VII.
Mitten in der Straße stand eine elegante herrschaftliche Equipage mit zwei feurigen grauen Pferden. In der Equipage saß niemand, der Kutscher war vom Bock gestiegen und stand daneben; die Pferde hielt man am Zügel. Ringsherum drängten sich die Menschen, ganz vorne standen Polizisten. Einer von ihnen hielt eine kleine brennende Laterne in der Hand, mit der er, sich bückend, etwas auf der Straße dicht bei den Rädern der Equipage beleuchtete. Alle redeten, schrien und stießen Ah!-Rufe aus; der Kutscher schien bestürzt zu sein und rief mehrmals:
„Welch ein Unglück! Herrgott, welch ein Unglück!“
Raskolnikoff drängte sich nach Möglichkeit nach vorne und erblickte endlich die Ursache dieses Zusammenlaufs und der Neugierde. Auf dem Boden lag ein von den Pferden getretener Mann, ohne Besinnung, anscheinend schlecht gekleidet, ganz mit Blut bedeckt. Das Blut floß ihm vom Gesicht und Kopf; sein Gesicht war vollkommen zerschlagen, zerrissen und verstümmelt. Man sah, daß er schwer verwundet war.
„Liebe Leute!“ klagte der Kutscher. „Habe ich Schuld daran? Ja, wenn ich die Pferde gejagt oder ihm nicht zugerufen hätte, ich fuhr aber langsam, gleichmäßig. Alle haben es gesehen und können es bezeugen ... Ich sah ihn, wie er über die Straße ging, hin und her wankte, beinahe hinfiel, – ich rief ihm einmal zu, noch einmal und zum drittenmal, hielt die Pferde zurück, aber er fiel direkt unter ihre Hufe! Hat er es absichtlich getan oder war er zu stark angetrunken ... Die Pferde sind jung und ängstlich, – sie zogen an und wurden wild, als er aufschrie ... und das Unglück war geschehen.“
„Es ist so, wie er sagt!“ rief ein Augenzeuge.
„Er hat ihm zugerufen, das ist wahr, dreimal hat er gerufen,“ sagte eine andere Stimme.
„Genau dreimal hat er gerufen, wir haben es alle gehört,“ rief ein dritter.
Der Kutscher war übrigens nicht allzu sehr niedergeschlagen und erschrocken. Man konnte sehen, daß die Equipage einem reichen und angesehenen Herrn gehöre, der irgendwo abgeholt werden sollte; die Polizisten gaben sich deshalb nicht Mühe, diesen letzten Umstand zu berücksichtigen. Den Überfahrenen wollte man auf das Polizeibureau und ins Krankenhaus schaffen. Niemand kannte ja seinen Namen.
Unterdessen hatte sich Raskolnikoff nach vorn gedrängt und beugte sich über ihn. Plötzlich beleuchtete die Laterne hell das Gesicht des Unglücklichen, – er erkannte ihn.
„Ich kenne ihn, kenne ihn!“ rief er aus und drängte sich ganz nach vorne. „Es ist ein verabschiedeter Beamter, Titularrat Marmeladoff! Er wohnt hier, nebenan, im Hause Kosel ... Holt schnell einen Arzt! Ich will bezahlen, hier ist Geld!“
Er zog aus der Tasche sein Geld hervor und zeigte es einem Schutzmann. Er war in merkwürdiger Aufregung.
Die Polizeibeamten waren sehr zufrieden, daß sie erfahren hatten, wer der Überfahrene sei. Raskolnikoff nannte auch seinen Namen, gab seine Wohnung an und bat inständig, als gelte es seinem leiblichen Vater, den besinnungslosen Marmeladoff schnell in dessen Wohnung zu schaffen.
„Er wohnt hier, drei Häuser weit,“ sagte er, „im Hause Kosel, eines reichen Deutschen ... Er ging wahrscheinlich betrunken nach Hause. – Ich kenne ihn ... Er ist ein Trinker ... Er hat Familie, Frau und Kinder und noch eine Tochter. Ihn ins Krankenhaus zu schleppen, dauert zu lange, hier im Hause aber ist sicher ein Arzt. Ich bezahle, bezahle alles! ... Er wird doch Pflege bei den Seinigen finden, man wird ihm sofort helfen, auf dem Wege zum Krankenhause aber kann er sterben ...“ Er hatte sogar Zeit gefunden, etwas dem Schutzmanne unbemerkt in die Hand zu drücken; übrigens war die Sachlage gesetzlich klar und jedenfalls war Hilfe hier näher. Man hob den Verunglückten auf und trug ihn; es fanden sich bereitwillige Hände. Das Haus Kosel war nur dreißig Schritte entfernt. Raskolnikoff ging hinterher, stützte vorsichtig den Kopf des Verletzten und wies den Weg. „Hierher, hierher! Die Treppe hinauf muß man ihn mit dem Kopfe voran tragen; dreht euch um ... so ist’s gut! Ich will’s bezahlen, ich will’s euch danken!“ murmelte er.
Katerina Iwanowna spazierte, wie immer, wenn sie einen freien Augenblick hatte, in ihrem kleinen Zimmer auf und ab, vom Fenster bis zum Ofen und zurück, wobei sie die Hände über der kranken Brust gekreuzt hatte und mit sich selbst redete. In der letzten Zeit hatte sie angefangen, öfter und mehr mit dem älteren Mädchen, der zehnjährigen Poljenka, zu sprechen, die vieles noch nicht begriff, dafür aber sehr gut verstanden hatte, daß die Mutter sie brauchte, und die darum ihr stets mit ihren großen, klugen Augen folgte und sich mit aller Kraft den Anschein gab, als verstehe sie alles. Jetzt zog Poljenka gerade ihren kleinen Bruder aus, der sich den ganzen Tag nicht wohl gefühlt hatte, um ihn schlafen zu legen. Der Knabe wartete darauf, daß man ihm das Hemdchen wechselte, das in der Nacht noch gewaschen werden mußte, und saß auf einem Stuhl schweigend, mit ernstem Gesichte, kerzengerade und unbeweglich, mit nach vorn gestreckten Füßen. Er horchte auf das, was die Mutter mit der Schwester sprach, mit offenem Munde, seine kleinen Augen schauten starr, er rührte sich nicht, alles so, wie gewöhnlich brave Kinder dasitzen müssen, wenn sie ausgekleidet werden, um schlafen zu gehen. Das jüngste Mädchen, in Lumpen gehüllt, stand bei dem Bettschirm und wartete, bis sie an die Reihe kam. Die Türe nach der Treppe zu war offen, wegen der Tabakswolken, die aus den anderen Zimmern hereindrangen und die die arme Schwindsüchtige alle Augenblicke zwangen, lange und qualvoll zu husten. Katerina Iwanowna schien in diesen acht Tagen noch magerer geworden zu sein, und die roten Flecken auf ihren Wangen brannten noch greller als früher.
„Du kannst nicht glauben, du kannst es dir nicht vorstellen, Poljenka,“ sagte sie, indem sie auf und ab ging, „wie lustig und prachtvoll wir im Hause meines Papas lebten, und wie dieser Trinker mich zugrunde gerichtet hat und euch alle zugrunde richten wird! Mein Papa war Oberst im Zivildienst und beinahe schon Gouverneur; er war ganz nahe daran, so daß alle zu ihm kamen und sagten: ‚Wir sehen Sie, Iwan Michailytsch, schon als unseren Gouverneur an.‘ Als ich ... khe! ... als ich ... khe ... khe–khe ... oh, verfluchtes Leben!“ rief sie aus, als sie ausgehustet hatte, und griff nach der Brust. „Als ich ... ach, auf dem letzten Balle ... bei dem Adelsmarschall ... mich die Fürstin Bessemeljanja erblickte, – die mir späterhin den Segen gab, als ich deinen Papa heiratete, Polja, – frug sie mich sofort: ‚Sind Sie nicht das liebe Mädchen, das mit dem Shawl beim Schlußexamen getanzt hatte?‘ ... (Das Loch muß man zunähen, nimm eine Nadel und stopfe es sofort, sonst ... khe ... khe ... zerreißt es ... khe–khe–khe ... mor–gen noch mehr! rief sie fast erstickend aus.) ... Damals war aus Petersburg soeben der Kammerjunker Fürst Tschegolski angekommen ... er tanzte mit mir Mazurka und wollte am anderen Tage kommen, mir einen Antrag zu machen, aber ich dankte ihm in der schmeichelhaftesten Weise und sagte, daß mein Herz längst einem anderen gehöre. Dieser andere war dein Vater, Polja. Mein Papa war furchtbar böse ... Ist das Wasser fertig? Nun, gib das Hemd ... wo sind die Strümpfe? ... Lida,“ wandte sie sich an die jüngste Tochter, „schlaf diese Nacht einmal ohne Hemd ... und lege die Strümpfe nebenan hin ... Ich will gleich mitwaschen ... Warum kommt der Lump nicht, der Trinker! Er trägt sein Hemd schon lange, es ist wie ein schmutziger Lappen, hat es auch zerrissen ... Ich würde es jetzt waschen, um mich nicht zwei Nächte nacheinander zu quälen! Herr Gott! Khe–khe–khe–khe! Schon wieder! Was ist das?“ rief sie aus, als sie die Menge auf der Treppe erblickte, und ein paar Männer, die etwas in ihr Zimmer hineintrugen. „Was ist das? Was bringen sie da? Oh, Gott!“
„Wo soll man ihn hinlegen?“ fragte ein Schutzmann und sah sich um, nachdem man den blutbedeckten und besinnungslosen Marmeladoff in das Zimmer hineingebracht hatte.
„Auf das Sofa! Legen Sie ihn auf das Sofa, mit dem Kopfe hierher!“ zeigte Raskolnikoff.
„Er ist überfahren worden, auf der Straße! Er war betrunken!“ rief jemand von der Treppe aus.
Katerina Iwanowna stand bleich und atmete schwer. Die Kinder waren erschrocken. Die kleine Lida schrie auf, stürzte zu Poljenka hin, umfaßte sie und erzitterte am ganzen Körper.
Nachdem Marmeladoff gebettet war, eilte Raskolnikoff zu Katerina Iwanowna hin.
„Beruhigen Sie sich, um Gotteswillen, erschrecken Sie nicht!“ sagte er hastig. „Er ging über die Straße, eine Equipage hat ihn überfahren, beruhigen Sie sich, er wird zu sich kommen, ich habe angeordnet, daß man ihn hierher bringe ... ich war schon bei Ihnen, erinnern Sie sich ... Er wird zu sich kommen, ich will bezahlen!“
„So weit hat er’s gebracht!“ schrie Katerina Iwanowna verzweifelt auf und stürzte zu ihrem Manne.
Raskolnikoff merkte bald, daß diese Frau keine von denen war, die sofort in Ohnmacht fallen. Im Nu ward unter den Kopf des Unglücklichen ein Kissen geschoben, an das niemand gedacht hatte; Katerina Iwanowna begann ihn zu entkleiden, besah ihn, war die ganze Zeit um ihn und verlor nicht die Fassung; sie hatte ihr eigenes Leid vergessen, biß die zitternden Lippen zusammen und unterdrückte den Schrei, der sich ihrer Brust entringen wollte.
Raskolnikoff hatte indessen jemand veranlaßt, einen Arzt zu holen. Wie es sich zeigte, wohnte im Nebenhause ein Arzt.
