EINLEITUNG
Trotz langjähriger Erfahrung ist es ein überaus lückenhafter Versuch, den ich mit dieser Veröffentlichung dem Urteil der Fachmänner preisgebe. Mögen sie, um gerecht zu sein, nicht außer acht lassen, daß es die Arbeit des Botanikers ist, nicht die eines Sprachforschers. Und doch, nur der Botaniker war imstande sie mit einiger Aussicht auf allgemeine Nutzbarkeit zu leisten.
Diese in drei verschiedenen Gebieten der arabischen Welt zu Stande gebrachte Sammlung einheimischer Pflanzennamen soll nicht allein dem Dialektforscher zu Gute kommen, indem sie ihm sonst schwer zugängliche Teile des arabischen Sprachschatzes erschließt, sie bezweckt zugleich eine leichte Verständlichmachung aller die Pflanzenwelt betreffenden Ausdrücke, wie sie dem Reisenden in Aegypten, in Algerien und in Jemen auf Ackerland wie in der freien Natur beim Ausfragen der Eingeborenen entgegentreten, sich ihm aber auch im täglichen Verkehr auf Märkten, in Verkaufsläden, in Gärten beständig aufzudrängen pflegen. Der Naturforscher, wie der Kaufmann und Industrielle, der Landwirt vornehmlich und der Volkswirtschaftler werden das gleiche Interesse haben, zu erfahren, mit welchem botanischen Namen eine ihnen mit arabischer Bezeichnung vorgeführte Pflanze oder ein Pflanzenprodukt bei uns genannt werden muß.
Vermittelstder in den Listen dargebotenen botanischen Nomenklatur wird man im Stande sein, sich in geeigneten Nachschlagebüchern nähere Auskunft über diejenigen Pflanzen zu verschaffen, die ein besonderes Interesse in Anspruch nehmen. Andererseits wird der Nichtbotaniker, wenn er die Listen zur Hand nehmend bei den Eingeborenen Nachfrage hält, selbst in dem Falle, daß der betreffende Name ungenau umschrieben ist, meistens doch mit ziemlicher Sicherheit zur Bestimmung, wenn auch nicht immer der Art, so doch mindestens der Pflanzengattung geführt werden können.
Um von diesen Listen den richtigen Gebrauch zu machen, wird es sich empfehlen, beim Nachschlagen zum Auffinden eines arabischen Namens sich nicht mit dem einen mit seinem lateinischen Äquivalent angegebenen zu begnügen. Es müssen zugleich auch mit Hilfe des Alphabets der Lateinnamen die bei den botanischen Pflanzennamen aufgeführten arabischen Varianten und Synonyme mit in Vergleich gezogen werden.
Wenn Wiederholungen desselben arabischen Namens bei verschiedenen Pflanzenarten stattfinden, und umgekehrt, wenn dieselben botanischen Bezeichnungen für verschiedene arabische Pflanzennamen angegeben sind, bezeichnet ein ! denjenigen Namen, dem der beigefügte Begriff und umgekehrt denjenigen botanischen Begriff, dem ein arabischer Name vorzugsweise, bezw. von Rechts wegen alleinig gebührt. Es sollte durch das ! angedeutet werden, daß die übrigen Namen zwar gebräuchlich, aber sicherlich nur irrtümlich in Gebrauch sind. Indes konnte das ! nur eine beschränkte und eigentlich nur in den Listen der Abteilung I gesicherte Verwendung finden, da in den übrigen Florengebieten für ein Urteil von entsprechender Bestimmtheit wie in Aegypten nicht die nötige Erfahrung zu Gebote stand.
Die arabischen Pflanzennamen sind fast stets als Kollektivbegriff wiedergegeben worden. Bei einigen ist die gehörte Form des Einheitsbegriffs beibehalten, da beide in gewissen Fällen nicht mit Sicherheit zu unterscheiden waren, die Bevorzugung des Einheitsbegriffs vielleicht auch, wie die Beibehaltung des in diesen Namenlisten sonst (d.h. bei den aus einfachen Worten bestehenden) weggelassenen Artikels für gewisse Namen charakteristisch, ja erforderlich sein möchte. Einen Grund für diese Erscheinung anzugeben, entzieht sich meiner Kompetenz. Sollte etwa durch den Artikel die Wohlbekanntheit und das überall Vorhandensein (Ubiquität), oder gar die besondere Bedeutung und Wichtigkeit einer Pflanze hervorgehoben werden?
