Tripolitanien.

Unter der türkischen Regierung wird seit 1835 die Regentschaft Tripolis von einem Generalgouverneur, welcher den Titel Muschir hat, regiert. Man hat zu diesem Posten sowohl Leute aus dem Civilstande, als auch aus dem Militairstande genommen, und selbst aus der Marine hat man Admiräle schon als Gouverneure von Tripolitanien gesehen. Der Gouverneur kann nach Belieben der Pforte abberufen werden, und im Anfange der Eroberung machte das türkische Gouvernement oft genug Gebrauch davon, jetzt lässt man, wie schon gesagt, einen ein Mal installirten Muschir meist vier Jahre auf seinem Platze, was auch keineswegs, um sich mit allen Verhältnissen des Landes und der Bewohner bekannt zu machen, zu lange ist. Die Gewalt desselben ist heute nicht mehr eine unbeschränkte, das Recht über Leben und Tod steht ihm nicht zu, und in der Verwaltung der Provinz steht ihm die grosse Midjeles oder eine Rathsversammlung zur Seite. Dieser Rath umfasst die Personen der ersten 55Aemter, als Richter, Militaircommandant, oberster Geistlicher u.s.w. Wegen des Muschir kann man über dies nach Constantinopel an's Ministerium oder an den Grossherrn selbst appelliren, was jedoch selten Jemand zu thun wagt. Der Muschir bezieht von Constantinopel sein bestimmtes Gehalt, welches übrigens je nach seinem anderen Range variirt, als Gouverneur soll er fünfzigtausend Francs Einkommen haben.

Das in Tripolis stationirte Militair steht unter einem selbständigen Commando, und der Oberst-Commandirende hat gewöhnlich den Rang eines Generallieutenants. Meist sind nicht mehr als 6000 Mann regelmässige Truppen vorhanden, Infanterie und Artillerie. Diese werden immer aus anderen Provinzen des Reiches hergezogen, während die in Tripolitanien ausgehobenen Truppen in den übrigen Theilen des Reiches zur Verwendung kommen. Während dem Muschir nicht zusteht in die innere Administration der Truppen einzugreifen, so hat er indess die Macht über ihre Garnisonirung, und im Falle von Revolten, ertheilt er den Befehl zum Marsch und Angriff. Die in Tripolitanien bestehende Bürgermiliz, wie die z.B. der Mschia[5], wo jeder Mann geborner Soldat ist, dann die der Gensd'armen, Kavassen, Saptién u.s.w., stehen unter dem directen Befehl des Muschir's.

56Was die Finanzen anbetrifft, so werden sie unabhängig vom Muschir verwaltet, und stehen unter der Leitung des Mohasebdji oder Chasnadar, welcher von dem Finanzministerium in Constantinopel seine Bestallung erhält, und demselben die Einnahmen abzuliefern hat, ebenso ist auch die Douane unabhängig vom Generalgouvernement verwaltet.

Die Einkünfte von Tripolitanien sind nicht genau bekannt, indess bringt das Land reichlich soviel auf, als die Beamten und das dort stationirte Militair an Gehalt und Sold erfordern, und in den meisten Jahren kann noch ein hübscher Ueberschuss nach Constantinopel abgeliefert werden. Durchschnittlich kann man den Ueberschuss auf jährlich 600,000 Francs anschlagen. Im Kriege gegen Russland erhob die Pforte zudem eine Extracontribution von 2,608,700 Francs. Die Einkünfte gehen hervor aus den directen Abgaben, welche von allen Producten des Bodens erhoben werden, und der Judensteuer, welche den einzelnen Gliedern dieses Glaubens von ihrem Rharham-Baschi oder Gross-Rabiner zugemessen wird. So zahlt z.B. jeder Oelbaum und jede Palme 2½ Piaster (und wenn es eine Lakbi gebende Palme ist, 5 Piaster), jedes Kameel 40 Piaster, jedes Rind 20 Piaster, 10 Schafe; 40 und 20 Ziegen 40 Piaster jährlich. Dass hierbei viele Umgehungen stattfinden, ist schon an anderen Orten erwähnt worden.

