§. 20.

Quintilian versichert uns, in dem sechsten Buche seiner Redekunst, daß die Natur das meiste zu einem guten Schertze beytrage, weil sie einen Menschen, unter andern, scharfsinniger und fertiger in der Erfindung der Spasse mache. Ja, er erklärt einen Schertz ausdrücklich durch: sermonem cum risu aliquos incessentem. Cicero stimmt mit dem letzten überein. Er setzt jederzeit voraus, daß ein Schertz geschickt sey, ein lachen zu verursachen, und daß ein Spaß deßwegen vorgetragen werde, damit ein Gelächter möge erweckt werden. Betrachtet man alle die Exempel, die beyde anführen, nebst den Quellen, woraus sie die Schertze hergeleitet haben; so muß man augenblicklich auf die Gedancken gerathen, daß zu einem Schertze, eine Uebereinstimmung verschiedener Dinge, und die Einsicht derselben, erfodert werde. Dieses zum voraus gesetzt, werde ich nicht irren, wenn ich sage: daß ein Schertz eine Rede sey, wodurch wir Vorstellungen, die von den scharfsinnigen Witze gewürckt worden, vortragen, und welche zum nächsten Zwecke hat, andere zum lachen zu reizen. Ich sage ein Schertz sey eine Rede. Ich will deßwegen nicht in Abrede seyn, daß ein schertzhafter Kopf mit sich selbst spassen könne. Ich will sagen, daß ich zugebe, daß ein Mensch Vorstellungen haben kan, denen alle Eigenschaften eines Schertzes zukommen, und denen nichts weiter fehlt, als der Ausdruck und Vortrag. Ich will niemanden einen Streit erregen, wer diesen Vorstellungen schon den Namen der Schertze beylegen will. Ich habe aber doch geglaubt, daß ich berechtiget sey, einen Schertz eine Rede zu nennen. Ich habe nicht nur den häuffigsten Gebrauch zu reden auf meiner Seite; sondern wenn es auch ein Irthum ist, so irre ich zum ummercklichen Nachtheil der Critik über die Schertze. Alles was ich von den Schertzen, nach meiner Erklärung, beweisen werde, wenn man das ausnimmt, was von dem Vortrage derselben wird gesagt werden, gilt auch von einem Schertze, wenn man ihn als eine blosse Vorstellung betrachten will. Ich sage nicht, daß ein Schertz allezeit ein Lachen erwecke. Es kan jemand sehr starck zum Lachen gereitzt werden, und doch durch tausenderley Ursachen genöthiget werden, die Stirne mit Runzeln zu bedecken. Ich leugne nicht, daß man bey einem Schertze ausser dem Lachen noch andere entferntere Zwecke haben könne. Ich sage nur daß der Schertzende zunächst, durch seinen Schertz ein Lachen zu erwecken, gesinnet seyn müsse.