur eines hl. Bischofs. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1335. Wiederum einer der letzten Ausläufer der mit Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Rechte Hand ergänzt. Am Sockel Wappen der Haller.

Rechts vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Terrakottafigur eines Apostels. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1390. Aus der Schule des Meisters der Tonbildwerke in der Jakobskirche. Ursprünglich für einen anderen Ort bestimmt. Zuletzt neben dem Bamberger Fenster. Rechter Fuß und linke Hand in der Barockzeit mangelhaft ergänzt.

Zu beiden Seiten des Schürstabschen Fensters die überlebensgroßen Holzfiguren des hl. Erasmus (Abb. [93]) und des hl. Sebald. Um 1450. Gegenstücke, vermutlich von dem gleichen Meister. Attribute zum Teile ergänzt. Zu den Füßen beider je ein kleines Lamm, außerdem beim hl. Sebaldus das Wappen der Schürstab-Groß; am Sockel der Erasmusstatue das Wappen der Haller-Tetzel, umgeändert in ein Wappen der Schürstab-Groß.

Zu beiden Seiten des Behaimschen Fensters die überlebensgroßen Steinfiguren einer Heimsuchung, die Heiligen Maria (Abb. [94]) und Elisabeth. Um 1420. Ergänzungen an den Händen der Maria und am Gewand der Elisabeth; die Hände der Elisabeth sind neu. An jeder Konsole das Wappen der Behaim.

Zu beiden Seiten des Volckamerschen Fensters die überlebensgroßen Statuen einer Verkündigung, links der Engel, rechts Maria. Wie die beiden eben aufgeführten Statuen aus der Zeit um 1420 und aus der gleichen Schule. Am Engel sind Hände und Zepter neu, an der Maria nur weniges ergänzt. An jedem Sockel das Wappen der Volckamer.

Verschiedene der erwähnten Konsolen zeigen als figürliche Darstellungen Fratzen, groteske Tiergestalten usf., die von einem freien Spiel der Phantasie zeugen.

An der Wand des Bambergischen Fensters ein Wandtabernakel (Abb. [50]) aus der Zeit zwischen 1372 und 1379.[X] Der in die Mauer eingelassene Schrein ist von einem in Relief dargestellten architektonischen Aufbau umgeben, welcher sich aus Strebewerk und Baldachinen zusammensetzt und durch eine Reihe von Figuren belebt ist. Der Aufbau ist symmetrisch, die Figuren korrespondieren. Der Gegenstand der Darstellung ist nicht historischer, sondern repräsentativer Natur. Unterhalb des Schreines die Einbalsamierung der Leiche Christi durch Joseph von Arimathia im Beisein von sechs Jüngern. Zu beiden Seiten dieser Darstellung unter einem Strebebogen je ein kniender leuchterhaltender Engel; darüber links der hl. Petrus, rechts der hl. Sebald; über diesen in Baldachingehäusen sitzend zwei Propheten mit Spruchbändern; in den Zwickeln zwischen der unteren und mittleren Etage ein Pelikan und eine Löwin mit Jungen. In den beiden äußeren niedrigeren Bögen unter Maßwerk oben zwei betende Stifter; über denselben, jedoch ohne organische Verbindung mit ihnen, zwei Baldachine und von hockenden Gestalten gebildete Konsolen mit Engeln, welche die Leidenswerkzeuge halten; unmittelbar unterhalb der Konsolen die Wappen der Stifter, links das der Groland, rechts das der Muffel. Oberhalb des Schreines die Dreifaltigkeit mit Maria und Johannes dem Evangelisten; über dieser Gruppe, bereits auf der Fensterbank, geschützt durch einen dachartigen, von einer Turmspitze gekrönten Baldachin Christus als Weltrichter mit Maria und Johannes dem Täufer als Fürbittern. Zu beiden Seiten dieser Komposition rechts Christus als Schmerzensmann auf einer Konsole mit einer hockenden Prophetengestalt und unter einem Baldachin, welcher Figur wohl links eine Maria als Schmerzensmutter entsprach, die jedoch nicht mehr vorhanden ist. Erhalten haben sich hier nur die ähnlich gebildete Konsole samt Baldachin.

Abb. 95. Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor.

Abb. 96. Ebnerrelief am Dreikönigsportal im Ostchor.

Das ganze Gehäuse ist farbig gefaßt. Das Eisenbeschläge der Schreintüre ist ornamental behandelt.

Das Ganze ist, wenn auch in der Ausführung kein hervorragendes Kunstwerk, in der Komposition eigenartig. Es ist aus derselben Bildhauerwerkstatt hervorgegangen, wie die Passionsdarstellungen außen an den Ostchorpfeilern. Stiftung der Familien Groland und Muffel.

1514 hatte sich Propst Melchior Pfinzing vergeblich bemüht, das Sakramentshäuschen aus der Kirche zu entfernen. In dem Jahre, in welchem ihm der Rat erlaubte, die Quermauer zwischen der Pfarrkirche und St. Moritz abzubrechen, wollte er ein neues und größeres Sakramentshäuschen über dem St. Nikolaus-Altar errichten und hatte schon Mittel hierfür gesammelt. Allein Jakob Muffel, Jakob und Leonhard Groland als Nachfolger der Stifter des bisherigen Tabernakels widersprachen mit Erfolg und ließen das alte herrichten.

Drei Stufen führen zu dem Wandtabernakel empor; ein fünfteiliges schlichtes Eisengitter schließt das Ganze ab.

Auf dem Petrusaltar steht jetzt die Holzfigur eines Christus als Schmerzensmann aus dem 17. Jahrhundert.

Abb. 97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im Ostchor.

Abb. 98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl.

Hinter dem Hauptaltar an der Wand des Markgrafenfensters, die ganze Breite derselben einnehmend, ein Steinrelief mit drei Passionsszenen (Abb. [95]) in ebenso vielen gleich großen Feldern von Veit Stoß aus dem Jahre 1499.

Von links nach rechts das Abendmahl, der Ölberg und die Gefangennahme. Christus und die zwölf Jünger in der Darstellung des Abendmahls sollen zufolge einer schlecht beglaubigten Tradition Bildnisse der Nürnberger Ratsherren von 1499 sein.

Auf der Säbelscheide des Türken oder Polen in der Darstellung der Gefangennahme das Monogramm des Veit Stoß und die Jahreszahl, die in ihrer Verschnörkelung erst 1863 von einem Maler Alexander Lesser aus Krakau hier entdeckt wurden. Im ersten Feld ist unten links der Stifter Paul Volckamer mit seinen beiden Söhnen und dem Familienwappen, im dritten Felde unten rechts seine beiden Frauen und seine drei Töchter mit den Wappen der Mendel und Haller in kleinem Maßstab angebracht.

Das Relief ist eine der wenigen Steinarbeiten des Veit Stoß.

Im Ostchor an der Wand zu beiden Seiten der Schautüre zwei Steinfiguren in Dreiviertellebensgröße mit Konsole und Baldachin. Die Statue links: Christus als Schmerzensmann aus der Zeit der Vollendung des Chorbaues mit dem Wappen der Behaim, die Statue rechts, eine weibliche Heilige mit Buch, aus der Zeit um 1400 mit dem Wappen der Volckamer.

Im Bogenfeld über der Schultüre (Dreikönigsportal, vgl. oben) ein farbig gefaßtes Holzrelief, das die von zwei Engeln gekrönte, das Christuskind säugende Madonna (Abb. [96]) darstellt. Ebnersche Stiftung vom Jahre 1429.

Rechts das Bildnis der Nonne Christine Ebner, Äbtissin des Klosters Engelthal, und die Inschrift: „Die selig Cristina Ebnerin wart geborn anno domini M cc lxxvii jar vnd wart lxxix jar alt vnd starb anno domini mccc lvi an sant Johanes tag zv weinachtn vnd lebet seliglich im orden zv Engeltal do liegt sie begraben bitte gott für das geschlecht der Ebner.“

Darunter die Bildnisse von fünf Familiengliedern der Ebner mit den Jahrzahlen 1384 bis 1490 und die Inschrift: „Anno domini M cccc xxix Am Erichtag nach St. Paulitag do Starb Albrecht Ebner den gott genad. Anno domini Mcccc xxix Am Lorentzentag Starb Agnes Pömerin Sein Hausfraw der gott genad.“ Dabei die eine Renovierung des Reliefs bezeichnende Jahreszahl 1656.

Das Relief ist eine der besten Bildhauerarbeiten der damaligen Zeit (vgl. über dasselbe Redslob, a. a. O., S. 57.)

Am ersten südlichen Chorpfeiler die überlebensgroße Steinfigur einer Madonna aus der Zeit um 1380; das aus Holz geschnitzte Christuskind ist nachträglich angefügt. Mit Konsole und Baldachin. Maria ist als Himmelskönigin mit Krone und Zepter dargestellt. Die Behandlung des nackten Christuskindes, welches einen Granatapfel hält und die Beine übereinander schlägt, weist auf eine etwa 100 Jahre spätere Entstehung.

An dem ersten nördlichen Chorpfeiler die aus Birnbaumholz geschnitzte und farbig gefaßte lebensgroße Statue einer Madonna mit dem Christuskind aus der Zeit um 1410 (Abb. [97]). Maria hält mit beiden Armen das nackte Kind, das die Beine übereinander schlägt und mit einem Apfel spielt. Zwei kleine Engel tragen die Krone und zwei Engel schweben um die schalenförmige Mondsichel, auf welcher die Himmelskönigin steht. Eine sternenbesäte Tafel mit großem Strahlenkranze bildet den Hintergrund. Konsole und Baldachin, in Stein gearbeitet, schließen das Ganze nach unten und oben ab. Die Statue zählt zu den besten Arbeiten Nürnbergs im beginnenden 15. Jahrhundert.

Das Bildwerk war ursprünglich als Schrein gedacht, der durch zwei Flügel geschlossen werden konnte. Es wird vermutet, daß die in der Pinakothek zu München befindlichen Tafelgemälde des Hans von Kulmbach mit den Heiligen Joseph und Zacharias die abhanden gekommenen Flügel sind.

Am dritten nördlichen Chorpfeiler die halblebensgroße Erzfigur einer Madonna (Abb. [98]), die als ein Werk von Stephan Godl erkannt worden ist. Um 1515. An der hübschen Holzkonsole, die gleichfalls der Frührenaissance angehört, das verschränkte Wappen der Eseler und der Propstei von St. Sebald.

Mitten im Ostchor das Sebaldusgrab[XI] (Taf. [XIV]; Abb. [99]). Es besteht aus zwei Hauptteilen: 1. dem zur Aufnahme der Reliquien des hl. Sebald bestimmten Schrein vom Jahre 1397 und 2. aus dem von Peter Vischer dem Älteren und seinen fünf Söhnen in den Jahren 1508–1519 in Erz gegossenen Gehäuse.

1. Der Reliquienschrein vom Jahre 1397. Die Form des Schreines ist ähnlich der eines länglichen Hauses. Eichenholz, verkleidet mit Silberblech, welches abwechselnd mit dem reichsstädtischen Wappen und dem des Schultheißen von Nürnberg in Treibarbeit gemustert ist.[XII] Auf dem First ein durchbrochen gearbeiteter ornamentaler Fries, welcher zwei Kreuzblumen auf den Giebeln verbindet.

1379 wurde der Sebaldusaltar durch einen neuen ersetzt. Auch dieser wird in der Mensa die Gebeine des Heiligen bewahrt haben. 1397 wurde für dieselben ein eigener Schrein, eine Art Sarg, beschafft und in der Mitte des Chores aufgestellt. Anscheinend war auch ein Sockel für denselben vorhanden. Alle Jahre am Tage des Heiligen (19. August) wurde der Sarg in feierlicher Prozession in der Kirche herumgetragen. „In solcher Prozession trugen die Alten Herren des Rates St. Sebaldi Sarg um, welcher mit Pappenrosen besteckt war, unter demselben schloff das Volk hin und wieder, dann sie glaubten: es würde ihnen hernach weder Kopf noch Rücken wehe tun“ (Vgl. M. M. Mayer, a. a. O., S. 31). In zwei Legaten von 1412 und 1415 hatte Klara Geuder zwei Lampen beim Sebaldusgrab gestiftet.

1461 wurde an dem Sarg ein Einbruch verübt. Seitdem fanden periodische Besichtigungen der darin enthaltenen Reliquien statt. So 1463, 1482, 1503. Über die 1503 vorgenommene Besichtigung findet sich in einer Chronik vom Ausgange des 16. Jahrhunderts (Kreisarchiv Nürnberg, Msc. XIV½, 106) folgender Bericht: „Nachdem auch in gebrauch gewest, St. Sebalds hailthumb oder gebein bißweilen zu eröffnen und zu besichtigen, als ist solches a° 1503, den 22. tag julii auch geschehen; solcher eröfnung haben beigewohnet die herren älteren des rats, der baumeister, der probst und kirchenpfleger Sebaldi; die zween loßungschreiber haben dabei knieen und ein jeder ein brennende wachskerzen halten müssen; die kirchen ist unterdessen verspert gehalten und ausen mit einer wacht beleget worden; es ist auch der kürchenmeister außer der kirchen herumgegangen, ob sich etwan ein unruhe erregen wolt; so große sorg hat man für St. Sebalds toden-gebain getragen, das ihnen nichts wiederwärtiges wiederfüre, zu dem man doch damahls die zuversicht getragen, daß er jederman helfen könnte. Im sarg sein zwo hölzerne laden gestanden und in jeder zween bündel mit roten zendel eingewickelt gelegen, die man heraus auf eine darzu bereitete tafel gehebt; in deren einer sein 18 stück großer, in der andern 91 stück mittelmäsiger und kleiner gebein, das haupt aber in einen sonderbaren silbern kästlein, in der gestalt eines brustbilds, verspert gewest, welches man zu hohen festtägen hat pflegen auf dem altar zu setzen, wigt an silber 35 mark, ist gemacht worden a° 1425. Auch ist eine ganze bildnuß St. Sebalds vorhanden, die man an festtagen an dem sarg aufgerichtet, wigt 21½ mark. Diese besichtigung diß heiligtums ist damals nicht geschehen gewest seit dem jahr 1482 und derowegen damals für gut angesehen und decretirt worden, hinfüro diese besichtigung alleweg nach verfliesung zwanzig jahren fürzunehmen, das heilthumb zu saubern und mit bisam in neuen zendel einzuwickeln, das ist aber zeit hero gar verblieben, dieweil mit ausgang der 20 jahr die änderung der religion eingefallen.“

Abb. 99. Detail vom Sebaldusgrab.

Trotz aller Vorsicht wurde 1506 wieder eingebrochen und gestohlen. Der Einbruch hatte Reparaturen zur Folge. Vermutlich auf diese Renovierung bezieht sich die eine der beiden Inschriften, die sich auf der westlichen Schmalseite am Sockel finden. Sie lautet: „1506 IAR IST DISER SARCH FERNEIT VOR…“ Die andere Inschrift berichtet von einer Erneuerung im Jahre 1628: „ANNO DNI MDCXXIIX IST DIESER SARCH VERNEVRT WORDEN.“

2. Das Gehäuse aus den Jahren 1508–1519. Höhe 4·30, Länge 2·50 und Breite 1·40 m. Es setzt sich zusammen aus dem für den Sarg bestimmten Sockel und der Sockel und Sarg umschließenden Halle.

Die Halle besteht aus drei nebeneinander stehenden Jochen mit ebensovielen Kuppelgewölben auf acht freistehenden Pfeilern. Halle und Sockel ruhen auf einer oblongen Fußplatte, welche von 16 Schnecken und an den Ecken von 4 Delphinen getragen wird. Die Kuppelgewölbe werden von pyramidenartigen, aus Architekturmotiven komponierten Aufsätzen überhöht. Dem Sockel des Schreines sind zwischen den Pfeilern Kandelaber vorgelegt, von welchen schlanke Säulchen bis zu den Scheiteln der Gewölbebögen reichen. Das Ganze ist mit figürlichem und ornamentalem Schmuck belebt. An den vier Ecken der Fußplatte vor den Säulen sitzen griechische und biblische Helden: Herakles und Theseus, Nimrod und Simson, an der Mitte jeder Seite die Kardinaltugenden Mäßigkeit, Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit. Die vier Seiten des Sockels lösen sich in Hallen auf, welche an den beiden Schmalseiten die Statuetten des Meisters und die des hl. Sebald, an den beiden Langseiten vier Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen, die wunderbare Füllung des Weinkruges, die Bestrafung eines Spötters, Sebald an brennenden Eiszapfen sich wärmend und die Heilung eines Blinden, enthalten. Vor den Eckpfeilern der Halle sind vier Sirenen, auf Säulchen sitzend, als Leuchterhalter angebracht. In halber Höhe vor den acht Pfeilern der Halle stehen ebenfalls auf vorgelegten, mit Postamenten und Kapitälen versehenen Stäben die Statuetten der zwölf Apostel, der Hauptfigurenschmuck des Sebaldusgrabes; an den stärkeren Eckpfeilern je zwei, an den übrigen Pfeilern, je ein Apostel, und zwar an der Ostseite Andreas und Petrus, an der Südseite Johannes, Jakobus der Ältere, Philipp und Paulus, an der Westseite Judas Thaddäus und Matthias, an der Nordseite Simon, Bartholomäus, Jakobus der Jüngere und Thomas. Baldachine beschützen die Apostel. Die Pfeiler setzen sich über dem Gewölbeansatz fort und tragen die kleinen Statuetten von Propheten und Kirchenlehrern. Oben auf der mittleren Kuppel steht das Christuskind mit der Weltkugel, eine Nachbildung des gestohlenen Vischerschen Originales vom Ausgang des 18. Jahrhunderts. Im übrigen ist das ganze Denkmal reich mit kleinen figürlichen und ornamentalen Reliefs, mit Putten und allerlei Tierfiguren ausgestattet.

