Zwanzigster Auftritt.
Die Vorigen und der Diener.
Maria (hört nicht auf ihren Gatten, sondern wendet sich dem Diener zu). Bringen Sie etwas gekochte Sahne.
Diener (geht ab).
Nikolai. Und im Evangelium fand ich die Antwort, daß wir nicht um unserer selbst willen leben. Das wurde mir klar, als ich einmal über das Gleichnis von den Weingärtnern nachdachte. Kennst du es?
Maria. Ja, das von den Arbeitern.
Nikolai. Nun, dieses Gleichnis zeigte mir ganz klar, worin mein Irrtum bestand. Wie die Weingärtner den Garten für ihr Eigentum hielten, glaubte ich, mein Leben sei – mein. Da war denn alles schrecklich. Sobald ich aber begriff, daß mein Leben nicht mir gehöre, sondern daß ich in die Welt gesandt sei, um das Werk Gottes zu verrichten …
Maria. Nun ja, das wissen wir alle.
Nikolai. Wenn das der Fall ist, können wir unmöglich derart weiter leben, daß unser ganzes Leben nicht nur keine Erfüllung des Willens Gottes, sondern im Gegenteil seine ununterbrochene Übertretung bedeutet.
Maria. Wie ist das möglich, wenn wir niemandem Böses tun?
Nikolai. Was heißt: niemandem Böses tun? Das ist ja genau die Lebensauffassung der Weingärtner. Wir müssen doch …
Maria. Ich kenne das Gleichnis. Er gab allen gleichen Lohn.
Nikolai (nach kurzem Schweigen). Nein, das ist nicht das Wesentliche. Bedenk doch, Mascha, daß wir nur ein Leben besitzen, das wir entweder heiligen oder zugrunde richten können.
Maria. Ich bin nicht imstande, so viel zu denken und zu überlegen. Nachts schlafe ich nicht, nähre das Kind, besorge den ganzen Haushalt, und anstatt mir zu helfen, redest du mir Dinge vor, die ich nicht verstehe.
Nikolai. Mascha!
Maria. Dazu nun noch der Besuch.
Nikolai. Schon gut. Wir werden uns schon verständigen. (Er küßt sie.) Nicht wahr?
Maria. Ja; wenn du nur so bist, wie früher.
Nikolai. Das kann ich nicht; du mußt auf mich hören.
(Es ertönt Schellengeläut und Wagenrollen.)
Maria. Jetzt ist keine Zeit. Die Gäste sind da. Ich muß zu ihnen. (Sie geht um die Hausecke.)
Ljuba und Stefan (gehen auch dorthin).
Wanja (springt über eine Bank). Ich höre nicht auf, wir spielen die Partie zu Ende. Ljuba! Na, also?
Ljuba (ernst). Bitte, mach keine Dummheiten.
Alexandra Iwanowna mit ihrem Gatten und Lisa (kommen auf die Veranda).
Nikolai Iwanowitsch (geht nachdenklich auf und ab).