57Die indirecten Abgaben, welche meist vom Gouvernement als Monopol dem Meistbietenden zugeschlagen werden, gehen hervor aus der Douane, die 5 Proc. Eingangszoll und 12 Proc. Ausgangszoll erhebt, aus dem Rechte Spirituosen zu machen und zu verkaufen, aus der Stempelung des Goldes und Silbers, welches, gleichviel ob alt oder neu, verarbeitet oder roh, geaicht sein muss, aus der öffentlichen Wage, da alle Sachen, welche en gros verkauft werden, durch einen Amin gewogen werden müssen; aus dem Fischertrage, indem alle Fische, welche auf den Markt gebracht werden, 8 Proc. ihres Werthes abgeben müssen; aus dem Fleische, welches ein Pächter sowohl der Armee zu einem im Voraus bestimmten Preise das ganze Jahr liefern muss, als er auch ausserdem von jedem Schafe 2½ Piaster und von jedem Rinde etwa 10–17½ Piaster, je nach der Grösse beim Schlachten geben muss, endlich aus dem Tabacks-Monopole und der Hara, d.h. das Vorrecht, den Dünger und die Unreinlichkeit aus den Städten zu schaffen. Dass die Einnahmen der indirecten Abgaben gar nicht gering sind, geht aus einer vom holländischen Generalconsul v. Testa zusammengestellten Tabelle vom Jahre 1851/1852 hervor, nach welcher die gesammten eben aufgeführten Monopole die Summe von 1,352,000 Francs für's Gouvernement ergeben. Zugleich ersehen wir aus denselben, dass die Einkünfte, folglich der Reichthum von Tripolitanien von Jahr zu Jahr zunehmen. Das eben 58Angeführte gilt für alle Städte und Orte, nur mit dem Unterschiede, dass die Grösse der erhobenen Abgaben, je nach dem Gouverneur oder Kaimmakam oder Mudir wechselt, indem zwar in den Liva auch die Finanzen nicht direct unter dem Kaimmakam stehen, derselbe aber in der Regel mit dem Kateb el mel oder Zahlmeister, welcher die Einnahmen unter sich hat, im Bündnisse ist. Ausserdem werden in den verschiedenen Liva noch andere Abgaben erhoben, so liess sich z.B. im Jahre 1865 der Kaimmakam von Fesan für jeden durchziehenden Sklaven ein Kopfgeld von 40 Piaster zahlen und erlaubte seinem Kavass-Bascha oder Polizeidirector am Thore noch 5 Piaster für jeden durchziehenden Sklaven zu erheben. Bewaffnete Araber mussten für eine Flinte am Thore auch 2 Piaster zahlen und dieser Brauch ist in Tripolis selbst auch, wenn wir nicht irren.

Die Exportation von ganz Tripolitanien kann man durchschnittlich jetzt im Werthe von 10–12 Millionen veranschlagen, die der Importation im Werthe von 5–6 Millionen, was eine Gesammtsumme von 15–18 Millionen Francs ergiebt. Mircher, der für die Stadt Tripolis die Gesammtsumme von 5,500,000 Francs angiebt, ist viel zu niedrig in seiner Schätzung. Dann sind aber auch die anderen Städte, wie Mezurata, Bengasi und Derna gar nicht bei ihm in Betracht gezogen.

Die Rechnung und das Geld in Tripolitanien sind jetzt eben so wie im übrigen türkischen Reiche. Die kleinste 59Münze ist der Para, die jedoch bloss noch imaginär existirt, man findet dann zehn Para-Stücke, Bu-Aschra- und zwanzig Para-Stücke, Bu-Aschrin genannt. Zwei Bu-Aschrin machen den türkischen Piaster und fünf Bu-Aschrin einen tripolitanischen Girsch (Groschen), 6 Bu-Aschrin nennt man Sbili. Es existiren auch einzelne Girsch und Sbili-Stücke. 10 Bu-Aschrin werden Baschlik genannt und solche Stücke existiren auch. 40 Bu-Aschrin oder 20 constantinopolitanische Piaster machen den Mahbub, solche Stücke existiren als Silbermünze. Als Goldmünze kommen 5 Mahbub-Stücke und 1 Mahbub-Stücke vor. Man sieht sie indess selten.

Die Scheidemünzen, Bu-Aschrin, Sbili und Baschlik sind alle von schlechter Alliage, die Mahbub-Stücke haben denselben Silbergehalt wie die französischen Silbermünzen.

Englisches und französisches Gold und Silber wird überall zu voll angenommen, am allgemeinsten ist jedoch der Maria-Theresien-Thaler verbreitet.

Als Gewicht dienen die Oka und das Rotol von Tripolis. Eine Oka hat 2½ Rotol und 100 Rotol bilden einen Cantar (Quintal), der also 40 Oka hat. Das Rotol wird in 16 Okia oder Unzen untergetheilt.

Beim Längenmass bedient man sich der türkischen Pic, eine Pic ist gleich einer Brabanter Elle und 1½ Pic gleich einem Meter und 1-1/3 Pic gleich 1 Yard.

60Zum Kornmessen bedient man sich der Marta, wovon 15 Eine Ueba bilden. Zwei Marta sind gleich einem türkischen Kilo und 280 Kilo entsprechen 100 Hectolitres oder 83 Kilo = 1 Last.

Das Mass für Flüssigkeiten ist die Jarre, welche 6-1/8 Caraffa hat. Eine Jarre entspricht 10-2/3 Litres.