Nach der stilistischen Seite ist das Sebaldusgrab eine Mischung von Gotik und Renaissance. Gotisch ist nicht nur die Gesamtanlage, sondern auch eine Reihe von Architekturteilen, ausgesprochene Renaissance fast die ganze Detailbehandlung und der figürliche Schmuck. Nach der gegenständlichen Seite zeigt sich in der Verwertung antiker mythologischer Gestalten der Einfluß des Humanismus.

In der künstlerischen Behandlung, besonders bei den Reliefs am Sockel und vor allem bei den Apostelstatuen, ist der italienische, hauptsächlich der oberitalienische Einfluß unverkennbar. Echt deutsch ist der Phantasiereichtum. Seiner Originalität verdankt das Denkmal seinen Weltruf. Es ist die bedeutendste Schöpfung der Renaissance auf dem Gebiete des Erzgusses.

Das schlichte spätgotische Gitter ist eine Arbeit des Schlossers Jorg Hames aus der Zeit der Vollendung des Vischerschen Grabmales.

Abb. 100. Gewölbeschlußstein mit der Geburt Christi. Im nördlichen Seitenschiff.

Abb. 101. Gewölbeschlußstein mit dem hl. Sebald. In der nördlichen Sakristei.

Die Idee, um den Sarg des hl. Sebald eine Halle zu errichten, hatte bereits der Kirchenpfleger Ruprecht Haller (1474–1489). Er wandte sich an Peter Vischer und dieser lieferte 1488 einen noch rein gotischen, jetzt in Wien befindlichen Entwurf, welcher nur in der Gesamtanlage mit dem später ausgeführten Werke übereinstimmt. Der Plan scheiterte, wahrscheinlich an Geldmangel. Hallers Nachfolger Paul Volckamer (1489–1505) und der rührige Sebald Schreyer, Kirchenmeister von 1482–1503, ließen den Plan nicht fallen. Allein erst unter Anton Tucher und Lazarus Holzschuher im Verein mit Peter Imhoff und Sigmund Fürer kam endlich die Idee zur Verwirklichung. Im Mai 1507 wurde der Beschluß gefaßt, Peter Vischer ging sogleich an die Vorarbeiten. Das Messing wurde von Hans und Andreas Rosner und Sebald Behaim bezogen. Nach Vollendung des Fundamentes kam 1508 die östliche Hälfte der unteren Partie, 1509 die westliche Hälfte zur Ausführung. Die entsprechenden Inschriften lauten: „Ein anfang dvrch mich Peter Vischer 1508“ und „Gemacht von Peter Vischer 1509“. 1512 war die Halle vollendet, wie aus einer Stelle bei Cochläus, Cosmographia des Pomponius Mela, erschienen 1512, hervorgeht, wo bereits von dem ganzen Kapellenbau die Rede ist. Die Ausführung des figürlichen Schmuckes zog sich bis Frühjahr 1519 hin. Allein jetzt fehlten die Geldmittel, um Peter Vischer bezahlen zu können. In kurzer Zeit waren dieselben aufgetrieben, nachdem Anton Tucher am 17. März einen Aufruf an die leistungsfähigen Bürger erlassen hatte (abgedruckt bei M. M. Mayer, a. a. O., S. 31 f.). Am 19. Juli wurde das Grabmal aufgerichtet. Die Inschrift am Rande der Fußplatte lautet: „Petter Vischer pvrger zv Nurmberg machet das werck mit sein sunne. vn wurd folbacht im jar 1519 vnd ist allein Got dem Allmechtigen zu lob vnd Sanct Sebolt dem Himelfürste zv Eren mit hilff frumer leut vn dem allmossen bezalt.“ Das Grabmal hatte ein Gewicht von 157 Ztr. 29 lb. Peter Vischer erhielt als Bezahlung 3145 fl. 16 Schilling, also für den Zentner 20 fl. Von den angesehenen Bürgerfamilien hatten Beiträge geleistet Sebald Schreyer und Gesellschaft 117 fl. 12 Heller, Hans Starck 100 fl., Imhoff und Gesellschaft 60 fl., Sigmund Fürer und Gesellschaft 80 fl., Hans Tucher der Ältere für sich und seine Brüder 20 fl. und für seine Gattin und deren Verwandtschaft 20½ fl. usw. Siehe Baader, Beiträge. 1, 53.

Von den Söhnen Peter Vischers des Älteren war Peter der Jüngere am meisten an der Arbeit beteiligt, der möglicherweise auch der hauptsächlichste Vermittler des oberitalienischen Einflusses war, während man eine Beeinflussung durch Vorbilder der römischen Renaissance wohl auf Peters des jüngeren Bruder, Hermann Vischer, hat zurückführen wollen. Siehe Seeger, Peter Vischer der Jüngere. Leipzig 1897, S. 73–121.

1520 wurden an dem Sarg Reparaturen vorgenommen. 1628 fand eine umfassende Renovierung des ganzen Grabmales statt, welche 644 fl. 19 β 8 Heller kostete. „1523 wurde St. Sebaldsfest das letztemal gehalten, und hat zwar der rat wegen St. Sebaldsfest befohlen, den sarch sambt St. Sebalds gepainen allein zum weihbrunnen aus dem chor, in der kirchen herumb vnd wider in den chor zu tragen vnd die andern ceremonien zur vesper mit dem herab und hinauftragen mit den stadtpfeiffern einzustellen. 1524 hat man wohl St. Sebaldsfest in der kirche gefeiert, aber den sarch nit mer wie zuuor vmbgetragen.“ Die Einstellung der Prozession hing jedenfalls mit der Einführung der Reformation zusammen.

Besondere Beachtung verdienen endlich unter den Werken der Plastik noch die Gewölbeschlußsteine in den Seitenschiffen und im Ostchor. Außer einer Anzahl rein ornamental behandelter Schlußsteine finden wir mehrere, die groteskenartig ein von stilisiertem Blattwerk umrahmtes Menschenantlitz aufweisen; in den westlichen Jochen des südlichen Seitenschiffes ferner eine Darstellung der Kreuzigung mit Maria und Johannes, darüber zwei schwebende Engel und die Symbole der vier Evangelisten, beim Engel des Matthäus auf den Stirnseiten des Schlußsteines noch die Löwin und den Pelikan; sodann im nördlichen Seitenschiff von Osten nach Westen einen bogenschießenden Zentaur, eine reizvolle als Hochrelief behandelte Geburt Christi (Abb. [100]) und den Agnus Dei; im Mittelschiff des Ostchores St. Sebaldus, eine Gruppe von vier Wappen (Nürnberger Jungfrauenadler, Reichsschultheißenwappen, einköpfiger und doppelköpfiger schwarzer Adler) und einen bärtigen Kopf mit Heiligenschein (Gottvater?); im Chorumgang nördlich wiederum einen Agnus Dei, südlich eine Madonna in der Glorie und einen Christuskopf. In der nördlichen Sakristei ist die kleine Statue des hl. Sebaldus als Schlußstein bemerkenswert (Abb. [101]).

Die gesamte Plastik erwies sich gelegentlich der letzten Instandsetzung der Kirche nach Entfernung mehrfach aufgetragener dicker Tünche als polychrom behandelt. Von dieser ursprünglichen Polychromierung waren überall noch so bedeutende Reste erhalten, daß eine Ergänzung derselben, ein Wiederaufleben der Bildwerke in ihren alten Farben möglich wurde. Beim Tympanonrelief des nördlichen Seitenschiffportales wurde aus archäologischen Gründen von jeder Ergänzung der aufgedeckten alten Polychromie abgesehen; bei einzelnen Skulpturen innerhalb der Kirche, insbesondere der Verkündigungsgruppe an der Nordseite des Ostchores und den plastischen Arbeiten des Petrusaltares, erforderten nur unbedeutende Teile eine geringe Ergänzung.

3. Die Gemälde.

Die Tafelmalerei des Mittelaltares ist in der Kirche nicht durch erstklassige Werke vertreten. Auf diesem Gebiete ist die Sebalduskirche gegenüber ihrer Nebenbuhlerin, der Kirche St. Lorenz, zu kurz gekommen. Was sie aufzuweisen hat, sind nur Ableger der in Nürnberg blühenden Schulen des 15. Jahrhunderts. Um so mehr war die Kirche mit Wandmalereien, und zwar nicht nur mit Malereien von rein dekorativem Charakter, sondern mit einer großen Anzahl von in sich abgeschlossenen figürlichen Darstellungen ausgestattet. Dieselben gehören ebenfalls meist dem 15. Jahrhundert an und sind, was besonders hervorgehoben zu werden verdient, häufig in Öl gemalt.

Abb. 102. Verkündigung. Holztafelgemälde im Löffelholzchor.

Abb. 103. Krönung der Maria. Holztafelgemälde im Mittelschiff.

Die Tafelmalerei des 16. Jahrhunderts wird durch eine vorzügliche Arbeit der Frührenaissance und die des beginnenden 17. Jahrhunderts durch eine nicht unbedeutende Leistung repräsentiert.

Im Westchor an der Südwand hängen drei gleichgroße Gemälde: die Dornenkrönung mit den Wappen der Löffelholz und Münzmeister (um 1433), die Geißelung mit den Wappen der Löffelholz und Hummel (um 1435) und die Verkündigung (Abb. [102]) mit den Wappen der Löffelholz und Zollner (um 1448). Die Darstellungen sind auf Goldgrund gemalt. Auf den Bildern unten die Familienglieder des oder der Stifter. Die angeführten Datierungen beruhen auf den Forschungen Karl Gebhardts (a. a. O. S. 86–88), der die Verkündigung dem gleichen Meister wie das Imhoff-Volckamersche Epitaph mit der Geburt Christi (sieh unten) zuschreibt und geneigt ist, auch die beiden anderen Stücke, Dornenkrönung und Geißelung, diesem „Meister der Sebalder Epitaphien“, wie er ihn nennt, zu geben.

Am ersten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit der Krönung Mariä nach dem Holzschnitte des Marienlebens Dürers von einem seiner Nachahmer (Abb. [103]). Unten am Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Imhoff, Tetzel, Holzschuher, Tucher, Löffelholz und Pömer. Um 1525. Imhoffsche Stiftung.

An der entgegengesetzten Seite desselben Pfeilers ein Holztafelgemälde vom Jahre 1478, eine Allegorie auf die Geburt Christi darstellend. In der Mitte die Anbetung des Christkindes durch Maria, in den Ecken Moses am feurigen Busch, Aaron mit dem blühenden Stab, Gideon mit dem Vließ und die Porta clausa des Ezechiel, ferner in den Zwischenräumen der Pelikan, das Einhorn, der Phönix und der Löwe sowie die vier Evangelistensymbole. Es ist eine Wiederholung der zum Andenken des Professors Friedrich Schon († 1464) gestifteten Darstellung vom Meister des Wolfgangaltares in der Lorenzkirche (Thode, S. 53; Gebhardt, S. 80 ff.; Redslob in den: Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. 1907, S. 24 ff., mit Abb.), nur mit deutschen statt mit lateinischen Inschriften. Oben am Bild folgende Schrift: „Anno domini milesimo CCCC vnd in dem lxxviij jare am freitag nach sant Valentins tag verschied der erbar mann Vlrich Starck der elter dem got gnedig vnd barmhertzig sei Amen. Vorneurt 1591. 1658.“ Starcksche Stiftung vom Jahre 1478. Infolge der inschriftlich beglaubigten Restaurierungen schlecht erhalten. Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Starck-Pirckheimer und Starck-Neudung.

Am zweiten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit der Verkündigung. Von einem Meister des Überganges, Anfang des 16. Jahrhunderts. Unten auf dem Bild der Stifter mit seinen Familiengliedern und die Wappen der Ölhafen und Pfinzing. Stiftung der Ölhafen.

Am zweiten südlichen Mittelschiffpfeiler Holztafelgemälde mit der Taufe Christi und anderen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers. Unten kniende Angehörige der Örtelschen Familie, dazu rechts das Wappen der Groß, links das der Örtel, in der Mitte die Inschrift: „Anno 1525 den 21. Julii Starb der Erbar Sigmund Orttell. Verneut An. 74.“ Murr wollte eben dieses Gemälde dem nach dem Zeugnis Neudörfers von Dürer mit Anerkennung genannten Maler Sebald Baumhauer, der in seinem Alter Kirchner an St. Sebald war, zuschreiben, doch, wie es scheint, ohne triftigen Grund.

An der Ostseite des südlichen Vierungspfeilers ein Holztafelgemälde mit der Beweinung Christi. Genaue Kopie nach dem Dürerschen Original in der Alten Pinakothek zu München, vielleicht von Georg Gärtner dem Jüngeren († 1654). Wie das Original Holzschuhersche Stiftung.

In den unteren Ecken des Bildes ist der Stifter mit seiner Familie abgebildet: links das Wappen der Holzschuher-Groland-Müntzer-Gruber(?), rechts das Wappen der Gruber. Siehe Thausing, Dürer. II. Aufl., I. Bd., S. 180 ff.

An der Ostseite des nördlichen Vierungspfeilers gegenüber der Kanzel ein Ölgemälde auf Holz, das Jüngste Gericht, freie Kopie nach dem sogenannten Kleinen Jüngsten Gericht von Rubens vom Jahre 1628. Mit Rahmen und einem Aufsatz. Imhoffsche Stiftung.

Auf dem Rahmensockel sind auf Holz gemalt die Bildnisse des Stifters, seiner Ahnherren väterlicherseits mit den Jahrzahlen 1580 und 1628, Willibald Pirckheimers und seiner Gemahlin und Albrecht Dürers mit der Inschrift: „Effigies Alberti Düreri A° 1509“; der Stifter hält eine Tafel mit einem Spruch über die Vergänglichkeit des Lebens. Diesen gegenüber Kreszentia, die Gattin Willibald Pirckheimers, kniend, hinter ihr ihr Gemahl und Albrecht Dürer stehend, letzterer mit einer Tafel, worauf die Inschrift, der zufolge die Gedenktafel Herrn Willibald Imhoff dem Älteren und dessen in Gott ruhenden lieben Voreltern von seinem Sohne Hans Imhoff zu Ehren aufgerichtet worden ist „anno salutis 1. Januarii 1628“. — Auf dem Rahmen über dem Gemälde des Jüngsten Gerichts die Inschrift: „Das Gedechtnuß des Gerechten bleibt im Segen“, auf dem Rahmen unten zwischen diesem Gemälde und der Votivtafel: „Hans Imhoff Fundator“.

Der ebenfalls eingerahmte Aufsatz enthält ein Gemälde auf Leinwand: Allegorie auf die Vergänglichkeit (Tod und zwei kräftige Knaben in der Art des Rubens). Auf dem Rahmen oben: „Memento mori“, unten MDCXXVIII.

Zur Seite des Aufsatzes zwei Pyramiden in Holz geschnitzt, oben das Wappen der Imhoff.

Die Gemälde sind wahrscheinlich Arbeiten des Jörg Gärtner des Älteren († 1640). Über das Verhältnis dieser Stiftungstafel zu der in der Rochuskapelle von 1624 Ausführliches bei Stegmann, Rochuskapelle. 1885, S. 43 ff.

Im Bogenfelde des nördlichen Seitenschiffportales eine Auferweckung des Lazarus, Holztafelgemälde von Christian Ruprecht aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Unten rechts das Wappen der von Wimpfen. Stifter des Bildes war Johann Friedrich von Wimpfen (hingerichtet zu Nürnberg am 29. August 1668).

Am dritten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der hl. Anna selbdritt zwischen den Heiligen Nikolaus und Katharina vom Meister des Imhoffschen Altares in der Lorenzkirche. Unten auf dem Bild die Stifterfiguren mit den Wappen der Imhoff und Rothflasch. Von Christian Baer restauriert. Stiftung Konrad Imhoffs aus dem 2. oder dem Beginn des 3. Jahrzehnts des 15. Jahrhunderts. Vgl. Gebhardt, Die Anfänge der Tafelmalerei in Nürnberg, S. 40 ff., wo wesentlich aus diesem Gemälde die Beeinflussung des Meisters des Imhoffschen Altares durch die Kunst des Gentile da Fabriano nachzuweisen versucht wird (vgl. über das Bild auch Redslob, a. a. O. S. 28).

Am zweiten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der Kreuztragung in der Art des Wolgemut. Figurenreiche Darstellung mit dem an die Altenburg bei Bamberg erinnernden Kalvarienberg nach dem Stiche der Kreuztragung von Martin Schongauer (Thode, a. a. O. S. 193). Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Ebner, Tucher-Harsdörffer und Tucher-Rieter auf der linken und dem Wappen der Tucher nebst den Insignien des hl. Grabes auf der rechten Seite. Stiftung des Hans Tucher († vom Jahre 1485.

Am dritten südlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der Geburt Christi. Maria betet vor dem Christuskinde, über welches sich ein Engel beugt; links kniet Joseph, und von rechts kommen zwei Hirten herbei. Stark übermalt. Auf der Predella der Stifter mit seinen Familiengliedern (Frau, vier Söhnen und fünf Töchtern) und die Wappen der Imhoff und Volckamer. Stiftung Konrad Imhoffs wohl aus dem Jahre 1438, dem Todesjahre seiner Frau Klara, einer geborenen Volckamer (vgl. Gebhardt, a. a. O. S. 84 ff.).

