Z.

W. Schuwardt & Co. Leipzig.

[FUSSNOTEN:]

[1] Namentlich ist das Ungenügende der bisherigen Biographieen handgreiflich. Ich übergehe die Aufzählung der kleineren biographischen Arbeiten über Blum, die sich in Zeitschriften, Lexicons &c. zerstreut finden. Aber auch die größeren Versuche dieser Art leiden an zwei Hauptfehlern. Sie sind sämmtlich unmittelbar nach der Revolution und insgesammt vom radicalsten, parteiischsten Standpunkt aus geschrieben. Und sie sind geschrieben, ohne daß den Verfassern — mit Ausnahme der Wiener Briefe Blum’s an seine Frau, einiger seiner Gedichte, Zeitungsartikel, Broschüren und Reden, — eine einzige Mittheilung oder Aeußerung Blum’s über sich selbst oder Mittheilungen seiner Angehörigen über ihn zur Verfügung gestanden hätten. Der reiche Schatz handschriftlicher Aufzeichnungen, den Blum hinterlassen, und der zwar keine Selbstbiographie, wohl aber überall die wichtigsten Fingerzeige für die Geschichte seines Lebens enthält, der überaus interessante Briefwechsel Blum’s mit den Seinen, den Freunden u. s. w. wurde von jenen früheren Biographen völlig unbenützt gelassen. Selbst die historischen Quellen, welche uns heute über die wichtigsten Jahre in Blum’s Leben, namentlich über das Jahr 1848 zu Gebote stehen, waren damals zum großen Theil unerschlossen. Die Titel jener früheren biographischen Versuche sind:

Das Buch von Robert Blum. Ein Denkmal seines Lebens und Wirkens von Eduard Sparfeld, eingeführt durch Franz Rauch, Pfarrer der christ-kathol. Gemeinde zu Leipzig. Leipzig, 1849. Im Selbstverlag des Verfassers und in Commission bei H. Matthes,“ 96 Seiten. Völlig werthlos. — „Robert Blum als Mensch, Schriftsteller und Politiker von Arthur Frey. Mit einem Portrait Robert Blum’s. Mannheim, J. P. Grohe. 1849. 216 Seiten.“ Der Verfasser steht auf dem Standpunkt der äußersten Linken. Das Büchlein gibt eine Anzahl Zeitungsartikel, Briefe und Reden Blum’s im Wortlaut. — „Robert Blum. Sein Leben, sein Wirken. Ein Buch für das Volk, nach den besten Quellen bearbeitet von Adolph Streckfuß.“ Enthält interessante, nur leider durchaus beweislos gelassene und nach der parteiischen Schreibweise des Verfassers wenig glaubhafte Details aus den Leipziger Augusttagen, den Jubelwochen der Revolution und den Frankfurter Septembertagen. Im Uebrigen breiter, gedankenarmer Schwatz. Alle diese Biographen berichten über die Jugend Blums fast wortgetreu dasselbe und beschränken sich betreffs der parlamentarischen Wirksamkeit ihres Helden auf einige gesinnungstüchtige Phrasen.

[2] In den Familienaufzeichnungen, denen ich hier folge, und welche in der Hauptsache von der Schwester Robert Blum’s, Frau Margaretha Selbach geb. Blum in Köln herrühren, werden sogar ausdrücklich die „Lehren des Professor Hermes“, wird E. Blum ein „Hermesianer“ genannt. Da jedoch die erste epochemachende Schrift dieses Gelehrten erst 1805 erschienen ist und Hermes nur fünf Jahre älter war (geboren 1795) als Engelbert Blum, so ist das jedenfalls ein Irrthum, zumal da Hermes niemals persönlich als Lehrer oder sonstwie auf die Schüler jenes Kölner Gymnasiums eingewirkt hat.

[3] Treitschke, die Anfänge des Zollvereins, Preuß. Jahrb. 30. Band. S. 897 fg.

[4] Das „Reisejournal“ verzeichnet hier, charakteristisch genug, nur Orte und Meilendistanzen ohne jede Bemerkung.

[5] Das älteste Heftchen dieser Art trägt den stolzen Titel: Mémorial analytique de mes recettes et dépenses pour les ans 1828, 29 et 30. Von da an bis 1848 liegen von Blum eigenhändig geschriebene Jahreshefte über seine Einnahmen und Ausgaben vor, von der Leipziger Zeit (1832) an auch fast sämmtliche Belege über die Ausgaben. Hierauf beruhen, wo nicht andere Quellen angegeben sind, meine Angaben über die finanziellen Verhältnisse Blums.

[6] Dem Reisejournal wird im Nachstehenden in allen Zeitangaben u. s. w. gefolgt, während das „Mémorial“ die finanziellen Verhältnisse Blum’s klar legt.

[7] In dem schon erwähnten Mémorial analytique.

[8] Die bei weitem billigeren Preise jener Jahre sind dabei schon berücksichtigt. Die Sächsische Gesindeordnung von 1835 setzt den Unterhalt für einen rechtswidrig entlassenen Dienstboten auf 1 meißn. Gülden (zwei Mark dreiundsechszig Pfennig) pro Woche fest. Viel mehr dürfte Robert Blum damals (1830) auch nicht zu verzehren gehabt haben.

[9] Der Titel lautet: „Kurze Abhandlung über die Straßenbeleuchtung zum Gebrauche (!) der städtischen Polizei- und Verwaltungsbehörden, nebst einigen Erläuterungen über das allgemeine Unternehmen der Straßenbeleuchtung“ von R. Blum (Preis 10 Sgr.), Berlin bei Leopold Wilhelm Krause, Adlerstraße Nr. 6. 1829.

[10] Große, Gesch. Leipzigs, 2. Band S. 704, berechnet 32 Einwohner auf ein Haus (1840).

[11] Auch R. Wagner lebte bis 1824 hier.

[12] Heutzutage freilich ist in diesem Blatte von einer literarischen Fundgrube nichts mehr zu entdecken.

[13] Bekanntlich hat die Sächsische Regierung vor zwei Jahren die trefflich rentirende Bahn angekauft und dabei jede Actie von hundert Thaler Nominalwerth mit eintausend Mark 3%iger Sächsischer Rente entschädigt.

[14] Z. vergl. die gedruckten Protocolle dieser Generalversammlungen 1842 bis 1846.

[15] Dem späteren König Friedrich August von Sachsen.

[16] Extra-Beilage zum Leipziger Tageblatt 30. Nov. 1835.

[17] Er selbst rauchte damals Zigarren zu 40 Pfennigen 25 Stück.

[18] Leipzig, Verlag von Robert Blum & Comp. 1848. I. Band. S. 369, 370.

[19] Selbst die Brockhausische Leipziger Allgemeine bezog in den ersten Jahren ihres Bestehens eine große Anzahl offiziöser Mittheilungen. Vgl. Wigand’s Vierteljahrsschrift 1845.

[20] Große, Geschichte Leipzigs S. 686.

[21] Zeitung für die elegante Welt, 13., 14., 16. November 1837.

[22] A. Springer, Dahlmann, 2 Thl. S. 22 fg.

[23] Damals war der Bruch zwischen den Freunden noch nicht erfolgt.

[24] Für Spiritisten und andere Menschen, die ungewöhnliche, krankhafte Seelenfunctionen gern zum Gegenstand ihres Nachdenkens machen, lasse ich die wesentlichsten Stellen dieser Niederschrift im Wortlaut folgen. (Die Worte „Er“, „Sie“, sind von mir hinzugefügt.)

Er. „Adelheid, endlich sehe ich Dich wieder!“

Sie. „Endlich? scheint Dir das so lange! Du weißt und ich habe Dir’s gesagt, daß wir uns nur selten, und immer seltener sehen können. Du mußt mich vergessen.“

Er. „Das kann ich nicht. Warum kommst Du nicht öfter? Mußt Du auf ein Glück, auf die Seeligkeit verzichten, wenn Du kommst?“

Sie. „Lieber Robert, die Begriffe von Glück und Unglück sind mit unserer Existenz und ihrer Gestaltung verwachsen. Ich habe keinen Maßstab für Dein Gefühl, Du keinen für das meinige.“

Er. „Kannst Du Dir die Möglichkeit der Vertauschung Deines jetzigen Zustandes mit einem früheren denken?“

Sie. „Ich würde gern noch mit Dir leben und wäre glücklich.“

Er. „Es giebt also eine Fortdauer? Eine Fortdauer mit Bewußtsein?“

Sie. „Robert, Dein Wissen geht nicht über die Grenzen Deiner jetzigen Existenz. Forsche nicht nach Dingen, die jenseits liegen.“

Er. „Um meiner Ruhe willen, gib mir eine bestimmte Antwort! Meine Zweifel können ja Frevel sein.“

Sie. „Dein Zweifel, der in Deiner mangelhaften Natur begründet ist, stört den ewigen Gang der Wesen nicht. Die Skepsis ist eine Frucht der menschlichen Schwäche und der Eitelkeit; sie leugnet die Dinge, die sie nicht begreift, deren Ahnung sie indessen nicht verbannen kann. Laß diese Fragen und wenn es Dich freut mich zu sehen, so grüble nicht die kurze Zeit, die uns vergönnt ist.“

„(Hier ist eine Lücke, nicht unbedeutend in der Zeit, von der ich gar keine Erinnerung habe, als daß wir zusammen verkehrten, traulich und herzlich, doch ohne irgend einen Anflug von Heiterkeit.)“

Er. „Seh’ ich Dich wieder? und wann? —“

Sie. „Du wirst mich wiedersehen.“

Er. „Aber wann? wann?“

Sie. „Das kann ich Dir nicht sagen. Du wirst mich ganz von Dir stoßen, Robert. Du willst wissen, wo Du nur ahnen kannst. Der Versuch zu wissen, zerstört die Ahnung für immer. Ich muß nun fort ... Robert, weine nicht! Du weißt ja, daß ich scheiden muß! Wende Dich ab von einer Lebensphase, die nun einmal ganz vollendet ist, und richte Dich auf das Leben, das noch viele Ansprüche an Dich hat.“

„(Hier ist wahrscheinlich eine kleine Lücke; wenigstens ist der Moment wie die Art der Entfernung gänzlich verschwommen. Auf meiner Uhr schlug es Eins, als ich mich sitzend mit nassen Augen im Bett fand. Ein Lichtschimmer war mir aus dem Traume geblieben; als ich ihn verfolgte, war es ein einzelner Stern, der vor dem Fenster stand, woraus hervorgeht, daß meine Augen geöffnet waren.)“

„Niedergeschrieben in der Nacht vom 11. bis 12. November 1838.“
„Erste Erscheinung am 24. September; zweite am 1. October.“

[25] Von den Schwiegereltern fort.

[26] Nach § 1 b des Verlagsvertrags 7½ Druckbogen.

[27] „Die Eroberung von Mantua.“ Zeitung für die Eleg. Welt. Nr. 172–187. (3. bis 15. Sept. 1838).

[28] Auch von ihr hat Maler Storck Mitte 1840 ein lebensgroßes Brustbild gemalt, welches gleichfalls bekundet, wie wenig diesem Meister die Kunst des Schmeichelns eigen war.

[29] Noch im Jahre 1848 schrieb Fanny Lewald über Blum, er habe etwas dämonisch Anziehendes in seiner Natur.

[30] Auch vom Rechtsstandpunkte aus waren diese Verlangen durchaus unbegründet.

[31] Hier, wie überall, wo nicht das ganze urkundliche Material mitgetheilt werden konnte, bin ich bestrebt gewesen, ohne alle Tendenz und vorgefaßte Meinung dasjenige herauszuheben, was den Mann am besten zeichnet. Namentlich ist nirgendwo etwa eine Aeußerung unterdrückt worden, die ihn und insbesondere seine politischen Ansichten, in einem anderen Lichte erscheinen lassen könnte, als die von mir ausgewählten Aeußerungen Blum’s.

[32] Der verfassungsbrüchige König von Hannover.

