Wundärztliche Hülfsmittel.

Umschläge (Poultices)

Umschläge sind verschiedenartig und müssen weich und feucht sein, dabei aber hinreichend dick, daß sie nicht über die betreffende Stelle, wo sie ausgelegt sind, hinauslaufen. Sie werden gewöhnlich warm angewendet, und vor dem Trockenwerden erneuert.

Sie können zu verschiedenen Zwecken gemacht werden, zur Zertheilung von Geschwulsten, zur Beschleunigung der Eiterung oder Bildung des Eiters, zur Verminderung der Entzündung und zum Einhalten des Brandes.

Wenn eine besänftigende Wirkung erzielt werden soll, mögen Umschläge von Brod und Milch oder Kornmehl und Flachssamen oder schlüpfriger Ulme (Slippery elm), sowie auch irgend einer anderen Substanz, welche die Eigenschaft besitzt, Feuchtigkeit und Wärme eine lange Zeit zurück zu halten, gemacht werden.

Als einen reizenden Umschlag erwähnen wir hier einen solchen von Senf und gelben Rüben (Carrots). Man nehme zwei oder drei gelbe Gartenrüben, und nachdem sie weich gekocht sind, vermische man sie mit einer kleinen Quantität von Ulmenrinde (Elm bark) oder Mehl. Mag bei faulen Eiterbeulen und bei schmerzhaften Geschwulsten angewendet werden.

Holzkohlen-Umschlag. Man nehme eine Unze Brod und fünf Unzen heißes Wasser und lasse es 10 Minuten nahe am Feuer stehen, dann füge pulverisirten Flachssamen, 5 Drachmen, hinzu, pulverisirte Holzkohle 2 Drachmen, und mache einen weichen Umschlag davon. Dies mag bei Eiterbeulen und Geschwüren, die einen widerwärtigen Geruch haben, angewendet werden.

Schlüpfriger Ulm-(Slippery Elm)Umschlag wird aus pulverisirter Ulmenrinde zubereitet mit hinreichend heißem Wasser, um daraus eine weiche Masse zu bilden. Anwendbar, sobald eine Erweichung oder besänftigende Wirkung gewünscht wird.

Lobelia-Umschlag. Man nehme gleiche Theile der Lobelia- und Ulmenrinde und füge genug heiße schwache Lauge hinzu, einen Umschlag daraus zu bilden. Anwendbar bei Nagelgeschwüren, Beulen, Wunden, Insektenstichen und allen Arten von Entzündung.

Kermesbeer-(Poke root)Umschlag. Man nehme eine Quantität Kermesbeere und röste sie in heißer Asche, wenn weich, zerstoße sie und mache davon mit heißem Wasser einen Umschlag. Dies wird zuweilen Geschwulste, Beulen und Nagelgeschwüre zertheilen.

Gegen Geschwüre, Beulen und Nagelgeschwüre sind Brod und Milch, sowie Flachssamen-Umschläge wahrscheinlich die besten Mittel. Nachdem aber der Eiter zu laufen beginnt, ist der Umschlag von schlüpfriger Ulme vorzuziehen. Letzterer ist auch bei Karfunkel und anderen tiefen Eitergeschwüren der beste Umschlag.

Hefen- (Yeast) Umschläge mögen bei stark morastartigen Eiterbeulen, die einen widrigen Geruch besitzen, angewendet werden.

Bähungen (Fomentations).

Diese können ebensowohl warm als auch kalt sein, und der Zweck derselben besteht in der Verminderung der Entzündung und Anschwellung. Bähungen können aus Arnica, Ringelblumen (Calendula) oder Brennnessel (Urtica Urens) gemacht werden.

Arnica ist gut bei Quetschungen und Verrenkungen.

Ringelblume bei Schnitt- und Rißwunden.

Brennnessel bei Quetschungen und Verbrühungen.

Das Verhältniß ist 10 bis 20 Tropfen der Tinktur auf ½ Pint kaltes Wasser, Tücher in der Mischung getränkt und ausgerungen werden aufgelegt und häufig gewechselt.

Hopfen wird in folgender Weise angewendet. Ein Säckchen, welches denselben enthält, wird in heißes Wasser getaucht und auf die angegriffene Stelle gelegt. Die Bähung sollte gehörig zugedeckt gehalten werden, so daß die Feuchtigkeit und Wärme zurück bleibt. Bähungen können auch aus Hopfen, Rainfarn und Wermuth, jedes allein oder zu gleichen Theilen; Hopfen, Lobelia und Stechapfel- (Stramonium) Blättern, zu gleichen Theilen, zubereitet werden.

Pflaster (Plasters)

werden in der Regel zur Zusammenziehung von Wunden oder zur Verhinderung des Zutritts der Luft zu denselben aufgelegt. Gegen große und tiefe Wunden ist das beste gewöhnliches Heftpflaster, und gegen leichte Wunden und Abreiben der Haut mag das englische Pflaster (Court plaster) angewendet werden. Arnica-Pflaster ist gut gegen Verrenkungen und chronischen Rheumatismus, besonders im Rückgrat und der Brust.

Wickelbänder und Bandagen

sollten aus fester Leinwand oder baumwollenen Tüchern gemacht werden. Man schneide Streifen von vier Finger Breite und nähe sie zusammen, bis man die erforderliche Länge besitzt. Dann rolle man sie dicht übereinander, so daß sie bei der Verwendung leichter gehandhabt werden können. Bei dem Verbinden sollte der Wundarzt versuchen, jeden Theil des Gliedes zu bedecken, damit auf alle Theile ein gleichmäßiger Druck ausgeübt wird; auch sollte der Verband vollkommen glatt sein, und um dies zu bewerkstelligen, wird es nothwendig werden, den Verband an gewissen Stellen des Gliedes um sich selbst zu wickeln, bis es dem Wundarzt wieder möglich ist, weiter spiralförmig zu verbinden, wobei immer das folgende das frühere zur Hälfte bedecken muß.

Beim Verbinden eines Armes oder Beines beginne man stets mit den Fingern oder Zehen und gehe aufwärts. Der Verband darf aber nicht zu fest angelegt werden, damit nicht der Umlauf des Blutes gehemmt wird, was leicht Brand verursachen könnte. Die nebenstehende Abbildung zeigt, wie ein derartiger Verband anzulegen ist.

Bei Brüchen mag man den Verband von Zeit zu Zeit mit einer Lösung von Arnica oder kaltem Wasser tränken.

Schienen (Splints)

sind aus Blech, dünnem Brett oder starker, steifer Pappe anzufertigen und müssen der Länge und der Breite des gebrochenen Gliedes angemessen groß sein. Man befestige sie vermittelst Riemen oder Wickelbänder.