An der Wand unterhalb des Mendelfensters, die ganze Breite zwischen den beiden Pfeilern einnehmend, ein Gemälde auf Holz von Hans Sueß, genannt Hans von Kulmbach, die Madonna mit Heiligen. Zum Andenken an Lorenz Tucher, Propst von St. Lorenz, gestiftet von dessen Stiefbruder Martin im Jahre 1513 (Tafel [XV]).

Das Gemälde ist dreiteilig nach Art der gotischen Flügelaltäre, jedoch als Votivgemälde gestiftet. Im Mittelbild thronend die Madonna mit dem Christuskind, zwei über ihrem Haupte schwebende Engel halten die Krone, zu ihren Füßen fünf musizierende Engel, seitlich des Thrones links die hl. Katharina und rechts die hl. Barbara, hinter derselben ein Schriftband mit dem Monogramm des Meisters und der Jahrzahl 1513. Auf dem rechten Feld die Heiligen Johannes der Täufer und Hieronymus, auf dem linken Feld die Heiligen Petrus und Lorenz, vor letzterem das Bildnis Lorenz Tuchers, dabei das Wappen der Tucher und eine Tafel mit folgender Inschrift:

D · O · M · ET · SS · V · M ·
Lavrencivs Tuchervs, ivr · doc · d · lav
ren · prepo · ratisp · cano · cvstos et vicem
tenens · vir bonvs ervditvs integer ·
anima deo reddita · ossa in sepvl
chro gentilicio sita ·
bene valeas et vigila viator qvisqvis
es : bulla es ·
vixit virtvose ann · LV · mens · VII · di · XV .
mori · ann · M · D · III · octavo · calend · april
sola salvs servire deo : svnt
cetera fravdes ·

Die Komposition stammt von einem jetzt in Berlin befindlichen Entwurfe Dürers vom Jahre 1511; der Entwurf ist ziemlich genau, wahrscheinlich auf Wunsch des Bestellers, eingehalten, nur statt des einen musizierenden Engels wurden fünf angebracht. Die venezianische Renaissancestimmung jedoch, die sich hauptsächlich im Kolorit ausspricht, ist auf Kulmbachs Lehrer Jacopo de Barbari zurückzuführen. Das Gemälde gilt in der Kunstgeschichte als eines der besten des Kulmbach. (Siehe Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei. 1890, S. 375; Koelitz, Hans Sueß von Kulmbach und seine Werke. 1891, S. 54.).

1572 wurde das Bild von Nikolaus Juvenel restauriert, neuerdings im Auftrage der Freiherrlich von Tucherschen Familie trefflich wiederhergestellt durch den Konservator Andreas Mayer in Augsburg.

Über der Schautüre ein Holztafelgemälde des Johann Kreuzfelder, eines Schülers des Nikolaus Juvenel, vom Jahre 1603 mit Szenen aus dem Leben der ersten Menschen (Abb. [104]). Das Gemälde nimmt die ganze Breite der Wand mit dem Behaimschen Fenster und den Behaimschen Statuen der Heimsuchung ein. Die eigentliche Bildfläche ist seitlich abgerundet, die seitlichen Raumflächen enthalten, ebenfalls in Tafelmalerei, Stammbäume der Familie Behaim mit Wappen derselben. Am oberen Teil des Rahmens drei runde Medaillons mit Bildnissen dreier männlicher Mitglieder der Familie Behaim. Das Bild selbst zeigt in reicher von allerlei Tieren belebter Landschaft ohne äußerliche Abgrenzung die Erschaffung der Eva, Adam und Eva im Paradies und die Vertreibung aus demselben. Der niederländische durch Juvenel vermittelte Einfluß ist unverkennbar; vorzüglich sind die Akte. Behaimsche Stiftung.

Auf dem unteren Teil des Rahmens: „Gleichwie vor disem Thürlein klein / Das Endt der Welt in Stain gar fein / Ist abgebild als ist nit geringer / Der Welt Anfang durch Malers Finger / Hie fürgestelt das du Mensch dein Leben / Von Anfang mogst betrachten eben / Wie das du nur seist Staub und Erden / Zu der du auch mußt wider werden / Drum leb, auch stirb hie seliglich / So bleibst bei Gott dort ewiglich. Renov. Anno 1774.“ Mit dem „Endt der Welt in Stain gar fein“ vor der Schautüre ist das Relief mit dem Jüngsten Gericht gemeint (siehe S. 148). Die 1774 vorgenommene Renovierung war nicht umfassender Natur. Auf den anderen Teilen des Rahmens: „Paulus, Christophorus, et Fridericus cognomine Behaim, Fratres, Pauli Fridericique filii et nepotes, ob praeclaram in successiuo et duodeno ordine maiorum suorum memoriam, picturam hanc fieri et ceteris familiae suae monumentis affigi curarunt anno reparatae per Christum salutis humanae M. D. C. III. Patriam beat prudentia.“ Auf dem Rahmen in Holz geschnitzt ein Totenkopf mit einem Schriftband: „Talis terrenae vitae solet exitus esse.“

Abb. 104. Darstellung des Paradieses. Holztaf.-Gem. von J. Kreuzfelder.
Abb. 105. Abendmahl und Ölberg. Wandgemälde im Ostchor.

Die ganze Gedenktafel wurde 1904 durch Andreas Mayer restauriert.

Rechts vom Eingang zur südlichen Sakristei ein Holztafelgemälde mit der Himmelfahrt Mariä von einem mittelmäßigen Maler der Dürerschen Gefolgschaft. Im Vordergrunde ein geistlicher Donator mit dem Wappen der Ölhafen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts.

An der Westwand der kleinen Kapelle neben dem Dreikönigsportal ein Holztafelgemälde mit figurenreicher Kreuzigung. Erste Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Gegenüber am Chorpfeiler ein kleines ehemals zu einem Almosenstock gehöriges Ölgemälde auf Holz, eine Brotausteilung unter Krüppel und Arme darstellend. Die Unterschrift lautet: „Lege[t] ewer heillig almüssen jn dissen stock zu enthaltung der armen leydt so burger jn disser stat werd vnd gostenhof (d. h. in dieser Stadt, Wöhrd und Gostenhof) sind durch gots willen.“ 16. Jahrhundert.

Auch an alten Wandmalereien besitzt die Kirche noch eine ansehnliche Zahl. Die meisten derselben wurden erst bei der letzten großen Wiederherstellung unter der Tünche aufgefunden und freigelegt. Einige von ihnen mögen wohl während des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts in Verbindung mit Mensen Altäre gebildet haben.

Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben dem Bogen zur Turmhalle die Riesengestalt des hl. Christophorus, dazu Angehörige und Wappen der Familie Ebner-Vetter(?). Die Füße des Heiligen sowie die Baumwurzel wurden bei der letzten Restaurierung durch Professor Haggenmiller ergänzt. Dieser Christophorus des 15. Jahrhunderts verdeckt zum größten Teil die noch gewaltigere Darstellung desselben Heiligen aus dem 14. Jahrhundert, die ohne Zweifel künstlerisch weit bedeutender war, wie die oberhalb des späteren Bildes erhaltenen beiden Köpfe noch gut erkennen lassen. Darüber Spuren einer späteren Darstellung des Veronikatuches.

Beim Dreikönigsportal die Gregoriusmesse mit Maria und Johannes dem Evangelisten. 15. Jahrhundert.

Am dritten südlichen Mittelschiffpfeiler der Tod Mariä, frühes 15. Jahrhundert, dazu Reste dreier älterer Darstellungen aus der Passions- oder Heiligengeschichte, von denen nur der obere Teil einer Kreuzigung genauer zu erkennen ist.

Im nördlichen Seitenschiffe an der aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts stammenden hölzernen Empore im Steinton gehaltene Maßwerkmalereien, zwischen denen sich die Wappen der Haller, Holzschuher und Stromer einfügen.

An Wandmalereien sind im Ostchor noch vorhanden:

Über dem Pfinzingchörlein zwei Prophetengestalten mit Spruchbändern, aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Die Deckenmalereien im Pfinzingchörlein, Darstellungen des Weltheilands und der vier Evangelistensymbole, gehören wohl erst dem Ende des 16. Jahrhunderts an.

Am Kaiserchörlein oben eine Inschrifttafel mit der auf die Barockausstattung der Kirche bezüglichen Jahreszahl 1657 und ein Veronikatuch, gehalten von den Aposteln Petrus und Paulus, unter denen sich die ursprünglichen Engel befinden, aus dem 15. Jahrhundert.

Als die Kulmbachsche Tafel zum Zweck ihrer Wiederherstellung von der Wand entfernt wurde, fand sich an dieser, die ganze Länge einnehmend, ein Ölgemälde, die Kreuztragung Christi mit der Figur des Herrn in der Mitte und einem figurenreichen Zuge von Gewappneten und Volk sowie den klagenden Frauen, der sich aus einem Tore der links beinahe aus der Vogelschau dargestellten türmereichen Stadt Jerusalem herausbewegt. Daneben war ganz links die Inschrift zu lesen:

„Anno dni M.CCCC.lxxiij [1473] An vnser lieben frawen abent würtzweyh verschid frawe barbara karl steilngers [Steinlingers] haußfrawe der got gnedig….

Darnach Anno dni... an sant valenti... [versch]id karl steinlinger dem... nad.“

Abb. 106. Darstellungen aus der Apostellegende. Wandgemälde im Ostchor.

Die Versuche, die stark abgeblätterte und nur noch lose anhaftende Ölmalerei von der Wand abzuziehen, mißlangen leider bei den Resten der eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die Darstellung der Stadt Jerusalem leidlich gut und vollständig erhalten werden. Vorsichtig auf Leinwand übertragen hat sie jetzt ihren Platz in der nördlichen Turmhalle gefunden.

Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen Ölgemäldes wurden endlich noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines künstlerisch bedeutsamen Freskogemäldes entdeckt, das gleichfalls die Kreuztragung zum Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf eine Mörteltafel gebracht werden konnten. Völlig unrestauriert sind sie auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen, daß auch diese ältere Kreuztragung (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eine Steinlingersche Stiftung war. Unter den übrigen Wappen läßt sich noch ein Großisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.

An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung eines Wallfahrtsortes mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund für eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende Wandgemälde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mörtelplatte gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des Petrusaltars.

An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die wirkungsvollen Gestalten der hl. Elisabeth und des hl. Martin, 15. Jahrhundert.

Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemälde in Öltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. [105]). Links Abendmahl und Fußwaschung; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem Familienwappen, darüber die Inschrift: „Anno dm Mcccclxxlll Jar starb hanß starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Hanß Starken wieder verneurt worden, seines Aldters 79 Jahr.“[XIII] Rechts Christus am Ölberg; unten auf dem Gemälde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit. Starcksche Stiftung von 1423.

Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit übermalt, wurden die Bilder bei der letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder instandgesetzt.

An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene, künstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen aus der Apostellegende (Abb. [106]), die dem Anfange des 15. Jahrhunderts angehören (siehe oben).

Das Gemälde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mörtelplatte übertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer in München. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung befindet sich in der Bausammlung.

Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemäldes mit der Kreuzschleppung. Links vom Eingang zur südlichen Sakristei und vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei Stifterfiguren mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem Hintergrunde, in Ölmalerei ausgeführt.

In der Kapelle neben dem Dreikönigsportal zeigt die Ostwand rechts einen Johannes Evangelista unter Architektur, links eine weibliche Heilige, von der jedoch nur noch der Oberkörper erhalten ist.

An der Hochwand über dem Trennungsbogen zum südlichen Seitenschiff zu beiden Seiten der Orgel reiches grünes Rankenornament, dazwischen musizierende Engel, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehäuses.

An verschiedenen Wänden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, gemalte Wandbehänge mit Granatapfel- und anderen Musterungen.

In der farbigen Behandlung der Wände und Gewölbe lassen sich drei verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt der Löffelholzchor. Die Wände haben Steinton, die Gurten und Rippen sind in Quader geteilt, hauptsächlich in roter und grauer Farbe. Die Kappenflächen sind durch schwarze Linien so geteilt, daß ein Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgröße vorgetäuscht wird. Die Schäfte der Zwergsäulchen sind schwarz getönt. Diese letztere Tönung ist auch im Mittelschiff noch sichtbar. Im übrigen haben aber hier und in dem Seitenschiffe wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Gurten und Rippen hauptsächlich in der Nähe der Schlußsteine farbige Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung erhalten. Die Schlußsteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.

Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des Ostchores auch für den letzteren vorbildlich gewesen zu sein. Schlußsteine und Rippen sind — es handelt sich hier um die dritte Art der Bemalung — ähnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.

4. Die Glasgemälde.

Ähnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel geleistet worden zu sein. Kein einziges Stück Glasgemälde aus der Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Maßwerkfenster umgewandelt wurden, läßt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen Denkmälern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem Neubau des Ostchores (1361–1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung von Glasgemälden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte die Schmückung der einzelnen Wandabteilungen übernommen, besonders diejenigen Familien, die ihre Grabgrüfte am Chor, sei es innerhalb, sei es außerhalb desselben, hatten. Über die Hälfte der Ostchorfenster sind Erzeugnisse dieser um 1380 tätigen Schule.

Von 1380 an trat eine Pause von über 100 Jahren ein. Die späteren Glasgemälde sind vereinzelte Stiftungen und hängen nicht mit einer baulichen Veränderung zusammen. In die Erzeugnisse dieser neuen von 1490 bis 1520 währenden Blütezeit teilen sich jetzt mehrere Kirchen; insbesondere St. Lorenz mit seinem eben vollendeten Chor hat die Hauptleistungen der ersten Zeit an sich genommen. Das Bambergische und das Volckamersche Fenster (datiert 1488) in St. Sebald repräsentieren die erste noch den spätgotischen Stilcharakter tragende Epoche des Aufschwungs. Wolfgang Katzheimer ist der Meister. Eine weitere Entwicklungsphase in der Geschichte der Glasmalerei Nürnbergs bezeichnen die drei Fenster des berühmten Veit Hirschvogel: das Maximilians-, Markgrafen- und Pfinzingsche Fenster mit ihren prächtigen Gestalten der Frührenaissance und mit ihrer den Dürerschen und Kulmbachschen Werken nahe verwandten Formensprache. Sie zählen unstreitig zu den kostbarsten Kunstwerken, die die Kirche birgt.

Einen Beleg für die Existenz und künstlerische Bedeutung der Nürnberger Glasmalerschule noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildet das in seiner Architekturzeichnung an die Spätrenaissanceformen des Pellerhauses erinnernde Imhoffsche Fenster.

Die übrigen Fenster der Kirche sind meist nur mit Wappenschilden von Geschlechtern zum Andenken an verstorbene Angehörige geschmückt. Der Zweck der Stiftung deckte sich ungefähr mit dem bei den Totentafeln von Holz.

Westchor. Im ersten Fenster links Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. Darunter die Schrift: „Für uns Er trug vnser Krankheit vnd lude auf sich unsere schmertzen. Esaiae am LIII Cap.“ Ferner Rundscheibe mit dem Allianzwappen der Stockamer und Groland.

Im zweiten Fenster im Maßwerk Wappen der Ayrer, unten zwei Allianzwappen der Stockamer und Dietherr. — Die Glasgemälde mit den Heiligen Jakobus und Bartholomäus und die beiden Rundscheiben mit Evangelistensymbolen wurden 1903 nach Entwürfen von Friedrich Wanderer von Zettler in München ausgeführt.

Im dritten Fenster St. Lorenz und St. Sebald sowie drei Löffelholzische Wappen, alles von Wanderer-Zettler, 1903.

Im vierten Fenster Wappen der Unterholzer(?) sowie zwei Allianzwappen der Dietherr. Dazu St. Johannes Ev. und St. Egidius sowie die Rundscheiben mit Evangelistensymbolen von Wanderer-Zettler, 1903.

Die Heiligen in dem 2., 3. und 4. Fenster stellen die Patrone der Nürnberger Kirchen dar und wurden von den freiherrlichen Familien der Kreß und Tucher (2. Fenster), Löffelholz (3. Fenster), Haller und Scheurl (4. Fenster) gestiftet.

Im fünften Fenster Wappen der Löffelholz und zwei Gammersfeldersche Allianzwappen.

Im Fenster der südlichen Turmhalle Wappen der Paumgärtner-Haller.

Nördliches Seitenchor. Im ersten Fenster oben sechs Allianzwappen der Nützel.

Im zweiten Fenster, dem kleinen Fenster über der Anschreibtüre, die Wappenschilde der Schlüsselfelder und Allianzwappen der Held.

Im dritten Fenster ein hl. Bischof und St. Blasius mit Konrad und Wolf Haller von Hallerstein als Donatoren und zwei zugehörigen sowie zwei weiteren Wappenschilden der Haller.

Im vierten Fenster die Heiligen Sebald und Petrus, dazwischen zwei Wappenschilde der Holzschuher. Im Maßwerk eine Verkündigung Mariä und darüber ein Engel mit dem Holzschuherschen Wappen. Alle diese Glasgemälde wohl aus der gleichen Zeit, eines derselben von 1503 datiert.

Im fünften Fenster unten die hl. Barbara, darüber das Wappenschild der Nützel mit der Inschrift: „H. Carl Nützel Ritter Rö. Kay. May. Rath Starb den 18. Novem 1614.“ Oben vier Ölhafensche Allianzwappen.

