Am (!) Donnerstag den (!) 13. Februar

Ein abscheulicher Fehler, der wieder recht ein Zeichen der immer mehr zunehmenden Verrohung unsers Sprachgefühls ist, ist die gemeine Zusammenkoppelung des Dativs und des Akkusativs, die neuerdings bei Datenangaben aufgekommen ist und mit unbegreiflicher Schnelligkeit um sich gegriffen hat. Fast alle Behörden, alle Berichterstatter, alle Programme, alle Einladungen schreiben: am Donnerstag, den 13. Februar. Sogar die amtlichen stenographischen Berichte des Reichstags sind so überschrieben!

Jede von beiden Konstruktionen für sich allein wäre richtig. Auf die Frage: wann ist das Konzert? kann ebensogut mit dem bloßen Akkusativ geantwortet werden: den Donnerstag, wie mit an und dem Dativ: am Donnerstag.[124] Aber beide Konstruktionen zusammenzukoppeln, einen Akkusativ als Apposition zu einem Dativ zu setzen, ist greulich. Fühlt man das gar nicht? Was glaubt man denn, daß es für ein Kasus sei, wenn auf die Frage: wann wird er zurückkehren? geantwortet wird: Donnerstag. Ist man so stumpfsinnig geworden, daß man hier den Akkusativ nicht mehr fühlt, auch wenn der Artikel nicht dabeisteht? wenn bloß geschrieben wird: Donnerstag, den 13. Februar? Nun meinen ja manche den Fehler zu vermeiden und ihre Sache sehr gut zu machen, wenn sie schreiben: am Donnerstag, dem 13. Februar. Aber da kommen sie aus dem Regen in die Traufe! (vgl. [S. 253]). Nein nein, es gibt nur ein Heilmittel: man lasse das dumme am wieder weg, und alles ist in Ordnung.

Man schreibt aber auch schon: vom Ende Februar, vom Dienstag, den 6. dieses Monats ab. Das ist fast noch abscheulicher. Die Akkusative Ende Februar, Dienstag, den 6. gelten für den Satzbau genau so viel wie jedes Adverbium der Zeit, das auf die Frage wann? antwortet, wie gestern, heute, morgen usw. Ebenso nun wie auf die Fragen: von wann? und bis wann? geantwortet wird: von heute bis morgen, ebenso muß auch geantwortet werden: von Ende Februar, von Dienstag, den 6. bis Donnerstag, den 8. April. Denn nicht Ende oder der Artikel den hängt von der Präposition von ab, sondern die ganze, wie ein Adverbium der Zeit aufzufassende Formel: Dienstag, den 6.

Derselbe Fall kommt auch bei Ortsbestimmungen vor. Zuhause, das auf die Frage wo? antwortet, wird für die Konstruktion ganz zum Ortsadverbium, wie hier, dort, oben, unten u. a. Auf die Frage: wo kommst du her? ist es also durchaus nicht falsch, zu antworten: von zuhause. Wir in Mitteldeutschland sagen immer so (nicht wie der Norddeutsche sagt: von Hause, das uns fremdartig und geziert klingt), ebenso wie wir auch sagen: er spricht viel von zuhause, er denkt den ganzen Tag an zuhause. (Goethe: ich freue mich recht auf nachhause!)