Um eine richtige Wiedergabe der Namen zu ermöglichen, ist das l des Artikels el überall, wo es sich beim Aussprechen den Anlaut des zugehörigen Worts assimiliert, durch eine Wiederholung des betreffenden Konsonanten, d.h. des für ihn in meinem Alphabet der Umschreibung vorhandenen Äquivalents ersetzt.
Ferner mußten, um Irrungen zu vermeiden, ähnlich lautende, oft nur durch die Vokale voneinander abweichende Namen für verschiedenartige, oft auch nahe verwandte Pflanzen getrennt aufgeführt werden. Selbstverständlich werden solche Varianten späterhin zu vereinigen sein, wenn erst die richtige Schreibweise sicher festgestellt ist.
Beim Erfragen der einheimischen Pflanzennamen muß der Pflanzenkundige mit großer Umsicht verfahren und besonders in der Wahl der Auszufragenden hat er behutsam vorzugehen. In südlichen Ländern, wo die Städter seltener auf's Land kommen als bei uns, ist die Unkenntnis der Pflanzennamen bei diesen ganz allgemein und das wenige, was sie davon wissen, beschränkt sich fast ausschließlich auf die Gewächse des Gartenbaus und die auf den Märkten zum Verkauf gebrachten Erzeugnisse des Pflanzenreichs. Auch in dem so vorwiegend landwirtschaftlichen Aegypten ist es nicht viel anders. Aus dieser in allen Ländern des Orients vorhandenen Sachlage erklärt sich die Armut an identifizierten und identifizierbaren Pflanzennamen, die in den arabischen Wörtersammlungen der Schriftsprache enthalten sind. Die Identifizierung der meisten (d.h. vermittelst Beifügung der botanischen Artbezeichnung) wird durch die unbeholfene Definition und Ausdrucksweise der Lexikographen vereitelt.
Um richtige Pflanzennamen zu erhalten, hat man sich in allen Ländern zunächst an die Landleute, an Feldbauern und Hirten, an die Viehhüter, dann an Kräutersammler von Beruf, an die Brennmaterialien sammelnden Weiber, gelegentlich auch an Gärtner zu wenden. In den Wüstengebieten des Orients dürften diejenigen Bewohner, die eine nomadisierende Lebensweise führen, die sog. Beduinen, durchschnittlich als gute Kenner ihrer einheimischen wilden Flora gelten, da sie alle irgendwie durch ihre Eigenart hervorstechenden Gewächse wohl zu unterscheiden, auch durch bestimmte Bezeichnungen namhaft zu machen wissen und, vor allem, weil sehr viele Pflanzen für ihr Wirtschaftsleben von großer Bedeutung sind, als Futter für die Kamele und das Kleinvieh, als Arznei, als verwertbar für die eigene Speise, gelegentlich auch als Handelsware.
Bei allen Pflanzennamen wird es immer Pflicht des Lexikographen sein, den dialektischen Eigenheiten der unteren Volksschicht Rechnung zu tragen; denn nur diese ist im Vollbesitz der botanischen Nomenklatur ihrer Sprache, und sie ist es in ganz überwiegendem Maße bei den eines geregelten Volksunterrichts entbehrenden Bewohnern des mohammedanischen Orients. Selbstverständlich ist bei solchem Zurückgreifen in den Sprachschatz der Analphabeten das Innehalten gewisser Grenzen geboten. Bei Namen von ganz allgemeiner Verwendung, zum Teil auch bei solchen, die aus bekannten Wörtern zusammengesetzt sind, oder abgeleitete Formen dieser Wörter darstellen, wird die Orthographie nach den ihnen in der Schriftsprache zukommenden Buchstaben zu regeln sein. Es ist mein Bestreben gewesen diesem Grundsatz nach Kräften gerecht zu werden. Es war mir aber nur in denjenigen Fällen möglich, wo die Etymologie eines Pflanzennamens sicher und ohne irgend welchen Zweifel zuzulassen, festgestellt werden konnte.
