Neunter Auftritt.
Ljuba und Starkowski.
Starkowski (faßt Ljuba bei der Hand). Ljuba, darf ich? Ich bin so glücklich. (Er küßt ihre Hand.) Die Masurka ist mein, aber die genügt mir nicht. Dabei kann man sich so wenig unterhalten. Und ich habe so viel auf dem Herzen. Darf ich meinen Eltern telegraphieren, daß ich glücklicher Bräutigam bin?
Ljuba. Ja, heute abend.
Starkowski. Und noch eins: wie wird dein Vater die Nachricht aufnehmen? Habt ihr mit ihm gesprochen, ja?
Ljuba. Ich nicht. Aber ich werde es ihm sagen. Er wird die Nachricht aufnehmen, wie alles, was die Familie betrifft; wird sagen: tu, was du für richtig hältst. Aber innerlich wird er traurig sein.
Starkowski. Weil ich nicht Tscheremschanow bin, sondern Kammerjunker und Adelsmarschall?
Ljuba. Ja. Ich habe mit mir selbst gekämpft, mich seinetwillen belogen. Nicht, weil ich ihn zu wenig liebe, kann ich nicht auf das eingehen, was er will, sondern weil ich mich nicht verstellen kann. Mein sehnlicher Wunsch ist: leben, leben!
Starkowski. Das ist auch das einzig Wahre. Na, aber Tscheremschanow?
Ljuba (erregt). Sprich nicht von ihm. Ich könnte mich hinreißen lassen, ihn zu verurteilen, jetzt, wo er leidet. Und ich weiß, daß das daher rührt, daß ich vor ihm schuldig bin. Ich weiß aber auch, daß es eine Liebe, eine wahre Liebe gibt, die ich für ihn nie empfunden habe.
Starkowski. Ljuba, ist das wahr?
Ljuba. Du möchtest von mir hören, daß ich diese wahre Liebe für dich empfinde? Aber das kann ich nicht. Gewiß, ich liebe dich anders – aber auch nicht richtig. Wenn man das eine und das andere zusammentun könnte …
Starkowski. Nun, ich bin schon zufrieden. Ljuba! (Er küßt ihr die Hand.)
Ljuba (abwehrend). Nein, wir wollen hier aufräumen. Da kommen schon Gäste.
Die Fürstin (kommt mit Tonja und einem kleinen Mädchen).