Ditmar Koel nimmt den Seeräuber Kniphoff gefangen (1525).
Christian II., König von Dänemark, war ein Wüterich auf dem Throne. Das Verhängnis ereilte ihn durch seinen Oheim, Herzog Friedrich I. von Holstein, der ihn mit Hilfe der Hansen vom Throne verdrängte und zur Flucht in das Ausland zwang.
Der vertriebene König Christian II. eilte an den Hof der Königin Margarete von Holland, um von hier aus die Wiedereroberung seines Thrones zu betreiben. Weder Karl V., noch England, noch Brandenburg wollten ihm hierbei helfen. Und so blieb er auf sich allein angewiesen. Im Jahre 1525 ließ er in Flandern vier Fahrzeuge ausrüsten und setzte ihnen die Aufgabe, eine Stadt im Dänenlande zu erobern, damit diese dem vertriebenen Fürsten bei seinen weiteren Kriegsunternehmungen als Stützpunkt dienen könne, gleichzeitig sollten die Schiffe auch den verhaßten Hansen Schaden zufügen, so viel sie nur konnten. Für das Unternehmen fand der König in den Niederlanden tüchtige Mithilfe; öffentlich sprach man allerdings nur von einem ehrlichen Kriegszuge und nicht von der beabsichtigten Piraterei. Der Anführer der Schiffe war Klaus Kniphoff. Er stammte aus einem vornehmen Dänenhause; eine stattliche Gestalt und ein gewandter, starker Körper waren ihm zu eigen, seinen aufgeweckten hellen Geist trieb der große Ehrgeiz, den Hansestädten Schaden zuzufügen und Norwegen zu erobern.
Am 16. Februar 1525 erhielt Kniphoff einen förmlichen Kaperbrief, und außerdem ernannte ihn der König im September des Jahres zum Obersten zur See. Auf seinen Kriegszügen beachtete der Schiffsführer den Unterschied zwischen ehrlicher Fehde und der Seeräuberei nicht hinreichend, dazu vergaß er, den Hansestädten einen Fehdebrief zu schicken. Gerade das Fehlen des Briefes sollte ihm später noch zum großen Verhängnis werden.
Viel Volk strömte Kniphoff zu, als er die Werbetrommel rühren ließ. Allerlei seekundiges Schiffsvolk und viele Landsknechte, wohl über tausend Mann, kamen zu ihm, selbst Adelige fehlten in diesem bunten Kreise nicht. Simon Gans von Putlitz, Jürgen von Sydow, Benedikt von Ahlefeld, ein verkommener holsteinischer Ritter, der sein Vermögen verpraßt hatte, waren die Raubgenossen Kniphoffs. Sie alle erhofften eine reiche Kriegsbeute. Das größte unter den Schiffen Kniphoffs war ein stattlicher Viermaster, die ‚Galion‘, der sich drei kleinere Schiffe, der ‚Bartrum‘, der ‚fliegende Geist‘ und der ‚weiße Schwan‘, zugesellten.
In den Fastentagen des Jahres 1525 begann der Raubzug. Bei der Insel Vlieland gesellte sich ein übel berüchtigter Freibeuter Klaus Rode zu dem Geschwader. Nun konnte die Jagd auf die hansischen Schiffe beginnen. Besonders die Hamburger Kauffahrer hatten sie sich zum Ziel ihrer Räubereien gesetzt. Manches stattliche Schiff, reich beladen mit den Schätzen des Nordens oder des Südens, fiel in die Hände der Seeräuber, die in den niederländischen Seestädten ungehindert die geraubten Güter verkauften. Soviel die Hansestädte auch dagegen schrieben, sie erreichten anfangs nichts, später nur, daß den Piraten in Holland kein Schutzaufenthalt mehr gewährt wurde. Ein sicheres Feld seiner Tätigkeit fand der Seeräuberhauptmann Kniphoff mit seiner Schar in dem Fahrwasser zwischen Jütland und Norwegen und in der Nordsee. Der erzielte reiche Erfolg brachte Kniphoff auf den Gedanken, den Stützpunkt der Hansen im Norden, Bergen, die reichste Stadt Norwegens, anzugreifen.