Andererseits verfällt man beim Erratenwollen des etymologischen Wortskeletts nur zu leicht in den Fehler einer Zwangsdeutung solcher morphologischer Merkmale, die zur Charakterisierung einer Pflanze angerufen werden. Der Botaniker wird darüber zu entscheiden haben, ob gewisse Vergleiche zwischen den von einer Pflanzenart dargebotenen Gestaltungen und den Formen bekannter Dinge auch in der Natur der Pflanze begründet sind oder nicht. Dasselbe gilt von den übrigen Eigenschaften der Pflanzen und ihrer Beziehungen zum Menschen, wo Vergleiche stets eine große Vertrautheit mit der Flora des betreffenden Landes und der Lebensweise seiner Bewohner voraussetzen.
In jeder Sprache wird man bei Niederschrift der gehörten Pflanzennamen, die nur im Besitze des der Schrift unkundigen Teils der Bevölkerung sind, auf ähnliche Schwierigkeiten stoßen und vielleicht wären nur wenige Gewächse der freien Natur ausfindig zu machen, zu deren Bezeichnung alsdann die Schreibweise einwandsfrei feststände. Wenn ich den Versuch gemacht habe, für einige Gebiete arabisch sprechender Völker eine erhebliche Zahl von Beispielen dieser problematischer botanischer Nomenklatur zusammenzustellen, so muß ich es dem Kenner überlassen, künftighin das Endgültige an Ort und Stelle festzustellen. Es wird Aufgabe eines arabisch geschulten Philologen sein, wenn er dazu genügende Dialektstudien gemacht hat, für diese Namen die Einheitlichkeit der Schreibweise in vollkommenerer Weise herzustellen.
Abgesehen von dem unzureichend geübten Sprachgehör des Fremdländers, oft selbst des geschulten Arabisten, wird eine zutreffende Buchstaben wahl gelegentlich auch durch die individuellen Eigenheiten des Gewährsmannes[1] beeinträchtigt.
Bei Ermittelung derjenigen Pflanzennamen, für die ich aus eigener Erfahrung Gewähr leisten kann, habe ich daher auch stets vermieden, mich mit den Aussagen einzelner Eingeborenen zu begnügen. Zur Gewißheit der Zuverlässigkeit eines Namens bin ich erst in dem Falle gelangt, wo zwei, oder drei, oder mehrere Personen in der nämlichen Gegend unabhängig voneinander mir den gleichen Namen für ein und dieselbe Pflanze wiederholten. Auch wenn der bereits früher anderswo gehörte Name in einem entfernten Lande einer ähnlichen oder einer gleichgeschlechtlichen Pflanzenart zuerteilt wurde, war Sicherheit geboten für die Zuverlässigkeit des Gewährsmannes. Vor allem sind einer derartigen Prüfung vermittelst wiederholter Aussagen diejenigen Bezeichnungen zu unterwerfen, deren Etymologie durch die Trivialität der Bedeutung den Verdacht einer „ad hoc“ zur Befriedigung des Fragestellers frei erfundenen Namengebung erregt, oder, im entgegengesetzten Falle, wenn die Etymologie durch phantastische Extravaganz zu dem gleichen Mißtrauen Veranlassung geben konnte.