Die Gerechtigkeitspflege in Tripolitanien wird von einem Kadhi besorgt, welcher vom Schich ul Islam in Constantinopel ernannt wird. Dieser Kadhi hat das Recht, die anderen Kadhi der Provinzialstädte zu ernennen, welche officiell den Titel Naïb haben. In grösseren Sachen und namentlich wo Türken mit betheiligt sind, wird überall nach hanefischer Form Recht gesprochen, während alle Fälle zwischen Arabern, welche dem malekitischen Ritus anhängen, diesem gemäss entschieden werden. Ausserdem giebt es in allen grösseren Städten und Orten Adulen, welche eine Art von Rechtsgelehrten sind und auch Vollmachten und Schriften ausfertigen können, welche notarielle Kraft haben. Für Criminalfälle wird ein vom Muschir präsidirtes Medjeles thakik zusammengesetzt, das jedoch die Strafe des Todes nicht aussprechen kann. Ein anderes Medjeles tedjaret besorgt streitige Fragen in Handelsangelegenheiten, die angesehendsten eingebornen Kaufleute sind Beisitzer und wenn die Streitfrage zwischen einem Eingebornen und einem europäischen Kaufmann stattfindet, so sind im Medjeles tedjaret, auch europäische Kaufleute als Beisitzer. 61Die in Tripolitanien ansässigen Europäer sind nur richtbar von ihren resp. Consulaten. Kommen aber Fälle vor, wo Europäer mit Eingebornen Händel oder Zwistigkeiten haben, so wird in der Regel die Entscheidung dem Richter anheimgegeben, der des Beklagten Obrigkeit ist. Sucht also ein Eingeborner Recht gegen einen Europäer, so muss er sein Recht beim Consul holen, hat hingegen ein Europäer eine Klage gegen einen Eingebornen, so muss er beim mohammedanischen Kadhi sein Recht suchen, dass Letzterer, da er fast immer vom Consul unterstützt wird, meist im Vortheil ist, wird einleuchtend sein, wenigstens in den meisten Fällen, wo der Europäer Kläger ist.

Bei der mangelhaften Kenntniss des Bodens von Tripolitanien, kann es uns nicht einfallen hier eine allgemeine physicalische Geographie des Landes geben zu wollen, wir beschränken uns auf statistische Angaben und führen nur an, dass der Raum von der ganzen Regentschaft wenigstens so gross wie ganz Deutschland ist, falls man Wüste dazu rechnet. In der That ist aber auch der grösste Theil des Bodens Sherir, Hammada, Sand oder steiniges jeder Vegetation bares Gebirgsland. Dieses im Süden hauptsächlich in den Schwarzen Bergen und dem Harudj vertreten, streift von Westen nach Osten seiner Hauptrichtung nach. Durch eine Hochebene vom Djebel, den man versucht wäre den östlichsten, letzten Ausläufer des Atlas zu nennen, finden wir dies Gebirge 62mit Humus und rothen Thon, folglich mit Vegetation bedeckt. Von diesem nördlich gelegen besteht die Ebene bis am Mittelländischen Meere aus Alluvialboden, ebenso scheint es mit dem Boden um die grosse Syrte zu sein, denn Sebchaboden allein würde schwerlich so gute Weiden haben, wie sie dort nach den Aussagen der Nomaden sein sollen. Allerdings ist die Stadt Tripolis gleich hinter den Palmgärten von Sanddünen umgeben, indess bilden diese Sandanhäufungen nur einen einige Stunden breiten Gürtel, dahinter hat man bis an's Gebirge Tel-Formation, den fruchtbarsten Boden. Nach Süden zu erstreckt sich dann der ackerbare Boden selbst noch über die Berge hin hinaus; im ued Sufedjin wird alle Jahre noch geackert, nach Westen geht der Tel in den Tunesischen über, nach Osten zu über das in's Meer stürzende Gebirge hinweg, nach Mesurata und dem Ufer der Syrte zu.

Eigentliche Flüsse sind in ganz Tripolitanien nicht vorhanden. Die bekanntesten sind die von Südwesten nach Nordosten in die grosse Syrte fliessenden ued Sufedjin und ued Semsem. Der Sufedjin bekömmt zum Theil seine Zuflüsse vom Südrande des Djebel, zum Theil aus dem Rande der Hammada el hamra, aus letzterer und dem Harudj-Gebirge entspringt der Semsem. Der ued el Cheil, später im unteren Laufe ued el Bei genannt, wäre noch zu erwähnen, und wahrscheinlich sind in der sogenannten Syrtenwüste noch längere Flussläufe, 63von denen wir hier nur den Harana und Schegga nennen.

Die in der Wüste vorkommenden uadi, von denen ich in Fesan das Schati, das uadi schirgi und u. rharbi anführe, möchte ich kaum als solche bezeichnen, sondern sie wie das von Gatron eher als Depression ohne bestimmte Abdachung annehmen. Cyrenaica, welches obschon politisch zu Tripolitanien gehörend, ein Land für sich bildet, soll später besonders beschrieben werden. An Mineralien hat bis jetzt nichts in der Regentschaft entdeckt werden können, mit Ausnahme einer ergiebigen Schwefelmine[6] an der grossen Syrtenküste, dessen Ausbeutung jedoch vom türkischen Gouvernement untersagt wurde. Natron-Sebcha giebt es in Fesan und zum Theil hat sich das Natron einen Weg bis Tripolis gebahnt, von wo es bisweilen exportit wird. Eben so giebt es einige Salpeterminen, die aber auch noch nicht ausgebeutet sind.

