Sechster Auftritt.
Die Vorigen ohne Nikolai Iwanowitsch und Maria Iwanowna.
Ljuba (setzt sich an den Samowar). Wünschen Sie Kaffee oder Tee?
Boris. Einerlei …
Ljuba. Immer dasselbe. Ich weiß nicht, wie das endet.
Boris. Ich verstehe ihn nicht. Ich weiß, daß das Volk arm, unwissend ist, daß man ihm helfen muß; aber nicht in der Art, daß man Diebe ermutigt.
Ljuba. Wodurch denn?
Boris. Durch unsere ganze Tätigkeit. Unser ganzes Wissen, alle Kenntnisse muß man in den Dienst des Volkes stellen – sein Leben darf man aber nicht hingeben.
Ljuba. Papa sagt, gerade das sei notwendig.
Boris. Das verstehe ich nicht. Man kann dem Volk dienen, ohne sein Leben zugrunde zu richten. So will ich meine Zukunft einrichten. Wenn du nur deinerseits …
Ljuba. Ich will, was du willst. Ich fürchte mich nicht.
Boris. Und diese Ohrringe, das Kleid?
Ljuba. Die Ohrringe kann man verkaufen, das Kleid ist nicht viel wert. Trotzdem braucht man ja nicht als Vogelscheuche herumzulaufen.
Boris. Ich möchte noch mit deinem Vater sprechen. Was meinst du, bin ich ihm im Wege, wenn ich ihn im Dorf aufsuche?
Ljuba. Durchaus nicht. Ich sehe, daß er dich gern hat. Gestern wandte er sich meistens an dich.
Boris (leert seine Kaffeetasse). Also ich gehe.
Ljuba. Ja, geh nur. Ich werde Lisa und Tonja wecken.
Beide (gehen ab).