[33] So schreibt er am 17. Juni 1846 an Johann Jacoby: „Meine Pflicht legt mir auf, Sie zu benachrichtigen, daß die im Mai v. I. beschlossene Familienconferenz im August und zwar auf dem Gute meines alten Onkels Hallgarten bei Oestrich am Rhein“ (bei Adam v. Itzstein), „stattfindet, und Sie einladen, derselben beizuwohnen, oder irgend einen Verwandten zur Theilnahme zu veranlassen. Die Erscheinungen gerade der letzten Zeit haben die Nothwendigkeit eines innigeren und festeren Zusammenhaltes, eines gemeinsamen und gleichmäßigen Handelns dargethan; sofern man — woran ich kaum zweifle — einig darüber ist, daß der bisherige Weg keine Früchte bringt oder verspricht, wird man gemeinsam einen anderen suchen oder den bisherigen fruchtbar machen, vor allen Dingen aber an die Herbeischaffung von Mitteln zur Hebung und Förderung des Geschäfts denken müssen.... Die Einrichtung ist so, daß der 8. August als Versammlungstag, der 9. und 10. aber als Berathungstermin bestimmt sind.“

[34] Auch Th. Flathe, Gesch. v. Sachsen, 3. Band S. 525 gibt dieser Zusammenkunft diese Auslegung.

[35] Mithin nahmen auch Voigtländer Parteigenossen an der Versammlung Theil.

[36] Da Böhler’s keine Literaten, sondern Fabrikanten waren, so wird auch hier die S. [136] ausgesprochene Vermuthung bestätigt, daß Alles, was in den Briefen an Eugenie auf literarische Zwecke bei diesem Unternehmen und seiner Theilnehmer hindeutet, fingirt ist.

[37] „In der Ueberzeugung, daß jene Rechtsfrage schon in der Bundesversammlung ihren Richter finden werde.“ Flathe a. a. O. S. 522.

[38] Flathe, a. a. O. S. 526.

[39] a. a. O. S. 689.

[40] Zu vergleichen „Bericht über das Entstehen, die Zwecke und die bisherige Wirksamkeit des Leipziger Literatenvereins. Vorgetragen in der 18. Versammlung des Vereins den 30. April 1842.“

[41] Flathe a. a. O. S. 526.

[42] Gesammelt in dem Gedenkbuch an Friedr. Schiller, das 1855 der Schillerverein bei Th. Thomas in Leipzig herausgegeben.

[43] Vergleiche z. B. Flathe a. a. O. S. 545 flg. 578.

[44] Anspielung auf den Verfassungsbruch in Hannover 1837.

[45] Anspielung auf den bekannten Toast des Erzherzogs Johann von Oesterreich.

[46] Es ist das Verdienst der Erstlingsschrift von Karl Braun, diesen Irrthum nachgewiesen zu haben.

[47] So schreibt Blum am 5. Januar 1845 an Jacoby: „Morgen haben wir hier eine Versammlung der Gesinnungstüchtigen“ (Abgeordneten) „um unsere Operationen für die einzelnen Wahlen sowohl, als für die Haltung in und außer der Kammer im Allgemeinen zu besprechen und feststellen, soweit sichs thun läßt.“

[48] Den ich der Güte des Herrn Dr. Wittig in Leipzig verdanke.

[49] Die Redaktion sagt zum Taschenbuch von 1844: „Für den vorigen Jahrgang gab uns ein süddeutscher bekannter Dichter ein Gedicht „Der arme Gaul“, welches wir leider nicht mittheilen konnten. Da dasselbe jedoch später vielfach bekannt geworden ist, glauben wir uns hier wohl darauf beziehen zu können, da den Dichter zu nennen uns nicht vergönnt ist.“ Die Gedichte dieses Mitarbeiters stellt die Redaktion immer oben an.

[50] Das Taschenbuch wurde 1843, 1845, 1846, 1847, ausgegeben. 1844 erlag es der frischen, fröhlichen Reaction.

[51] Zu vergleichen über das Folgende Flathe a. a. O. S. 528 flg. Die Gegenwart, 5. Band, das Königreich Sachsen (v. 1831 bis März 1849.) S. 574 flg. Ein sehr lehrreicher Aufsatz, wahrscheinlich von Biedermann. (Brockhaus 1850.)

[52] Ges. vom 5. Februar 1844.

[53] Braun bestimmte 1851 die Erträgnisse dieser Sammlungen zu einer Stiftung für arme Leidende in Bad Elster und bestritt alle diese Reisen aus eigenen Mitteln. (Flathe, a. a. O. S. 534).

[54] Ergangen bei dem Vereinigten Criminalamt der Stadt Leipzig. Rep. I. Nr. 6664, 1843.

[55] Das gelang erst ein Jahr später.

[56] Gretchen war Lehrerin.

[57] Beilage zu Nr. 26. der Sächs. Vaterl.-Bl. 1845.

[58] Rede am Grabe des Herrn Joseph Della Porta von Robert Blum. Leipzig, Robert Friese, 1845.

[59] Zu vergl. Biedermann, Sächs. Zustände, S. 309 flg. in der von ihm herausgegebenen „Unsere Gegenwart und Zukunft,“ 1846 Leipzig. Gustav Mayer.

[60] Flathe, a. a. O. S. 539.

[61] Die von mir über die Leipziger Augustereignisse benutzten Quellen sind: die Sächs. Landtagsmittheilungen v. 1845/46. — Das Leipziger Tageblatt vom 14. August 1845 an (Leipziger Rathsbibliothek). — Eduard Hermsdorf, Mittheilungen aus den Plenarverhandlungen der Stadtverordneten zu Leipzig, 2. Band, 2. Heft, Jahr 1845. Leipzig, Fest’sche Buchhandlung, 1846, S. 38 flg. — Biedermann, Sächs. Zustände a. a. O. S. 338–351. — Deutsche Allgemeine Zeitung, 1845 v. 14. August an. — Dr. Carl Krause, der 12. 13. 14. und 15. August 1845 in Leipzig, Leipzig, Hoßfeld, 1845. — Die Opfer des zwölften August, Leipzig, Pönicke, 1845. — Die Leipziger Augustnacht (12. August 1845) und die Verhandlungen der gegenwärtigen sächsischen Ständeversammlung über dieselbe, nebst dem Deputationsberichte der Kammer, allen Actenstücken und einem Situationsplan. Leipzig, Pönicke, 1846. — Bekanntmachung des Köngl. Sächs. Ministeriums des Innern, das Ergebniß der commissarischen Erörterungen über die am 12. August 1845 in Leipzig stattgefundenen Ereignisse betreffend. Nebst Beilagen. Mit höherer Erlaubniß. Nebst Situationsplan. Leipzig, B. G. Teubner 1845. — Die letzten vier Schriften sind auf der Leipziger Stadtbibliothek sehr verständig in einem Bändchen (H. Sax. 226 p. 6) vereinigt worden. Weitere Quellen finden sich im Text nachgewiesen.

[62] Bei Darstellung der Ereignisse vom 12. August folge ich nur den officiellen Berichten.

[63] Officielle Bekanntmachung des Ministeriums (letzte der S. [187] namhaft gemachten Schriften) S. 16.

[64] Landtagsmittheilungen über die Sitzung der 2. Kammer am 14. Mai 1846.

[65] Offizieller Bericht S. 29.

[66] Diese Details sind dem Leipziger Tageblatt vom 14. August 1845 an entnommen.

[67] Offizieller Bericht, Anlage ⊙ (Zeitberechnung der Ereignisse des 12. August).

[68] Offizieller Bericht, S. 43.

[69] D. Allg. Ztg. v. 15. August 1845.

[70] Ebenda.

[71] Flathe, a. a. O. S. 545.

[72] a. a. O.

[73] In dem Aufsatz „das Königreich Sachsen“ 1830–49. Gegenwart, Band 5 S. 585 heißt der Ausdruck: Blum habe erklärt, dem Stadtrath „die Majestät des Volkes zeigen zu wollen.“

[74] „Die Opfer des 12. August“ S. 8. D. Allg. Ztg. a. a. O.

[75] D. Allg. Ztg. a. a. O.

[76] „Generalanzeiger für Deutschland,“ Leipzig, den 15. Aug. 1845. — Unsere Gegenwart und Zukunft, Sächs. Zustände. Biedermann, S. 340. — „Die Opfer des 12. August“ S. 14

[77] Das siebente Opfer wurde erst Nachmittags beerdigt.

[78] Der König gab also in seiner vom 15. August datirten Antwort selbst zu, daß noch Dunkel über den Vorgängen vom 12. August liege. Herr v. Langenn dagegen erklärte gleichzeitig, die Regierung werde „ihre Organe vertreten“, sie hätten „nach dem Gesetz gehandelt!“

[79] Nr. 196, 1845.

[80] Biedermann, Sächs. Zustände a. a. O. S. 348.

[81] Biedermann, ebenda S. 349.

[82] Erklärung des Kriegsministers v. Nostiz-Wallwitz in der letzten Sitzung der zweiten Kammer über die Augustereignisse. (s. u.)

[83] Bekanntmachung der Regierung über die Untersuchungsergebnisse vom 29. August 1845.

[84] Landtagsmittheilungen der 2. Kammer über die Sitzung vom 14. Mai 1846.

[85] Wahrhaft erfreulich im Gegensatze zu diesem von einer junkerlichen Reaction dem milden König in die Feder dictirten Bescheid lautete die echt königliche Antwort des Prinzen Johann: „Ich war stets von der Anhänglichkeit aller guten und loyalen Bürger Leipzigs überzeugt und bin weit entfernt davon, die Frevel eines aufgeregten Haufens einer ganzen Bevölkerung auferlegen zu wollen.“

[86] Daraus folgt, von welch’ willkürlichen Alternativen die Reaction die Duldung verhaßter Schriftsteller abhängig machte.

[87] Durch alle diese Chicanen und Confiscationen wurde schließlich selbst die Rentabilität des Taschenbuchs aufgehoben (Brief Friese’s und Blum’s an Heinrich Grahl in Schwarzenberg v. 19. August 1846).

[88] Ueber das Folgende zu vergl. Landtagsmittheilungen 1845/46; Flathe a. a. O. S. 549 flg.; Gegenwart, 5. Band S. 588. flg.

[89] In Erwiderung auf die Rede Schumann’s. Landtagsmittheilungen. Sitzung der 2. Kammer vom 14. Mai flg.

[90] So sagte der Kriegsminister v. Nostitz zum Abgeordneten Hensel: „Ich kann dem Abgeordneten nur wünschen, daß, wenn er jemals in die Lage kommen sollte, als Commandant der Communalgarde längere Zeit geschimpft und mit Steinen geworfen zu werden, ihm auch gelingen möge, bei nächtlichem Tumult Diejenigen herauszufinden, welche ihm diese Ehre erwiesen haben“. Und als der Abgeordnete Joseph sich auf Zeugenaussagen in Acten berief, erlaubte sich der Minister Könneritz die Antwort: „Sind sie vor einer Behörde oder vielleicht infolge einer Aufforderung der Versammlung auf dem Schützenhause aufgenommen worden?“

[91] Gegenwart, V. Band, S. 591.

[92] Ebenda S. 592.

[93] Acten d. Ver. Crim. A. Rep. I. Nr. 6664. 1843 fg. Bl. 122.

[94] Diese Aeußerung, die geschrieben wurde, ein Jahr bevor Frankreich ihre Richtigkeit so bitter an den „Nationalwerkstätten“ erprobte, beweist deutlich, wie fern Robert Blum den socialistisch-communistischen Utopien stand.

[95] Geschichte und Literatur der Staatswissenschaften. I. S. 163. (Erlangen, Enke, 1855.)

[96] Sehr interessant und faßlich zusammengestellt in: Franz Mehring, Die deutsche Sozialdemokratie. Bremen, Schünemann. 2. Aufl. 1878.

[97] Als Quellen für diesen Abschnitt sind benützt: Sparfeld, Chronik von Leipzig, Leipzig 1848. S. 210 fg. — Leipziger Tageblatt 1848, I. u. II. Quartal (Rathsbibliothek). — Vaterlandsblätter I. u. II. Quartal 1848. — D. Allg. Zeitung I. u. II. Quartal 1848. — Die Gegenwart, V. Band. S. 594 bis 602. — Flathe, a. a. O. S. 563–571. — Biedermann, Erinnerungen aus der Paulskirche, Leipzig, G. Mayer 1849. — H. Laube, das erste deutsche Parlament, I. Band. Leipzig, Widmann 1849. — Biedermann, Beiträge zur Geschichte des Frankfurter Parlaments im Histor. Taschenb. von Riehl, V. Folge, 7. Jahrg., S. 107 fg. — Protokolle der Stadtverordneten zu Leipzig vom 1. März an. (Archiv der Leipziger Stadtverordneten.) — Außerdem die im Text nachgewiesenen.