Wenn man die etymologische Bedeutung eines Namens hat, ist im Arabischen sicher die richtige Schreibweise gegeben; das trifft aber nur zu unter der Voraussetzung, daß die Etymologie eine richtige ist. Zu Mißdeutung gelangt am ehesten der Sprachgelehrte, der nicht Naturforscher ist, wenn er daheim beim Ergrübeln des Sinnes durch Nachblättern im Wörterbuch die den fraglichen Namen zusammensetzenden Wurzeln aufgefunden zu haben vermeint. Aus diesem Grunde sind auch die nur mit lexikographischen Waffen gerüsteten Deuter unter sich so selten der gleichen Meinung. Dazu kommt noch, daß alle Araber, der gemeine Mann mit inbegriffen, eine große Vorliebe für Wortspiele und namentlich auch für etymologische Namendeutungen haben. Durch Befragen der eingeborenen Gewährsmänner an Ort und Stelle, und angesichts des Objekts, wird man also nur in dem Falle zu einem zuverlässigen Urteil gelangen, wenn die Übereinstimmung der gemachten Angaben mit den morphologischen Merkmalen und anderen Eigenschaften oder Beziehungen der Pflanze in unzweifelhafter Weise festgestellt werden kann. Die Volksetymologie hat auch hier ihre Gefahren wie bei uns, z.B. in den Fällen „Sündflut“, „Altona“ u. desgl.
Auch darf man nicht, um sich für die etymologische Bedeutung des betreffenden Namens eine seinsollende Erklärung zu verschaffen, hypothetisch, eigentlich willkürlich beliebige Konsonanten an die Stelle anderer setzen, auch wenn man sich dazu aus sprachlichen Gründen berechtigt glaubt. Daß man bei derartigen Verbesserungen in der Mehrzahl der Fälle einem Irrtum verfällt, steht erfahrungsmäßig auf Grund vieler Beispiele fest.
Bei Namen, deren Etymologie einwandfrei feststeht, schon aus Gründen der allgemeinen Logik keinem Zweifel unterliegen kann, ist also, wie erwähnt, die Buchstabenwahl von selbst gegeben. In häufigen Fällen aber bleibt die etymologische Erklärung eines Namens nur eine scheinbare, vornehmlich sich aus dem Gleichklang der Laute ergebende. Da wird sie für die Rechtschreibung, wenn Mißdeutung der Merkmale oder gänzliche Unkenntnis der Pflanze hinzutreten, zur trügerischen Falle. Bei von fremdsprachigen Namen abgeleiteten oder nur durch Alliteration ihnen nachgeformten Bezeichnungen versagt jede Deutung, falls man den Schlüssel zu des Rätsels Deutung nicht besitzt. So würde beispielsweise in Cairo ein des Türkischen Unkundiger im Namen „muschmolla“ (fehlt S. 35 und 70, weil übersehen), dessen sich der arabische Gärtner häufig für die japanische Mispel bedient, gewiß nicht das „beschmēlek“ von Konstantinopel erraten, ebensowenig im „kelletūss“ der Algerier den Eucalyptus der Gärtner und der Botanik.
Aegypten, als das Land, das von jeher und von allen Seiten die verschiedenartigsten Kulturbeeinflussungen erfuhr, zeigt in seinem arabischen Wortschatz der Pflanzennamen in der Tat zahlreiche fremde Elemente, deren Schreibung nicht immer leicht ausfindig zu machen ist. Manche Namen haben sich in arabisierter Gestalt aus dem Altaegyptischen erhalten, namentlich aber sind es die Zier- und Nutzpflanzen der Gärten oder die Marktware liefernden Gewächse, von denen mehrere außer dem Türkischen auch dem Persischen und sogar dem Italienischen und Griechischen entlehnte Bezeichnungen erhielten.
In den südlichen Teilen des eigentlichen Aegypten treten Pflanzenarten auf, die ihr eigentliches Verbreitungsgebiet im anstoßenden Nubien oder im gesamten aegyptischen Sudan haben. Diesen sind häufig keine arabischen Namen eigen, sondern werden mit den bei den hamitischen Nachbarvölkern (Nuba, Bischarin und besonders bei den fast völlig arabisierten Ababde) gebräuchlichen Namen bezeichnet, die als dem arabischen Sprachschatz jener Gegend einverleibte angesehen werden müssen, namentlich wenn sie zugleich auch den echt arabischen Beduinen geläufig wurden.
