WENN SIE ALLEIN IST

AMR IBN KULTHUM

Wenn sie allein ist, wenn sie nicht die Blicke
Feindlicher Menschen zu befürchten hat,
Dann läßt sie unbekleidet ihre Arme,

Die wohl den Gliedern eines weiblichen
Kameles gleichen, das noch nie gebar.
Und auch ihr Busen ist dann unverhüllt,

Der zwei aus Elfenbein gemachten Bechern,
Die noch kein Mensch jemals berührte, gleicht.
Ihr Leib ist lang und schön geschweift. Die Hüften

Sind schwer von ihres üppigen Fleisches Fülle,
Sie geht verführerisch, – die Türen scheinen
Zu schmal für sie, und ich bin toll nach ihr.

So weiß sind ihre Lenden, daß sie Säulen
Aus Marmor gleichen oder Elfenbein,
Und wenn sie schreitet, klirren ihre Spangen.

Bin ich von ihr entfernt, erfaßt mich Sehnen,
Wie ein betrognes Tier, dem man sein Junges
Genommen hat und das nun klagt nach ihm.

Von ihr entfernt, bin ich voll Schmerz und Jammer,
Wie eine Mutter voller Jammer ist,
Die ihre Kinder durch den Tod verlor.