Prozesse.
Vom Jahre 1785 ab begann endlich das Werk zu Soho Überschüsse zu zeitigen. Watt wurde in kurzer Zeit ein vermögender Mann. Er beeilte sich, sein sauer verdientes Vermögen in Grundbesitz anzulegen, so daß er Boulton nicht einmal beispringen konnte, als dieser nach einigen Jahren noch einmal mit großen Geldschwierigkeiten zu kämpfen hatte.
Eine stete Sorge war von den ersten Jahren des Sohoer Betriebes an die Furcht vor unlauterem Wettbewerb gewesen. Man hatte unter verschiedenen Patentverletzungen zu leiden. Die widerrechtlich von Konkurrenten hergestellten Maschinen taugten nichts, und dann hieß es, die Wattsche Maschine enttäusche. Das schädigte natürlich den Ruf der Firma sehr. Mit großer Besorgnis blickte Watt auch auf die Bemühungen fähiger Ingenieure, sein Patent zu umgehen, d. h. ebenfalls eine Wattsche Dampfmaschine zu bauen, aber ohne in juristisch nachweisbarer Form Watts Patent zu verletzen, wenn immer schon die Idee die gleiche war. Jonathan Hornblower war der Ingenieur, von dem man am ehesten Wettbewerb zu besorgen hatte. Schon 1776 baute er eine Maschine mit Expansion. Er benützte zwei verschieden große Zylinder, ließ den Dampf aus dem kleineren in den größeren Zylinder weichen und auch darin auf den Kolben wirken. Diese Maschine wurde 1781 patentiert. Watt sah darin eine Verletzung seines Patentes. Die Hornblowers hatten im Dienste der Firma Boulton und Watt seine Maschine genau kennen gelernt. Im letzten Jahrzehnt des Schutzes für die Wattsche Maschine kam es daher noch zu schwierigen Patentprozessen, die sich jahrelang hinzogen. Die Rechtsanwälte schienen, wie Watt bemerkte, sich verabredet zu haben, den Prozeß zu einer milchenden Kuh zu machen. Und von den Richtern war nicht zu verlangen, daß sie in heißer Inbrunst, dem Verletzten Recht zu schaffen, ihre Pflicht taten. Eine einzige Anwaltsrechnung für Bemühungen in Patentprozessen in den vier letzten Schutzjahren 1796–1800 belief sich auf mehr als 100000 Mark. Nun überlege man aber, was diese Prozesse Männer wie Watt und Boulton noch an Zeit, Aufregungen und Verdrießlichkeiten gekostet haben! Wir begegnen ja im Leben auch andrer höchst verdienter Erfinder solchen Patentprozessen, die Hunderttausende von Mark verschlangen. Die verklagten Patentverletzer erhoben gegen das Wattsche Patent vom Jahre 1769 die lächerlichsten Einwendungen: die Patentschrift sei nicht klar genug, um auf ihrer Grundlage eine Maschine zu bauen. Deshalb verdienten die Patentinhaber keinen Schutz. Ein zweiter Einwand war der, daß Watt seine Einspritzmethode nicht näher gekennzeichnet habe. In dieser Beziehung wollte aber Watt gar nichts Neues erfunden haben. Drittens machte man geltend, Watt habe nicht die Größenverhältnisse angegeben, in denen sich Zylinder, Kondensator und Luftpumpe zueinander befinden. Ferner sollte sich von den verschiedenen Dichtungsmitteln, die Watt erwähnt habe, nur eins, Tierfett, bewährt haben. Und fünftens bemängelten die Verletzer das Fehlen einer Zeichnung oder eines Modells bei der Patentschrift. Aber Watt hatte sich weislich auf Blacks und Smalls Rat gehütet, in seiner Spezifikation eine einzelne Maschine mit bestimmten Abmessungen zu beschreiben. Denn dann wären sofort die Nachahmer gekommen, hätten die gleiche Maschine in andern Größenverhältnissen und mit unwesentlichen Abweichungen gebaut und hätten sich, falls sie verklagt wurden, darauf berufen, die geschützte Maschine sei ja ganz verschieden von der ihren. Deshalb hatte Watt sich eine »Methode« patentieren lassen, den Dampfverbrauch und Brennstoffverbrauch durch gewisse Grundsätze zu verringern, von denen der Kondensator der wichtigste und die ausschlaggebende neue Erfindung war. Watt gibt selbst zu, alles andre an der Dampfmaschine nenne er nicht sein.