[98] Auch an anderen Orten urtheilt Biedermann unter Allen am gerechtesten über Blum, s. unten.

[99] Flathe, S. 578, dessen tapfere Wahrhaftigkeit im Uebrigen aufs freudigste anerkannt wird.

[100] Später ist er nach Preußen übergesiedelt und ein langjähriges Mitglied des Abgeordnetenhauses unter den Altliberalen geworden. Auch im Norddeutschen Reichstag bin ich noch mit ihm gesessen. (1867 flg.). Starb 9. August 1874.

[101] Sehr charakteristisch für die mesquine Art, wie Herr Heinrich Laube, in seinem zweibändigen Opus „Das deutsche Parlament“ „Geschichte“ schreibt, oder vielmehr das, was Herr Laube für Geschichte hält, ist z. B. die Episode S. 139–141, in der er Frau Oberländer nach Leipzig in Blum’s Buchhandlung reisen läßt, um sich da „von dem feisten Mann in Hemdsärmeln, welcher an einem unangestrichenen Schreibpult stand und ein Papier faltete“ Raths zu erholen, „ob ihr Mann Minister werden solle und was das Leben in Dresden ungefähr kosten werde.“ Diesem traurigen Klatsch widmet Herr Laube den ihm zur Verfügung stehenden Witz und Raum — heute würde sich die kleinste Winkelzeitung bedenken, so etwas unter dem Strich zu drucken. Und die Pointe von alledem ist: „Herr Oberländer wurde Minister des Innern und ist es noch; der weiter sehende Rathgeber“ (Blum) „aber ist in den Tod gerathen (!).“ Um keinen Zweifel darüber zu lassen, wann dieses tiefe Urtheil zur Welt gekommen, bemerkt Herr Laube in einer Note: „Im Winter 1848/49 geschrieben —“ also nach dem Tode Blum’s! Wir werden dem Herrn noch öfter begegnen.

[102] Biedermann, Beiträge zur Geschichte des Frankfurter Parlaments in Riehl’s Histor. Taschenbuch 5. Folge, 7. Jahrgang S. 115. (Brockhaus, 1877.)

[103] Biedermann a. a. O. S. 137.

[104] Mittheilungen eines noch lebenden Ohrenzeugen an mich.

[105] Laube a. a. O. I. Bd. S. 10–35. Die Zeit des Vorparlaments bis S. 120. — An anderen Quellen sind für diesen Abschnitt benützt: Biedermann, Erinnerungen aus der Paulskirche. — Jürgens, „Das deutsche Verfassungswerk,“ 3 Bände, ein leidenschaftlich-großdeutsches, für objective Würdigung der Gegner fast unbrauchbares Buch. — Freytag, Karl Mathy. 4. Abschnitt. — A. Springer, Dahlmann II. Band. S. 203–251. — Flathe a. a. O. 571–578. — Gegenwart, das Königreich Sachsen. V. Band S. 602–609. — Ggwart, Bd. II. S. 682–707. (Vorparlament). Bd. IV. S. 419 bis 442. (Fünfzigerausschuß). — Biedermann, Beiträge zur Gesch. des Frankf. Parl. a. a. O. S. 116 fg. — Und vor Allem: Verhandlungen des Deutschen Parlaments, Offizielle Ausgabe, 1. und 2. Lieferung (Vorparlament und Fünfzigerausschuß), Sauerländer, Frankfurt 1848. Andere Quellen sind im Text nachgewiesen. —

[106] Biedermann, Beiträge, S. 117 (geschrieben 1877).

[107] Profile, Berlin, Oppenheim 1878. Essay über Thiers S. 171 fg.

[108] Es ist einer der schönsten Züge in diesem Leben voll Pflichterfüllung, daß der Prinz während seiner Verbannung sich auf’s Eingehendste mit der deutschen Verfassung beschäftigte und deßhalb mit einigen der besten Männer der damaligen Zeit, die innerhalb und außerhalb des Parlaments standen, regen Briefwechsel unterhielt.

[109] Miquèl war mit andern republikanischen Commilitonen aus Heidelberg, bis an die Zähne bewaffnet, auf der Eisenbahn einmal sogar schon bis Frankfurt vorgedrungen, wurde aber, da man dem Landfrieden seiner Gesinnung nicht traute, auf ein todtes Gleis geschoben und dann sammt seinem Anhang wieder nach Heidelberg zurückgefahren! (Persönliche Mittheilungen an mich). Ueber Bamberger’s damalige Gesinnung und Heldenthaten hat dieser selbst einen reizenden Artikel im Salon (Leipzig, Payne, unter Lindau’s Redaction) „Aus grünen Tagen“ veröffentlicht. Namentlich ist die geradezu märchenhafte Pracht, mit welcher „die gütige Fee Revolution“ damals vor den Augen aller Zeitgenossen, auch der nüchternsten auftauchte und einherzog, höchst anschaulich und liebenswürdig geschildert.

[110] Biedermann, Beiträge S. 142.

[111] Ebenda S. 136.

[112] Verhandlungen des Deutschen Parlaments 1. Lieferung S. 162. f. Von Preußen waren nur 141 Abgeordnete, von Baiern 44, von Würtemberg 52 (!), von Sachsen 26, von Baden 72 (!), von Hessen-Darmstadt 84 (!) Mitglieder erschienen. Von den Preußen stimmten 30 (darunter Geheimrath v. Sybel und Schwetschke), von den Baiern 19, von den Würtembergern 6, von den Sachsen alle bis auf 2, von den Badensern 22, von den Hessen 25 für die Permanenz des Vorparlaments.

[113] Ebenda, Zusammenstellung der Beschlüsse des Vorparlaments. S. 172.

[114] Ebenda, S. 173.

[115] Verhandlungen des Deutschen Parlaments 8. Bd. S. 6064. — Biedermann, Beiträge S. 143.

[116] Welcker dutzt Blum in den Briefen, die ich von Welcker’s Hand besitze.

[117] Auch einige der Federn, welche der Mehrheit zur Verfügung standen und einige ihrer Redner waren, wie wir sehen werden, keineswegs müssig, Blum in ungerechter Weise zu verdächtigen.

[118] Gegenwart, 2. Band, S. 685–691. — Verhandlungen des Deutschen Parlaments 1. Lieferung, Vorrede von Jucho nebst Anlagen und S. 1 u. 2 der Verhandlungen.

[119] Offizielle Ausgabe der Verhandl. des D. Parl. S. 10.

[120] Band 2, S. 703.

[121] Ebenda, S. 704. — Off. Ber. S. 173, 174.

[122] Das erste Deutsche Parlament S. 45–52.

[123] „Der charakteristische Mönch unserer Zeit stand vor dem Volke, mit vierschrötigem knochigem Körper, mit dem kurzen, fleischigen Halse, mit dem rothbartigen (?) kantigen Haupte und der strotzenden Gesichtsfarbe. Wenn die Widersacher jetzt seine schmalgeschlitzten, fetten Aeuglein, die Stumpfnase und den großen Mund zu dem Kopfe eines Fauns machen, so geschieht es darum, weil die schlagende Aehnlichkeit mit einem Franziskaner verdorben ist durch einen mißlichen Frack und lichtfarbige (!) Beinkleider.... Aber zu solcher Ganzheit war eben nöthig, daß er auch etwas Ganzes wollte.“

[124] Wie unsolid Herr Laube in seinem Buche übrigens gearbeitet hat, geht am besten aus seiner Bemerkung über Ludwig Simon S. 292 hervor. Hier nimmt er den ironischen Zuruf der Gegner Simon’s „Lauter, lauter!“, der sich immer erhob, wenn Simon anfing brüllend zu reden, ernsthaft — weil Herr Laube eben Dinge schildert, die er selbst nicht gesehen.

[125] Seite 48.

[126] S. 141.

[127] S. 49.

[128] Man gab freilich damals manchmal „Die Karlsschüler“.

[129] S. 49.

[130] Gegenwart 2. Band, S. 693.

[131] Offiz. B. S. 24, 25, 41.

[132] Herr Laube sagt über die Rede: „Blum salbte die Wunde!“ Wie zutreffend! Wie verständlich!

[133] Off. Ber. S. 109.

[134] Off. Ber. S. 116.

[135] Off. Ber. S. 128.

[136] Off. Ber. S. 133.

[137] Off. Ber. S. 138, 140.

[138] Vom 16. bis 28. April.

[139] Im August, auf der Reise nach Leipzig, fuhr er durch Köln blos durch.

[140] Off. Ber. 2. Lieferung, S. 262.

[141] S. 244 u. 397.

[142] Biedermann, S. 244.

[143] Denn in den Sitzungen vom 12. bis 14. April findet sich nichts, die Sache Betreffendes.

[144] S. 243–285.

[145] Off. Ber. S. 444–445.

[146] Off. Ber. S. 493.

[147] Zu ihnen gehörten Otto Jahn, Prof. Haupt, Stephani, Cichorius, Koch, Laube, Wigand, Reimer, Göschen, G. Mayer, S. Hirzel u. A. —

[148] Günther u. Friese (s. S. 314 a. E.) scheinen hauptsächlich die Confusion verschuldet zu haben. Bertling hat die betreffenden Briefe Blum’s nie zu Gesicht bekommen!

[149] Die Gerechtigkeit erfordert, zu sagen, daß Prof. Semmig (wie Tausende Andere, die im Jahre 1848 sociale Republikaner waren) heute auf streng nationalem Boden steht. Er hat seit den 50er Jahren bis 1870 in Orleans als Professor der deutschen Sprache und Literatur gewirkt, wurde als Deutscher ausgetrieben und wirkt seither wieder in Leipzig. Auch für die Familie Blum’s that er nach Blum’s Tod, was er konnte.

[150] Gegenwart, V. Band S. 169 („Die Deutsche Nationalversammlung“. Erster Abschnitt bis zur Erwählung des Reichsverwesers. S. 168–207). — Andere benützte Quellen sind: Stenogr. Ber. über die Verhandlungen der Deutschen constit. Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. Herausgegeben auf Beschl. der Nat.-Vers. durch die Redact.-Comm. und in deren Auftrag von Prof. Franz Wigard. 1. u. 2. Bd. (bis S. 845). — Biedermann, „Erinnerungen“ und „Beiträge“ (in Riehl’s Taschenbuch) a. a. O. — Laube a. a. O. I. Bd. S. 121–328, II. Bd. bis S. 26. — Springer, Dahlmann II. Bd. S. 251 flg. — Freytag, Mathy S. 286–296. — Andere Quellen im Text nachgewiesen.

[151] Sten. Ber. S. 48, Sp. 2. Auch Raveaux, Pfizer, Stedmann, Jucho, Raumer, Wesendonck standen darunter.

[152] Sten. Ber. S. 101 u. 102

[153] Herr Laube freilich nicht. Er sagt über Blum’s Rede: „Gefahren, unermeßliche Gefahren schildern, in’s Dunkle malen, den Vorhang der schweren Zukunft geheimnißvoll lüften, es war ganz sein Thema“. „Soviel gab dieser merkwürdige Redner auf das Tönen großer Worte, daß er sie auch für die vertrackteste (!) Wendung verkaufte.“ S. 202–203.

[154] Sten. Ber. S. 149–151.

[155] Gegenwart, 5. Bd. S. 180.

[156] Sten. Ber. S. 155.

[157] Sten. Ber. S. 150.

[158] Sten. Ber. S. 158.

[159] Sten. Ber. S. 235.

[160] Sten. Ber. S. 236.

[161] St. B. S. 260–61.

[162] Diese Mitglieder waren Joseph und Günther (St. B. S. 265), der Minister wahrscheinlich Römer aus Würtemberg.

[163] Herr Laube trifft natürlich auch hier den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt: „Herr Blum hatte von der Rednerbühne herab eine jener Klatschereien eingerührt, welche man im Privatleben Verleumdung, im öffentlichen Leben Denunciation zu nennen pflegt. Auch für die gewöhnliche Republik braucht es doch Gesetz und Ehre, Treu und Glauben, und gleiches Maß für Sünde oder Tugend.“ (S. 242. 246). Und auch für den gewöhnlichen Schriftsteller setzen wir hinzu, wenigstens einige Kenntniß von dem, über was er urtheilt.

