Der grobe Unfugparagraph
Viel ist schon gespottet worden über Attributbildungen wie: der musikalische Instrumentenmacher, der vierstöckige Hausbesitzer, der doppelte Buchhalter, der wilde Schweinskopf, die reitende Artilleriekaserne, die geprüfte Lehrerinnenanstalt, die durchlöcherte Stuhlsitzfabrik, die chinesische Feuerzeugfabrik, der geräucherte Fischladen, die verheiratete Inspektorwohnung, die gelben Fieberanfälle, das einjährig-freiwillige Berechtigungswesen und ähnliche, wo ein Attribut zu einem zusammengesetzten Worte gestellt ist, während es sich nur auf das Bestimmungswort der Zusammensetzung, in dem letzten Falle sogar auf einen dritten, hinzuzudenkenden Begriff (Dienst) bezieht. Dennoch wagen sich immer wieder Verbindungen dieser Art hervor wie: das alte Thomanerstipendium (das soll eine Stiftung der alten, d. h. ehemaligen Thomaner sein!), der grobe Unfugparagraph, die transportabeln Beleuchtungszwecke, der Vereinigte Staatenstaatssekretär, die Weiße Damenpartitur usw.
Solche Verbindungen werden nur dann erträglich, wenn es möglich ist, sie durch doppelte Zusammensetzung zu dreigliederigen Wörtern zu gestalten; wie: Armesünderglocke, Liebfrauenmilch, Altweibersommer, Sauregurkenzeit u. dgl.
Nicht besser, eher noch schlimmer sind solche Fälle, wo das Attribut, statt durch ein Eigenschaftswort, durch einen Genitiv oder eine Präposition mit einem Hauptworte gebildet wird wie: der Doktortitel der Philosophie, der Enthüllungstag des Geibeldenkmals, das Heilverfahren der Diphtheritis, das Schmerzstillen der Zähne, die Anzeigepflicht der ansteckenden Krankheiten, der Verhaftungsversuch des Arbeiters, eine Fälscherbande amtlicher Papiere, das Übersetzungsrecht in fremde Sprachen, der Verpackungstag nach Österreich, ein Reisehandbuch nach Griechenland, die Abfahrtszeit nach Kassel, eine Sterngruppe dritter Größe, eine Zuckerfabrik aus Rüben, Erinnerungsstätte an Käthchen Schönkopf, 100 Stück Kinderhemden von 2 bis 14 Jahren, und ähnliches.