In dem Treppenfenster neben der Querschiff- bzw. Ostchormauer drei kleine Wappen der Nützel.

Es folgt die Beschreibung der Fenster im Ostchor in fortlaufender Reihe vom ersten Fenster der Nordwand neben der alten Querschiffmauer an:

Ostchor. 1. Das erste Fenster im Ostchor. Um 1360. Zweifellos noch vor Beginn des Ostchorumbaues vollendet. Die Gemälde umfassen die fünf unteren Reihen. Die Gliederung der architektonischen Umrahmung, noch mehr der Zusammenhang der einzelnen Darstellungen sind unklar. Von den letzteren sind nur drei der Sockelreihe ihrem Inhalte nach zu erkennen, nämlich Christus in der Vorhölle, Grablegung und die Ausgießung des heiligen Geistes.

Abb. 107. Detail vom Bamberger Fenster.

Die obere Reihe zeigt unter Baldachinarchitektur links einen Verkündigungsengel, im zweiten Felde dem Engel zugewendet einen bärtigen Mann (Verkündigung Johannis?), im dritten Felde einen hackenden Mann, im vierten eine spinnende Frau, vor ihr eine Wiege mit Kind (Adam und Eva nach dem Sündenfall?). In der mittleren Reihe links eine gekrönte Heilige und zwei andere nicht genauer zu deutende Figuren; im zweiten Feld zwei weibliche Heilige mit dicken Büchern in den Händen; im dritten und vierten Felde vornehme Gesellschaft im Zeitkostüm, von fraglicher Bedeutung. Am ganzen Gemälde ist im Laufe der Zeit viel verändert worden.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde Medaillons mit Wappen der Geuder.

2. Das Grundherrsche Fenster. 1372–1379. Das Gemälde umfaßt die sechs unteren Reihen. Durch Versetzung mehrerer Felder in der Gesamtkomposition entstellt. Das Fenster muß sich ursprünglich an anderer Stelle befunden haben und wurde hierher versetzt, als man das Imhoffsche Fenster, dessen Maßwerkmalereien an ihrer alten Stelle verblieben, von hier auf die gegenüberliegende südliche Seite des Ostchors überführte. Die Stifterfiguren der äußeren Felder der unteren Reihe gehören der spätmittelalterlichen Zeit an. Im übrigen enthalten die zwei mittleren Felderreihen in achtpaßförmigen Kartuschen Darstellungen aus der Marienlegende, unten, jetzt in der zweiten Reihe, die Donatoren, in den äußeren Bahnen Heilige mit Attributen oder Schriftbändern.

In den freien Teilen des Fensters acht runde Medaillons mit drei Grundherrschen Wappen und den Wappen der Kreß, Ebner und? (Baumstamm mit roten Lindenblättern auf silbernem Grunde).

Im Maßwerk, eigentlich zu dem Imhoffschen Fenster gehörend, zwei Engel mit Blasinstrumenten in Wolken, darüber das Imhoffsche Wappen. 17. Jahrhundert.

In den beiden Fenstern der Pfinzingempore 2 größere und 30 kleinere Rundscheiben mit Pfinzingwappen.

Im Maßwerk des Fensters über der großen Sakristei zwei große Schreyersche Allianzwappen.

3. Das Mendelsche Fenster. 1372–1379.

Das Glasgemälde umfaßt die unteren sechs Reihen und enthält neun Darstellungen aus dem Marienleben. Die dritte und sechste Reihe und die mittleren Felder der fünften Reihe sind mit Architektur ausgefüllt, die Sockelfelder weisen viermal das Wappen der Mendel auf.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde bekränzte Wappen der Tucher aus dem 16. Jahrhundert.

4. Das Tuchersche Fenster. 1372–1379.

Es umfaßt sieben Querreihen mit Darstellungen aus der Passion:

1. Reihe (von unten): Tuchersches Wappen von etwa 1550, der Stifter, dessen Frau, dann ein Pfinzingsches Wappen von etwa 1550.

2. Reihe: Christus vor Pilatus (4. Feld), Dornenkrönung (1., 2. und 3. Feld).

3. Reihe: Kreuztragung (4 Felder).

4. Reihe: Christus wird ans Kreuz genagelt (4 Felder, die, offenbar bei einer späteren Reparatur, unrichtig angeordnet wurden).

5. und 6. Reihe: Kreuzigung (8 Felder).

7. Reihe: Architekturaufsatz.

5. Das Fürersche Fenster. 1372–1379.

Ursprünglich das Fenster der Geuschmid. Die beiden Fürerschen Allianzwappen in den mittleren Feldern der zweiten Reihe stammen erst aus dem 16. Jahrhundert. Sie tragen die Unterschriften „Sigmund [Füerer der] Ellter...“ und „Christann Füerer Anno dm 1325“.

Abb. 108. Detail vom Maximiliansfenster.

Das Glasgemälde umfaßt sechs Reihen und greift mit der Bekrönung in die siebente Reihe über. Die Sockelreihe enthält die Wappen der Eysvogel, Geuschmid, Gruber und Ebner, die übrigen Reihen, abgesehen von den zwei erwähnten Feldern, 14 Heilige und legendarische Darstellungen.

Darüber, innerhalb der Butzenverglasung, ein Scheurl-Tuchersches Allianzwappen mit der Jahreszahl 1480.

6. Das Stromersche Fenster. 1372–1379, mit späteren Zutaten aus verschiedenen Zeiten.

Das alte Glasgemälde umfaßt die Reihen 4 bis 9 und enthält in der untersten Reihe in den beiden mittleren Feldern zwei Stromersche Allianzwappen, dazu links ein Pfinzingsches, rechts ein Kolersches Wappen; in den nächsten vier Reihen 16 Figuren, nämlich zehn Apostel und sechs Propheten, alle mit Schriftbändern in den Händen, in der obersten Reihe einen schlichten architektonischen Abschluß, innerhalb desselben zwei kleine Engelsfiguren.

Die Reihe 3 wurde um 1500 mit 2 Pfinzingschen Wappen sowie 4 Stromerschen und 2 Kolerschen Allianzwappen in reicher spätgotischer Ornamentik ausgestattet. In der 2. Reihe außer 3 kleinen Pfinzingschen Allianzwappenscheiben eine große rechteckige Scheibe mit Kolerschen Allianzwappen von 1568, von denen die größten von einer um die Mitte des 19. Jahrhunderts schlecht erneuerten Engelsfigur gehalten werden. Innerhalb des Rahmens einer Schrifttafel finden sich an Stelle derselben zwei kleine, feine, offenbar profane Kabinettmalereien roh eingesetzt: Begegnung zweier Männer und eine allegorische Frauenfigur (die Hoffart?).

In der untersten Reihe wiederum 3 kleine Pfinzingsche Allianzwappen (6 Rundscheibchen), ein Wappen des Baumeisters Wolf Jakob Stromer von 1589 und ein Wappen seiner Frau Sabina W. J. Stromerin (einer geb. Scheurl) von 1582 sowie ein Kolersches Allianzwappen mit der Unterschrift: „Hieronimus Koler anno 1592“.

7. Das Bambergische Fenster. 1501 gemalt von Wolf Katzheimer (Abb. [107]).

Die Glasmalerei bedeckt vier Querreihen:

1. Reihe (von oben): Vier Bekrönungen nach Art der ornamentalen Schnitzereien bei Altaraufsätzen.

2. Reihe: Bischof Lambert von Bamberg 1374, hl. Kaiser Heinrich, hl. Kunigunde und Bischof Philipp von Bamberg 1475.

3. Reihe: Hl. Bischof (?), hl. Petrus, hl. Paulus und hl. Georg.

4. Reihe: Bischof Heinrich von Bamberg 1487, zwei Wappen von Bamberg und Bischof Veit von Bamberg 1501.

Im linken Feld der Sockelreihe: Albrecht Dürer in ganzer Figur von C. A. Heideloff.

8. Das Maximiliansfenster (Abb. [108]). 1514 von Veit Hirschvogel gemalt. Von Heideloff restauriert. Es befindet sich in der Mitte des Ostchores, d. h. an der vornehmsten Stelle desselben, sichtbar durch das Mittelschiff bis zum Westchor.

Das Glasgemälde nimmt, vom Fenstersockel an gerechnet, zehn Reihen ein und reicht mit dem halbkreisförmigen Aufbau, nach welchem das Ganze scheinbar als Nische gedacht ist, noch in die elfte Reihe hinüber. In den beiden unteren Reihen Butzenverglasung zwischen drei Säulen, in der dritten Reihe eine Rolle mit Inschrift. Die Reihen 4 bis 9 zeigen abwechselnd zwölf Wappen der Länder des Hauses Habsburg in Deutschland und Spanien, zwei fürstliche Ehepaare und vier Heilige, und zwar:

9. Reihe: Wappen des Königreichs Kroatien, des Erzherzogtums Österreich, des Herzogtums Steier und des Herzogtums Brabant.

8. Reihe: Die Heiligen Jakobus d. Ä., Andreas, Kaiser Heinrich und Georg.

7. Reihe: Wappen des Königreichs Ungarn[XIV], Dalmatiens, Tirols und des Herzogtums Kärnten.

6. Reihe: Wappen des Hauses Habsburg, Kaiser Maximilians I., dessen Gemahlin Maria von Burgund[XV] und das Wappen von Burgund.

5. Reihe: Das vereinigte Wappen von Kastilien, Österreich, Leon, Bourbon, Granada und Burgund mit Grafenkrone[XVI], Philipp I. der Schöne, König von Spanien, dessen Gemahlin Johanna die Wahnsinnige[XVII] und das vereinigte Wappen von Kastilien, Leon, Neapel, Sizilien und Granada mit der Königskrone.

4. Reihe: Wappen des Königreichs Leon, der Grafschaft Granada[XVIII], des Königreichs Neapel und des Königreichs Sizilien.

3. Reihe mit der Inschrifttafel: „Maximilianvs cristianorvm imperator ac septem regnorvm rex heresque archidvx avstriae plvrivm evropae provinciarvm princeps potentissimvs. f. f.“ Darüber die Jahrzahl MCCCCCXIIII.

Abb. 109. Detail vom Markgrafenfenster.

Stilistisch interessant durch den Wechsel von Spätgotik und Frührenaissance: Renaissancekostüm fast bei allen Figuren, gotisches Kostüm bei der Maria von Burgund, ausgesprochene Renaissance in der Architektur und in der Majuskelinschrift, dagegen noch vollständig gotisch der gemusterte Hintergrund bei Wappen und Figuren.

Das Glasgemälde wurde hergestellt im Auftrage des Kaisers Maximilian I. für den Preis von 200 fl.

9. Das Markgrafenfenster[XIX] (Abb. [109]). 1515 von Veit Hirschvogel d. Ä. wahrscheinlich nach einem Entwurf des Hans von Kulmbach gemalt.

Das Gemälde nimmt vom Sockel an neun Fensterreihen ein. Das Ganze ist als ein architektonischer Aufbau gedacht. Der Sockel in den beiden untersten Reihen ist durch Fenster und Nische belebt und zeigt eine Inschrifttafel. Darüber erheben sich sechs Etagen mit durchlaufenden Wandpfeilern in den äußeren Bahnen; in der obersten Etage ist den Wandpfeilern je eine Säule vorgelagert, welche zugleich als Stütze für den reich ornamentierten bekrönenden Giebel und dessen seitliche, Engel tragende Aufsätze in der letzten Reihe dient. Die mittleren Bahnen der Reihen 3 bis 8 enthalten 12 figürliche Darstellungen, in den äußeren Bahnen der Reihen 3 bis 7 sind 10 Wappen angebracht. Figuren und Wappen sind:

8. Reihe: Die Heiligen Maria und Johannes der Täufer, die Schutzpatrone des Hauses Hohenzollern.

7. Reihe: Wappen von Brandenburg, Friedrich der Ältere, Markgraf von Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach, dessen Gemahlin Sophie von Polen, Wappen von Polen.

6. Reihe: Wappen des Landes der Kassuben und Wenden, Markgraf Kasimir, Markgraf Johann, nachmals Vizekönig von Valencia, Wappen des Landes der Kassuben und Wenden.

5. Reihe: Wappen von Pommern, Markgraf Albrecht, Hochmeister des Deutschen Ordens, nachmals Herzog in Preußen, Markgraf Georg der Fromme, Wappen von Pommern.

4. Reihe: Wappen des Burggrafen von Nürnberg, Markgraf Friedrich, Domprobst zu Würzburg, Markgraf Wilhelm, nachmals Erzbischof von Riga, Wappen von Rügen.

3. Reihe: Wappen von Hohenzollern, Markgraf Johann Albrecht, nachmals Erzbischof zu Magdeburg und Bischof von Halberstadt, Markgraf Gumbert, unkenntliches Wappen.

2. Reihe mit der Inschrifttafel: „Friderich von gottes gnaden marggraff zu Brandenburg zu Stetin Pomern der Cassuben vnd Wenden herczog burggraff zu Nürnberg und fürst zu Rügen 1. 5. 15.“

Die acht Markgrafen in den Reihen 6 bis 3 sind die acht Söhne Friedrichs und seiner Gemahlin Sophie in der Reihenfolge ihres Alters.

In den äußeren Feldern der Sockelreihe befanden sich ursprünglich zwei Engel, ähnlich den oberen Engeln auf der Bekrönung. 1817 mußten dieselben zwei schlechten Medaillons mit den Bildnissen Melanchthons und Luthers weichen.

10. Das Pfinzingsche Fenster. 1515 gemalt von Veit Hirschvogel d. Ä.

Es umfaßt acht Querreihen: Architektur mit zwei Stockwerken. Im oberen Stockwerk die Heiligen Christoph, Sebald, Maria mit dem Christuskind und Anna selbdritt. Im unteren Stockwerk der Stifter und seine Gemahlin mit den Wappen der Pfinzing und Grundherr, darunter knieend acht Familienangehörige beiderlei Geschlechts mit ebensovielen Pfinzingschen Wappen. In der untersten Reihe Inschrifttafel: „Siegfridus Pfinzing sibi suisque MDXV.“ Darunter zwei Wappen (Pfinzing-Harsdorf). Einzelne Stellen, hier und da sogar mit Schriftscheiben, ziemlich barbarisch geflickt.

11. Das Hallersche Fenster. 1372–1379.

Es umfaßt 6 Querreihen:

1. Reihe (von unten): 4 Hallersche Wappen.

2. Reihe: Legende des hl. Georg.

3. Reihe: Ein heiliger Mönch mit Buch und zangenartigem Gerät, St. Leonhard, St. Sebastian und ein heiliger Fürst (Hermelinüberwurf) mit Palmwedel und Reichsapfel.

4. Reihe: Die Heiligen Katharina, Anna selbdritt, Ursula und Elisabeth.

5. Herodes und der betlehemitische Kindermord.

6. Reihe: schlichter Architekturaufsatz.

In der 7. Reihe zwei Hallersche Wappen (im 1. und 4. Feld) vom Jahre 1494.

Abb. 110. Fenster über dem südlichen Seitenschiffportal.

12. Das Schürstabsche Fenster. 1372–1379.

Es umfaßt 7 Querreihen:

1. Reihe (von unten): Lamm Gottes, zum Schürstabschen Wappen gehörig, und drei Schürstabsche Allianzwappen.

2. Reihe: Hl. Sebald, ein kniender, den Heiligen verehrender Ritter mit dem Schürstabwappen und zwei kniende Frauen mit Stromerschen Wappen und Wappen der Graser (?).

3. Reihe: Christus in der Vorhölle (2 Felder), der Auferstandene erscheint den heiligen Frauen (2 Felder).

4. Reihe: Kreuzabnahme oder richtiger Pietà; Grablegung (je 2 Felder).

5. Reihe: Himmelfahrt, Tod Mariä (je 2 Felder).

6. und 7. Reihe: Architektur.

In der 8. Reihe (1. und 4. Feld) zwei Schürstabsche Wappen von 1493, über jedem das Lamm Gottes.

13. Das Behaimsche Fenster. 1372–1379.

Das Glasgemälde umfaßt die sechs unteren Reihen und greift mit der Bekrönung in die siebente Reihe über. Die mittleren Felder der Sockelreihe enthalten zwei Behaimsche Allianzwappen, in den Feldern daneben kniende Familienangehörige mit Behaimschen Allianzwappen. Die mittleren Bahnen sind kompositionell zusammengefaßt, und zwar sind die Reihen 2 bis 7 in drei Etagen gegliedert, welche von unten nach oben die Verkündigung (eine starke gelbe Röhre vermittelt den hl. Geist, eine Taube, vom Munde Gott Vaters dem Ohr der Maria), Geburt Christi und die Krönung Mariä zeigen. In den übrigen seitlichen Feldern, abgesehen von den erwähnten Wappenfeldern, neben der Verkündigung zwei weitere Anbetende, eine männliche und eine weibliche Figur mit Allianzwappen, zu den beiden Seiten der Geburt und Krönung vier musizierende Engel.

Im Maßwerk Medaillons mit dem zwei Behaimsche Allianzwappen, je von einem Engel gehalten, aus dem 16. Jahrhundert.

14. Das Volckamersche Fenster. Etwa 1490–1500.

Es umfaßt 6 Querreihen:

1. Reihe (von oben): Reiche gotische Baldachinarchitektur als Bekrönung.

2. Reihe: Von den Darstellungen, die diese Reihe enthielt, der Verkündigung und Geburt, ist nur mehr je eine Hälfte vorhanden, nämlich die Maria von der Verkündigung und der hl. Joseph von der Geburt. Sie nehmen die beiden mittleren Felder ein. An die Stelle der abhanden gekommenen anderen Hälften wurden ein Volckamersches und ein Gärtner-Schürstabsches Wappen in die Butzenverglasung der beiden seitlichen Felder eingefügt.