„Ich habe nach einem Arzt geschickt,“ sagte er zu Katerina Iwanowna, „beunruhigen Sie sich nicht, ich will bezahlen. Haben Sie Wasser? ... Geben Sie mir auch eine Serviette oder ein Handtuch, irgend etwas, schnell; man kann noch nicht sehen, wie stark er verletzt ist ... Er ist nur verletzt und nicht tot, seien Sie überzeugt. – Wir wollen sehen, was der Arzt sagt!“
Katerina Iwanowna rannte zum Fenster; dort stand in der Ecke auf einem durchgesessenen Stuhl eine große tönerne Schüssel mit Wasser, zum Waschen der Kinderwäsche und der Wäsche des Mannes. Diese nächtliche Wäsche vollzog Katerina Iwanowna selbst, wenigstens zweimal in der Woche, zuweilen auch öfters, denn sie waren so heruntergekommen, daß sie fast gar keine Wäsche zum Wechseln besaßen und daß jedes Mitglied der Familie nur hatte, was es auf dem Leibe trug; Katerina Iwanowna aber konnte Unreinlichkeit nicht vertragen und lieber quälte sie sich in der Nacht und über ihre Kraft, um bis zum Morgen die nasse Wäsche trocknen und ihnen reine Wäsche geben zu können, als Schmutz im Hause zu dulden. Sie ergriff die Schüssel, um sie Raskolnikoff hinzubringen, wäre aber fast damit hingefallen. Raskolnikoff hatte schon ein Handtuch gefunden, angefeuchtet und begann das mit Blut bedeckte Gesicht Marmeladoffs abzuwaschen. Katerina Iwanowna stand neben ihm, atmete schwer und hielt die Hände auf die Brust gepreßt. Sie brauchte selbst Hilfe. Raskolnikoff fing an, zu begreifen, daß er vielleicht töricht daran getan hatte, den Überfahrenen hierher schaffen zu lassen. Der Schutzmann stand noch unschlüssig da.
„Polja!“ rief Katerina Iwanowna, „laufe zu Ssonja, schnell. Wenn du sie nicht zu Hause triffst, sag, sag dort jedenfalls, daß Vater überfahren sei und daß sie sofort herkommen soll ... wenn sie nach Hause kommt. Schnell, Polja! Da hast du ein Tuch, bedecke dich!“
„Lauf, was du kannst!“ rief plötzlich der Kleine von seinem Stuhle, dann fiel er wieder in sein früheres Schweigen zurück und saß auf dem Stuhle kerzengerade, mit starren Augen und mit vorgestreckten Füßchen.
Indessen füllte sich das Zimmer so an, daß man sich kaum rühren konnte. Die Polizeibeamten waren, außer einem, fortgegangen, der blieb eine Weile da und bemühte sich, die Zuschauer, die von der Treppe hereingedrungen waren, wieder hinauszutreiben. Aus den anderen Zimmern dagegen waren fast alle Mieter der Frau Lippewechsel erschienen, zuerst drängten sie sich nur an der Türe, dann aber überfluteten sie in einem Haufen das ganze Zimmer. Katerina Iwanowna geriet in Zorn.
„Laßt ihn doch wenigstens ruhig sterben!“ schrie sie die Menge an. „Meint ihr, hier wird eine Vorstellung gegeben? Mit Zigaretten im Munde kommen sie her! Khe–khe–khe! Setzt doch noch die Hüte auf den Kopf! ... Da ist ja auch einer im Hute ... Hinaus mit euch! Habt doch wenigstens vor einem Sterbenden Achtung!“
Der Husten erstickte sie fast, aber ihr Appell half. Man hatte offenbar vor Katerina Iwanowna Respekt; die Mieter zogen sich, einer nach dem anderen, zurück zu der Türe, mit dem eigentümlichen Gefühle der Befriedigung, das sich stets, sogar bei den Allernächsten, bemerklich macht, wenn einen ihrer Nebenmenschen ein Unglück trifft. Von diesem Gefühle ist kein Mensch, ohne jede Ausnahme, frei, mag er noch so aufrichtiges Mitleid und Teilnahme hegen.
Hinter der Türe wurden Stimmen laut, die vom Krankenhaus sprachen und meinten, es gehöre sich nicht, hier unnütze Aufregung hervorzurufen.
„Es gehört sich nicht, zu sterben!“ rief Katerina Iwanowna und stürzte zur Türe hin, um sie zu öffnen und ihrem Zorne Luft zu machen, aber bei der Türe stieß sie mit Frau Lippewechsel zusammen, die soeben von dem Unglücke vernommen hatte und gelaufen kam, um Ordnung zu schaffen. Sie war eine außerordentlich alberne und fahrige Deutsche.
„Ach mein Gott!“ schlug sie die Hände zusammen. „Ihr Mann ist betrunken unter die Pferde geraten. Er muß ins Krankenhaus! Ich bin die Wirtin!“
„Amalie Ludwigowna! Ich bitte Sie, sich zu überlegen, was Sie sagen,“ begann Katerina Iwanowna hochmütig (mit der Wirtin sprach sie stets im hochmütigen Tone, damit die „ihre Stellung nicht vergesse,“ und konnte sich auch jetzt dieses Vergnügen nicht versagen), „Amalie Ludwigowna ...“
„Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, daß Sie mich nicht Amalie Ludwigowna nennen sollen, ich heiße Amalie Iwanowna.“
„Sie heißen nicht Amalie Iwanowna, sondern Amalie Ludwigowna, und da ich nicht zu den schuftigen Schmeichlern gehöre, wie Herr Lebesjätnikoff, der jetzt hinter der Türe lacht“ (hinter der Türe hörte man wirklich Lachen und den Ruf: „Sie sind sich in die Haare gefahren!“), „so werde ich Sie stets Amalie Ludwigowna nennen, obgleich ich gar nicht verstehen kann, warum Ihnen dieser Name nicht gefällt. Sie sehen selbst, was mit Ssemjon Sacharowitsch ist, – er stirbt. Ich bitte Sie, diese Türe sofort abzuschließen und niemanden hereinzulassen. Lassen Sie ihn wenigstens ruhig sterben! Sonst, versichere ich Sie, wird über Ihre Handlungsweise noch morgen der Generalgouverneur selbst erfahren. Der Fürst kannte mich, als ich noch ein junges Mädchen war, und erinnert sich sehr gut Ssemjon Sacharowitschs, dem er viele Male geholfen hat. Es ist allen bekannt, daß Ssemjon Sacharowitsch viele Freunde und Gönner hatte, von denen er sich selbst in edlem Stolz zurückgezogen hatte, weil er sich seiner unglücklichen Schwäche bewußt war, jetzt aber (sie zeigte auf Raskolnikoff) hilft uns ein großmütiger junger Mann, der Mittel und Verbindungen besitzt, und den Ssemjon Sacharowitsch noch als Kind gekannt hat, und seien Sie versichert, Amalie Ludwigowna ...“
Dies alles wurde mit außerordentlicher Schnelligkeit hervorgestoßen, und je länger desto schneller; aber der Husten unterbrach mit einem Male die Rede von Katerina Iwanowna. In diesem Augenblicke kam der Sterbende zu sich und stöhnte auf, und sie lief zu ihm hin. Er öffnete die Augen, und ohne jemand zu erkennen und etwas zu verstehen, begann er den über ihn gebeugten Raskolnikoff zu betrachten. Er atmete schwer, tief und mit großen Pausen: auf den Lippen zeigte sich Blut; der Schweiß trat ihm auf die Stirn. Da er Raskolnikoff nicht erkannt hatte, begann er unruhig die Augen hin und her zu wenden. Katerina Iwanowna blickte ihn voll Traurigkeit, aber streng an; aus ihren Augen quollen Tränen.
„Mein Gott! Seine ganze Brust ist zerquetscht! Sehen Sie, wieviel Blut!“ sagte sie voll Verzweiflung.
„Man muß ihn ausziehen! Dreh dich etwas um, Ssemjon Sacharowitsch, wenn du kannst,“ rief sie ihm zu.
Marmeladoff erkannte sie.
„Einen Priester!“ sagte er mit heiserer Stimme. Katerina Iwanowna ging zum Fenster, lehnte die Stirn an den Fensterrahmen und rief verzweifelt aus:
„Oh, dreimal verfluchtes Leben!“
„Priester!“ sagte nach einer Weile von neuem der Sterbende.
„Man holt ihn schon!“ schrie ihn Katerina Iwanowna an; da schwieg er.
Mit schüchternem, traurigem Blicke suchte er sie; sie war wieder zu ihm zurückgekehrt und stellte sich an seinem Kopfe hin. Er beunruhigte sich ein wenig, aber es dauerte nicht lange. Seine Augen blieben bald an der kleinen Lidotschka (seinem Liebling) in der Ecke haften, die wie im Fieber zitterte und ihn mit erstaunten, weit aufgerissenen Augen ansah.
„Ach ... ach ...“ zeigte er voll Unruhe auf sie. Er wollte etwas sagen.
„Was ist denn?“ rief Katerina Iwanowna.
„Barfuß. Barfuß!“ murmelte er und zeigte mit einem irren Blick auf die nackten Füßchen des Kindes.
„Schweig!“ rief gereizt Katerina Iwanowna. „Du weißt selbst, warum sie barfuß ist.“
„Gott sei Dank, da ist der Arzt!“ rief erfreut Raskolnikoff.
Der Arzt, ein sorgfältig gekleideter, alter Mann, ein Deutscher, trat ein und blickte mißtrauisch um sich; er trat zu dem Verunglückten heran, fühlte seinen Puls, betastete aufmerksam den Kopf, öffnete das mit Blut völlig durchtränkte Hemd und machte die Brust frei. Die Brust war ganz zerquetscht, eingedrückt und zerrissen, einige Rippen auf der rechten Seite waren gebrochen. Auf der linken Seite, ganz am Herzen, war ein schrecklicher, großer, gelblich schwarzer Fleck, ein furchtbarer Hufschlag. Des Arztes Blick wurde trüb. Der Schutzmann erzählte ihm, daß der Verunglückte von einem Rade erfaßt und etwa dreißig Schritte auf der Straße geschleift worden sei.
„Merkwürdig, daß er noch zu sich gekommen ist,“ flüsterte der Arzt leise Raskolnikoff zu.
„Was meinen Sie?“ fragte der.
„Er wird gleich sterben.“
„Gibt es gar keine Hoffnung?“
„Nicht die geringste. Er liegt in den letzten Zügen ... Außerdem ist der Kopf sehr gefährlich verletzt ... Hm. Vielleicht könnte man ihn noch zu Ader lassen ... aber ... es ist nutzlos. Nach fünf oder zehn Minuten stirbt er unbedingt.“
„Lassen Sie ihn doch zu Ader!“
„Gut ... Ich sage aber im voraus, es ist völlig nutzlos.“
In diesem Augenblicke ertönten Schritte, die Menge auf der Treppe machte Platz und auf der Schwelle erschien der Priester, ein alter Mann, mit den Sakramenten. Ihn hatte ein Schutzmann sofort nach dem Unglück geholt. Der Arzt trat ihm sofort seinen Platz ab und wechselte mit ihm einen bedeutungsvollen Blick. Raskolnikoff bat den Arzt, noch eine Weile zu bleiben. Der zuckte die Achseln und blieb.
Alle traten zurück. Die Beichte dauerte nicht lange. Der Sterbende schien kaum etwas zu verstehen; er konnte bloß abgerissene, unklare Laute hervorbringen. Katerina Iwanowna hatte Lidotschka an die Hand genommen, den Knaben vom Stuhle heruntergeholt, war mit ihnen in eine Ecke am Ofen gegangen, auf die Knie gesunken, die Kinder vor sich. Das kleine Mädchen zitterte; der Knabe aber lag auf seinen nackten Knien ernst da, erhob sein Händchen, schlug ein großes Kreuz und beugte sich zum Boden nieder, wobei er mit der Stirne anstieß, was ihm anscheinend Vergnügen machte. Katerina Iwanowna biß sich auf die Lippen und hielt die Tränen zurück; sie betete auch; ab und zu zog sie dem Knaben das Hemdchen zurecht, und warf über die nackten Schultern des Mädchens ein Tuch, das sie von der Kommode nahm, ohne sich zu erheben und weiter betend. Indessen wurde die Türe zu den anderen Zimmern wieder von Neugierigen geöffnet. Im Treppenflure drängten sich immer mehr und mehr Zuschauer, Mieter vom ganzen Hause, aber ohne die Schwelle des Zimmers zu überschreiten. Ein Lichtstümpfchen beleuchtete die ganze Szene.