Brüche (Fractures).

Wenn ein Knochen gebrochen ist, so nennt man dies einen Bruch. Ist er in zwei oder mehrere Stücke gebrochen ohne irgend eine äußerliche Wunde, so wird dies ein einfacher Bruch genannt. Wenn aber da, wo der Bruch stattgefunden hat, eine äußerliche Wunde vorhanden ist, so wird es als ein zusammengesetzter Bruch bezeichnet. Es giebt auch andere Formen, allein diese mögen für dieses Buch hinreichen.

Die Kennzeichen von Brüchen sind zuweilen sehr unkenntlich. Gewöhnlich ist Schmerz und eine Unfähigkeit, das Glied zu bewegen, vorhanden, was aber auch bei Verrenkungen u.s.w. der Fall sein kann. In der Regel aber tritt sowohl ein Kürzerwerden des Gliedes als auch eine Veränderung in dessen Form ein, verbunden mit der Unmöglichkeit des Bewegens, Schmerz und Anschwellen. Ebenso wird auch ein knirschendes Geräusch oder Gefühl, crepitus genannt, wahrgenommen, das durch das Aneinanderreiben der gebrochenen Enden des Knochens hervorgerufen wird.

Behandlung.

Wenn ein Bruch stattgefunden hat, sollte der Patient mit der größten Sorgfalt weggeschafft werden, und wenn es in einer gewissen Entfernung vom Hause geschah, sollte man ihn aus ein Brett oder eine Thüre legen, oder auf irgend eine Weise fortschaffen, die ihm eine bequeme Lage gestattet; das verletzte Glied darf nicht hängen gelassen oder hin und her geworfen werden, muß vielmehr vermittelst Kissen von Stroh, Blättern u.s.w. in eine ruhige Lage gebracht werden. Gebrochene Glieder, besonders wenn Anschwellung vorhanden ist, sollten vor den ersten 3 oder 4 Tagen, oder wenigstens nicht vor einigen Stunden nach dem Unfalle verbunden werden, denn ein Verband, der durch das Anschwellen beengt wird, kann den Blutumlauf hemmen und so die Ursache zum Brande werden. Der gebrochene Knochen muß in eine möglichst bequeme Lage gebracht und dort ruhig gelassen werden, bis die Anschwellung nachgelassen hat. Sofortige Aufmerksamkeit sollte Brüchen des Schlüsselbeines oder der Rippen geschenkt werden.

Um den Knochen wieder einzurichten, lege man den Patienten auf ein Brett oder eine Matratze, und befinden sich die Schnitte des Bruches nicht genau gegenüber, so sollte einer der Wärter den unteren Theil des gebrochenen Gliedes erfassen, während der andere den oberen Theil hält, beide sollten dann sanft ziehen und zwar in entgegengesetzter Richtung, so daß durch die Ausdehnung und das Zusammenschieben schließlich der Knochen wieder in die rechte Lage gebracht wird. Dann mögen die Schienen und der Verband angelegt werden, und um das Aufreiben der Haut oder eine Verletzung zu verhindern, sollte eine dünne Lage Watte untergelegt werden. Die Schienen müssen von einer oder zwei Personen gehalten werden, während der Wundarzt den Verband anzulegen beginnt, und zwar immer an dem unteren Theile des Gliedes zuerst anfängt. Nachdem das Glied so verbunden, lege man es auf ein Kissen in einer gebeugten Stellung oder in einem eigens dazu angefertigten Bruchkasten oder in einer Schlinge. Man nehme den Verband nach Verlauf einer Woche ab, um sich zu versichern, daß sich die Theile in gehöriger Lage befinden, und verbinde dann wieder.

Bruch des Nasenbeines

wird leicht an der Mißgestaltung erkannt.

Behandlung.

Die Knochen werden eingerichtet, indem man mittelst eines silbernen oder hölzernen Stiftes oder irgend eines ähnlichen Instrumentes in der Nasenhöhle die gebrochenen Knochen herausdrückt, währenddessen man durch einen Gegendruck mit den Fingern von außen das zu weite Hervortreten derselben verhindert. Um die Entzündung und das Anschwellen zu unterdrücken, mache man nasse Umschläge von kaltem Wasser oder einer kalten Arnica-Lösung durch mehrere Tage hindurch.

Bruch des untern Kinnbackens.

Der untere Kinnbacken kann an mehreren Stellen gebrochen werden und der Bruch mag ein einfacher oder zusammengesetzter sein. Er wird an dem Schmerz bei Bewegung des Gaumens, durch das Lockerwerden der Zähne und an dem knirschenden Gefühle beim Bewegen der Knochen erkannt.

Behandlung.

Lege über das Kinn eine Lage Watte oder Charpie, und forme dann nach dem Kinn und unter der Oberfläche des Gaumens ein Stück dicker Pappe welche zuvor in Wasser erweicht wurde, zu einer Schiene. Dann befestige man dieselbe mittelst eines Wickelbandes von zwei Zoll breit an den Gaumen, presse den unteren Kinnbacken gegen den oberen und binde die Bandage vorn und unter dem Kinn quer über den Scheitel. Dieser Verband sollte nicht vor drei bis vier Tagen behufs Nachsehens entfernt werden. Sollte es schwer sein, die Bruchstücke an ihrem Platz zu halten, so sollten die dem Bruch auf beiden Seiten nächststehenden Zähne mit einem feinen Eisen- oder Silberdrath zusammen gezogen werden.

Bruch der Rippen.

Ein Bruch der Rippen kann durch einen heftigen Schlag oder Fall verursacht werden und ist an dem schwierigen Athmen und an einem leichten Krachen, welches gehört oder gefühlt werden kann, wenn man die Hand über den verletzten Theil legt, während der Patient einen langen Athemzug thut, zu erkennen. Der Patient klagt bei jedem Athemzug über einen stechenden Schmerz in der verletzten Seite.

Behandlung.

Schneide Heftpflaster in Streifen von ein und einem halben Zoll breit und 15 bis 18 Zoll lang, und wenn erwärmt, lege man sie auf die verletzte Seite. Ein Ende von jedem Streifen ruhe auf dem Brustbein und ziehe sich dann nach unten und außen, so daß sie den Bruch kreuzen und bis zum Rückgrat reichen. Diese Streifen sollten die Oberfläche der verletzten Stelle zwei oder drei Zoll über und unter dem Bruche bedecken und aufgelegt werden, während der Patient die Luft so viel als möglich aus den Lungen zieht. Oder ein breites, starkes Band mag um die Brust herum befestigt werden, damit verhindert wird, daß sich die Rippen während des Athmens bewegen.

