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»Geh jetzt und lass mich ruhn, geliebter Mann,

Denn ich bin müd und eh die Nacht vergangen –

Du willst noch bleiben? siehst mich bittend an –?

So komm! Zum letztenmal! An meine Wangen

Lehn deine Stirne und gib die Hände mir;

Lass meinen Arm den Nacken dir umfangen,

Und Brust an Brust! So bin ich ganz bei dir

Und halte noch einmal, was ich besessen.

Die schöne Zeit! Wie war ich glücklich hier!

Und du, nicht wahr? auch du wirst nicht vergessen,

Was manche traute Stunde uns gebracht

Und Menschenworte nimmermehr ermessen.

Sag – was war schöner? Wenn in stiller Nacht

Ich bei dir lag, ins Ohr dir durfte sagen,

Wie all das hier für dich nur träumt und wacht?

Wie – oder wenn an sonnig-hellen Tagen

Am blauen Meere wir spazieren gingen,

Mit Wellen spielten, froh im Sande lagen,

Im Zelt geschwatzt von überklugen Dingen,

Und ich so gern – das ist nun meine Art,

Von dir mir liess die schönen Blumen bringen?

Die lieben all! ich hab sie wohl verwahrt!

Ach bring sie mir – du kennst das offne Fach,

Ich nehm sie mit auf meiner langen Fahrt.

Ihr stummen Zeugen! wie so manchen Tag

Habt ihr verschönt! Glaubst du, ich kenn' noch jede.

Die rote da – wart' nur, schon sinn ich nach …«

So plaudert noch der Lippe muntere Rede,

Indes halb träumend schon die Seele zieht

Auf dunklem Pfad in schauerliche Öde.

Doch plötzlich bricht sie ab. »Die Stunde flieht –

Nun lass und geh! Ich lege hier mich nieder

Und ruh mich noch vor Schlaf, denn ich bin müd.

Hilf mir ein wenig noch. Leg mir die Glieder

Zurecht! Die Füsse auch! Nein – Lieber, du,

Küss sie nicht mehr! Das weckt nur alles wieder!«

›Liegst du so gut?‹ »Vortrefflich! Meine Ruh

Wird köstlich sein! Am besten wär's für immer!

Nein, hab nicht Angst! Ich schwur, dass ichs nicht tu,

So halt ich's auch. In diesem trauten Zimmer

War Lüge immer fern! Gern sagt ich dir

Zu Nacht noch etwas Liebes, was du nimmer

Vergessen solltest!« ›Sage, dass ich hier

Nur eine Stunde glücklich dich gemacht.‹

»Nur eine –? Namenlos! Es schwindelt mir,

Wenn ich dran denke! Doch jetzt gute Nacht.«

›So bleibt's bei morgen?‹ »Ja!« ›Wann seh ich dich?‹

»Im Traum.« ›Und leibhaft?‹ »Wenn du mein gedacht!«

Und schon mich wendend hielt ihr Auge mich.

»Noch einen Kuss, den letzten!« flüstert' sie …

Dann schloss sie rasch den Blick. Ich aber schlich

Mich leis hinaus. Mir wankten fast die Knie.