§. 98.
Ich habe bisher die Schönheiten eines Schertzes ausgeführt, welche meinen Bedüncken nach nöthig sind, wenn er glücklich gerathen soll. Ich will nicht sagen, daß ich keine einzige übergangen hätte. Ich will auch nicht zum andern, oder gar zum dritten mal, sagen, daß ich nicht in den Gedancken stehe, als wenn ein jeder glücklicher Schertz, alle diese Schönheiten besitzen müsse. Sondern ich werde meine Erinnerungen die ich noch zu machen habe, in ein paar allgemeine Anmerckungen einschrencken. Zuerst gebe ich zu, daß es manche Schertze gibt, bey welchen unmöglich alle diese Schönheiten zusammen stat finden können. Es kan geschehen, daß bey gewissen Spassen, nach allen ihren Umständen betrachtet, einige dieser Schönheiten einander wiedersprechen. Daraus wird aber meines Erachtens nichts weiter folgen, als daß manche Schertze unmöglich den grösten Grad der Schönheit erreichen können, der bey einem Schertze, überhaupt betrachtet, möglich ist. Hernach ist mit leichter Mühe zu begreiffen, daß eine Schönheit eines Schertzes so groß, starck und einnehmend seyn könne, daß viele andere Fehler dadurch bedeckt werden. Was einem Schertze an der einen Schönheit abgeht, kan durch die andre ersetzt werden. Und es gibt Fehler der Schertze die mit leichter Mühe können versteckt werden. Ja, man kan sich in Gesellschaft befinden, da man hundert Fehler in Schertzen begehen kan, die die Gesellschaft nicht merckt.
Non quiuis videt immodulata poemata iudex.
Hor. art. poet.
Es gehört ein wenig Verschlagenheit und List dazu, wenn man in allen Gesellschaften, die aus keinen grossen Geistern bestehen, im spassen glücklich seyn will. Man kundschafte den Geschmack der Gesellschaft aus, man verstecke die Fehler seiner Schertze, so bin ich gut davor, daß man für einen schertzhaften Kopf wird gehalten werden. Nur hüte man sich vor der Eitelkeit, deswegen zu glauben, daß man auch vor dem Richterstuhle der gesunden Critik, eines guten Ausspruchs, bloß um dieser Ursach willen, sich zu getrösten habe.