Bruch des Schlüsselbeines

kommt häufig vor und erfordert sofortige Behandlung. Er kann daran erkannt werden, daß die Schulter an der verletzten Seite tiefer ist als die an der andern, an dem Schmerz bei Bewegung, der Patient kann die Hände nicht an den Kopf heben, der Arm an der verletzten Seite fällt auf die Brust, an den knirschenden Ton oder crepitus, der bei Bewegen des Armes oder der Schulter wahrgenommen wird, oder die gebrochenen Enden können, wenn man mit der Hand längs des Schlüsselbeines streicht, gefühlt werden.

Behandlung.

Man lege ein Polster in die Armhöhle, welches hinreichend dick ist, den Arm von dem Körper zu halten. Dann hebe man den Ellbogen vermittelst einer Schlinge ähnlich einem Rockärmel, die sich vom Handgelenk nach dem Ellbogen erstreckt, ziehe ihn rückwärts und lasse die Schiene auf der gesunden Schulter ruhen, während der Arm an der verletzten Seite ruhig an dem Körper gehalten werden muß.

Bruch des Schulterblattes.

Das Schulterblatt wird selten gebrochen, ausgenommen in Folge unmittelbarer heftiger Verletzungen. Wenn der Knochen gebrochen ist, so wird eine schmerzhafte Anschwellung, sowie auch Steifheit und Unfähigkeit den Arm der betreffenden Seite zu bewegen, eintreten.

Behandlung.

Mache eine Compresse über den Sitz des Bruchs und bringe den Knochen durch das Anlegen eines festen Verbandes oder durch Streifen von Heftpflaster in eine unbewegliche Lage.

Bruch des Oberarms.

Dieser Bruch findet häufig in der Mitte des Armes statt. Er kann daran erkannt werden, daß der Patient den Ellbogen oder Vorderarm nicht heben kann und an dem knirschenden Gefühl, das empfunden wird, wenn sich die Bruchstücke an einander reiben.

Behandlung.

Man forme eine Schiene von Sohlenleder, das zuerst in Wasser erweicht wird, der äußeren Fläche des Armes angemessen, und dehne diese bis zur Schulter gehörig aus; befindet sich der Bruch näher unter dem oberen Ende des Knochens, mache ein Polster unter die Achsel oder in die Armhöhle; lege eine kurze Schiene von Sohlenleder an die innere Seite des Armes und befestige dieselbe vermittelst eines Wickelbandes von den Fingern aufwärts. Wenn sich der Bruch weiter vom Gelenk ab befindet, kann das Polster ausgelassen werden.

Bruch des Ellbogens.

Der Ellbogen kann gebrochen werden, was an dem Schmerze an dem betreffenden Theile und daran, daß der Patient den Arm biegen aber nicht wieder strecken kann, an dem knirschenden Gefühle, das bei Vorwärts- und Einwärts-, dann langsam Rückwärts- und Einwärtsbiegen wahrgenommen wird, erkannt werden kann. Bei Bewegen des Armes sollte der Wundarzt eine Hand auf die Stelle des Bruches legen, während er mit der andern das Glied bewegt.

Behandlung.

Dehne den Arm vollständig aus und lege an die innere Seite eine lange, gerade Holzschiene, dann lege eine feste Compresse über den Bruch des Knochens, bringe ihn in seine gehörige Lage vermittelst Streifen von Heftpflaster, welche an der Schiene und an dem Arm befestigt werden, so daß ein Vorschieben nicht möglich ist.

Bruch des Vorderarmes.

Es gibt zwei Knochen in dem Vorderarm. Der eine wird Ulna, der andere Radius genannt. Wenn beide Knochen gebrochen werden, so wird der Bruch leicht entdeckt, dies kommt aber selten vor. In der Regel ist Schmerz an der gebrochenen Stelle vorhanden, die Hand ist steif und ein knirschendes Gefühl wird bemerkt werden, wenn das Glied über oder unter dem Bruch fest angegriffen wird und die Enden der Knochen gegen einander reiben.

Behandlung.

Zwei gerade dünne Stücke Brett, lang genug, daß sie von dem Ellbogen bis zu den Fingerspitzen reichen, gehörig wattirt und ein wenig breiter als der Arm, sollten eines an die innere und das andere an die äußere Seite des Vorderarmes gelegt und die Lage derselben durch den Verband so gesichert werden, daß, wenn der Vorderarm auf die Brust gelegt wird, der Daumen aufwärts gerichtet ist.

Fingerbrüche.

Wenn das erste oder zweite Glied des Fingers gebrochen wird, kann es leicht entdeckt werden, bei dem dritten Gliede aber ist es schwieriger.

Behandlung.

Man lege eine dünne schmale Schiene aus einer Schindel oder aus anderem passendem Material geschnitten an die innere Seite des Fingers und befestige sie mittelst eines schmalen Verbandes.

Schenkelbruch.

Dieser Bruch kann an irgend einer Stelle des Schenkelknochens vom Knie bis an die Hüfte eintreten, findet aber häufiger in der Gegend der Mitte oder an dem oberen Theile statt. Der Bruch kann an dem Schmerze, der Unfähigkeit das Glied zu bewegen, oder irgend ein Gewicht darauf zu ertragen, sowie an dem knirschenden Geräusche, wenn die Enden gegen einander reiben, erkannt werden. Wenn der Bruch schief ist, so wird das Glied kürzer, ist die Kugel gebrochen, so dreht sich das Knie und der Fuß nach Auswärts und das Glied ist ungefähr einen Zoll kürzer als das andere.

Behandlung.

Wenn ein Bruch der Kugel stattfand, so mag das Glied in eine mit doppelter Biegung versehene Schiene (siehe [Holzschnitt]) mit gekrümmtem Knie gelegt und so weit erhöht werden, daß der Körper etwas nach unten zieht, damit die möglichst volle Länge erhalten bleibt.

Wenn sich der Bruch in der Mitte des Knochens befindet, sollte eine lange gerade Schiene angelegt werden; an dem unteren Ende ist der Fuß zu befestigen und an dem oberen Ende, fast bis zur Armhöhle reichend, sollte sich ein gehörig wattirter Gurt befinden, der, sich durch die Schamleiste ziehend, rings um den verletzten Schenkel geht. Man strecke den Schenkel bis zu seiner vollen Länge aus, die Schiene möge befestigt und wenn nöthig, mögen die Bruchstücke noch besonders durch kurze Schienen von Sohlenleder und etwas Verband gestützt werden.

Bruch des Beines.