Nachdem er an verschiedenen Stellen der norwegischen Küste gelandet war und dort Güter der hansischen Kaufleute geraubt, auch Hab und Gut den Bürgern und Bauern abgenommen hatte, sollte der kühne Plan, die Stadt Bergen zu erobern, durchgeführt werden. Die dort lagernden Schätze sollten mithelfen, seine Herrschaft über ganz Norwegen auszubreiten. Jedoch das Schicksal hatte es anders bestimmt; die Bürger Bergens, dazu die hansischen Kaufleute in ihren Niederlassungen, bereiteten den Seeräubern einen guten Empfang. Diese wirksame unvorhergesehene Begrüßung hatte den Erfolg, daß Kniphoff mit seinen Schiffen schleunigst dem Meere wieder zustrebte, da ihm hier eine sichere und reiche Beute wurde.
Inzwischen hatte der Hamburger Rat vier Schiffe ausgerüstet, denen er auftrug, einen Tanz mit den Seeräubern zu wagen. Es waren zweimastige Kauffahrteischiffe, die man durch Geschütze zu Kriegsschiffen ausstattete. Die Mastkörbe wurden so verstärkt, daß mehrere Schützen sich darin aufstellen konnten; am Hinterdeck standen Kanonen, die man durch kastellartige Aufbauten schützte. Als die Werbetrommel des Rates sich rührte, meldeten sich Söldner, Schiffsmannschaften und Geschützmeister in großer Zahl. Simon Parseval bekam die Führung der Flotte, ihm zur Seite standen als Schiffsführer Ditmar Koel, Klaus Hasse und Dirk von Minden, unter diesen standen die vier Hauptleute, die das Kriegsvolk anführten.
Ein trefflicher Wind kam den Schiffen bei der Ausfahrt in den Pfingsttagen des Jahres 1525 sehr zustatten. In rascher Fahrt erreichten sie Helgoland, wo sie vorläufig Aufenthalt nahmen, um sichere Kunde über den Aufenthalt der Seeräuber zu erhalten. Doch von diesen war nichts zu erspähen. Die Kreuzfahrt durch die Nordsee verlief ergebnislos, im Spätsommer des Jahres kehrten die Schiffe ohne irgend einen Erfolg heim. Bald nach der Rückkehr kam die Nachricht, daß Klaus Kniphoff in der Oster-Ems sich aufhielte, sofort beschloß der Rat eine neue Ausfahrt des Geschwaders.
Schwere Herbststürme drohten, doch mutig verfolgte die am 3. Oktober wieder ausfahrende Hamburger Flotte das Ziel, die Seeräuber zu fangen. Zwei kleinere Schiffe verstärkten die Zahl der Kriegsfahrzeuge. Die sichere Kunde, daß das Wattenmeer östlich vom Dollartbusen der Aufenthaltsort der Seeräuber sei, wurde bestätigt. Kniphoff hielt sich hier auf, um seine Mannschaft zu verstärken und seine Schiffsvorräte zu ergänzen. Seinem alten Plane, Bergen zu erobern, blieb er treu. Das Mißgeschick der Strandung der ‚Galion‘ war nicht von langer Dauer, da die Wogen der Nordsee das Schiff bald wieder flottmachten. Eilig und ungehindert konnten die Vorbereitungen zur großen Raubfahrt nach Norwegen fortgesetzt werden. In diese Eile griffen die Hamburger störend ein.
Großer Jubel herrschte auf den Schiffen des Admirals Parseval über die Auffindung der Seeräuberschiffe, dicht fuhren die Schiffe Hamburgs an die Piratenflotte heran, um ihr den Weg zu versperren. Unter freudigem Geschrei stieg die Hamburger Flagge am Maste empor, und der erste donnernde Gruß aus ehernem Munde bot den Seeräubern Willkommen.
Der Herbstabend kam und mit ihm die Nebel, die einer Fortsetzung des Kampfes hinderlich waren. Noch in den Abendstunden hielt Parseval mit seinen Schiffsführern und seinen Hauptleuten Kriegsrat, um mit ihnen den Verlauf des Angriffs zu besprechen.