Von großem Gewicht im Prozesse gegen Hornblower war das Zeugnis des damals berühmten Professors Robison, der mitten im Winter von Edinburg herbeieilte, trotz körperlicher Leiden vor Gericht eine begeisterte Rede auf Watt zu halten. Obwohl Watt im Prozesse siegte, äußert er doch die Bemerkung, es habe ihm die juristische Zulänglichkeit der Richter nicht gerade imponiert. Mit der Ungunst der Richter war insofern zu rechnen, als Watt und Boulton ein Monopol genossen, und schon von den ersten Dampfmaschinen an die Grubenbesitzer in Cornwall undankbar genug die Inhaber der Sohoer Firma »Monopolisten, Tyrannen, Unterdrücker« nannten. Die Richter hatten vielleicht Verwandte, denen das Patent unbequem war, wer weiß? Schon oft hatten die Richter, die ja in weltgeschichtlich berühmten Prozessen selten die Gelegenheit verpaßten, sich der schlechteren Sache zuzuneigen, in Patentprozessen andrer Erfinder, zum Beispiel Arkwrights, dem Unrecht zum Rechte verholfen. Wenn sich brieflich auch einmal bei Watt die Äußerung findet, daß er mehr auf die Richter als auf die Gesetze vertraue, so ist doch wieder eine andere Äußerung des Erfinders bezeichnend, daß er Prozesse verabscheue und eine Sache für halb verloren erachte, die vor Gericht müsse. Den Eindruck, den Watt von den Spitzfindigkeiten sowohl der Advokaten wie der Richter empfing, kennzeichnen des Erfinders Worte: »Seit ich mich soviel unter den zweifelsüchtigen Gliedern der Juristenzunft bewege, ist es mir wahrhaft unmöglich, eine feste Ansicht über irgend etwas zu gewinnen.« Und wenn Watt später eine übertriebene Rechnung zu bezahlen hatte, pflegte er zu bemerken, »diese Rechnung könnte beinahe einem Londoner Rechtsanwalt Ehre machen«.
Von den im Prozeß gegen Hornblower verhörten gegnerischen Zeugen rührte sich später noch in einem Schmähschriftstücke der als geschickter Mechaniker und Erfinder bekannte Joseph Bramah. Man weiß im Publikum sehr wenig von den Leuten, die als Zeitgenossen eines Genies sich selber für weiser und besser hielten und sich in den unglaublichsten Schmähungen der Männer ergingen, an die sie nicht heranreichten. Welche elende, unreife Bürschchen haben sich sogar dem großen Galilei gegenüber als Meister aufspielen wollen! Welche dreisten Subjekte verhöhnten einen Robert Mayer! Und ein Bramah warf einem Watt Unklarheit, unverdaute, unzusammenhängende, unmögliche Ideen vor, nannte den Kondensator eine verzwickte und fragwürdige Sache: Watt hätte in Wahrheit nichts erfunden, als was dem Publikum mehr Schaden denn Nutzen zu bereiten geeignet wäre! Und in einer 1827 erschienenen Geschichte der Dampfmaschine von Tredgold wird behauptet, die Idee des Kondensators hätte auch einem andern früher oder später kommen müssen, und die Erzgruben wären dann schon lange vor dem Erlöschen des Wattschen Patentes besser entwässert worden.
Andre Erfindungen und Entdeckungen Watts.