Das Bein ist jener Theil des Gliedes, welcher zwischen Knie und Knöchel liegt. Es besteht aus zwei Knochen; der kleinere Knochen an dem äußeren Theile des Beines wird Fibula und der andere an der inneren Seite Tibia oder Schienbein genannt. Einer oder beide können gebrochen werden, häufiger aber der letztere. Der Bruch kann daran erkannt werden, daß der Patient weder gehen noch sich auf den Füßen halten kann, am Schmerz, an einer Veränderung der Form und an dem eigenthümlichen knirschenden Gefühl beim Aneinanderreiben der gebrochenen Enden.

Behandlung.

Man bringe den Fuß in eine Schiene mit doppelter Beugung (siehe den [Holzschnitt] auf der vorhergehenden Seite) und gebe dem Fuße einen Halt an dem Fußende; sollten die Bruchstücke anfangen in eine ungehörige Lage zu kommen, so lege man eine kurze Schiene, gehörig wattirt an, damit sie in ihrer Lage bleiben.

Brüche des Fußes.

Dieselben sind häufig von Fleischwunden und Zerreißung des Bandes begleitet und sind gefährlicher als Brüche der Hand.

Behandlung.

Ist das Fleisch stark zerrissen und die Knochen gebrochen, sehe man zu, die letzteren wieder an ihren Platz zurückzudrängen, mache Wasserumschläge oder solche von Arnica-Auflösung, und suche die Entzündung zu beseitigen, welche die Hauptquelle der Gefahr ist. Wenn der Fersenknochen gebrochen ist, sollte der Fuß völlig ausgestreckt und eine gerade Schiene, welche von den Zehen bis zum Knie reicht, angelegt werden. Die Knochenbruchstücke sind durch Streifen von Heftpflaster oder Wickelbänder zusammen zu halten.

Zusammengesetzte Brüche

sind von Wunden durch die Haut, welche durch das Herausdringen des Knochens verursacht werden, begleitet, und sind in Folge dessen gefährlicher als einfache Brüche, sind aber bezüglich ihrer Behandlung von den letzteren nicht verschieden. Der Verband aber muß so angelegt werden, daß man die Wunden verbinden kann, ohne dadurch von Neuem eine Störung der Lage des Knochen zu verursachen. Alle Knochensplitter &c. müssen sorgfältig entfernt werden.

Ausrenkungen.

Die Flächen, wo sich zwei Knochen begegnen und gegen einander gleiten, werden Gliederflächen und die Verbindung die Knochenfügung genannt. Die Oberfläche des Knochens ist mit einem glänzenden Knorpel bedeckt und die Glieder werden durch Bänder und Streifen von Knorpel zusammengehalten. Wenn nun ein Knochen vermittelst Gewalt oder durch Erschlaffung der Bänder aus seiner Höhle tritt, so nennt man dies eine Ausrenkung. Ist ein Knochen blos verschoben, so wird dies als eine einfache Ausrenkung bezeichnet, wenn aber dabei die umgebenden Theile verletzt werden, so nennt man es eine zusammengesetzte Ausrenkung. Eine Ausrenkung sollte sobald als möglich nach deren Vorgang behoben werden; je länger dies verschoben wird, desto schwieriger wird es sein. Zuweilen findet man einen Bruch und eine Ausrenkung zu gleicher Zeit, und in solchen Fällen muß zunächst die Ausrenkung beseitigt sein, bevor man den Bruch behandeln kann.

Kennzeichen einer Ausrenkung sind die Unmöglichkeit, die Glieder und Knochen zu bewegen; die Kugel des Knochens kann in ihrer unnatürlichen Lage gefühlt werden, und das Glied kann sich verkürzen oder auf andere Weise verschieben. Eine Ausrenkung muß durch ein allmähliges und ununterbrochenes kräftiges Ziehen beseitigt werden, was daran zu erkennen ist, daß das Glied seine natürliche Gestalt wieder annimmt und gewisse Bewegungen wieder machen kann, welche, während der Knochen aus seiner Lage ist, nicht möglich sind. Der Schmerz läßt allmählig nach, nachdem der Knochen wieder eingerichtet ist.

Bei Ausrenkungen der Schulter und Hüfte, macht der Knochen ein schnappendes Geräusch, wenn er in seine Lage zurückgleitet.

Ausrenkung des Gaumens

wird gewöhnlich durch zu starkes Gähnen verursacht und kann auf einer oder auch auf beiden Seiten stattfinden. Der Mund ist weit geöffnet, das Kinn nach einer Seite oder nach unten gezogen, der Patient ist unfähig, den Mund zu schließen und der Speichel tropft.

Behandlung.

Man stelle sich hinter den sitzenden Patienten und schiebe einen Kork oder Töpsel von Holz zwischen die Backenzähne auf der ausgerenkten Seite oder auf beiden Seiten, wenn die Ausrenkung beider Seiten stattfand, und hebe das Kinn sanft aber beständig. Wenn die Ausrenkung beseitigt ist, wird sich der Mund sogleich nach dem Herausnehmen des Korkes oder Töpsels schließen.

Ausrenkung des Schlüsselbeins.

Das Schlüsselbein ist mehr zum Bruch als zur Ausrenkung geneigt. Wenn eine solche stattfindet, so steht sie in der Regel mit dem Brustbein in Verbindung. Die Kugel des Knochens kann sich sowohl rück- als vorwärts schieben. Wenn rückwärts gezogen, drückt sie auf den oberen Theil des Brustbeines, während die Kugel wie eine Geschwulst an dem Halse gefühlt werden kann; auch verursacht dies eine beträchtliche Anschwellung. Wird die Kugel vorwärts gezogen, so wird mit der Hand an der Spitze des Brustbeins ein Höcker gefühlt.

Behandlung.

Wenn sich der Knochen nach rückwärts geschoben hat, ziehe die Schulter kräftig genug vom Körper weg, damit der Knochen in seine Lage zurückgebracht wird, dann presse die Schulter nach rückwärts und halte sie in dieser Stellung. Fand die Ausrenkung nach vornen statt, so beseitige sie in derselben Weise; beuge die Schulter ein wenig nach vorwärts und lege eine feste Compresse über dem Knochen an, damit eine Wiederholung verhindert wird.

Ausrenkung der Schulter.

Die Kugel des langen Armknochens kann in drei verschiedenen Richtungen ausgerenkt werden, nach unten, in die Armhöhle, nach vornhin, auf die Brustmuskeln und nach rückwärts auf die Rückseite des Schulterblattes.

Wenn die Ausrenkung in die Armhöhle stattfand, so ist der Arm länger als der andere und der Ellbogen von der Seite gezogen; die Rundung der Schulter ist verschwunden, der Patient kann den Arm nicht heben und die Finger sind zuweilen empfindungslos.