Jeder der Schiffsführer begehrte die Ehre, die ‚Galion‘ anzugreifen und zu entern. Das Los entschied. Ditmar Koel war der Glückliche, dem diese Aufgabe zufiel. Dirk von Minden sollte den ‚Bartrum‘, Klaus Hasse den ‚fliegenden Geist‘ angreifen. Der Admiral und die beiden kleinen Bojer[18] wollten Ditmar Koel bei der Lösung seiner Aufgabe helfen. Auch in der Abendstunde waren die Freibeuter nicht müßig. Wohl führte Klaus Rode wilde Reden, in denen er die Hamburger Krämerseelen und Apfelschützen schalt. Großsprecherisch prahlte er, die Nußschalen der Hanseaten in den Grund zu bohren.
Ganz anders verhielt sich Kniphoff. Mit Vorsicht und Sachkenntnis waltete er seines Führeramtes. Seine hochbordigen Schiffe, die über die seiner Gegner hinwegragten, sollten die größeren Fahrzeuge der Hamburger unter Feuer nehmen und sich nicht um die kleinen Bojer bekümmern, und gerade diese Anordnung sollte sein Verderben werden.
Die letzte Nacht kam. Durch die Dunkelheit der Herbstnacht glänzten nur die Steuerlichter der feindlichen Schiffe, in fröhlicher Ausgelassenheit gedachten die Kriegs- und Söldnerscharen des kommenden Tages und des Sieges. Klaus Kniphoff wollte der Schlaf nicht kommen. Seiner inneren Unruhe glaubte er dadurch am besten zu begegnen, daß er noch in der Nacht durch einen zuverlässigen Schiffsschreiber seine Besatzung durch Werbung unter den Küstenbewohnern um sechzig Mann verstärkte. Die Geworbenen ahnten nicht, daß sie den glänzenden Versprechungen zuliebe ihr Leben verspielt und ihre Freiheit verwirkt hatten.
Ein schöner Herbstmorgen brach an. Als die Sonne aus dem Meeresnebel hervorstieg, trafen die Gegner die letzten Vorbereitungen. Ein guter Trunk sollte den Kampfesmut und die Stimmung unter den Mannschaften heben. Den Gebräuchen der Zeit folgend, ließen die Hauptleute der Hansen ihren Scharen Warmbier mit Schießpulver reichen, und wie ein alter Chronist meldet, seien die Hamburger Kriegsleute in Wut geraten. Noch einmal versammelten die Schiffshauptleute ihre Mannschaften um sich, um sie durch die Ansprachen anzufeuern, allezeit im Kampfe ihre Pflicht zu tun. Sie sagten: „Ihr Hamburger, gute Gesellen, heut nehmt euch zusammen und habt der Feinde acht. Wenn ihr euch von ihnen bezwingen lasset, so wisset ihr, daß es euch Leib und Leben kostet; das vergeßt nicht, und schaffet, daß ihr es euren starken Vorfahren gleichtut, die alle Freibeuter aus der See holten, gedenket des tapferen Simon von Utrecht und seiner Mannen, wie sie einst den Störtebeker bezwangen, und zeiget euch wert, ihre Nachkommen zu sein, auf daß die ehrenreiche Stadt Hamburg bei ihrem alten Ruhm und Preis bleibe! Daran gedenket ihr alle!“
Der Kampf begann. Die kleinen Bojer der Hamburger segelten dicht an die ‚Galion‘ Kniphoffs heran. Mächtig ragten die drohenden Geschütze über die kleinen Schiffe hinweg, und wacker hielten sich die beiden. Tüchtig spickten sie den feindlichen Schiffsleib mit verderbenbringenden Eisenkugeln. Bald blitzte es vom Bord des Hamburger Admiralschiffes auf, die Schlangen und Kartaunen begannen ein ernstes Wörtlein mitzusprechen. Um sich vor Verlusten tunlichst zu schützen, hatte Admiral Parseval die Mannschaft unter Deck gesandt. Diese Schutzmaßnahme sollte ihnen noch von Vorteil werden. Klaus Hasse eilte an den ‚fliegenden Geist‘, dem es zunächst im Nahkampf zu Leibe ging. Am Bord des Piratenschiffes, das von den Hamburgern geentert war, begann ein grausamer Nahkampf. Der Tod hielt reiche Beute, und die Hamburger bewiesen ihre Überlegenheit und ihren Mut. Die überbleibenden Schiffsleute trieben sie unter Deck, sperrten sie ein und gaben ihnen dort unten gern ein Freiquartier. Nicht ganz so glücklich war Dirk von Minden; sein Schiff geriet in eine Untiefe, so blieb dem Schiffsführer nichts weiter übrig, als seine Boote zu bemannen und seinen kämpfenden Kameraden zu Hilfe zu eilen.