[164] Vaterlandsblätter: „Die Reise der Linken in die Pfalz“ (von Günther und Blum) in den Nr. 83, 84, 85, (24. 26. 27. Juni) 1848. Dieser Bericht wird nachstehend fast vollständig mitgetheilt.

[165] Freundliche Mittheilung der Besitzerin Frau Eschmann in Speier an Ernst Keil.

[166] Ein Augenzeuge, Adolf Bloch in Edenkoben, schreibt mir am 4. März 1878 hierüber: „doch ging dieser Marsch etwas langsam von Statten, da zur Entgegennahme verschiedener Stehschoppen, welche von Bürgern der dazwischen liegenden Orte den Abgeordneten credenzt wurden, manche Viertelstunde verwendet werden mußte. Zwischen Edenkoben und Maikammer stolperte Prof. Vogt über einen Stein und verlor beinahe das Gleichgewicht. Robert Blum, welcher vor ihm herging, drehte sich um und sagte lachend: „Die Linke nehme sich in Acht, daß sie sich nicht überstürze.“ Allgemeines Gelächter, in das selbst Trützschler, der einen furchtbaren Katzenjammer hatte, einstimmte.“

[167] St. B. S. 319.

[168] St. B. S. 359 Sp. 1.

[169] Auch dieser Antrag war übrigens noch keineswegs der extremste. Dieskau beantragte, das Parlament sollte ohne Weiteres die Regierung ganz Deutschlands in die Hand nehmen.

[170] Gegenwart, V. Bd. S. 190.

[171] Oben S. [269] fg.

[172] Gegenwart, S. 191.

[173] St. B. S. 402–404.

[174] Hiervon später bei der Frage des Malmöer Waffenstillstandes.

[175] Das Parlament hatte einstimmig erklärt, daß der vom Königreich Sardinien beabsichtigte Angriff auf Triest als ein Angriff auf Deutschland werde geahndet werden.

[176] Braun von Cöslin hatte beantragt, die provisorische Centralgewalt der Krone Preußen zu übertragen, fand aber nicht einmal 20 Stimmen zur Unterstützung seines Antrags. (St. B. S. 397/98.)

[177] Baiern. Dort war die Bewegung durch Lola Montez, die Favoritin des Königs Ludwig I., veranlaßt.

[178] In der Sächsischen Kammer.

[179] St. B. S. 434/35.

[180] Gegenwart, 5. Bd. S. 196. — Herr Laube dagegen erwähnt sie ebensowenig wie Blum’s Rede vom 27. Mai über den Raveaux’schen Antrag. Und über die Rede Blum’s vom 20. Juni sagt er nur: „Es war die Zeit der Gleichnisse; die Rhetorik blühte noch und Blum begann immer mit einem gewaltigen Bilde und schloß mit einem. Dies gehörte zu seiner inneren Schwäche vor der Paulskirche. Denn stolze Bilder vom Prometheus gehörten nicht zu seiner Bildung und wirkten, eben weil sie außer ächtem Zusammenhange mit dem übrigen Gedankenkreise des Redners lagen, auf ein so gebildetes Publikum ganz anders als auf ein Publikum der Mittelklasse.“ Zu letzterem müßte also der Verfasser des Artikels der „Gegenwart“ gezählt werden! In diesem spöttischen Ton geht es weiter. Bei solcher Ueberlegenheit des Herrn Laube über die besten Redner der Paulskirche ist nur das Eine zu verwundern: daß er sie nicht Alle überstrahlte.

[181] St. B. S. 521.

[182] Beiträge (Histor. Taschenbuch) a. a. O. S. 144.

[183] St. Ber. S. 566.

[184] Daß übrigens Blum diese Geldsendung im eigentlichsten Sinne des Wortes nur als Darlehn betrachtete, geht aus der folgenden Stelle eines Briefes an seine Frau vom 28. September 1848 hervor: „Die Diäten vom 50er Ausschuß nutzen mir leider nichts, denn ich muß sie, sobald sie bezahlt sind, dem Leipziger Ausschuß erstatten, welcher damals für uns gesammelt hat.“ —

[185] Des Deutschen Vereins. Vgl. den flg. Abschnitt.

[186] Er starb merkwürdigerweise am nämlichen Tage wie Blum, 9. Nov. 1848, an der Auszehrung.

[187] Die erste Kunde ihrer Erkrankung, einer Unterleibsentzündung, hatte Blum am 9. Juni erhalten.

[188] St. B. S. 677.

[189] St. B. S. 721/22.

[190] St. B. S. 896. — Die Reactivirung des Bundestags wurde später wirklich rechtlich angeknüpft an den perfiden Doppelsinn der Erklärung Schmerling’s vom 12. Juli. Die k. k. Staatsjuristen sagten: die Befugnisse des Bundestags seien der Centralgewalt übertragen und bis zum Erlöschen derselben von dieser geübt worden; nun hindere nichts, daß der Bundestag seine schlummernden Befugnisse selbst wieder ausübe. Dieser verlogenen Rechtsverdrehung hat Zachariä zwar mitten in der wildesten Reactionszeit die ganze Verachtung entgegengeschleudert, die sie verdiente (in seiner Schrift „Die Reactivirung des Bundestages“), und Albrecht hat in Leipzig den vielen Tausenden, die nacheinander zu seinen Füßen gesessen, mit dem königlichen Freimuth seiner Kritik die ganze Tiefe der Rechtlosigkeit und Ruchlosigkeit der Wiedereinsetzung des Bundestags offenbart. Dennoch aber wäre das Bewußtsein dieser Rechtlosigkeit im Volke wesentlich gefördert und jener Staatsumwälzung auch der letzte Vorwand des guten Glaubens entzogen worden, wenn das Parlament damals den Antrag seines linken Centrums angenommen hätte.

[191] Sitzung vom 21. Aug. St. B. S. 1624. — An anderen Quellen die beim vorigen Abschnitt genannten und Gegenwart, 7. Bd. S. 239–295, Flathe S. 575–592.

[192] St. B. S. 1717/19 (25. August).

[193] St. B. S. 804.

[194] St. B. S. 805.

[195] St. B. S. 1461.

[196] St. B. S. 1499 fg.

[197] Sehr lesenswerth ist hierüber die Abhandlung von Carl Baumbach: „Die Verwirklichung der Deutschen Grundrechte in der Gegenwart“, Grenzboten, 1876, III. S. 361 fg., 453 fg.

[198] „Kein Bestandtheil des Königreichs oder Recht der Krone kann ohne Zustimmung der Kammer auf irgend eine Weise veräußert werden.“

[199] Oben S. [350].

[200] Aus den Acten des Deutschen Vaterlandsvereins zu Dresden.

[201] Am nämlichen Tage schrieb er an dieselbe: „— Vorgestern war ich mit meinen Leuten in Heidelberg, wo wir uns wieder einmal Erfrischung geholt haben, die wir bei dem trostlosen Zustande und der entsetzlichen Richtung der Nationalversammlung so sehr bedürfen. Es war ein Seitenstück zu der Pfälzer Reise, nur mußten wir den Jubel mehr mit Hecker theilen; denn auf jedes Lebehoch auf uns oder irgend etwas folgte gewiß eins auf Hecker.

Paulskirche den 2. August 1848. Mein Gott, schon August!!“

[202] Namentlich erkennen wir auch hieraus, wie selbst Biedermann, dessen Gerechtigkeit des Urtheils über Blum wiederholt anerkennend hervorgehoben wurde, in seinen „Erinnerungen aus der Paulskirche“, S. 393–97, doch zum Theil den Gegner falsch und ungerecht beurtheilte, wenn er sagt: „Diese Fähigkeit (der Parteiherrschaft) beruhte nächst ihren (Blum’s und Vogt’s) hervorragenden parlamentarischen Talenten, hauptsächlich in dem Schein aufrichtiger, uneigennütziger Hingabe an die Sache, durch welchen sie nicht blos das Publikum, sondern auch ihre eigene Partei täuschten. Ich muß jedoch unterscheiden.“ (Folgen Bemerkungen über Vogt.) „Blum besaß in noch höherem Grade als Vogt den Ausdruck treuherziger Ehrlichkeit und rückhaltloser Hingebung an das Allgemeine. Auch möchte ich fast annehmen, daß es ihm wirklich mehr, als Jenem, zugleich um die Sache, nicht blos um die Befriedigung der eigenen Eitelkeit oder des eigenen Ehrgeizes zu thun war, daß er, wie nach Mirabeau’s Ausspruch Robespierre, „das glaubte, was er sagte“. Sonst hätte er kaum einen so weitverbreiteten und so lange andauernden Einfluß üben können. Allein das eigene Selbst hatte auch bei Blum einen entscheidenden Antheil an allen seinen politischen Handlungen. Was hätte dieser Mann mit seiner unverwüstlichen Körper- und Geisteskraft, mit seinem nimmermüden Eifer, mit der gewaltigen Macht seiner volksthümlichen Beredsamkeit leisten können, wäre es ihm aufrichtig und allein um die Freiheit und den Fortschritt, nicht zugleich um die Zwecke seines Ehrgeizes zu thun gewesen, hätte er das Volk wahrhaft durch Bildung frei machen, nicht blos aus einer Abhängigkeit in die andere versetzen wollen!“ Diesem Urtheil ist insoweit beizutreten daß Blum gewiß, wie jeder bedeutende Mann, Ehrgeiz besessen; zu widersprechen aber darin, daß er diesen Ehrgeiz, „das eigene Selbst“ irgendwo und wann zum Maßstab seiner öffentlichen Dienste gemacht hat. Seinem Eigennutz hätte er bei weitem besser daheim dienen können, als in Frankfurt. Nimmer hätte solcher Ehrgeiz die Opfer gebracht, die Sorgen getragen, die er durch seinen Aufenthalt in Frankfurt trug. Daß er in seinem Parteistandpunkt schließlich auf falsche Bahnen gedrängt wurde, war zum Theil doch auch die Schuld seiner Gegner und der verworrenen aufgeregten Zeit. Und er selbst hat das harte Geschick, unter dem er erlag, in den letzten Monaten seines Lebens in einem Briefe an einen Freund wohl am richtigsten bezeichnet in den Worten: „Mein Lieber, wir sind um fünfzehn Jahre zu früh auf die Welt gekommen.“

[203] Nur die „Gemeinheiten“ im Tageblatte hörten seitdem auf, wie er am 9. September befriedigt der Frau meldet.

[204] Höchst charakteristisch für den Ton, der im Vaterlandsverein herrschte nach dem Ausscheiden der Minderheit waren die dort gefaßten Beschlüsse. Unter Anderm hieß es: da von dem jetzigen Ministerium ein volksthümliches Wahlgesetz nicht zu erwarten, so ist die Entlassung dieses Ministeriums auszusprechen und Staatsminister Oberländer mit der Bildung eines neuen zu beauftragen, die Ständeversammlung einzuberufen, sofort eine aus der freien und unmittelbaren Wahl des Volkes hervorgegangene constituirende Versammlung einzuberufen.

[205] Schon die überwältigende Komik dieses einen Gedankens sichert Jäkel einen Ehrenplatz unter den unfreiwilligen Humoristen aller Zeiten.

[206] Zu vergl. Offizieller Bericht der Verhandlungen des Vorparlaments, Sitzung vom 31. März, der Bundesversammlung vom 4. April (2. Lieferung). — Sten. Ber. der Deutschen National-Versammlung v. 8., 9. u. 17. Juni, 10. Juli, 11., 22. u. 31. Aug.; 4., 5., 7., 8., 12., 14–16. September. — Gegenwart (von Brockhaus), Band 5 u. 6, in besonderen Artikeln über Schleswig-Holstein. Band 7, S. 295 bis 326. — Springer, Dahlmann, S. 268–299.

[207] St. B. S. 1882.

[208] St. B. S. 1896/98. Die ganze Debatte (einschließlich der Abstimmungen) s. S. 1880–1917.

[209] a. a. O. S. 290.

[210] Gegenwart, Bd. 7, S. 323.