Was nun die algerischen Pflanzennamen betrifft, so ist bei ihnen, namentlich innerhalb des Tel, des nördlichen Berglandes und der Küstenzone der Prozentsatz der fremdsprachlichen Beimengungen ein erheblicher, veranlaßt vornehmlich durch den in dieser Region überall gebotenen Kontakt mit den Berber-Dialekte sprechenden Kabylen. Indes laufen die beiden Sprachen zurzeit noch ziemlich unvermischt nebeneinander her und nur bei wenigen Namen ist der hamitische Ursprung nicht sofort nachweisbar. Im nördlichsten Saharagebiet, z.B. bei Biskra, haben sich ausschließlich echte arabische Pflanzennamen erhalten, die zugleich von der rasselichen Reinheit der arabischen Stämme Zeugnis ablegen. Die wenigen Ausnahmen beschränken sich dort auf einige Kulturpflanzen mit kabylischen Namen.
Wie in Aegypten griechische, so sind auch in Klein-Afrika heute noch einzelne Pflanzennamen aus vorarabischer Zeit erhalten geblieben, als das Latein noch allgemeine Umgangssprache war. Einige von diesen nehmen sich aus wie Übersetzungen ins Arabische, z.B. ssēf-el-ghorāb („Rabenschwert“) für Gladiolus, kalch („Prügelstock“ oder „Rute“) für Ferula, meschtta-el-ghūl[2]) („Kamm der Hexe“) für Scandix pecten veneris L.
Andere Namen verraten deutlicher ihren römischen Ursprung, d.h. sie sind meist dem Griechischen entlehnt, weil griechische Pflanzennamen während der Kaiserzeit ganz allgemein in Verwendung kamen, fast wie heute bei uns die botanisch-lateinischen. Als Beispiele solcher Reliktnamen seien nur erwähnt: defla (daphne) für Nerium, das, weil auch Rhododaphne genannt, manchmal mit Laurus, der eigentlichen „daphne“ verwechselt wurde; merisua für Melissa; frasijūn für Marrubium, welchem ursprünglich lateinischen Namen die Römer später das griechische Prasium (nicht zu verw. mit dem botanischen P.) substituierten. Auch in Aegypten nennt man Marrubium „frasijūn“ und beträchtlich erscheint die Zahl der dem Griechischen entlehnten Pflanzennamen, die dem gesamten mediterranen Nordafrika heutigen Tags gemeinschaftlich sind, wie z.B. ba'etherān (von Abrotonon), fleije, fileie (von Polium), kemūn (von Cuminum) usw.
Eine vortreffliche Methode zur Eruierung des ursprünglichen Wurzelskeletts der Vulgärnamen von Pflanzen, die nur dem Analphabeten geläufig sind, hat Professor J. J. Hess[3] befolgt, indem er aus dem innersten Zentralkern von Arabien, aus einem mit dem bezeichnenden Namen „Ssurret-en-Nedschd“ (Nabel des Nedschd) versehenen Orte des Stammes der 'Otēbi, sich einen intelligenten Beduinen namens Muhīq kommen ließ, den er in Cairo während der letzten Jahre fortgesetzt ausgefragt hat. Im Gegensatz zu dem gemeinen Mann im aegyptischen Niltal, der nicht weniger als sechs arabische Konsonanten in der Aussprache entweder gar nicht oder nur sehr undeutlich unterscheidet, bedienen sich die echtarabischen Wüstenbewohner des Landes einer weit genauer artikulierten Mundart. Aber vor allem sind es die im Herzen ihres Stammlandes hausenden Uraraber, die auch als Analphabeten sich im Vollbesitz des ausgesprochenen Alphabets befinden und man braucht nur den individuellen Eigenheiten ihrer Sprechweise Rechnung zu tragen, um jeden Konsonanten deutlich vernehmen und von den übrigen unterscheiden zu können. Da nun ein großer Teil der die Wüstenflora von Aegypten zusammensetzenden Pflanzenarten auch in den Wüsten von Zentralarabien zu Hause ist, vermochte Muhiq unter den Exemplaren, die ihm in Cairo aus verschiedenen Herbarien vorgelegt wurden, viele Arten wiederzuerkennen und zu benennen. Auf diese Weise konnten von etwa zweihundert Arten die in Zentralarabien gebräuchlichen Namen festgestellt und für viele gleichlautende, die bei den auf aegyptischem Gebiet befindlichen Araberstämmen erkundet worden waren, die richtigen Buchstaben eingetragen werden. Die Namenlisten meiner Abteilung I haben diesen sorgfältigen Nachforschungen von Prof. Hess eine große Anzahl von Korrekturen zu verdanken.