Während der Zeit hatten die kleinen Bojer dem Kampf mit der ‚Galion‘ — dem Hauptschiff der Seeräuber — standgehalten und dem feindlichen Schiffskörper manche Wunde beigebracht. Endlich hielt Ditmar Koel den letzten Kampf für aussichtsreich. Sichern Auges erspähte er die Gunst des Angriffs, mit Umsicht und Ruhe erteilte er seine Befehle. Die Schützen mußten die Büchsen laden, die Kartaunen erhielten ihre verderbenbringenden Geschosse, und dann ging’s zum Angriff über.
In rascher Fahrt durchschnitt Ditmar Koels Schiff die Wogen, um das feindliche Schiff zu entern. Die aufschäumenden Bugwellen bereiteten den Freibeutern viele Freude, denn der Untergang des Hamburger schien ihnen sicher. Kaum war Ditmar Koel mit seinem Schiff heran, so ertönte eine Breitseite, deren Wirkung Entsetzen unter den Piraten verbreitete. Ein dichtes Knäuel Toter und Verwundeter lag auf dem Verdeck des Schiffes. Und noch ehe die Seeräuber Zeit fanden, die Eisengrüße der Hamburger zu erwidern, enterten diese unter Ditmar Koels Anführung auf die feindlichen Schiffe.
An Bord der ‚Galion‘ erhob sich ein furchtbares Getümmel. Der entscheidende Nahkampf begann, und auch dabei bewies Ditmar Koel seine Umsicht. Sowie seine Leute an Bord des Seeräuberschiffes standen, eilte ein Teil unters Verdeck, um die Mannschaften an den Geschützen unschädlich zu machen. Mit verhaltenem Grimme tobte der Kampf hin und her. Kampfgeschrei und Schlachtrufe ertönten. Blitzende Enterbeile verrichteten ihr schauriges Werk. Mutig kämpften die Seeräuber; todesmutig stellten sie sich den Hamburgern entgegen, angefeuert durch den Gedanken: lieber den Tod als eine schmachvolle Gefangenschaft. Aber trotz des Mutes der Verzweiflung blieb der Sieg den Hamburgern.
Ihre Schwerter, ihre sausenden Äxte, die schwirrenden Bolzen ihrer Armbrüste, die Feuergarben ihrer Büchsen und Kartaunen verrichteten ein blutig Werk. Über die Gefallenen hinweg wogte der Kampf. Die Schmerzensschreie der Verwundeten wurden übertönt durch das Kampfgetöse. Aber was half den Seeräubern alle Verzweiflung? Es war ein vergebliches Ringen. Zu fest hatte sich der Kreis der Enterer gefügt; sie konnten nicht bezwungen werden. Weiter raste der Kampf und forderte immer neue Opfer. Allüberall, in Ecken und Winkeln, in den Mastkörben und im Tauwerk suchten die Hamburger Bootsleute nach ihren Feinden; und mancher von diesen konnte an seinem Leibe die Kraft und die Schärfe ihres Kampfwerkzeuges spüren. Klaus Rode, der Schwätzer, fiel der Streitaxt der Hamburger zum Opfer. Klaus Kniphoff begab sich in ihre Gefangenschaft.