3. Reihe: Anbetung der heiligen drei Könige.

4. Reihe: Beschneidung und Darstellung im Tempel.

5. Reihe: Kniende männliche und weibliche Familienangehörige mit Volckamerschen Allianzwappen.

6. Reihe: In den mittleren Feldern zwei Wappen der Volckamer mit der Inschrift: „Anno domini 1488“, zu den Seiten männliche und weibliche Anbeterfiguren mit Spruchbändern und den Wappen der Stromer, Volckamer (2), Ebner und Schürstab.

15. Das Imhoffsche Fenster. Vom Jahre 1601 (links unten in der zweiten Reihe datiert), die beiden untersten Wappenpaare vom Jahre 1641. Von Jakob Sprüngli oder Christoph Maurer (1558–1614), ebenfalls einem geborenen Schweizer.

Das Glasgemälde umfaßt das ganze Fenster. Wirkungsvoller architektonischer Aufbau in kräftigen Renaissanceformen mit reichen Zutaten von Puttenfiguren, Festons usw. in den beiden äußeren Bahnen, oben die allegorischen Figuren Glaube und Liebe; in den beiden mittleren Bahnen 20 Einzelwappen und Allianzwappen der Imhoff, teils mit Wappenzier, teils von Kränzen umrahmt. Die zu diesem Fenster gehörigen Glasmalereien des Maßwerks sind bei der Versetzung des Fensters an dessen ursprünglichem Ort, nämlich in dem an der Nordseite des Ostchores gerade gegenüberliegenden Fenster zurückgeblieben (siehe oben).

16. Das letzte Fenster im Ostchor. Um 1360. Das Glasgemälde war wie das im gegenüberstehenden Fenster befindliche wahrscheinlich schon vor Beginn des Ostchorneubaues vorhanden.

Das Fenster ist entweder eine Paumgärtnersche Stiftung oder eine Stiftung der Familien Pirckheimer, Paumgärtner und Grabner, deren Wappen die Sockelreihe aufweist. Was die Komposition anlangt, so sind die beiden mittleren Bahnen zusammengefaßt und in drei Etagen mit je drei Feldern abgeteilt, wobei in den jeweiligen Bekrönungen zwei Giebel mit einem Rundbogen abwechseln; unten die Anbetung der heiligen drei Könige, in der Mitte die Darbringung im Tempel, zu beiden Seiten weibliche Figuren mit Tauben, darüber Propheten, oben der zwölfjährige Jesus bei den Schriftgelehrten, zu beiden Seiten Engel.

Südliches Seitenschiff. Im ersten Fenster von der alten Querhausmauer an ein größeres Welsersches Wappen und vier kleinere runde Welsersche Allianzwappen, bei deren einem das heraldisch rechte Wappen durch buntes Glas ersetzt ist.

Im zweiten Fenster ein größeres Behaimsches, drei kleinere runde Welsersche und ein ebensolches Ölhafensches Allianzwappen.

Im dritten Fenster Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, darüber prächtig stilisiert Helm, Helmdecke und Zimier zu einem jetzt fehlenden Ölhafenschen Wappen, außerdem vier kleine Rundscheiben mit dem Wappen der Gutschneider, Koler-Kreß, Ölhafen-Volckamer und Welser-Nützel.

Im vierten Fenster, dem kleinen Fenster über dem Südportal, das Wappenschild der Pömer und ein Spruchband, auf dem M. M. Mayer noch die jetzt fast verschwundene Inschrift las: „Heinrich Pömer Starb Anno 1331“, darunter zwei Donatoren (bezeichnet als Friedrich und Konrad Pömer) mit zwei Pömerschen Allianzwappen (Abb. [110]).

Im fünften Fenster befinden sich jetzt sechs kleine Rundscheiben mit Allianzwappen der Familien Dietherr, Kreß, Harsdorf, Ölhafen und Rohleder sowie einem Pömerschen Wappen.

5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken.

Gedenktafeln. Diejenigen Geschlechter, deren Begräbnisstätten in der Kirche lagen oder welche sich durch hervorragende Stiftungen ausgezeichnet hatten, besaßen das Recht, große Tafeln mit Verzeichnissen der Vorfahren zum Andenken an dieselben in der Nähe der gestifteten Gegenstände aufzuhängen. Die Sitte kam zwar schon zur Zeit der Spätgotik auf, allein erst mit der um die Mitte des 17. Jahrhunderts durchgeführten Barockausstattung wurde vielfach Gebrauch davon gemacht. Die uns erhaltenen Gedenktafeln gehören den Patrizierfamilien Ebner, Fürer, Holzschuher, Kreß, Löffelholz, Pfinzing, Pömer, Scheurl, Tucher und Volckamer an.

Der Inhalt der Tafeln hat lediglich familiengeschichtliches Interesse. Von künstlerischem Wert sind nur einige Tafeln durch reichere Gestaltung der holzgeschnitzten Rahmen, insbesondere der die Tafeln bekrönenden Aufsätze und Wappenschilder. Von den der Mitte des 17. Jahrhunderts angehörigen Gedenktafeln verdienen hervorgehoben zu werden die der Löffelholz im Westchor, die der Kreß mit dem Holztafelgemälde des segnenden Weltheilandes und dem Wappenschilde aus der Rokokozeit (Abb. [111]) und die der Volckamer im Ostchor vor dem Muffelschen Altar (Abb. [112]); von den ein Jahrhundert jüngeren Tafeln im ausgesprochenen Rokokostil die der Ebner beim nördlichen Turm (Abb. [113]), die der Holzschuher im südlichen Seitenschiff und die der Fürer im Ostchor beim Muffelschen Altar. In die Renaissancezeit fällt eine der vielen Tucherschen Tafeln, welche im Ostchor an der Wand des Tucherfensters hängt (Abb. [114]). Sie zeichnet sich dadurch aus, daß in ihrer Mitte ein aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes Ölgemälde aus Holz eingelassen ist, darstellend den Tod vor offenem Grabe mit Schriftband: „Was ir seit, das was ich, vnd was ich bin, das wert ir.“

Abb. 111. Detail vom Rahmen der Kressischen Totentafel im Ostchor.

Abb. 112. Detail vom Rahmen der Volckamerschen Totentafel im Ostchor.

Abb. 113. Rahmen der Ebnerschen Totentafel im nördlichen Seitenschiff.

Auf einer anderen Tucherschen Gedächtnistafel im nördlichen Chorumgang hinter dem Hochaltar Christus als Weltenrichter, auf dem Regenbogen thronend. 17. Jahrhundert.

Abb. 114. Details vom Rahmen der Tucherschen Totentafeln.

Abb. 115. Löffelholzische Totenschilder.

Abb. 116. Kressisches Totenschild (des Stifters der Kirche in Kraftshof).

Abb. 117. Hallersche Totenschilder.

Abb. 118. Hallersches Totenschild.

Abb. 119. Ebnersches Totenschild.

Abb. 120. Stromersches Totenschild.

Abb. 121. Details von den Chorstühlen im Ostchor.

Abb. 122. Details von den Chorstühlen im Ostchor.

Abb. 123. Details von den Chorstühlen im Ostchor.

Abb. 124. Hallerscher Kirchenstuhl.

Abb. 125. Kirchenstuhl im Löffelholzchor.

Abb. 126. Orgel im Ostchor.

Abb. 127. Eisenbeschlag vom Brauttor.

Abb. 128. Eisenbeschlag vom Brauttor.

Totenschilder. Zum Inventar der Kirche zählen nunmehr auch eine große Anzahl von alten Totenschildern verschiedener Patrizierfamilien. Die früher in der Kirche aufgehängten Schilder wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis auf das unten erwähnte Stromersche, das auf seinem alten Platz oberhalb der Stromerschen Empore im nördlichen Seitenschiff verblieb, den Stiftern zurückgegeben. Wie weit die jetzigen Schilder mit den früheren identisch sind, dürfte sich schwerlich feststellen lassen. Von den Totenschildern, von denen manche, insbesondere ein Hallersches, sowohl nach der künstlerischen wie nach der technischen Seite von Interesse sind und bei deren Herstellung teilweise mit den einfachsten Mitteln (Roßhaare, vergoldete Hanfstricke usw.) gearbeitet worden ist, gehören 21 der Löffelholzschen (Abb. [115]), 7 der Kressischen (Abb. [116]), 12 der Hallerschen (Abb. [117], [118]), 11 der Harsdörferschen, 4 der Ebnerschen (Abb. [119]) (hievon 2 neu) und 1 (siehe oben) der Stromerschen Familie (Abb. [120]) an. Sie stammen aus der Zeit vom 14. bis zum 18. Jahrhundert und hängen im Westchor, im Mittelschiff und im nördlichen Seitenschiff in der Nähe der Grabstätten der Stifterfamilien.

Kirchenstühle und anderes Mobiliar. Das in Eichenholz ziemlich derb geschnitzte Chorgestühl im Mittelschiff des Ostchores zwischen den Pfeilern stammt aus der Zeit der Vollendung des Chorneubaues zwischen den Jahren 1372 und 1379 (Abb. [121], [122] und [123]). Die Seitenteile der Stühle sind mit ornamentalen, durchbrochen gearbeiteten und mit figürlichen Schnitzereien, Propheten, Apostel sowie andere Heilige und phantastische Tiergestalten darstellend, ausgestattet. An den Rückwänden der Chorstühle zu beiden Seiten des Altares sind jetzt zwei runde holzgeschnitzte Medaillons angebracht: links der heilige Sebald in einem Renaissanceraum, zu seinen beiden Seiten die Wappen von Dänemark und Frankreich, zu seinen Füßen das Schreyersche Wappen (vgl. Titelvignette), auf der anderen (rechten) Seite in Hochoval das Grundherrsche Wappen. Beide Medaillons rühren vermutlich von früheren Kirchenstühlen (einem Schreyerschen und einem Grundherrschen?) her.

Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben der Turmhalle ein zweisitziger Kirchenstuhl ohne besondere Dekoration, ebenfalls aus Eichenholz mit zwei eingeschnittenen Wappen der Haller (Abb. [124]).

Im Löffelholz- oder Westchor ein im frühen Barockstil reichgeschnitzter Stuhl vom Jahre 1627 (Abb. [125]).

Ihm gegenüber einfach geschnitzter Stuhl des Handwerks der Holz- und Beindrechsler mit deren Wappen auf vergoldetem Kupfer von 1738.

Im nördlichen Seitenschiff an der Turmwand hübsch ornamentierter Stuhl aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

Neben dem Eingange des nördlichen Seitenschiffes einfach geschnitzter Stuhl des Handwerks der Bäcker. 17. Jahrhundert.

Außerdem noch zwei ganz einfache Kirchenstühle in der nördlichen Turmhalle und beim Eingange des südlichen Seitenschiffes; letzterer mit reicherem barockem Aufsatz mit den Emblemen des Schuhmacherhandwerks. Ferner mancherlei kräftig geschnitztes Stuhlwerk an den Wänden der Kirche aus verschiedenen Epochen: an der Südwand des Ostchors einfaches gotisches Chorgestühl, gegenüber an der Nordwand die Tucherschen Chorstühle unter den Gedenktafeln des Tucherschen Geschlechts aus der Zeit der Spätrenaissance. Der gleichen Zeit gehören auch die beiden Tucherschen Paramentenschränke an, die sich jetzt hinter dem Altare befinden. Weitere Chor- und Handwerkerstühle mit einfach ausgeschnittenen Stuhlwangen in verschiedenen Teilen der Kirche.

Hinter dem Hochaltar zwei mit Schnitzerei verzierte Sängerpulte aus dem 17. Jahrhundert mit drehbaren Aufsätzen.

Die einfachen Chorschranken rühren vermutlich von der Restaurierung um die Mitte des 17. Jahrhunderts her.

Neben dem Eingange zur südlichen Sakristei und in der Pömerkapelle je ein gotisches Wandschränkchen mit hübscher holzgeschnitzter Tür und den alten Eisenbeschlägen.

Die Laienstühle der Kirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden bei der letzten Restaurierung derart umgeändert, daß die in plumpen pseudogotischen Formen gehaltenen Wangen durch einfach ausgeschnittene Bretter ersetzt und so dem vorhandenen alten Gestühl angepaßt wurden.

Schließlich sei noch ein neuer Paramentenschrank in einfachen gotischen Formen erwähnt, der von Hauberrisser entworfen wurde und neben der südlichen Turmwand seinen Platz gefunden hat.

Beim Muffelaltar ist in die Wand eine Steinplatte eingelassen, in der oben in einer kleinen Nische das Erzschildchen eingemauert ist, das 1882 hinter einem Baldachin des Ostchors gefunden wurde. Wie die 1906 angebrachte Inschrifttafel besagt, handelt es sich bei dem Zeichen auf diesem alten Schildchen offenbar um das Meisterzeichen des bisher noch unbekannten Erbauers des Ostchors. Vgl. Abb. [26].

Die eisernen Türen neben dieser Steinplatte, die als Verschluß von Wandschränken dienen, sind alt (15. Jahrhundert) und zeichnen sich durch schön ornamentierte Schloßschilde und geschmackvoll geformte Griffe aus. Die Wandschränke beim Petrus- und Tucheraltar wurden nach diesem Muster mit neuen eisernen Türen versehen. Ebenfalls eine Arbeit der Neuzeit ist der eiserne Opferstock im Mittelschiff vor dem Löffelholz-Chor.

Orgeln. Die große Orgel im Ostchor (Abb. [126]) wurde 1444 von Heinrich Traxdorf für 1150 fl. erbaut. Von dem Pfeifenwerke dieser gotischen Orgel sowie von den im Laufe der Jahrhunderte hinzugekommenen Registern hat sich nichts erhalten. Bei der letzten Restaurierung (1905) wurde ein der modernen Orgeltechnik entsprechendes Werk aufgestellt und zum Teil dem alten Gehäuse eingefügt. Aber auch mit diesem waren im Laufe der Zeiten bereits verschiedene Veränderungen vorgenommen worden. Während eine Anzahl urkundlich bezeugter Verbesserungen (1480/81, um 1520, 1572 usw.) sich wesentlich auf das Werk bezogen zu haben scheinen, das 1691 von Georg Siegmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg o. T., erneuert wurde, hatten die Umbauten und Reparaturen von 1658 und 1827 auch bedeutende Umformungen des Gehäuses zur Folge. 1658 wurde die Orgel der barocken Kirchenausstattung angepaßt, wobei Daniel Preißler die Flügel mit den Bildnissen der Scholarchen und Geistlichen an der Kirche und der damaligen Stadtmusiker schmückte. Diese Flügel haben sich indessen nicht erhalten. Bei der Ausbesserung des Werkes durch den Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner im Jahre 1827 wurden jene barocken Teile durch gotisch stilisierte, nach Plänen Heideloffs ausgeführte Teile ersetzt. Hiebei wurde nicht nur ein neues Positiv angebracht, sondern auch die Galerie für den Sängerchor nach beiden Seiten hin erweitert und mit einer hölzernen, mit gotischen Maßwerken versehenen Brüstung abgeschlossen.

Bei der letzten Wiederherstellung der Kirche ließ sich das ursprüngliche Gehäuse der Orgel noch zum größten Teil aus den späteren Zutaten wieder herausschälen und bietet sich jetzt wesentlich in seiner alten Gestalt dem Auge dar. Das in Eichenholz kräftig und wirkungsvoll geschnitzte alte Gehäuse zeichnet sich durch reichen ornamentalen und figürlichen Schmuck aus. Es sei dabei einerseits auf die reizvolle und eigenartige Bildung der Wimperge mit ihren trefflich geschnitzten Krabben und Kreuzblumen, andererseits auf die figuralen Darstellungen, die sich in das abschließende Maßwerk der vorkragenden Sängerbühne einfügen, besonders hingewiesen: nicht nur Adam und Eva, sondern auch Wappenhalter mit den Nürnberger Wappen und allerlei Gestalten aus dem Volke, Ritter, Knechte, Bauern usw., finden sich hier in bunter Reihe angebracht. Die beiden unteren Konsolen tragen wiederum die beiden in Verbindung mit dem heiligen Sebaldus so oft wiederkehrenden Wappen; am Scheitel des Gewölbes, gewissermaßen als Schlußstein eine Teufelsfratze mit einer Zunge aus Leder, einem Bart aus Roßhaaren und einem Unterkiefer, der heute noch, wie ehedem, durch das Orgelwerk in Bewegung gesetzt wird.

Die Ergänzungen, die bei der letzten Restaurierung nötig wurden, beschränken sich in der Hauptsache auf die Bretterbrüstung zu beiden Seiten des gleichfalls neuen Positivs, bei dem indessen einzelne alte Teile zur Verwendung kommen konnten, und auf die schmalen Maßwerkfüllungen unterhalb der großen seitlichen Register.

Über die Wandmalerei zu beiden Seiten der Orgel, die mit dieser inhaltlich in Beziehung steht, ist oben bereits gehandelt worden.

Die kleine Orgel im Westchor ist 1732 am 13. Oktober gestiftet von Konrad Nikolaus Overdik und dessen Gattin Ursula, geb. Ebermayr, „als Haus Orgel zu Unterhaltung der Andacht bey der heil. Comunion in dem Chor nach St. Sebald“. Die Geschichte der Orgel ist übrigens bisher nicht völlig klargestellt. Heute wird sie von einem Muffelschen Wappen bekrönt, zu dessen beiden Seiten man die Jahreszahl 1776 liest. Auch die beiden vergoldeten Monogramme auf der Rückseite der Orgel scheinen auf die Patrizierfamilie Muffel hinzudeuten.