Bei einer Ausrenkung nach vorwärts wird ein Höcker an der Spitze der Schulter gefühlt, der Ellbogen ist von der Seite nach rückwärts gezogen, der Arm ist kürzer und die Kugel kann unter dem Schlüsselbein gefühlt werden.

Wenn die Kugel nach rückwärts an das Schulterblatt gezogen ist, so kann sie durch die Geschwulst an jener Stelle gefühlt werden; der Arm und Vorderarm wird quer über die Brust gezogen.

Behandlung.

Wenn eine Ausrenkung in die Armhöhle stattfand, lasse man den Patienten sich auf den Rücken legen, stelle den nur mit dem Strumpf bekleideten Fuß in die Armhöhle, ziehe dann stark an dem Arme und zwinge so durch das Gegenstemmen des Fußes die Kugel zurück, bis sie plötzlich in die Höhle springt.

Bei einer Ausrenkung nach vorwärts bringe man durch Ziehen des Armes nach aus- und aufwärts die Kugel in die Armhöhle und verfahre dann weiter wie eben beschrieben.

Wenn die Kugel nach rückwärts ausgerenkt ist, so stelle sich der Wundarzt neben den Kranken, anstatt sich, wie [auf dem vorstehenden Holzschnitte] gezeigt, neben denselben zu setzen. Durch das Ziehen des Armes mehr nach vorne hin wird die Ausrenkung beseitigt.

Ausrenkung des Ellbogens.

Die gewöhnlichste Ausrenkung des Ellbogens ist jene, bei welcher beide Knochen des Vorderarmes rück- und aufwärts gezogen sind. Sie kann daran erkannt werden, daß die Spitze des Ellbogens mehr als gewöhnlich hervorsteht; an jeder Seite des Ellbogens befindet sich eine Höhle und der Vorderarm ist an dem rechten Knöchel der Hand gekrümmt.

Behandlung.

Fasse den Arm oben und unter dem Ellbogen, setze das Knie in den verletzten Ellbogen, und währenddem man den Arm um das Knie biegt, ziehe man beständig stark, auf diese Weise werden die Knochen wieder in ihre Lage zurückgebracht.

Ausrenkung des Handgelenkes

kann an dem Schmerz, der Veränderung in der Stellung der Hand verbunden mit einer Anschwellung des vordern und hintern Theiles der Hand erkannt werden.

Behandlung.

Man fasse die verletzte Hand fest, während ein anderer den Arm hält, und indem die Hand in die Höhe gezogen wird, drücke man mit der anderen Hand die Knochen in ihre Lage zurück.

Ausrenkung der Knochen der Finger.

Eine solche kann an dem Vorspringen an dem hinteren Theile des Fingers erkannt werden.

Behandlung.

Beuge den Finger rückwärts an dem ausgerenkten Gliede, bis es in einem rechten Winkel steht, dann dränge man mit den Daumen den Boden des ausgerenkten Knochens vorwärts und strecke gleichzeitig den Finger aus.

Ausrenkung des Hüftknochens.

Die Kugel oder der Kopf des Hüftknochens kann nach vier Richtungen hin ausgerenkt werden; auf- und rückwärts, nach unten und rückwärts, auf- und vorwärts und rück- und vorwärts.

Die Ausrenkung auf- und rückwärts wird daran erkannt, daß das Bein ungefähr um zwei Zoll kürzer als das andere und das Knie und der Fuß nach einwärts gedreht sind.

Die Ausrenkung nach unten und vorwärts kennzeichnet sich durch die Verlängerung des Gliedes; das Knie ist weit getrennt von dem anderen und Fuß und Knie sind auswärts gedreht, bei einem Versuche, aufrecht zu stehen, wird der Körper mehr vorwärts gezogen.

Die Ausrenkung rückwärts und nach unten wird daran erkannt, daß das Glied ein wenig kürzer ist und Knie und Fuß nach Innen gedreht sind, an dem Aufziehen der Ferse und an Ruhen der großen Zehe auf dem Ballen der großen Zehe des andern Fußes.

Die Ausrenkung auf- und vorwärts wird daran erkannt, daß das Glied ungefähr einen Zoll kürzer als das andere ist und der Fuß und das Knie auswärts gedreht sind.

Behandlung.

Bei Ausrenkung auf- und rückwärts — lege man den Patienten auf den Rücken auf einen niedrigen, festen Tisch, oder was noch besser ist, auf eine zusammengelegte Decke auf die Erde. Der Wundarzt stehe oder kniee an der verletzten Seite und fasse den Knöchel mit der einen Hand und mit der andern das Knie. Dann beuge das Knie auf den Schenkel, zunächst stark anziehend, führe es über den gesunden Schenkel, gleichzeitig auswärts über das Becken in eine Art von Halbkreis bis zum Nabel. Ziehe das Knie sanft nach außen, drehe die Zehen nach auswärts, die Ferse nach Innen und den Fuß quer über das andere gesunde Glied, indem man den Schenkel sanft hin und her bewegt, bis die Kugel in ihre Höhle gleitet, was mit einem leichten Knirschen oder hörbaren Schnappen vor sich geht. (Dr. W. W. Reid in Smith’s Chirurgie).

Wenn nach unten und rückwärts, muß der Schenkel auf den Körper gebeugt und quer über den gegenüberliegenden geführt werden; dann führe ihn langsam vom Körper weg in einer Weise, ähnlich wie die oben beschriebene.

Bei einer Ausrenkung auf- und vorwärts führe man das Glied kräftig vom Körper hinweg, rolle den Fuß noch kräftiger auswärts, bis die Kugel nach unten gleitet; die Ausrenkung ist dann eine solche, wie die nach unten und vorwärts. Der Schenkel sollte dann stark auf den Körper gekrümmt und quer über den andern geführt werden, und wenn bei dem Rollen des Beines die Fußsohle aus- und aufwärts gerichtet ist, wird die Kugel an ihre Stelle gleiten.

Ausrenkung der Kniescheibe.

Die Kniescheibe kann nach Außen und Innen ausgerenkt werden.

Die Ausrenkung nach Außen kann an dem Hervorragen oder der Geschwulst an der äußeren Seite des Kniegelenkes, Steifheit und Unfähigkeit zum Gehen, erkannt werden. Dies ist das gewöhnlichste.

Die Ausrenkung nach Innen ist sehr selten und die Kennzeichen sind dieselben, wie die vorhergehenden, ausgenommen daß die Kniescheibe neben dem Kniegelenk gefunden wird.

Behandlung.

Der Patient lege sich auf ein Bett und lege mit völlig ausgestrecktem Beine seine Ferse auf die Schulter einer anderen Person, welche die Kniescheibe mit den Fingern und Daumen in ihre Lage zurückbringt.

