Erster Auftritt.
Tonja. Stefan. Boris. Ljuba. Lisa. Mitrofan. Priester. Bauern von außen.
Ljuba. Wie entzückend, das Andante.
Stefan. Nein, das Scherzo. Alles wundervoll.
Lisa. Sehr schön.
Stefan. Ich hätte Sie nie für solche Künstlerin gehalten. Das ist wirklich meisterhaftes Spiel. Technische Schwierigkeiten existieren für Sie nicht; Sie denken nur an den Gefühlsinhalt und drücken alles wunderbar zart aus.
Ljuba. Und vornehm.
Tonja. Ich fühle aber, daß es nicht so ist, wie ich möchte … Mir fehlt noch vieles.
Lisa. Wie ist das möglich? Ich finde alles wunderbar.
Ljuba. Schumann ist schön, aber Chopin greift doch mehr ans Herz.
Stefan. Er ist lyrischer.
Tonja. Man kann die beiden nicht vergleichen.
Ljuba. Kennst du sein Prélude?
Tonja. Das sogenannte George Sand-Prélude? (Sie spielt den Anfang.)
Ljuba. Nein, das nicht. Es ist schön, wird aber reichlich viel gespielt. Nun, spiel nur, bitte.
Tonja (spielt, soweit sie kann, bricht dann aber plötzlich ab).
Ljuba. Nein, D-Moll.
Tonja. Ach, das – das ist herrlich. Es hat so etwas Elementares, Vorweltliches.
Stefan (lacht). Ja, ja. Nun, spielen Sie, bitte. Aber Sie sind müde. Also haben wir wenigstens einen herrlichen Morgen verbracht – dank Ihnen.
Tonja (steht auf und schaut zum Fenster hinaus). Wieder die Launen.
Ljuba. Was die Musik alles vermag! Ich verstehe König Saul. Mich quält kein böser Geist, aber ich begreife ihn. Keine Kunst läßt so alles vergessen, wie die Musik. (Sie tritt zum Fenster.) Was wollt ihr?
Bauern. Wir haben Nikolai Iwanowitsch gebeten.
Ljuba. Er ist nicht hier. Wartet etwas.
Tonja. Und dabei heiratest du einen Menschen, der nichts von Musik versteht.
Ljuba. Das ist nicht möglich.
Boris (zerstreut). Musik … Nein, ich liebe sie, oder besser, ich bin ihr nicht feind. Ziehe aber etwas Einfacheres vor, zum Beispiel ein schlichtes Lied.
Tonja. Wieso? Ist denn diese Sonate nicht reizend?
Boris. Sie scheint mir nicht wichtig. Ich beneide die Leute, die solchen Dingen Wichtigkeit beimessen.
(Auf dem Tische stehen Süßigkeiten.)
Alle (essen davon).
Lisa. Das finde ich nett: ein Bräutigam und dann diese Süßigkeiten …
Boris. Daran bin ich unschuldig. Das hat Mama besorgt.
Tonja. Ich finde es sehr nett.
Ljuba. Musik ist dadurch wertvoll, daß sie ergreift, erhebt und die Wirklichkeit vergessen macht. Wie düster war vorhin alles – nun hast du gespielt, und plötzlich ist es ringsum licht geworden. Wirklich licht geworden.
Lisa. Die Chopinschen Walzer sind etwas abgeleiert und dennoch …
Tonja. Dieser zum Beispiel … (Sie spielt.)
Nikolai Iwanowitsch (tritt ein und begrüßt alle Anwesenden einzeln).