§. 58.

Wer glücklich im Schertzen seyn will, der hüte sich seine Spasse nicht vorher auszudencken. Wer den Spaß vorher erdenckt, und sich auf denselben vorbereitet, der geht so lange damit schwanger, bis er ihn vorgetragen hat. Die gantze Reihe der Vorstellungen, von der Zeit an, da er den Schertz erdacht, bis auf den Zeitpunct da er vorgetragen werden soll, ist entweder mit dem Schertze ausgefüllt, oder doch mit sehr ähnlichen Vorstellungen. Es ist demnach nothwendig daß der Spaß mißlingen muß. [§. 57.] Cicero merckt diesen Fehler auch an, er sagt im andern Buche vom Redner: quia meditata videntur minus ridentur. Quintilian im sechsten Buche, fodert gleichfals, daß man sich auf den Schertz nicht vorbereiten müsse. Er sagt: ne praeparatum & domo allatum videatur, quod dicimus. Wer sich auf den Schertz vorbereitet, kan unmöglich die anständige Dreistigkeit behalten, die zum Vortrage eines Schertzes nothwendig ist. Man wirds ihm an den Augen ansehen, daß er einen Spaß auf den Hertzen hat, den er gern an Mann bringen möchte. Er wird mit einer ängstlichen Sehnsucht, die er nicht verbergen kan, die Zeit erwarten, da er seinen Schertz vortragen will. Kan also der Schertz wohl neu genug seyn, in Absicht auf den schertzenden und den Zuhörer? Und das ist doch ein so nöthiges Stück zu einem feurigen Schertze. Uberdem, kan ja derjenige der sich auf einen Schertz vorbereitet, nicht jederzeit vorhersehen, ob er sich zu den Umständen, in welchen er sich befinden wird, genau schicken wird. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß ein vorbereiteter Schertz zur Unzeit angebracht wird, und das werde ich als einen grossen Fehler im folgenden vorstellen.