Sonst ist von Orgeln nur bekannt, daß 1447 eine kleinere Orgel gestiftet, 1570 aber wieder entfernt wurde. Auch zum Jahre 1517 wird von der Stiftung einer kleineren Orgel durch Hans Stauber berichtet.[XX] Von den Silberdrahtziehern soll 1657 eine kleine Orgel gestiftet worden sein.

Glocken. Im nördlichen Turm:

1. Die Betglocke. Von Johann Weißenburger in Nürnberg 1391 gegossen.

Halsinschrift:

O REX GLORIE VENI CVM PACE LVCAS MARCVS MATHEVS JOHANNES AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDICTA TV IN MVLIERIBVS ET BENEDICTVS FRVCTVS VENTRIS TVI AMEN VITA ✛ INTER NATOS MVLIERVM NON SVRREXIT MAIOR IOHANNE BAPTISTA QVI VIAM DOMINO PREPARAVIT IN HEREMO FVIT HOMO MISSVS A DEO CVI NOMEN IOHANNES ERAT ORA P̱ NOBIS BT̅E AG.

Fußinschrift:

ANNO DOMINI MCCCLXXXXI HEC CAMPANA EST CXXXXVIII CENTENARIIS ACTA PER IOHANNEM WYSSENBVRGER IN NVͤRBERG IN VIGILIA ST̅I LAVRENCII MR̅IS A DOMINO HEINRICO PREPOSITO DE VESTENBERG GENITO CONPARATA REX KASPAR REX BALTHEZAR REX MELCHIOR DEVS P̱P̱I̱CIVS ESTO P̱INTCESSIONEM BT̅I AVGVSTI ✛.

Höhe (ohne Krone) 1·30 m.

Die Betglocke heißt in den Chroniken wie ihre Vorgängerin auch „Benedicta“. Im Jahre 1600 sollte die jetzige Betglocke durch eine neue ersetzt werden. Eine Ausbesserung war jedoch noch möglich. Im Laufe des 18. Jahrhunderts fanden mehrere Reparaturen statt.

Nach Städtechroniken I, 357 wäre die alte Glocke erst 1392 „an unsers herrn leichnames abent“ [12. Juni] geweiht worden.

2. Eine Glocke aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDI. ✛.

Höhe (ohne Krone): 0·88 m.

3. Eine Glocke vom Jahre 1418.

Halsinschrift:

Anno domini mccccxviii anno gloria patri et filio et spiritvi sancto et Mariae ✛.

Höhe (ohne Krone) 0·65 m.

4. Eine Glocke aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

MATHEVS MARCVS LVCAS IOHANNES MARIA ✛.

Höhe (ohne Krone): 0·56 m.

Die an zweiter Stelle angeführte Glocke des nördlichen Turmes, deren Inschrift den Englischen Gruß enthält, dürfte identisch sein mit der in den Chroniken genannten „Garausglocke“, eine von den beiden kleinen Glocken desselben Turmes mit dem „Vesperlein“.

Im südlichen Turm: 1. Die Chorglocke. 1324 gegossen.

Halsinschrift:

ANNO DNI MCCCXXIIII VOX EGO SVM VITE VOCO VOS ORARE VENITE XPO REGNAT ✛.

Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.

2. Die Sturmglocke. Aus dem 14. Jahrhundert.

Halsinschrift:

TITVLVS TRIVMPHALIS NRI SALVATORIS IHC NAZARENVS REX JVDEORVM ✛.

Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.

3. Die Stundenglocke, auch Schlag- oder Uhrglocke genannt. Im unteren Durchbruch des Helms. 1482 von Konrad Glockengießer gegossen.

Halsinschrift: „sant sebolcz schlach glock pin ich hern ruprecht haller hern niclas grosen vnd hern gabriel nvczel den obersten haubtlevten gebart ich maister cvnrat glockengisser gos mich anno domini 1482 ✛“.

Höhe (ohne Krone): 1·60 m.

Gotteshauspfleger Ruprecht Haller der Ältere, Hans Tucher der Ältere und Kirchenmeister Sebald Schreyer hatten mit Meister Konrad dem Glockengießer vereinbart, daß er für den Zentner der Glocke 10½ fl. rhein. erhalten und den Zentner der alten gesprungenen Uhrglocke für 8 fl. nehmen solle. Er erhielt 1055 fl. rhein., nach Baader, Beiträge, I, 61 im ganzen 1380 Pfund 5 Schilling 8 Haller. Die Glocke wurde am 20. Juni 1483 gewogen und hatte ein Gewicht von 100 Zentnern 56 lb. Näheres bei Baader, ferner in den Städtechroniken, V, 480 ff. und in dem Manuskript XL, 3 im Stadtarchiv Nürnberg.

Die Uhrglocke hatte zwei Vorgängerinnen. Die ältere wurde 1383, als der Turm oberhalb der Sturmglocke einer Ausbesserung bedurfte, ausgebessert und ist 1396 gesprungen. Die jüngere wurde von Meister Heinrich Grünwalt noch in dem gleichen Jahre gegossen und hatte ein Gewicht von 64 Zentner 66 lb; sie zersprang am 4. Mai 1482 ebenfalls. Ihre Inschrift lautete: „Ich Orglogck pin · des · Rats · zu · Nürmberg · eigen · hat · mich · erzeugt · als man · zalt · nach · Christj · geburt · M°CCC° · vnd · in dem · lxxxxvj Jar · in dem · Mayen · hat mich · begabt · Heinrich · grünwalt · herr · got · hilff · mir · zu · Dir · ✛“.

4. Die Viertelstundenglocke. Im oberen Durchbruch des Helmes. Laut Inschrift, welche nur bruchstückweise entziffert werden konnte, 1494 in Landshut gegossen.[XXI]

Höhe (ohne Krone) etwa 0·50 m. Unter dem „Zeigerlein“ der Chroniken wird diese kleine Uhrglocke zu verstehen sein.

Hier mögen schließlich die schönen Kunstschmiedearbeiten an den barocken Holzportalen Erwähnung finden (Abb. [127] und [128]).

6. Altargeräte, Wandteppiche, Paramente.

Die mit Einführung der Reformation veränderten liturgischen Verhältnisse ließen einen großen Teil des alten Kirchenschatzes überflüssig erscheinen. Bei dieser Gelegenheit verschwanden wohl eine Reihe von kostbaren Paramenten und Altargeräten. Denn daß solche in Menge vorhanden waren, wird man bei dem auf allen Gebieten der Kunst und des Kunstgewerbes betätigten Stiftersinn der Nürnberger Geschlechter ohne weiteres annehmen dürfen. Indessen blieb der gesamte Kirchenornat, d. h. die Meßgewänder — also das Überflüssigste bei Ausübung der neugestalteten Gottesdienste — ungeteilt erhalten. Erst 1810 hat in Nürnberg die protestantische Geistlichkeit den aus der vorreformatorischen Zeit herübergenommenen Kirchenornat mit dem schwarzen Talare vertauscht. Eine weitere Reduzierung des Kirchenschatzes wurde schon 1552 vorgenommen; es bezeugt dies ein im Kreisarchiv Nürnberg aufbewahrter „Bericht wegen derer silberner vnd guldener clainodien, so in S. Sebalts, Laurenzen vnd vnser frauen kirchen gewesen a° 1552 verschmelczt vnd dann das gold vnd silber verkauft worden.“ Auch diesmal blieb der Ornat noch verschont. Dagegen wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts, sei es aus Mangel an Interesse, sei es aus Geldverlegenheit, gründlich mit dem Kirchenschatz aufgeräumt und nur das Allernotwendigste behalten. Selbst der vorgesetzten Behörde ging dieses Vorgehen zu weit. Das Ende langwieriger, fast fünfmonatlicher Verhandlungen vom 12. Oktober 1797 bis zum 3. Februar 1798, welche die Aufsichtsbehörde mit den für die Veräußerungen verantwortlichen Stellen führte, war eine Rüge, die sich Losungsamt und Rat gefallen lassen mußten. Damals waren auch die Meßgewänder abhanden gekommen.[XXII]

Abb. 129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit durchbrochenen Ornamenten.

Von den auf uns gelangten Altargeräten sind hervorzuheben:

Meßkelch mit Patene (Abb. [129]). Kelchhöhe = 22 cm, Patenendurchmesser = 16·5 cm. Silber, vergoldet. Um 1500. Fuß sechspaßförmig mit abgestuftem Rand. Bis herauf zur Mitte der Cuppa mit durchbrochen gearbeiteten gegossenen Blattwerkornamenten überzogen und mit Steinen besetzt. An den schmalen freigebliebenen Teilen des Halses oberhalb und unterhalb des Nodus gravierte Ornamente. Kostbare Arbeit.

Meßkelch mit Patene. Kelchhöhe = 19·5 cm, Patenendurchmesser = 15·5 cm. Silber, vergoldet. Tuchersche Stiftung vom Jahre 1522. Nodus mit getriebenen und eingravierten Ornamenten. Fuß sechsblattförmig mit Horizontalprofilierung. Am Hals oberhalb und unterhalb des Nodus die Inschriften graviert: JHESUS und MARIA. An der Innenseite des Fußes das Wappen der Tucher mit der Jahrzahl 1522 graviert. Mit dem Beschauzeichen Nürnberg, ohne Marke. Siehe Marc Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen, 2. Aufl. 1911. Nr. 3059 o.

Zwei Kannen. Höhe je 16 cm. Silber, vergoldet. 1643. Datierung an den kleinen Wappen am Ende des Griffes. Auf dem Deckel das Nürnberger und Grundherrsche Wappen. Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg a. a. O. Nr. 3226 a und b.

Zwei Kannen. Höhe je 33 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1658 zum Abendmahlsgebrauch gestiftet von Wolfgang Endter dem älteren. Die betreffende Inschrift hat folgenden Wortlaut:

„Wolfgang Endter der Elter, Buchhändler alhier übergiebt diese Zwo kannen sampt einem Kelch Paten, und oblaten schächtelein Zum Gebrauch des Heiligen Abendmahls, der jüngst verneüerten Kirchen zu S. Sebald mit Herzlichem wunsch das Gott die reine seligmachende Religion bei uns, bis an der welt ende unverfälscht erhalten wolle.

Gott! Deine Gnad hat mir beschert
Was ist zu Danckbarkeit verehrt.
Am Palmsonntag im Jahr Christi 1658.“

Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3226 e und f.

Abendmahlskelch mit Patene. Kelchhöhe 25·5 cm, Patenendurchmesser 17·5 cm. Silber, vergoldet. Gestiftet von Wolfgang Endter dem Älteren 1658 (siehe oben). Fuß sechsblattförmig mit Horizontalprofilierungen. Am Nodus und am Fuß Gravierungen: am Nodus Blumenornamente, am Fuß Engelsköpfe, außerdem Blattfriese und Fruchtkränze. Auf dem Boden des Kelches eingraviert die Wappen des Stifters und seiner Ehegattin, gehalten von einem Engel, darüber die Jahrzahl 1658.

Mit dem Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3226 g.

Auf der Rückseite der Patene ist, von einem Kranz umrahmt, das Wappen des Stifters graviert, auf dem Rande ein Kreuz.

Abb. 130. Sanduhr (ehemals an der Kanzel).

Krankenkelch mit Patene. Kelchhöhe 17 cm, Patenendurchmesser 10 cm. Silber vergoldet. Gestiftet von Joachim Kern und dessen Ehefrau 1675. Fuß sechsblattförmig. An der Rückseite des Fußrandes die eingravierte Inschrift: „Joachim Kern und dessen Ehewürthin Catharina 1675.“

Beschauzeichen Augsburg und Marke JV (oder M?).

Etui mit Löffel. Etuilänge 17 cm, Breite 4·5 cm. Beides Silber, teilweise vergoldet. Um 1700. An der Seite und am Deckel des Etuis gepunzte Darstellungen der Leidenswerkzeuge, ferner auf dem Deckel getriebenes Kruzifix, wovon der rechte Arm fehlt. Darüber in Gravierug der Hahn.

Beschauzeichen Nürnberg und eine Meistermarke, die sich aus einem I, V und N zusammenzusetzen scheint.

Klingelbeutel. An der Vorderseite die Gruppe Christus am Kreuz mit Maria Magdalena aus gegossenem und ziseliertem Silber. An der Rückseite rundes Schild von Silberblech, darauf das Monogramm AMM (ineinandergestellt) und die Jahrzahl 1723 graviert. Durchmesser des Schildes 6 cm. Beutel von neuem rotem Samt.

Hostienbüchse, rund. Durchmesser 13·5 cm, Höhe 9·5 cm. Silber, vergoldet. Auf dem Deckel eingraviert das Bild des hl. Sebald und: ’M. M. W. 1744.‘

Beschauzeichen Nürnberg und undeutliche Marke.

Zwei Abendmahlskelche mit Patenen. Kelchhöhe 28 cm, Patenendurchmesser 18 cm. Silber, vergoldet. Rokoko. Getriebene wellenförmige Ornamente an Cuppa, Nodus und Fuß. Fußrand mit Horizontalprofilierungen. Um 1755.

Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3275 b und c.

Abb. 131. Leuchterengel (Hauptaltar).

Taufbecken mit Kanne. Taufbecken oval 46·5 × 34·5 cm, Kannenhöhe 21 cm. Silber. Um 1755. Mit getriebenem Wellenornament.

Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3204.

Sanduhr. (Abb. [130].) Viereckiger Behälter mit vier Uhren: ¼, 24, ¾ und 44. Gehäuse 32 × 26 cm. Silber. Mit zwei Holzschuherschen Wappen. Oben und unten:

„17 Fr. M. M. M. H. v. H. 81“
und „17 Fr R. H. H. v. H. 81“.

Die Ornamente gegossen und ziseliert, das übrige getrieben. 1906 auf der Historischen Ausstellung der Stadt Nürnberg, vgl. Katalog Nr. 166.

Kanne, den beiden 1658 von W. Endter gestifteten Kannen nachgebildet. H. 34 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1838 gestiftet von Therese Rohrmann, Witwe des Kaufmanns und Marktadjunkten Georg Peter Rohrmann. Vorne Spruch Joh. XV, 5.

Beschauzeichen Nürnberg und Marke G (?).

Ferner befinden sich in der südlichen Sakristei noch zwei kleine alte Messingleuchter ohne künstlerische Bedeutung.

In der nördlichen Sakristei:

Zwei Altarleuchter. H. 76·5 cm. Silber. Modern gotisch um 1830. Basis sechseckig, auf sechs Drachen ruhend. Schutzteller mit Zinnen, von Krabben getragen.

Auf dem Hauptaltar:

Altarkruzifix. H. 1·28 m. Der Kruzifixus aus Silber gegossen und ziseliert, Kreuz und Sockel Holz. Um 1700. Vorzügliche Arbeit.

Zwei Altarleuchter in Gestalt von Kerzen haltenden Engeln (Abb. [131]). Höhe der Figuren ohne Leuchter und Flügel 39·0 und 39·5 cm. Gegossen, massives Silber, vergoldet. Auf jedem das Volckamersche Wappen. Kostbare Arbeiten aus der Zeit um 1490.

Zwei Paare gedrechselter und ein Paar zum Teil gedrechselter, zum Teil gegossener Messingleuchter; das letztere Paar aus der Barockzeit.

Auf den Rückwänden zu den Seiten des Hauptaltares zwei holzgeschnitzte und bemalte, insbesondere reich vergoldete knieende leuchtertragende Engel auf Postamenten, der eine eine vortreffliche Arbeit aus der Zeit um 1500, der andere (rechts vom Hochaltar) eine moderne Kopie von jenem im Gegensinne.

Auf dem Löffelholzaltar:

Altarkruzifix. H. 1·31 m. Der Kruzifixus aus gegossenem und ziseliertem Silber, Kreuz und Sockel Holz mit reichem Silberbeschlag, an der Vorderseite ein sich aus M und W zusammensetzendes Monogramm. Gute Arbeit aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Vier messinggedrehte Leuchter, darunter zwei gleiche mit Löffelholzischen Allianzwappen und der Jahreszahl 1696 (auf einem querovalen Schildchen am Fuße).

Auf dem Muffelaltar ein Paar kräftige gedrehte Messingleuchter, je mit dem Muffelschen Wappen am Fuße.

Auf dem Petrusaltar ein Paar einfache gedrechselte Messingleuchter.

Auf dem Tucheraltar ein Paar gedrungene messinggedrechselte Leuchter mit dem Wappen der Schnecken (2 gekreuzte Lanzenspitzen) je an ihrem Fuße.

Auf dem Halleraltar und gegenüber vor der Adam Kraftschen Kreuzschleppung vier gleiche einfach gedrechselte Messingleuchter.

Besonders hervorzuheben ist hier sodann noch die über der Tucherschen Begräbnisstätte, vor den Gedenktafeln dieses Geschlechtes aufgehängte Ewiglichtlampe aus Messing, deren Körper durchbrochen gearbeitet und mit schön stilisiertem Blattwerk und drei Tucherschen Wappen reich graviert ist. Drei groteskenartige weibliche Halbfiguren, ebenfalls aus Messing gegossen, stellen die Verbindung zwischen dem Körper der Lampe und dem Gehänge her. 16. Jahrhundert.