Die Umschreibung der arabischen Schriftzeichen mit Hilfe derjenigen unserer europäischen Lateinschrift hat bei Veröffentlichungen, die allgemein verständlich sein sollen, von jeher nicht leicht zu überwindende Schwierigkeiten bereitet. Da, wie gesagt, meine Namenlisten nicht allein dem Sprachforscher von Nutzen sein, andererseits auch dem Nichtbotaniker dazu dienen sollen, sich auf leichte Weise in der Pflanzenwelt der betreffenden Länder zu orientieren, bin ich von der in sprachwissenschaftlichen Werken gebräuchlichen Umschreibung abgewichen und glaube so das Trugbild einer wahrscheinlich gemachten Korrektheit vermieden zu haben. Die vermittelst diakritischer Zeichen zu Äquivalenten der arabischen gestempelten Buchstaben des Lateinalphabets werden nur von sprachwissenschaftlich geschulten Leuten verstanden. Beim eiligen Nachschlagen entgeht vielen die gewöhnlich auf der ersten Seite zu gebende Transkriptionsliste, ohne deren Benutzung unfehlbar eine durchaus falsche Auffassung der Laute erfolgt. Auch sollte ermöglicht werden, Pflanzennamen meinen Listen mit unveränderter Schreibung zu entlehnen, um sie in derselben Gestalt einem deutschgedruckten Text einfügen zu können, was bei den mit diakritischen Buchstaben versehenen meist unausführbar ist und zu häufigen Irrungen Veranlassung gibt.[4] Aber selbst unter den ohne solche Zeichen unverändert gebliebenen Lateinbuchstaben sind in der Transskription der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft einige übrig gelassen, die nur zu leicht Mißdeutungen erfahren; denn kein Deutscher, der nicht als Philologe auf seiner Hut ist, wird dazu zu bewegen sein, in einem deutschgedruckten Text das gelesene z wie s, oder das einfache s wie ss auszusprechen.[5] Um also meine Namenlisten auch für diejenigen bequem und leicht, auch mit möglichster Vermeidung allzu schlimmer Fehler benutzbar zu machen, die nicht mit der üblichen Transkription der Sprachforscher vertraut sind, habe ich eine eigene Schreibweise in Anwendung gebracht, die sich allein der Buchstaben des deutschen Alphabets bedient und, soweit es geht, in erster Linie auf ihre im richtigen Deutsch (Bühnendeutsch) gültige Aussprache Rücksicht nimmt. Es handelte sich dabei um ein dem deutschen Sprachgebrauch möglichst annäherndes Alphabet, das eine einigermaßen verständliche Aussprache der Worte zuläßt. Da wir in unserer Sprache von Hause aus einige Laute durch gehäufte Konsonanten zu bezeichnen gewohnt sind (zwei durch zwei, bei ch und ss, und einen durch drei, bei sch), ebenso einige griechische Buchstaben durch Doppelbuchstaben ganz allgemein wiederzugeben pflegen, genügte dieser Notbehelf, um die diakritischen Punkte bei sieben arabischen Konsonanten entbehrlich zu machen. Bei den übrigen bestanden keine Schwierigkeiten, weil unsere sprachlichen Äquivalente genügten. Allein der arabische Kehllaut 'Ain ع mußte durch ein eigenes Zeichen ', den sog. Spiritus asper ersetzt werden.
Am meisten Schwierigkeit verursachten bei der hier zum ersten Male versuchten Art der Umschreibung die vier emphatisch ausgesprochenen Gaumenlaute, mit Benutzung des Gaumens gesprochene Abarten unserer Laute ss, d, t und s, die ich mit tss, dd, tt und ds wiedergegeben habe. Von diesen Umschreibungen ist jedenfalls die erste die am wenigsten gelungene, da in dem arabischen Laut ص keinerlei t steckt; ich fand aber keinen geeigneten Buchstaben, um mit seiner Einschaltung überhaupt die gewünschte Lautnachahmung auch nur annähernd zu ermöglichen.