Ausrenkung des Kniegelenkes.

Das Kniegelenk kann in vier Richtungen ausgerenkt werden, rückwärts, vorwärts, einwärts und auswärts. Die häufigsten sind die rück- und vorwärts.

Behandlung.

Eine Person fasse den Fuß des Patienten und ziehe beständig, aber kräftig, während ein Anderer den Schenkel faßt und in der entgegengesetzten Richtung zieht, dann dem Kniegelenk gegenüber stehend, bringe die verschobenen Knochen wieder in ihre Lage.

Ausrenkung des Knöchels.

Eine derartige Ausrenkung kommt nur selten vor, ausgenommen in Begleitung eines Bruchs. Sie kann vor-, rück-, aus- oder einwärts stattfinden. Die Ausrenkung einwärts ist die gewöhnlichste und kann daran erkannt werden, daß der Fuß nach Außen gezogen wird und die innere Kante auf dem Boden ruht. Auch wird eine harte Geschwulst an der innern Seite des Knöchels und eine Vertiefung an der äußeren Seite gefunden werden.

Behandlung.

Ein kräftiges Ziehen an dem Fuße, während Jemand das Bein nahe am Knie hebt, und Beugen des Fußes in solch einer Richtung, welche die Rückkehr des Knochens in seiner Lage begünstigt, wird Ausrenkung des Knöchels, wenn sie nicht von einem Bruche begleitet ist, schnell beseitigen.

Wunden.

Wunden werden in verschiedene Klassen eingetheilt: einfache Schnittwunden, von einem scharfen, schneidenden Instrumente herrührend; Riß- und Quetschwunden, durch ein stumpfes Instrument, wie eine Säge oder eine Keule, verursacht; Stichwunden, von Bayonett, Dolch u.s.w., und vergiftete Wunden, in Folge von Stichen oder Bissen giftiger Insekten oder Schlangen.

Behandlung.

Einfache Schnittwunden müssen zuerst von allem Schmutz gereinigt und die Blutung gestillt werden. Die Blutung hört in der Regel nach Anwendung des kalten Wassers oder Wasser mit ein wenig Arnika-Tinktur darin auf. Andere Mittel für diesen Zweck sind: Lösungen von Tannin, Alaun (Alum), Abkochung von Weißeichenrinde und Monsel’s Salz; das Letztere ist ein vortreffliches Mittel. Nachdem die Blutung gestillt ist, müssen die Ränder der Wunde zusammen gebracht und durch einen Streifen Heftpflaster zusammen gehalten werden, bis die Wunde geheilt ist. Wenn das Pflaster die Ränder nicht zusammenhält, müssen einige Stiche gemacht werden. Ist die Blutung sehr stark und von einer hellen, rothen Farbe, strahlenförmig herausströmend, so ist dies ein Zeichen, daß eine Ader verletzt worden ist. Eine Compresse sollte dann auf die Ader über die Wunde und zwischen die Wunde und das Herz gelegt werden, wenn der Druck mit den Fingern nicht hinreicht, binde ein Taschentuch so fest als möglich um das Glied.

Bei Riß- und Quetschwunden ist die Behandlung der obigen ähnlich. Wenn aber eine Entzündung im hohen Grade eintritt, muß das Pflaster entfernt und Kaltwasser-Umschläge, zuweilen auch ein beruhigender Umschlag gemacht werden. Die Tinktur der Ringelblume (Calendula) ist bei dieser Klasse von Wunden der Arnica vorzuziehen.

Stichwunden werden ungefähr in derselben Weise wie die obigen behandelt. Sorge sollte getragen werden, daß die Wunde nicht vom Grunde aus heilt, was durch das Einschieben von ein wenig Charpie in die Wunde verhindert werden kann.

Vergiftete Wunden schließen in sich Bisse und Stiche von Musquitos, Spinnen, Bienen, Wespen und Schlangen. Eine Auflösung von gewöhnlichem Salz mag mit Vortheil angewendet werden, ebenso auch Ammoniak-Wasser, ein Umschlag von Wegebreit- (Plantain) Blättern, Arnica-Tinktur, nasser Erde und Olivenöl.

Bei den Bissen von Schlangen sollte sogleich ein Taschentuch oder irgend ein anderer Verband fest um das Glied zwischen die Wunde und das Herz gelegt werden. Das Gift muß dann vermittelst des Schröpfkopfes (Dry cup) oder des Mundes aus der Wunde gesaugt werden. Der Patient sollte darauf so bald als möglich Whiskey, Wachholderbranntwein (Gin) oder Brandy trinken, bis er betrunken ist, und in diesem Zustande so lange verbleiben, bis sich die Symptome bessern.

Quetschungen.

Eine Quetschung wird in der Regel durch einen stumpfen, harten Gegenstand, der mit den weichen Theilen des Körpers in heftige Berührung kommt, ohne die Haut zu zerreißen, verursacht. Die kleinen Blutgefäße werden gewöhnlich zerrissen, lassen das Blut unter die Haut und erzeugen schwarze oder blaue Flecken.

Behandlung.

Zu einem Theile Arnica-Tinktur füge 6 bis 8 Theile Wasser, befeuchte ein Tuch mit dieser Lösung und lege es über die Quetschung.

Verstauchungen.

Eine Verstauchung ist ein gewaltsames Reißen und Drehen eines Gelenkes in einem solchen Grade, daß die Bänder mehr oder weniger reißen und sich ausdehnen, ohne jedoch den Knochen aus seiner Lage zu bringen. Die Kennzeichen bestehen in Schmerz, Anschwellen, Entzündung und Empfindlichkeit des betreffenden Theiles. Mit Sorgfalt sollte untersucht werden, ob nicht etwa eine theilweise Ausrenkung des verletzten Gelenkknochens stattgefunden hat. Bei einer Verstauchung tritt die Anschwellung allmählig ein und das Gelenk kann unmittelbar nach der Verletzung bewegt werden, während bei einer Ausrenkung Anschwellung und Bewegungslosigkeit sogleich nach dem Unfalle eintritt.

Behandlung.

Zu einem Theile Aconit-Tinktur (Tincture of Aconite) füge 6 oder 8 Theile Wasser und hülle das Gelenk in Tücher, welche in dieser Lösung getränkt sind.

Verbrennungen und Verbrühungen

sind, wenn nicht in zu großem Maßstabe, weniger gefährlich. Wenn sie aber eine große Fläche bedecken oder tief gehen, so sind sie ebenso gefährlich als schmerzhaft. Bei ihrer Behandlung betrachte man die konstitutionellen Symptome und verhindere das Verwachsen und Zusammenziehen, während die Heilung vor sich geht. Hat eine Verbrennung der Hand stattgefunden, die sich zugleich auf die Finger erstreckt, so sollten die Finger möglichst weit getrennt und diese Stellung durch Schienen und Verband gesichert werden.