Einige hölzerne Barockkruzifixe und sonstige Altargeräte sind von keiner künstlerischen Bedeutung.

Im Germanischen Nationalmuseum endlich wird heute aufbewahrt:

Der „DilherrschePokal. Vom Jahre 1635 (?). Silber, vergoldet. H. mit Deckel 47·5 cm. Am Fuß, an der Cuppa und am Deckel getriebene Blumen- und Rankenornamente, an der Cuppa außerdem noch Engelsköpfe und in Medaillons drei figürliche Darstellungen des Sündenfalles. Den Hals bildet die gegossene und ziselierte Figur eines Engels, welcher einen Totenkopf hält. Auf dem Deckel die Erdkugel mit Schlange, darauf der auferstandene Christus. Inschriften sind über den ganzen Pokal verteilt. Der Pokal soll ein Geschenk des Rates der Stadt Nürnberg an den Pfarrer J. M. Dilherr von St. Sebald sein.

Ausführliche Beschreibung bei Essenwein, Einige Gold- und Silbergefäße aus dem Schatze im Germanischen Museum. In den „Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum“. II, 1887, S. 45. Vgl. auch Rosenberg, a. a. O. Nr. 3188 d.

Wandteppiche.

Ein weitaus besseres Schicksal als die Paramente erfuhren die Wandteppiche, mit denen die Kirche reich ausgestattet war. Außer den vorhandenen zehn Gobelins existiert noch einer vom Jahre 1477 aus dem ehemaligen Kirchenbesitz, der auf Umwegen wieder in die Hände der Stifterfamilien gelangt ist[XXIII]; und noch zwei weitere Stücke dürften sich im 15. Jahrhundert den übrigen angereiht haben: eine Fortsetzung der Katharinenlegende und ein Gegenstück zum Sebaldusgobelin.

Abb. 132. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald.

Abb. 133. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald.

Die Darstellungen sind meist dem Marienleben und den Legenden der beliebtesten Heiligen der Kirchengemeinde Sebald, Katharina und Helena, entnommen; ein Wandteppich erzählt vom „Verlorenen Sohn“, einer vom alten Testament.

Der Entstehungszeit nach zerfallen die Teppiche bis auf einen 1497 gestifteten Gobelin in zwei Hauptgruppen. Zur ersten Gruppe aus dem Beginne des 15. Jahrhunderts, für welche außer der charakteristischen Formensprache in der Regel eine stärkere Belebung des Hintergrundes mit Architektur und Landschaft bezeichnend ist, zählt auch als später Ausläufer der um 1450 entstandene Mariengobelin. Der zweiten Gruppe nach der Mitte des 15. Jahrhunderts ist bei klarer Disposition der Figuren dunkelfarbiger Hintergrund mit ornamental stilisierten Blumen und Pflanzen eigen.

Über den Entstehungsort ist nichts Bestimmtes bekannt. Er ist jedenfalls in Nürnberg zu suchen, vermutlich in einem der beiden Frauenklöster St. Klara und St. Katharina. Auffällig ist, daß nachweisbar drei Teppiche der zweiten Gruppe allein von den Tuchern gestiftet worden sind.

Wandteppich mit sieben Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald (Abb. [132], [133]). Um 1410. Mit Inschrift über den Darstellungen: der Leichnam des hl. Sebald schlägt einem Mönch, der ihn verhöhnt, ein Auge aus: „hi... ein münch sant sebolt tod leichna slug Ī ē aug aus“[XXIV]); einer Frau, welche eine abgebrochene Kerze an der Bahre des hl. Sebald wieder aufrichtet, springt der zur Buße um den Arm getragene Ring: „hie pring ē fraw sant sebolt kertzē die eise... fiellē ir ab“; die Leiche des hl. Sebald wird von Ochsen gefahren: „hi zichē ochsē S sebolt leichnā von poppēreut gē nurberg“; der vertauschte Käse, welchen eine Frau am Grabe des hl. Sebald opfert, wird in einen Stein verwandelt: „hie verwexelt fraw ē kes der wardt zu ē stain“; Pilger nehmen die sie überfallenden Räuber gefangen mit nach Rom: „hie fiengē pilgerē die rauber und prochtens mit in gen rom“; die Räuber überfallen die Pilger wiederholt, aber St. Sebald lähmt sie: „hie wollen sie die pilger beraubt haben do erkrumpt sie“; St. Sebald erscheint Schiffbrüchigen: „hie wollten leut ertrincken do kam in S sebolt zu hilf“. Die Reihe der Darstellungen hat sich ursprünglich noch fortgesetzt. L. 7·28 m, H. 1·01 m. Als Hintergrund Architektur und Landschaft. Die Darstellungen sind äußerlich nicht getrennt. Mäßig gut erhalten, doch, insbesondere die braunen Fäden, durch Insekten zum Teil herausgefressen. Zu diesem Gobelin hat wahrscheinlich einer mit Darstellungen der Wunder des hl. Sebald vor seinem Tode als Gegenstück existiert.

Wandteppich mit sechs Darstellungen aus dem Alten Testament. Um 1410. Darstellungen: Adam und Eva im Paradies, Vertreibung aus dem Paradies, Samson bezwingt den Löwen, Samson wird von Delila überlistet, Bathseba und David, David und Michal(?). Ohne äußerliche Trennung. L. 4·30 m, H. 0·63 m. Hintergrund blau mit Architektur und Landschaft.

Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der hl. Katharina. Um 1420. Die Schrift über den Darstellungen teilweise erhalten. 1. Acht Darstellungen: Wunderbare Erscheinung des Kreuzes: „hi sahen die heinischen (!) meister ein czeichen am himel“; Opferung von Weihgeschenken: „dez heiligen creuz daz erten si mit güter“; Geburt der Katharina: „hi wart sancta katterina geporn“; religiöse Erziehung: „hi bart si gelert daz si dem kreuczigten got solt din“; Unterricht durch den Einsiedler: „hie lert si der einsidel daz si xpm...“; Maria mit dem Jesuskind (Fragment); Taufe der Katharina; mystische Verlobung mit dem Jesuskind. Die erste Darstellung ist möglicherweise nicht der Anfang des Ganzen, denn vor der Schrift jener Darstellung finden sich die Worte: „[St. Cath]erina lebē“. L. 7·43 m, H. (mit Schrift) 0·92 m. 2. Vier Darstellungen: Katharina vor dem Kaiser Maxentius, Disputation mit den Philosophen, Katharina tröstet die wegen ihrer Bekehrung zum Feuertode verurteilten Weisen, Katharina wird gegeißelt. Fragment. Schrift fehlt. L. 4·95 m, H. 0·82 m. Hintergrund blau mit Architektur und Blumen. Die Darstellungen sind äußerlich getrennt. Gut erhalten, doch das Braun wiederum zum Teil herausgefressen.

Abb. 134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben.

Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch die hl. Helena. Rummelsche Stiftung. Um 1420. Darstellungen: Die hl. Helena in Gegenwart des Kaisers Konstantin und des Gefolges bezeichnet den Platz, wo gegraben werden soll; von den drei gehobenen Kreuzen wird das Kreuz Christi an der Wunderwirkung der Auferstehung eines Toten erkannt. Unten links das Wappen der Rummel, rechts das Wappen der Haller. L. 1·80 m, H. 0·85 m. Hintergrund dunkelblau, mit ornamentierten Zweigen belebt; im Vordergrund Blumen. Die beiden Szenen sind äußerlich nicht getrennt.

Wandteppich mit drei Darstellungen aus dem Marienleben (Abb. [134]). Um 1450. Hallersche Stiftung. Links Verkündigung, in der Mitte Heimsuchung, rechts Geburt Christi. Äußerlich abgeteilt. L. 1·81 m, H. 0·88 m. Architektur und Landschaft als Hintergrund. Das Allianzwappen der Haller mit dem der Pfinzing und Schürstab in der mittleren Darstellung. Weniger gute Arbeit.

Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Parabel des Verlorenen Sohnes. Tuchersche Stiftung. Um 1460. 1. Fünf Darstellungen: Der Jüngling auf schlechtem Lebenswandel (?), er wird von Weibern fortgejagt, weibliche allegorische Figur mit den Wappen der Tucher und Stromer, der Jüngling hütet Schweine, er kehrt zurück. L. 3·85 m, H. 0·63 m. 2. Vier Darstellungen: Zu Ehren des Wiedergefundenen wird ein Kalb geschlachtet und ein Festmahl gehalten, der vom Feld heimkehrende ältere Bruder erkundigt sich bei Zimmerleuten nach dem Vorfall und weigert sich, an dem Festmahl teilzunehmen. Auf der letzten Darstellung rechts oben das Tuchersche und unten das Stromersche Wappen. L. 3·14 m, H. 0·63 m. Hintergrund dunkelblau mit Bäumen und anderen stilisierten Pflanzen, im Vordergrunde Blumen. Die Darstellungen sind durch Säulen getrennt. Vorzügliche Arbeit.

Abb. 135. Gobelin mit Darstellung der Geburt Christi, 1495.

Abb. 136. Mittelstück des Gobelins von 1495.

Wandteppich mit zwei Darstellungen der Grablegung einer Heiligen (Katharina?). Um 1460. Tuchersche Stiftung. Links: der Leichnam wird von schwebenden Engeln gebracht; rechts: der Leichnam wird von den Engeln ins Grab gesenkt. Ohne äußerliche Trennung. L. 1·72 m, H. 0·78 m. Hintergrund blau mit Blumen und Bäumen. Unten in der Mitte die Wappen der Tucher und Stromer.

Wandteppich mit der Darstellung der Geburt Christi und vier Heiligen (Abb. [135], [136]) über dem Hauptaltar. Laut Inschrift vom Jahre 1497. Die Darstellung der Geburt Christi mit Anbetung der Hirten und Engel in der Mitte, seitlich abgeschlossen durch je eine Säule, links die Heiligen Barbara und Johannes der Täufer, rechts ein heiliger Mönch mit Stock und Buch und die hl. Katharina. L. 3·04 m, H. 0·85. Als Hintergrund reiche Landschaft. Starke Verwendung von Gold. Oben rechts die Buchstaben D. S. Vorzügliche Arbeit. Der Gobelin soll ursprünglich beim Muffelschen Altar an der Wand gehangen haben.

Abb. 137. Katharinenstatue. Vom Portal des südlichen Seitenschiffes.

Abb. 138. Kopf der Katharinenstatue vom Portal des südlichen Seitenschiffes.

Abb. 139. Lapidarium in der westlichen Krypta.

Kanzelbekleidung: L. 3·47 m, H. 1·13 m. Seide. Karmoisin, klein gemustert. Unten Ornamentstreifen (H. 17 cm) und in der Mitte Wappenschild (H. 48·5 cm, Br. 45·5 cm) mit Auferstehung Christi. Applikationsstickerei. Vom Jahre 1643. Auf der Rückseite Pergament aufgenäht: „Achatius Hilling von Elnbogn Burger vnd Handelsmann in Nürnberg vnd Sabina deßen Ehew: eine geborne Waldmannin, verehrten auß Gottseel: Eifer in die Pfarrkirch S: Sebaldi dieße Cantzeldeck, d. 21. Dec: Ao. 1643“. Mit zugehörigem Überhangstreifen aus dem gleichen Seidenstoff. 3·50 m lang, 0·30 m hoch.

Kanzelbekleidung: L. 3·40 m, H. 1 m. Grüner, klein gemusterter Seidendamast mit grünen Seidenfransen. In der Mitte ein Kruzifixus in reicher farbiger, zum Teil in Gold gehaltener, sehr erhabener Applikationsstickerei. 17. Jahrhundert. Hierzu ein Überhangstreifen aus dem gleichen Seidenstoff, ebenfalls mit Fransen. 3·75 m lang, 0·30 m hoch.

Antependium zum Tucheraltar: L. 2 m, H. 0·80 m. Großes rotes Rankenornament auf orangefarbenem, klein gemustertem Seidenstoff. 18. Jahrhundert; wohl italienische Arbeit. Unten rechts ist ein kleines, altes gesticktes Tucherwappen aufgenäht. Stiftung des Freiherrn Heinrich von Tucher.

Antependium zum Hauptaltar: L. 4·30 m, H. 0·95 m. Roter Seidendamast mit großem Granatapfelmuster und rotem Fransenbesatz. Italienisch, 19. Jahrhundert. Links unten das Tuchersche Wappen zwischen den Buchstaben C und T und die Jahreszahl 1897 in Stickerei. Stiftung des Freiherrn Christoph von Tucher.

Antependium vom Muffelaltar: L. 2·40 m, H. 0·75 m. Schwerer roter Seidendamast mit Blumenmuster und rotseidenem Fransenbesatz. Italienisch, 17.–18. Jahrhundert. In der Mitte unten ist ein auf Pergament gemaltes Muffelsches Allianzwappen mit der Jahreszahl 1704 aufgeklebt.

Zwei Stücke eines Altarbehanges: Je 2·50 m lang und 0·80 m hoch. Buntfarbige Seidenstickerei mit in Wellenlinien angeordneter Musterung und breiter Borte, die durch stilisiertes Blumen- und Rankenwerk gemustert ist. Bunte Seidenfransen. 18. Jahrhundert. Hierzu noch ein Stück der gleichen Borte. 1·85 m lang; 0·30 m breit.

Antependium am Löffelholzaltar: L. 2·90 m, H. 0·80 m. Roter Sammet mit Goldborte. In der Mitte unten ein Löffelholzisches Allianzwappen und die Jahreszahl 1772 in Stickerei.

Antependium am Halleraltar: L. 2 m, H. 0·90 m. Roter verschossener Seidendamast mit großen Blumen gemustert. In der Mitte unten ein Allianzwappen und die Jahreszahl 1746 in Stickerei.

Antependium an der Mensa unterhalb der Kraftschen Kreuztragung: L. 1·90 m, H. 0·90 m. Ähnlicher verschossener roter Seidendamast mit Blumengirlanden als Muster. In der Mitte unten die gleichen Wappen, doch umgestellt, und die Jahreszahl 1743 in Stickerei.

Antependium am Tucheraltar: L. 2·30 m, H. 0·85 m. Roter Sammet mit Goldborte. In der Mitte unten ein Wappen der Tucher in Stickerei. Stoff und Borte 18. Jahrhundert.

Antependium am Petrusaltar: L. 3·60 m, H. 1·05 m. Grüngelber, klein gemusterter Seidendamast mit Fransenbesatz. In der Mitte unten Endter-Allianzwappen und die Jahreszahl 1753 in Stickerei.

Antependium am Muffelaltar: L. 2·30 m, H. 0·85 m. Bordeauxfarbiger, klein gemusterter Seidendamast mit Fransenbesatz. In der Mitte unten ein Kressisches Allianzwappen und die Jahreszahl 1753 in Stickerei.

Außer diesen Paramenten werden in der Kirche noch einige Reste von älteren Damaststoffen und Sammeten sowie Borten aufbewahrt. Zur Bekleidung des Hauptaltares und der Kanzel außerhalb der Festzeiten dienen neuere Behänge aus rotem Sammet.

7. Sammlung alter Skulpturen und Baureste. — Büchersammlung.

Die Sebalduskirche besitzt eine Sammlung von alten Skulpturen, Bauresten und technischen Modellen, die während der letzten Wiederherstellung von Prof. Schmitz angelegt wurde und zu ihr in Beziehung steht. Die Gegenstände sind an drei verschiedenen Orten untergebracht.

Zunächst beanspruchen unsere Aufmerksamkeit mehrere zum Teil überlebensgroße Steinfiguren im nördlichen Seitenschiff neben der Turmhalle. Es befinden sich darunter Sebaldus und Maria vom Brauttor, Petrus und Katharina (Abb. [137], [138]) vom südlichen Seitenschiffportal sowie andere Statuen aus Stein, die teils wegen ihrer fortgeschrittenen Verwitterung, teils, weil ihre Verwitterung in Bälde zu befürchten war, an diesen geschützten Ort verbracht und am Gebäude selbst durch Kopien ersetzt wurden.

Das Lapidarium in der westlichen Krypta (Abb. [139]) enthält sodann eine große Anzahl originaler Steinreste, welche ebenfalls für die während der Wiederherstellung erneuerten Bauteile als Vorbilder und Anhaltspunkte dienten. Aus der romanischen Zeit finden sich Kapitäle, Bogenfriese, Säulen und andere zum Teil reich skulptierte Werkstücke, aus der gotischen Zeit eine Reihe von sehr wertvollen Konsolen, Kapitälen, Baldachinen und anderen architektonischen Details. Daneben sind die Originale verschiedener erneuerter Epitaphien (darunter die Auferweckung des Lazarus von Veit Stoß) sowie mehrerer kleinerer Steinfiguren aufgestellt, auch andere interessante alte Bauteile, als Dachendigungen, Dachdeckungsmaterialien, der Rest eines romanischen Fußbodens sowie merkwürdige Probestücke mittelalterlicher Bautechnik wie späterer Restaurationen.

Abb. 140. Auferweckung des Lazarus. Relief vom südlichen Seitenschiff (jetzt in der Bausammlung).

Abb. 141. Übermalter Holzschnitt in einem der Exemplare des „Liber missalis“, Bamberg 1490.

Abb. 142. Randverzierung in Miniaturmalerei in einem der Exemplare des „Liber missalis“, Bamberg 1490.

Abb. 143. Miniaturmalerei in einem der Exemplare des „Liber horarum“, Bamberg 1501.