[211] Selbst Laube hat hier zum ersten Mal ein schüchternes Lob für Blum: „Auch Blum hatte wirklich kräftige Partien. Seine Ruhe und Nachdrücklichkeit in Anordnung und Betonung des Stoffs hatte lange nicht einen so günstigen Stoff gehabt.“

[212] Gegenwart S. 324.

[213] 258 gegen 237.

[214] Gegenwart, Bd. 5, S. 392. (Staat und Stadt Frankfurt 1848.)

[215] Zu vergl. die Reichstagszeitung vom 17., 19. u. 20. September. Gegenwart, 7. Bd. S. 328.

[216] Durchstrichen „Jupiter“.

[217] Einige dieser interessanten Documente besitze ich handschriftlich.

[218] Reichstagszeitung vom 19. Septbr. — St. B. S. 2198 fg.

[219] St. B. S. 2207.

[220] Diese Anklage ist schon darum haltlos, weil am 19. Septbr. und beziehentlich am 18. Septbr. Abends, wo das Blatt erschien, der Aufstand schon gedämpft war.

[221] St. B. S. 2189.

[222]Reichstagszeitung“ aus denselben Tagen. — Gegenwart, Bd. 5, S. 393.

[223] Weder Blum noch Vogt hatten diese Anträge mit unterschrieben.

[224] St. B. S. 2166, 2207–2210. — Gegenwart, Band 5, S. 393. Bd. 7, S. 329/30.

[225] Gegenwart, Bd. 7, S. 331.

[226] Das hat mir Julius Faucher, der jüngst verstorbene bekannte Abgeordnete, der damals als unparteiischer Zuschauer den Frankfurter Ereignissen zusah, wiederholt (1868 bis 1870) in Berlin bestimmt und nachdrücklich versichert. Neu wäre diese Taktik ja auch nicht. Schon zur Zeit des Frankfurter Attentates hatte die k. k. Bundestagsweisheit die Revolution absichtlich zum Ausbruch kommen lassen, um nachher eine frische fröhliche Reaction heraufzuführen. Auch damals schon und nachher oftmals ist diese Beschuldigung gegen Schmerling erhoben worden. Gegenwart, Bd. 7, S. 331. Vgl. auch den unten mitgetheilten Brief Blum’s vom 3. October an Haubold S. 447.

[227] Mündlicher Bericht von Ludwig Simon an mich (1862, Wallensee), Faucher u. A. Theilweise ist die Scene auch bestätigt von der Gegenwart a. a. O.

[228] Zum Schillerfest.

[229] Der heutige Polizeidirector von Leipzig, den die Sozialisten, da er ihnen unbequem ist, so gern als rothen Revolutionär von Anno 1848 hinstellen. Man sieht, wie leichtfertig diese Anklage ist!

[230] d. h. das Geld zur Reise aus eigenen Mitteln aufzubringen.

[231] Das Beste über die österreichischen Verhältnisse jener Tage bietet auch heute noch zweifellos Anton Springer’s Geschichte Oesterreichs, 2. Band (Leipzig, Hirzel, 1865), so ungerecht Springer auch über Robert Blum urtheilt. — Die dreibändige „Geschichte Oesterreichs“ von Joseph Alexander Frhrn. v. Helfert „vom Ausgang des Wiener October-Aufstandes“, die zum ersten Mal theilweise die Schätze des Wiener Archivs und das handschriftliche Quellenmaterial der Familie Windischgrätz u. a. Fürstlichkeiten veröffentlichte, zeigt im Gegensatze zu Springer’s großer historischer Auffassung in widerlicher Weise das Gepräge einer junkerlich-schwarzgelben Tendenzschrift. — Nordstein’s Geschichte der Wiener Revolution ist eine armselige Vertheidigung des in Wien besiegten Radicalismus, interessant nur durch die naiv-kritiklose Mittheilung aller Actenstücke, welche das Regiment Messenhauser’s u. A. der Weltgeschichte hinterließ. Ihr am nächsten stehen Lyser, Grüner, Fenneberg u. A. — Für die folgenden Abschnitte sind außer diesen Werken alle Quellen benützt, welche zur Zeit aus jener Zeit vorhanden sind: die Augenblicksbilder, welche Gustav Kühne, Berthold Auerbach, Heinrich Laube, Julius Fröbel in seinen „Briefen“ und seinem Bericht vor dem Parlament (St. Ber. der Paulskirche), Füster, Schütte, Rosenfeld u. A. geliefert haben, insbesondere die schwarzgelben Soldschriften von Dunder, Köcher u. A.; über den diplomatischen Verkehr zwischen Dresden und dem sächsischen Gesandten in Wien betreffs Blum’s geben die sächsischen Landtagsmittheilungen (II. Kammer 1849, S. 246 fg.) Aufschluß; über die militairischen Operationen gegen Wien wurden mir von einem verehrten Freunde die reichen authentischen Berichte amtlicher Berliner Bibliotheken zur Verfügung gestellt; an Zeitungen und Zeitschriften über jene Ereignisse habe ich das seit Jahren Gesammelte im Text nachgewiesen, ebenso das handschriftliche Material, das mir zur Verfügung stand. Die Zurechtweisung der Verleumdungen Blum’s durch v. Helfert ist nebenbei besorgt worden. —

[232] a. a. O. S. 196, wo auch die offiziellen Quellennachweise für diese Anschauung erbracht sind.

[233] Springer, S. 312.

[234] Springer, S. 569.

[235] Persönliche Mittheilung von Karl Vogt an den Verfasser. — Schon Anfang September war in der Fraction des Deutschen Hofes die Rede davon gewesen, eine Deputation nach Wien zu senden. Auch damals schon hatte Blum zu der Sendung sich angeboten. Am 9. September hatte er aber der Gattin geschrieben: „Die Reise nach Wien ist in die Brüche gegangen. Die Partei ließ mich nicht fort.“

[236] Helfert, 1. Bd. S. 45.

[237] Ebenda.

[238] Helfert, 1. Bd. S. 48.

[239] Springer, S. 562.

[240] Poststempel Wien, 19. October.

[241] Springer sagt S. 583: „B. soll in einer Volksversammlung vom 23. October den Wienern zugerufen haben: „Ihr müßt noch 200 Aristokraten latourisiren.“ “ Keiner der gleichzeitigen Berichte über diese Versammlung in den Wiener (auch nicht in den radicalsten) Blättern erwähnt jedoch diese Aeußerung. Eine Quelle giebt Springer überhaupt nicht an. Und selbst Herr v. Helfert vermag nicht zu behaupten, wann die angebliche Aeußerung gefallen sei; in seiner Version der Rede Blum’s vom 23. October führt er diese Worte ausdrücklich nicht auf.

[242] Dieser Lüge hat übrigens auch schon Fenner v. Fenneberg, der Generalstabschef Messenhausers in einem Schreiben an die Augsb. Allg. Ztg., datirt „von der rauhen Alp“, vor dem 27. November widersprochen. Dresdner Journal vom 27. November, S. 1934, Sp. 2.

[243] Diese Thatsachen werden von Springer, Helfert, Nordstein übereinstimmend mitgetheilt. Ihr Urtheil darüber geht natürlich weit auseinander.

[244] Er war als „Tornisterkind“ (Helfert) 4. Januar 1813 geboren, 1829 Gemeiner, 1832 Fähndrich, 1839 Lieutenant, 1845 Oberlieutenant geworden und blickte sehnsüchtig hinüber in die reiche Culturwelt Deutschlands, die den österreichischen Unterthan und vollends dem österreichischen Offizier damals gänzlich verschlossen war. Er begann zu schriftstellern und da nur die Lumpen bescheiden sind, so verlangte er für eines seiner dickleibigen ungedruckten Erstlingswerke, die „modernen Argonauten“, von der Firma Max in Breslau nicht weniger als 18 Friedrichsd’or Honorar pro Druckbogen. Natürlich erhielt er das Manuscript mit einer „abschlägigen und die Honorarsforderung fast belächelnden Antwort“ zurück. Glücklicher war er mit seinen novellistischen Versuchen: 1847 erschienen sie in Wien gesammelt unter dem Titel „Wildniß und Parquet.“ Die Kritik stellte sie theilweise „über den Beherrscher einer wundervollen Prosa Adalbert Stifter“ (Helfert). Er machte im Herbst 1847 eine größere Reise über Leipzig, Frankfurt a. M., München und Wien. Thomas in Leipzig nahm seine „Ernsten Geschichten“ in Verlag. Die Vorrede zu diesem Werke war „bei der ersten Nachricht vom Sturz der Juliusdynastie“ geschrieben; in dem Buche selbst sollte „die schauerliche Erhabenheit des starren Absolutismus“ den Leser „mit heilsamem Entsetzen erfüllen und Entschlüsse von Besonnenheit, Rechtsgefühl und Hochherzigkeit in ihnen wachrufen.“ Dieser unklaren, erhitzten Phantasie mußten die Märztage des Jahres 1848 besonders gefährlich werden. „Mein Wissen für den Tag ist Louis Blanc, den, ich, wie ich glaube, auswendig weiß,“ schrieb er damals an einen Freund. In dem Comité zur Organisirung der Lemberger Nationalgarde nahm er mit Bewilligung seiner Vorgesetzten eine Stelle an, neben ihm wirkte Bem. Messenhauser ließ sich hier bald in politische Dinge ein. Sein Vorgesetzter Baron Hammerstein lud ihn vor und befahl ihm, augenblicklich nach Wien zum dritten Bataillon abzureisen. Hier angekommen, gab Messenhauser seine Entlassung ein und weigerte sich vor dem Platzcommando in Uniform zu erscheinen, weil er nicht länger die äußeren Abzeichen einer Körperschaft tragen könne, deren Dienst „seine tiefsten Ueberzeugungen stündlich in die größte Gefahr zu setzen die Lage hat!“ und mußte für diesen Frevel drei Tage Profosenarrest im Stabsstockhause absitzen. Am 31. März wurde er dann „gegen Ausstellung des üblichen Reverses, weder gegen das allerhöchste Erzhaus, noch gegen dessen Alliirte zu fechten“ aus dem Militairdienst entlassen. Er wurde nun Journalist und Schriftsteller, gründete in zwanglosen Heften „die Volkstribüne“ und schrieb zwei ungelesene platte Sammlungen der Schlagwörter des Tages unter dem Titel: „der staatsbürgerliche Rechtsschatz“ und „der politische Rechtsschatz des deutschen Volkes“ während seine Schrift „Wie muß die Nationalgarde exerzirt werden?“ rasch sechs Auflagen erlebte und seinen Namen bekannt und volksthümlich machte. Er lebte bis zum Oktober „in der fast siedlerischen Einsamkeit eines Schriftstellerthums.“ —

[245] Zu vergleichen seine Eingabe an das Kriegsgericht. Helfert, Bd. 3, Anhang S. 46 fg.

[246] Springer, S. 572

[247] Fröbel’s Briefe, S. 11 fg., und dessen Rede in der Paulskirche vom 18. November. St. B. S. 3419.

[248] Helfert, 1. Bd. S. 129.

[249] Da dieser Brief schon von Frey, Robert Blum, abgedruckt worden ist und Helfert Frey citirt (Bd. 3, S. 107 des Anh. und a. a. O.). Der Brief trägt den Poststempel Dresden, 27. October. Das beweist, daß am 20. keine Post mehr von Wien passirte.

[250] Helfert, 1. Bd. S. 75.

[251] Helfert, S. 76 bis 78.

[252] S. 81 fg.

[253] Handschriftlicher Nachlaß des Frhrn. v. Pillersdorff S. 163.

