Sechster Auftritt.
Die Vorigen ohne Nikolai Iwanowitsch.
Stefan. Was heißt das: nicht teilnehmen? Unser ganzes Dasein ist ja aufs engste damit verknüpft.
Boris. Eben deswegen sagt er ja: man darf vor allen Dingen kein Eigentum haben, muß sein ganzes Leben ändern; es nicht so einrichten, daß andere uns dienen, sondern daß wir anderen dienen.
Tonja. Du bist ja schon ganz auf seiner Seite!
Boris. Ja, ich habe ihn zum erstenmal richtig verstanden. Und dann das, was ich im Dorfe sah. Man braucht nur die Brille abzunehmen, durch die wir das Leben des Volkes betrachten, und den Zusammenhang zwischen ihren Leiden und unsern Freuden wahrzunehmen, so wird alles entschieden.
Mitrofan. Gewiß, aber das Mittel dazu besteht nicht darin, sein Leben zu ruinieren.
Stefan. Wunderbar, Mitrofan Jermilytsch und ich nehmen einen ganz verschiedenen Standpunkt ein und treffen in diesem Punkt doch zusammen: sein Leben darf man nicht ruinieren, das sind meine Worte.
Boris. Sehr begreiflich. Ihr beide wollt ein angenehmes Leben führen und trachtet daher nach Zuständen, die euch diese Annehmlichkeiten garantieren. Sie (zu Stefan) möchten die jetzige Ordnung der Dinge beibehalten, während Mitrofan Jermilytsch eine neue herbeizuführen wünscht.
Ljuba (flüstert Tonja etwas zu).
Tonja (geht zum Flügel und spielt ein Notturno von Chopin).
Alle (verstummen).
Stefan. Das ist schön. Das löst alle Fragen.
Boris. Verdunkelt alles und schiebt die Entscheidung hinaus.
Maria Iwanowna und die Fürstin (sind während des Spiels leise eingetreten, haben Platz genommen und hören zu).
(Vor dem Ende des Notturnos ertönt Schellenläuten.)