Erster Auftritt.

Pedrarias. Pinto.

Pedrarias (im Lesen.)

Von Balboa erhieltet ihr die Schrift?

Pinto.

Ja, gnäd’ger Herr!

Pedrarias.

Ihr lügt!

Pinto.

Ich spreche Wahrheit.

Pedrarias.

Und abgeschrieben habt ihr sie?

Pinto.

Ja, Herr!

Wir waren lange schon zur Abfahrt fertig,

Und harrten noch auf guten Wind vergebens.

Da hat er sie verfaßt. Da schrieb ich sie

Wohl hundertmal. — Denn jeder soll sie haben,

Wenn dann die neue Herrschaft einst beginnt,

Dort in den Ländern, die durch seinen Arm

Er sich erobern will.

Pedrarias.

Nicht sich, der Krone.

Pinto.

Vor seiner Herrschaft möget ihr uns schützen.

Pedrarias.

Doch rühmt das Volk an ihm die Milde laut.

Pinto.

Wozu die Milde, die nur Bettler macht?

Darum verließ ich nicht das Vaterland,

Bot nicht darum den Stürmen dieses Haupt;

Daß ich an Wunden reich, sonst arm wie vor,

Die leere Wohnung meiner Gattin grüße.

Reich oder todt! so lautet hier mein Wahlspruch.

Pedrarias.

Er ziemt auch Leuten eurer Abkunft wohl.

Was soll euch Ruhm? Euch kann er doch nicht heben.

Pinto.

Ich habe lang mit mir gekämpft, gerungen;

Denn wirklich dauert mich der gute Herr.

Doch morgen, heißt es, reiset er schon ab.

Da gilt kein Zögern. Besser doch, er leidet,

Als daß mein Lebensplan vernichtet wird.

So geb’ ich ihn dann rasch in eure Hand. —

Welch Glück, daß Balboa sich mir vertraute!

Pedrarias.

Der sich’re Thor!

Pinto.

Nun haltet ihr ihn fest.

Aus diesen Zeilen drehet ihr ihm Bande,

Die seine Löwenkraft doch nicht zerreißt.

Pedrarias.

Ergreift euch nicht ein Grauen vor dem Löwen?

Pinto.

Ich fürchte nichts, da euer Schild mich schützt.

Pedrarias.

Ihr träumt! Verräthern schenk’ ich keinen Schutz.

Pinto.

Wie, gnäd’ger Herr?

Pedrarias.

Er hob euch aus dem Staube,

Und dacht’ euch höher noch emporzuheben.

Euch schwindelt vor dem Flug’. Ihr stürzt hinab.

Bleibt liegen! — Nein, den albernen Versuch,

Den dieser Schwärmer kühn mit euch gewagt,

Ich wiederhohl’ ihn nicht — Deß seyd versichert.

Pinto.

So wollt ihr mich belohnen?

Pedrarias.

Raset ihr?

Ich euch belohnen?

Pinto.

Solch ein großer Dienst!

Pedrarias.

Sprecht nun vom Eifer für den Staat,

Von eurer Pflicht. Die Sprache kenn’ ich schon.

Pinto.

Dem Staate nicht, euch, Herr, hab’ ich gedient!

Pedrarias.

Was wagt ihr da zu sagen?

Pinto.

Wahrheit! Wahrheit!

Ich sah den Grimm in euern Augen blitzen;

Ihr hasset ihn, wie ich.

Pedrarias.

Ich wüßte nicht,

Daß einen Pinto mein Vertrau’n beehrte.

Dem Pedrarias schaut kein Mensch in’s Herz;

Denn in dem Busen hält er’s fest verwahrt.

Für die Vermessenheit, mit Späherblick

Mein inn’res Wesen listig zu belauern;

Mir nach der Ahnung einer niedern Seele,

Gedanken, Wünsche, Plane anzudichten;

Sollst du Verwegener mir heulend büßen.

Pinto.

Ich Unglückseliger — Höret!

Pedrarias (ruft.)

Wache! Wache!

(Wache erscheint.)

Man legt ihm Ketten an, bewacht ihn wohl. —

Ruft mir Jeronimo.

Pinto (im Abgehen.)

Ha, dies mein Lohn!