Vierzehnter Auftritt.
Nikolai Iwanowitsch und Maria Iwanowna.
Nikolai (sitzt nachdenklich da; lächelt dann über seine Gedanken). Mascha! Wozu das? Warum hast du diesen kläglichen, im Irrtum befangenen Menschen kommen lassen? Warum mischen sich diese laute Frau und dieser Priester in unser intimstes Leben? Können wir unsere Angelegenheiten nicht selbst ordnen?
Maria. Was soll ich tun, wenn du unsere Kinder ohne alle Mittel lassen willst. Das kann ich nicht ruhig mit ansehen. Du weißt, daß ich nicht selbstsüchtig bin und für mich nichts brauche.
Nikolai. Das weiß ich und glaube ich. Das Unglück ist, daß du nicht glaubst, weder an die Wahrheit – ich weiß, daß du sie siehst, du kannst dich aber nicht entschließen, an sie zu glauben. Weder an die Wahrheit glaubst du, noch an mich. Du glaubst dem Haufen – der Fürstin und den anderen.
Maria. Ich glaube dir, habe dir stets geglaubt; wenn du aber die Kinder zu Bettlern machen willst …
Nikolai. Das zeigt ja eben, daß du keinen Glauben hast. Meinst du, ich hätte nicht gekämpft, nicht Angst ausgestanden? Dann habe ich mich aber überzeugt, daß man so nicht nur handeln kann, sondern muß; daß es so allein für die Kinder das Notwendige, Gute ist. Du sagst immer, wenn die Kinder nicht wären, könnten wir leben wie wir wollten; dann würden wir nur uns zugrunde richten. Wir richten sie aber zugrunde.
Maria. Was soll ich tun, da ich das nicht verstehe.
Nikolai. Und was soll ich tun? Ich weiß ja, weshalb ihr diesen kläglichen Menschen im Priesterkleid mit dem Kreuz auf der Brust verschrieben, und weshalb Aline den Notar mitgebracht hat. Ich soll die Besitzung auf deinen Namen schreiben lassen. Das kann ich nicht. Zwanzig Jahre lang habe ich dich geliebt. Ich liebe dich noch und will dein Bestes und kann deswegen das Gut nicht verschreiben. Wenn ich es tue, sollen die es haben, denen es fortgenommen ist – die Bauern. Ich kann nicht anders, ich muß es ihnen geben. Und ich freue mich, daß der Notar zugegen ist, und will das gleich jetzt tun.
Maria. Nein, das ist fürchterlich! Wie kann man nur so grausam sein. Du hältst es für sündhaft, das Gut zu behalten; so gib es doch mir. (Sie weint.)
Nikolai. Du weißt nicht, was du sprichst. Wenn ich es dir gebe, kann ich nicht weiter mit dir leben, dann muß ich fort. Ich kann unter diesen Bedingungen nicht weiterleben; kann es nicht mit ansehen, daß, nicht mehr in meinem, sondern in deinem Namen, den Bauern das Mark aus den Knochen gepreßt wird und man sie ins Gefängnis wirft. Also wähle.
Maria. Wie bist du grausam! Was ist denn das für ein Christentum? Das ist ja Bosheit. Ich kann doch nicht so leben, wie du willst. Kann meinen Kindern nicht alles nehmen, um es dem ersten besten zu geben. Und deshalb willst du mich verstoßen? Gut, tue es. Ich sehe, daß du mich nicht mehr liebst, und weiß auch, weshalb.
Nikolai. Also gut, ich unterschreibe. Aber du verlangst von mir etwas Unmögliches, Mascha. (Er geht zum Tisch und unterschreibt.) Du hast es gewollt. Ich kann so nicht leben.