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»Träumst du wohl oft?« ›Nicht viel‹ »Doch ich!« ›Von mir?‹

»Wie du neugierig bist!« ›Ich hörte sagen,

Wer glücklich ist, träumt selten – und von dir

Glaubt' ich das gar zu gern.‹ »Ich mag nicht klagen,

Träum' ich doch oft von dir!« ›Ich aber fand:

Zwar als ich ankam, in den ersten Tagen,

Da ich von fern dich nur und kaum gekannt –

Da kehrtest du mir alle Nächte wieder,

Leibhaftig, wie dein Bildnis vor mir stand.

Da war das schwarze Kleid, das deine Glieder

So weich umfliesst, des Lackschuhs sanfter Glanz,

Vom Scheitel bis zum schmalen Fusse nieder –

Du warst es selbst, kein Traum! Ich sah dich ganz

Wie du hier bist! Doch jetzt, seit du mein eigen

Und ich dich küsse, will dein Bild – ich kann's

Selbst nicht begreifen – sich mir nimmer zeigen.‹

»Doch ich, du lieber Tor, begreif es wohl:

Was willst du denn? So lass den Traum doch schweigen.

Ich weiss auch wirklich nicht, was er noch soll!

Denn eben jene Lippen, die vor Zeit

Im Traum nur winkten, schau – ist es nicht toll? –

Jetzt küssen sie dich ja in Wirklichkeit!«