Das uns aus dem Englischen so geläufige scharfe th ث wird als allgemein verständlich zu erachten sein, ebenso seine weichausgesprochene Modifikation, die ich mit dh ذ bezeichnet habe.
Das gutturale g oder r, als gh غ geschrieben, ist bekannt, sobald man es mit unserem uvularen r in Vergleich bringt, das, als ebenso fehlerhaft im Französischen wie im Deutschen geltend, dem sog. grasseyement dieser Sprache entspricht.
Der im Englischen durch das w bezeichnete Laut kann im Deutschen einfach durch unser u و ersetzt werden.
Das in der Mehrzahl der Länder arabischer Zunge wie unser hartes g ausgesprochene gim ج ist, wo sich die Gewährsmänner der entsprechenden Lautbildung bedienten, auch mit dsch wiedergegeben worden.
Auf das durch q ersetzte arabische qāf ق, das in Aegypten (wie auch z.T. in Syrien) nur durch eine Art Anlaut und Hiatus zur Aussprache gelangt, ist als zwischen den deutschen Lauten g und k stehend kein besonderer Wert zu legen, wenn man sich doch nur notdürftig verständlich machen will.
Der arabische Silben- oder Stimmansatz (Anlaut) „Hamsa“ ist bei den Umschreibungen unberücksichtigt gelassen.
Es ist an und für sich eine mißliche Sache, arabische Worte nach der alphabetischen Folge unserer Vokale einordnen zu wollen. Die Vokale schwanken oft bei demselben Worte sowohl regionär, als auch individuell, je nach der Sprach weise des Gewährsmannes. Im allgemeinen kann man sagen, daß den Arabern überhaupt jedes Gefühl für den Unterschied zwischen den Vokalen o und u, sowie zwischen e und i abgeht. Ich konnte die Vokale nur in der Form eintragen, wie ich sie vernommen und vermied ein willkürliches Schema.
Hinsichtlich der Betonung der Silben ist es nicht möglich gewesen in den sechs Abteilungen dieser Veröffentlichung ein einheitliches Verfahren zu befolgen. In der Abteilung II hat Dr. E. Harder, der die Freundlichkeit hatte, mir bei der, was die von Forskål in arabischer Schrift eingetragenen Namen betrifft, sicher richtigen und bei den von diesem Forscher nur mit Lateinbuchstaben wiedergegebenen Namen wahrscheinlich richtigen Umschreibung seine Unterstützung zu leihen, die langen Vokale durch Horizontalstriche bezeichnet, ohne die nach Maßgabe der Forskålschen Umschreibung nicht immer deutlich gemachte Betonung zu berücksichtigen. In den übrigen Abteilungen habe ich durchweg die kurze Betonung durch den Akzent ´, den langen, ausruhenden Ton aber durch einen Horizontalstrich — über dem Vokal bezeichnet, Sprechstärke und Stimmhöhe ununterschiedlich zum Ausdruck bringend. So wird der sprachlich Ungeschulte, dem die Regeln der Betonung von arabischen Worten nicht geläufig sind, hinreichend in den Stand gesetzt sein die Namen richtig auszusprechen. Falsch betonte Namen würden dem Eingeborenen dagegen fast durchweg unverständlich bleiben.
Für den Sprachforscher von Fach kann meine Methode, der Lautumschreibung, man mag von ihr halten was man will, keine Gefahr des Mißverständnisses in sich schließen, denn in jedem Falle wird ersichtlich sein, welche arabischen Buchstaben ich bei den angeführten Namen in Gebrauch wissen wollte. Das gleiche gilt für die nichtdeutschen Benutzer dieser Namenlisten, die sich an das umschriebene Alphabet auf der ersten Seite halten und die Aussprache der Konsonanten nach Maßgabe eines richtigen Deutsch regeln mögen.
Noch wären einige Erläuterungen zu den sechs Abteilungen dieser Veröffentlichung zu geben, um die bei der Herstellung der einzelnen Namenlisten innegehaltenen Gesichtspunkte klarzulegen: