DIE MISSION SAINT-GERMAINS IM HAAG (1760)
I
Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul[178]
Graf d’Affry[179] an Choiseul
Haag, 22. Februar 1760.
Herr Astier[180] schreibt, daß sich in Amsterdam ein gewisser Graf Saint-Germain aufhält, der, soviel ich weiß, früher lange in England gelebt hat und einen recht sonderbaren Eindruck macht. Er spricht in ungewöhnlicher Weise von unseren Finanzen und unserem Ministerium und behauptet, mit einer wichtigen finanziellen Mission für Frankreich betraut zu sein.
Haag, 10. März 1760.
Graf Saint-Germain hat mich vorgestern hier aufgesucht. Er führte mir gegenüber dieselben Reden, wie er sie in Amsterdam geführt haben soll. Er hat soeben mein Haus verlassen; seine Gespräche drehten sich um die gleiche Sache. Er sagte mir zuerst, er könne mir unsere Finanzlage nicht trüb genug schildern; er besitze einen gewissen Plan zu ihrer Aufbesserung; mit einem Wort, er wolle das Königreich retten. Ich ließ ihn reden, soviel er wollte, und als er innehielt, fragte ich ihn, ob der Generalkontrolleur über diesen Plan Bescheid wisse. Er verneinte es und sagte bei dieser Gelegenheit viel Übles über den Vorgänger des Herrn Bertin[181]. Er schien besonders den Herren Pâris de Montmartel und Duverney[182] feindlich gesinnt. Wie er mir sagte, hätte er enge Beziehungen zum Herrn Marschall von Belle-Isle[183]; auch zeigte er mir zwei Briefe von ihm, die er seit seiner Ankunft in Holland erhalten hat. Darin spricht sich Herr von Belle-Isle anerkennend über seinen Eifer aus, aber sie enthalten nur allgemeine Wendungen und keine Einzelheiten.
Ich gestand Herrn von Saint-Germain, daß ich seinen Plan durchaus nicht begriffe. Er gab mir seinerseits zu, daß er ihn schlecht erklärt hätte, und versprach mir, ihn mir morgen mitzubringen. Ich fragte ihn, was seine Reise nach Holland mit diesem Plane zu tun hätte. Er gab mir darauf keine klare Antwort und sagte nur, sein allgemeines Vorhaben sei, uns den Kredit der vornehmsten hiesigen Bankhäuser zu sichern.
Ich werde mich beehren, Herr Herzog, Ihnen am nächsten Freitag (14. März) zu berichten, was Herr von Saint-Germain mir morgen etwa sagt und mitteilt. Ich weiß nicht, ob alle seine Behauptungen völlig wahrheitsgemäß sind, aber er hat sicherlich sehr ungewöhnliche Ansichten.
Haag, 11. März.
Herr von Saint-Germain hat mir seinen Plan mitgeteilt, der Herrn Bertin bekannt ist und sogar von ihm empfohlen wird.
Graf Saint-Germain an die Marquise von Pompadour
[Haag] 11. März 1760.
Gnädige Frau. Meine reinen und aufrichtigen Wünsche für die Wohlfahrt Ihres verehrten Volkes und für Sie selbst werden, wo ich auch in Europa weile, unverändert bleiben. Doch will ich nicht unterlassen, Ihnen Beweise dafür in aller Reinheit, Aufrichtigkeit und Stärke zu geben. Ich bin jetzt im Haag und wohne beim Grafen Bentinck, Herrn van Rhoon, zu dem ich enge Beziehungen habe[184]. Ich war so erfolgreich, daß ich glaube, Frankreich hat keinen verständigeren, treueren und beständigeren Freund. Des seien Sie versichert, gnädige Frau, wenn Sie auch das Gegenteil davon hören sollten.
Herr von Bentinck ist hier ebenso allmächtig wie in England, ein großer Staatsmann und vollendeter Ehrenmann. Er ist mir gegenüber völlig offen. Aus der Fülle meines Herzens sprach ich ihm von der reizenden Marquise von Pompadour. Meine Gefühle gegen Sie, gnädige Frau, sind Ihnen längst bekannt und gewiß der Herzensgüte und Seelenschönheit wert, die diese Gefühle erweckten. Er war so begeistert davon, daß er ganz bezaubert ist; mit einem Wort, Sie können sich auf ihn verlassen wie auf mich.
Ich glaube mit gutem Grunde, daß der König angesichts seiner Macht, seiner Aufrichtigkeit und Redlichkeit große Dienste von ihm erwarten kann. Wenn der König glaubt, daß meine Beziehungen zu ihm irgendwie von Nutzen sein können, so will ich mich aufs äußerste bemühen, ihm zu dienen. Meine freiwillige, selbstlose Hingebung an seine heilige Person muß ihm ja bekannt sein. Sie kennen die Treue, die ich Ihnen geschworen habe, gnädige Frau: befehlen Sie, und ich gehorche. Sie können Europa ohne die Verdrießlichkeiten und Schwierigkeiten eines Kongresses den Frieden geben. Ihre Befehle werden mir völlig sicher zukommen, wenn Sie sie an den Grafen van Rhoon im Haag senden oder, wenn Sie es für besser halten, an die Herren Thomas und Adrian Hope[185], bei denen ich in Amsterdam wohne. Was ich Ihnen zu schreiben habe, erscheint mir so bedeutsam, daß ich mir schwere Vorwürfe machen müßte, gnädige Frau, wenn ich es Ihnen verschweigen wollte, da ich nie etwas verborgen habe noch verbergen werde. Wenn Sie keine Zeit haben, mir selbst zu antworten, so bitte ich Sie, es durch eine sichere, vertrauenswürdige Person zu tun. Aber verlieren Sie keinen Augenblick; ich beschwöre Sie bei aller Liebe und Zuneigung für den besten und würdigsten aller Könige.
Graf d’Affry an Choiseul
Haag, 14. März 1760.
Ich habe den Plan gesehen, von dem Herr von Saint-Germain mir gesprochen hatte. Ich habe ihn an ihn zurückgesandt und werde ihm bei nächster Gelegenheit sagen, daß derartige Geschäfte mit meinem Amte nichts zu tun haben. Ich könnte mich ohne Auftrag nicht damit befassen und wünschte selbst, Kredite für die Staatsfinanzen in Amsterdam oder in anderen holländischen Städten zu finden ...
Wie Herr von Saint-Germain mir sagte, hat Herr Bentinck van Rhoon sich über meine Zurückhaltung bei ihm beschwert; ich spräche mit ihm nie von Geschäftssachen. Wie er hinzusetzte, hat Herr Bentinck ihm versichert, niemand sei weniger englisch gesinnt als er; er sei ein guter Patriot und mehr Franzose, als ich glaubte. Ich antwortete Herrn von Saint-Germain mit allgemeinen Wendungen, ließ aber durchblicken, daß ich es seltsam fände, daß Herr Bentinck ihm diesen Auftrag gegeben hätte, und noch seltsamer, daß er ihn übernommen hätte. Ich halte mich für verpflichtet, Ihnen alles mitzuteilen, was zwischen diesem Manne und mir stattgefunden hat.
Choiseul an Graf d’Affry
Versailles, 19. März 1760.
Ich sende Ihnen einen Brief des Herrn von Saint-Germain an die Marquise von Pompadour[186], der die unglaubliche Art dieses Mannes hinreichend beweist. Er ist ein Abenteurer ersten Ranges und zudem, soweit ich sehen kann, sehr töricht. Ich bitte Sie, ihn sofort nach Empfang meines Briefes zu sich kommen zu lassen und ihm zu sagen, ich wisse zwar nicht, wie man im Finanzdepartement über ihn dächte, gäbe Ihnen aber den Befehl, ihm zu eröffnen: sobald ich erführe, daß er sich irgendwie im Großen oder im Kleinen in die Politik einzumischen wage, so könne er sich darauf verlassen, ich würde beim König den Befehl erwirken, ihn bei seiner Rückkehr nach Frankreich für den Rest seiner Tage in einem Kerkerloch einzusperren. Sie wollen hinzusetzen, er möge ganz sicher sein, daß diese meine Absichten ebenso ernst sind, wie daß sie bestimmt ausgeführt werden, falls er mir Anlaß gibt, mein Wort zu halten.
Nach dieser Erklärung werden Sie ihn auffordern, nie wieder einen Fuß in Ihr Haus zu setzen, und Sie werden gut daran tun, allen fremden Gesandten sowie den Amsterdamer Bankiers das Kompliment bekanntzugeben, das Sie diesem unausstehlichen Abenteurer in meinem Auftrage gemacht haben.
Graf d’Affry an Choiseul
Haag, 21. März 1760.
Graf Rhoon van Bentinck hat mich nicht nur durch Herrn von Saint-Germain unterrichtet, sondern mir auch durch andere Personen sagen lassen, wie sehr ihm daran liege, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Ich gab zur Antwort, da ich bisher keinerlei Beziehungen zu ihm gehabt hätte, schiene es mir zwecklos, jetzt damit zu beginnen. Ich wäre jedoch stets bereit, mit Personen zusammenzugehen, die es als gute holländische Patrioten für ihr Land für vorteilhaft hielten, die Freundschaft und das Wohlwollen Seiner Majestät zu pflegen. Ich wüßte, daß Herr von Bentinck diese für sein Land wie für ihn selbst so wünschenswerten Grundsätze stets außer acht gelassen hätte und daß seine diesbezügliche Sinnesänderung Beweise von längerer Dauer erheischte, als ihm recht sein möchte. Er hat meine Antwort erhalten, sich dadurch aber nicht entmutigen lassen.
Ich hielt mich für verpflichtet, den Ratspensionär[187], Herrn van Slingelandt[188] und Herrn von Hompesch zu benachrichtigen. Wie sie mir sagten, wünscht Herr von Bentinck eine Annäherung an uns nur, um seinen Kredit hier und in England aufzufrischen, und er möchte wahrscheinlich zu einem der Bevollmächtigten der Republik auf dem künftigen Kongreß[189] ernannt werden.
Haag, 5. April 1760.
Ihren Erlaß vom 19. März über den Grafen Saint-Germain kann ich erst heute beantworten, weil das indiskrete Benehmen dieses Abenteurers (um nicht mehr zu sagen) mir Nachforschungen nötig erscheinen ließ, bevor ich Ihnen Bericht erstatte. Aber dies Benehmen ist derart, daß ich es für meine Pflicht halte, es zur Kenntnis Seiner Majestät zu bringen.
Am Tage nach Empfang Ihres Schreibens suchte Herr von Saint-Germain, der aus Amsterdam kam, mich auf. Er kam mit Herrn von Brühl und Kauderbach[190] und sagte mir, die Herren wollten mit ihm zum Grafen Golowkin[191] nach Ryswijk, wohin auch ich wollte. Ich sagte Herrn von Saint-Germain, daß ich ihn vorher zu sprechen wünschte, und teilte ihm zugleich den Inhalt Ihres Schreibens über seinen Plan mit. Er war davon niedergeschmettert. Zuletzt bat ich ihn, am nächsten Morgen um 10 Uhr zu mir zu kommen. Kurz darauf teilte ich Kauderbach den Inhalt Ihres Schreibens mit, worauf er sofort beschloß, Saint-Germain nicht nach Ryswijk mitzunehmen.
Saint-Germain ist nicht zu mir gekommen, und da ich glaubte, meine sehr deutlichen Erklärungen würden hinreichen, um ihn vorsichtig zu machen, ja ihn zum Verlassen des Landes bestimmen, so hielt ich es nicht für erforderlich, ihn nochmals zu mir zu bitten, sondern ließ es dabei bewenden, das, was Sie mir geschrieben haben, an die vornehmsten Vertreter der Republik und an einige fremde Gesandte mitzuteilen, sowie Herrn Astier in Amsterdam anzuweisen, die größten Bankhäuser vor den etwaigen Vorschlägen Saint-Germains zu warnen. Wie Herr Astier mir mitteilte, haben unter anderen die Herren Thomas und Adrian Hope seinen Aufenthalt bei ihnen als sehr lästig und peinlich empfunden und wollen die erste Gelegenheit wahrnehmen, um ihn loszuwerden.
Aber die beiden Briefe des Marschalls Belle-Isle, die Sie mir gesandt haben, scheinen mir zu beweisen, daß der Mann sich nicht an die ihm von mir erteilten Weisungen gehalten hat, sondern uns in neue Schwierigkeiten verwickeln wird. Diese Briefe erhielt ich Dienstag (1. April). Ich ließ Herrn von Saint-Germain auffordern, mich am Mittwoch früh aufzusuchen, aber er kam nicht, und vorgestern, am Donnerstag, sagte mir der Prinz von Braunschweig[192] in Gegenwart der Herren Golowkin und von Reischach[193], nachdem wir ihm unsere Gegenerklärungen[194] mitgeteilt hatten, er hätte erfahren, auf Befehl Seiner Majestät seien die Briefe, die Saint-Germain nach Versailles gerichtet hat, an mich übersandt worden. Wahrscheinlich würde ich bald noch andere erhalten; denn er wisse, daß Saint-Germain noch mehrere sehr lange geschrieben hätte, seit ihm mein Haus von mir verboten sei. Er selber hätte sich bestimmt geweigert, ihn zu empfangen. Trotzdem sei ihm bekannt, daß er andere Personen gesehen hätte und daß dieser Mensch hier noch immer Ränke spänne. Es ließe sich ihm zwar nichts zur Last legen, aber er sei in diesem Augenblick und hierzulande eine sehr gefährliche Person, und ein Mensch von solcher Dreistigkeit könne eine Unterhandlung durch einen einzigen Schritt erschweren und verzögern. Nun glaubte ich das Wort ergreifen zu müssen und sagte zum Prinzen Ludwig, ich sei vollauf ermächtigt, ihm sowie den Herren Golowkin und Reischach zu erklären, daß Saint-Germain von uns völlig desavouiert werde und daß auf irgendwelche Äußerungen von ihm über unsere Angelegenheiten oder unsere Regierung nichts zu geben sei. Ich sagte dem Prinzen von Braunschweig ferner, wenn er Gelegenheit habe, Herrn Yorke[195] zu sehen, vielleicht am gleichen Tage, so bäte ich ihn ernstlich, ihm von mir aus die gleiche Erklärung abzugeben. Dasselbe tat ich gestern morgen beim Ratspensionär und beim Greffier[196].
Vorgestern Abend, nach meiner Rückkehr aus Ryswijck, sandte ich zu Herrn von Saint-Germain und ließ ihn um seinen Besuch bitten. Er war nicht zu Hause. Ich sandte ihm eine schriftliche Einladung, mich gestern früh um acht Uhr aufzusuchen. Ich mußte nochmals nach ihm schicken; schließlich kam er. Ich hielt es nicht für angezeigt, ihm die Briefe des Herrn von Belle-Isle zu übergeben, da er schlechten Gebrauch davon machen könnte, aber ich sagte ihm, der Herr Marschall hätte mir auf ausdrücklichen Befehl des Königs geboten, alles anzuhören, was er mir zu sagen hätte. Ich fragte ihn, ob seine Eröffnungen sich auf unser Militär bezögen; er verneinte es. Ich fragte ihn, ob sie unsere Flotte oder unsere Finanzen beträfen. Er verneinte es gleichfalls. Hierauf entgegnete ich, sie könnten also lediglich politischer Natur sein, und darauf las ich ihm alles vor, was Sie mir über sein ihm bevorstehendes Schicksal bei seiner Rückkehr nach Frankreich geschrieben haben. Anfangs trug er große Gleichgültigkeit zur Schau, dann drückte er sein Erstaunen über die Behandlung aus, mit der man einen Mann seines Ranges bedrohe, aber schließlich schien ihn die Sache zu verwirren. Da er indes anscheinend nicht gesonnen war, den Plan, den sein Betätigungsdrang ihm eingibt, fallen zu lassen, warnte ich ihn beim Abschied nochmals sehr ernstlich und sagte ihm, wenn er sich noch weiterhin irgendwie in die Angelegenheiten und Interessen Seiner Majestät einmische, so würde ich Ihnen das melden und hier öffentlich sagen, daß alles, was er hier verbreitet habe, von Seiner Majestät und dessen Ministern völlig dementiert werde.
Sogleich ging ich zu Herrn Yorke ... und fragte ihn, ob Saint-Germain in seinem Hause gewesen sei. Er sagte, er sei zweimal bei ihm gewesen[197]. Beim ersten Besuch hätte er mit ihm vom Frieden gesprochen, und er selbst hätte sich lediglich in allgemeinen Wendungen über Englands ehrlichen Friedenswillen geäußert. Beim zweiten Besuch sei er, Yorke, zurückhaltender geworden, da er gehört habe, daß ich Saint-Germain mein Haus verboten hätte. Er fügte hinzu, daß der Herzog von Newcastle[198] auf seinen Bericht über den ersten Besuch des Mannes an ihn geschrieben hätte, er möge ihm erwidern, daß Eröffnungen über den Frieden von seiten Frankreichs in London stets willkommen seien, einerlei durch wen sie gemacht würden. Aber ich weiß nicht, ob Herr Yorke ihm diesen Bescheid mitgeteilt hat.
Ich bitte Sie, Herr Herzog, diesen Bericht dem Herrn Marschall von Belle-Isle mitzuteilen. Ich bin sicher, daß er jeden brieflichen Verkehr mit einem Manne abbrechen wird, der sich in der von mir geschilderten Weise benommen hat. Anbei folgen die beiden Schreiben zurück, die er mir für Saint-Germain zugesandt hat.
Ich habe Ihnen noch zu sagen, daß Herr von Saint-Germain so anmaßend ist, überall zu behaupten und sogar mir zu sagen, daß Seine Majestät so gütig waren, ihm das Schloß Chambord unter den gleichen Bedingungen zuzuweisen wie dem verstorbenen Marschall von Sachsen, mit Ausnahme der Einkünfte, die er, wie er sagte, gar nicht zu haben wünschte.
Choiseul an Graf d’Affry
Versailles, 11. April 1760.
Aus meinem besonderen Schreiben über den Grafen Saint-Germain[199] haben Sie ersehen, welche Meinung ich von diesem unausstehlichen Abenteurer habe. Ich kann Ihnen versichern, daß alle Minister Seiner Majestät ebenso denken, und der König läßt Ihnen ausdrücklich befehlen, Sie sollen den sogenannten Grafen Saint-Germain nicht nur bei allen Personen in ganz Holland, von denen Sie annehmen können, daß sie diesen Halunken kennen, mit Schimpf und Schande in Verruf bringen, sondern Seine Majestät wünscht auch, daß Sie mit Berufung auf die zwischen ihm und Holland bestehende Freundschaft die Verhaftung dieses Burschen durchsetzen, damit er nach Frankreich überführt und gemäß der Schwere seines Vergehens bestraft wird. Es liegt im Interesse aller Herrscher und der öffentlichen Moral, daß mit solcher Unverschämtheit aufgeräumt wird, die sich in die Angelegenheiten einer Macht wie Frankreich einzumischen wagt, ohne dazu ermächtigt zu sein. Nach meiner Meinung ist das Auslieferungsverlangen in diesem Falle ebenso berechtigt, wie sonst bei Verbrechern. Somit hofft der König nicht ohne Grund, daß Saint-Germain auf Ihren Antrag verhaftet und mit sicherem Geleit nach Lille gebracht wird.
Ich muß gestehen, daß Sie nach meiner Meinung sehr schonend mit ihm verfahren sind und daß ich vielleicht nach Ihrer letzten Unterredung mit ihm den Befehl hätte geben sollen, ihm eine gute Tracht Prügel verabfolgen zu lassen.
Was er Ihnen über Chambord gesagt hat, ist eine Lüge ersten Ranges. Der König will durchaus, daß dieser Abenteurer alsbald in den Vereinigten Provinzen in Verruf und Mißkredit gebracht und, wenn möglich, so bestraft wird, wie sein Unterfangen es verdient. Seine Majestät hat mich ausdrücklich beauftragt, Sie in seinem Namen aufzufordern, daß Sie der Sache Ihre volle Aufmerksamkeit widmen.
Nachschrift. Wäre es nicht möglich, außer dem Antrag auf Auslieferung Saint-Germains bei den Generalstaaten einen Artikel in die holländischen Zeitungen zu bringen, durch den dieser Halunke ein für allemal diskreditiert wird, damit alle Betrüger, die ihn nachahmen wollen, eine Lehre erhalten? Auch dies hat der König vollauf genehmigt, und Sie werden es voll ausführen, wenn Sie es für möglich halten.
Graf d’Affry an Choiseul
Haag, 17. April 1760.
Ich habe den Kurier bis heute zurückbehalten, um Ihnen über die Ausführung Ihrer Befehle, betreffend den sogenannten Grafen Saint-Germain, eingehend berichten zu können. Gestern suchte ich den Ratspensionär auf, las ihm alles vor, was Sie mir betreffs dieses dreisten Abenteurers geschrieben haben, und bat um dessen Verhaftung und Auslieferung im Namen Seiner Majestät. Das schien ihm Verlegenheit zu bereiten, aber er versprach mir trotzdem, alles zu tun, was in der Sache von ihm abhinge ...
Der Greffier sagte mir, er zweifle nicht, daß dieser Mann an uns ausgeliefert würde. Da jedoch Herr von Bentinck der Vorsitzende des ständigen Ausschusses ist, von dem die Sache während der Abwesenheit der Generalstaaten geprüft werden muß, fürchtete ich sofort, man werde Saint-Germain das Entkommen erleichtern, und diese Befürchtung ist eingetroffen.
Ich erwartete gestern morgen weitere Nachrichten, als Herr Kauderbach zu mir kam und mich fragte, ob ich schon von Saint-Germains Flucht gehört hätte? Ich verneinte es. Darauf sagte er mir, vorgestern abend zwischen 7 und 8 Uhr sei Herr von Bentinck im Hause dieses Abenteurers gewesen[200] und hätte es vor 9 Uhr verlassen. Dann wäre Herr Pieck van Soelen[201] hingekommen, aber nicht lange geblieben. Darauf wäre Herr von Bentinck zwischen 9 und 10 Uhr nochmals erschienen und bis nach Mitternacht dageblieben. Herr von Saint-Germain sei zu Bett gegangen; um 5 Uhr früh hätte er Tee getrunken, und ein Bedienter des Herrn von Bentinck sei mit einem vierspännigen Mietswagen vor der Tür erschienen. Der Schwindler hätte ihn bestiegen, aber der Wirt könne nicht angeben, welche Straße er eingeschlagen habe, noch könne er sagen, ob Herr von Bentincks Bedienter mitgefahren sei. Diese Abreise geschah so hastig, daß er im Wirtshause seinen Degen und Koppel, sowie ein Paket mit Silber- oder Zinnspänen und ein paar Flaschen mit einer unbekannten Flüssigkeit hinterlassen habe. Ich hielt an mich, um Herrn Kauderbach meine Entrüstung über das Benehmen des Herrn von Bentinck zu verbergen. Ich sagte ihm nicht mehr, als ich ihm über das Auslieferungsgesuch sagen sollte, und fragte nur, ob er all der mir angegebenen Einzelheiten sicher sei. Er entgegnete mir, er habe sie von Saint-Germains Gastwirt, einem Sachsen, und schlug vor, diesen zu mir zu senden. Wir ließen ihn holen, und er bestätigte alles, was Herr Kauderbach mir gesagt hatte.
Als Herr Kauderbach mein Haus verlassen hatte, ließ ich den Ratspensionär um eine Audienz bitten. Er war gerade von einem großen Mahle zurückgekehrt, bei dem er seit 7 Uhr gewesen war, und schob meinen Besuch bis heute 9 Uhr morgens auf. Ich ging zu ihm und fragte ihn, wie die Angelegenheit mit Saint-Germain stände. Er entgegnete, er allein könne die Verantwortung nicht auf sich nehmen, und ich müsse durchaus Herrn von Bentinck, dem Vorsitzenden des ständigen Ausschusses, eine Denkschrift überreichen. Der Ausschuß werde wohl Saint-Germains Verhaftung beschließen, nicht aber seine Auslieferung, bevor er nicht von den Staaten von Holland bei ihrem demnächstigen Zusammentritt dazu ermächtigt sei. Ich erwiderte, daß ich auf die Überreichung einer Denkschrift an Herrn von Bentinck verzichte und ihm auch den Grund dafür sagen wolle. Dann erzählte ich ihm Saint-Germains Flucht mit allen Einzelheiten und dem, was vorhergegangen war, ohne den Gastwirt weiter zu erwähnen, und stellte alles so dar, daß er glauben mußte, ich hätte das Ein- und Ausgehen des Herrn von Bentinck in dem Gasthofe und das Erscheinen seines Bedienten mit dem Mietswagen nur durch die Wachsamkeit meiner Spione erfahren. Er schien mir über alles, was er hörte, ehrlich entrüstet. Darauf sagte ich ihm, da man dem Abenteurer vom Haag aus zur Flucht verholfen hätte, hätte er vielleicht Zuflucht in Amsterdam gefunden, und ich wolle an unseren Marinekommissar, Herrn Astier, schreiben, er solle den Schurken im Namen Seiner Majestät verhaften und bis auf weiteren Befehl in sicherem Gewahrsam halten lassen ... Ferner sagte ich dem Ratspensionär, da der Abenteurer vielleicht in anderen Provinzen der Generalstaaten Zuflucht gesucht habe, würde ich zugleich die Genehmigung Seiner Majestät einholen, einen Antrag an die Hochmögenden zu stellen, und falls insbesondere die Provinz Holland oder eine andere diesen Akt der Gerechtigkeit abschlagen oder ihn dadurch vereiteln sollte, daß sie Saint-Germain zur Flucht behilflich sei, so würden wir ihn schon zu finden wissen, und ich sei sicher, wenn er in England oder sonstwo ermittelt würde, daß er nach Friedensschluß unmittelbar an uns ausgeliefert würde. Letzteres schien den Ratspensionär sehr in Verlegenheit zu setzen, und es sollte mich nicht wundern, wenn er in Amsterdam auf unseren Antrag hin verhaftet würde, aber ich bin überzeugt, daß er die Grenze der Republik bereits erreicht hat.
Die Denkschrift[202], zu deren Einreichung an die Generalstaaten ich Ihre Erlaubnis erbitte und deren Entwurf ich hier beilege, kann, wenn es Seiner Majestät genehm ist, in allen Zeitungen erscheinen. Sie wird diesem Abenteurer einen Stempel aufdrücken, den er nie wieder los werden wird. Sie ist eine Art von Verurteilung in contumaciam, die ihn in ganz Europa brandmarkt.
Ich glaube, der Schwindler ist in arger Geldverlegenheit. Er hat sich von dem Juden Boas[203] 2000 Gulden geborgt, für die er bei dem Juden drei Opale, falsche oder echte, in einem versiegelten Papier als Pfand hinterlassen hat. Die 2000 Gulden sollen am 25. d. M. bezahlt werden, und Herr Boas sagte gestern zu Herrn Kauderbach, wenn der Wechselbrief am 25. nicht einträfe, würde er die drei Opale öffentlich versteigern lassen. Betreffs des Herrn von Bentinck werde ich gemäß Ihrem letzten Erlaß handeln, falls Seine Majestät mir nicht neue diesbezügliche Befehle erteilt. Wenn ich ihn dieser Tage treffe, werde ich mit ihm von Herrn von Saint-Germain und dessen Abreise sprechen, ohne mich bloßzustellen, aber so, daß ich ihn zwinge, sein Benehmen und seine Beziehungen zu diesem Abenteurer ein für allemal abzuleugnen.
Choiseul an Graf d’Affry
Versailles, 24. April 1760.
Der König genehmigt, daß Sie den Generalstaaten die Denkschrift über den sogenannten Grafen Saint-Germain einreichen, deren Entwurf Sie mir übersandten.
Graf d’Affry an Choiseul
Haag, 25. April 1760.
Man glaubt, daß der sogenannte Graf Saint-Germain sich nach England begeben hat. Ich hörte sagen, er hätte solche Angst vor der Verhaftung gehabt, daß er nicht in der Stadt Hellevoetsluis zu bleiben gewagt hat, sondern sich sofort auf ein Paketboot begab, wo er bis zum Augenblick der Abfahrt blieb, ohne den Fuß an Land zu setzen. Andere glauben, er sei nach Utrecht gefahren, von wo er Deutschland erreicht haben muß.
II
Denkschrift des Grafen d’Affry an die Generalstaaten[204]
Haag, 30. April 1760.
Hochmögende Herren! Ein Unbekannter, der sich Graf Saint-Germain nennt und dem mein Herr und König Zuflucht in seinem Reiche gewähren wollte, hat seine Gnade gemißbraucht. Er ist vor einiger Zeit nach Holland und seit kurzem nach dem Haag gekommen, wo er ohne irgendeine Vollmacht Seiner Majestät und des Ministeriums und ohne irgendeinen Auftrag in schamloser Weise ausgesprengt hat, er wäre zu Unterhandlungen im Namen des Königs ermächtigt. Mein Herr und König befiehlt mir ausdrücklich, dies Ihnen, hochmögende Herren, öffentlich mitzuteilen, damit niemand in Ihrem Machtbereich durch einen derartigen Schwindler getäuscht werde.
Seine Majestät befiehlt mir ferner, die Auslieferung dieses Abenteurers von dunkler Herkunft zu beantragen, der von Anfang an die ihm gewährte Zuflucht gemißbraucht hat, indem er sich beikommen ließ, von der Regierung des Königreiches mit ebenso großer Dreistigkeit wie Unkenntnis zu reden und die falsche und dreiste Behauptung zu verbreiten, er sei mit Vertretung der wichtigsten Interessen meines Herrn und Königs betraut. Seine Majestät zweifelt nicht, daß Sie, hochmögende Herren, ihm die Gerechtigkeit nicht versagen werden, die er von Ihrer Freundschaft und Gerechtigkeit erwarten darf, und daß Sie veranlassen, daß der angebliche Graf Saint-Germain verhaftet und mit guter Bedeckung nach Antwerpen gebracht wird, um von dort nach Frankreich überführt zu werden. Ich hoffe auf unverzügliche Gewährung dieser Bitte.
III
Protokoll der Sitzung der Generalstaaten[205]
Haag, 30. April 1760.
In der Versammlung wurde die Denkschrift des Herrn Grafen d’Affry, Botschafter Seiner Majestät des Königs von Frankreich, die die Person eines sogenannten Grafen Saint-Germain reklamierte, verlesen.
Darauf wurde in die Beratung eingetreten. Die Deputierten der verschiedenen Provinzen haben die erwähnte Denkschrift in Abschrift entgegengenommen, um sie in ihren Provinzen weiter mitzuteilen. Ferner wurde einstimmig beschlossen, die Abschrift der obigen Denkschrift dem Herrn Pieck van Soelen und anderen Mitgliedern der Generalstaaten, die zum auswärtigen Ausschuß gehören, zur weiteren Prüfung und Berichterstattung an die Versammlung zu übergeben[206].
IV
Aus den Aufzeichnungen des Grafen Bentinck[207]
Sonntag, 9. März 1760.
Saint-Germain erzählte mir, England würde dem Frieden keine Hindernisse in den Weg legen, Frankreich dagegen Schwierigkeiten bereiten. Der französische König und Frau von Pompadour, der ganze Hof sowie das gesamte Land verlangten leidenschaftlich nach Frieden. Der Herzog von Choiseul sei der einzige, der dies Bestreben zu vereiteln suche. Er habe seinen Einfluß gewonnen, als er am Wiener Hof weilte[208]. Alles Elend und Mißgeschick in Europa habe der Versailler Vertrag von 1756 verursacht. Durch eine geheime Klausel in demselben sei Flandern dem Infanten zugesichert, und dafür solle Schlesien nach seiner Eroberung der Königin von Ungarn abgetreten und übertragen werden[209]. Einen Weg aus dieser Verlegenheit gebe es: nämlich der Friedensschluß zwischen England und Frankreich. Das übliche System von Präliminarien, Kongressen und Konferenzen würde nur die Lösung unbegrenzt hinausschieben und zu einem neuen Kriege führen. Der bloße Gedanke lasse einen erschaudern. Sobald man nur einige annehmbare Vorschläge vorbrächte oder nur etliche aufrichtige und vertrauenswürdige Männer sich ins Mittel legten, würde seiner Ansicht nach der Friede zustande kommen, den England ebenso dringend gebrauche wie Frankreich. Der König und Frau von Pompadour verlangten sehnsüchtig nach Frieden, nicht minder der englische König. Ebenso wären der Herzog von Newcastle[210] und Lord Granville[211] dafür eingenommen. Pitt[212], der jetzt mit ihnen beiden gemeinsame Sache mache, hätte bisher stets seine Pläne durchkreuzt; aber er wäre dem Könige verhaßt.
Ein Schotte, namens Crammon, der in Paris lebe, habe ein Schreiben von Neufville in Amsterdam[213] erhalten, mit dem Auftrage, sich auf seinen Empfang vorzubereiten. Er bekam noch einen weiteren Brief über Brüssel aus London, und dieses letztere Schreiben enthielt Andeutungen über einen Sonderfrieden zwischen Frankreich und England. Diese Andeutungen kamen vom Herzog von Newcastle und Lord Granville. Frau von Pompadour habe ihn von dem Inhalt dieses Schreibens unterrichtet; sie sei hocherfreut gewesen und habe ihm aufgetragen, Choiseul davon in Kenntnis zu setzen. Nach anfänglicher Weigerung habe er, Saint-Germain, schließlich nachgegeben. Aber Choiseul verwerfe alles.
Dienstag, 11. März 1760.
Wie Saint-Germain mir sagte, hat er Frau von Pompadour mitgeteilt, was zwischen mir und ihm vorgefallen ist[214], ... und auch an den Minister in diesem Sinne geschrieben. Auf meine Frage, wie der Minister diese Nachricht aufnehmen werde, sagte er lächelnd, doch mit zuversichtlichem Blick, es werde sich in Versailles bald manches ändern, und er gab mir zu verstehen, daß es nicht in Choiseuls Macht liegen werde, den Frieden noch lange zu hintertreiben.
Freitag, 4. April 1760.
Der Ratspensionär Steyn erzählte mir, d’Affry hätte ihm mitgeteilt, daß die Weisungen Choiseuls, betreffend Saint-Germain, in der Hauptsache darauf hinausliefen, alles, was Saint-Germain für den Frieden getan hätte oder tun würde, zu desavouieren. Ferner sei er beauftragt, Saint-Germain davon zu unterrichten und die Drohung hinzuzufügen, bei weiterer Einmischung würde er bei seiner Rückkehr nach Frankreich eingekerkert[215] ...
An demselben Tage speiste Saint-Germain zusammen mit mir und erzählte mir, d’Affry habe ihm die Befehle mitgeteilt und Choiseuls Brief[216] gezeigt. Er hätte geantwortet, das werde ihn nie an der Rückkehr nach Frankreich hindern und diese Drohungen würden nie zur Ausführung gelangen; sie stammten lediglich von Choiseul. Ferner berichtete er, er hätte Yorke schon vor 17 Jahren als Kind kennen gelernt und die Familie Yorke wäre stets die Güte selbst zu ihm gewesen. D’Affry hätte ihm auch seine häufigen Besuche bei mir vorgehalten, aber er, Saint-Germain, hätte erklärt, daß er damit fortfahren würde. Dann habe d’Affry ihm Choiseuls Brief zusammen mit dem gezeigt, den er selbst an Frau von Pompadour geschrieben habe[217]. Dazu bemerkte Saint-Germain, nach seiner Überzeugung hätte Choiseul diesen der Frau von Pompadour gestohlen. Wiederholt hätte ihm d’Affry gesagt, Frankreich werde nie Vertrauen in mich setzen. Nach allem scheint es, als ob sich Saint-Germain aus den Weisungen, die d’Affry empfangen hat, wenig macht, und noch weniger aus Choiseul selbst.
Dienstag, 15. April 1760.
Der Ratspensionär erzählte mir, d’Affry habe ihm die in der letzten Nacht durch Kurier überbrachten Befehle gezeigt, in denen es hieß, daß Saint-Germain „ein bloßer Landstreicher“ sei, und daß alles, was er etwa vorgebracht habe, dementiert werden solle. Es solle Klage gegen ihn erhoben, er solle festgenommen und nach Lille zur weiteren Überführung nach Frankreich gebracht und dort eingekerkert werden[218] ... Demgegenüber entwickelte ich meine Ansicht, daß Saint-Germain, wie andere Fremde, im Vertrauen auf den Schutz der Gesetze hergekommen sei und auf seine persönliche Sicherheit rechne; daß er kein Kapitalverbrecher sei, wie Mörder oder Giftmischer, denen kein Herrscher Schutz gewähre, und daß das Asylrecht in unserer Republik als geheiligt gelte ... Er stimmte dem zu, schien aber sehr besorgt wegen der Aufnahme in Frankreich.
Darauf ging ich zum Greffier, der mir in Gegenwart des Ratspensionärs und ebenso wie dieser von d’Affrys Besuch und seinen Forderungen erzählte und daß er ihm geraten habe, sich an die Regierung selber zu wenden usw., daß er aber nicht glaube, die Regierung werde jemand ausliefern, der im Lande im Vertrauen auf dessen Schutz lebe, und der sich kein scheußliches Verbrechen, dem kein Herrscher Schutz gewähre, habe zu schulden kommen lassen.
Mittwoch, 16. April 1760.
Als ich Yorke mitteilte, was ich soeben über Saint-Germain gehört hatte, erwartete ich, er werde ihn in Schutz nehmen; denn Yorke hatte mit Saint-Germain zu verhandeln begonnen und ihn ermutigt. Ich habe seine Originalbriefe an Saint-Germain selbst gesehen; sie sind sehr freundlich und ermutigend. Statt aber Saint-Germain in Schutz zu nehmen, nahm er seinen harten, hochmütigen und anmaßlichen Ausdruck an und sagte, es sei ihm „sehr lieb, Saint-Germain in den Händen der Polizei zu sehen“. Ich war wie vom Donner gerührt und sagte ihm mit voller Absicht meine Meinung, freilich in sehr höflicher und vorsichtiger Weise, um ihn nicht zu verletzen. Aber Yorke blieb dabei und sagte, er „wüsche sich betreffs Saint-Germains die Hände in Unschuld“. Auch verweigerte er mir einen Paß für das Paketboot, um den ich ihn bat. Als ich ihn drängte, sagte Yorke schließlich, wenn ich einen Paß als persönliche Gunst erbäte, werde er ihn mir „mit Rücksicht auf meine Stellung“ nicht abschlagen. Ich nahm es an und betonte, daß d’Affry uns eine Menge Scherereien machen könne, denen sich vorbeugen ließe, wenn man Saint-Germain die Flucht ermöglichte. Darauf rief Yorke seinen Sekretär und ließ einen Paß bringen, den er unterzeichnete und mir unausgefüllt aushändigte, so daß Saint-Germain seinen eigenen Namen oder irgendeinen anderen hineinsetzen konnte, um sich den Verfolgungen d’Affrys oder seiner Agenten zu entziehen. Ich ging mit dem Paß fort, ohne Yorke zu zeigen, wie sehr ich über diesen Vorfall verletzt und empört war.
18. April 1760.
D’Affry besuchte mich, und als er von Linnières und seinen Beziehungen zu Saint-Germain sprach[219], fiel mir dieser Name auf und erregte meine Neugierde, da ich viel über ihn in England gehört hatte, wo er längere Zeit gewesen war und in den besten Kreisen verkehrt hatte. Kein Mensch dort wußte, wer er war. Aber das wunderte mich nicht, da es in England keine Geheimpolizei gibt. Um so erstaunlicher war dagegen, daß er in Frankreich unbekannt war. Nur der König, so erzählte d’Affry, kannte ihn, und in England, wie er glaubte, der Herzog von Newcastle. Ich berichtete d’Affry, was ich über Saint-Germain, sein Gebaren, seinen Reichtum, sein prächtiges Auftreten gehört hatte, ebenso über die Regelmäßigkeit, mit der er seine Schulden bezahlte, und über die großen Summen, die er in England, wo das Leben teuer ist, ausgab usw. Darauf bemerkte d’Affry, sicher wäre er ein merkwürdiger Mann; die seltsamsten Geschichten würden von ihm erzählt, eine immer abgeschmackter als die andere. Z. B. solle er den Stein der Weisen besitzen, 100 Jahre alt sein, obwohl er noch nicht wie ein Vierziger aussähe usw. Meine Frage, ob er ihn persönlich kenne, bejahte er; im Hause der Prinzessin Montauban sei er ihm begegnet. Saint-Germain sei in Versailles hochwillkommen und eine bekannte Persönlichkeit gewesen und habe oft Frau von Pompadour besucht. Er sei verschwenderisch und trete prächtig auf. Unter anderem erwähnte er seine kostbaren Gemälde, Juwelen und Kunstgegenstände. An Weiteres erinnere ich mich nicht mehr ...
Auf die Mitteilung von Linnières, daß ich seine Bekanntschaft wünschte, machte mir Saint-Germain im März seinen Besuch. Seine Unterhaltung gefiel mir außerordentlich; sie war glänzend, voll Abwechslung und reich an Schilderungen der verschiedenen Länder, die er gesehen hatte — alles sehr fesselnd. Seinen Urteilen über Personen und Sachen, die mir bekannt waren, konnte ich nur beipflichten. Sein Auftreten war sehr höflich und bewies, daß er in der besten Gesellschaft aufgewachsen war.
Mit Frau Geelvinck und Herrn A. Hope[220] war er von Amsterdam herübergekommen, wo er täglich im Hause des Bürgermeisters Hasselaar[221] verkehrte. Er hatte von der Hasselaarschen Familie Empfehlungen an Herrn van Soelen im Haag, der ihn zu Frau von Byland und anderswohin mitnahm. Am Geburtstag des Prinzen von Oranien[222] nahm ich ihn nach dem „Alten Hof“ (Oude Hof), wo ich seinen Namen nannte, zum Ball mit, wo er von den Hasselaars, Frau Geelvinck und Frau Byland und anderen angesprochen wurde.
Er wollte ursprünglich am Tage nach dem Ball wieder abreisen und hatte zu dem Zwecke eine Kutsche aus Amsterdam gemietet, um mit den beiden Damen, die mit ihm gekommen waren, dorthin zurückzukehren. Aber sie hielten ihn drei bis vier Tage länger auf. Während dieser Zeit war er täglich mit d’Affry zusammen, bei dem er auch speiste, bevor er wieder nach Amsterdam abreiste. Ich hatte verschiedene Unterredungen mit ihm, doch ist das meiste meinem Gedächtnis entfallen. Ich muß noch bemerken, daß während der Zeit, die zwischen dem Ball und seiner Abfahrt verstrich, d’Affry im steten Glauben, daß er abreisen wolle, ihm täglich Wein und Fleisch sandte. Das kann ich persönlich bezeugen, da ich zugegen war, als d’Affrys Bote ihm zwei Tage hintereinander die Sachen brachte. Da aber Saint-Germain trotzdem nicht abreiste, kam er zu Tisch in d’Affrys Haus ...
Ich ging selbst zu Saint-Germain und riet ihm in seinem eigenen Interesse, sobald als möglich fortzugehen[223]. Ich erzählte, ich wäre von dritter Seite unterrichtet[224], daß d’Affry Befehl habe, seine Festnahme zu bewirken, worauf er unter Bedeckung an die Grenze gebracht und an Frankreich ausgeliefert werden solle, damit er dort für den Rest seines Lebens eingekerkert würde. Er war außerordentlich überrascht, nicht sowohl über Choiseuls Befehle, als darüber, daß d’Affry daran dächte, sie in einem Lande, wo Recht und Gesetz noch Geltung hätten, zur Ausführung zu bringen. Er stellte eine Menge Fragen, eine immer gemessener als die andere, und mit der größten Ruhe der Welt. Ich wollte mich auf keinerlei Erörterung einlassen, da es mir zu schwierig schien, alle seine Fragen zu beantworten und alle Punkte, die er zur Sprache brachte, aufzuklären. Ich sagte ihm, dazu wäre keine Zeit; er solle vielmehr an sofortige Abreise denken, wenn ihm seine Sicherheit lieb wäre. Bis zum anderen Morgen hätte er für seine Vorbereitungen Zeit, da d’Affry die Schritte, die er etwa vorhätte, nicht vor 10 Uhr am nächsten Morgen unternehmen könnte. Vor diesem Zeitpunkte müsse also Saint-Germain seine Pläne gefaßt und ins Werk gesetzt haben. Darauf wurde Art und Weise und Ziel der Reise besprochen. Für das erstere stellte ich mich zur Verfügung; für das letztere riet ich zu England. Wir einigten uns darüber, und ich erbot mich, ihm von Herrn Yorke den Paß zu besorgen, dessen er zur Einschiffung auf dem Paketboot bedurfte. Da ein Schiff am nächsten Tage fahren sollte, drängte ich ihn, sich so schnell als möglich nach Hellevoetsluis zu begeben. Sei das geschehen, kämen alle Schritte d’Affrys zu spät ...
Abends zwischen 7 und 8 Uhr brachte ich Saint-Germain den Paß. Er richtete einen Haufen Fragen an mich, auf die ich aber nicht einging; vielmehr bat ich ihn, lieber an Wichtigeres zu denken als Fragen zu stellen, die in der gegenwärtigen Bedrängnis abgeschmackt und nutzlos seien. Er entschloß sich zur Abreise. Da keiner von seinen Bedienten Sprache, Straßen und Bräuche des Landes kannte, bat er mich, ihm einen der meinigen zu leihen, was ich mit Vergnügen tat. Ja, ich tat noch mehr, ich bestellte einen Mietswagen mit vier Pferden, der ihn angeblich nach Leiden bringen sollte, für den nächsten Morgen um 4½ Uhr vor mein Haus und beauftragte einen Diener, den Grafen Saint-Germain auf den richtigen Weg zu bringen und bei ihm zu bleiben, bis dieser ihn zu mir zurückschicken würde.
V
Aus Yorkes Korrespondenz[225]
Yorke an Lord Holdernesse[226]
Haag, 14. März 1760.
Da Seine Majestät[227] geruht hat, Frankreich seine Meinung über die europäischen Verhältnisse im großen und ganzen mitzuteilen und durch mich seinen Wunsch nach Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe auszudrücken[228], nehme ich an, daß der Versailler Hof diesen Weg als den gangbarsten ansieht, um sich mit England in Verbindung zu setzen. Das ist wenigstens der nächstliegende Grund für Frankreichs Versuche, mich durch einen Dritten auszuforschen.
Euer Lordschaft kennen die Geschichte des seltsamen Mannes, der unter dem Namen eines Grafen von Saint-Germain bekannt ist. Er hat sich eine Zeitlang in England aufgehalten[229], ohne irgendwie hervorzutreten; die zwei bis drei letzten Jahre hat er in Frankreich verbracht, wo er auf vertrautestem Fuße mit dem König von Frankreich, Frau von Pompadour, dem Marschall von Belle-Isle usw. stand. Das hat ihm das Geschenk des königlichen Schlosses Chambord eingetragen und ihn instand gesetzt, in jenem Land eine gewisse Rolle zu spielen. In meinen Privatbriefen glaube ich schon einmal von diesem Phänomen gesprochen zu haben.
Der Mann ist vor ein paar Tagen hier angekommen. Er tauchte für einige Tage in Amsterdam auf, wo er sehr umschmeichelt wurde und wo man viel von ihm redete. Anläßlich der Hochzeit der Prinzessin Karoline[230] kam er nach dem Haag, wo er der gleichen neugierigen Aufmerksamkeit begegnete. Seine Zungenfertigkeit warb ihm Zuhörer; der Freimut, mit dem er über alles mögliche sprach, erregte allerlei Vermutungen, nicht zuletzt die, daß er als Friedensunterhändler gekommen sei. Herr d’Affry behandelt ihn mit Achtung und Aufmerksamkeit, ist aber sehr eifersüchtig auf ihn. Ich für mein Teil kümmerte mich nicht um ihn und habe mir nicht einmal die Mühe gegeben, meine Bekanntschaft mit ihm zu erneuern. Trotzdem sprach er bei mir vor, ich erwiderte seinen Besuch, und gestern wünschte er mich zu sprechen, erschien aber nicht zur bestimmten Stunde. Heute früh wiederholte er seine Bitte, und ich empfing ihn.
Er sprach zunächst von der schlechten Lage Frankreichs, von seinem Friedensbedürfnis und seinem Wunsch, Frieden zu schließen, sowie von seinem eigenen Ehrgeiz, zu einem für die gesamte Menschheit so erwünschten Ziele beizutragen. Schließlich betonte er seine Vorliebe für England und Preußen, die ihn nach seiner Behauptung in Frankreich jetzt beliebt mache. Da ich ihn zur Genüge kenne und mich auf eine Unterhaltung mit ihm, ohne näher unterrichtet zu sein, nicht einlassen wollte, war ich zuerst sehr ablehnend und sagte ihm, dergleichen Dinge seien zu heikel, um sie mit unberufenen Leuten zu erörtern; ich wünschte daher seine Absichten kennen zu lernen.
Dies Verfahren verfehlte seinen Zweck nicht; denn sofort zeigte er mir als Beglaubigungsschreiben zwei Briefe des Marschalls von Belle-Isle vom 14. und 26. Februar. In dem ersteren sandte ihm der Marschall einen Blankopaß des Königs von Frankreich mit der Erlaubnis, ihn auszufüllen. In dem zweiten wartete er mit Ungeduld auf Nachrichten von ihm, und in beiden ergeht er sich in Lobeserhebungen über seinen Eifer, sein Geschick und die Hoffnungen, die er auf den Zweck seiner Sendung setze. An der Echtheit beider Briefe zweifle ich nicht. Nachdem ich sie gelesen und ihm ein paar übliche Komplimente gemacht hatte, bat ich ihn, sich zu erklären, was er folgendermaßen tat.
Der König, der Dauphin, Frau von Pompadour, der ganze Hof und das gesamte Volk, mit Ausnahme Choiseuls und Berryers[231], wünschen Frieden mit England. Sie könnten nicht anders, da die innere Lage es fordere. Die wahre Gesinnung Englands ist ihnen unbekannt, und sie wünschen mit Anstand aus der Sache herauszukommen. Herr d’Affry ist nicht eingeweiht, und der Herzog von Choiseul ist so österreichisch gesinnt, daß er nicht alles ausplaudern wird; aber das hat nichts zu bedeuten, denn er wird hinausgesetzt werden. Frau von Pompadour ist nicht für den Wiener Hof, aber sie ist unentschlossen, weil sie nicht weiß, auf wen sie sich verlassen kann. Sie wird aber entschlossen werden, sobald sie des Friedens gewiß ist. Der Marschall von Belle-Isle hat mit Wissen des Königs von Frankreich den Grafen Saint-Germain als Fühler vorgeschoben. Auf Spanien rechnet man nicht und macht sich in dieser Hinsicht keine Hoffnungen[232], obgleich der Herzog von Choiseul sich bemüht, diesen Glauben zu erwecken. Das und vieles andere brachte der politische Abenteurer vor.
Ich schwankte sehr, ob ich ihm gegenüber auf die Sache eingehen sollte; da ich aber von der Richtigkeit seiner Sendung überzeugt war, glaube ich keine Mißbilligung zu finden, wenn ich in allgemeinen Wendungen antwortete. Ich sagte ihm also, der König wünsche ernstlich den Frieden, und daran sei kein Zweifel möglich, da er ja inmitten seiner Erfolge, die seitdem noch beträchtlich zugenommen hätten, die Hand zum Frieden geboten habe. Mit unseren Verbündeten[233] sei die Sache leicht, aber ohne sie unmöglich, und Frankreich kenne unsere Lage zu gut, um sie erst von mir erfahren zu müssen. Auf Einzelheiten könne man jedoch erst eingehen, wenn wir vom ernstlichen Friedenswunsch der Gegner überzeugt seien; zudem sei ich nicht eingeweiht. Ich ging dann auf Frankreichs Abhängigkeit von den beiden Kaiserinnen[234] und auf die unangenehmen Aussichten ein, die sich für Frankreich böten, selbst wenn der König von Preußen Unglück hätte. Aber ich hütete mich wohl, über die allgemeinsten, wenn auch durchaus positiven Versicherungen hinauszugehen, daß Seine Majestät die Wiederherstellung des Friedens wünsche.
Als das Gespräch lebhafter wurde, fragte ich ihn, welcher Verlust für Frankreich am empfindlichsten gewesen sei? Ob es Kanada[235] wäre?
„Nein,“ sagte er, „denn wir wissen, daß es uns 36 Millionen gekostet hat, ohne uns etwas einzubringen.“
„Guadalupe?“
„Deswegen wird der Frieden nicht scheitern, denn wir haben auch ohne diese Insel Zucker genug.“
„Ostindien?“
„Das ist der empfindliche Punkt, denn es hängt mit unserer Finanzlage zusammen.“
Ich fragte ihn, was man von Dünkirchen dächte.
„Man wird es ohne Schwierigkeit schleifen; darauf können Sie sich verlassen.“
Nun fragte er mich, was wir von Minorka dächten.
Ich entgegnete ihm, wir hätten es vergessen, wenigstens spräche niemand mehr davon.
„Das“, sagte er, „habe ich ihnen hundert und tausendmal gesagt. Auch die Kostenfrage brächte uns sehr in Verlegenheit.“
Das sind die Hauptpunkte einer dreistündigen Unterredung, über die ich ihm zu berichten versprach.
Er bat mich um Geheimhaltung und sagte, er ginge nach Amsterdam und Rotterdam, bis er erführe, daß ich eine Antwort erhalten hätte. Ich habe ihn nicht ermutigt, darauf zu warten, aber auch nicht das Gegenteil getan.
Ich hoffe, Seine Majestät wird mein Benehmen nicht mißbilligen. Es ist in solchen Verhältnissen nicht leicht, das Rechte zu treffen, aber ich kann diese Verhandlungen ebenso leicht abbrechen, wie ich sie angeknüpft habe. Der König scheint ja dem Frieden eine Tür öffnen zu wollen, und Frankreich scheint ihn sehr nötig zu haben. Die Gelegenheit scheint günstig, aber bevor ich weiter gehe, erwarte ich Weisung. Ein allgemeiner Friedenskongreß scheint nicht nach Frankreichs Geschmack, und man scheint weiter gehen zu wollen, als man gesagt hat, aber es wäre Frankreich sehr angenehm, wenn man ihm irgendein Angebot machte; denn Seine Allerchristlichste Majestät und die Marquise sind etwas schwer von Entschluß.
Lord Holdernesse an Yorke
Whitehall, 21. März 1760.
Ich kann Ihnen zu meiner Freude mitteilen, daß Seine Majestät Ihr Verhalten bei der Unterredung mit dem Grafen Saint-Germain, die Sie durch Geheimbericht vom 14. melden, durchaus billigt. Insbesondere ist es dem König lieb, daß Sie so vorsichtig waren, nicht auf Einzelheiten einzugehen, bevor er die beiden Briefe des Marschalls von Belle-Isle vorzeigte, die, wie Sie richtig bemerken, eine Art Vollmacht waren. Da Sie ihm gegenüber nur in allgemeinen Wendungen und gemäß Ihren früheren Instruktionen gesprochen haben, würde es auch nichts schaden, wenn Ihre Worte öffentlich bekannt würden. Seine Majestät hält es für wahrscheinlich, daß der Graf Saint-Germain — vielleicht sogar mit Vorwissen des Königs von Frankreich — von einigen Mitgliedern des Staatsrats tatsächlich beauftragt war, so zu reden, und es ist einerlei, durch welche Mittelsperson man zum erwünschten Ziele kommt. Weiter aber dürfen die Unterhandlungen zwischen einem beglaubigten Gesandten Seiner Majestät und einer Persönlichkeit wie Saint-Germain, so wie dieser bisher auftritt, nicht gehen. Alles, was Sie sagen, ist offiziell, wogegen Saint-Germain kurzerhand verleugnet werden kann, wenn es dem französischen Hofe paßt. Deshalb ist sein Auftrag auch nicht nur dem französischen Gesandten im Haag unbekannt, sondern auch dem Minister des Auswärtigen in Versailles, der, wenn ihn auch das gleiche Los treffen kann, wie seinen Vorgänger, Kardinal von Bernis[236], doch der offizielle Minister ist.
Seine Majestät wünscht also, daß Sie dem Grafen Saint-Germain sagen sollen: in Beantwortung des Berichtes, den Sie mir über Ihre Unterredung mit ihm schrieben, hätten Sie Befehl erhalten, ihm zu sagen, Sie könnten mit ihm über so wichtige Dinge nur reden, wenn er einen authentischen Beweis dafür beibrächte, daß er tatsächlich mit Wissen und Wollen Seiner Allerchristlichsten Majestät handle. Zugleich aber können Sie hinzufügen, da der König stets geneigt sei, die Reinheit seiner Gesinnung und seinen ehrlichen Wunsch nach Vermeidung jedes weiteren Vergießens von Christenblut zu beweisen, sei er bereit, sich über die Friedensbedingungen auszulassen, wenn der französische Hof einen gehörig beglaubigten Unterhändler schickte. Dabei werde jedoch vorausgesetzt, daß, wenn beide Kronen sich über die Friedensbedingungen einigten, der französische Hof ausdrücklich und zuverlässig seine Zustimmung erklärte, daß die Verbündeten Seiner Majestät, insbesondere der König von Preußen, in das Abkommen einbegriffen werden. Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß England sich auf keine Friedensunterhandlungen einläßt, in die Seine Majestät nicht als Kurfürst [von Hannover] eingeschlossen wird.
Yorke an Lord Holdernesse
Haag, 28. März 1760.
Gestern morgen besuchte mich der Graf Saint-Germain, da ich ihn hatte wissen lassen, daß ich ihn sprechen möchte. Ich erklärte ihm offen, weitere Verhandlungen mit ihm seien unmöglich, wenn er nicht eine Vollmacht, die von dem König von Frankreich oder in dessen Namen ausgestellt sei, vorweisen könne. Ich sagte ihm, ich sei beglaubigt und er nicht, und daher könne alles, was er sage, sogleich desavouiert werden, wogegen alles, was von mir käme, das Gepräge der mir vom König verliehenen Eigenschaft trage. Ich betonte das als Einleitung zu den Eröffnungen, die ich auf Weisung Eurer Lordschaft vom 21. ds. Mts. machen sollte. Ich setzte hinzu, obwohl es klar sei, daß die Meinungen am französischen Hofe auseinandergingen, würden wir nicht mit verschiedenen Personen unterhandeln, die teils Vollmacht hätten und teils nicht. Da, wie er wisse, der König seinen Feinden einen Kongreß offen angeboten habe und dank der unvergleichlichen Hochherzigkeit Seiner Majestät Unterhandlungen mit Herrn d’Affry hätten angeknüpft werden können, sei jede weitere Erörterung über die Nutzlosigkeit und Unzweckmäßigkeit weiterer Schritte von unserer Seite zwecklos, wenn wir keine Gegenliebe fänden.
Nachdem ich dies vorausgeschickt hatte, sagte ich zu ihm: Ganz abgesehen von der Person, deren Briefe er mir früher gezeigt hätte, und in der Überzeugung, daß er ein so heilsames Werk ehrlich zu fördern wünsche, hätte der König mir erlaubt, ihm mitzuteilen, daß Seine Majestät auch künftig einer Aussöhnung mit dem französischen Hofe geneigt sei. Das könne jeden Wohlmeinenden von der Lauterkeit der Gesinnung Sr. Majestät überzeugen. Demgemäß teilte ich ihm die Weisung Eurer Lordschaft mit und erlaubte ihm auf seine Bitte, Abschrift von dem letzten Teile zu nehmen, von den Worten: „Seine Majestät wünscht also“, bis zum Schluß.
So weit bin ich gemäß dem mir erteilten Auftrag gegangen. Da jedoch seit meinem letzten Bericht über den Grafen von Saint-Germain ein Zwischenfall eingetreten ist, über den d’Affry (der noch nichts über meine Unterredung mit ihm weiß) ganz offen gesprochen hat, wünschte ich die Geschichte aus seinem eigenen Munde zu hören, und er erzählte mir folgendes:
Am Sonntag (23. März) erhielt d’Affry einen Kurier vom Herzog von Choiseul mit der Weisung, zu erklären, Saint-Germain hätte keinerlei Auftrag vom Versailler Hofe, und er (d’Affry) solle ihn wissen lassen, daß er nicht in seinem Hause verkehren dürfe, ja er solle ihm dies sogar verbieten[237]. Das teilte d’Affry dem Saint-Germain am Mittwoch (26. März) bei seinem Besuche mit, und zwar im Namen des Königs von Frankreich. Als dieser aber den Befehl zu sehen verlangte, da er sich nicht denken konnte, daß er vom König selbst käme, räumte d’Affry ein, daß der Befehl nicht vom König selbst, sondern vom Herzog von Choiseul als Staatssekretär des Auswärtigen käme. Dies begleitete er mit Versicherungen seiner Hochachtung und drückte zugleich den Wunsch aus, ihn am nächsten Tage nochmals zu sprechen. Saint-Germain jedoch lehnte dies ab, da er nicht gewillt sei, den Gesandten nochmals zu einem Verstoß gegen seine Befehle zu veranlassen, die er bereits durch seinen Empfang übertreten hätte. D’Affry ließ einfließen, daß dieser Befehl die Folge eines Briefes sei, den Saint-Germain an die Marquise von Pompadour geschrieben hätte[238], und durch den er, wie er sich ausdrückte, in Versailles in Teufels Küche geraten sei, obwohl er leugnete, von dem Inhalt des Briefes das geringste zu wissen. Saint-Germain berief sich auf die ihm bei seinem ersten Besuche gegebenen Beweise dafür, daß er nicht ohne Vollmacht sei, und erklärte, daß die möglichen Folgen seiner Briefe ihm keine Kopfschmerzen verursachten, was den Gesandten einigermaßen mißtrauisch machte. Schließlich verabschiedete er sich kurzerhand. Nichtsdestoweniger ließ d’Affry sich gestern wieder nach ihm erkundigen. Dabei ließ er ihm sein Bedauern ausdrücken, ihn nicht gesehen zu haben, und seine Besorgnis, er möchte unpäßlich sein. Ob er seitdem bei ihm war, weiß ich nicht.
Diese neue Episode in dem Roman Saint-Germains verwundert mich nicht sehr. Ebensowenig sollte es mich wundern, wenn über kurz oder lang ein mächtiger französischer Minister seinem Treiben ein Ende macht, obwohl er behauptet, sich vor nichts zu fürchten.
Ich war jedoch begierig zu erfahren, was er nun vorhat und wie er sein Unternehmen fortsetzen will. Mir scheint, fürs nächste wird er nicht recht wissen, was er tun soll. Ob aus Furcht vor dem Groll des Herzogs von Choiseul, oder, wie er behauptet, wegen der Tatlosigkeit des Königs von Frankreich und der Unschlüssigkeit der Marquise, vermag ich nicht zu sagen. Aber ich fand ihn im Zweifel darüber, ob er nicht versuchen solle, den Herzog von Choiseul selbst für das System zu gewinnen, das seine eigenen Auftraggeber seiner Ansicht nach vertreten. Es war nicht meines Amtes, ihn dazu zu ermutigen, und so sagte ich nur, die Sache schiene mir, aus der Entfernung gesehen, heikel zu sein und könnte seine Beschützer in Ungelegenheit bringen.
Dann suchte ich von ihm zu erfahren, in welcher Weise er von meinen Eröffnungen Gebrauch machen werde, und ob er selbst nach Versailles zu gehen gedächte. Dies lehnte er fürs erste ab, da er, wie er sagte, sonst gleich wieder zurückgeschickt würde und nur neuen Argwohn erregen müßte. Doch wollte er einen seiner Diener mit drei Briefen absenden, einem an die Frau von Pompadour, einem an den Marschall von Belle-Isle und dem dritten an einen Prinzen von Geblüt, den Grafen von Clermont[239], den er anfangs als seinen Busenfreund und als einen Mann hingestellt hatte, der des Königs Vertrauen unabhängig von seinen Ministern besäße und sehr für einen sofortigen Friedensschluß mit England einträte.
Um jeden Verdacht zu zerstreuen, zeigte er mir tatsächlich einen Brief dieses Prinzen an ihn vom 14. d. M., der in den freundschaftlichsten und herzlichsten Ausdrücken gehalten war, seine Abwesenheit beklagte und seine baldige Rückkehr herbeiwünschte. Er hegte keinen Zweifel, daß er von den beiden Letztgenannten Antworten erhalten würde. Von Frau von Pompadour, sagte er, erwarte er dies nicht, denn es wäre bei ihr Grundsatz, über Staatsangelegenheiten nichts zu schreiben, obwohl es unbedingt nötig sei, sie zu unterrichten, damit sie in den Stand gesetzt werde, ihrerseits zu wirken.
Das alles klingt sehr wahrscheinlich, aber der Erfolg muß sich erst noch zeigen. Inzwischen ist es klar, daß die französischen Minister gegeneinander arbeiten und somit verschiedene Systeme verfolgen. Welches den Sieg davontragen wird, hängt nicht von uns ab, aber es kann für den königlichen Dienst nicht nachteilig sein, daß die Gesinnung Seiner Majestät am französischen Hofe bekannt wird, einerlei durch welche Mittelsperson dies geschieht.
Daß d’Affry dem Grafen Saint-Germain noch Komplimente macht, nachdem er ihm den Befehl des Herzogs von Choiseul mitgeteilt hatte, ist ebenso ungewöhnlich wie das übrige, zumal er dessen Beziehungen zum Marschall von Belle-Isle sehr wohl kennt und den vom König ihm ausgestellten Paß gesehen hat.
Dies ganze Mysterium wird nach und nach aufgeklärt werden, und ich werde nicht verfehlen, Euer Lordschaft von allem zu unterrichten, was ich darüber erfahren kann. Ich ließ Saint-Germain wissen, daß er oder irgendeine andere gehörig beglaubigte Person England genehm sei. Was wir gegenwärtig einzuwenden hätten und was die ganze Sache zum Stillstand brächte, sei der Mangel einer richtigen, ausreichenden Vollmacht.
VI
Aus Hellens Korrespondenz mit Friedrich dem Großen[240]
Hellen an König Friedrich
Haag, 15. März 1760.
Hier ist soeben eine Person eingetroffen, die vielleicht weitgehende Aufträge hat. Es ist eine Art Abenteurer, ein Mann, dessen Vaterland unbekannt ist. Er durchstreift seit mehreren Jahren die Welt, tritt überall groß auf, spricht alle neueren Sprachen und nennt sich Graf Saint-Germain. Ich hatte bereits die Ehre, E. M. einen Immediatbericht darüber zu senden, wie weit dieser Mann es verstanden hat, sich beim Versailler Hofe beliebt zu machen[241]. Wie man mir versichert, hat ihm der König von Frankreich soeben das Schloß Chambord geschenkt. Er ist seit etwa 3 Wochen in Holland, mit einer Empfehlung an Herrn Hope[242], den reichsten Kaufmann in Amsterdam, bei dem er sogar vierzehn Tage gewohnt hat. Hier hat er Empfehlungen an die reichsten portugiesischen Juden. Wie behauptet wird, hat er den Auftrag, über 30 Millionen (Anleihe) für Frankreich zu verhandeln, aber ich neige zu der Ansicht, daß er andere Aufträge hat, und zwar ohne Wissen des Grafen d’Affry, der ihn zwar höflich behandelt, aber im Grunde sehr eifersüchtig auf ihn ist.
Gestern bat er um eine Unterredung mit dem General Yorke, die 2 Stunden gewährt hat. Das sagte mir dieser am Abend ins Ohr, mit dem Zusatz, er schiene beauftragt, ihn auszuforschen, und er würde mir bei anderer Gelegenheit mehr darüber sagen. Ich hoffe, mit der nächsten Post darüber berichten zu können[243].
Heute muß ich mich auf die Meldung beschränken, daß der Mann viel schwatzt, sich als Gegner Österreichs ausgiebt und Frankreich wegen seines Bündnisses mit Wien laut tadelt. Dagegen ist er ein großer Anhänger Eurer Majestät. Ich selbst hörte ihn neulich ganz laut in Gesellschaft und fast in nächster Nähe des Barons Reischach[244] sagen, Frankreich hätte sich sehr unklug benommen.
König Friedrich an Hellen
Freiberg, 22. März 1760.
Ich kann mir kaum vorstellen, daß der König von Frankreich einen Menschen, den man eigentlich nur als Abenteurer ansehen kann, mit einem so wichtigen Auftrag wie Friedensverhandlungen betraut. Sie werden daher gut tun, sich nicht auf den Anschein noch auf unbestimmte Gerüchte zu verlassen, sondern dem Mann scharf auf die Finger zu sehen. Es scheint mir wohl möglich, daß er den Auftrag hat, wegen einer Anleihe zu verhandeln, aber dreißig Millionen kommen mir doch etwas stark vor.
Freiberg, 23. März 1760.
Ihr Bericht vom 18. d. M.[245] ist mir richtig zugegangen. Sehr befriedigt hat mich Ihre genaue Wiedergabe der Unterredung zwischen Yorke und dem Grafen von Saint-Germain. Es giebt wohl nichts Seltsameres, aber sie ist sehr fesselnd.
(Hellen soll Yorke im Namen des Königs für die Mitteilung danken und ihm Verschwiegenheit zusichern.)
Indes habe ich meinem Gesandten in England einiges über diese Unterredung vertraulich mitgeteilt und ihn angewiesen, beim englischen Ministerium nach Kräften darauf zu dringen, daß es jetzt sobald wie möglich seine Weisungen dem General Yorke giebt, damit er genau weiß, welche Friedensbedingungen England für sich und seine Verbündeten Frankreich gegenüber stellt, und was es von seinen Eroberungen behalten oder den Franzosen zurückgeben will. Ist man erst soweit, dann lassen sich schnell bestimmte, klare und unzweideutige Präliminarartikel vereinbaren, die zur Herstellung des Friedens und als Grundlage für den allgemeinen Kongreß dienen können.
Hellen an König Friedrich
Haag, 29. März 1760.
(Hellen berichtet über die weitere Unterredung Yorkes mit Saint-Germain am 27. März, vgl. [S. 177 ff.])
Mittlerweile ist ein sonderbarer Zwischenfall eingetreten. Am vergangenen Sonntag (23. März) erhielt Graf d’Affry einen Kurier vom Herzog von Choiseul mit dem Befehl, den Grafen von Saint-Germain nicht mehr zu empfangen und den alliierten Gesandten[246] zu versichern, daß er keinerlei Auftrag hätte. Man wird ja bald sehen, ob Frankreich diesen Mann als Unterhändler benutzen oder ihn verleugnen und den Gesandten mit Unterhandlungen betrauen wird. Das letztere würde beweisen, daß der Staatssekretär und die österreichische Partei noch das Übergewicht haben.
Haag, 1. April 1760.
Es wäre sicherlich recht eigenartig, wollte Frankreich einen Mann wie den Grafen Saint-Germain mit einer so wichtigen Unterhandlung wie der des Friedens betrauen. Zieht man jedoch in Betracht, daß diese Persönlichkeit — welcher Art sie auch nach Aussage aller aus Frankreich kommenden anständigen Leute ist — in Versailles aus und ein geht, mit der Favoritin, dem Marschall Belle-Isle und den ersten Personen am Versailler Hofe auf bestem Fuße steht, daß der König von Frankreich ihm ganz gewiß das Schloß Chambord geschenkt hat, daß der Marschall Belle-Isle ihm persönlich einen Blankopaß Seiner Allerchristlichsten Majestät schickte, — so erscheint es keineswegs unmöglich, daß er in höherem Auftrag handelt.
Als er hier ankam und dem Grafen d’Affry diesen Blankopaß und die Schreiben (Belle-Isles) zeigte, empfing ihn der Botschafter mit Auszeichnung, gab ihm Soupers, führte ihn in seine Theaterloge usw. Allerdings hat er ihm darauf, wenn auch äußerst höflich, gesagt: „Sie haben sich in Versailles furchtbare Unannehmlichkeiten durch einen Brief an die Marquise zugezogen. Ich habe eben einen Kurier mit einem Befehl des Königs erhalten, Sie nicht mehr bei mir zu empfangen.“ Darauf verlangte der Graf von Saint-Germain diesen Befehl zu sehen, und d’Affry mußte einräumen, daß er nicht von Sr. Majestät selbst stamme, sondern vom Staatssekretär. Hierauf erwiderte Saint-Germain: „Das macht mir wenig aus“ und verabschiedete sich ziemlich plötzlich von dem Gesandten, der ihn bat, am nächsten Tage wiederzukommen, da er sehr gern mit ihm plaudern werde. Doch jener entgegnete: „Gestatten Sie, Herr Botschafter, daß ich dies nicht tue. Ich möchte Sie nicht ein zweites Mal in Gefahr bringen, Ihren Befehlen zuwiderzuhandeln.“
So hat Saint-Germain den Vorfall dem General Yorke selbst erzählt[247]. Aber noch merkwürdiger ist, daß Graf d’Affry am übernächsten Tage nochmals zu ihm geschickt haben soll, um sich nach ihm zu erkundigen, indem er sagen ließ, er fürchte, daß er nicht wohl sei, da er seinen Besuch am Tage zuvor erwartet und ihn leider nicht gesehen hätte.
Übrigens hat der Graf dem englischen Gesandten noch einen sehr freundschaftlichen Brief des Grafen von Clermont vom 14. März gezeigt, worin dieser ihn fast wie seinesgleichen behandelt[248]. Nach seiner Angabe steht Graf Clermont in hohem Ansehen und ist sehr zum Frieden geneigt.
Haag, 5. April 1760.
Der Herzog von Choiseul, der sich dem Wiener Hofe verkauft hat, besitzt ständig großen Einfluß in Versailles. Das sieht man wieder an der Art, wie er gegen den Grafen Saint-Germain verfährt. Der Staatssekretär hat dem Grafen d’Affry mit der Pferdepost soeben einen zweiten Brief geschrieben, worin er ihm befiehlt, ihm bei seiner Rückkehr nach Frankreich mit einem Kerkerloch zu drohen, falls er sich noch weiter in Dinge mischte, zu denen er keinen Auftrag hätte[249]. Dieser ganze Zorn kommt von einem ersten Briefe des Genannten an die Marquise[250], den sie so schwach war, dem Staatssekretär mitzuteilen. Soviel ich glaube, war dies aber noch nicht der Bericht über seine Unterredungen mit dem englischen Gesandten. D’Affry hat den Befehl gestern ausgeführt, aber der Graf hat ziemlich selbstbewußt geantwortet, wenn man ihm (Choiseul) den Inhalt seines ersten Briefes mitgeteilt hätte, würde man ihm wahrscheinlich auch die folgenden mitteilen. Recht merkwürdig ist jedoch, daß der Marschall Belle-Isle dem Grafen durch Vermittlung des Grafen d’Affry geantwortet und ihn dabei etwas ausgescholten hat, freilich in sehr schonender Form. Er sagt, der König von Frankreich habe im Haag einen Gesandten, der sein Vertrauen besitze, und er werde dem Grafen d’Affry selber schreiben; trotzdem sei er überzeugt, daß den Grafen Saint-Germain die besten Absichten beseelten.
Bei alledem glaubt der englische Gesandte, der Mann sei nicht zuverlässig und seiner Sache nicht hinreichend sicher. Er wies darauf hin, daß Saint-Germain, als er ihm den Befehl seines Hofes mitteilte, die Neigung durchblicken ließ, den Staatssekretär auf irgendeine Weise in Kenntnis zu setzen, während er doch früher gesagt hatte, er wolle ihn stürzen. Er besann sich dann freilich eines anderen und sagte, er wolle nur an die Favoritin, den Marschall und den Grafen Clermont schreiben[251]. Seitdem ist er nicht mehr beim englischen Gesandten erschienen und hat nur für gestern abend um eine Audienz gebeten, aber ich weiß noch nicht, ob er vorgelassen wurde oder nicht ...
Übrigens erzählte Graf d’Affry dem englischen Gesandten, welche Befehle er betreffs Saint-Germains erhalten hätte, und fragte ihn, ob er ihn gesehen habe. Der Gesandte antwortete, er hätte ihm nichts gesagt, was er nicht überall wiederholen könne. „Das hat er mir auch selbst gesagt“, entgegnete der Franzose[252].
König Friedrich an Hellen
Freiberg, 8. April 1760.
Die Einzelheiten Ihres Berichtes vom 29. März waren sehr beachtenswert. Was den Grafen Saint-Germain und das Rundschreiben über ihn betrifft, das der Herzog von Choiseul an die Gesandten der Verbündeten Frankreichs im Haag erlassen hat, so muß sich jetzt bald herausstellen, ob der Graf Vollmacht hatte oder nicht. Im ersteren Falle ist es klar, daß der Staatssekretär über die wirkliche Denkweise und die wahren Absichten seines Hofes nicht genau Bescheid weiß. Wie dem aber auch sei, durch die Schritte des Grafen sind die Dinge zwischen Frankreich und England in Fluß gekommen, und wenn Frankreich ernstlich gewillt ist, die Partie abzubrechen und Frieden mit uns Alliierten zu schließen, so muß es sich jetzt England gegenüber bald erklären.
Hellen an König Friedrich
Haag, 22. April 1760.
Soviel steht fest: die Reden, die Graf Saint-Germain geführt hat, haben wenigstens die Wirkung gehabt, daß der Herzog von Choiseul der Friedensströmung im Versailler Kabinett nicht ganz hat widerstehen können. Unseres Wissens hat man ihm auch nicht die letzten Berichte des Grafen mitgeteilt. Wenigstens schien der Botschafter davon keine Kenntnis zu haben, aber der besagte Staatssekretär ist so in Wut auf den armen Teufel geraten, daß er den Grafen d’Affry beauftragt hat, seine Verhaftung und Auslieferung zu beantragen. Dieser hat auch schon tatsächlich mit den Vertretern der Republik darüber gesprochen. Als aber Graf Bentinck davon erfuhr, hat er Saint-Germain mit Wissen des Prinzen Ludwig[253] sofort davon benachrichtigt und ihm einen Paß vom General Yorke beschafft, damit er nach England fliehen kann[254]. Gekränkt, wie er ist, kann der Graf dort sehr gute Nachrichten über die jetzigen Finanzen Frankreichs geben, über die er genau Bescheid weiß.
Haag, 3. Mai 1760.
E. M. werden in der Leidener und Amsterdamer Zeitung den genauen Abdruck des Antrages finden, den Graf d’Affry am 30. April bei den Generalstaaten wegen der Auslieferung des Grafen Saint-Germain gestellt hat[255], obwohl er, wie er nicht abstreitet, schon wußte, daß dieser bereits vor einigen Tagen nach London abgereist ist. Die Hochmögenden haben diesen Antrag im Schoße von Kommissionen begraben[256], offenbar um ihn nicht zu beantworten.
VII
Aus der Korrespondenz von Knyphausen und Michell mit Friedrich dem Großen[257]
Knyphausen und Michell an König Friedrich
London, 1. April 1760.
Das hiesige Ministerium erhielt gestern die Schreiben des Generals Yorke vom 28. vorigen Monats, worin er über eine Unterredung berichtet, die er tags zuvor mit dem sogenannten Grafen Saint-Germain wegen seiner Eröffnungen über den Frieden hatte[258] ... Wir beschränken uns auf den Hinweis, daß das hiesige Ministerium sehr in Verlegenheit ist, sich ein richtiges Urteil über den Zwischenfall zwischen Graf d’Affry und besagtem Saint-Germain zu bilden. Nur das eine läßt diese Kabale erkennen, daß die Meinungen im Versailler Staatsrat sehr geteilt sind. In Erwartung einer Aufklärung über die Gesinnung des Versailler Hofes ist man hier sehr zufrieden, dem General Yorke eine gleichmäßige Sprache sowohl dem Botschafter wie dem Unterhändler gegenüber vorgeschrieben zu haben.
London, 22. April 1760.
Wie wir in diesem Augenblick erfahren, soll der sogenannte Graf Saint-Germain mit dem heutigen Postschiff in England angekommen sein[259], nicht als Unterhändler, sondern um Zuflucht vor den Gewaltakten des Herzogs von Choiseul zu suchen, der über sein Auftreten im Haag entrüstet ist. Diese Geschichte scheint den Einfluß des Ministers und seine Bundestreue gegen den Wiener Hof von neuem zu bestätigen. Ein Schlachtopfer mußte offenbar fallen, um dafür öffentlich Zeugnis abzulegen.
London, 29. April 1760.
Der Graf Saint-Germain hat sich seit seiner Ankunft hierselbst nicht öffentlich gezeigt und unseres Wissens keinen Minister gesehen. Wir haben jedoch dauernd ein Augenmerk auf sein Tun und Lassen und werden alles in dieser Hinsicht Beachtenswerte gewissenhaft melden.
König Friedrich an Knyphausen
Meißen, 30. April 1760.
Es ist leicht zu merken ..., daß der Herzog von Choiseul wieder die Oberhand über seinen König und Herrn erlangt und im Staatsrat über die Friedenspartei gesiegt hat. Was dem Grafen Saint-Germain zugestoßen ist, ist ein schlagender Beweis dafür. Ebenso sieht man, daß Frankreich unter dem Einfluß des Wiener Hofes jetzt nicht ernstlich an Frieden denkt, sondern daß es England nur hinhalten und hintergehen will.
Immediatbericht Knyphausens an König Friedrich
London, 6. Mai 1760.
Ich habe E. M. zu melden, daß nach Ansicht des englischen Ministeriums der Aufenthalt des sogenannten Grafen Saint-Germain in England nach außen hin den Verdacht erwecken kann, als ob geheime Unterhandlungen mit England stattfinden, und daß er vielleicht auch im Lande selbst nachteilig wirkt. Deshalb hat Herr Pitt[260] sich nicht nur geweigert, ihn zu empfangen, sondern er besteht auch durchaus auf seiner Abreise. In der Verlegenheit, in die besagter Graf Saint-Germain dadurch gekommen ist, hat er sich entschlossen, sich an mich zu wenden, und Herrn Pitt, der ihn polizeilich überwachen ließ, gebeten, ihm eine Unterredung mit mir zu verschaffen.
Als ich ihn also auf Wunsch des Ministers aufsuchte, erklärte er, er könne um seiner Sicherheit willen nicht nach Holland zurückkehren, und da Herr Pitt durchaus auf seiner Abreise bestehe, habe er beschlossen, sich zu E. M. zu begeben und Sie um Zuflucht in Ihren Staaten gegen die Gewaltakte des Herzogs von Choiseul zu bitten. Wie er hinzufügte, sei dies seine Absicht schon bei der Abreise von Holland gewesen, aber Graf Bentinck habe ihm geraten, vorerst nach England zu gehen[261].
Ich brauche E. M. nicht zu versichern, wie peinlich mir diese Eröffnung war. Da ich jedoch voraussah, daß das Erscheinen dieses Mannes E. M. sehr unliebsam wäre, und da es nicht in meiner Macht stand, ihn daran zu hindern, habe ich im Einvernehmen mit Herrn Pitt mit ihm vereinbart, daß er unter dem Namen Graf Cea nach Aurich reisen und von dort bei E. M. anfragen solle, welches Ihre Absichten seien, so daß E. M. also Ihre Maßnahmen in voller Freiheit treffen können.
Damit er nicht argwöhnte, ich suchte seine Reise zu hintertreiben, habe ich ihm sogar Abschrift des beifolgenden Briefes an E. M. gegeben und ihm gesagt, daß ich ihn aufs wärmste empfohlen hätte. Ich habe hinzugefügt, ich hätte ihm lediglich deshalb geraten, in Aurich Station zu machen, weil ich fürchtete, er könne ohne Regelung seines Reiseweges in österreichische oder französische Hände fallen.
Die Entscheidung steht jetzt bei E. M. Inzwischen glaube ich, E. M. einen Dienst erwiesen zu haben, indem ich die Abreise des Grafen Saint-Germain nach Sachsen[262] hinausgezögert habe. Sie zu verhindern, lag nicht in meiner Macht, so gern ich es getan hätte.
Im übrigen habe ich bei meiner Unterredung mit ihm nichts erfahren, was für E. M. von Belang sein könnte und was Sie nicht schon aus den Briefen aus dem Haag wissen.
Nachschrift. Nach Abschluß dieses Berichtes hat Herr Pitt, mit dem wir nochmals eine Unterredung hatten, uns stark zugesetzt, E. M. nach Möglichkeit abzureden, den Grafen Saint-Germain zu empfangen, damit daraus keine Umtriebe oder Unannehmlichkeiten entstehen.
Knyphausen an das Kabinettsministerium
London, 6. Mai 1760.
Beiliegend die Abschrift meines Immediatberichts an den König, betreffend einen recht eigenartigen Zwischenfall, den ich mit dem sogenannten Grafen Saint-Germain hatte. Da dieser mir seit Jahren bekannte Mann[263] von gefährlichem Ungestüm ist und den König bestricken und zu vielen falschen Maßregeln verleiten könnte, bitte ich Euer Exzellenz, Ihr möglichstes zu tun, um seine Reise nach Sachsen zu verhindern.
König Friedrich an Knyphausen
Meißen, 10. Mai 1760.
Der Graf Saint-Germain sucht in England wohl nichts anderes als eine Zuflucht vor den Verfolgungen des Herzogs von Choiseul, mit dem und dessen Partei er, wie man deutlich sieht, völlig zerfallen ist.
Meißen, 19. Mai 1760.
Was Herr Pitt Ihnen über den Grafen Saint-Germain gesagt hat, leuchtet mir völlig ein. Bisher hat dieser nicht an mich geschrieben. Sollte er es noch tun, so will ich ihm Zuflucht in Emden oder besser in Aurich geben, falls er sich in nichts einmischt[264]. Ich fürchte nur, der seltsame Mann wird so unbesonnen sein, hierher zu kommen, ohne an mich zu schreiben und vorher um meine Erlaubnis zu bitten, wofür ich keine Verantwortung übernehme.
VIII
Aus Mitchells Korrespondenz
Mitchell[265] an Lord Holdernesse
Freiberg, 27. März 1760.
Der König von Preußen geruhte, mir Kenntnis von einem außergewöhnlichen Gespräch zu geben, das der Graf Saint-Germain am 14. im Haag mit General Yorke hatte[266]. Er bemerkte, obwohl der Mann und seine ganze Art höchst ungewöhnlich seien, hätte General Yorke doch Recht getan, Euer Lordschaft über den Vorfall unmittelbar zu berichten, daß nämlich der Graf mit diesem geheimen Auftrage sehr wahrscheinlich vom Marschall Belle-Isle ohne Kenntnis der übrigen französischen Minister betraut worden sei, da das Kabinett sehr geteilter Meinung ist. Er fragte mich, ob ich den Grafen Saint-Germain kenne, der, wie er gehört habe, eine Zeitlang in England gewesen sei[267]. Ich antwortete, ich hätte ihn dort gesehen, hätte aber nie geglaubt, daß er zum Unterhändler werden würde. Seine Preußische Majestät entgegnete, er hätte gehört, daß der Graf Mittel und Wege gefunden hätte, sich die Gunst des Königs von Frankreich zu verschaffen. Er hätte ihn mit einigen chemischen Versuchen unterhalten, und der König hätte ihm das Schloß Chambord geschenkt.
Freiberg, 20. April 1760.
Nach Ansicht Seiner Preußischen Majestät erhellt aus allen Gesprächen der Herren d’Affry und Saint-Germain im Haag deutlich, daß das französische Ministerium in seiner Meinung geteilt sei. Einige seien für den Frieden, andere für Fortsetzung des Krieges, aber aus allem bisher Gesagten ließe sich unmöglich folgern, welchen Entschluß sie fassen würden und ob die Friedenswinke ernst gemeint oder nur gegeben seien, um Zeit zu gewinnen.
Lord Holdernesse an Mitchell[268]
Whitehall, 6. Mai 1760.
Sie werden aus meinen letzten Briefen ersehen haben, was zwischen General Yorke und dem Grafen Saint-Germain vorgefallen ist, und ich bin überzeugt, General Yorke wird Sie jedenfalls davon in Kenntnis gesetzt haben, daß Herr von Choiseul ihn in aller Form desavouiert hat und daß Saint-Germain beschlossen hat, nach England zu gehen, um sich den weiteren Verfolgungen des französischen Ministers zu entziehen[269]. Infolgedessen ist er vor einigen Tagen hier eingetroffen. Aber es liegt auf der Hand, daß er keine Vollmacht hatte, auch nicht von den französischen Ministern, in deren Namen er zu sprechen vorgab. Da sein hiesiger Aufenthalt unzweckmäßig ist und üble Folgen haben kann, wurde für angemessen erachtet, ihn bei seiner hiesigen Ankunft zu verhaften. Sein Verhör hat nichts sehr Belangreiches ergeben. Sein Benehmen und seine Sprache sind verschlagen, mit einem wunderlichen Einschlag, der schwer zu bestimmen ist.
Alles in Allem hielt man es für durchaus angezeigt, ihn nicht in England zu dulden. Demgemäß ist er am letzten Sonnabend (3. Mai) früh abgereist, mit der Absicht, Zuflucht im preußischen Staate zu suchen, da er sich in Holland nicht sicher fühlte. Auf seine dringende wiederholte Bitte hin besuchte ihn Baron Knyphausen während seiner Haft[270], aber keiner der königlichen Beamten.
Der König hielt es für richtig, Sie von diesen Vorgängen zu unterrichten. Sein Wunsch ist, daß Sie den Inhalt dieses Briefes Seiner Majestät dem König von Preußen mitteilen.
IX
Berichte Reischachs an Graf Kaunitz[271]
Haag, 18. (März) 1760.
Der Ew. Excellenz bekannte Freund (Prinz Ludwig von Braunschweig[272]) hat mich vorgestern besuchet, ... um mich zu bereden, ihm die in Händen habende Contre-Declaration[273] einsehen oder ablesen zu lassen. Ich beharrte aber darauf, daß mich dermalen noch nicht im Stande befinde, sondern, wie ihm schon gemeldet, das weitere von dem Herrn Grafen von Starhemberg[274] gewärtige.
Worüber derselbe (Prinz Ludwig) gemeldet, er besorge, man werde mit einer solchen Contre-Declaration solang zuwarten, daß indessen Frankreich soviel Zeit gewinnen werde, um mit Engelland einen Frieden zu schließen. Herr Graf d’Affry habe vor etwas mehr als acht Tagen durch den allhiesigen preußischen Minister von Hellen dem engelländischen Minister Yorke ein Rendezvous in Ryswijk oder in selbiger Gegend antragen lassen ...
Es befinde sich ein gewisser Fremder, der sich Comte Saint-Germain nennt, schon einige Zeit in Amsterdam, allwo er bei dem sehr reichen und geschickten Negocianten Hope[275], welcher dermalen die meiste französischen Geschäften in Amsterdam verrichtet und durch seinen Credit große Geldsummen dem französischen Hofe verschaffe, wohnhaft, seit den allhiesigen Heirats-Festivitäten[276] aber in dem Haag gegenwärtig seie, allwo er den Mr. Yorke besuche und seit kurzem mit ihm eine dreistündige Unterredung tête-à-tête gehabt habe[277], so daß er um so weniger zweifle, er müsse von dem französischen Hofe mit Friedensgeschäften beladen sein, als man wahrnehme, daß dessen allhiesige Anwesenheit den Herrn Graf d’Affry alarmiere und er sein Mißvergnügen hierüber nicht verbergen könne.
Ich trachtete, denselben (Prinz Ludwig) zu verleiten, sich gegen mich weiters zu eröffnen, was nämlich Herr Graf d’Affry dem Mr. Yorke beigebracht habe und in weme dann des Mr. le Comte de Saint-Germain obhabende Commissionen bestehen möchten.
Derselbe ließe sich aber weiter nicht heraus, als daß er eingestanden, Saint-Germain gebe aus, „daß er sich schmeichle, Frankreich durch seinen Aufenthalt in Holland zu retten“. Über die Unterredung des Herrn Graf d’Affry mit Mr. Yorke wollte er sich gar nicht eröffnen, sondern widersetzte mir, daß, weil ich ihm von dem Inhalt der Contra-Declaration nichts beibringen wolle, er mir auch von dem, was zwischen besagten zweien Ministres vorbei gehe, nichts mitteilen könne ...
Als der sogenannte Comte Saint-Germain aus Amsterdam allhier angelanget, so befragte den Herrn Graf d’Affry, ober von dessen Ankunft von seinem Hofe preveniret und ob ihm bekannt, daß er in Holland, wie es verlaute, mit einigen Commissionen beladen sei. Derselbe wollte weder von dem einen noch von dem andern etwas wissen, sondern brache den Discours ab, mit Vermelden, daß er allzeit vor ein espèce d’aventurier passiret habe.
Von solcher Zeit hat derselbe den Herrn Graf d’Affry besuchet, welchen mehrmalen in Compagnie bei ihm angetroffen. Vor 2 Tagen ist er wiederum nach Amsterdam zurückgekehret, solle aber, wie von Herrn Graf d’Affry selbst vernommen, inners ungefähr 8 Tagen wiederum allhier zurück eintreffen.
Man versicheret mich, daß man nicht eigentlich weiß, wer dieser sogenannte Comte Saint-Germain sei. Er redet fast alle europäische Sprachen in perfection, hat sich viele Zeit in Polen, Teutschland, Italien, Spanien, Engelland, Frankreich, auch vor diesem in Holland aufgehalten, allwo er unterschiedliche Namen geführet. Er ist in der Music und sonderbar in Spielung der Violine sehr erfahren, und scheinet aus seinem Umgang, daß er allerorten die große Welt frequentiret habe. Dermalen soll er aus Frankreich kommen, allwo der König ihm das Schloß Chambord, so ehevordem Mr. le maréchal Comte de Saxe[278] zugehöret, überlassen haben soll. Es fehlet ihm an der Leichtigkeit, sich zu explicieren, und an Geist nicht. Wann er aber mit Geschäften beladen, so gedeucht mich, daß er zu viel rede und seine Discours nicht genügsam nach den Reglen der Prudenz abmesse.
Haag, 25. März 1760.
Vorgestern hat Graf d’Affry wiederum einen Expressen, aber nur aus Brüssel von dem Mr. Lesseps[279] erhalten; wie er mir gestern gemeldet, hat derselbe ihm Depêchen von seinem Hofe mitgebracht, wodurch der Herr Duc de Choiseul ihm auftraget, dem sogenannten Comte de Saint-Germain, von welchem in meinem ehevorigen Berichtschreiben Meldung beschehen und [welcher] dermalen wiederum von Amsterdam in dem Haag angelanget ist, auf das schärfeste zu untersagen, sich nicht zu unterstehen, in die Politique sich einmischen zu wollen, widrigenfalls demselben sein Haus zu verbieten oder gar ihn arretieren zu lassen[280].
Haag, 28. März 1760.
Der Herr Graf d’Affry hat dem sogenannten Comte de Saint-Germain ernstlich untersaget, sich in Friedens- oder politische Geschäften einigermaßen einzumischen, mit Bedrohen, daß er widrigenfalles ihn gar nicht mehr sehen werde.
Mir ist indessen von guter Hande zu vernehmen gekommen, daß Saint-Germain sich allhier gegen einem Freunde über dieses gegen ihm ausübendes Verfahren ungemein beschweret und demselben ein Originalschreiben von dem Herrn maréchal Duc de Belle-Isle vorgezeiget habe, in welchem derselbe ihm zu erkennen gegeben, daß er von ihm eine Antwort über seine allhiesige Verrichtungen mit vielem Empressement erwarte[281]. Ferner habe derselbe ihm, Freunde, vertrauet, daß er beladen worden, Mittel und Wege auszufinden, daß die französisch-amerikanische Insuln und Colonien, welche directe aus Frankreich nicht wohl approvisionniert werden können, von hier aus mit Lebensmitteln und andern Notwendigkeiten versehen werden; wo beinebens er auch chargiret worden sei, alles anzuwenden, den Credit der französischen Finanzien allhier wiederum zu erheben und emporzubringen, auch einzuberichten, was ihm von dem Friedensgeschäft zu Ohren kommen möchte. Dieses letztere habe er nicht besser zu bewirken gewußt, als den Herrn Grafen von Bentinck und Mr. Yorke zu sehen[282]. Der erstere habe sich wider Herrn Graf d’Affry beschweret, daß er von ihm gänzlich negligiret werde, da er doch imstand sich befinde, der Krone Frankreich allhier in Friedens- und andern Geschäften nützlich sein zu können. Mr. Yorke habe ihm die stärkste Versicherung erteilet, wie sehnlich und aufrichtig Engelland einen baldigen Frieden wünsche und suche; diese Krone werde den König in Preußen nicht verlassen, jedoch denselben vermögen, daß von ihm Ihro Majestät der Kaiserin[283] raisonnable und acceptable Friedensvorschläge gemacht werden. Von welchem allem er nach Versailles seinen Rapport abgestattet, darüber aber noch keine Antwort erhalten habe. Saint-Germain habe sich gegen diesem seinem Freunde herausgelassen, in was für großem Credit er bei der Madame la marquise de Pompadour und dem Herrn Duc de Belle-Isle stehe und nicht anders glauben könne, als daß Herr Graf d’Affry die an ihm vollzogene Ordre von Herrn Duc de Choiseul (von welchem ihm, Comte de Saint-Germain, nichts committiret worden) erhalten habe. Er werde aber auf das stärkeste arbeiten, daß alles ohne Anstand repariret und seine hierin verletzte Réputation auf das bäldeste und vollkommenste hergestellt werde.
Was mir von der Conduite und Verrichtungen des sogenannten Comte de Saint-Germain beigebracht wird, höre ich zwar an, jedoch hüte mich, einigermaßen in Sachen mich einzumischen, die mich nicht weiters interessieren können, als davon die Wissenschaft zu haben.
Haag, 8. April 1760.
Der sogenannte Mr. le Comte de Saint-Germain befindet sich noch allhier und hat dem Mr. Yorke und Herrn Grafen von Bentinck ein und das andere Mal besuchet. Von diesem letzteren wird derselbe wohl angesehen und hält sich unterweils mehrere Stunden bei ihm auf. Derselbe hat auch verlanget, bei dem Herrn Herzog Louis von Braunschweig aufgeführet zu werden. Er hat aber ihn bishero nicht vorkommen lassen wollen, welches er dem Herrn Grafen d’Affry, Herrn Grafen von Golowkin und mir, als wir uns bei Übergebung der Contre-Declaration in Ryswijk beisammen eingefunden, selbst erzählet und zugleich zu verstehen gegeben, daß dessen Anwesenheit allhier das Friedensgeschäft leichtlich embrouilliren und sehr schädlich sein könnte[284].
Herr Graf d’Affry gab die kräftigste Versicherungen, daß er ihm bereits aus Ordre seines Hofes auf das nachdrucksamste untersaget, sich in einige politische Affairen, so seinen Hof betreffen, einzumischen, wie dann er ihm auch sein Haus wirklich verboten habe[285] und ihn nicht anderst als einen aventurier ansehen könne.
Und da der Herr Herzog ihm hierauf zu erkennen gegeben, daß Saint-Germain von der Zeit, als er ihm obiges Verbot getan, den Mr. Yorke nochmals besucht und sich mit ihm unterhalten habe[286], so hat Graf d’Affry demselben erwideret, daß er ihn sogleich zu sich kommen lassen und ihm bedeuten wolle, daß, wann er hiervon nicht sogleich gänzlich abstehe, der französische Hof schon Mittel finden werde, ihn einzusperren und in eine basse-fosse[287] setzen zu lassen, wobei er den Herrn Herzog ersuchte, all solches dem Mr. Yorke zu hinterbringen.
Ich beobachtete hierbei, daß besagter Herr Herzog mit vielem Eifer sich wider Saint-Germain an Laden gelegt[288], welches mich urteilen gemacht, daß er vielleicht besorgen dürfte, es möchte durch seinen Canal ein Fried zwischen der Krone Frankreich und Engelland mit Ausschluß der engelländischen Aliirten beförderet werden.
Von Herrn Grafen d’Affry habe inzwischen vernommen, daß er obgemeldete Bedrohungen dem Saint-Germain wirklich eröffnet und er hierdurch ungemein betroffen worden sei.
Haag, 18. April 1760.
Gestern ist ... der bekannte Graf Saint-Germain von hier abgereiset, ohne daß man weiß, wohin er sich begeben will.
Haag, 22. April 1760.
In meinem letztern Berichtschreiben habe Ew. Excellenz zu melden die Ehre gehabt, daß der sogenannte Graf Saint-Germain von hier abgereiset, ohne daß bekannt ist, wohin er sich begeben habe. Ich bin aber gleich hinnach ganz sicher informiret worden, daß er so gähling und unvermutet dieses Land verlassen habe, weil Herr Graf d’Affry durch den Courier, wovon in meinen letztern zwei Berichtschreiben Meldung getan, von seinem Hofe Befehl erhalten, das Ansuchen allhier zu machen, daß er arretiret und an Frankreich ausgeliefert werde, wovon, als Herr Graf d’Affry, wiewohl ganz in geheime, dessentwegen einige passus gemacht, derselbe benachrichtiget worden und sich alsdann sogleich aus dem Staube gemachet hat. Man weiß zwar noch nicht positive, wohin er sich verfüget; es wird aber durchaus dafür gehalten, daß er nach Engelland abgegangen sei. Hierbei hat sich noch dieser notable Umstand ergeben, daß Herr Graf von Bentinck ihn vor seiner Abreise nachts um 9 Uhr besucht und bei demselben bis nach Mitternacht verblieben sein soll, worauf Graf Saint-Germain gegen anbrechendem Tage in einer mit 4 Pferden bespannten Kutsche abgereiset ist. Man will sogar behaupten, daß ein Bedienter des Herrn Grafen von Bentinck die Pferde und Wagen zu solcher Abreise veranstaltet habe[289].
Herr Graf d’Affry hat mir vor zwei Tagen von der empfangenen Ordre, den Saint-Germain allhier arretieren zu lassen und daß er dessentwegen in der Stille einige passus gemacht, Kenntniß erteilet, mit dem Beisatz, daß er den dessentwegen erhaltenen Courier wiederum zurückgesendet und sich bei seinem Hofe angefraget habe, ob er die Ursachen, warum Saint-Germain habe sollen arretiret werden, allhier kundmachen solle oder nicht.
Haag, 25. April 1760.
Man prätendiret, nunmehro sichere Nachricht zu haben, daß der sogenannte Comte de Saint-Germain von hier gerad nach Hellevoetsluis abgegangen und den 20. dieses mit dem Paquetbot nach Engelland abgefahren sei.
Von sicherer Hand vernehme, daß derselbe von hier aus ein Schreiben an Madame la marquise de Pompadour erlassen, in welchem er unter anderm den Nutzen und die Notwendigkeit vorstellt, den allhiesigen Graf von Bentinck von Seiten Frankreich wegen seinem guten Willen, dieser Krone bei gegenwärtigen Umständen nützliche Dienste zu leisten, und wegen von ihm allhier und bei dem engelländischen Ministerio besitzenden besonderen Credit nicht nur allein sehr zu menagiren, sondern auf alle Weise zu cultivieren[290]. Welches Schreiben aber von dem französischen Hofe an Herrn Graf d’Affry communiciret worden.
Aus allem, was mir zu Ohren kommet, muß ich urteilen, daß Herr Graf Bentinck sehr suchet, sich in künftiges Friedensgeschäft einmischen zu können. Es ist auch gewiß, daß Comte Saint-Germain während seines allhiesigen Aufenthalts sehr vielen Umgang mit ihm gepflogen und deswegen aller Anschein vorhanden ist, daß er mit seinem Wissen und vielleicht aus seinem Rat nach Engelland abgegangen, er auch suchen wird, ihn allda zu protegieren.
Haag, 2. Mai 1760.
Herr Graf d’Affry hat vorgestern bei den Generalstaaten abschriftlich anliegendes Mémoire[291] überreichet, wodurch er das Ansuchen tuet, daß der bekannte Comte de Saint-Germain angehalten, ausgelieferet und gefänglich nach Antwerpen geführet werde. Da nun derselbe, jedermann bekanntermaßen, schon vor mehr als 14 Tagen sich von hier hinweg begeben und von Hellevoetsluis nach Engelland abgegangen ist, so scheinet nicht möglich zu sein, daß die Absicht des französischen Hofes auf dessen Anhaltung zähle, sondern etwa dahin gehen möchte, das Publicum dardurch zu belehren, daß demselben, wo er sich befinden möchte, kein Glauben und noch viel weniger einiges Vertrauen beigemessen werde, maßen Herrn Graf d’Affry nicht unbekannt sein kann, daß er sich allhier verlauten lassen, daß, wann der französische Hof ihm wegen jenem, was mit ihm allhier vorgefallen, nicht Satisfaction geben werde, er sich im Stand befinde, Sachen von demselben an Tage zu legen, welche ihn vollkommen rechtfertigen, demselben aber ungemein nachteilig sein werden.
Was die Generalstaaten über obiges Mémoire entschlossen, ist mir noch nicht bekannt. Und da der widrige Wind noch immer anhaltet, so können keine engelländischen Nachrichten hier ankommen, wodurch man etwa vernehmen könnte, wie derselbe in Engelland angesehen werde oder wie er sich allda betrage.
Beilage zum Bericht Reischachs vom 13. Mai 1760
(Mitteilung eines englischen Correspondenten)
(London, Mai 1760.)
Die Denkschrift des Herrn Grafen d’Affry über den Grafen Saint-Germain[292], die Sie mir gütigst zugesandt haben, steht auch in den französischen Zeitungen. Allerdings lohnt es sich nicht, wie Sie sehr richtig bemerken, so viel Lärm über diese Sache zu schlagen. Man erweist diesem Abenteurer zu viel Ehre, wenn man viel Wesens von ihm macht. Der hiesige Hof glaubte, den Kundgebungen des Mißtrauens, die der französische Hof gegen diesen Mann in Szene gesetzt hat, nicht trauen zu dürfen; denn er verdient nur Verachtung. Sie hat ihn bei seiner Ankunft mit dem Paketboot sofort in polizeilichen Gewahrsam genommen und ihn erst außer Augen gelassen, als er wieder an Bord gebracht wurde, um über das Meer zurückzukehren. Ein scherzhaftes Abenteuer!
Haag, 16. Mai 1760.
Der sogenannte Mr. le Comte de Saint-Germain ist den 11. dieses mit dem Paquetbot aus Engelland zu Hellevoetsluis angelanget und hat sogleich seine Reise über Rotterdam nach Teutschland und, wie hier ausgegeben wird, nach Berlin fortgesetzet. Mehrere allhier halten dafür, daß das engelländische Ministerium denselben aus Attention vor Frankreich sogleich aus Engelland weggeschaffet habe, aus welchem sie inferiren, daß diese Kron sehr geneigt sei oder Hoffnung habe, mit Frankreich den Frieden in Bälde zu schließen.
Haag, 13. Juni 1760.
Wo der bekannte sogenannte Graf von Saint-Germain sich dermalen befinde, ist allhier nicht bekannt; es wird aber von mehreren öffentlich versicheret, daß derselbe schon von geraumer Zeit her einen Espion vor den König in Preußen gemachet habe, dergleichen derselbe an allen Höfen haben und solche reichlich bezahlen solle.
X
Aus Kauderbachs Korrespondenz[293]
Kauderbach an Graf Wackerbarth-Salmour
Haag, 14. März 1760.
Wir haben hier gegenwärtig einen höchst seltsamen und ganz außergewöhnlichen Mann, der sich Graf Saint-Germain nennt. Er sieht höchstens wie 45 Jahre alt aus, und doch behauptet man, daß er mindestens 110 Jahre zählt. Wie mir Herr d’Affry versicherte, wäre er viel älter als wir beide zusammen, und doch sind wir beide über die Sechzig. Fest steht, daß ein fast siebzigjähriges Mitglied der Generalstaaten mir gesagt hat, er habe diesen seltsamen Mann im Hause seines Vaters gesehen, als er selbst noch ein Kind war, und er hätte fast genau so ausgesehen wie heute. Trotzdem macht er den gelenken, munteren Eindruck eines Dreißigjährigen. Seine Waden sind wie gedrechselt, sein eigenes Haar schwarz und voll, und er hat sozusagen keine Runzel im Gesicht. Fleisch ißt er fast nie, außer etwas Hühnerbrust; seine Nahrung beschränkt sich auf Grütze, Gemüse und Fische. Gegen Kälte schützt er sich sehr, aber er schont sich nicht übermäßig durch frühes Schlafengehen und hat uns, gleichsam aus Gefälligkeit, bis 1 Uhr nachts Gesellschaft geleistet, ohne daß man es ihm am nächsten Morgen anmerkte. Gelingt es mir, dem guten Alten sein Geheimnis zu entlocken, so glaube ich, dem König[294] einen wesentlichen Dienst zu leisten, wenn ich es Euer Gnaden mitteile, um Sr. Majestät ein so kostbares und für seinen Dienst so nützliches Leben zu verlängern.
Saint-Germain besitzt unermeßliche Reichtümer, und wenn man ihm glauben will, auch die schönsten Geheimnisse der Natur. Er spricht gelehrt darüber, ohne den Geheimnisvollen zu spielen, und sucht durch seine Beweisführungen auch die Ungläubigsten zu bekehren, anscheinend ohne jede Hintergedanken. Seine Reichtümer sind eine feststehende, in ganz Frankreich bekannte Tatsache. Er steht in höchster Gunst beim Allerchristlichsten König, der ihm das Schloß Chambord zum lebenslänglichen Wohnsitz angewiesen hat. Er zeigte uns Steine von unschätzbarem Wert und sämtlich von unvergleichlicher Größe und Schönheit. Beiliegend übersende ich E. E. der Wissenschaft halber die Maße eines seiner schönsten Opale, der von tadelloser Reinheit und herrlicher Schönheit ist. Nach seiner Behauptung besitzt kein Herrscher der Welt solche Schätze, wie er sie in Steinen zu besitzen vorgibt. Er sagt, daß alle irdische Größe ihm gleichgültig sei und daß er nur auf den Titel eines Bürgers Anspruch erhebe.
Von Frankreichs Unglück gerührt, hat er dem König[295] seine Dienste angeboten, um das Land zu retten, und zu diesem Zweck ist er nach Holland gekommen. Aus seinem Auftrag oder wenigstens dessen Zweck macht er kein Geheimnis. Wir sind gespannt, welche Mittel er hat; nach seiner Behauptung sind sie unfehlbar, da sie von ihm allein abhängen. Er ist ein großer Fürsprecher der Frau von Pompadour und sucht sie von dem Makel zu befreien, den man ihr hier angeheftet hat. Er schreibt ihr das beste Herz zu, die redlichsten Absichten und beispiellose Uneigennützigkeit. Ich hatte mit ihm ein langes Gespräch über die Ursachen von Frankreichs Mißgeschick und über die Ministerwechsel. Folgendes sagte er mir hierüber:
„Das Grundübel ist die Schwachheit des Monarchen. Seine Umgebung kennt seine übergroße Güte und mißbraucht sie, und diese Umgebung besteht nur aus Kreaturen der Brüder Pâris[296], die allein Frankreichs ganzes Unglück verschulden. Sie haben alles verderbt und die Pläne des besten französischen Bürgers, des Marschalls von Belle-Isle, durchkreuzt. Daher die Uneinigkeit und die Eifersucht unter den Ministern, die jeder einem anderen Herrscher zu dienen scheinen. Alles ist durch die Brüder Pâris verderbt: mag Frankreich zugrunde gehen, wenn sie nur ihr Ziel erreichen, 800 Millionen Vermögen zu erwerben. Unglücklicherweise besitzt der König mehr Güte als Scharfblick, um die Bosheit seiner Umgebung zu durchschauen. Da diese seine Charakterschwäche kennt, tut sie nichts, als seinen Schwächen zu schmeicheln, und findet dadurch vor allen anderen Gehör. Die gleiche Charakterschwäche zeigt sich bei der Mätresse. Sie kennt das Übel, hat aber nicht den Mut, ihm zu steuern.“
Er also, Saint-Germain, will die radikale Heilung unternehmen und macht sich anheischig, durch seine Maßnahmen in Holland zwei Männer zu stürzen, die dem Staate so schädlich sind und die man bisher für ganz unersetzlich hielt. Hört man ihn so frei von der Leber sprechen, so muß man annehmen, daß er seiner Sache gewiß ist, oder man muß ihn für den größten Gimpel auf Erden halten.
Ich könnte Euer Gnaden noch manches über diesen seltsamen Mann und seine physikalischen Kenntnisse erzählen, müßte ich nicht fürchten, Sie durch Berichte zu ermüden, die mehr romanhaft als wirklich erscheinen. Doch halte ich mit meinem Urteil noch zurück. D’Affry erweist ihm die größten Aufmerksamkeiten und scheint ihn für ein Wunder zu halten. Saint-Germain hat die ganze Welt durchstreift und spricht die meisten bekannten Sprachen. Er war mehrmals in Dresden und, wie er mir sagte, dem verstorbenen König[297] wohlbekannt. Auch in der Musik leistet er Hervorragendes. Er spielt vollendet Violine und Klavier und singt entzückend. Man läuft ihm hier das Haus ein, wie einem Wundertier, und er ist in der Tat ein sehr angenehmer Gesellschafter.
Kauderbach an den Fürsten Golizyn[298]
Haag, 14. März 1760.
Wir haben hier einen seltsamen Mann. Es ist der berühmte Graf Saint-Germain, der in ganz Europa wegen seiner Kenntnisse und seiner ungeheuren Reichtümer bekannt ist. Er ist mit einem wichtigen Auftrag in diesem Lande betraut und redet viel davon, er wolle ähnlich wie früher die Jungfrau von Orleans Frankreich retten. Wir müssen abwarten, wie er es anfangen wird. Er hat ein Lager von Edelsteinen von größter Schönheit. Er behauptet, der Natur ihre tiefsten Geheimnisse entrissen zu haben und sie durch und durch zu kennen. Das Merkwürdigste aber ist, daß er über 110 Jahre alt sein will. Er sieht indes nicht älter als 45 aus. Gaudeant bene nati[299]! Ich wünschte, ich könnte sein Geheimnis für Sie und auch für mich selbst erlangen! Er ist ein warmer Verteidiger der Frau von Pompadour und des Marschalls von Belle-Isle und verabscheut die beiden Brüder Pâris, denen er die Schuld an allem Mißgeschick Frankreichs zuschreibt.[300] Er spricht sehr frei über die französischen Verhältnisse — vom König bis zum Hanswurst.