[254] Wie man übrigens in Oesterreich selbst über diese Rettungsversuche urtheilt, erhellt treffend aus einem Abschnitt im 2. Bande der „Wiener Spaziergänge“ des geistvollen Satirikers D. Spitzer in Wien (Verlag von L. Rosner, Wien), der nun seit dreizehn Jahren seine makellos vaterländische Gesinnung so mannhaft nach allen Seiten bekundet hat, daß ihn eine bekannte deutsche Zeitschrift nicht mit Unrecht „das Gewissen Oesterreichs“ nannte. Spitzer sagt a. a. O. 2. Bd. S. 175:

„Die „Rettungen“ bisher verkannter geschichtlicher Persönlichkeiten sind in unserer Zeit, welcher, ungeachtet der fortwährenden Tax-Ueberschreitungen von Seite der Comfortable-Kutscher, ein hoher Sinn für Gerechtigkeit nicht abgesprochen werden kann, in auffallender Weise beliebt geworden. Kritische Forscher haben es bekanntlich sogar unternommen, nachzuweisen, daß Kaiser Tiberius eigentlich ein seelenguter Herr war und der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Herr Ritter v. Schmerling, hat in der letzten Herrenhaussitzung dem verkannten Fürsten Windischgrätz denselben Liebesdienst erwiesen ... Der Scipio, der sein edles Herz in Wallung bringt, hat nicht Afrika erobert, sondern Gaudenzdorf und ist an der Spitze seiner Heersäulen als Triumphator über ein Dutzend erbitterter Gegner in Wien eingezogen. Muß da nicht ein Wiener, wie Herr v. Schmerling, empört sein, wenn man den Eroberer seiner Vaterstadt zu verunglimpfen sucht? Dennoch ist in einem Auszuge aus dem Helfert’schen Buche, den das Feuilleton der „Neuen Presse“ brachte, diese Schandthat verübt worden. „Was geschah denn,“ rief Herr v. Schmerling aus, „daß man Windischgrätz als Tyrannen, als Egoisten hinstellt? Nichts weiter, als daß zwei bis drei hervorragende Männer und wenige unbedeutende andere Männer hingerichtet worden sind.“ Und wegen eines so unansehnlichen Blutbades, in welchem ein proportionirt gebauter Tyrann kaum bis an die Brust waten könnte, schmäht man einen einheimischen General gleich einen Egoisten! Da pocht man immer darauf, Wien sei eine Großstadt, und wenn man dann den Maßstab einer solchen anlegt und zwei bis drei hervorragende und eine lächerlich kleine Anzahl unbedeutender Menschen abschießt, ist das gleich ein Stadtgespräch und noch nach Jahren wissen die Journalisten ihre Leser mit nichts Besserem als diesem Tratsch zu amusiren. — „Was hätte Fürst Windischgrätz Anderes thun können?“ fuhr der Lobredner des tapferen Feldherrn hierauf fort. Die Antwort, die wir auf diese schwierige Frage wüßten, ist so schlicht, daß wir sie nur mit der größten Schüchternheit niederzuschreiben wagen. Wir sind nämlich der Meinung, daß der Fürst die unglücklichen Opfer, welche er erschießen ließ, unter Anderem auch hätte nicht erschießen lassen können. Dieser einfache Ausweg ist aber wahrscheinlich dem mit Geschäften überhäuften Fürsten damals nicht eingefallen, was um so weniger überrascht, da auch sein Vertheidiger, der doch mehr Zeit zum Nachdenken hatte, nicht auf denselben verfallen ist. Es hat uns schmerzlich berührt, daß der Retter des Fürsten Windischgrätz nur der Feldherrntalente seines Schützlings gedacht hat, obwohl dieser doch als Staatsmann noch weit bedeutender gewesen zu sein scheint, denn als Feldherr. Hat man ihn doch in dem einzigen ernsthaften Kriege, in welchem er den Oberbefehl führte, im Kriege gegen die ungarische Revolutions-Armee, plötzlich abberufen, um, wie es damals hieß, „seinen Rath über wichtige innere Angelegenheiten zu vernehmen,“ und man übertrug lieber dem Baron Welden den Oberbefehl, ehe man auf die staatsmännischen Rathschläge des tapferen Feldherrn verzichtet hätte. Ob man die Rathschläge, welche er in Olmütz ertheilte, befolgte, ist nicht bekannt geworden, doch scheint es, daß er den guten Rath, den man ihm dort gab, ausgeführt hat, indem er sich auf seine böhmischen Güter zurückzog.“

[255] Einschließlich der Truppen des Banus (I. Armee-Corps) und des Grafen Auersperg (II. Armee-Corps) hatte Windischgrätz zur Verfügung 59–5/6 Bataillone, 66 Escadrons, 219 Geschütze. Die „selbstständige“ Brigade Wiß und die Armee-Haupt-Reserve ist dabei eingerechnet.

[256] St. B. S. 3660 fg. (Sitzung vom 29. November).

[257] Helfert, S. 161.

[258] Helfert, S. 175.

[259] Ebenda, S. 204.

[260] S. 176 (1. Bd.).

[261] In dem Todesurtheil gegen Blum ist sogar die geradezu actenwidrige Behauptung aufgestellt, er habe „am 23. October l. J. in der Aula zu Wien durch Reden (!) in einer Versammlung zum Aufruhre aufgeregt.“

[262] 2. Bd., S. 483, Note 112.

[263] Im Dresdner Journal vom 15. Nov., S. 134, Sp. 1.

[264] Helfert, S. 483. Note 113 (1. Bd.).

[265] Helfert, S. 186.

[266] Helfert, S. 176.

[267] Bem war die Seele der Stadtvertheidigung, der Commandant der Mobilgarde; bei seinen nahen Beziehungen zu Messenhauser von Lemberg her, ist es wahrscheinlich, daß er von diesem nach Wien gerufen wurde. Er übernahm sein Commando mit den Worten: „Als Mitglied der Lemberger Nationalgarde (!), habe ich den festen Willen die Constitution des Reiches und die Arbeiten des hohen Reichstages nach Kräften zu vertheidigen.“ Er war der einzige erprobte Kriegsmann in Wien; schon unter Napoleon, dann im Polenaufstand als Vertheidiger Warschaus gegen die Russen hatte er sich mit Ruhm bedeckt. Aber auch er hielt die Sache Wiens ohne Mitwirkung der Ungarn von Anfang an verloren.

[268] Band 1, S. 207.

[269] Springer, S. 574. Pillersdorff, Nachgel. Schriften S. 165.

[270] Zu vgl. dessen Note 310, S. 528, 1. Bd.

[271] Auch Messenhauser hatte am 20. October den Belagerungszustand erklärt. —

[272] Nordstein, S. 318 theilt Haug’s Aufruf wörtlich mit. Helfert schreibt den Major bald Haug, bald Hauk und Hauck. Haug schrieb er sich selbst, s. S. 502.

[273] Helfert, S. 196, 1. Bd.

[274] Mittheilung Ludwig Bamberger’s an mich, nach Lasker’s persönlicher Erzählung.

[275] Bd. 1, S. 262/63 und bei Note 182 und Note 180 S. 499.

[276] Lyser, Wiener Ereignisse S. 88.

[277] St. B. S. 3420, Sp. 1.

[278] Poststempel Dresden, 5. November.

[279] S. 572.

[280] St. B. S. 3420.

[281] Erster Nachtrag zum Vernehmungsprotocoll vom 10. November. — Helfert, 3. Bd., Anhang S. 44.

[282] Ebenda S. 43.

[283] „Denkschrift über die Octoberrevolution,“ eine Arbeit, die im Solde der Militairbehörden geschrieben und von diesen offiziell belobt wurde. (Zu vergl. auch Springer, S. 576.)

[284] Bd. 1, S. 271 bis 276.

[285] S. 272.

[286] S. 754–77.

[287] Davon, daß etwa Blum dem Fürsten abgeliefert werden müsse, war natürlich auch hier nicht im entferntesten die Rede. Später ließ Cordon das Verlangen der Auslieferung von Personen überhaupt fallen. Helfert, 1. Bd., S. 294 fg., S. 371 fg.

[288] Die Tageslöhnung.

[289] Helfert, 1. Bd., S. 286. — Grüner, Gesch. d. October-Revolution (Leipzig 1849), S. 280 fg., als Augen- und Ohrenzeuge. — Rosenfeld, Studentencomité, S. 338 fg. — Fenneberg, October-Revolution II. S. 399.

[290] Springer, S. 577.

[291] Poststempel Dresden, 5. November.

[292] St. B. S. 3420, Sp. 1. — Zu vgl. auch Fröbel’s Brief an Blum’s Schwester vom 22. Dec. 1848 im folg. Abschnitt (19) u. S. 524.

[293] v. Helfert führt nicht ein einziges Citat für seine Verdächtigungen an. Da übrigens vom 1. November an nur die offizielle Wiener Zeitung unter Redaction des Fürsten Windischgrätz erschien, und die Ereignisse vom 31. October frühestens am 1. Nov. besprochen sein konnten, so würde die Inspiration und Absicht der von Fröbel erwähnten Zeitungsnachrichten leicht zu errathen sein.

[294] Fröbel bei seiner Vernehmung vor dem Kriegsgericht. Helfert, Bd. 3, S. 45 (Anhang).

[295] Er schrieb unter der Chiffre G. v. S...u und erklärte erst im Vorwort zum zweiten Bande: „Verschiedene Erwägungen bestimmten den Verfasser bei Veröffentlichung eines Werkes, dessen Inhalt mit dem drängenden Parteieifer des Tages (?) in so mannigfache Berührung tritt“ (der erste Band erschien 1869! 21 Jahre nach der Wiener Revolution)„ für’s Erste seinen Namen nicht in den Vordergrund zu stellen.“ Eine traurige Ausrede!

[296] Blum lieferte infolge dessen am 2. November die einzige Waffe, die er besaß, ab, „ein altdeutsches Schwert mit neusilbernem Griff, Lederscheide und Koppel und erwartete dessen Sendung in seine Heimath.“ (Schreiben Blum’s vom 2. November.)

[297] C. Vogt, „Mein Prozeß gegen die Augsb. Allg. Ztg.,“ Genf 1859, enthält unwiderlegliche Beweise für dieses Verhältniß.

[298] 1. Band, S. 422.

[299] Helfert, Bd. 3. S. 424.

[300] Beiläufig bemerkt, auch bei Herrn v. Helfert selbst. Er schreibt nur gebrochen deutsch: „Pöbel-Unfüge“, „mahlen“ statt malen, „ämtliche“ u. s. w.

[301] 2. Band, S. 581.

[302] Wörtlich nach Helfert, 3. Bd., Anhang S. 31. Uebrigens auch schon in den Sächs. Landt.-Mitth. (L.-M.) 1849, 2. Kammer, S. 254, Sp. 2, mitgetheilt.

[303] Helfert, 3. Bd., S. 192.

[304] Bericht des Gesandten an den sächsischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Dresden (v. d. Pfordten), d. d. Hietzing, den 5. November 1848: „Nach einem hier gestern verbreiteten Gerücht wäre R. Blum in Wien verhaftet worden. Ich hoffe (!) heute noch darüber Gewißheit zu erhalten. Das Gerücht steht übrigens mit allen anderen Nachrichten, die ihn jetzt in Berlin thätig sein lassen (?!), in Widerspruch“ — „Nachschrift.“ „Ein soeben (2 Uhr) bei der Kgl. Preuß. Gesandtschaft allhier eingegangenes anonymes Schreiben von gestern 10 Uhr aus der Stadt datirt, zeigt an, daß R. Blum und J. Fröbel gestern früh 6 Uhr arretirt und unter starker militairischer Bedeckung abgeführt worden sind.“ [Landtagsmittheilungen (L.-M.), 2. Kammer 1849, S. 248, Sp. 2.]

[305] Ebenda, S. 251–53. (Die hier citirten Stellen des Berichts s. S. 252, Sp. 2, S. 251, Sp. 2.)

[306] „Was mich betrifft, so habe ich das Bewußtsein, in dieser verhängnißvollen Angelegenheit meine Pflicht erfüllt zu haben. Ich helfe Jedem ohne Ausnahme mit der größten Bereitwilligkeit. Wo es aber ganz außer meiner Macht liegt, zu helfen, da kann mich kein Vorwurf treffen.“ Schluß seiner Rechtfertigung vom 21. November. A. a. O. S. 253 — und damit zu vergleichen die im Text gedruckte Depesche vom 6. November an der gesperrt gesetzten Stelle!!

[307] A. a. O. S. 248/49.

[308] Landtagsmittheilungen S. 248.

[309] A. a. O. S. 249.

[310] a. a. O. S. 250.

