Jener, jene, jenes

Der Österreicher gebraucht statt derjenige vor Relativsätzen, namentlich aber vor einem abhängigen Genitiv jener; er schreibt: diese Vorlesungen haben nur einen bedingten Wert für jenen, der selber Einsicht genug hat, Dichterwerke ohne Beihilfe zu verstehen. Das halten manche deutsche Schriftsteller jetzt offenbar für eine besondre Schönheit und machen es nach. In gutem Schriftdeutsch wird aber jener nur in die Ferne weisend gebraucht, mit einem bald stärkern, bald schwächern rhetorischen Beigeschmack: wenn ich an jene schöne Zeit zurückdenke usw.

Ganz unausstehlich für norddeutsche Ohren ist das österreichische jener vor einem abhängigen Genitiv, z. B.: der Orden der Dominikaner und jener der Franziskaner – wir hoffen, daß sich die Ausstellung ebenso erfolgreich erweisen werde wie jene von 1897 – obgleich die Gesamtzahl ihrer Kräfte jener des Feindes bedeutend nachstand – ein Ecce homo trägt das Monogramm Ludwig Krugs, eine Madonna jenes des Marcantonio Raimondi – so auffallend erschien dem Tacitus die Art des deutschen Anbaues gegenüber jener der romanischen Völker – größere Gebäude wie Kirchen und Seminare dürfen für die Gesellschaft Jesu nur mit Erlaubnis des Generals, kleinere mit jener des Provinzials errichtet werden – unter den Dienstkrankheiten der Bahnbeamten nehmen jene der Verdauungsorgane den breitesten Raum ein – man sucht die Farbe der Umhüllung meist jener der Blumen anzupassen usw. In allen diesen Fällen würde die deutsche Amts- und Zeitungssprache derjenige gebrauchen. Die gute Schriftsprache aber kennt vor solchen Genitiven nur das determinative Fürwort der, die, das: die Leistungen der Fabriken stehen gegen die des Handwerks zurück.