64Die Pflanzenwelt ist reich und könnte, bei besserer Bearbeitung des Bodens das Land mit allen anderen an der Nordküste von Afrika concurriren machen. Natürlich ist dieselbe, je nach dem Boden sehr verschieden. Während in den Oasen der Wüste die Producte der heissen Zone Indigo und die Sudan-Kornarten vortrefflich gedeihen, auf den Bergen und Hochebenen die Früchte und Kornarten der kalten gemässigten Zone gezogen werden können, kommen in den Ebenen am Meere und den nördlichen Bergabhängen alle Früchte, Getreide und Gemüse des gemässigten Klima's trefflich fort. Der Dattelreichthum des Landes, sowohl die der Oasen, wie die der Küstenstriche, ist unerschöpflich. Orangen, Citronen sind in all' den verschiedenen Arten vorhanden und namentlich hat die Blutorange und die feine Mandarinorange sich Bahn auf europäische Märkte gebrochen. Die Weintrauben und Feigen des Djebel sind von vorzüglicher Güte und wenn die Cultur des Oelbaums hinter der von Tunis zurücksteht, so ist der Umstand Schuld, dass in Cyrenaica, wo dieser Baum so herrlich gedeiht, dieselbe derart vernachlässigt oder vielmehr ganz aufgegeben ist, dass dort die Oelbäume nur noch verwildert vorkommen. Baumwolle und Taback kann überall producirt werden, wird aber bis jetzt nur sporadisch gebaut; Ueberschuss zur Ausfuhr giebt nur der Getreidebau, obschon wie überall die Bestellung der Aecker durch die Araber auf die primitivste Art geschieht; 65von Kornarten wird nur Weizen und Gerste gebaut. Die Gemüse, welche in Europa gezüchtet werden, gedeihen auch in Tripolitanien und wenn die Communication geregelter wäre, könnte im Winter von Tripolis aus der europäische Markt ebenso gut mit Gemüse versorgt werden, wie es jetzt von Algerien aus geschieht. Von den wildwachsenden Pflanzen hat man bis jetzt nur eine Geraniumart benutzt zur Bereitung von Essenz, die überall und massenhaft wachsende Artemisia könnte auf gleiche Weise mit Vortheil benutzt werden.

Das Thierreich ist ebenso mannigfach. Die Pferde, meistens Grauschimmel und von mittlerer Grösse, sind eine durch Berber- und Araber-Pferde hervorgebrachte Kreuzung. Ausdauernd und schnell in ihren Bewegungen, sind sie meistens ohne Tücke und zum Reiten vortrefflich geeignet. Die Tripolitaner Esel, obschon nicht gross, sind berühmt. Das Rind ist kleiner Art, milcharm, aber so reichlich vorhanden, dass davon exportirt werden kann. Die Schafe sind alle Fettschwänze, und haben eine ausgezeichnete Wolle, in die Oasen versetzt, verlieren sie diese jedoch im zweiten Jahre; die Ziegen sind ebenfalls klein und milcharm, von beiden sind aber auch so grosse Heerden vorhanden, dass davon exportirt werden kann, überdies kommt die Wolle auch auf europäische Märkte. Das Kameel, ebenfalls durch die ganze Regentschaft verbreitet, ist das aus Arabien eingeführte einhöckrige. Andere Hausthiere und Geflügel 66sind dieselben wie in Europa. Von wilden Thieren nennen wir die verschiedenen Antilopenarten, auch überall verbreitet, Kaninchen, Hasen, Hyänen, Schakal, Füchse, wilde Katzen, Lynxe, Ratten, Springratten, Stachelschweine und wilde Schweine. Löwen und Panther kommen nirgends in Tripolitanien vor. Unter den Vögeln heben wir hervor: Adler, Falken, Fledermäuse, Eulen, Raben, Stieglitze, Sperlinge, Nachtigallen, Canarienvögel, Schwalben, Tauben verschiedener Art, Enten, Gänse, Schnepfen, Rebhühner, Wachteln, Bachstelzen, Flamingos und vor allen den Strauss. Schildkröten verschiedener Art findet man in der Djefara, Eidechsen, Schlangen, oft wie die Hornviper, sehr giftig, aber meist kleiner Art, Scorpione und Spinnen, von welcher letzteren eine in der Wüste vorkommende sehr grosse Art zu erwähnen ist, kommen überall vor. Heuschrecken, welche oft zur Landplage werden, andererseits als Nahrung dienen, sind von verschiedenen Arten heimisch, Bienen sind im wilden Zustande, namentlich in den bewaldeten Bergen, Libellen trifft man überall, auch an den Quellen in den Oasen, Stechmücken, Fliegen in unaussprechlicher Zahl, Pferdebremsen, kriechende und hüpfende, den Menschen anhaftende Parasiten sind sehr verbreitet. Zu bemerken ist übrigens, dass der Floh die Region der Wüste, wo es nicht regnet, meidet. In den Sümpfen und den meisten Quellen, selbst die der Oasen nicht ausgenommen, findet sich der Blutigel. In 67Fesan ist noch im Behar el daud ein Wurm zu nennen, den die Eingebornen essen.