[311] Im wohlthuendsten Gegensatze zu dem Verhalten des sächsischen Gesandten stand die Energie des sächsischen Ministeriums und insbesondere v. d. Pfordtens. Die Note vom 3. November war schon ein schönes Zeugniß für den Eifer der sächsischen Regierung, ihre Landsleute in Wien zu schützen. Sofort nach dem Empfang des Berichtes des Gesandten vom 5. schrieb aber das Ministerium am 8. an Könneritz, er müsse „Alles aufbieten, um Robert Blum zu schützen.“ Es betonte nachdrücklich „das Recht“, welches Blum als Abgeordneter wie als sächsischer Staatsangehöriger auf den Schutz des Gesandten habe und schloß: „Die sächsische Regierung kann in so eigenthümlich gestalteten Zuständen, wie sie jetzt im Kaiserstaate bestehen, ihre Staatsangehörigen nicht sofort einer militairischen Procedur überlassen, wenn nicht alle Vorbedingungen für Anwendung des Kriegszustandes gegeben sind.“ Leider kam die Note zu spät in Wien an.

[312] Deutsches Reichsgesetzblatt Nr. 2.

[313] D. R. G. B. St. 1. Ges. v. 29. Sept. §. 4. S. 1.

[314] Diese Ausflüchte wurden den von der Centralgewalt zur Einsicht der Acten Blum’s &c. nach Wien gesandten Reichscommissären Paur und Pözl eingehalten und finden sich in einer Note Bach’s vom 6. December 1848 an das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten ausgesprochen. (St. B., Bd. 6, S. 4478), Sächsische L.-M. a. a. S. 259 fg.

[315] Ebenda. L.-M. S. 261, Sp. 2.

[316] Bericht desselben an die k. k. Centralcommission vom 30. Nov. 1848. L.-M. S. 256/57.

[317] „Auf frischer That!“ — Wortlaut des Reichsgesetzes vom 30. November.

[318] Schillerfest.

[319] S. 48 fg.

[320] Also abermals der deutlichste Beweis, daß auch Fröbel im Feuer gewesen.

[321] Der Blick vom Stabsstockhause ging auf die stets sehr belebte Elendsbastei.

[322] Bd. 3, S. 194.

[323] Nummern vom 9. und 11. November 1873.

[324] Bd. 3, S. 199. P. habe sie „den Richtern zukommen lassen.“

[325] Helfert, 3. Bd., Anhang S. 45.

[326] Soll heißen seiner Einquartirung in Blum’ und Fröbel’s Zimmer.

[327] Und da H. v. Helfert die Acten eingesehen hat, weil er Sachen daraus mittheilt, die er nicht abdruckt und weil er manchmal sogar die Handschriften bestimmten Personen zuweist.

[328] Helfert, 3. Bd., Anhang S. 105 u. 106.

[329] Helfert, ebenda S. 39.

[330] In seinem oft citirten Bericht vor der Paulskirche.

[331] Hier folgte die von Fröbel beseitigte Drohung: „und behalten sich vor, gegen dieselben alle gesetzlichen Mittel in Anwendung zu bringen, sobald sie dazu im Stande sein werden“.

[332] Soll heißen: Schönbrunn.

[333] Sächsische L.-M. 1849. II. K. S. 258/59.

[334] 3. Bd. N. 193. Anh. S. 106.

[335] Das Schreiben ist vollständig mitgetheilt von Helfert, 3. Bd., Anh. S. 40, 41, sub 9.

[336] Damit war natürlich durchaus nicht unvereinbar, daß nicht nebenher noch geheime Instructionen über Blum nach Wien ergingen. Denn so gut Actenstücke aus den Acten verschwinden konnten, welche dorthin gehörten und nicht nach Schönbrunn (Blum’s Proteste vom 5., 7. und 8. z. B.), ebenso gut konnten auch Befehle auf dem Wege von Schönbrunn zu den Acten — secretirt werden. So gut wie der Fürst den ganzen Sommer über hinter dem Rücken seines Kriegsministers conspiriren konnte, so gut konnte er auch hinter dem Rücken der lieben Einfalt, die in Wien Standrechtscommission spielte, der „Gemeinen“ Tiefenthaller und Consorten seine Wünsche über Blum’s Schicksal verschämt andeuten. Die wunderliche Kürze des „Verfahrens“ gegen Blum, bei der alle wichtigen, für den Angeklagten entscheidenden Fragen durch einfaches Abstimmungscommando ausgetragen wurden, ist — namentlich wenn man damit die eingehenden Verhöre mit Messenhauser und die liebevolle Weitläufigkeit zur Ermittelung mildernder Umstände für Fröbel vergleicht — eine schwere Bestätigung dieser Vermuthung.

[337] Helfert, 3. Bd. Anh. S. 41. L.-M. a. a. O. S. 255 fg.

[338] Wir haben also an „Grundlagen“ für das Kriegsgericht oder, um es gerade heraus zu sagen, für die Tödtung Robert Blum’s: einen „Auftrag“ des G. M. Cordon, zwei Zeitungartikel nicht von Blum, möglicher Weise über Blum — das Nähere verräth das Protokoll nicht — den Auszug aus dem Sitzungsprotokoll des Gemeinderathes, welches absolut nichts Belastendes für Blum enthalten haben kann, das völlig harmlose Protokoll über die Verhaftung, das ebenso harmlose Schreiben der Abgeordneten vom 3. November (das oben mitgetheilt wurde) und — last not least — den Kofferschlüssel Blum’s! Das war der Apparat, mit welchem die Anklage auf Tod und Leben erhoben wurde.

[339] Muß heißen am 17.

[340] Die Unterschriften dieses Protokolls, vom Gefreiten bis zum Rittmeister aufwärts hat selbst Helfert kaum entziffern können. Die slavischen Namen vieler der Herren Richter vervollständigen das Bild ihres muthmaßlichen Bildungsstandpunktes.

[341] Damit sind die vom Standgericht zu Gunsten Fröbels angeführten Milderungsgründe erschöpft. (Helfert, Anh. S. 44/45.) Denn, daß seine Abtheilung „mit den k. k. Truppen noch in keinen Kampf gekommen war“, war ein Irrthum oder eine Zweideutigkeit. Zum Handgemenge war Blum auch nicht gekommen. — Uebrigens muß es ein erhebender Augenblick gewesen sein, wie die „Gemeinen“ Tiefenthaller und Compéis ihr Urtheil über die gemäßigten Schriften, Reden und Thaten des Professors Fröbel abgaben.

[342] Schreiben Hipssich’s vom 30. Nov. L.-M. S. 256/57.

[343] Votum informativum (Actenvortrag und Anklagebegründung) des Auditor’s von Wolferom vor Schöpfung des Urtheils wider Messenhauser. (Helfert, Bd. 3, Anh. S. 49.)

[344] Stilübungen dieser Art sind zu finden in der Wiener Zeitung, Morgenblatt vom 28. November und in den Nummern vom 29. November bis 1. December; im „Lloydjournal“ vom 21. Nov. ab; in Ebersberg’s Zuschauer vom 25. u. 28. Nov.; im „Oesterr. Courier“ vom 23. November; in der Prager Zeitung vom 14. November 1848 u. s. w. — Keine einzige dieser Ausführungen bietet den Versuch einer objectiven rechtlichen Beurtheilung an der Hand der Gesetze und der Acten. Alle ergehen sich nur in politischen Ausführungen und in leidenschaftlichen persönlichen Schmähungen R. Blum’s.

[345] Bluntschli, „Das moderne Völkerrecht,“ S. 30 fg. u. S. 547, 548, 549. „So weit die Nothwendigkeit reicht, so weit reicht die Kriegsgewalt. Darüber hinaus wird sie rohe Willkür.“ S. 561 u. 568.

[346] Helfert, 3. Bd., S. 206 u. 207, Anh. S. 112, N. 209.

[347] Das Protokoll „erhebt“ durchaus keinen „Thatbestand“.

[348] Selbst die Geständnisse Blum’s decken in keiner Weise das ihm zur Last Gelegte.

[349] Im Protokoll steht nichts von Zeugen. Keinesfalls ist die Aussage solcher Blum vorgehalten, keinesfalls ist ihm ein Zeuge nur genannt worden.

[350] Das ist das „einzige Gesetz“, welches das Urtheil anführt, und nach welchem der Tod verwirkt sein soll — die Willkürverordnung eines nicht einmal mit legalem Auftrag versehenen Heerführers; denn die Th. Gerichtsordnung ist ein Prozeß-, kein Strafgesetz.

[351] Die Namen der Mitgefangenen waren Camillo Hell, Terzky, v. Schlechta.

[352] Ursprünglich war für die gebührende Abweisung dieses Verhaltens ein besonderes Plätzchen hinter dem Texte aufgehoben. Auch die liebe Jugend, die auf Grabhügeln mit Füßen herumtrampelt, während Andere einen theuern Todten begraben, erhält ihren Denkzettel nicht während der Leichenrede, nicht auf dem Friedhofe. Aber bei näherem Betracht waren die Helfert’schen Herabsetzungen so kurz und schlagend abzufertigen, daß dazu einige Noten genügten, und man ihm die besondere Ehre eines Anhanges ersparen konnte. Zunächst behauptet Herr v. Helfert: „Wir können nach dieser Scene“ (zwischen Fröbel und Blum beim Abschied) „und nach Blum’s vorwaltender (?) Gemüthsstimmung in den Tagen zuvor nicht glauben, daß Blum den Abend heiter gewesen sei und die Nacht ruhig geschlafen habe“. Wir haben dafür aber außer dem von Fröbel bekundeten Zeugniß eines Mitgefangenen die Thatsache, daß Blum am andern Morgen aus tiefem Schlaf geweckt wurde. Und überdem ist die Heiterkeit Blum’s und sein gesunder Schlaf sehr wahrscheinlich und erklärlich. Denn bei ihm „waltete vor“ das Gegentheil jener Gemüthsstimmung, welche Herr v. H. für die Blum beherrschende hält. Und je länger Blum über den Verlauf seines Verhör’s nachdachte, um so ruhiger mußte er werden. Fröbel sah ihn in der ersten Erregung nach dem Verhör — Fröbel selbst aufs höchste erregt — zum letzten Mal. Dazu kam nun für Blum die neue, leichtblütige Gesellschaft seiner Mitgefangenen. Wer mit Herrn v. Helfert an der Wahrheit des Fröbel’schen Berichts von Blum’s letzter Nacht zweifeln will, muß Blum eine tiefere Kenntniß der Niedertracht des gegen ihn beobachteten Verfahrens und der Absichten seines Richter-Pelotons zutrauen, als Blum sie besaß.

