Siebenter Auftritt.
Die Vorigen. Gendarmerieoffizier und Schreiber.
Gendarmerieoffizier (zum Schreiber). Ist hier der Rekrut Fürst Tscheremschanow?
Schreiber. Zu Befehl. Da ist er.
Gendarmerieoffizier. Bitte sich hierher zu verfügen. Sind Sie Fürst Boris Semjonowitsch Tscheremschanow, der den Fahneneid nicht leisten will?
Boris. Ja.
Gendarmerieoffizier (setzt sich und deutet auf einen Platz gegenüber). Bitte, setzen Sie sich.
Boris. Ich glaube, unsere Unterhaltung ist vollkommen überflüssig.
Gendarmerieoffizier. Das glaube ich nicht. Für Sie wenigstens durchaus nicht, wie Sie sich sofort überzeugen werden. Mir ist mitgeteilt, Sie weigern sich, zu dienen und den Eid zu leisten; es besteht daher Verdacht, daß Sie zur revolutionären Partei gehören. Das habe ich zu untersuchen. Wenn es richtig ist, müssen wir Sie vom Militär fortnehmen und einsperren oder verbannen, je nach dem Grade Ihrer Beteiligung an der Revolution. Anderenfalls überlassen wir Sie der Militärbehörde. Sie sehen, daß ich offen mit Ihnen spreche und hoffe, daß Sie uns ebensolches Vertrauen entgegenbringen.
Boris. Vertrauen kann ich zu Leuten, die das da tragen, (er deutet auf die Uniform) nicht haben. Außerdem ist Ihre Tätigkeit derart, daß ich sie durchaus nicht respektiere, sondern auf das gründlichste verabscheue. Ihre Fragen aber werde ich beantworten. Was wünschen Sie zu wissen?
Gendarmerieoffizier. Gestatten Sie zunächst: Ihr Name, Beruf, Konfession?
Boris. Das wissen Sie alles; darauf antworte ich nicht. Für mich ist nur eins wichtig: ich gehöre nicht zur griechisch-katholischen Kirche, bin kein sogenannter Rechtgläubiger.
Gendarmerieoffizier. Welchen Glauben haben Sie denn?
Boris. Das läßt sich nicht so schnell sagen.
Gendarmerieoffizier. Nun, Sie werden doch irgendeine Antwort geben?
Boris. Also ich bin Christ, nach der Lehre der Bergpredigt.
Gendarmerieoffizier. Schreiben Sie.
Schreiber (tut es).
Gendarmerieoffizier (zu Boris). Sie betrachten sich doch aber als Angehörigen eines bestimmten Staates und Standes?
Boris. Nein. Ich bezeichne mich als Mensch, Diener Gottes.
Gendarmerieoffizier. Warum bezeichnen Sie sich nicht als russischen Staatsangehörigen?
Boris. Weil ich keinen Staat anerkenne.
Gendarmerieoffizier. Was heißt das? Wünschen Sie sein Aufhören?
Boris. Ohne Frage. Darauf arbeite ich ja hin.
Gendarmerieoffizier (zum Schreiber). Schreiben Sie. (Zu Boris.) Mit welchen Mitteln arbeiten Sie darauf hin?
Boris. Indem ich den Betrug, die Lüge aufdecke und die Wahrheit verbreite. Gerade als Sie eintraten, sagte ich zu diesen Soldaten, sie sollten nicht an den Betrug glauben, den man an ihnen verübt.
Gendarmerieoffizier. Außer diesen Mitteln der Überredung gebrauchen Sie doch noch andere?
Boris. Nein. Jede Gewalttat halte ich für die größte Sünde. Nicht nur jede Gewalt, sondern sogar jede Heimlichkeit, jede List …
Gendarmerieoffizier. Schreiben Sie. Es ist gut. Jetzt gestatten Sie, daß ich mich nach Ihrem Umgang erkundige. Kennen Sie Iwaschenkow?
Boris. Nein.
Gendarmerieoffizier. Klein?
Boris. Ich habe von ihm gehört, ihn aber nie gesehen.
Ein bejahrter Geistlicher (mit Kreuz und Bibel tritt ein).
Schreiber (läßt sich von ihm segnen).