Was die Bewohner von Tripolitanien anbetrifft, deren Gesammtzahl einigermassen genau zu bestimmen, äusserst schwierig ist, so müssen wir vor allen drei Hauptvölker unterscheiden: Araber, Berber und in Fesan Mischlinge. Die Araber bewohnen die Städte, grossen Ebenen und die Cyrenaica, die Berber finden wir im Djebel, Rhadames, Sokna und Audjila und die Mischlinge, hervorgegangen aus einer Kreuzung von Türken, Arabern, Berbern, Tebu und anderen Negerstämmen, bewohnen das Kaimmakamlik Fesan. Die wenigen Türken, welche in Tripolitanien sind, kommen kaum in Betracht, zudem sind die Truppen oft keine Türken, sondern häufig Araber aus Syrien; oft Albanesen, Tscherkessen, je nachdem sie aus der einen oder anderen Provinz kommen. Ganz unstatthaft ist es aber, wie die meisten Schriftsteller thun wollen, die Städtebewohner unter dem Namen Mauren als ein besonderes Volk hinstellen zu wollen. Der Name „Mauren oder Mohren“, kam für die Städtebewohner des nördlichen Afrika's zuerst auf, nach der spanischen Vertreibung, weil die Spanier gewohnt gewesen waren, die Eindringlinge als aus Mauritanien kommend, den Namen los Moros zu geben. Aber diese nach Spanien übergewanderten Mauritanier waren Berber und Araber, Städte- und Landbewohner, vor und nach der Einwanderung und Vertreibung der Mohammedaner 68aus Spanien, gab es in Nordafrika wie in Arabien Stadt- und Landbewohner, aber diese Stadtbewohner immer als eine besondere Abart mit dem Namen Moros, Maures, Mohren, den sie selbst gar nicht kennen, bezeichnen zu wollen, ist ebenso lächerlich, als wolle man bei uns z.B. sagen, die Einwohner von Berlin sind keine Deutsche oder Preussen, sondern Brandenburger. Wir müssen daher nochmal darauf aufmerksam machen, dass nicht nur die Bewohner von Tripolis, sondern die aller Küstenstädte bis Tanger an der Strasse von Gibraltar sich selbst Araber nennen und zum grössten Theile sind; wenn man aber darauf besteht sie Mohren nennen zu wollen, man diesen Ausdruck mit demselben Rechte auf alle Bewohner, welche das ehemalige Mauritanien bewohnen, ausdehnen kann, einerlei, ob es Stadt- oder Landbewohner, Berber oder Araber sind, denn Mohren oder Mauren als besonderes Volk hat es nie gegeben. Als eigenes Volk müssen wir noch die Juden, wenn auch nahe verwandt mit den Arabern, hervorheben, man trifft sie mit Ausnahme der Oasen, überall in den Städten und selbst im Djebel giebt es Judenniederlassungen. Ebenso falsch ist es unter „Beduinen“ ein besonderes Volk annehmen zu wollen. Der Name Beduine von Bedui hergeleitet, hat nur das Wandernde in sich, will aber keineswegs bedeuten, ob dies nur ein wanderndes Berber- oder Araber-Volk sei. Im Rharb oder im Westen von Afrika kennt man überdies diesen Ausdruck gar nicht. Ausserdem giebt es 69Schwarze aus dem ganzen Innern von Afrika, nirgends aber haben sie sich zu einer besonderen Gemeinde zusammen gethan, wenn man nicht die kleinen Hüttendörfer nennen will, welche man unter den Mauern von Tripolis und Bengasi findet und die meistens von Negern bewohnt sind; es ist dies aber meistens der Auswurf von weggelaufenen Sklaven und Sklavinnen und auch weisse Vagabonden finden sich unter ihnen.

Wir werden nicht zu tief greifen, wenn wir die Gesammtbevölkerung von Tripolitanien auf 1 Million Menschen anschlagen.[7] Della Cella schätzte sie auf 650,000 Seelen. Wenn man aber bedenkt, dass die Zunahme der Bevölkerung in den mohammedanischen Staaten überhaupt nicht in dem wachsenden Maasse vor sich geht wie in den christlichen Staaten, andererseits Pest und Krieg in Anbetracht zieht, welche zehn Jahre das Land verwüstet haben, so wird man finden, dass die Zahl nicht zu niedrig ist.

Die Bewohner Tripolitaniens sind sesshaft und umherziehend. Diese, welche entweder in grösseren Städten, die sämmtlich an den Küsten gelegen sind, wohnen, oder in kleineren Orten, in von Stein und Thon erbauten Häusern, oder aber wie im Djebel, in unterirdischen Höhlen, oder wie in manchen Oasen in aus Palmenzweigen gebauten Hütten, leben von Handel, Industrie, Manufactur, 70Gartenbau und dem Acker. Die Nomaden, sämmtlich aus Arabern bestehend, wohnen in Zelten entweder einzeln oder zu einem Fareg oder Duar, d.h. Zeltdorfe vereinigt. Die Zelte bestehen meistens aus einem Gewebe von Ziegenhaar oft mit Kameelhaar untermischt und je nach dem Stamme sind sie verschieden geformt und haben sie verschiedene Abzeichen und Farben im Gewebe. Die Nomaden leben hauptsächlich von Viehzucht, treiben aber auch Ackerbau. Der Kreis ihrer Züge ist überhaupt ein beschränkter, nicht jeder Stamm kann mit seinen Heerden hingehen, wohin er will, von Alters her haben sie nach Uebereinkommen ihre bestimmten Grenzen unter sich, welche nicht übertreten werden. Aber eben da dies Alles nur auf Uebereinkommen und Herkommen beruht, brechen darüber oft Streitigkeiten aus, welche zu Krieg zwischen den Triben anwachsen. Obschon die Polygamie erlaubt ist, so sind doch fast alle Tripolitaner, selbst die Städtebewohner Monogamen. Das was man über die Stellung der Frauen bei den Arabern und Berbern im Allgemeinen gesagt hat, ist auch hier in Tripolitanien ebenso falsch und beruht auf oberflächlicher Beobachtung der Sitten. Die Frau hat allerdings nicht die hohe und berechtigte Stellung, welche sie in der christlichen Welt einnimmt, welche Stellung zum Theil durch den Mariencultus der katholischen und griechischen Kirche hergekommen, zum Theil in den Anschauungen unserer eigenen heidnischen Vorführen begründet 71ist, indess ist sie doch keineswegs so unterdrückt, wie man nach den Beschreibungen der meisten Reisenden vermuthen sollte. Dass die Frau das Mehl reibt oder mahlt, dass sie Brod bäckt, dass sie die Basina und den Kuskussu zubereitet, endlich das nöthige Wasser für die Familie herbeiholt, wenn oft auf grosse Entfernungen, finde ich ganz natürlich; was aber die schwere Arbeit anbetrifft, der Ackerbau, die Ernte, die Viehzucht, so sehen wir damit ausschliesslich die Männer beschäftigt. Ebenso ist es in den Städten, die Maurerarbeiten, Tischler, Schlosser, Schmiede und überhaupt alle Handwerke werden von den Männern wie bei uns betrieben, während der Frau die häuslichen Arbeiten zufallen. Nur als besonders muss ich hervorheben, dass die Töpferarbeit in Fesan eine Frauenbeschäftigung ist. Dass aber im Allgemeinen die Frau bei den ansässigen, wie nomadisirenden Tripolitanern ebenso das Regiment führt wie bei uns, wird Jedem, der Gelegenheit gehabt hat, in mohammedanischen Familien eingeführt gewesen zu sein, bekannt sein.

Von Natur sind die Tripolitaner, sowohl Berber als Araber, kriegerisch und stehen in dieser Beziehung keineswegs hinter den Algerinern, den tapfersten von allen an der Nordküste von Afrika zurück. Die eiserne Hand der Türken hat sie aber zahm gemacht, so dass jetzt vollkommene Ruhe und Sicherheit im Lande ist, nur in der sogenannten grossen Syrtewüste und in dem Hochlande 72von Cyrenaica, wo die Herrschaft der Türken noch nicht so sicher etablirt ist, würde es für einen einzelnen Wanderer gefahrlich sein. In früheren Zeiten bedeutend fanatischer, wie man aus dem Reiseberichte von Lyons und später dem von Beechey, ersehen kann, hat auch in dieser Beziehung die Herrschaft der Türken, welche ja die duldsamsten von allen Mohammedanern sind, eine grosse Veränderung hervorgerufen. Die Tripolitaner sind heutzutage, die Rhadamser und Barkenser vielleicht ausgenommen, die duldsamsten Leute geworden. Namentlich in den Städten und dies gilt besonders von Tripolis, sind die alten Vorurtheile gegen Christen und Juden geschwunden. Die Mohammedaner huldigen in ganz Tripolitanien dem malekitischen Ritus, welcher auch offenbar für Nomadenvölker der bequemste ist. Malek gewährt den Leuten, welche nach seiner Weise beten, manche kleine Begünstigungen, so z.B. brauchen die Reisenden beim Gebet die Sandalen nicht abzubinden (Schuhe müssen jedoch ausgezogen werden) und da dies immer ein umständliches Zeit raubendes Geschäft ist, so sind ihm die Wüstensöhne dafür sehr dankbar. Dass übrigens von malekitischen oder hanbalitischen etc. Moscheen in Tripolitanien so wenig die Rede ist, wie anderwärts, brauche ich wohl kaum zu sagen. Hanbalitische—, Moscheen als Solche giebt es nicht. Alle vier rechten Religionssecten können in einer und derselben Moschee beten, ohne Unterscheidung und Unterbrechung hervorzurufen. 73So beruht beim Beten der einzige Unterschied zwischen dem Hanefi und Maleki beispielsweise darin, dass erstere die Arme kreuzen, letztere, nachdem Allahou akbar gerufen, herabhängen lassen. So kommt es denn oft genug vor, dass der Vorbeter Hanefisch betet und alle Nachbeter Malekitisch das Gebet vollziehen und umgekehrt. Nur die Chomis oder nicht den vier rechtgläubigen Secten angehörenden Mohammedaner werden in keiner Moschee geduldet. An religiösen Gemeinschaften giebt es in Tripolitanien hauptsächlich drei, die Anhänger Mulei Thaib's, die Mádani oder Anhänger Mohammed el Mádani und die Anhänger Snussi's.