Eine Fortsetzung findet diese Sammlung in den im Obergeschoß der nördlichen Sakristei in Schränken und Vitrinen aufgestellten Gegenständen. Hier sehen wir zunächst kleinere Fundstücke, u. a. einen in der Türmerstube aufgefundenen Frauenschuh des 15. Jahrhunderts (Duplikate desselben besitzen das Germanische Museum und das Bayrische Nationalmuseum in München), altes Steinwerkzeug sowie sehr wertvolle Reste von mittelalterlichen Freskomalereien, welche ehemals die Wand hinter dem Marienbilde Hans von Kulmbachs oberhalb der Tucherschen Chorstühle schmückten (s. o., S. 176).

Handelt es sich bisher um Originalstücke, so reiht sich diesen nunmehr im gleichen Raume neben einer Anzahl von Plänen und Photographien eine Sammlung von künstlerischen und technischen Modellen der letzten Wiederherstellung an. Die 1899 erfolgte Ausgrabung der Ostchorkrypta ist in einem Modell anschaulich dargestellt. Von den ausgeführten schwierigen konstruktiven Arbeiten dieser Zeit geben diese in kleinem Maßstabe als Studienmodelle sehr sorgfältig gefertigten Darstellungen ein interessantes und übersichtliches Bild. Da sie für eine Reihe von Detailfragen der Denkmalpflege die seitens der wiederherstellenden Architekten gewählte Methode zeigen, so bilden sie gewissermaßen ein kleines, aber eigenartiges Denkmalpflegemuseum, in dem für andere Fälle schätzenswerte Erfahrungen aufgehoben sind.

Gelegentlich des Denkmalpflegetages 1905 war die Sammlung in der Moritzkapelle, die sie ganz ausfüllte, vereinigt und erfreute sich eines regen Interesses der sachverständigen Teilnehmer. Ein erläuterndes Schriftchen dazu verfaßte Dr. E. Reicke, Kustos an der Stadtbibliothek und am städtischen Archiv zu Nürnberg. Druck von J. L. Stich.

Erscheint es durchaus veranlaßt, daß sowohl die alten wie die neuen Teile der beschriebenen Sammlung in der Kirche selbst — zu der sie in engster Beziehung stehen — verbleiben, so muß doch bedauert werden, daß es an einer Pflege der Sammlung, welche vor allem katalogisiert werden sollte, fehlt. Es ist zu fürchten, daß die in der Krypta und Sakristei untergebrachten Gegenstände über kurz oder lang in Verlust geraten oder verkommen.


Außerdem befindet sich im Besitz der Kirche noch eine Büchersammlung von einigen hundert Bänden, die an vier verschiedenen Orten: im Pfarrhaus (der größte und wichtigste Teil der eigentlichen Kirchenbücher), im Muffelschen Altar (auch im wesentlichen Kirchenbücher, darunter auch einige Bände „Verkündigungen“ und „Kindertüchlein“-Bücher), in der nördlichen Sakristei und in einem Schrank des kleinen Museums über dieser Sakristei (Sebald Schreyersche Manuskripte, alte Drucke usw.) aufbewahrt werden.

Die Ehebücher beginnen bei St. Sebald mit dem Jahre 1524, die Taufbücher 1533, die Totenbücher 1547. Die letzteren liegen etwa vom Ende des 17. Jahrhunderts an größtenteils in zwei Niederschriften vor und ihr Inhalt wiederholt sich außerdem noch einmal in den Totenbüchern des Königlichen Kreisarchivs.

Unter den übrigen Handschriften sind von erheblichem historischem Interesse namentlich noch die Rechnungsbücher, die Sebald Schreyer als Kirchenmeister von St. Sebald geführt hat. Zwei derselben betiteln sich: „Einnemen S. Schreyers der zins vnd gült“; das eine reicht von 1482 bis 1491, das andere von 1491 bis 1503. Ein drittes inhaltlich besonders interessantes Manuskript ist überschrieben: „Rechnung einnemens und ausgebens S. Schreyers von 1482 jar untz in das 1494 jar“. Es ist ein Folioband, während jene Schmalfoliobände sind. Alle drei Bücher sind in Schweinsleder gebunden, mit Granatapfelmusterpressung verziert und mit Messingecken und hübschen Messingschließen versehen.

Ein Perpamentmanuskript, das die Legende des hl. Sebald enthält, gepreßter Schweinslederband in 2° mit zwei Ketten, auf der ersten Seite eine gute, doch etwas verdorbene Miniatur (St. Sebald darstellend), Ende des 15. Jahrhunderts, sowie ein Buch mit Gebeten und Hymnen, 1534 geschrieben, Klein-2°, sind von geringerer Bedeutung.

Auch unter den Drucken sind die auf Sebald Schreyer zurückgehenden, d. h. durch eine Stiftung dieses bedeutenden Kunstfreundes an die Kirche gekommenen die wertvollsten. Es sind ausweislich der kalligraphisch eingeschriebenen Widmungen:

„Liber missalis“. Bamberg, Johann Sensenschmidt und Heinrich Petzensteiner, 1490, 2°. Drei auf Pergament gedruckte und mit Initialen (auf Goldgrund) in Handmalerei (Abb. [141], 142) auf das reichste geschmückte vortrefflich erhaltene Exemplare. Gleichzeitige gepreßte braune Ledereinbände mit Messingbeschlägen.

„Liber horarum“ (Pars maioris breviarii hyemalis). Bamberg, Joh. Pfeyl, 1501, 2°. Drei ebensolche Exemplare (Pergamentdrucke) mit reichem handgemaltem Initialenschmuck (Abb. [143]), deren jedes überdies auf dem Widmungsblatte noch eine treffliche, etwa dreiviertel der Seite einnehmende Miniaturmalerei aufweist, zweimal Paul Volckamer als Mitstifter und Sebald Schreyer zu den Seiten des heiligen Sebald, im dritten Exemplar Sebald Schreyer und seine Frau im Gebet vor einem geöffneten Flügelaltar knieend, der die Madonna zwischen den Heiligen Rochus und Sebald einerseits, Lorenz und Sebastian andererseits und in der Bekrönung den Evangelisten Johannes zeigt. Gleichzeitige Pergamenteinbände mit gepreßten Mustern und ornamentierten Messingbeschlägen.

Von den übrigen Drucken seien noch folgende zum großen Teil mit Holzschnitten geschmückte kurz angeführt:

„Psalterium Romanorum“ mit dem Wappen des Kardinals Albrecht von Brandenburg in Holzschnitt von 1520. O. O., J. (1520) und Dr. Pergamentdruck in Imperial-2° von prächtigster Erhaltung. Der Einband von 1655 mit den drei nürnbergischen und dem Imhoffschen Wappen sowie der Bezeichnung „Bib. Nor.“ in Goldpressung und mit Messingbeschlägen.

Die Propheten alle Deutsch. D. Mar. Luth. Wittenberg, Hans Lufft, 1532, 2°.

Dasselbe in der Ausgabe 1536.

Desgleichen in der Ausgabe von 1571.

Biblia. Doct. Mart. Luth. Wittenberg, Hans Lufft, 1571, 2°.

Psalterium Davidis. Noribergae. In officina typographica Valentini Neuberi. 1583, Klein-8° (drei Exemplare).

Veit Dieterich, Summaria über die ganze Bibel. Nürnberg, Paul Kauffmann, 1597, 2°.

Biblia. Frankfurt a. M., Johann Saur, 1606, 2°.

Biblia. Wittenberg, Zacharias Schürer, 1621, 2°.

Biblia. Lüneburg, Johann und Heinrich Stern, 1656, 2°.

u. s. w.

Abb. 144. Konsekrationsurkunde des Hochaltares von 1379.

Tafel XV.

Thronende Maria mit Heiligen.
Tafelgemälde von Hans von Kulmbach (Tuchersche Stiftung).

Fußnoten:

[VII] Ebenso wurden im Petrusaltar und im Sakristeialtar nicht mehr mit Sicherheit zu entziffernde Urkunden samt Reliquien vorgefunden und mit diesen wieder in die betreffenden Altäre eingeschlossen.

[VIII] Über die Wetzrillen an der Sebalduskirche vgl. Otto Schulz in der Denkmalspflege. III (1901), S. 651.

[IX] Das bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit, Berlin 1897, S. 79, erwähnte Entstehungsjahr 1506 findet sich nirgends belegt. Nach 1500 könnte das Relief auch stilistich gar nicht mehr entstanden sein. Es ist mit den Stationen und namentlich, was den Hintergrund anlangt, zu nahe mit dem Schreyerschen Grabmal verwandt, als daß es zeitlich so weit von denselben abgerückt werden dürfte. Auch nach der kostümlichen Seite gehört die Darstellung in die neunziger Jahre des 15. Jahrhunderts. Es ist somit kein Grund vorhanden, an der Richtigkeit der überlieferten Jahrzahl 1496 zu zweifeln.

[X] Rée (Nürnberg, Berühmte Kunststätten, Nr. 5, 3. Aufl., S. 43, vgl. auch S. 61) datiert das Sakramentshäuschen annähernd richtig. Daun, a. a. O., S. 10, setzt es an den Anfang des 15. Jahrhunderts ohne nähere Begründung, Pückler (Die Nürnberger Bildnerkunst) gar erst in die Zeit von 1430 bis 1442. Er erklärt diese Zeitangabe nicht nur mit stilistischen Gründen, sondern auch damit, daß in den beiden Stiftern Peter Groland und Jakob Muffel dargestellt sind, welch letzterer 1442 „anscheinend schon als älterer Mann“ verschied. Pückler hält nämlich die Heiligenfigur auf der Seite mit dem Muffelschen Wappen für Jacobus den Älteren, während dieselbe doch als Sebald genau zu erkennen ist. Es sind eben die beiden Hauptheiligen der Kirche Petrus und Sebald dargestellt ohne weitere Bezugnahme auf die Vornamen der Stifter. — Übrigens ist der Stil der Figuren um 1440 gar nicht mehr möglich.

[XI] Über dasselbe vergleiche insbesondere Bergau in Dohme, Kunst und Künstler. Bd. II, 2, Leipzig 1858; Lübke, Geschichte der Plastik. 1880, II; Bode, Geschichte der deutschen Plastik. 1885; Autenrieth, Das Sebaldusgrab Peter Vischers, historisch und künstlerisch betrachtet. Ansbach 1887; Rée, Nürnberg. S. 102 ff.; Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. S. 115 ff. Zusammenstellung der Literatur über Peter Vischer und auch über das Sebaldusgrab findet sich bei Th. Hampe, Nürnberger Ratsverlässe. 1904, Bd. I, S. 50 ff. Ganz neuerdings erschien: Alexander Mayer, Die Genreplastik an Peter Vischers Sebaldusgrab. 1911. 20.

[XII] P. J. Rée, a. a. O., S. 65, will das Silberblech des Sarges erst 1506 hergestellt sein lassen, und zwar nach dem Vorbilde des mit Silberplatten belegten Schreines des 15. Jahrhunderts, in welchem in der Spitalkirche zum Heiligen Geist die Reichskleinodien aufbewahrt wurden und welcher sich jetzt im Germanischen Nationalmuseum befindet. Daran ist gar nicht zu denken. Das Verhältnis ist umgekehrt.

[XIII] Hans Starck, der 1627 dieses Gemälde restaurieren ließ, ist derselbe, der 1625 das hölzerne Kruzifix am Westchor durch einen Bronzeguß ersetzte.

[XIV] Ungarn war 1514 noch nicht im Besitze des Hauses Habsburg, erst seit 1526.

[XV] Maria von Burgund war bereits 1482 gestorben. Allein die spätgotische Tracht (die Kopfbedeckung der Maria ist der Hennin) und das daneben befindliche Wappen von Burgund-Österreich lassen es als ausgeschlossen erscheinen, daß mit der Dargestellten die zweite Gemahlin Maximilians, Bianca Maria Sforza von Mailand, gemeint ist. Die Darstellung der ersten Gemahlin, der Mutter des in der nächsten Reihe dargestellten Königs Philipp, geschah jedenfalls auf besonderen Wunsch des Kaisers.

[XVI] Die Grafenkrone ist nicht verständlich. Kastilien war damals schon lange Königreich. Übrigens trägt das andere vereinigte Wappen derselben Reihe, bei welchem Kastilien mit Leon die bevorzugte Stelle im linken oberen Feld einnimmt, die Königskrone.

[XVII] Es kann nur der Sohn Maximilians, wenn auch schon seit 1506 verstorben, und seine Gattin in Frage kommen. Hierfür sprechen in erster Linie die beigefügten Wappen, in zweiter Linie der Umstand, daß Maximilians Enkel, Philipps Sohn, der nachmalige Kaiser Karl V., damals erst 14 Jahre alt und natürlich auch nicht verheiratet war. In der Literatur werden die beiden fürstlichen Personen gewöhnlich als Karl V. und Isabella von Portugal bezeichnet, bei M. M. Mayer sogar als Kaiser Maximilian und Gemahlin, während das darüber stehende Paar Karl V. und Gemahlin genannt wird.

[XVIII] Granada war damals Königreich.

[XIX] Vgl. über das Fenster namentlich Friedrich H. Hofmann, Das Markgrafenfenster in St. Sebald zu Nürnberg. Im Hohenzollern-Jahrbuch. 1905, S. 67 ff.

[XX] Vgl. Hampe, Nürnberger Ratsverlässe. Bd. 1. Nr. 1101. 1108, 1109.

[XXI] Über die Einführung des Viertelstundenschlagwerkes durch Ulrich Grundherr vgl. Vereinsmitteilungen. VII, S. 224. — Zu dem Schießen des Jahres 1493 in Landshut, so erfahren wir daselbst aus Kunz Has' Gedicht, hatte der Rat Herzog Georg zu Ehren die freiwilligen Nürnberger Schützen mit einem roten Kleid bedacht. Sie zogen aus unter der Führung des Schützenhauptmanns Ulrich Grundherr, eines der sieben Älteren Herren, der das Schlagwerk, wahrscheinlich als Preis, mit heimbrachte. Wie aus einem Ratsverlaß vom 8. Oktober 1493 hervorgeht, beschloß der Rat „ein neues slahglöcklein, das zu einer jeden stund viermaln slahe“, gießen und bei St. Sebald aufrichten zu lassen, dann beschloß er am 19. Oktober, „ein zimeln [kleine Glocke] 5 oder 6 zentnern swer... machen ze lassen und oben in sant Sebolts turn uber die slagglocken ze henken und zu dem slahen der vierteil einer hore zu gebrauchen“… und endlich am 29. Januar 1494 „ein gut hell slahglocklein von gutem zeug zu bestellen und in den turn zu s. Sebald zu henken“. Es wurde demnach 1494 das neue Viertelschlagwerk, wohl nach Muster des in Landshut erschossenen, errichtet.

[XXII] In den Akten über diese Verhandlungen ist ein interessantes Schriftstück enthalten, eine „Copia Commissions-Decrets an das Löbl. Losungsamt d. d. 12. Dez. 1797“. Das Dekret lautet:

Commissioni subdelegatae ist zu wissen erforderlich, welche Objecta seit dem unterm 10ten Decbr. 1790 ergangenen höchst erforderlichen Reichshofraths-Concluso veräußert, welcher modus bei der Veräußerung beobachtet, ob der Erlöß noch vorhanden oder wozu derselbe verwendet worden, auch ob — und welche annoch weiteres zu veräußern räthlich und thunlich sein mögte?

Worüber ein löbl. Losung-Amt den ungesäumten Bericht zu erstatten, auch, wie sich nunmehr von selbst verstehet, ohne Anfrage bei der Kaiserl. Commission und deren ausdrückliche Erlaubnis eine weitere Veräußerung nicht vorzunehmen hat!

Nürnberg, den 12. Dezbr. 1797.Von Kaiserl. Subdelegations-Commissions wegen.
Schrodt
Kaiserl. Subdel. Kommiss. Secretair.

[XXIII] Von einem der Teppiche, welche zur Schmückung der Gräber vorhanden waren, erzählt Baron Christoph v. Tucher a. a. O. S. 55: „Die Grabteppiche anlangend findet sich im Salbuch Hans VI. Tuchers de A^o 1477, welches in seinem vierten Teil sich ebenfalls über die von dem ältesten Tucher auszurichtenden Stiftungen verbreitet, am Schluß eine eigenhändige Notiz des Besitzers von folgendem Wortlaut:

„Anno MCCCCLXXVII ad XXVI matzo so haben wir Pertold und Hans Tucher senior geprüder und Anthony und Langhans Tucher von unser geselschaft gekauft ein grabtebich mit dem englischen grus, der kost hott 14 guld. rh. und für das Tucher wappen darauf und zu füttern kost 2 gulden. Den thebich soll fürpaß albeg der eltist Tucher, der die jartag ausricht, pei seinen handen gehalden zu denselben jahrtagen.“

„Dieser Teppich kam im Jahre 1884 in den Besitz der Antiquitätenhändler Rösch und Zimmermann dahier, wo ich ihn sah und für meinen Bruder Heinrich [Heinrich Freiherr v. Tucher Exzellenz, jetzt K. Bayer. Gesandter in Wien] um 4000 M kaufte. Dieser ließ ihn in den Werkstätten (fabbrica degli arrazzi) des Vatikans unter Cavaliere Centili für 1250 Lire renovieren und hat mit dem ehrwürdigen Familienmonument von wunderbarer Schönheit eine Wand seines Arbeitszimmers verkleidet. Heute ist der Teppich unter Kennern gewiß 20.000 M. wert.“

[XXIV] Siehe Cod. lat. 901, f. 118–135 und Cod. lat. 23.877, f. 182 ff. der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München.