In diesem Augenblicke drängte sich durch die Menge auf dem Flure Poljenka, die gelaufen war, die Schwester zu holen. Sie kam atemlos vom schnellen Laufen, nahm ihr Tuch ab, suchte mit den Augen die Mutter, trat an sie heran und sagte: „Sie kommt! Ich habe sie auf der Straße getroffen!“ Die Mutter zog sie neben sich auf die Knie. Durch die Menge drängte sich leise und schüchtern ein junges Mädchen, und ihre Erscheinung in diesem Zimmer, mitten in dieser Armut, Lumpen, Tod und Verzweiflung war grotesk. Sie war auch in Lumpen; ihre Kleidung war von billiger Sorte, aber straßenmäßig geschmückt, mit Geschick und Verständnis für ihren besonderen Zweck und diesen Zweck in peinlich aufdringlicher Weise unterstreichend. Ssonja blieb im Flure neben der Schwelle stehen, trat nicht in das Zimmer und blickte wie verloren vor sich hin; sie schien ganz fassungslos, schien vergessen zu haben, daß sie ein seidenes, farbiges, aus vierter Hand gekauftes und hier unpassendes Kleid anhatte, mit einer langen und lächerlichen Schleppe und einer ungeheuren Krinoline, die die ganze Türe einnahm, auch daß sie helle Stiefel und einen Sonnenschirm trug, den sie doch in der Nacht nicht brauchte, und einen lächerlichen runden Strohhut mit einer grell feuerroten Feder aufhatte. Unter diesem keck aufgesetzten Hute blickte ein mageres, bleiches und erschrockenes Gesichtchen hervor, mit geöffnetem Munde und vor Schreck unbeweglichen Augen. Ssonja war klein von Wuchs, etwa achtzehn Jahre alt, mager, aber eine hübsche Blondine mit wundervollen blauen Augen. Sie blickte starr auf das Sofa und auf den Priester und atmete schwer vom schnellen Gehen. Wahrscheinlich hatte sie das Flüstern und einige Worte unter der Menge vernommen. Sie senkte den Kopf, tat einen Schritt über die Schwelle und blieb im Zimmer stehen, wieder aber ganz an der Türe.
Die Beichte und das Abendmahl waren beendet. Katerina Iwanowna ging wieder an das Lager ihres Mannes. Der Priester trat zurück und wandte sich beim Weggehen an Katerina Iwanowna, um ihr ein paar Worte zum Trost und als Beileid zu sagen.
„Wo soll ich denn mit diesen hin?“ unterbrach sie ihn scharf und gereizt und zeigte auf die Kleinen.
„Gott ist gnädig. Vertrauen Sie auf die Hilfe des Allmächtigen,“ begann der Priester.
„Ja–a! Er ist gnädig, aber nicht für uns!“
„So etwas zu sagen ist eine Sünde, meine Dame,“ bemerkte der Priester und schüttelte den Kopf.
„Und ist das keine Sünde?“ rief Katerina Iwanowna aus und wies auf den Sterbenden.
„Vielleicht werden die, welche die unwillkürliche Ursache waren, bereit sein, es Ihnen zu entgelten, wenigstens hinsichtlich des verlorenen Verdienstes ...“
„Sie verstehen mich nicht!“ rief gereizt Katerina Iwanowna und winkte mit der Hand ab. „Ja, wofür sollen sie mich entgelten? Er ist ja selbst betrunken unter den Wagen geraten? Was für ein Verdienst? Wir hatten von ihm keinen Verdienst, sondern nur Qual. Er vertrank doch alles! Er bestahl uns und schleppte es in die Schenke, das Leben der Kinder und meines hat er in der Schenke verpraßt. Und Gott sei Dank, daß er stirbt! Weniger Ausgaben bedeutet es!“
„Sie sollten lieber in der Todesstunde verzeihen. Solche Gefühle zu haben, ist eine große Sünde!“ Katerina Iwanowna war um den Sterbenden bemüht, sie reichte ihm zu trinken, trocknete den Schweiß und das Blut von seinem Kopfe, machte die Kissen zurecht und während der Arbeit unterhielt sie sich mit dem Priester, wobei sie sich nur selten zu ihm wandte. Jetzt aber stürzte sie sich fast rasend auf ihn.
„Ach, Väterchen! Das sind nur Worte und weiter nichts! Verzeihung! Sehen Sie, wenn er nicht überfahren wäre, wäre er heute betrunken nach Hause gekommen, – er hat nur ein Hemd, ganz schmutzig und zerrissen, – er hätte sich schlafen gelegt, ich aber hätte bis zum frühen Morgen im Wasser geplantscht, seine Lumpen und die Kinderwäsche gewaschen, hätte es vor dem Fenster getrocknet, und wenn der Morgen gekommen wäre, hätte ich mich hingesetzt und die Sachen ausgebessert, – sehen Sie, das wäre meine Nachtruhe gewesen! ... Also, was ist da vom Verzeihen zu reden! Ich habe auch so verziehen!“
Ein hohler, schrecklicher Husten unterbrach sie. Sie hustete, spie in ein Taschentuch, hielt die eine Hand vor Schmerz an die Brust und zeigte mit der anderen dem Priester das Taschentuch. Das Taschentuch war voll Blut ...
Der Priester senkte den Kopf und schwieg.
Marmeladoff lag in den letzten Zügen; er wandte von Katerina Iwanowna, die sich wieder über ihn gebeugt hatte, seine Augen nicht ab. Er wollte ihr immer etwas sagen, er begann auch, bewegte voll Anstrengung die Zunge und sprach die Worte unklar aus, aber Katerina Iwanowna, die verstanden hatte, daß er sie um Verzeihung bitten möchte, rief ihm sofort in befehlendem Tone zu:
„Schweig ... schweig! Ist nicht nötig! ... Ich weiß, was du sagen willst! ...“
Und der Sterbende verstummte, aber in diesem Augenblicke fiel sein irrender Blick auf die Türe, und er erblickte Ssonja.
Vorher hatte er sie nicht bemerkt, – sie stand im Schatten in der Ecke.
„Wer ist das? Wer ist das?“ sagte er plötzlich mit heiserer, erstickender Stimme, ganz aufgeregt und zeigte voll Schrecken mit den Augen auf die Türe, wo seine Tochter stand, und versuchte sich zu erheben.
„Bleib liegen!“ rief Katerina Iwanowna. Ihm war es mit unnatürlicher Anstrengung gelungen, sich auf seine Hand zu stützen. Er sah wild und unbeweglich eine Weile die Tochter an, als ob er sie nicht erkenne. Er hatte sie auch noch nie in diesem Aufzuge gesehen. Plötzlich erkannte er sie, die gedemütigte, völlig niedergeschlagene, geputzte und sich schämende, die demütig wartete, bis an sie die Reihe kam, vom sterbenden Vater Abschied zu nehmen. Ein grenzenloses Leid zeigte sich auf seinem Gesichte.
„Ssonja! Tochter! Verzeih!“ rief er und wollte nach ihr die Hand ausstrecken, aber er verlor das Gleichgewicht und stürzte vom Sofa mit dem Gesichte zu Boden. Man lief hin, um ihn aufzuheben und legte ihn auf das Sofa hin, aber er war schon im Sterben. Ssonja schrie schwach auf, lief hin, umarmte ihn und blieb bewegungslos stehen. Er starb in ihren Armen.
„Er hat’s erreicht!“ rief Katerina Iwanowna, als sie ihren Mann tot sah. „Aber was soll ich jetzt tun! Womit soll ich ihn beerdigen? Und womit soll ich diese hier füttern?“
Raskolnikoff trat zu Katerina Iwanowna.
„Katerina Iwanowna,“ begann er. „Ihr verstorbener Gatte erzählte mir in der vorigen Woche sein ganzes Leben und alle seine Verhältnisse ... Seien Sie versichert, daß er von Ihnen mit Wärme und Achtung sprach. Seit diesem Abend, als ich erfuhr, wie er an Ihnen hing und wie er Sie, Katerina Iwanowna, besonders hochschätzte und liebte, trotz seiner unglücklichen Schwäche, seit diesem Abend waren wir Freunde ... Erlauben Sie mir jetzt also ... Ihnen behilflich zu sein ... meinem verstorbenen Freunde die letzte Ehre erweisen zu können. Sehen Sie, hier habe ich ... zwanzig Rubel, glaube ich ... und wenn dies Ihnen eine Hilfe sein kann, so ... ich ... will mit einem Worte wiederkommen, ... ich komme unbedingt ... ich komme unbedingt ... ich komme vielleicht schon morgen zu Ihnen ... Leben Sie wohl!“
Und er ging schnell aus dem Zimmer und drängte sich durch die Menge, da aber stieß er plötzlich mit Nikodim Fomitsch, dem Polizeikommissar, zusammen, der von dem Unglück gehört hatte und persönlich Anordnungen treffen wollte. Seit dem Auftritt im Polizeibureau hatten sie einander nicht gesehen, aber Nikodim Fomitsch erkannte ihn sofort.
„Ah, Sie sind hier?“ fragte er.
„Er ist gestorben,“ antwortete Raskolnikoff. „Ein Arzt war dagewesen, auch ein Priester war da, alles ist in Ordnung. Regen Sie die arme Frau nicht auf, sie hat ohnedem die Schwindsucht. Flößen Sie ihr Mut ein, so gut Sie können ... Sie sind ja ein guter Mensch, ich weiß es ...“ fügte er mit einem schiefen Lächeln hinzu und blickte ihm in die Augen.
„Wie Sie sich mit Blut befleckt haben,“ bemerkte Nikodim Fomitsch, als er beim Lichte der Laterne einige frische Flecken auf der Weste Raskolnikoffs erblickte.
„Ja, ich habe mich bespritzt ... ich bin mit Blut bedeckt!“ sagte Raskolnikoff mit einem eigentümlichen Ausdruck, lächelte, nickte ihm zu und ging die Treppe hinab. Er stieg langsam hinab, ohne sich zu beeilen, tief ergriffen, voll von einem einzigen, neuen, unermeßlichen Gefühl, das als volle und mächtige Lebenswelle über ihn gekommen war. Ein Gefühl, das dem eines zu Tode Verurteilten gleichen mochte, dem man unerwartet die Begnadigung mitgeteilt hatte. Auf der Treppe überholte ihn der Priester, der nach Hause ging; Raskolnikoff ließ ihn schweigend an sich vorübergehen und wechselte mit ihm einen stummen Gruß. Als er aber die letzten Stufen hinabschritt, hörte er eilige Schritte hinter sich. Jemand wollte ihn einholen. Es war Poljenka, sie lief ihm nach und rief: „Hören Sie, hören Sie doch!“
Sie kam die letzte Treppe herab und blieb eine Stufe über ihm stehen. Ein schwaches Licht drang vom Hofe herein. Raskolnikoff schaute in das magere, aber liebe Gesichtchen des kleinen Mädchens, das ihm zulächelte und ihn fröhlich, nach Kinderart, ansah. Sie war mit einem Auftrage gekommen, der ihr selbst sehr zu gefallen schien.
„Sagen Sie mir, wie heißen Sie denn? ... und noch ... wo wohnen Sie denn?“ fragte sie ihn hastig mit erstickendem Stimmchen.
Er legte beide Hände auf ihre Schultern und blickte sie glücklich an. Es war ihm wohltuend, sie anzusehen, – er wußte selbst nicht warum.
„Wer hat dich zu mir geschickt?“
„Schwesterchen Ssonja hat mich geschickt,“ antwortete das kleine Mädchen und lächelte noch freundlicher.
