Dreiecke im Frack, Rußflecken auf der Nase u. dgl.

Es gibt eine Sorte von Unglücklichen, die mit erschreckender Regelmäßigkeit, gerade wenn sie vor eine mächtige Persönlichkeit hintreten sollen, ausgleiten und hinstürzen, und denen dabei quer übers Knie das Beinkleid zerreißt, oder die just, wenn sie einem allerliebsten Mädchen eine Rose überreichen, einen schwarzen Fleck auf der Nase haben. Ein noch weit größeres Unglück aber ist die beständige Furcht vor solchen Nasflecken und Kniefällen, und diese Furcht peinigt oft die besten und anmutigsten Seelen. Sie genieren sich nicht nur, sondern sie sind bange, daß sie sich genieren könnten, und sind ceremonieller als der Ceremonienmeister, um sich nur immer tiefer in Ungemach und Befangenheit zu verstricken. Große Seelen und liebreiche Herzen haben um deswillen Beruf und Glück verfehlt. Niemand glaube, daß solchen Armen mit einer Tanzmeistererziehung geholfen wäre! Die Ruhe des Zentrums fehlt ihnen, die die Brüder vom geruhigen Leben so heiter und glücklich macht. Der unterzeichnete Bruder Schreiber sah einst, wie ein baumlanger Mensch, der bei einem wahrhaft anmutigen Mädchen einen möglichst guten Eindruck zu erwecken redlich bemüht war, seiner ganzen Länge nach vor ihr in den Sand fiel. Das Verkehrteste bei solchem Falle ist es, sich stückweise aufzusammeln, die Kniee abzuputzen und Entschuldigungen zu stottern, wo es nichts zu entschuldigen gibt. Unser langer Freund lachte. Er wurde so von der Komik seiner Situation geschüttelt, daß er liegen bleiben mußte und nichts vermochte, als den Kopf zu erheben und zu der Angebeteten emporzulachen, und er lachte so innerlich, so hell und strahlend, so mit der vollen, hallenden Resonanz des Herzens, daß sie in gefährlichster Weise angesteckt wurde, und man deutlich bemerken konnte, wie er mit seinem Fall auf dem Wege zu ihrem Herzen einen Schritt von der ganzen Länge seiner Persönlichkeit vorwärts getan habe. Nehmt die Dinge und euch selbst nicht schwerer, als ihr seid, dann tragt ihr leicht, dann fallt ihr leicht. Seid versichert, arme, gehetzte Selbstpeiniger: wenn ihr im Vorzimmer eines Fürsten oder einer umworbenen Dame oder ähnlicher Souveräne euch ein Dreieck in den Frack reißt, oder eure Krawatte sich löst, oder der schädelsprengende Schnupfen des redlichen Albert Einhart euch überfällt, und der Fürst oder die Dame euch darum abfallen lassen, dann handelt es sich um Damen und Fürsten, mit denen ein Bruder vom geruhigen Leben überhaupt nicht verkehren sollte. Resigniert mit Lachen und seid gewiß, daß euch bessere Dinge aufgehoben sind.