Endlich gebot die allgemeine Erschöpfung dem Kampfe Einhalt, die ‚Galion‘ verblieb den Hamburgern, und weithin schallte das jubelnde Viktoria der Sieger. Auch die andern waren nicht müßig geblieben. Das Piratenschiff ‚Bartrum‘ saß in einer Untiefe fest, und so viel sich die Besatzung abmühte, das Fahrzeug wurde trotz der Erleichterung nicht wieder flott. Der Hamburger Schiffsführer Dirk von Minden beobachtete seine sichere Beute, und als auch ihm der Augenblick günstig schien, eilten seine Leute in den Booten an das Piratenschiff heran. So viel auch dessen Besatzung Steine und Kugeln vom Bord des Schiffes herabschleuderte, es sollte ihnen nicht gelingen, sich der Angreifer zu erwehren. Hamburgs Bootsmannschaften eroberten die ‚Bartrum‘ und bald darauf auch das letzte Schiff, den ‚weißen Schwan‘, und damit war die Piratenflotte zerstört, die Feinde der Hanse waren in den Händen ihrer Gegner.
Der Herbsttag ging zur Rüste. Von sieben bis vier Uhr währte der Kampf; die Opfer des erbitterten Streites wurden ins Meer gesenkt, sie trieben dahin — Seemannslos. Die Reinigung der Schiffe ging schnell vonstatten, dergleichen die Bestattung der Toten.
Am nächsten Morgen trat Admiral Parseval mit seinen Schiffen die Heimfahrt an. Es war ein stattlicher Zug, als der siegreiche Anführer mit vier erbeuteten Schiffen in die Elbe einfuhr. Der Dank der freien Stadt Hamburg blieb nicht aus.
Im Auftrag des Rats begrüßten zwei Ratsmänner, Dietrich Lange und Otto Bremer, samt dem Stadtpfeifer die heimkehrenden Sieger. Ein Faß feinen Weines brachten sie als Willkommengruß der Heimatstadt den Heimkehrenden entgegen. Bei Blankenese fand die Begrüßung statt. Auf dem Schiff des Admirals Parseval trafen sich die Schiffsführer und die Hauptleute, und in ihrem Kreise begann ein festliches Gelage; der Becher kreiste, auch Kniphoff, Hans von Putlitz und Sydow nahmen daran teil und schmausten mit. Als die Flotte in Hamburg einlief, hatte Hamburgs Bürgerschaft es sich nicht nehmen lassen, in den Waffen ihrer Zeit zu erscheinen; geschmückt mit Harnisch und Eisenhaube, bewaffnet mit Spießen und Schwertern und Hellebarden, so wurden die Tapferen begrüßt. Als der Gefangene Kniphoff und seine Gesellen ausgeschifft wurden, läuteten von den Kirchtürmen die Glocken, die Geschütze auf den Wällen ertönten, und unter dem Jubel der ganzen Stadt setzte sich der Zug in Bewegung. Die Stadtmusik, Trommler, Pfeifer und Pauker, marschierte voran, ihr folgten die Ratsmänner; dazwischen sah man den siegreichen Admiral und seinen Schiffshauptmann Ditmar Koel; dann folgten die andern Sieger nebst den Landsknechten; dann das Seeräuberkleeblatt Klaus Kniphoff, Hans Putlitz und Jürgen von Sydow. Ihre Freiheit war dahin, in Ketten aneinandergeschlossen marschierten sie vorbei. Den Beschluß bildeten die übrigen Gefangenen und eine Abteilung Hamburger Landsknechte. Am Rathause wurden die Sieger durch den Bürgermeister und die Ratsleute begrüßt. Noch einmal sagte man ihnen namens der Stadt Dank. Die Gefangenen brachte man nach dem Wilseder Turm am Tor; auf den höchsten Boden kam Klaus Kniphoff, denn er war das Haupt der Freibeuter; ein Stockwerk tiefer nahmen die beiden Edelleute und unten die gewöhnlichen Gefangenen Aufenthalt. Dem Gebrauche der Zeit gemäß wurden die erbeuteten Fahnen im Dome an einem Pfeiler in der Nähe der Kanzel als Andenken an den Sieg aufgehängt, im Zeughaus erhielten die eroberten Geschütze ihren Platz. Die Beute ward unter die Kriegs- und Bootsleute zu gleichen Teilen verteilt.