Warum hat Watt nicht bereits selber seine Dampfmaschine dazu verwendet, Schiffe und Wagen zu bewegen? Aus dem sehr einfachen Grunde, weil er Geld verdienen mußte, um für seine Familie zu sorgen, und seine ganze Arbeitskraft brauchte, um die Maschinen fertigzustellen, die für die Bergwerke, die Walzwerke, Brauereien, Hochöfen und sonstige Betriebe benötigt wurden. Zwanzig Jahre lang hatte es gedauert, bis er auf einen grünen Zweig zu kommen begann. Zehn Jahre, das heißt: solange die Sohoer Fabrik noch keine Überschüsse erzielte, war Watt dem Namen nach Geschäftsteilhaber von Boulton, im Grunde aber, da er jährlich von der Firma 6600 Mark Gehalt erhielt, deren freilich unentbehrlicher Ingenieur. Indessen haben die Lebensschicksale andrer Erfinder, zum Beispiel Porters, gezeigt, daß kaufmännische Leiter intelligent genug sein können, den besten und unentbehrlichsten Mann aus dem Geschäfte zu drängen. Wäre Boulton nicht mehr als ein reiner Geschäftsmensch gewesen, Watt hätte schwerlich bei ihm ausgehalten. Vorläufig war er ja nur Angestellter und dachte gar nicht daran, immer auf neue Erfindungen auszuschauen, die sich vielleicht erst nach Jahrzehnten verwerten ließen. Lief er ja doch bei jeder Erfindung Gefahr, bestohlen und um die Früchte seines Geistes gebracht zu werden. Als Murdock, nach den Besitzern der beste Mann der Firma, 1784 eine Lokomotive baute, war Watt dagegen, nicht nur, weil er einen Eingriff in seine Patentrechte befürchtete, sondern weil er einen so fähigen und unersetzlichen Mann wie Murdock nicht auf Gebieten sehen wollte, wo er von den dringenden Aufgaben des Tages abgezogen würde. Wenn nun aber Watt auch sich nicht weiter mit der Verwertung der Dampfmaschine für Schiffahrt und Fuhrwerke befaßte, so hat er doch immer noch eine ganze Reihe andrer Erfindungen und Entdeckungen gemacht. Die allerbekannteste und heute in kaufmännischen Betrieben überall verbreitete ist die Kopiermaschine ([Abbild. 23]). Watt hatte, während er von Boulton getrennt war — es mußte sich ja jahrelang fast immer einer von den beiden im Minenbezirk Cornwall aufhalten, um bei den Maschinen nach dem Rechten zu sehen, — fast täglich ausführliche Briefe an Boulton zu schreiben. Beide Männer standen schriftlich in ununterbrochenem Gedankenaustausch. Da brachte die lästige Pflicht, Abschriften von diesem Briefwechsel zu machen, den Erfinder auf ein mechanisches Verfahren zur Herstellung solcher Abschriften. Die Kopierpresse, anfänglich als Walzenpresse ausgeführt, wurde erfunden. Boulton führte sie 1780 ins Geschäftsleben ein, indem er sie zuerst in London der vornehmen Welt und den Parlamentariern zeigte. Die Maschine begegnete großem Widerwillen. Man fürchtete, die Münz- und Notenfälscher würden das Papiergeld auch mit einer solchen Maschine nachahmen, und an falschem Gelde lief im Lande schon genug um. Einige Tage lang schimpfte ganz London über die Erfindung. Hörte Boulton doch selber, wie man ihn an den Galgen wünschte. Trotzdem trat die Maschine bald ihren Siegeszug um die Erde an.
Abb. 23. Kopierpresse (Zeitschr. d. Ver. D. Ing. 1896.)
Für die verschiedenen Typen von Maschinen, die in Soho hergestellt wurden, stellte Watt in Verbindung mit Southern Rechenformeln zur Abmessung der voneinander abhängigen Größen auf. Daß er den gewöhnlichen Rechenschieber durch Zufügung logarithmischer Skalen verbesserte, erinnert uns an Watts Landsmann Lord Napier, den Erfinder der natürlichen Logarithmen, zu dessen Bild Watt von Kind auf im Vaterhause aufgeschaut hatte.
Napier war auch Erfinder der Rechenstäbchen, die die Vielfachen der einzelnen Ziffern bis zum Neunfachen enthalten. Watt aber war eine Zeitlang damit beschäftigt, eine Rechenmaschine zum Multiplizieren und Dividieren zu erfinden.
Das Bestreben, in den Kesselfeuerungen eine möchlichst rauchfreie Verbrennung zu erzielen, führte Watt 1787 im Briefwechsel mit Argand zu Vorschlägen für verbesserte Lampen mit ständiger Ölzufuhr durch ein kleines Pumpwerk mit Federbelastung und Aufziehwerk. Dieser Gedanke ist, wie Prof. Ernst in seiner Arbeit über Watt und die Grundlagen des modernen Dampfmaschinenbaues schreibt, erst vor fünf Jahrzehnten in Deutschland bei der Moderateurlampe verwendet, durch die Petroleumbeleuchtung aber verdrängt worden. Im Jahre 1788 teilte Watt seinem berühmten Freunde Black mit, er habe ein neues Instrument erfunden, das gestatte, sehr einfach das spezifische Gewicht von Flüssigkeiten zu ermitteln. Es war eine sich in zwei Äste gabelnde Glasröhre, die mit der Mündung des einen Astes auf die Einheitsflüssigkeit, mit der andern auf die zu bestimmende Flüssigkeit gesetzt wurde. Dabei standen die beiden Flüssigkeitsspiegel gleich hoch. Saugte man oben an dem gemeinsamen Stiel, so traten die Flüssigkeiten in die Röhrenäste ein, die leichteren höher, die schwereren tiefer. Maß man nun, das Wievielfache der niederen die höhere Flüssigkeitssäule war, so hatte man das spezifische Gewicht der zu bestimmenden Flüssigkeit in Hinsicht auf die als Einheitsflüssigkeit benützte.