„Ich wußte, daß Schwesterchen Ssonja dich geschickt hat.“
„Mama hat mich auch geschickt. Als Schwesterchen Ssonja mich schickte, kam Mama auch und sagte: Ja, lauf schnell, Poljenka!“
„Liebst du Schwesterchen Ssonja?“
„Ich liebe sie mehr als alle anderen!“ sagte Poljenka mit besonderer Festigkeit, und ihr Gesicht wurde plötzlich ernst.
„Wirst du mich auch lieben können?“
Anstatt einer Antwort näherte sich ihm das Gesichtchen des Kindes, und die kleinen Lippen streckten sich ihm zum Kuß entgegen. Ihre Ärmchen, streichhölzchendünn, umschlangen ihn kräftig, ihr Kopf senkte sich auf seine Schulter, und das kleine Mädchen fing leise an zu weinen und preßte sich immer fester und fester mit dem Gesicht an ihn.
„Papa tut mir so leid!“ sagte sie nach einer Weile, hob ihr verweintes Gesichtchen in die Höhe und wischte sich mit den Händen die Tränen ab. „Wir haben immer Unglück,“ fügte sie unerwartet hinzu und mit jenem besonders wichtigen Ausdruck, den Kinder annehmen, wenn sie wie Erwachsene sprechen wollen.
„Papa hat dich auch geliebt?“
„Er hat Lidotschka mehr als uns alle geliebt,“ fuhr sie mit dem gleichen Ernste fort, „er liebte sie, weil sie klein und krank ist, und er brachte ihr immer etwas mit, uns aber lehrte er das Lesen, und mich Grammatik und Religion,“ fügte sie mit Stolz hinzu, „Mama sagte nichts dazu, aber wir wußten doch, daß sie das gern hatte, und Papa wußte es auch. Mama will mich Französisch lehren, es ist Zeit, daß ich eine Erziehung erhalte.“
„Kannst du auch beten?“
„Oh, gewiß können wir es. Schon lange, ich bete, seitdem ich groß bin, allein für mich, Kolja und Lidotschka beten laut mit Mama; zuerst sagen sie das Gebet an die Gottesmutter und dann noch ein Gebet, ‚lieber Gott, verzeihe und segne Schwesterchen Ssonja,‘ und dann ‚lieber Gott, verzeihe und segne unsern andern Papa,‘ denn unser älterer Papa ist schon gestorben, dieser war unser zweiter Papa, doch wir beten auch für ihn.“
„Poletschka, ich heiße Rodion; bete auch für mich einmal, – ‚für den Gottesknecht Rodion‘ – und mehr nicht.“
„Ich werde mein ganzes künftiges Leben für Sie beten,“ sagte eifrig das kleine Mädchen, lachte wieder heiter und umarmte ihn von neuem. Raskolnikoff nannte ihr seinen Namen, gab ihr seine Adresse und versprach, morgen unbedingt zu ihr zu kommen. Das kleine Mädchen ging völlig entzückt von ihm. Es war die elfte Stunde, als er auf die Straße hinaustrat. Nach fünf Minuten stand er auf der Brücke, genau an derselben Stelle, wo vorhin die Frau sich ins Wasser gestürzt hatte.
„Genug!“ sagte er entschlossen und feierlich, „fort mit den Traumgebilden, fort mit den eingebildeten Schrecken, fort mit den Gespenstern! ... Es gibt noch ein Leben! Habe ich eben nicht gelebt? Mein Leben ist noch nicht mit der alten Witwe gestorben! Möge ihr das Himmelreich beschieden sein und, – und genug, Mütterchen, es ist Zeit für dich zu ruhen! Das Reich der Vernunft und des Lichtes ist jetzt gekommen! ... und ... und des Willens ... und der Kraft ... und nun wollen wir sehen! Wir wollen unsere Kräfte messen“ fügte er herausfordernd hinzu, als wende er sich an eine dunkle Macht und fordere sie zum Kampfe auf. „Und ich war schon bereit, mich auf den ellenlangen Raum einzurichten!“
„... Sehr schwach fühle ich mich in diesem Augenblicke, aber ... es scheint, die Krankheit ist vorüber. Ich wußte, daß sie vergehen wird, als ich vor kurzem wegging. Wie ist mir denn – ist nicht das Haus Potschinkoff kaum zwei Schritte von hier. Jetzt gehe ich zu Rasumichin, wenn es auch nicht nur zwei Schritte wären ... mag er die Wette gewinnen! ... mag er auch sein Vergnügen haben, – tut nichts, mag er es haben! Kraft, Kraft ist nötig, – ohne Kraft kann man nichts überwinden, und die Kraft muß wieder durch Kraft erworben werden, aber davon haben sie keine Ahnung,“ fügte er stolz und selbstbewußt hinzu, und konnte kaum seine Füße noch heben. Der Stolz und das Selbstvertrauen wuchsen mit jeder Minute in ihm; im nächsten Augenblicke war er schon ein anderer Mensch als in dem vorhergehenden. Was war mit ihm Besonderes vorgegangen, das ihn so verwandelt hatte? Er wußte es selbst nicht; ihm war es wie einem Menschen, der nach einem Strohhalm greift, um sich zu retten; und es war ihm, als ob es noch Leben gab für ihn, als ob sein Leben mit der Alten nicht gestorben sei. Vielleicht war er zu eilig mit der Schlußfolgerung, aber daran dachte er nicht.
„Den Gottesknecht Rodion soll sie im Gebet nennen,“ durchfuhr es ihn, „und das ist ... für alle Fälle!“ fügte er hinzu, und mußte selber über den Einfall lachen.
Er befand sich in ausgezeichneter Stimmung.
Rasumichin fand er mit Leichtigkeit; im Hause Potschinkoff kannte man schon den neuen Mieter, und der Hausknecht zeigte ihm sogleich den Weg. Auf der halben Treppe konnte man den Lärm und die lebhaften Stimmen einer großen Gesellschaft vernehmen. Die Türe zur Treppe war sperrangelweit auf; man hörte, wie geschrien und gestritten wurde. Rasumichins Zimmer war ziemlich groß, und es waren etwa fünfzehn Menschen bei ihm. Raskolnikoff blieb im Flure stehen. Hier, hinter einer Rollwand, waren zwei Mädchen der Wirtsleute mit zwei großen Samowars beschäftigt, hier standen Flaschen, Teller und Schüsseln mit Pasteten und Imbiß, die aus der Küche der Wirtsleute hierher geschafft worden waren. Raskolnikoff ließ Rasumichin herausholen. Der kam freudig überrascht herausgelaufen. Man merkte beim ersten Blick, daß er ungewöhnlich viel getrunken hatte, und obwohl Rasumichin sich nie betrunken hatte, konnte man es ihm dieses Mal doch anmerken.
„Höre,“ beeilte sich Raskolnikoff zu sagen, „ich bin nur hergekommen, um dir zu sagen, daß du die Wette gewonnen hast, und daß tatsächlich niemand wissen kann, was alles mit ihm geschieht. Hineingehen kann ich nicht, – ich fühle mich zu schwach, so daß ich fürchten muß, hinzufallen. Und darum sage ich dir gleich ‚Guten Abend‘ und ‚Lebewohl‘! Komm du morgen zu mir ...“
„Weißt du was, ich begleite dich nach Hause! Wenn du schon selbst sagst, daß du dich schwach fühlst, da ...“
„Und deine Gäste? Wer ist dieser mit dem lockigen Haar, der soeben herausguckte?“
„Der? Weiß der Teufel, wer er ist! Wahrscheinlich ein Bekannter meines Onkels, vielleicht ist er auch ohne Aufforderung hergekommen ... Ich lasse den Onkel bei den Gästen; er ist ein prächtiger Mensch. Schade, daß du ihn jetzt nicht kennenlernst. Im übrigen, hol sie alle der Teufel! Jetzt haben sie keine Zeit, an mich zu denken, und ich muß frische Luft schöpfen; du bist mir sehr gelegen gekommen. Noch zwei Minuten und ich hätte mich mit ihnen geprügelt, bei Gott! Sie lügen so das dümmste Zeug zusammen ... Du kannst dir nicht vorstellen, wie groß der Mensch im Lügen ist! Na, warum sollst du es dir nicht vorstellen können? Wir lügen doch selbst? Ja, mögen sie auch jetzt lügen, dafür werden sie später nicht mehr lügen ... Warte einen Augenblick, ich sage es noch Sossimoff ...“
Sossimoff eilte hastig auf Raskolnikoff zu; man merkte in ihm eine besondere Neugierde, jedoch sein Gesicht hellte sich sofort auf.
„Gleich ins Bett,“ sagte er, nachdem er nach Möglichkeit den Kranken untersucht hatte, „und zur Nacht nehmen Sie noch ein Pülverchen. Wollen Sie es nicht? Ich habe schon vorher für Sie ... ein Pülverchen bereitet.“
„Meinetwegen nehme ich auch zwei Pulver,“ antwortete Raskolnikoff.
Und das Pulver wurde sofort eingenommen.
„Es ist sehr gut, daß du ihn begleitest,“ sagte Sossimoff zu Rasumichin, „wie es morgen sein wird, werden wir sehen, heute ist es nicht übel mit ihm, – eine bedeutende Verbesserung seit kurzem. Man lernt sein ganzes Leben ...“
„Weißt du, was Sossimoff mir soeben zuflüsterte, als wir fortgingen,“ platzte Rasumichin heraus, als sie auf die Straße traten. „Ich will dir, Bruder, nicht alles so direkt sagen, denn sie sind Dummköpfe. Sossimoff bat mich, den ganzen Weg mit dir zu schwatzen und dich selbst zum Schwatzen zu veranlassen, um ihm dann alles nachher zu erzählen, denn er hat eine Idee ... nämlich daß du ... verrückt seist, oder nahe daran bist. Stell’ dir das vor! Erstens bist du dreimal klüger als er, zweitens, wenn du nicht verrückt bist, pfeifst du darauf, daß er so dummes Zeug im Kopfe hat, und drittens, dieses Stück Fleisch, trotz seiner Spezialität für Chirurgie, ist jetzt auf Geisteskrankheiten versessen, und in bezug auf dich hat ihn dein heutiges Gespräch mit Sametoff endgültig darauf gebracht.“
„Hat dir Sametoff alles erzählt?“
„Ja, alles, und es ist sehr gut, daß er es erzählt hat. Jetzt habe ich alles, auch was drum und dran hängt, begriffen, und Sametoff hat auch begriffen ... Nun ja, mit einem Worte, Rodja ... die Sache ist die ... Ich bin jetzt ein bißchen betrunken ... Aber das tut nichts ... die Sache ist die, daß dieser Gedanke ... verstehst du? ... in der Tat ihnen hin und wieder kam ... verstehst du? Das heißt, niemand wagte es laut auszusprechen, denn es ist das dümmste Zeug, und besonders, nachdem man diesen Anstreicher verhaftet hatte, zerfiel alles in nichts und verschwand auf immer. Aber warum sind sie solche Dummköpfe? Ich hatte damals Sametoff ein wenig verprügelt, – das soll unter uns bleiben, Bruder; bitte, laß dir auch nicht das geringste merken, daß du es weißt, ich habe bemerkt, daß er empfindlich ist, es geschah bei Louisa, – heute, heute wurde alles klar. Hauptsächlich dieser Ilja Petrowitsch! Er benutzte damals deine Ohnmacht im Polizeibureau, später schämte er sich selber dessen, ich weiß es ...“
Raskolnikoff hörte aufmerksam zu. Rasumichin plapperte in seiner Trunkenheit alles aus.
„Ich fiel damals darum in Ohnmacht, weil so schlechte Luft war und weil die Ölfarbe so widerlich roch,“ sagte Raskolnikoff.
„Du willst noch erklären! Nicht die Ölfarbe war es allein, die Krankheit bereitete sich schon einen ganzen Monat vor, – Sossimoff ist doch Zeuge! Aber wie niedergeschlagen jetzt dieser Junge – Sametoff – ist, du kannst dir es nicht vorstellen! – ‚Ich bin den kleinen Finger dieses Menschen nicht mal wert‘, sagt er. Das heißt deinen kleinen Finger. Er hat zuweilen schöne Gefühle, Bruder. Aber die Lehre, die heutige Lehre im Kristallpalast – das ist der Hauptcoup! Du hast ihn zuerst erschreckt und fast zum Wahnsinn gebracht! Du hast ihn fast gezwungen, wieder an diesen ganzen scheußlichen Unsinn zu glauben und dann plötzlich zeigtest du ihm die Zunge, – als würdest du sagen, – na, da hast du es jetzt, glaubst du nun? Es war köstlich! Er ist jetzt zermalmt, zerknirscht! Du bist ein Meister, bei Gott, so muß man mit ihnen umspringen! Schade, daß ich nicht dabei war! Er erwartete dich jetzt sehnlichst bei mir. Porphyri will dich auch kennenlernen ...“
„Ah ... auch der ... Und warum halten sie mich für verrückt?“
„Das heißt nicht für verrückt. Ich habe, scheint mir, da zuviel gesagt ... Siehst du, es setzte ihn in Erstaunen, daß dich diese Sache interessiert; wo er alle Umstände kennt ... und er sah, wie es dich gereizt hatte und wie es mit deiner Krankheit zusammenfiel ... Ich bin ein wenig betrunken, Bruder, aber weiß der Teufel, er hat so seine eigene Idee ... Ich sage dir, – er ist jetzt auf Geisteskrankheiten versessen. Pfeif’ ihm darauf ...“
Beide schwiegen eine Weile.
„Höre, Rasumichin,“ begann Raskolnikoff, „ich will dir offen gestehen; ich war soeben bei einem Sterbenden, Beamter ist er gewesen ... dort habe ich mein ganzes Geld hergegeben ... außerdem hat mich soeben ein Wesen geküßt, das auch, wenn ich wirklich jemand ermordet hätte, ebenso ... mit einem Worte, ich habe dort noch ein anderes Wesen gesehen ... mit einer feuerroten Feder ... übrigens, aber ich phantasiere ... ich bin sehr schwach, stütze mich ... gleich sind wir bei der Treppe ...“
„Was ist mit dir? Was ist mit dir?“ fragte Rasumichin ängstlich.
„Mir schwindelt ein wenig der Kopf, aber das ist es nicht, mir ist so traurig, so traurig ... wie jener Frau ... es ist wahr! Sieh, was ist das? Sieh! Sieh!“
„Was denn?“
„Siehst du denn nicht? Siehst du nicht, in meinem Zimmer ist Licht! Durch die Ritze ...“
Sie standen schon auf dem letzten Treppenabsatz, neben der Türe zu der Wirtin Wohnung; man konnte wirklich von unten aus sehen, daß Raskolnikoffs Kammer erleuchtet war.
„Sonderbar! Es ist vielleicht Nastasja,“ bemerkte Rasumichin.
„Sie ist niemals um diese Zeit bei mir, und außerdem schläft sie schon längst, doch ... mir ist es einerlei. Lebe wohl!“
„Was ist dir? Ich begleite dich doch, wir gehen beide hinein!“
„Ich weiß, daß wir zusammen hineingehen werden, aber ich will hier deine Hand drücken und hier von dir Abschied nehmen. Da, gib mir die Hand, lebwohl!“
„Was ist dir, Rodja?“
„Nichts ... komm, wir gehen ... du wirst Zeuge sein ...“
Sie begannen die Treppe hinaufzusteigen, und Rasumichin durchzuckte der Gedanke, daß Sossimoff doch vielleicht recht habe. „Ach! Ich habe ihn mit meinem Geschwätz verwirrt!“ murmelte er vor sich hin. Als sie an die Türe kamen, hörten sie Stimmen im Zimmer.
„Was ist da los?“ rief Rasumichin aus.
Raskolnikoff ergriff zuerst die Türklinke und öffnete die Türe weit und blieb wie versteinert auf der Schwelle stehen.
Seine Mutter und Schwester saßen auf dem Sofa und warteten auf ihn schon seit anderthalb Stunden. Sie hatte er am allerwenigsten erwartet und noch weniger an sie gedacht, trotzdem ihm heute noch einmal die Mitteilung geworden war, daß sie abgereist, unterwegs wären und jeden Augenblick ankommen könnten. Sie hatten die anderthalb Stunden, einander unterbrechend, Nastasja ausgefragt, die auch jetzt noch vor ihnen stand und ihnen schon alles erzählt hatte, und waren vor Schreck fast gelähmt, als sie hörten, daß er „heute weggelaufen sei,“ krank, wie er war, und sicher nicht bei vollem Bewußtsein, wie man aus der Erzählung entnehmen konnte! „Mein Gott, was wird mit ihm geschehen sein!“ Sie weinten beide, und beide hatten in diesen anderthalb Stunden Folterqualen erlitten.
Ein freudiger, entzückter Schrei begrüßte Raskolnikoffs Erscheinen. Beide stürzten auf ihn zu. Er aber stand wie leblos da; eine unerträgliche Empfindung hatte ihn wie ein Blitz getroffen. Seine Hände erhoben sich nicht, um sie zu umarmen, – sie konnten sich nicht erheben. Die Mutter und Schwester erdrückten ihn in ihrer Umarmung, küßten ihn, lachten und weinten ... Er tat einen Schritt, schwankte und stürzte ohnmächtig zu Boden.
Aufregung, erschreckte Ausrufe, Gestöhn ... Rasumichin, der auf der Schwelle stand, flog ins Zimmer herein, packte den Kranken mit seinen kräftigen Armen, und jener lag im Nu auf dem Sofa.
„Hat nichts zu sagen! Tut nichts!“ rief er Mutter und Schwester zu, „das ist eine Ohnmacht, das ist nichts! Soeben hat noch der Arzt gesagt, daß es ihm bedeutend besser gehe, daß er vollkommen gesund sei! Wasser her! Sehen Sie, er kommt schon zu sich, er ist bei Bewußtsein!“
Er ergriff die Hand Dunetschkas so stark, daß er sie beinahe verrenkte, und zog sie näher, damit sie sich überzeuge, daß „er schon bei Bewußtsein sei“. Mutter und Schwester blickten Rasumichin wie die Vorsehung, mit Rührung und Dankbarkeit an; sie hatten schon von Nastasja gehört, was dieser „eifrige junge Mann,“ wie ihn am selben Abend Pulcheria Alexandrowna Raskolnikowa selbst in einem intimen Gespräche mit Dunetschka genannt hatte, für ihren Rodja gewesen war.
Dritter Teil
I.
Raskolnikoff erhob sich und setzte sich auf das Sofa. Er winkte mit der Hand schwach Rasumichin ab, damit er dem Strome seiner eifrigen Trostspendung an Mutter und Schwester ein Ende mache, nahm beider Hände und blickte etwa zwei Minuten schweigend bald die eine, bald die andere an. Die Mutter erschrak vor seinem Blick. In diesem Blicke lag ein bis zur Qual gesteigertes Gefühl, aber gleichzeitig etwas Starres, fast Irrsinniges. Pulcheria Alexandrowna begann zu weinen.
Awdotja Romanowna war bleich, ihre Hand zitterte in der des Bruders.
„Geht nach Hause ... mit ihm,“ sagte er mit stockender Stimme und wies auf Rasumichin, „bis morgen; morgen wird alles ... Seid ihr schon lange angekommen?“
„Heute abend, Rodja,“ antwortete Pulcheria Alexandrowna, „der Zug hat sich schrecklich verspätet. Rodja, ich will aber jetzt um keinen Preis der Welt von dir gehen! Ich schlafe hier neben dir ...“
„Quält mich nicht!“ sagte er und machte eine gereizte Bewegung mit der Hand.
„Ich bleibe bei ihm!“ rief Rasumichin. „Ich will ihn keinen einzigen Augenblick verlassen, und hol der Teufel alle meine Gäste, mögen sie außer sich sein! Mein Onkel mag dort repräsentieren.“
„Wie, wie soll ich Ihnen danken!“ begann Pulcheria Alexandrowna und drückte von neuem Rasumichin die Hand, aber Raskolnikoff unterbrach sie.
„Ich kann nicht, kann nicht,“ wiederholte er gereizt, „quält mich nicht! Genug, geht weg ... Ich kann nicht! ...“
„Gehen wir, Mama, gehen wir wenigstens auf einen Augenblick aus dem Zimmer heraus,“ flüsterte die erschrockene Dunja, „wir martern ihn, man sieht’s doch.“
„Soll ich denn gar nicht bei ihm sein, nach drei Jahren langer Trennung!“ weinte Pulcheria Alexandrowna.
„Wartet!“ hielt Raskolnikoff sie zurück, „ihr unterbrecht mich immer, und meine Gedanken verwischen sich ... Habt ihr Luschin gesehen?“
„Nein, Rodja, aber er weiß schon, daß wir angekommen sind. Wir haben gehört, Rodja, daß Peter Petrowitsch so gut war und dich heute besucht hat,“ fügte ein wenig schüchtern Pulcheria Alexandrowna hinzu.
„Ja ... er war so gut ... Dunja, ich habe vorher Luschin gesagt, daß ich ihn die Treppe hinunterwerfen werde und habe ihn zum Teufel gejagt ...“
„Rodja, was ist dir! Du hast sicher ... du willst doch nicht sagen,“ begann Pulcheria Alexandrowna erschreckt, hielt aber vor einem Blick Dunjas inne.
Awdotja Romanowna sah den Bruder aufmerksam an und wartete auf das, was er weiter sagen würde. Beide waren schon von dem Streite durch Nastasja benachrichtigt, so weit sie es selber begriffen hatte und mitteilen konnte, und hatten unter der Ungewißheit und Erwartung gelitten.
„Dunja,“ fuhr Raskolnikoff mit Mühe fort, „ich wünsche diese Heirat nicht, und darum mußt du morgen noch Luschin absagen, damit er völlig verschwinde.“
„Mein Gott!“ rief Pulcheria Alexandrowna aus.
„Bruder, überlege, was du sprichst!“ begann Awdotja Romanowna erregt, aber hielt sofort an sich. „Du bist vielleicht jetzt nicht imstande, du bist müde,“ fügte sie sanft hinzu.
„Gar im Fieber? Nein ... Du heiratest Luschin um meinetwillen. Ich aber nehme das Opfer nicht an. Und darum schreibe morgen den Brief ... mit der Absage ... Gib ihn mir morgen früh zu lesen, und Schluß damit!“
„Ich kann es nicht tun!“ rief das gekränkte Mädchen aus. „Mit welchem Recht ...“
„Dunetschka, du bist zu hitzig, hör auf, morgen ... Siehst du denn nicht ...“ suchte die erschrockene Mutter zu beruhigen. „Ach, gehen wir besser fort!“
„Er redet im Fieber!“ rief der berauschte Rasumichin. „Sonst würde er das nicht sagen! Morgen ist dieser ganze Unsinn verschwunden ... Heute hat er ihn wohl hinausgejagt. Das ist wahr. Nun, und jener wurde böse ... Er hat hier schöne Reden gehalten, seine Kenntnisse ausgekramt und ging dann mit eingezogenem Schwanz weg ...“
„Also, es ist wahr?“ rief Pulcheria Alexandrowna aus.
„Bis auf morgen, Bruder!“ sagte Dunja mitleidsvoll. „Gehen wir, Mama ... Leb wohl, Rodja!“
„Hörst du, Schwester,“ rief er ihnen mit letzten Kräften nach, „ich phantasiere nicht; diese Heirat ist eine Schuftigkeit. Mag ich ein Schuft sein, du aber darfst nicht ... einer von beiden ... und wenn ich auch ein Schuft bin, aber so eine Schwester will ich nicht als Schwester anerkennen. Entweder ich oder Luschin! Geht ...“
„Du bist verrückt geworden! Despot!“ brüllte Rasumichin, aber Raskolnikoff antwortete nicht mehr, vielleicht hatte er auch nicht mehr die Kraft, zu antworten.