Mulei Thaib, welcher sein Grab in Uezan in Marokko hat, wo er auch lebte und wirkte, hat die über ganz Afrika weitverbreitetste Brüderschaft gegründet. Aus dem Hause der Schürfa und directer Abkömmling von Mulei Edris, dem Gründer von Fes, stiftete ein anderer seiner Ahnen Mulei Abd Allah Scherif die berühmte Sauya von Uezan und zugleich auch einen Orden, der heute noch sehr zahlreich und berühmt in Marokko ist. Mulei Thaib, Abkömmling des Mulei Abd Allah Scherif, nicht zufrieden mit der localen Ausdehnung, erneuerte den Orden und gab ihm die grosse Ausdehnung, die er jetzt noch hat. In Marokko und Algerien sind die Klöster und Mkaddem[8] Mulei Thaib's unzählig, in Tripolitanien 74gehören nur die Rhadamser der Confraterschaft Thaib's an, weiter nach Osten hat er nur noch einzelne Mitglieder[9].

Die Anhänger von Mohammed el Mádani sind wenig zahlreich; in diesem Orden sind fast nur gebildete Leute. Die Mitglieder dieser Innung sind ausschliesslich in Tripolitanien und einigen Ortschaften in Aegypten und Tunis. Ihr Gründer war ein Wahabite aus Arabien Namens Sidi el Arbi, flüchtig von seinem Vaterlande, zog er nach Fes und wollte eben seine neue Lehre dort begründen als er starb; einer seiner Jünger Mohammed el Mádani (d.h. der aus Medina gebürtige) setzte sein Werk fort und stiftete den Orden der Mádani. Aber auch in Fes wurde dieser freisinnige Orden nicht geduldet, ebenso wenig in Algerien, wo er sich im Jahre 1829 befand; gleichfalls von Tunis vertrieben, liess er sich in Mesurata in Tripolitanien nieder und konnte hier ungestört lehren und für die Ausbreitung seiner religiösen Innung sorgen. Von der eigentlichen Lehre der Wahabiten gänzlich abweichend, glauben sie an ein göttliches Wesen und an einen Rapport des Menschen mit Gott mittelst des Gebetes und einer sinnigen Betrachtung, die Einheit Gottes, die Unsterblichkeit der Seele, Strafe und Belohnung im zukünftigen Leben, ist die Basis ihrer Lehre und da dies 75zugleich die Grundlagen der drei semitischen Religionen sind, so schliessen sie die Christen und Juden als befähigt in's Paradies zu kommen, nicht aus. Ohne Fanatismus predigen sie die Brüderlichkeit und Toleranz und obgleich auch sie auf Formen und Cultus halten, ist dies bei ihnen Nebensache und nicht unbedingt nothwendig, um eine Vereinigung mit Gott im jenseitigen Leben zu erzielen.

Ganz das Gegentheil dieser vielleicht tolerantesten[10] von allen Mohammedanern wurde im Anfange der vierziger Jahre die Brüderschaft der Snussi gegründet. Si Mohammed Snussi in Tlemçen geboren, verliess vom glühendsten Hasse gegen die Franzosen und Christen sein Geburtsland und begab sich nach Fes, um dort auf der Hochschule von Karuin die Kenntnisse zu erwerben, welche er für nothwendig hielt einen Orden zu gründen, welcher hauptsächlich die immer mehr um sich greifenden Ideen und Gebräuche der Christen unter den Mohammedanern bekämpfen sollte. Nach einigen Jahren Aufenthaltes in Fesan und da er sah, dass dort die Gründung eines neuen Ordens, den anderen dort schon existirenden gegenüber keine Aussicht auf Erfolg haben würde, besonders da Si Mohammed kein Scherif, sondern bloss ein Thaleb war, 76ging er nach Mekka, um seinen Ruf der Heiligkeit zu vermehren. Er schlug den Landweg ein durch die Wüste und berührte hiebei Barca und die Uah-Oasen. Frappirt von der Religionslosigkeit der dortigen Eingebornen, die blos dem Namen nach Mohammedaner waren, ersah er sogleich, dass hier die Gegend sei, wo er die Stiftung seines Ordens vornehmen müsse. Seinen Vorsatz nach Mekka führte er aus und ging dann nach Constantinopel, um sich einen Firman zu erwirken, damit die Localbehörden seinem Unternehmen keine Schwierigkeiten in den Weg legten. Nachdem er diesen erlangt hatte, kehrte er zurück und legte in Sarabub, dem westlichsten Theile der Jupiter-Ammonsoase eine Sauya an. Obgleich er nie den Zweck aus dem Auge verlor, die christlichen Ideen zu bekämpfen, war sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet Filialsauya zu errichten, der Kreis seiner Anhänger vermehrte sich, Barca ist ganz dem Snussi unterworfen, ebenso Audjila und Djalo, in Kufra wurde ein neuer Ort gegründet und in Uadai, wohin sein Sohn selbst eine Reise machte, der Orden der Snussi als allein berechtigt, eingeführt, Kauar und Fesan halten ebenfalls zu den Gebräuchen der Snussi, aber im eigentlichen Tripolitanien wurde sein Orden nicht ausgebreitet, eine in Rhadames gestiftete Sauya musste 1864 wieder eingehen. Sein Sohn Sidi el Mabdi, welcher ihm 1860 nachfolgte, scheint nicht den Hass gegen die Christen zu haben, wie sein Vater, seine Hauptsorge scheint im Sammeln 77von Reichthümern zu bestehen, was natürlich bei allen Orden immer die Hauptsache ist.