Schon bald, am 25. Oktober 1525, trat das Gericht zusammen unter dem Vorsitze der Richterherren Jörgen Plate und Albert Westede. Kniphoffs Schuldkonto war recht groß; die Wegnahme von 172 hansischen Schiffen, Piraterei und Blutvergießen warf ihm die gegen ihn gerichtete Anklage vor. Seine Verteidigung führte er selbst in geschickter Art, jedoch seine Klugheit half ihm nichts. Was er für sich und seine Leute verlangte, anständige Kriegsgefangenschaft bis zur Auslösung, wurde ihm versagt. Er wurde des Seeraubes für schuldig erklärt und erhielt damit die Strafe der Seeräuber, die Enthauptung, mit ihm noch sechzehn seiner Genossen. Der Rat der Stadt Hamburg bestätigte das Urteil, und trotzdem der Stiefvater Kniphoffs, der Bürgermeister von Malmö, ein namhaftes Lösegeld bot, mußte Kniphoff mit sechzehn seiner Genossen den Todesweg antreten.
„Am Montag den 30. Oktober wurde Kniphoff,“ so erzählt’s Otto Beneke in seinen Hamburger Sagen, „hinausgeführt, er ganz allein, denn dies hatte er sich als eine Gnade erbeten, damit es ihm nicht das Herz breche, wenn er die Verwünschungen seiner Genossen vernehmen müsse. Es war frühmorgens, da der Fron ihn abholte. Kniphoff war bereit, er streckte ihm die Hände entgegen. Unverzagt und frisch schritt er zwischen den Bütteln und Kriegsknechten durch die Straßen, und in seinem Angesicht sah man kein Zeichen von Todesfurcht und Bangen. Und wer ihn dahingehen sah, den jammerte es, und manch mitleidig Herz, absonderlich bei den Frauen, konnte sich der Tränen nicht erwehren über das schreckliche Ende des jungen, schönen Hauptmanns. Auf St. Katharinenkirchhof stand schon Pater Stephan, der erteilte ihm hier vor allem Volk, das betend niederfiel, die Absolution und reichte ihm das Sakrament der Versöhnung. Und als Kniphoff sich vom Knien erhub und weiterschritt, sprach er allen vernehmbar: ‚Herr Jesu Christe, der du dein Blut auch für mich vergossen, erbarme dich meiner und sei mir gnädig!‘
„Dann ging’s zum Brooktor hinaus, und am Strande der Elbe, auf der Stelle, wo hundertunddreiundzwanzig Jahre früher Klaus Störtebeker und seine Gesellen denselben Tod erlitten, kniete Kniphoff nieder und empfing mit gefalteten Händen den Schwertstreich, der sein Haupt vom Rumpfe und seine Seele von der Erde schied.
„Eine Stunde später wurden sechzehn seiner Gefährten in derselben Weise hingerichtet. Und am 10. November empfingen noch sechsundvierzig ihr Urteil, das lautete auch auf den Hals; da wurden sie wild und zornig und schalten überlaut auf den Rat und die Bürgerschaft; es half ihnen aber nichts, denn am Montag nach Martini wurden sie enthauptet. Am 24. November wurden sechsundzwanzig, und am 4. Dezember noch zwanzig Gefangene vom Gericht freigesprochen, die hatten bewiesen, daß Kniphoff sie zum Dienste gezwungen. Am 13. Dezember aber wurden wieder acht Freibeuter, darunter der Edelmann Simon Gans, und im Januar 1526 noch ihrer vier zum Tode verurteilt und bald darauf hingerichtet.
„Endlich wurden noch zur ebengenannten Zeit die letzten drei von Kniphoffs Gesellen freigesprochen, also daß, ihn selbst eingeschlossen, im ganzen fünfundsiebzig enthauptet, die übrigen aber frei erkannt und losgelassen worden sind. Mit selbigem Richtschwerte aber, welches Kniphoff und seine Gesellen vom Leben zum Tode gebracht hat, ist kein Mensch mehr hingerichtet worden. Es ist ins Zeughaus gebracht und wurde dort bei den erbeuteten Seeräuberwaffen und Kanonen aufbewahrt.“