Vergleichungssätze. Als wenn, als ob

Zu diesen Nebensätzen, die sehr oft irrealen Sinn haben, gehören nun auch die Vergleichungssätze, die mit als ob, als wenn, wie wenn anfangen. Sehr oft kann oder muß man zu solchen Sätzen im Geiste den Gedanken ergänzen: was nicht der Fall ist oder: was nicht der Fall war, z. B.: er geht mit dem Gelde um, als ob er (was nicht der Fall ist) ein reicher Mann wäre. Auch diese Sätze werden in der lebendigen Sprache wie alle andern irrealen Nebensätze behandelt, d. h. in der Gegenwart stehen sie im Konjunktiv des Imperfekts, in der Vergangenheit im Konjunktiv des Plusquamperfekts. Auf dem Papier ist aber jetzt auch hier Verwirrung eingerissen. Man schreibt z. B.: er tut, als habe er schon damals diese Absicht gehabt – er sah mich verwundert an, als ob ich irre rede oder Fabeln erzähle. Es muß heißen: als hätte er – als ob ich irre redete oder Fabeln erzählte – ganz abgesehen davon, daß sich in dem zweiten Beispiel die Konjunktive der Gegenwart nicht von den Indikativen unterscheiden. Die Verwirrung geht so weit, daß solche Sätze jetzt sogar in den Indikativ gesetzt werden, z. B.: es will uns scheinen, als ob die mißgünstige Kritik einen sehr durchsichtigen Grund hat – es macht den Eindruck, als ob das Stück der Zensurbehörde vorlag, aber nicht die Sanktion erhielt – es war, als ob seit dem Einzuge der verwitweten Tochter ein unheimlicher Druck auf dem ganzen Hause lag.[70]

Soll nicht angedeutet werden, daß der in dem Vergleichungssatze stehende Gedanke nicht wirklich sei, so kann (nach einem Präsens im Hauptsatze) natürlich auch im Nebensatze der Konjunktiv der Gegenwart stehen, z. B.: es will mir scheinen, als ob er geflissentlich die Augen dagegen verschließe – es gewinnt den Anschein, als wolle der Verfasser das sittliche Gefühl des Zuschauers absichtlich verletzen – ich habe die Empfindung, als ob ihm die Welt zuweilen recht verzerrt erschienen sei.