Er hatte sich auf das Sofa gelegt und sich in völliger Ermattung der Wand zugekehrt. Awdotja Romanowna blickte Rasumichin voll Interesse an; ihre schwarzen Augen funkelten, – Rasumichin zuckte unter diesem Blicke zusammen. Pulcheria Alexandrowna stand, wie vom Donner gerührt, da.
„Ich kann nicht weggehen!“ flüsterte sie fast verzweifelt Rasumichin zu, „ich bleibe hier, irgendwo ... begleiten Sie Dunja.“
„Und Sie werden die ganze Sache verderben!“ flüsterte Rasumichin außer sich. „Gehen wir wenigstens auf die Treppe hinaus. Nastasja, leuchte uns! Ich schwöre Ihnen,“ fuhr er im Flüstertone fort, als sie schon auf der Treppe waren, „daß er vorhin beinahe mich und den Arzt verprügelt hätte! Verstehen Sie! Selbst den Arzt! Und der gab nach, um ihn nicht zu reizen und ging fort, ich aber blieb unten, um auf ihn aufzupassen, er hatte sich aber inzwischen angekleidet und entschlüpfte mir. Er wird uns auch jetzt entschlüpfen, wenn Sie ihn reizen werden, und es ist Nacht, und er kann sich etwas antun ...“
„Ach, was sagen Sie?“
„Und Awdotja Romanowna kann auch nicht ohne Sie allein in diesen möblierten Zimmern bleiben! Denken Sie nach, wo Sie abgestiegen sind! Dieser Schuft Peter Petrowitsch konnte Ihnen doch eine bessere Wohnung ... Übrigens, wissen Sie, ich bin ein wenig betrunken und habe darum ... ihn geschimpft; beachten Sie es nicht ...“
„Ich gehe zu seiner Wirtin,“ bestand Pulcheria Alexandrowna auf ihrer Absicht, „ich will sie bitten, mir und Dunja einen Platz für diese Nacht zu geben. Ich kann ihn nicht so verlassen, ich kann nicht!“
Während sie darüber sprachen, standen sie auf dem Treppenabsatz vor der Türe zu der Wohnung der Wirtin. Nastasja leuchtete ihnen von der letzten Stufe herab. Rasumichin war ungewöhnlich erregt. Vor einer halben Stunde noch, als er Raskolnikoff nach Hause begleitete, war er wohl übermäßig geschwätzig und wußte es auch, er war aber völlig munter und ganz frisch, ungeachtet des fürchterlichen Quantums Wein, das er an diesem Abend getrunken hatte. Jetzt aber geriet er in Ekstase und der ganze Wein schien mit einem Male mit verstärkter Macht ihm zu Kopf gestiegen zu sein. Er stand vor den beiden Damen, hatte sie beide an den Händen gefaßt, redete auf sie ein und machte ihnen mit erstaunlicher Offenheit Vorstellungen und wahrscheinlich, um sie besser zu überzeugen, preßte er bei jedem Worte, wie mit Klammern, ihre Hände, daß ihnen die Tränen kamen und schien Awdotja Romanowna mit den Augen zu verschlingen, ohne sich dabei groß zu genieren. Vor Schmerz suchten sie ihre Hände aus seiner großen und knochigen Hand zu befreien, aber er merkte den Grund nicht und zog beide noch stärker zu sich. Wenn sie ihm in diesem Augenblicke befohlen hätten, ihnen zuliebe sich von der Treppe kopfüber hinabzustürzen, er hätte es getan, ohne sich zu besinnen und zu zögern. Pulcheria Alexandrowna, ganz aufgeregt im Gedanken an ihren Rodja, fühlte wohl, daß der junge Mann sehr exzentrisch sei und zu schmerzhaft ihre Hand drücke, aber da er doch für sie ein Stück Vorsehung war, so wollte sie alle diese exzentrischen Einzelheiten nicht bemerken. Trotz ihrer Aufregung wegen des Bruders und obwohl sie nicht ängstlicher Natur war, bemerkte Awdotja Romanowna doch voll Staunen und fast mit Schrecken die in wildem Feuer funkelnden Augen des Freundes ihres Bruders, und bloß das grenzenlose Vertrauen, das ihr die Erzählung Nastasjas über diesen sonderbaren Menschen eingeflößt hatte, hielt sie ab, wegzulaufen und die Mutter von ihm wegzubringen. Sie begriff aber auch, daß sie von ihm jetzt nicht loskommen könne. Nach etwa zehn Minuten aber hatte sie sich schon gefaßt, – Rasumichins Art war es, sich schnell restlos zu zeigen, in welcher Stimmung er auch war, so daß alle sehr bald wußten, mit wem sie es zu tun hatten.
„Bei der Wirtin ist es unmöglich, und ein greulicher Unsinn ist es!“ fiel er Pulcheria Alexandrowna in die Rede. „Mögen Sie auch die Mutter sein, wenn Sie aber hier bleiben, versetzen Sie ihn in Raserei und dann weiß der Teufel, was folgen wird! Hören Sie, ich will es so machen, – jetzt bleibt bei ihm Nastasja sitzen, ich aber begleite Sie beide zu Ihrer Wohnung, denn Sie können nicht allein auf der Straße gehen. Bei uns in Petersburg ist es in dieser Hinsicht ... Nun, lassen wir das ... Ich laufe dann sofort hierher zurück und bringe Ihnen nach einer Viertelstunde, mein heiliges Ehrenwort darauf, Rapport, – wie es mit ihm steht, ob er schläft oder nicht und dergleichen. Dann, hören Sie weiter! Dann laufe ich von Ihnen auf einen Sprung zu mir, – ich habe Gäste, alle sind betrunken, – nehme Sossimoff – das ist der Arzt, der ihn behandelt, er sitzt jetzt bei mir, ist nicht betrunken, er ist nie betrunken. Ich schleppe ihn zu Rodja und bin wieder sofort bei Ihnen, also im Laufe von einer Stunde haben Sie zwei Rapporte über ihn, – und vom Arzte, verstehen Sie, vom Arzte selbst, das ist mehr wert als von mir! Sollte es schlimmer sein, ich schwöre Ihnen, so bringe ich Sie selbst hierher, steht aber alles gut, so gehen Sie schlafen. Ich aber werde diese Nacht hier schlafen, im Flure, er wird nichts hören, und Sossimoff werde ich sagen, er soll bei der Wirtin schlafen, damit er da ist, wenn man ihn braucht. Nun, was ist für ihn jetzt besser, – Sie oder der Arzt? Der Arzt ist doch nützlicher, nützlicher. Nun, gehen Sie also nach Hause! Zu der Wirtin ist es unmöglich; mir ist es möglich, Ihnen aber nicht, – sie wird Sie nicht hereinlassen, weil ... weil sie eine Närrin ist. Sie wird auf Awdotja Romanowna meinetwegen eifersüchtig sein, wenn Sie es wissen wollen, und auch auf Sie selbst ... Auf Awdotja Romanowna aber unbedingt. Sie ist ein vollkommen, vollkommen unberechenbarer Charakter! Übrigens, ich bin auch ein Narr ... Ich pfeife darauf! Gehen wir! Glauben Sie mir? Nun, glauben Sie mir oder nicht? ...“
„Gehen wir, Mama,“ sagte Awdotja Romanowna, „er wird bestimmt so tun, wie er versprochen hat. Er hat schon einmal den Bruder zum Leben erweckt, und wenn der Arzt wirklich damit einverstanden ist, hier zu schlafen, dann ist es am besten so.“
„Sehen Sie ... Sie ... Sie verstehen mich, weil Sie ein Engel sind!“ rief Rasumichin entzückt aus. „Gehen wir! Nastasja! Schnell herauf und setze dich mit dem Lichte zu ihm; ich komme in einer Viertelstunde ...“
Obwohl Pulcheria Alexandrowna nicht ganz überzeugt war, widersetzte sie sich nicht mehr. Rasumichin bot ihnen beiden seinen Arm und zog sie die Treppe hinab. Es beunruhigte sie übrigens eins – „obwohl er flink und gut ist, kann er aber auch erfüllen, was er verspricht? Er ist doch in solchem Zustande! ...“
„Sie haben Angst, weil Sie glauben, daß ich nicht ganz klar im Kopfe bin!“ unterbrach Rasumichin ihren Gedankengang, als ob er ihn erraten hätte, während er mit Riesenschritten weiterging, ohne zu bemerken, daß die beiden Damen ihm kaum folgen konnten. „Unsinn! das heißt ... ich bin wie ein Stück Holz betrunken, aber das hat nichts zu sagen; denn ich bin nicht vom Wein betrunken. Als ich Sie erblickte, da stieg mir das Blut zu Kopfe ... Aber pfeifen Sie auf mich! Achten Sie nicht darauf, – ich lüge; ich bin Ihrer unwürdig! ... Wenn ich Sie nach Hause gebracht habe, gieße ich mir schleunigst hier aus diesem Kanal zwei Eimer Wasser über den Kopf, damit ich wieder zur Besinnung komme ... Wenn Sie nur wüßten, wie ich Sie beide liebe! ... Lachen Sie nicht und seien Sie mir nicht böse! ... Seien Sie auf alle böse, aber auf mich sollen Sie nicht böse sein! Ich bin sein Freund, also bin ich auch Ihr Freund. Ich will es so ... Ich habe es geahnt, ... im vorigen Jahre gab es so einen Augenblick ... Übrigens, ich habe gar nichts geahnt, denn Sie sind wie vom Himmel gefallen. Ich werde vielleicht auch die ganze Nacht nicht schlafen ... Dieser Sossimoff fürchtete vorhin, daß er den Verstand verlieren könnte ... Darum muß man ihn nicht reizen ...“
„Was sagen Sie?“ rief die Mutter aus.
„Hat das der Arzt gesagt?“ fragte erschrocken Awdotja Romanowna.
„Er hat gesagt, aber nicht das, sondern ganz was anderes. Er hat ihm auch eine Arznei gegeben, ein Pulver, ich habe es gesehen, und da kamen Sie ... Ach! ... Es wäre besser, Sie wären morgen gekommen! Insofern ist es gut, daß wir weggingen. Nach einer Stunde wird Ihnen Sossimoff selbst über alles Rapport erstatten. Sehen Sie, der ist nicht betrunken! Auch ich wäre nicht betrunken ... Warum aber habe ich so viel getrunken? Wie sie mich in eine Diskussion hineingebracht haben, die Verfluchten! Ich habe mir selbst das Versprechen gegeben, nicht zu streiten! ... Nun redeten sie aber so einen Blödsinn zusammen! Ich habe mich beinahe mit ihnen geprügelt! Ich habe nun meinen Onkel als Präsidium hinterlassen ... Können Sie es glauben, – sie verlangen völlige Unpersönlichkeit des einzelnen und finden darin den Sinn des Lebens! Bloß nicht für sich selbst sein, möglichst wenig eigenartig sein! Und das halten sie für den allergrößten Fortschritt. Und wenn sie wenigstens auf eigene Art lügen würden, so aber ...“
„Hören Sie,“ unterbrach ihn schüchtern Pulcheria Alexandrowna, aber das brachte ihn noch mehr in Eifer.
