§. 18.

Der sinnliche Witz ist um so viel grösser und vollkommener 1) je mehr Dinge mit einander verglichen werden. Wenn Dinge in eine Vergleichung gesetzt werden, so müssen sie vorgestellt werden. Ein Witz, der demnach nur zwey Dinge mit einander vergleicht, stelt sich nicht so viel vor, als derjenige so mehrere in Vergleichung setzt. Die Anzahl der Würckungen des letztern ist also grösser, mithin muß der Witz selber grösser seyn [§. 17.] n. 2. 2) Je unbekannter die Dinge sind, die mit einander verglichen werden. Dinge die man sich unzählige mahl schon vorgestellet hat, und die uns dadurch überaus bekannt geworden, stellen wir uns mit leichter Mühe vor, weil wir eine Fertigkeit dieselben vorzustellen erlangt haben. Sind sie uns aber noch nicht sehr bekannt, so ist ihre Vorstellung schwerer, und ihre Vergleichung erfodert also einen grössern Witz [§. 17.] n. 3. 3) Je verschiedener die Dinge sind, deren Uebereinstimmung der Witz erkennet. Denn alsdenn ist die Uebereinstimmung schwerer zu entdecken, weil sie nicht nur sehr versteckt und geringe ist, sondern weil durch die augenscheinliche Verschiedenheit unsere Aufmercksamkeit stärcker auf das verschiedene gezogen wird, dadurch unserm Witze eine Hinderniß bey der Entdeckung der Uebereinstimmung in den Weg gelegt wird. [§. 17.] n. 3. 4) Je mehr Uebereinstimmungsstücke erkannt werden. In diesem Falle, ist die Menge der Würckungen des Witzes grösser, und folglich muß der Witz selber grösser seyn [§. 17.] n. 2. 5) Je grössere Uebereinstimmungen entdeckt werden. Alsdenn ist die Grösse der Würckungen des Witzes ansehnlicher, welche eben deswegen seine eigene Grösse vermehrt [§. 17.] n. 1. 6) Je stärcker die Vorstellungen gewesen, die vor der Uebung des Witzes vorhergegangen, ja je stärcker die Vorstellungen sind, welche bey seiner Uebung zugleich in der Seele angetroffen werden, wenn diese Vorstellungen von anderer Art, als die Vorstellungen des Witzes, sind. Aus der Lehre von unserer Seele ist bekannt, daß eine sehr starcke Vorstellung uns verhindert, gleich nachher, auf etwas anders zu dencken; und wenn wir den Kopf sonst voller starcken Vorstellungen haben, so ist es ungemein schwer, zu gleicher Zeit auf etwas anders zu dencken. Ein Witz der mitten unter diesen grossen Hindernissen dennoch würcksam seyn kan, muß grosse Hindernisse übersteigen, und demnach groß seyn [§. 17.] n. 3. 7) Je klärer, richtiger, gewisser und lebendiger, doch aber auf eine undeutliche Art, die Uebereinstimmung vorgestelt wird. Denn der Grad der Deutlichkeit gehört für den vernünftigen Witz, davon ich nicht rede. Eine klare, richtige, gewisse und lebendige Vorstellung ist allezeit grösser, als eine dunckele, unrichtige, ungewisse, matte und todte Vorstellung, wenn man die übrigen Stücke derselben als gleich annimmt. Ein Witz der klärere, richtigere, gewissere und lebendigere Vorstellungen würckt, bringt also grössere Wirckungen hervor, als derjenige, dessen Vorstellungen nach allen diesen Stücken kleiner sind. Jener ist demnach grösser und vollkommener. [§. 17.] n. 1.