Behandlung.

Man nehme gleiche Theile von Kalkwasser und Leinöl, in welchen ein Theil Kohlensäure (Carbolic acid) auf 50 der Mischung aufgelöst ist, bestreiche mit dieser Masse die Oberfläche dick und bedecke es mit einer Lage roher Baumwolle. Das Kalkwasser und Leinöl kann auch ohne die Kohlensäure angewendet werden.

Wenn der Brand nicht sehr tief geht, lege auf die Oberfläche baumwollene Tücher, welche in starkem Alaun- (Alum) Wasser getränkt sind. Spanische Seife (Castile soap) geschabt und mit Wasser zu einem dicken Seifenschaum gemischt, dick auf leinene oder baumwollene Tücher getragen und auf die Oberfläche gelegt, wird vorzüglich gefunden werden. Mehl auf die Oberfläche gestreut, ist auch gut, ebenso das Auflegen einer dünnen Lage von roher Baumwolle.

Erfrorene Glieder.

Behandlung.

Halte sie fern vom Feuer, thaue sie langsam auf durch Reiben mit Schnee, dann mit Flanell und schließlich mit der Hand.

Beulen (Boils — Furunculus).

Eine Beule ist eine harte kegelförmige Anschwellung, welche anfänglich die Größe einer Erbse hat und sich an irgend einem Theile des Körpers befinden kann. Die Anschwellung nimmt rasch zu und bekommt eine blühende purpurne Farbe; nach 5 oder 6 Tagen wird sie spitz und oben weiß, bricht aus und entleert eine Quantität Eiter. Bei dem Oeffnen einer Beule wird eine Haut, gewöhnlich der Kern (Core) genannt, gefunden, der entfernt werden muß, bevor die Beule heilen kann. Nach der Entleerung des Eiters hört der Schmerz auf, die Anschwellung zertheilt sich und die Heilung ist nach wenigen Tagen vollendet. Nicht selten haben Personen einen ganzen „Kropf“ davon, der Monate oder Jahre anhalten wird. In der Regel sind sie mit gewissen Störungen der Leber oder des Magens verbunden.

Behandlung.

Mache warme Umschläge, bis sich die Beulen erweichen und eitern. Um deren Rückkehr zu verhüten, gebe man die homöopathischen Heilmittel Arnica und Sulphur.

Karfunkel (Carbuncle — Anthrax).

Dies ist ein bösartiges Geschwür, welches selten eitert, nur einen dünnen sauren Eiter entleert und außerordentlich schmerzhaft ist.

Symptome. Ein Karfunkel beginnt mit Hitze und Schmerz in dem angegriffenen Theile, mit mehr oder weniger Jucken verbunden. Ein kleines Bläschen wird zuerst bemerkt und eine tiefgehende und sehr harte Geschwulst bildet sich. Häufig leidet der Patient an Frösteln, Ohnmachten, Uebelkeit &c. Nimmt die Geschwulst zu, so bekommt sie eine dunkelrothe oder purpurne Farbe, nach den Rändern zu lichter; eine kleine Blase bildet sich aus der Spitze der Geschwulst, welche, wenn aufgebrochen, eine dünne dunkelgefärbte Flüssigkeit entleert. Bei weiterem Fortgang bilden sich noch mehrere Oeffnungen und der Karfunkel kann sehr schnell in Brand übergehen.

Sie wechseln in ihrer Größe von einem halben bis zu 5 oder 6 Zoll, oder werden sogar noch größer. Zeigen sich dieselben am Kopf oder Nacken, so sind sie gefährlicher als an anderen Stellen. Sie enden zuweilen tödtlich.

Behandlung.

Beim ersten Beginne der Entzündung gebe man das homöopathische Mittel Arsenicum, stündlich oder alle zwei Stunden eine Dosis, und der Anfall wird eingehalten werden. Wenn es geeitert hat, mache erweichende Umschläge, bis die todte Lage ganz beseitigt ist, und dann behandle es als eine gewöhnliche Eiterbeule.

Das Fingergeschwür (Felon — Whitlow).

Das Fingergeschwür ist eine Entzündung von sehr schmerzhafter Natur und befindet sich in der Nähe der Finger- oder Zehengelenke. Es gibt davon vier Arten:

1) Jenes unter der Haut rings um den Nagel herum.

2) Das auf der inneren Seite der Fingerspitze.

3) Jenes innerhalb der Sehnenscheide des Fingers.

4) Jenes innerhalb der Periosticum oder Knochenhaut.

Die letzte Form dieses Leidens ist die fürchterlichste und verursacht großen Schmerz; läßt man sie unbeachtet vorwärts schreiten, so kann es den Verlust eines oder mehrerer Knochen, ja sogar der Hand zur Folge haben. Es beginnt mit einem tiefsitzenden Schmerz, Röthe und Anschwellung, und wenn sich Eiter bildet, wird der Schmerz klopfend.

Behandlung.

Sobald man sicher weiß, daß sich ein solches Geschwür bildet, lasse man es aufschneiden und versichere sich, daß der Schnitt breit und tief genug ist, den Eiter leicht auszulassen. Liegt das Geschwür innerhalb der Knochenhaut (der Haut, welche den Knochen bedeckt), was gewöhnlich der Fall ist, sollte der Schnitt bis auf den Knochen gemacht werden, und zwar so, daß er längs des Knochens kratzt, um sich zu versichern, daß die Knochenhaut geöffnet ist. Erweichende Umschläge von Leinsamen, schlüpfriger Ulme (Slippery elm) oder Brod und Milch mögen angewendet werden.

Das Einwachsen des Zehennagels.

Dies ist außerordentlich schmerzhaft und wird durch das Tragen von zu enger Fußbekleidung verursacht. Der beständige Druck auf die große Zehe hat das Einschneiden des Nagels in das Fleisch zur Folge, was eine Eiterung und Bildung von wildem Fleische verursacht.

Behandlung.

Man schabe den Nagel an der Spitze sehr dünn und presse etwas Watte darunter, was zuweilen Linderung verschafft. Ein gutes Mittel ist auch das Gießen von heißem Fett oder Talg unter den Nagel auf den Sitz des Uebels. Das trockene Pulver des überchlorsauren Eisen (Perchloride of iron) wird sehr empfohlen.


Gifte und Gegengifte.

Bei Vergiftungsfällen ist das erste Ding, was geschehen muß, Erbrechen zu erregen, damit das Gift so bald als möglich aus dem Magen entfernt oder dessen Wirkung auf die Anwendung des Gegengiftes neutralisirt wird.

