TRÄNEN
UNBEKANNTER DICHTER
Wir lagen beieinander, und sie sah,
Wie Tränen, kleinen Perlen gleich, mir aus
Den Augen rannen, und sie sprach zu mir:
„Freund, ich verstehe, daß dir Tränen kommen,
Wenn wir uns fern sind. Aber sage mir,
Warum du jetzt weinst?“ Ich entgegnete:
„Wenn wir uns fern sind, wein ich vor Verlangen,
Bei dir zu sein; doch wenn ich bei dir bin,
So kommen Tränen mir bei dem Gedanken,
Daß wir uns trennen müssen.“ Mitleidvoll
Sah sie mich lange an und trocknete
Die Tränen mir mit liebevoller Hand.