[353] Diese Darstellung ist der „Illustrirten Zeitung“ von J. J. Weber entnommen, einem Blatte, das immer gute Beziehungen zu Oesterreich hatte und dem die ganze damalige deutsche Presse diese Darstellung der letzten Stunden Blum’s unwidersprochen nachdruckte, und zwar die Organe aller Parteien. (Ich besitze etwa ein Dutzend Blätter aller Farben, die das beweisen.) Diese Erzählung fußt offenbar auf der Mittheilung des Geistlichen selbst, denn Vieles, was darin steht, wiederholt sich in der spätern Erzählung Pater Raimund’s in den „Histor. polit. Blättern“, von welcher sogleich die Rede sein wird. Die Erzählung der Illustr. Zeitung ist durchaus glaubhaft, denn sie zeigt uns Blum wie er wirklich war, dogmenfrei, harmonisch mit seinem ganzen Leben und Charakter. Sie steht ferner in vollem Einklang mit dem, was Andre in Wien selbst in den nächsten Tagen über Blum’s letzte Stunden erfahren konnten und aufzeichneten (Auerbach, Nordstein u. A.) und mit dem Verhalten Blum’s Fröbel gegenüber, wenn Beide in einsamen Stunden vom Tode sprachen. „Niemals sei da,“ versichert Fröbel (Briefe, S. 56), „ein religiöses Gespräch zwischen ihnen geführt worden. Nur „um einen Zeugen zu haben, daß er ruhig sterbe,“ habe Blum einmal geäußert, „möchte er um die Begleitung eines Geistlichen bitten.“ Auch am Abend des 8. sei kein Wort von einem religiösen Gespräch zwischen Blum und seinen (neuen) Gesellschaftern vorgekommen.“ Diesen einfachen und glaubhaften Erzählungen gegenüber trat am 28. November 1848 das offizielle (aus Mangel an Theilnahme seither eingegangene) Organ des österr. Ultramontanismus, die „Wiener Kirchenzeitung“ auf, mit der Behauptung: „Robert Blum hat gut katholisch die heiligen Sacramente empfangen. So sagt der Priester, der zu ihm gerufen wurde.“ Natürlich ließ diese Ankündigung des offiziellen Blattes das offiziöse Leiborgan des deutschen Ultramontanismus, die gelben Blätter der Familie Görres, nicht lange ruhen. Im ersten Quartal 1849, S. 113–118, veröffentlichten die berufenen „histor.-polit. Blätter“ (die sich so nennen, weil sie niemals weder historischen noch politischen Sinn besaßen) ein „Sendschreiben an die Redaction“, welches angeblich von dem Geistlichen herrührte, „der Blum zum Tod vorbereitete“ und in welchem es heißt: „Der Katholik habe Ursache, die Gnade Gottes zu preisen,“ weil Blum „zuletzt auf die Knie vor Pater Raimund gefallen sei und um das Sacrament gebeten habe.“ Blum habe „mit geläutertem Gemüth die Absolution und die heilige Hostie empfangen, nachdem der Profoß das Zimmer verlassen und Blum seine Beichte abgelegt habe.“ Zu diesem erfreulichen Ergebnisse sei der brave Pater Raimund gelangt, nachdem er Blum „auf das Beispiel von — Sokrates (!) hingelenkt, mit Blum über Unsterblichkeit gestritten und von den Dingen gesprochen habe, die des Menschen Geist zu dem Höchsten erheben, die sein Gemüth aufs Tiefste bewegen.“ Diesem Bericht gegenüber haben wir uns vor Allem mit dem tiefen Mißtrauen zu waffnen, das bei jeder „Enthüllung“ und namentlich jeder Bekehrungsgeschichte aus ultramontaner Quelle am Platze ist. Dann mit dem Unglauben, welchen Blum’s ganzer Werdegang aufnöthigt gegen die Annahme, daß ein so freier Geist sich von den geistlosen Fesseln des kathol. Dogma’s in der Stunde des Todes habe bestricken lassen. Daß ein Protestant, der aus freiem Forscher- und Wahrheitsdrang den Formen seiner Kirche den Rücken gewendet, in seinen letzten Stunden andächtig wieder dem Worte Gottes lauscht, wie in seinen Kindertagen, das ist denkbar. Denn auch in der Glaubenslehre der Protestanten ist Freiheit und Geist die Fülle, und in der protestantischen Auffassung von Einkehr und Buße liegt der größte Triumph des freien Willens, den Menschengeschichte kennt. Aber daß ein Katholik, der von seinen Kindestagen an das hohle werkheilige Wesen der Formen, welche seine Kirche statt des Geistes bietet, in der Stunde seines Todes für genügend erachten solle, um sich mit Gott und der Welt zu versöhnen, das ist schlechthin undenkbar — mindestens bei Robert Blum. Das kann uns auch ein geweihter Priester nicht glauben machen. Sicherlich wahr ist und von allen zeitgenössischen Gewährsmännern berichtet, daß Blum sich wahrhaft fromm und gottergeben, weich und mild dem Pater Raimund gezeigt, daß er mit ihm davon gesprochen hat, wie schwer ihm das Scheiden von der Welt werde, heraus aus vollster Manneskraft, mit Hinterlassung einer Gattin, die Blum für schwindsüchtig hielt, und vier kleiner Kinder, von denen das älteste noch nicht acht, das jüngste noch nicht ein Jahr alt war, noch dazu in ärmlicher Vermögenslage! Auch über Unsterblichkeit mögen sie gesprochen haben; doch nicht streitend — denn Blum selbst glaubte daran — sondern ihre Beweisgründe ergänzend, vertiefend. Zu einem ernsten „Bekehrungsversuche“ aber wie er hier in Scene gesetzt gedacht wird, fehlte dem Pater vor Allem die Zeit. Denn den größten Theil der Zeit, die Blum zur Verfügung zu haben glaubte, verwendete er zur Niederschrift seiner letzten Briefe. Blum schrieb nach fünf Uhr früh: um 6 Uhr werde er „vollendet haben“ — man vergl. das Facsimile des letzten Briefes Blum’s an seine Gattin. Herr v. Helfert, der so gerne glauben machen möchte, daß Blum als Pfaffenknecht gestorben sei, bestreitet daher völlig grundlos, daß Blum die Worte „um sechs Uhr habe ich vollendet,“ geschrieben habe — um eine größere Spanne Zeit für das Bekehrungswerk des Paters zu gewinnen.

[354] Persönliche Mittheilung Carl Vogt’s an mich.

[355] Das geschah am Frühmorgen des 13. November. Die furchtbare Scene wird mir stets unvergeßlich sein. Ich begriff eher wie meine arme Mutter, was Cramer sagen wollte, als er auf ihren Vorschlag: sie wolle selbst nach Wien reisen, zögernd erwiederte: „ich fürchte — Sie kommen zu spät.“

[356] Herr v. Helfert scheint das (in der Note 198 Bd. 3) bestreiten zu wollen, spricht aber selbst bei Messenhausers Execution von Ketten wie von einer berechtigten österreichischen Eigenthümlichkeit. Die Scene wird von allen Zeitgenossen gleichlautend erzählt (Illustr. Ztg., Frey, Auerbach, Nordstein). Ebenso von dem S. [501] genannten Gewährsmann, der von hier an dem traurigen Zuge folgte und der Execution beiwohnte.

[357] Helfert verlegt diesen Vorgang auf die Zeit der Fahrt zur Brigittenau, die meisten der zeitgenössischen Berichterstatter (Illustr. Ztg. &c.) auf den Richtplatz. Jedenfalls zeigte Blum nicht „an seinem Rock die Spur der Kugel“, denn er trug am 9. November einen anderen Rock, als denjenigen mit der Kugelspur. Den letzteren erhielten wir von Wien zurück. —

[358] Es kann nicht wunder nehmen, daß Herr v. Helfert Blum’s Haltung auch während der letzten Stunden und Minuten seines Lebens als unmännlich und feig darzustellen versucht. Er hat ja für dieses löbliche Unternehmen einen Bundesgenossen gefunden, dessen unparteiische Gerechtigkeit für Blum nach den zahlreichen Proben, die wir früher gaben, unsern Lesern über jedem Zweifel erhaben sein wird, nämlich Herrn — Heinrich Laube! („Das deutsche Parlament“ 3. Bd. S. 158–161.) Herr Heinrich Laube nennt seinen Gewährsmann freilich nicht. Er will sich an denselben „bald nach der Katastrophe“ gewendet haben und hüllt ihn sorgfältig in ein geheimnißvolles Dunkel. Bald ist es ein „Mann“ „der in der Lage war, den Hergang wenigstens so genau erforschen zu können, als dies einem unbefangenen, mit Hoch und Niedrig bekannten Privatmanne überhaupt möglich ist“; bald wieder soll dessen Erzählung als „Zeugniß der damaligen Stimmung in den höheren Kreisen Wiens dienen.“ Seiner Gesinnung nach ist dieser unbefangene Herr ein Schwarzgelber von reinster Farbe. Er schimpft des Längeren über Blum und sagt dann: „ihn habe das ganz verdiente Schicksal auf gesetzlichem Wege ereilt.“ Dieser „unbefangene Privatmann“ berichtet aber auch nicht einmal aus eigenem Augenschein, sondern er hat nur — gerade wie Herr v. Könneritz — „an der besten Quelle Erkundigungen eingezogen.“ Diese „beste Quelle“ ist „der Offizier, welcher Blum begleitete“, also Anton Pokorny. Dieser Offizier „will“ nun — nach Laube — der mehrmaligen Frage Blum’s nach der Richtung des Wegs, den der Wagen nahm, zuerst den wunderlichen Sinn entnehmen: „Blum habe zuerst geglaubt, in einen andern Verwahrungsort oder an die Grenze gebracht zu werden. Das dreimalige Fragen will der Offizier als eine Fortsetzung jener Hoffnung gelten lassen (!) und bemerkt hierzu, daß die Haltung Blum’s bei jeder Antwort merklich ungewisser geworden.“ Was man von diesem Wahrheitsdestillat zu halten hat, das zuerst über den Hauptkolben des „unbefangenen Privatmannes“ und dann durch die reine Wahrheitsröhre der Laube’schen Feder geleitet worden ist, wird sogleich der Lieutenant Anton Pokorny selbst erzählen. Aber das beschämende Gefühl, daß es damals in Wien „unbefangene Privatleute“ gab, welche einen deutschen Schriftsteller fanden, der sich dazu hergab, einen im Opfertod gefallenen deutschen Helden noch im Tode als einen Feigling zu verleumden: dieses beschämende Gefühl verschafft uns Herr Heinrich Laube ganz selbständig, ohne daß wir des Zeugnisses des Lieutenants Pokorny bedürfen. Denn wenn Herr Laube seinen „unbefangenen Privatmann“ weiter sagen läßt: „der Offizier sprach gegen mich subjectiv die Meinung aus, daß er Blum in jenem Augenblicke“ vor der Hinrichtung „nicht hinlängliche Fassung zu einer Anrede zugetraut hätte“ — so ist dieses „subjective“ Gerede schon widerlegt durch die unumstößliche Thatsache, daß Blum verlangt hat, mit unverbundenem Auge sterben zu dürfen. Dazu gehörte gewiss mehr „hinlängliche Fassung“, als zu den kurzen letzten Worten, die Blum sprach. Und wenn Herr Laube — den wir selbst Angesichts der stenographischen Berichte und Tausender von Zeugen auf Unwahrheiten gegen Blum ertappten — natürlich nicht subjectiv, sondern wortgetreu seinem „unbefangenen Privatmann“ folgend, hinzusetzt: „Mit einem Worte: Blum ist nicht feige, er ist aber auch nicht als Held gestorben“, und Herr v. Helfert hieran vergnügt sein Ja und Amen giebt, so mag aus dem Briefe Fröbel’s an Fr. Selbach vom 22. December 1848 noch folgende Stelle wortgetreu hier stehen: „Was ich weiter von Ihrem Bruder hören konnte, war eine kurze Mittheilung, die mir ein Lieutenant Bockorny (Pokorny) machte, der zum Standgericht gehörte (s. o. S. [552]). Er hatte Ihren Bruder im Wagen nach der Brigittenau begleitet, und war im Besitz der Briefe an Frau Blum und an Vogt, sowie der für mich bestimmten Notizen, welche seitdem alle publicirt worden sind. Er erzählte mir, daß Ihr Bruder mit der Festigkeit eines ganzen Mannes gestorben sei, daß er augenblicklich nach Empfang der drei Kugeln vollendet habe, und daß Offiziere und Soldaten tief erschüttert gewesen seien. Das, verehrte Frau, ist Alles, was ich Ihnen im Raum eines Briefes mittheilen kann. Eines Trostes, den ich zu geben vermöchte, bedürfen Sie nicht. Ihr Bruder hat ein ruhmwürdiges Leben durch einen ruhmwürdigen Tod besiegelt. Sein Leben und sein Tod werden fortwirken und die Zwecke erreichen helfen, die sein Bewußtsein erfüllt und seine Kraft bewegt haben. Leben Sie wohl!“ Blum’s muthigen Tod, und daß er vor seinem Ende gesprochen, bezeugen Alle, die als Augenzeugen oder aus erster Quelle urtheilen konnten: auch mein S. [501] genannter Gewährsmann, dann L. Wittig, Auerbach, die Illustr. Ztg., Nordstein &c. ja Fürst Windischgrätz selbst (s. S. [553]). — Blum’s Leiche ist nicht, wie Helfert annimmt, in einem Massengrab des Währinger Kirchhofs bestattet worden. Ein treuer Freund, der hierzu im Stande war, sorgte für ein kenntliches Grab. Doch mahnt Herrn v. Helfert’s Buch daran, ein seit dreißig Jahren bewahrtes Geheimniß auch ferner zu wahren!

[359] Tageblatt vom 14. November, erste Seite.

[360] Tagebuch S. 543, 544.

Anmerkungen zur Transkription

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Zeichensetzung und Rechtschreibung wurden übernommen, auch dort, wo mehrere verschiedene Schreibweisen eines Wortes benutzt wurden. Nur offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt.

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