Zweiter Auftritt.

Maria tritt eilig auf. Medina folgt ihr nach.

Maria.

Laß mich, Medina!

Medina.

Donna, kehrt zurück.

Maria.

(bleibt an dem Tische stehen.)

Hier hält sich das Gericht. Entsetzlich! Schaut!

Das Tuch ist blutig, wie der Richter Sinn.

Schaut her!

Medina.

Ach, fliehet diesen Schreckensort.

Maria.

Ich seh’ sie überall. Ihr nicht, Medina?

Hohläugig, finster, schwarz! —

(sieht auf zum Throne.)

Dort auf der Höhe!

O großer Gott! Ha, stille! Weh! mir däucht,

Ich höre meinen Vater. Ist er’s nicht?

Medina.

Ihr tödtet euch. O kommt.

Maria.

Und wenn ich denke,

Daß einst auch sie gerichtet werden. Schrecklich!

Wenn dann sein Blut — — Mein Vater! Gute Seele!

Für meinen Vater bete! — Sieh, mich würgt

Die Angst! O bete du! Ich müßte schreien!

Medina.

Bezwinget euch! Wenn Balboa euch hörte;

Nicht seine Richter, ihr nur würdet ihm

Sein fühlend Herz mit euerm Weh durchschneiden.

Maria.

Es brauste lang in diesem armen Herzen,

Nun strömt es über.

Medina.

Folget mir, Maria.

Maria.

O führet mich hinauf. Die Pfeiler dort

Verhüllen uns.

Medina.

Unseliger Gedanke!

Maria.

Kein Ton, kein Laut soll meinem Mund’ entschlüpfen. —

Versteinen will ich! Kennt mich erst, Medina!

Hier lernt’ ich viel! Das Beispiel weckt die Helden.

Ich bin nicht schwächer als die Wilden sind.

Ach, unter Geisselhieben, Höllenqualen,

Sie schweigen noch, wenn ihre Seel’ entflieht!

Medina.

Nicht euch, nicht ihm kann euer Hierseyn frommen.

Maria.

Er bat, es sey ein offenes Gericht!

Und ich, sein Weib, ich sollte fehlen? — Nein!

Medina.

Ihr unterliegt —

Maria.

Der Angst zu Hause. — Schont!

Soll ich nicht Zeuge seines Sieges seyn? —

»Unschuldig ist er bei dem großen Gott,

Dem König treu, ein hochverdienter Mann!«

Ihm ruft mein Herz Triumph, und eures auch.

Medina.

Doch, wenn des Richters Ausspruch ihn verdammte?

Maria.

Zieh mich zur Tiefe grausam nicht hinab! —

O falsch und trügend ist das Wort der Welt,

Und ihm zu horchen hab’ ich längst verlernt.

Gehoben werden wir uns mächtig fühlen,

Wenn er begeistert Flammenworte spricht.

Sie werden seinen hohen Sinn nicht fassen. —

Doch neigt der Himmel liebend sich hernieder,

Und Engel reichen kühlend ihm die Palme! —

Die letzte schöne Lebensstunde naht;

Die dann noch folgen, rauschen furchtbar nach.

O gönne mir die letzte gute Stunde!

Wenn du mich liebst, so kannst du’s nicht versagen.

Medina.

Gott stärk’ euch, daß ihr diesen Anblick tragt!

Seht hin! Die Hallen füllen sich. Man naht!

Maria.

Die Hand! ich sinke! Muth! Mein Geist ist muthig!

(ab mit Medina.)