Haag, 19. März 1760.
Ich schrieb Ihnen bereits von dem berühmten Saint-Germain, der gegenwärtig in Amsterdam bei Herrn Hope wohnt. Er hat Herrn Yorke in seinem Hause aufgesucht und ist drei Stunden bei ihm geblieben[301]. Er hat hier weder zu Herrn d’Affry geschickt noch sich an ihn gewandt, und doch hat er mir selbst erklärt, er sei mit einem wichtigen Auftrage betraut. Um jedoch die Wahrheit zu sagen, erscheint er mir zu anmaßlich und unvorsichtig, als daß man ihm glauben könnte, daß er ein allerhöchst beauftragter Unterhändler ist. Ich stelle ihn auf eine Stufe mit dem berüchtigten Macanas, den Euer Exzellenz hier 1747 kennen lernten, oder wenigstens mit dem Grafen Seckendorff, der im letzten Jahre herkam[302]. Ich müßte mich sehr in ihm täuschen, wenn er mit seinem Auftrag Erfolg hat. Unsere Holländer sind zu schwerfällig, um auf solche Schliche einzugehen. Immerhin zweifle ich nicht mehr, daß wichtige Unterhandlungen im Gange sind.
Graf Wackerbarth-Salmour[303] an Kauderbach
Dresden, 23. März 1760.
Ihre Königlichen und Kurfürstlichen Hoheiten lesen stets mit Vergnügen, was Sie mir schreiben. Sie haben das Bild, das Sie mir von Saint-Germain entwarfen, sehr fesselnd gefunden. Wir können es noch nicht bis ins einzelne deutlich erkennen. Aus der Ferne wirkt es schön, aber man muß es sich näher daraufhin ansehen, ob alle seine Züge übereinstimmen und zutreffen, woran ich stark zweifle. Vor 50 Jahren lernte ich den berüchtigten Huldashop kennen und verkehrte mit ihm. Er behauptete, über 80 Jahre alt zu sein. In Danzig heiratete er 25 bis 30 Jahre später eine Prinzessin von Holstein, die ihn nach den öffentlichen Nachrichten kurz darauf ermorden ließ, um sich in Besitz seiner Forschungen und Geheimmittel zu bringen[304]. Ich kannte einen Mann, den man als Mitschuldigen an diesem Mord in Verdacht hatte; er hat durch seinen Reichtum eine große Rolle gespielt und großes Aufsehen erregt. Derartige Wundermänner blenden eine Zeit lang; man verliert sie aus dem Gesicht, wenn man es am wenigsten glaubt.
Der Opal, dessen Maße Sie mir schickten, scheint mir nicht so außerordentlich. Ich besitze einen orientalischen von fast gleicher Größe, und der König hat viel ansehnlichere in seinem Schatze. Wie Sie wissen, sind farbige Steine, so schön und hart sie scheinen mögen, stets mit Vorsicht zu genießen. Bei den Diamanten handelt es sich darum: besitzt er viele? sind sie groß und von tadellosem Wasser?
Seine politischen Erörterungen bedürfen m. E. gründlicher Beweise und Darlegungen.
Am meisten zu seinen Gunsten scheint mir zu sprechen, daß ihm der König von Frankreich in seiner Huld das Schloß Chambord geschenkt hat; denn ein so bedeutendes Lehen kann er nur infolge von hervorragenden Leistungen im Dienste der Krone erhalten haben.
Kauderbach an Graf Wackerbarth-Salmour
Haag, 4. April 1760.
Wir kennen den angeblichen Grafen Saint-Germain bisher nur nach dem Rufe, den er geflissentlich selbst verbreitet: über seine geheimnisvolle Herkunft, sein hohes Alter und seine Geheimnisse. Trotzdem steht fest, daß er am französischen Hofe eine Zeitlang hoch in Gunst stand und sehr ausgezeichnet wurde. Aber das alles war von kurzer Dauer und hat sich sehr geändert. Herr d’Affry hat mir indes versichert, er sei von Stand, wenn auch kein geborener Franzose. Er selbst behauptet, Spanier zu sein.
Haag, 24. April 1760.
Wie ich soeben erfahre, hat der Kurier, den d’Affry letzten Montag (14. April) erhielt, ihm Befehl gebracht, bei den Generalstaaten die Verhaftung und Auslieferung des berüchtigten Grafen Saint-Germain zu beantragen, da er ein gefährlicher Mensch sei, mit dem Se. Majestät aus guten Gründen unzufrieden ist. D’Affry hat diesen Befehl dem Großpensionär mitgeteilt und letzterer dem ständigen Ausschuß der Provinz Holland Bericht erstattet. Der Vorsitzende dieses Ausschusses, Graf Bentinck, hat den Mann gewarnt, ihn nach England abreisen lassen, und zwar hat er ihm dazu seinen eigenen Wagen geschickt[305]. Am Tage vor seiner Abreise war Saint-Germain vier Stunden beim englischen Gesandten[306]. Er hat sich gerühmt, mit der Herbeiführung des Friedens beauftragt zu sein. Ich habe jedoch die Schriftstücke gesehen, auf die er sich für seine Mission beruft[307], und habe darin nichts gefunden, was seine Behauptung erhärtet. Belle-Isle pflegt mit den elendesten Zeitungsschreibern und Projektenmachern in Briefwechsel zu stehen und ihre Offenbarungen sehr teuer zu bezahlen.
Dieser Saint-Germain hat uns so viele andere grobe und elende Märchen erzählt, daß man ihn nur mit Widerwillen zum zweitenmal hört, es sei denn, daß man sich über dergleichen Aufschneidereien belustigen will. Dieser Mann kann kein zehnjähriges Kind betrügen, geschweige denn aufgeklärte Männer. Es ist also anzunehmen, daß die Protektion, die er findet, andere Gründe und Zwecke hat, als Verhandlungen durch ihn anzuknüpfen. Ich betrachte ihn als Abenteurer ersten Ranges, der mit seinen Mitteln am Ende ist, und ich würde mich sehr täuschen, wenn er kein tragisches Ende nähme. Unter den englischen Offizieren, die hier sind, haben einige ihn in London vor 20 Jahren gekannt und sprechen mit größter Verachtung von ihm. Sie halten ihn für einen einfachen Violinspieler.
Haag, 2. Mai 1760.
Der Abenteurer hat sich hier als geheimer Unterhändler des Marschalls Belle-Isle aufgespielt und Briefe von ihm[308] gezeigt, denen allerdings die Glaubwürdigkeit nicht ganz abzusprechen ist. Er ließ durchblicken, daß Belle-Isle ganz im Sinne der Frau von Pompadour, aber im Gegensatz zu Choiseul, leidenschaftlich nach Frieden trachte. Er hat stark aufgetragen und mit den stärksten Farben die Kabalen, die Not und die Zwistigkeiten geschildert, die in Frankreich herrschen sollen, und durch solche Schmeicheleien hat er das Vertrauen der englischen Partei zu gewinnen geglaubt. Andrerseits hat er an den Marschall Belle-Isle geschrieben[309], d’Affry wisse die Bestrebungen des Grafen Bentinck-Rhoon weder zu würdigen noch zu unterstützen. Dabei sei Bentinck von den besten Absichten beseelt und wünsche nichts so sehr, als die französischen Verhandlungen mit England zu fördern. Diese Briefe sind an d’Affry zurückgesandt worden, mit der Weisung, zu verhindern, daß Saint-Germain sich in irgendeine Angelegenheit einmische, falls er seine Dreistigkeit nicht damit büßen wolle, daß er bei der Rückkehr nach Frankreich seine Tage in einem Kerkerloch beschlösse[310].
Trotz dieses Verbots fuhr Saint-Germain fort, Reden zu halten und Schritte zu tun, um sich auch weiterhin das Ansehen eines bedeutenden Mannes zu geben. Er hat beharrlich den englischen Gesandten besucht, der ihn aber scheinbar verachtete. Herr von Rhoon hat ihn beschützt, ihn bevorzugt und viel Aufhebens von ihm gemacht, und als d’Affry seine Auslieferung verlangte, hat er ihn vor der ganzen Stadt nach London reisen lassen[311]. Ich fürchte, der Elende wird noch Anlaß zu manchen Skandalgeschichten geben. Er hat gedroht, alle Urkunden nebst einer Rechtfertigungsschrift zu veröffentlichen. Er ist ein Gauner, der eine Rolle spielen will.
XI
Friedrich der Große und Voltaire[312]
Voltaire an König Friedrich
15. April 1760.
Ihre Gesandten werden in Breda[313] wohl mehr erfahren, als ich weiß. Der Herzog von Choiseul, Graf Kaunitz und Herr Pitt verraten mir ihr Geheimnis nicht. Bekannt soll es nur einem Herrn von Saint-Germain sein, der einst in der Stadt Trient mit den Vätern des Konzils gespeist hat und wahrscheinlich die Ehre haben wird, E. M. in etwa fünfzig Jahren zu besuchen. Der Mann ist unsterblich und allwissend.
König Friedrich an Voltaire
Meißen, 1. Mai 1760.
Ein Kongreß in Breda wird nicht stattfinden, und ich lege die Waffen erst nach drei weiteren Feldzügen nieder. Das Pack soll sehen, daß es mein Entgegenkommen gemißbraucht hat, und der König von England wird den Frieden nur in Paris und ich ihn in Wien unterzeichnen ... Der Graf von Saint-Germain ist nur ein Ammenmärchen[314].
XII
Aus der „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“ von Friedrich dem Großen[315]
Der König sandte einen Unterhändler nach Frankreich, der die Absichten des Versailler Hofes sondieren und ihm, sowie dem König von England Bericht erstatten sollte. Die Wahl fiel auf einen jungen Edelsheim[316] ... Er wurde in Paris leidlich aufgenommen. Man bedeutete ihm in unbestimmten Ausdrücken, daß die Erledigung seines Auftrages von der mehr oder minder schnellen Beilegung der Streitpunkte zwischen England und Frankreich abhängen würde. Man habe jedoch gehört, der König von Preußen gedenke, den König von Polen auf Kosten zahlreicher deutscher Kirchenfürsten zu entschädigen[317], die er säkularisieren wolle. Das aber könne der Allerchristlichste König nie und nimmer zugeben. Edelsheim brachte dem König den Bescheid nach Freiberg und reiste dann nach London, um ihn den großbritannischen Ministern zu übermitteln.
Zugleich mit Edelsheim tauchte in London ein anderer Politiker auf, eine rätselhafte Erscheinung, über deren Wesen man nie ins klare gekommen ist. Er nannte sich Graf Saint-Germain, hatte in französischen Diensten gestanden und sich bei Ludwig XV. so in Gunst gesetzt, daß der König ihm das Schloß Chambord schenken wollte. Nun spielte er die Rolle eines Gesandten, befaßte sich ohne Vollmacht mit Unterhandlungen und äußerte sich zugleich in beleidigender Weise über Frau von Pompadour und den Herzog von Choiseul. Die Engländer behandelten ihn als Abenteurer und wiesen ihn aus.
Ob nun aber das englische Ministerium Saint-Germain nicht traute oder infolge seiner Eroberungen die Hoffnungen höher schraubte, oder ob es gar mit der Erklärung des Versailler Ministeriums über den Kongreß[318] unzufrieden war, kurz, das Ministerium beauftragte den englischen Vertreter im Haag, Yorke, mit der Mitteilung an den französischen Gesandten d’Affry, der König von Großbritannien wäre zum Frieden geneigt und böte seine Hand zur Abhaltung eines Sonderkongresses, falls Frankreich die ungeschmälerte Erhaltung Preußens zur Grundlage der Präliminarien mache. Frankreich antwortete, es wünsche zwar nichts sehnlicher als die Beilegung seiner Streitigkeiten mit England. Da es aber mit Preußen gar nicht im Kriege liege, so könne es über die Interessen des Königs von Preußen nicht zugleich mit denen Seiner Britischen Majestät verhandeln. Mit dieser Antwort schwand die ohnedies schwache Hoffnung, die man auf die ganze Verhandlung gesetzt hatte.
XIII
Aus: „The London Chronicle“[319]
Freitag, 2. Mai 1760.
Haag, 26. April. Ein gewisser Graf Saint-Germain, von dem seit über drei Monaten viel gesprochen wurde, ist verschwunden. Auf Antrag einer benachbarten Macht sollen die Generalstaaten einen Verhaftsbefehl gegen ihn genehmigt haben. Er ist nach London entflohen, der Abfallgrube von Paris und Rom.
Montag, 5. Mai 1760.
Der Graf Saint-Germain, der in unserer letzten Nummer als aus Holland hier angekommen gemeldet wurde, ist ein Ausländer, dem der König von Frankreich in seinem Lande Zuflucht gewährt hat. Da er fand, daß die Freiheit, mit der er von den öffentlichen Angelegenheiten sprach, ihn in eine schiefe Lage bringen konnte, verließ er Paris und ging nach Holland, wo er angeblich mit ganz geheimen Unterhandlungen zwischen Frankreich und der Republik betraut war. Herr d’Affry stellte einen förmlichen Antrag, ihn zu verhaften und ihn unter guter Bedeckung nach Antwerpen zu schicken[320], von wo er nach Frankreich gebracht werden sollte. Aber der angebliche Graf bekam rechtzeitig Wind davon und entfloh nach England.
Freitag, 9. Mai 1760.
Der Mann, der in Holland unter dem Namen Graf Saint-Germain auftrat ... und kürzlich in England eingetroffen ist, wurde in seiner Wohnung in London ermittelt und in polizeilichen Gewahrsam gebracht.
Montag, 26. Mai 1760[321].
Rotterdam, 18. Mai. Der Graf Saint-Germain ist in London in Freiheit gesetzt worden und hier eingetroffen[322]. Noch während seiner Gefangenschaft hatte er zahlreiche Unterredungen mit mehreren Mitgliedern des Geheimen Rats, die zu noch weiteren Mutmaßungen Anlaß geben. (Gazette de Bruxelles.)
Montag, 30. Juni 1760[323].
Wie wir aus Paris erfahren, haben mehrere vornehme Personen beim König Schritte zugunsten des Grafen Saint-Germain getan, der so viel von sich reden machte. Seine Majestät war im Begriff, ihm zu verzeihen, als es sich herausstellte, daß der Graf ein Spion des Königs von Preußen am französischen Hofe und sein Vertreter bei Frau von Pompadour war.
Freitag, 22. August 1760.
Wie wir erfahren, hat der berühmte Graf Saint-Germain, der vor kurzem hier war, sich in Altona niedergelassen.
XIV
Graf Danneskjold-Laurwigen[324] an Saint-Germain
Kopenhagen, 3. April 1760.
Gern hätte ich den brieflichen Verkehr mit Ihnen fortgesetzt, solange ich nicht das Glück habe, Sie zu sehen. Aber ich kenne leider Ihre Adresse nicht, und ich wagte Sie nicht zu stören, bis der Kammerherr Baron von Gleichen[325] mir versicherte, daß Sie mich mit Ihrem Angedenken beehrten. Nehmen Sie dies als Zeichen meiner Dankbarkeit und meiner Freude an, von neuem Gelegenheit gefunden zu haben, Ihnen für all die Güte und Freundschaft zu danken, womit Sie mich in England beehrt haben. Den Degen, den Sie mir geschenkt, und die Briefe, die Sie mir geschrieben haben, habe ich als einen Besitz bewahrt, der zu kostbar ist, um mich je davon zu trennen, aber die Ehre, daß Sie meiner gedenken, ist zu tief in mein Herz geschrieben, als daß ich diese Gelegenheit nicht benutzte, um Sie der tiefen Achtung zu versichern, die ich Ihrem teuren Selbst schulde. Bitte, geben Sie mir Nachricht von sich und Ihren Wünschen, falls ich Ihnen hierzulande irgendwie dienlich sein kann. Und glauben Sie mir, ich bin so erfreut, meinen Freund wiederzufinden (gestatten Sie mir diesen Ausdruck), daß ich nicht weiß, wie ich Ihnen all meine Dankbarkeit ausdrücken soll. Bitte nehmen Sie diesen Brief freundlich auf und glauben Sie mir, ich kann mit ehrlicher Freude versichern, daß ich bin und zeitlebens sein werde Ihr usw.