§. 33.
Das neue hat jederzeit eine Schönheit, die alle dem fehlen muß, was alt ist. Das alte wird uns zur Gewohnheit, man gibt nicht mehr drauf achtung, die Vorstellung desselben verdunckelt sich nach und nach, und wir werden natürlicher Weise verdrießlich, ein und eben dasselbe so oft zu dencken, weil die Seele keinen Zuwachs der Erkenntniß, so ein Mangel einer Vollkommenheit ist, dabey fühlt. Was uns aber noch neu ist, beschäftiget unsere gantze Aufmercksamkeit, es entsteht darüber eine Art einer angenehmen Verwunderung, unsere Seele freuet sich heimlich über den Anwachs ihrer Erkenntniß, welcher überhaupt betrachtet eine Vollkommenheit ist. Kurtz, eine Vorstellung die bey uns gantz neu ist, hat ein Licht welches viel zu angenehm ist, als daß wir es nicht mit Vergnügen sehen solten. Ich weiß wohl, daß es Leute gibt, welchen vor dem was neu ist eckelt, und die sich in das Alterthum dermassen verliebt haben, daß sie mit einem innigern Vergnügen die Schrift auf einer verrosteten Müntze lesen, als den Beweis einer neuen Wahrheit durchdencken. Allein ich weiß auch, daß diese Bewunderer des Alterthums meinen Satz bestätigen. Nimmermehr würden sie ein verschimmeltes Manuscript mit Vergnügen ansehen, wenn es in ihrer Vorstellung nicht etwas neues wäre. Nein, es bleibt dabey, die Natur bleibt sich überall ähnlich, das alte in so fern es alt ist kan niemals uns das Vergnügen geben, welches Neuigkeiten verursachen, als in so fern unsere Gedancken davon neu sind. Die Neuigkeit ist also eine Schönheit des Schertzes, welche reitzt. Man kan hinzu thun, daß die Neuigkeit eines Schertzes ein untrüglicher Beweiß sey, daß ihn der schertzende selbst gemacht hat. Die Stärcke und Geschicklichkeit seines scharfsinnigen Witzes leuchtet darinn unleugbar hervor, und gibt dem Schertze eine Anmuth, die eine Bewunderung des Urhebers verursacht. Ein Schertz der feurig seyn soll, muß wenigstens einen gantz neuen Gedancken enthalten, der zu dem schertzhaften in demselben gehört.