Um Erbrechen hervorzurufen, mögen folgende Mittel angewendet werden:

Zwanzig Grane schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) oder zehn Grane schwefelsaures Kupfer (Sulphate of copper), in warmem Wasser aufgelöst.

Lauwarmes Wasser, in großer Menge getrunken und öfters wiederholt.

Schnupftabak oder Senf mit Salz gemischt, auch Senf mit warmem Wasser vermischt und davon reichlich getrunken.

Kitzeln des Halses mit einer Feder oder einem Strohhalm.

Einspritzungen von Tabak in den After durch eine Pfeifenspitze.

Gegen Vergiftungen von Säuren, wie Schwefel- (Sulphuric), Salpeter- (Nitric), Salz- (Muriatic) und Phosphor- (Phosphoric) Säure, wende man Hirschhorn-Spiritus (Spirits of Hartshorn), Seifenschaum, Magnesia, Kalk- (Lime), Kreide- (Chalk) Pulver, mit heißem Wasser vermischt, Holzasche, mit Wasser gemischt, an.

Der durch Kleesäure hervorgerufenen Vergiftung kann am besten durch Kreide, Kalk oder der Pflastermasse, womit das Innere der Zimmer bekleidet ist, und welche Substanzen man mit Wasser vermischt, entgegengewirkt werden.

Wenn Schwefelsäure (Sulphuric acid) genommen worden ist, wird die Anwendung von viel Wasser schädlich sein.

Bei Vergiftungen durch Alkalien, wie Potasche (Pot) und Perlasche (Pearl ashes), Soda und Weinsteinöl (Oil of tartar), wende als Gegengift Essig, Citronensaft, Castoröl, Leinsamenthee, Alaun (Alum) und Olivenöl an. Sie sollten in großen Quantitäten gegeben werden.

Wenn Arsenik genommen wurde, gebe man Buttermilch, süßes oder anderes Oel oder Magnesia in großen Quantitäten, gleiche Theile von Oel und Kalkwasser mögen ebenfalls gegeben werden. Das sicherste Gegengift ist das Eisenhydrat (Hydrated Protoxide of Iron), welches in Dosen von einem Theelöffel voll mit Wasser gemischt alle 5 oder 10 Minuten gegeben werden sollte. Auch ist eine Magenpumpe anzuwenden.

Wenn Corrosive Sublimate, Kupfer oder Verdigris genommen worden sind, so ist das beste Mittel das Eiweiß. Man mische das Weiße von 12 Eiern mit einem Quart Wasser oder Milch und gebe alle zwei oder drei Minuten ein Glas voll. Kreidewasser, Milch, Stärke von Weizenmehl können auch angewendet werden.

Bei Vergiftung durch Blei oder irgend ein Bleisalz gebe man Bittersalz (Epsom salts) oder Glaubersalz (Glauber’s salts) oder Gyps (Plaster of Paris) mit Wasser gemischt.

Salpetersaures Silber (Nitrate of Silver) kann durch starkes Trinken von Wasser, in dem gewöhnliches Salz aufgelöst ist, neutralisirt werden.

Bei Vergiftung durch Zinn (Tin) oder irgend ein Zinnsalz, gebrauche man Zucker, Eiweiß, Milch und Mehl.

Bei Vergiftung durch Brechweinstein (Tartar Emetic), Antimoniumwein (Antimonial wine) gebrauche man eine Auflösung von Tannin-Säure (Tannic acid), Eichenrinde, Chinarinde (Peruvian bark) oder sehr starkem grünen Thee.

Jodin oder Potaschen-Jodid (Iodide of Potassium) kann durch Stärke oder Weizenmehl neutralisirt werden, oder auch durch Pfeilwurz (Arrow root), gehörig mit Wasser gemischt und in starken Quantitäten getrunken. Dem lasse man eine Mischung von Essig und Wasser folgen.

Bei Vergiftung durch Opium, Belladonna, Stramonium (Stechapfel), Nux Vomica (Brechnuß), Morphine, Helleborus (Nieswurz) u.s.w., gebe man ein Brechmittel, dem man ein Ueberschütten mit kaltem Wasser über den Betreffenden und starken Kaffee oder Essig mit Wasser verdünnt, folgen läßt. Auch lasse man die Person zwischen zwei Andern recht schnell gehen. Die Magenpumpe sollte ebenfalls angewendet werden.

Bei Vergiftung durch Safran (Saffron) und Kampher (Camphor) sollte der Patient viel schwarzen Kaffee trinken.

Bei Vergiftung durch spanische Fliegen (Cantharides) gebe man Kampher (Camphor) innerlich oder vermittelst Riechens, auch Eiweiß und Gruel.

Gegen Vergiftungen durch Clams, Hummern, Muscheln u.s.w. gebe man ein Brechmittel, dem man eine Dosis Salz folgen läßt. Der Patient mag viel schwarzen, starken Kaffee, Zucker und Wasser oder eine Lösung von Kampher (Camphor) trinken.

Bei Vergiftung durch den Giftwein oder Sumac mögen die Theile mit einer Lösung von Borax oder Vitriol (Copperas), auch kochende Hollunder-Rinde in Butter oder Milch gewaschen werden. Der flüssige Extrakt der Schlangenwurzel (Fluid extract of Serpentaria) als Umschlag auf den Ausschlag gebracht, wird sehr empfohlen.

Wenn Jemand in Folge giftiger Gase, wie Kohlensäure (Carbonic acid) oder schwefelsaures Hydrogen (Sulphureted Hydrogen) bewußtlos geworden ist, sollte er sogleich entkleidet und der ganze Körper mit kaltem Wasser übergossen werden. Die Lungen sollten durch Mittel, wie beim [Scheintod_durch_Ertrinken] empfohlen, mit frischer Luft gefüllt werden. Auch lasse oder zwinge man den Patienten, verdünnten Ammoniak (Dilute Ammonia), Wein und Brandy oder auch andere Reizmittel zu verschlucken.

Bei Vergiftung durch Strychnin sind sowohl Brechmittel, wie Senf oder schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc), als auch eine Magenpumpe anzuwenden.

Wenn das Erbrechen nicht bewirkt werden kann oder sich als nutzlos zeigt, sollte das Einhauchen von Chloroform verordnet werden. Schlagen diese Mittel fehl, so bediene man sich Dr. Marshall Hall’s praktischer Methode, die unter „Scheinbarer Tod beim Ertrinken“ angegeben ist.

Bei Vergiftung durch Arnica gebe man Essig.

Bei Vergiftung durch Aconitum wende man innerlich und äußerlich Reizmittel an.