„Ja, was meinen Sie?“ rief Rasumichin und erhob seine Stimme noch mehr. „Meinen Sie, ich rede so, weil sie lügen? Unsinn! Ich liebe es, wenn man lügt. Das Lügen ist das einzige menschliche Privilegium vor allen Organismen. Wenn du lügst, – kommst du zur Wahrheit! Ich bin darum auch Mensch, weil ich lüge. Keine einzige Wahrheit ist erreicht, ohne daß man vorher vierzigmal, vielleicht auch hundertundvierzigmal gelogen hat, und das ist in seiner Art höchst ehrenvoll. Wir aber verstehen nicht einmal, auf eigene Art zu lügen! Lüge mir vor, aber lüge in deiner Weise, und ich gebe dir dann einen Kuß. In seiner eigenen Weise zu lügen ist besser noch als Wahrheit nur aus fremder Quelle; im ersten Falle bist du ein Mensch, im letzteren bist du bloß ein Papagei. Die Wahrheit wird nicht fortlaufen, das Leben aber kann man dabei mit Brettern zunageln; wir haben Beispiele dafür. Nun, was sind wir jetzt? Wir alle, alle ohne Ausnahme, sitzen in bezug auf Wissenschaft, Entwicklung, Denken, Erfindungen, Ideale, Wünsche, Liberalismus, Vernunft, Erfahrung und alles, alles, alles und alles noch in der ganz untersten Klasse des Gymnasiums! Uns hat es genügt, mit fremder Weisheit auszukommen, – wir haben Geschmack daran gefunden! Ist es nicht so? Habe ich recht?“
„Oh, mein Gott, ich weiß es nicht,“ sagte die arme Pulcheria Alexandrowna.
„Es ist so, so ... obwohl ich mit Ihnen nicht in allem einverstanden bin,“ fügte Awdotja Romanowna ernst hinzu, aber gleich darauf schrie sie auf, weil er ihr diesmal zu stark die Hand gedrückt hatte.
„So? Sie sagen, es sei so? Ach, dann sind Sie ... Sie ...“ rief er voll Entzücken aus. „Sie sind die Quelle der Güte, Reinheit, der Vernunft und ... der Vollkommenheit! Geben Sie mir Ihre Hand, geben Sie ... geben auch Sie Ihre Hand, ich will Ihnen beiden die Hände küssen, hier, sofort, auf den Knien!“
Und er warf sich mitten auf dem Trottoir, das zum Glück leer war, auf die Knie hin.
„Hören Sie auf, ich bitte Sie, was machen Sie?“ rief die äußerst betroffene Pulcheria Alexandrowna.
„Stehen Sie doch auf, stehen Sie doch auf!“ lachte Dunja, aber mit einer gewissen Unruhe.
„In keinem Falle, Sie müssen erst Ihre Hände gegeben haben! So ist es gut, nun genug, ich bin aufgestanden und nun wollen wir weitergehen! Ich bin ein unglückseliger Tolpatsch, ich bin Ihrer unwürdig und bin betrunken und schäme mich ... Ich bin nicht wert, Sie zu lieben, aber die Knie vor Ihnen zu beugen ist die Pflicht eines jeden, wenn er nicht ein vollkommenes Tier ist! Und ich habe vor Ihnen die Knie gebeugt ... Da sind auch Ihre möblierten Zimmer, und schon ihretwegen allein war Rodion im Rechte, als er vorhin Ihren Peter Petrowitsch hinauswarf! Wie durfte er es wagen, Sie in solchen Zimmern unterzubringen? Das ist ein Skandal! Wissen Sie, wer hier absteigt? Sie sind doch seine Braut! Sie sind seine Braut, nicht wahr? Und nun sage ich Ihnen, daß Ihr Bräutigam nach diesem ein Schuft ist!“
„Hören Sie, Herr Rasumichin, Sie haben vergessen ...“ begann Pulcheria Alexandrowna.
„Ja, ja, Sie haben recht, ich habe mich vergessen, ich schäme mich!“ rief Rasumichin erschrocken. „Aber ... aber ... aber ... Sie können mir nicht böse sein, daß ich so rede! Denn ich sage es aufrichtig und nicht weil ... hm! das wäre gemein; mit einem Worte, nicht weil ich Sie ... hm! ... nun, also, es ist nicht nötig, ich will nicht sagen, warum, ich darf es nicht! ... Wir hatten alle vorhin gleich begriffen, als er hereinkam, daß dieser Mensch nicht zu uns paßt. Nicht weil er mit gebrannten Locken vom Friseur kam, nicht weil er sich beeilte, seinen Verstand zu zeigen, sondern weil er ein Aushorcher und Spekulierer ist, weil er ein Jude und Gauner ist, und das sieht man. Sie denken, er ist klug? Nein, er ist ein Dummkopf! Nun, paßt er denn zu Ihnen? Oh, mein Gott! Sehen Sie, meine Damen,“ er blieb plötzlich auf der Treppe stehen, „wenn sie alle bei mir auch betrunken sind, dafür aber sind sie alle ehrlich, und obgleich wir auch lügen, denn ich lüge auch, aber wir werden uns schließlich bis zur Wahrheit durchlügen, weil wir auf einem anständigen Wege gehen, Peter Petrowitsch jedoch ... geht nicht auf einem anständigen Wege. Ich habe wohl soeben sie alle tüchtig geschimpft, aber ich achte sie alle; sogar Sametoff, wenn ich ihn auch nicht achte, so liebe ich ihn doch, denn er ist noch wie ein junger Hund! Selbst dieses Vieh von Sossimoff, weil er auch ehrlich ist und seine Sache versteht ... Aber genug, alles ist gesagt und wird verziehen. Ist es verziehen? Ist es wirklich? Nun, gehen wir. Ich kenne diesen Korridor, bin hier ein paarmal gewesen; sehen Sie hier, in Nummer drei, war einmal ein Skandal ... Nun, wo wohnen Sie? Welche Nummer? Acht? Nun, schließen Sie sich für die Nacht ein, lassen Sie niemand herein. Nach einer Viertelstunde kehre ich mit einer Nachricht zurück und dann noch einmal nach einer halben Stunde mit Sossimoff, Sie werden sehen! Leben Sie wohl, ich springe!“
„Mein Gott, Dunetschka, was wird geschehen?“ sagte Pulcheria Alexandrowna und wandte sich voll Unruhe und Angst an die Tochter.
„Beruhigen Sie sich, Mama,“ antwortete Dunja, indem sie ihren Hut und die Mantille abnahm. „Uns hat Gott selbst diesen Mann gesandt, obgleich er direkt von einer Kneiperei kommt. Man kann sich auf ihn verlassen, ich versichere Sie. Was hat er alles schon für den Bruder getan ...“
„Ach Dunetschka, Gott weiß, ob er kommen wird? Wie konnte ich mich dazu entschließen, Rodja allein zu lassen! ... Und ich habe es mir nicht, durchaus nicht vorgestellt, ihn so zu finden! Wie ernst er war, als wäre er um uns nicht froh ...“
Tränen zeigten sich in ihren Augen.
„Nein, das ist nicht wahr, Mama. Sie konnten ihn nicht gut sehen, weil Sie fortwährend weinten. Er ist von einer schweren Krankheit sehr mitgenommen, – das ist der ganze Grund.“
„Ach, diese Krankheit! Was soll noch werden, was soll daraus werden! Und wie er mit dir sprach, Dunja!“ sagte die Mutter und blickte schüchtern der Tochter in die Augen, um ihre Gedanken zu erraten, und teilweise schon dadurch getröstet, weil Dunja ihren Bruder in Schutz nahm, somit ihm verziehen habe. „Ich bin überzeugt, daß er morgen seinen Sinn ändern wird,“ fügte sie hinzu, sie weiter auszuforschen.
„Und ich dagegen bin überzeugt, daß er auch morgen dasselbe sagen wird ...“ schnitt Awdotja Romanowna ab, und man sprach nicht mehr darüber, denn es berührte einen Punkt, über den jetzt zu sprechen Pulcheria Alexandrowna sich zu sehr fürchtete.
Dunja trat an die Mutter heran und küßte sie. Diese umarmte sie schweigend und innig. Dann setzte sie sich in unruhiger Erwartung Rasumichins hin, begann scheu die Tochter zu beobachten, die mit gekreuzten Armen und selbst voll Erwartung in Gedanken versunken im Zimmer auf und ab ging. Das Auf- und Abgehen in Gedanken war die Angewohnheit von Awdotja Romanowna, und die Mutter hütete sich immer, ihr Nachdenken zu stören.
Rasumichin war selbstverständlich lächerlich mit seiner plötzlichen, in der Trunkenheit entflammten Leidenschaft zu Awdotja Romanowna. Aber wenn man Awdotja Romanowna gesehen hatte, besonders jetzt, wo sie mit gekreuzten Armen, traurig und nachdenklich auf und ab ging, würden vielleicht viele ihn entschuldigt haben, ganz abgesehen von seinem exzentrischen Zustande. Awdotja Romanowna war sehr schön, – hochgewachsen, wundervoll schlank, kräftig und selbstbewußt, – das äußerte sich in jeder ihrer Bewegungen, tat aber der Weichheit und Grazie derselben in keiner Weise Eintrag. Ihr Gesicht ähnelte dem des Bruders, man konnte sie mit Recht eine Schönheit nennen. Ihr Haar war dunkelblond, ein wenig heller als das des Bruders; die Augen waren fast schwarz, ihr Blick stolz und doch wieder zuweilen von ungewöhnlicher Güte. Sie war bleich, aber nicht krankhaft; ihr Gesicht hatte vielmehr die Frische der Gesundheit. Ihr Mund war etwas klein, die Unterlippe, frisch und rot, stand kaum merklich hervor; ebenso das Kinn, das war aber auch die einzige Unregelmäßigkeit in diesem schönen Gesichte und verlieh ihm dafür eine besondere Eigentümlichkeit und vielleicht auch etwas wie Hochmut. Der Ausdruck ihres Gesichtes war in der Regel mehr ernst und sinnend als fröhlich; wie stand aber dafür ein Lächeln diesem Gesichte, wie kleidete sie ein lustiges, junges und sorgloses Lachen! Es war begreiflich, daß der hitzige, offene, schlichte, ehrliche, reckenhafte und betrunkene Rasumichin, der noch nie etwas Ähnliches gesehen hatte, beim ersten Blick den Kopf verlor. Außerdem zeigte ihm der Zufall gleich zuerst Dunja, wie absichtlich, in dem schönen Momente der Liebe zum Bruder und der Freude des Wiedersehens. Er sah dann, wie ihre Unterlippe vor Entrüstung gegenüber den ungestümen und undankbar grausamen Wünschen des Bruders zuckte, – und er konnte nicht mehr widerstehen.
Er hatte übrigens die Wahrheit gesagt, als er vorhin in seiner Trunkenheit auf der Treppe damit herausplatzte, daß die exzentrische Wirtin Raskolnikoffs, Praskovja Pawlowna, nicht bloß wegen Awdotja Romanowna, sondern vielleicht auch wegen Pulcheria Alexandrowna auf ihn eifersüchtig sein würde. Trotzdem Pulcheria Alexandrowna schon dreiundvierzig Jahre alt war, wies ihr Gesicht immer noch Zeichen der früheren Schönheit auf und außerdem erschien sie bedeutend jünger als sie war, was so oft der Fall ist bei Frauen, die die Klarheit des Geistes, die Frische der Eindrücke und das ehrliche, reine Feuer des Herzens bis zum Alter sich bewahrten. Wir wollen in Parenthese hinzufügen, daß dies zu bewahren das einzige Mittel ist, auch seine Schönheit bis ins Alter zu behalten. Ihr Haar zwar begann grau und dünn zu werden, kleine strahlenartige Runzeln hatten sich schon lange um die Augen gelegt, die Wangen waren eingefallen und vor Kummer und Sorgen hager geworden, und dennoch war dieses Gesicht schön. Es war Dunetschkas Abbild, nur zwanzig Jahre älter und ohne den besonderen Ausdruck der Unterlippe, die bei ihr nicht hervorstand. Pulcheria Alexandrowna war empfindsam, aber nicht bis zur Süßlichkeit, sie war schüchtern und nachgiebig, aber nur bis zu einer gewissen Grenze, – sie konnte in vielem nachgeben, konnte mit vielem sich abfinden, selbst wenn es ihrer Überzeugung widersprach, aber zur Verleugnung der Ehrlichkeit und ihrer tiefsten Überzeugungen konnten sie keine Umstände bringen.