Die bleichende Wirkung des Chlors lernte Watt durch einen französischen Freund Berthollet kennen, und er veranlaßte daraufhin seinen Schwiegervater Macgregor, die Chlorbleiche in die Gewebeindustrie einzuführen. Ebenfalls für seinen Schwiegervater tätig war er durch Erfindung der Walzentrockenmaschine mit Dampfheizung (1781). Bis in die letzten Tage seines Lebens beschäftigte er sich mit der Herstellung einer Kopiermaschine für Medaillen und Büsten in Metall, Holz, Stein und Elfenbein. Viele dieser Büsten gelangen sehr gut und wurden Freunden »als Versuche eines jungen Anfängers«, geschenkt, wie Watt scherzend zu sagen pflegte.
Auf seine Erfindungen zur Verbesserung der Nivellierinstrumente, das prismatische Mikrometer, eine Teilungsschraube, die einen Zoll in tausend Teile teilte, und dergleichen wollen wir nicht weiter eingehen. Watt gehörte als Boultons Freund der sogenannten Mondgesellschaft an, einem erlesenen Kreis hervorragender Männer der Wissenschaft und Literatur, der sich zur Vollmondszeit versammelte, damit das große Licht den Heimweg erleuchte. Zu diesem Kreise gehörte auch Priestley, der Verfasser liberaler theologischer Streitschriften, einer Geschichte der Elektrizität und Entdecker des Sauerstoffs, ein ungemein vielseitiger Mann, der sich den glücklichsten Menschen nannte, immer heiter dreinblickte und doch stets in einen Federkrieg verwickelt war. Watt erlebte es mit, daß zur Zeit der französischen Revolution eine betörte Volksmenge unter dem Rufe »Kirche und König« das Haus Priestleys anzündete. Der große Chemiker und Theologe mußte damals fliehen, und tagelang wütete die offenbar von orthodoxen Geistlichen aufgestachelte Menge in Birmingham, so daß auch Boulton und Watt für ihre Sicherheit fürchteten, obwohl sie bekannt dafür waren, daß sie mit »Kirche und König« gingen. Durch Priestley lernte Watt den Versuch kennen, bei dem eine bestimmte Mischung brennbarer und entphlogistisierter (unentzündlicher) Luft (modern ausgedrückt: eine Mischung von Wasserstoff und Sauerstoff oder von gewöhnlicher Luft und Wasserstoff) durch den elektrischen Funken entzündet wird. Dabei wurde beobachtet, daß sich nach der Entladung am Glasgefäß innen Flüssigkeitströpfchen wie Tau ansetzten. Warltire stellte das gleiche Experiment an, um zu sehen, ob Wärme schwer ist oder nicht. Wir müssen uns in diese Zeit zurückversetzen, die noch nicht die Zusammensetzung des Wassers, auch nicht die Natur der Wärme als einer Kraft kannte, sie vielmehr für einen Stoff hielt. Auch Cavendish, der die Zusammensetzung der Luft entdeckt hatte, machte 1781 diesen Versuch, und er beobachtete ebenfalls den feuchten Niederschlag. Cavendish soll sofort vermutet haben, daß das Verschwinden der entphlogistisierten Luft, des Sauerstoffs, und das Erscheinen des wässrigen Niederschlages im Zusammenhang ständen und auf die Zusammensetzung des Wassers hinwiesen. Ende Januar 1784 stellte Cavendish seine Versuche an und gab dann seine Auffassung, daß Wasser aus Wasserstoff und Sauerstoff bestehe, der Gelehrtenwelt bekannt. Vor ihm aber hatte Watt schon als der Mann, der seit Jahrzehnten Zeuge war, wie Wasser in Luft (das heißt in Dampf) überging, herausgefunden, daß, wenn ganz trockene brennbare Luft (Wasserstoff) und ganz trockene entphlogistisierte Luft (Sauerstoff) durch den elektrischen Funken entzündet wurden, nach Abkühlung des Gefäßes die Menge des an der Innenwand des Gefäßes haftenden Wassers nahezu dem Gewicht der ganzen Luft gleich war. Daraus schloß Watt: das Wasser entsteht aus entphlogistisierter Luft (Sauerstoff) und brennbarer Luft (Wasserstoff) oder Phlogiston, das seiner latenten Wärme teilweise beraubt ist und sich mit Wärme und Licht vereinigt hat. »Und wenn Licht nur eine Modifikation von Wärme ist oder ein wesentlicher Bestandteil von Phlogiston, dann besteht reine Luft aus Wasser, das seines Phlogistons oder seiner latenten Wärme beraubt ist.