DIE UNERBITTLICHE

ABBAS IBN IL ACHNAF

Sie ließ mir sagen, daß sie krank sei. Ich
Ging dennoch zu ihr, und ich fand sie lächelnd
Und ganz gesund vor, – sie war niemals krank.

Doch krank, unheilbar krank, ist ihr Besucher.
Wenn alle Herzen hart wie ihres wären, –
Kein Vater wär besorgt mehr um sein Kind.

Sie schrieb, ich solle jetzt nicht zu ihr kommen,
Da ließ ich sie allein, daß sie erführe
Die Bitternis der Einsamkeit. Doch, ach,

Was kümmert sie's, wenn Menschen, die sich nach
Ihr sehnen, auf der Schwelle ihrer Wohnung
Daliegen, zu erfahren, wie's ihr geht?

Wenn dies ein Fehler ist, daß ich von neuem
Dich zu besuchen komme, – o so wisse,
Daß ich noch vieler Fehler fähig bin.

Bekannte haben, da ich deinen Namen
Aussprach, zu mir gesagt: Sie ist es, sie,
Die dich so traurig macht und derentwillen

Du Dinge treibst, die dir nicht ziemen. Ich
Hab alles abgeleugnet und gelacht,
Um meiner Freunde Argwohn zu zerstreun.

Die Frauen sind voll Neid auf deine Schönheit,
Die lieblichsten Gesichter stehen alle
Dem Reize deines Angesichtes nach.

Dein Leib ist wie ein schmächtiger Zweig, daran
Zwei blanke Äpfel des Granatbaums hangen,
Die engsten Gürtel sind für dich zu weit.

Wenn Dunkelheit des Abends niedersteigt,
Um mich zu quälen, wendet sich mein Herz
Zu dir, die mir des Schlafes Süße raubt.

Du bist die Quelle aller meiner Leiden
Von heut und ewig. Du hast meinen Augen
Schlaflosigkeit, die schreckliche, verliehn.

Wie lange werd ich weinen, während du
Nur immer lachst? Ich nahe dir in Demut,
Doch du entfernst dich, – denn du hassest mich.

Wie lange noch wird meine arme Seele
Verharren in dem Banne deines Zaubers?
Wie lange werd ich singen meine Qual?

Die Mißgeschicke kommen und entschwinden, –
Die Leidenschaft zu dir wächst immer tiefer
In mich hinein und wurzelt wie ein Baum.

Ich bin ein Jäger, der die herrlichste
Gazelle jagt: und die Gazelle tötet
Den Jäger durch die Holdheit ihres Seins.