STAMMESSTOLZ
IL SAMAUAL IBN ADYA
Ein unbezwingbar ragendes Gebirg
Nimmt alle die in seinen Schatten auf,
Die unserm Schutz sich willig anvertraun.
Uns ist der Tod nichts Schreckliches. Gewiß,
Die Stämme von Amer und Sabul fürchten
Sich sehr vor ihm. Wir aber lieben ihn!
Da wir ihn lieben, fliegt das Leben uns
Gar schnell dahin. Langatmig ist das Leben
Der andern, die voll Angst sind vor dem Tod.
Niemals starb einer von den Unsern noch
Auf seiner Ruhstatt. Freilich, es vergeht
Kein Tag, an dem nicht einer von uns stirbt.
Des Degens Schneide ist der schmale Weg,
Drauf unsre Seelen in das Ewige wandern,
Sie kennen eine andre Straße nicht.
Wahrlich, wir sind dem Regen zu vergleichen,
Der stets willkommen ist, wenn er sich naht;
Keiner von uns denkt an sein eigenes Heil.
Man glaubt uns, wenn wir andere der Lüge
Bezichtigen. Doch wird es niemand wagen,
Zu zweifeln an der Wahrheit unseres Worts.
Wenn einer unsrer Helden stirbt, so ist er
Sofort ersetzt durch einen andern Helden,
Des hoher Sinn ganz unantastbar ist.
Das Feuer, das wir an den Abenden
Entzünden, um den Wanderern zu zeigen,
Wo ihnen Schutz winkt, ist noch nie erloschen,
Ohn daß ein Gast sich unserm Stamm genaht,
Um Ruhe zu erbitten. Niemals noch
Hat sich ein Gastfreund über uns beklagt.
Ruhm hat an unsre Waffen sich geheftet
In Ost und West. Wir haben unsre Klingen
Erprobt beim Spalten helmbewehrter Köpfe.
Noch keiner von den Unsern zog jemals
Sein Schwert und schob zurück es in die Scheide,
Ohn daß ein Leben ihm zum Opfer fiel.