Infame Halskragenknopflöcher.
Es gehört zu den selbstverständlichsten Erscheinungen, daß die Knopflöcher neuer, namentlich etwas enger Halskragen sich gegen die Aufnahme größerer Knöpfe wehren. Nach dem ersten vergeblichen Versuche pflegt der Mensch von heute »Na?!« zu rufen, nach dem zweiten »Nanu?!!«, nach dem dritten: »Na, da soll aber doch gleich –!«, nach dem vierten pflegt er sich bereits erschöpft auf das frischgemachte Bett fallen zu lassen; beim fünften bricht er sich einen Fingernagel ab; nach dem sechsten schleudert er den Kragen in die Ecke und mit dem Kragen ein wertvolles Glas vom Waschtisch hinunter, und wenn seine Frau mit dem heitersten und liebenswürdigsten Gesicht von der Welt hereinkommt und ihn lächelnd etwas fragt, so antwortet er in einem unliebenswürdigen Tone, der ihm und ihr den ganzen Abend und den folgenden Morgen verdirbt. Der arme Unwissende und Verblendete merkt nicht, daß die Schar der tückischen kleinen Knopf- und Kragendämonen sich bei jedem Fluche verdoppelt, und daß ihre Gewalt und ihr Gewieher schon nach dem dritten Versuch ins Ungeheure und Unbezwingliche gewachsen ist.
Der Mensch nehme einen rundlichen, kegelähnlichen Gegenstand, z. B. ein geschlossenes Scherchen, treibe ihn in das Knopfloch, und weite es ein wenig und mit Ruhe; er trete dann vor den Spiegel, und er wird sehen, daß der Knopf gefügig in sein Loch schlüpft, und daß der Mann im Spiegel ihn anschaut mit der heiteren Ruhe eines Gottes, zu dessen Füßen sich die Dämonen der Hölle krümmen. Einsatz bei diesem Spiel: eine Minute Zeit; Gewinn: ein frischgemachtes Bett, ein Fingernagel, ein venetianisches Glas, eine Viertelstunde Zeit, eine liebenswürdige Frau, ein fröhlicher Abend, ein dito Morgen, mehrere Bündel Nerven und ein gehöriges Quantum Herz- und andere Muskelkraft. Was sind dagegen die Chancen in Monte Carlo?!