Genau nach zwanzig Minuten, seit Rasumichin weggegangen war, wurde zweimal nicht laut, aber hastig an die Türe geklopft; er war zurückgekehrt.
„Ich komme nicht herein, habe keine Zeit!“ sagte er hastig, als die Türe geöffnet wurde. „Er schläft einen Herkulesschlaf, ausgezeichnet, ruhig und geb’s Gott, daß er zehn Stunden fortschläft. Nastasja sitzt bei ihm; ich habe ihr befohlen, nicht wegzugehen, bis ich zurückgekommen bin. Jetzt schleppe ich Sossimoff her, er wird Ihnen Rapport erstatten, und dann legen Sie sich schlafen; ich sehe, Sie sind abgespannt bis zum äußersten ...“ Und er lief den Korridor hinab.
„Welch ein flinker und ... ergebener junger Mann!“ rief die Pulcheria Alexandrowna außerordentlich erfreut aus.
„Er scheint ein prächtiger Mensch zu sein!“ antwortete Awdotja Romanowna mit einem gewissen Eifer und begann von neuem im Zimmer hin und her zu wandern.
Fast nach einer Stunde vernahm man Schritte auf dem Korridor, und bald darauf wieder ein Klopfen an der Türe. Beide Frauen warteten, diesmal vollkommen dem Versprechen Rasumichins vertrauend, – und er hatte auch tatsächlich Sossimoff mitgeschleppt. Sossimoff hatte sich sofort bereit erklärt, das Fest zu verlassen und Raskolnikoff zu besuchen, aber zu den Damen ging er unwillig und mißtrauisch, da er dem betrunkenen Rasumichin nicht geglaubt hatte. Seine Eigenliebe war aber sofort beruhigt und er fühlte sich sogar geschmeichelt, – er sah, daß man wirklich auf ihn, wie auf einen Propheten, gewartet hatte. Er blieb genau zehn Minuten und hatte es verstanden, Pulcheria Alexandrowna vollkommen zu beruhigen. Er sprach voll ungewöhnlicher Teilnahme, aber zurückhaltend und sehr ernst, ganz wie ein siebenundzwanzigjähriger Arzt bei einer wichtigen Konsultation, mit keinem Worte schweifte er vom Gegenstande ab und zeigte nicht den geringsten Wunsch, mit den Damen in ein persönlicheres und privates Verhältnis zu kommen. Als er beim Eintritt gesehen hatte, wie blendend schön Awdotja Romanowna war, vermied er, sie zu beachten und wandte sich während des ganzen Besuches ausschließlich an Pulcheria Alexandrowna. Dies alles gewährte ihm eine außerordentliche innere Genugtuung. Über den Kranken äußerte er, daß er ihn gegenwärtig in durchaus befriedigendem Zustande gefunden habe. Seinen Beobachtungen nach, habe die Krankheit des Patienten, außer der schlechten materiellen Lage in den letzten Monaten, noch einige seelische Ursachen, „sie ist sozusagen das Resultat vieler komplizierter, moralischer und materieller Einflüsse, Aufregungen, Sorgen, gewisser Ideen ... und dergleichen“. Als er zufällig bemerkte, daß Awdotja Romanowna besonders aufmerksam zuzuhören begann, ging er auf dieses Thema näher ein. Auf die aufgeregte und schüchterne Frage Pulcheria Alexandrownas, wegen seines „gewissen Verdachts von geistiger Störung,“ antwortete er mit ruhigem und offenem Lächeln, daß man seine Worte übertrieben habe, daß man bei dem Kranken wohl eine fixe Idee, etwas, das auf Monomanie deute, konstatieren könne, – er, Sossimoff, verfolge jetzt besonders diesen äußerst interessanten Zweig der Medizin, – aber man dürfe auch nicht vergessen, daß der Kranke bis heute in fieberhaften Phantasien befangen war, und ... und, selbstverständlich werde die Ankunft der Verwandten auf ihn kräftigend, zerstreuend und heilbringend wirken, „wenn nur neue, besondere Erschütterungen vermieden würden,“ fügte er bedeutungsvoll hinzu. Dann erhob er sich, verabschiedete sich einfach und freundlich, begleitet von Segnungen, heißer Dankbarkeit und Bitten; das Händchen Awdotja Romanownas streckte sich sogar, ohne daß er es suchte, zum Abschied ihm entgegen, und er ging fort, außerordentlich zufrieden mit seinem Besuche und noch mehr mit sich selbst.
„Morgen wollen wir weiter sehen; legen Sie sich jetzt unbedingt nieder!“ sagte Rasumichin, indem er mit Sossimoff fortging. „Morgen bin ich möglichst früh mit einem Rapport bei Ihnen.“
„Welch ein reizendes kleines Mädchen diese Awdotja Romanowna ist!“ bemerkte Sossimoff und schnalzte mit der Zunge, als sie beide auf die Straße hinaustraten.
„Reizend? Du hast reizend gesagt!“ brüllte Rasumichin, stürzte sich plötzlich auf Sossimoff und packte ihn an der Kehle. „Wenn du es noch einmal wagst ... Verstehst du? Verstehst du?“ schrie er, schüttelte ihn am Kragen und drückte ihn an die Wand. „Hast du gehört?“
„Laß mich los, betrunkener Teufel!“ wehrte sich Sossimoff, blickte ihn dann, nachdem Rasumichin ihn losgelassen hatte, aufmerksam an und schüttelte sich plötzlich vor Lachen.
Rasumichin stand mit gesenkten Armen und in düster ernstem Nachdenken vor ihm.
„Selbstverständlich bin ich ein Esel,“ sagte er finster, wie eine Gewitterwolke, „aber auch du ... bist einer.“
„Nein, Bruder, nein, ich bin keiner. Ich träume nicht von Dummheiten.“
Sie gingen schweigend weiter und erst, als sie sich der Wohnung Raskolnikoffs näherten, unterbrach Rasumichin mit sorgenvollem Gesichte das Schweigen.
„Höre,“ sagte er zu Sossimoff, „du bist ein prächtiger Bursche, aber du bist, außer all deinen üblen Eigenschaften, noch ein Stromer, das weiß ich, und außerdem einer von den ärgsten. Du bist ein nervöser, schwacher Lappen, hast verrückte Anwandlungen, hast Fett angesetzt und kannst dir nichts versagen, – und das nenne ich schon gemein, denn es führt zum Gemeinen. Du hast dich so verwöhnt, daß ich – offen gesagt, – nicht im geringsten verstehe, wie du dabei ein guter und sogar aufopfernder Arzt sein kannst. Du – ein Arzt – schläfst auf einem Pfühle und stehst für einen Kranken in der Nacht auf! Nach drei Jahren wirst du nicht mehr wegen eines Kranken aufstehen ... Nun, zum Teufel damit, das ist es nicht, sondern folgendes, – du schläfst heute Nacht in der Wohnung der Wirtin, – ich habe sie mit Mühe dazu überredet, – und ich in der Küche, – da habt ihr Gelegenheit, einander näher kennenzulernen! Nicht etwa, wie du meinst, um ...! Davon ist keine Rede!“
„Ich meine auch gar nichts.“
„Hier findest du, Bruder, Schamhaftigkeit, Schweigsamkeit, Schüchternheit, eine gräßliche Keuschheit und dabei – Seufzer, und sie schmilzt wie Wachs! Befreie mich von ihr, im Namen aller Teufel in der Welt! Sie ist sehr ansprechend! ... Ich vergelte es dir, tausendfach vergelte ich es dir!“
Sossimoff lachte noch stärker als vorher.
„Sieh mal, wie du aus dem Häuschen bist! Was soll ich denn mit ihr?“
„Ich versichere dich, du brauchst dich wenig mit ihr abzugeben, rede bloß irgendeinen Unsinn, sprich, was du willst, setze dich aber neben sie und rede frisch drauf los. Du bist ja auch Arzt, fange an, sie zu behandeln. Ich schwöre dir, du wirst es nicht bereuen. Sie hat ein Klavier; du weißt, ich klimpere ein bißchen; ich habe bei ihr ein kleines Lied, ein echtes russisches Lied liegen, ‚Ich vergieße bittre Tränen ...‘ Sie liebt echte Volkslieder, – nun, mit einem Liede fing es auch an; und du spielst doch Klavier, wie ein Virtuos, wie ein Meister, wie Rubinstein ... Ich versichere, du wirst es nicht bereuen! ...“
„Hast du ihr denn etwas versprochen? Hast du ihr etwas Schriftliches gegeben? Hast du ihr versprochen, sie zu heiraten ...“
„Nein, nichts, rein gar nichts! Und sie ist gar nicht so; Tschebaroff wollte ihr einen Antrag ...“
„Nun, so laß sie doch laufen!“
„Man kann sie nicht so ohne weiteres laufen lassen!“
„Warum denn nicht?“
„Man kann es nicht tun, und basta! Es ist da etwas, was mich festhält.“
„Warum hast du sie denn verleitet?“
„Ich habe sie gar nicht verleitet, ich habe mich selbst vielleicht aus Dummheit verleiten lassen, ihr aber wird es gleichgültig sein, ob du oder ich, nur, daß jemand neben ihr sitzt und seufzt. Es ist Bruder ... Ich kann es dir nicht erklären, es ist ... nun, du kannst doch gut Mathematik, und beschäftigst dich noch jetzt damit, soviel ich weiß ... fang an mit ihr die Integralrechnung durchzunehmen, bei Gott, ich scherze nicht, ich spreche im Ernst, ihr wird es vollkommen gleich sein, – sie wird dich ansehen und seufzen, und so wird es ein Jahr dauern. Ich habe ihr unter anderem sehr lange, zwei Tage nacheinander, von dem Herrenhaus in Preußen erzählt, – denn was soll man mit ihr reden? – sie seufzte bloß und schwitzte! Nur über Liebe sprich nicht, – sie wird furchtbar verlegen, – aber zeige doch, daß du nicht weggehen kannst, – das genügt. Es ist sehr komfortabel dort; man ist ganz wie zu Hause, – kann lesen, sitzen, liegen oder schreiben ... Man kann sogar einen Kuß geben, mit Vorsicht jedoch ...“
„Was soll ich aber mit ihr?“
„Ach, ich kann dir es nicht erklären. Siehst du, – ihr paßt ausgezeichnet zueinander! Ich habe schon früher an dich gedacht ... Du wirst schon damit enden! Ist es denn dir nicht einerlei, – ob früher oder später? Hier ist, Bruder, so etwas wie ein Pfühl, – ach! und auch nicht das allein! Hier lockt es einen und zieht, hier ist das Ende der Welt, hier wirft man den Anker, hat einen stillen Zufluchtsort, sozusagen das Zentrum der Erde, die Essenz von Pfannkuchen, Abendsamowars, stillen Seufzern und warmen gestrickten Jacken und geheizten Ofenbänken – nun, es ist, als ob du gestorben wärest und gleichzeitig am Leben bist, von beidem die Vorteile auf einen Schlag! Nun, Bruder, zum Teufel, ich habe zu viel geschwätzt, es ist Zeit, schlafen zu gehen! Höre, – ich wache in der Nacht zuweilen auf, und da will ich nach ihm sehen. Es ist aber nichts, Unsinn, alles ist gut. Beunruhige dich nicht besonders, wenn du aber willst, sieh auch mal nach. Wenn du aber etwas merken solltest, Fieber zum Beispiel oder Phantasieren oder etwas anderes, weck mich sofort auf. Übrigens, es wird nichts passieren ...“