Zweiter Auftritt.

Die Vorigen ohne Schreiber.

General (gibt das Schriftstück dem Adjutanten). Lesen Sie bitte vor.

Adjutant (liest). »Auf die mir vorgelegten Fragen: 1) Warum ich den Fahneneid nicht leiste, 2) warum ich mich weigere, die Befehle der Vorgesetzten zu erfüllen, und 3) was mich dazu veranlaßt hat, nicht nur gegen das Militär, sondern auch gegen die höchste Macht im Staate kränkende Äußerungen zu tun – erwidere ich zu 1) ich leiste den Eid deswegen nicht, weil ich mich zum Christentum bekenne. Das Christentum aber verbietet klar und deutlich den Eid, sowohl im Evangelium Matthäi V, 33–37 wie auch in der Epistel des Jakobus V, 12.«

General. Schwadroneur. Der legt die Bibel auf seine Weise aus.

Adjutant (fortfahrend). »Im Evangelium heißt es: ›Ihr sollt überhaupt nicht schwören. Eure Rede sei: Ja, ja, oder nein, nein; was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.‹ In der Epistel des Jakobus: ›Vor allem, meine Brüder, schwört nicht; weder beim Himmel, noch bei der Erde, noch sonst einen Schwur. Euer Ja sei Ja, euer Nein – Nein, damit ihr nicht unter das Gericht fallt.‹ Aber ich will von dieser ganz klaren Vorschrift im Evangelium, daß man nicht schwören darf, ganz absehen; selbst wenn diese Vorschrift nicht existierte, könnte ich nicht schwören, die Befehle von Menschen auszuführen, da ich nach christlichem Gebot stets den Willen Gottes tun muß, der dem der Menschen widersprechen kann.«

General. Schwadroneur. Wenn es nach mir ginge, gäbe es das nicht.

Adjutant (liest). »Ich weigere mich aber, die Befehle von Leuten auszuführen, die sich Vorgesetzte nennen, weil …«

General. Diese Frechheit!

Adjutant. … »weil diese Befehle verbrecherisch, schlecht sind. Man verlangt von mir, ich soll in die Armee treten, mich zum Morde vorbereiten und ihn erlernen. Das ist im Alten wie im Neuen Testament verboten, und hauptsächlich verbietet es mir mein Gewissen. Auf die dritte Frage …«

Der Oberst (kommt mit dem Schreiber).

Der General (gibt ihm die Hand).