Das Klima in Tripolitanien ist natürlich sehr verschieden: An der Küste hat dasselbe grosse Aehnlichkeit mit dem von Unterägypten und dürfte es an der grossen Syrtenküste noch heisser sein, auf den bewaldeten Bergen ist das Klima Süditaliens, jedoch ist bei Gebliwinde die Hitze viel intensiver. Im Winter ist es übrigens häufig, dass Frost und Reif auftreten. Die grössten Gegensätze finden sich wie überall in der Wüste in den tripolitanischen Oasen, im Sommer steigt das Thermometer bis über 45°, im Winter fällt es häufig unter Null. Ja an einzelnen Tagen beträgt der Unterschied oft 30°, so hat man in Fesan -4° Nachts beobachtet mit einer nachmittägigen Hitze von +24°. Im Winter ist an der Küste die Feuchtigkeit ebenso gross wie in Norddeutschland und auf den Bergen oft noch grösser, namentlich in Cyrenaica. In den Oasen ist selbstverständlich die Trockenheit der Sahara und selbst grosse Strecken feuchten Bodens wie in Fesan haben dem grossen Ganzen gegenüber keinen Einfluss. Während im Winter die Barometerschwankungen an der Küste stark und unregelmässig sind, bleiben sie im Innern, sowohl Winter wie Sommer unbedeutend und regelmässig. Ebenso ist es mit den Winden: im Winter, obschon dann Nordwestwind vorherrschend ist, durchlaufen die Winde oft in einem Tage die Rose, im Sommer sind 78sie aber ganz gleichmässig, fast immer von 10 Uhr Morgens an, von Norden kommend und manchmal nur durch die meistens aus Südsüdost kommenden glühend heissen Gebli- oder Samumwinde unterbrochen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass in Tripolitanien ein sehr gesundes Klima ist, am zuträglichsten ist jedenfalls die köstliche Luft Cyrenaica's und des Djebel, aber auch an den Küsten in Bengasi, Tripolis und den anderen Orten weiss man von Epidemien und Endemien nichts. So ist z.B. bis jetzt nie die Cholera in Tripolitanien gewesen und wenn in früheren Jahren die Pest aufgetreten ist, so rührt das jedenfalls durch Einschleppung und mangelhafte sanitätliche Polizeieinrichtung her. Neuangekommene Europäer haben in den Städten oft Leberleiden, meist aber aklimatisiren sie sich rasch. Entschieden ungesund ist das Klima in einigen Theilen von Fesan, wo die Sebcha oder Salzsümpfe in Verbindung mit faulenden organischen Substanzen im Sommer die bösesten intermittirenden Fieber hervorrufen.

Tripolitanien, welches unter der türkischen Regierung ein Eyalet oder eine Provinz ist, hat 7 verschiedene Liva oder Nayet, welche unseren Kreisen oder Districten entsprechen. Die Zahl und Grösse derselben wechselt aber häufig nach der Laune des Muschir oder Grossgouverneurs. In den ersten Jahren wurden die Liva sogar vom Muschir besetzt, heute werden die Districtsgouverneure jedoch von Constantinopel aus angestellt, 79in der Verwaltung jedoch sind sie dem Muschir Tripolitanten verantwortlich.

Die verschiedenen Liva sind: 1. Tripolis selbst mit Umgebung (Mschiah. Tadjura etc.), 2. Choms, welches die westliche Syrtenküste begreift und die Gebirgslandschaft von Tarhona, 3. Sauya, die Landschaft westlich von Tripolis bis nach Tunisien, 4. Djebel, welches das ganze Gebirge südlich von Tripolis und Misda begreift, 5. Rhadames mit einigen kleinen Oasen in der Nähe, 6. Fesan und 7. Barca, welches das ganze alte Cyrenaica und die Audjila-Oasen begreift. Dem Liva steht ein Kaiumakam vor, der meist auch den Titel Pascha hat, und die Liva sind wieder in verschiedene Mudiriate abgetheilt, denen ein Mudir vorsteht.