§. 2.
Es gibt eine Art ernsthafter Leute, welche es überhaupt zur Sünde machen will, wenn man schertzet und lachet. Solten diese Blätter das Schicksal haben, in die Hände dieser Leute zu gerathen, so kan ich mir schon zum voraus einbilden, was sie, bey der Erblickung derselben, vor saure Minen machen werden. Sie werden mirs als ein sittliches Verbrechen anrechnen, daß ich von einer Materie schreibe, die sich mit der Tugend nicht reimen will. Ich gebe diesen Gegenfüssern muntrer und aufgeweckter Köpfe zu, daß viele Schertze unmöglich mit der Tugend bestehen können. Nur werden sie mir auch im Gegentheil zugestehen, daß nicht eine jede Ernsthaftigkeit zum Character der wahren Tugend gehört.
Multum ringitur otiosa virtus.
Sidon.
Es kan manchmal ein tugendhafter zugleich ein schläffriger und niedergeschlagener Kopf seyn, der noch dazu von einem schwartzen Geblüthe durchschwämt wird. Der würde sich augenscheinlich betrügen, wenn er seine natürlich nothwendige Traurigkeit für eine Wirckung der Tugend halten wolte. Aergert er sich nun, wenn andere frölich sind und schertzen, weil er selbst nicht anders als immer misvergnügt zu seyn das Unglück hat, so muß er so viel Menschenliebe in seinen Urtheilen blicken lassen, diejenigen nicht gleich für lasterhaft zu halten, die nicht so ernsthaft seyn können, wie er selbst ist. Ich werde keine sündliche Schertze billigen, ich will mich bemühen zu zeigen, daß ein vollkommener Schertz, der ohne allen Fehler ist, einen sehr grossen Witz und Scharfsinnigkeit, zwey grosse Vollkommenheiten der Seele, zum Grunde habe, und also unmöglich Sünde seyn könne.