« Das heißt: reine Luft ist Wasser ohne Wasserstoff, also Sauerstoff. In einem Briefe an Priestley setzte Watt 1783 seine Theorie auseinander. Dieser Brief, bestimmt vor der angesehensten Londoner Gelehrtengesellschaft, der Royal Society, vorgelesen zu werden, kam durch Watts eigene Schuld erst April 1784 zum Vortrag, nachdem Cavendish im Januar vorher seine Ansicht gleicher Richtung bekanntgegeben hatte, ohne Watt zu nennen. Watt hat Cavendish des »plagiarism«, des wissenschaftlichen Diebstahls einer Idee, beschuldigt, auch gibt es von ihm folgende briefliche Bemerkung: »Ich hatte, wie andere große Männer, die Ehre, mir meine Ideen gestohlen zu sehen. Nachdem ich meinen ersten Aufsatz über den Gegenstand schrieb, setzte Dr. Blagden (Cavendishs Freund und Vermögenserbe) meine Theorie Herrn Lavoisier in Paris auseinander. Bald darnach erfand Lavoisier sie selber und las einen Aufsatz über den gleichen Gegenstand vor der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Seitdem hat Herr Cavendish eine Abhandlung vor der Königlichen Gesellschaft über die gleiche Idee vorgelesen, ohne mich im mindesten zu erwähnen. Lassen Sie uns beide immer in unsrer Vorwurfslosigkeit verharren und solche Verfahren verachten!« Später, nach Jahren, soll Watt sich weniger scharf über Cavendish ausgesprochen haben. Doch ist hier nicht der Ort, diese Frage zu entscheiden. Es genügt, daß Watt unbestritten als erster Entdecker in Frage kommt.
Und nun haben wir noch ein Verdienst Watts zu erwähnen: seinen Anteil an der Einführung eines für Europa und damit für die Erdenmenschheit einheitlichen Maß- und Gewichtssystems. Wir erinnern uns, daß Watt Deutsch lernte, um Leupolds großes technisches Werk »Schauplatz der Maschinen« lesen zu können. Ebenso erlernte er nach Robisons Zeugnis das Italienische. Watt fand beim Studium fremdsprachlicher Gelehrtenwerke den Mißstand, daß zur Vergleichung der Größenangaben immer von einem Land zum andern umgerechnet werden mußte. So schlug er denn schon 1783 vor, man solle von der Längeneinheit ausgehen, zur Gewichtseinheit die mit Wasser gefüllte Kubikeinheit nehmen, die Gewichtseinheit nach dem Zehnersystem von 1 bis 10000 abstufen, die Flüssigkeiten wägen, nicht messen und die Gewichte der Gase auf die Kubikeinheit des Wassers beziehen, so daß spezifische und absolute Gewichte durch die gleiche Gewichtseinheit ausgedrückt würden. Als Längeneinheit sollte das Sekundenpendel gelten, wie es Huygens bereits vorgeschlagen hatte. Statt des Sekundenpendels wurde später von der französischen Akademie der Wissenschaften das Meter gewählt. Schon 1783 brachte Watt dieses Maß- und Gewichtssystem französischen Gelehrten nahe, und da Watt mit Laplace, Monge, Berthollet und andern hervorragenden Franzosen Briefe tauschte, auch bei einem Aufenthalt in Paris persönlich mit ihnen verkehrte, so ist sein Verdienst um diese ideelle Einigung Europas nicht abzustreiten. Auch in dieser Hinsicht hat er fast buchstäblich »Werte umgewertet«.