Wie die Enkelin der Ratsmädel zum Blaustrumpf wurde.

Das ist so zugegangen. Sie dachte weder an Gott und die Menschen, fühlte weder Unruh' noch Erregung, weder Hoffnung noch Verzagen, aber hatte eine Art Zuversicht und wußte wohl weshalb. Ein günstiges Schicksal umgab sie wie ein Zauber, und sie sah den Dingen, die da kommen sollten, mit einem köstlichen Herzensfrieden entgegen.

An nichts glaubte sie so fest wie an diesen Zauber, dessen Kern fürs erste auch nicht verraten wird, denn, wer weiß, vielleicht steht sie noch unter dessen Schutz – und Schweigen ist eben bei jedem Zauber die Hauptsache.

Mit welcher Harmlosigkeit, so erzählt die Enkelin selbst, ließ ich es zu, als junges Ding, daß meine ersten Arbeiten gedruckt wurden; hatte mich nicht darum bemüht, nichts deshalb versucht, ein Zufall brachte es zuwege, ein Zufall machte mich zum Blaustrumpf. Von der schwerwiegenden, wenig schmeichelhaften Bedeutung dieses Wortes ahnte ich nichts – nicht das Geringste.

Ich und Blaustrumpf! Zum Lachen!

Ich fühlte mich so froh – so unbedacht!

Was ich that, das war gethan – das stand mit dem, was andre thaten, in keiner Verbindung. Ich empfand mich als Wesen für sich und verglich mich ein für allemal nicht mit andern.

Ich las über meine in die Welt geschickten Träume viel Gutes – und wunderte mich.

Unzufriedenes natürlich auch, – selbstverständlich.

Das Gute freute mich; man hört sich gern loben, das stärkt die Persönlichkeit.

Die Unzufriedenen hab' ich daraufhin betrachtet, ob sie mir in irgend etwas helfen könnten, ob sie belehren könnten; als ich aber sah, welcher Wirrwarr daraus entstehen würde, wenn ich auf alle hören wollte, da kein Urteil mit dem andern übereinstimmt, so ließ ich Gutes und Böses bald friedlich liegen und dachte: Auf wen soll man hören? Auf was soll man hören? Der eine hebt, was der andre sagt, gewöhnlich wieder auf mit dem Gegenteil, und der Dritte wieder, was der Zweite sagt. Und was ist nun das Rechte? Wer ist nun der Vortreffliche, von dem man sich überzeugen lassen soll?

In einem Hefte der »Kunst für Alle« sind reizvolle Wandgemälde eines eigenartigen Künstlers aufgenommen und entsprechend gewürdigt.

Auf dem einen dieser Bilder ist in Gestalt eines dunkelhaarigen Mädchens die Wissenschaft dargestellt, die auf einem Sessel zwischen ihren Emblemen sitzt und einer allerliebsten Gesellschaft einen Vortrag hält.

Hinter ihr steht gravitätisch auf langen Beinen ein Marabustorch, das Symbol der Weisheit.

Was aber haben seine langen Beine und der spitze Schnabel dem Marabu genutzt? Gar nichts.

Denn der Besprecher der Gemälde hat sich in die Seele des Künstlers vertieft und hat gefunden, daß der Künstler mit einem vortrefflichen, sachgemäßen Humor eine Löffelgans hinter diese weibliche Wissenschaft gesetzt hat.

Was konnte er Besseres tun?

Wie stimmt das alles!

Wie ist Idealität und Realität hier glücklich verbunden! Wissenschaft personifiziert als weibliche Figur! Lehrend! Was wird sie lehren? Die Löffelgans hinter ihr gibt die Würdigung dessen, was sie lehrt.

Der Kritiker ist entzückt und phantasiert sich weiter in die Intentionen des Künstlers hinein.

Er empfindet in der Tiefe seines eigenen Gemütes, wie der Künstler sich feinsinnig nicht mit einer einfachen Gans begnügt hat, die ja vollkommen genügt hätte, den Wert eines Frauenzimmers auszudrücken. Durch des Kritikers Hirn bewegen sich allerlei übereinstimmende Dinge. Er nimmt an, der Künstler habe etwas von Küche, Löffel, »Löffelgans«, Weib, Blaustrumpf, Wissenschaft sagen wollen. – Solches beweist, daß dem Marabu seine langen Beine und sein spitzer Schnabel nichts nutzen, wenn der Kritiker seine Augen und sein Verständnis schon auf die Löffelgans gespitzt hat.

Der Künstler ist in diesem Fall nicht schuld an der Täuschung, sein Marabu ist ein echter, guter Marabu, gegen den sich nichts sagen läßt, und der nichts zu wünschen übrig läßt.

Bekanntlich ist ein Marabu schlank und langbeinig, und eine Löffelgans dickgedrungen und kurzbeinig.

Das thut aber nichts, es bleibt dabei: der langbeinige Marabu ist eine kurzbeinige Löffelgans.

»Marabu,« sagt der Künstler.

»Löffelgans,« schreit der Herr Kritiker und behält natürlich in den Augen aller Einsichtigen recht.

»Also die Löffelgans,« so argumentiert der Kritiker weiter, »ist leider verzeichnet, die Beine sind zu lang geraten, der Schnabel zu spitz, so daß sie eine gewisse Aehnlichkeit mit einer Storchabart bekommen hat.«

»Aber lieber Herr, es ist ja keine Löffelgans!«

»Mein Bester,« erwidert jener, »das ist allerdings eine.«

Und so bleibt es und bliebe ein ewiger Kanon, wenn der Klügere nicht nachgäbe.

Und es geschehen noch ganz andere Dinge.

Davon soll ein Künstler sich das Leben schwer machen lassen? soll nach dem würdigen Schelten oder Loben seinem Marabu, den die Kritik zur Gans umzaubert, künftighin kürzere Beine machen, soll betroffen und zerknirscht sein und sich bessern?

Gottlob, daß man nicht so oft zerknirscht, so oft reuevoll, so oft überzeugt ist, wie weise Ratgeber, getreue Freunde, kluge Kritiker es wohl wünschen möchten!

Nun, da ich einige Worte über die weisen bösen Kritiker und Krittler verraten habe, sieht es aus, als wäre mir sehr übel mitgespielt worden; denn an nichts glaubt man so gern und so fest als an das Schlimme, das einer von sich selbst spricht. Im ganzen ist es mir aber unverdientermaßen gut ergangen. Das Beste, was ein Sterblicher von sich sagen kann, denn mit dem »Verdientermaßen« sieht es gewöhnlich windig aus; aber unverdient gut ergangen ist ein grenzenloser Spielraum für alles Wünschenswerte.

Welche Freundlichkeit hab' ich erfahren! Wie hat Verständnis oft wohlgethan! Welche liebenswürdigen Menschen hab' ich kennen gelernt!

Jetzt, da ich über meine eigene Person und das Leben dieser Person etwas sehr unnötigerweise berichten will, ist es mir, als säße ich in einem bequemen Wagen und führe leicht und behaglich dieselbe Strecke, die ich einst mühsam und beschwerlich zurücklegte.

Aus diesem bequemen Wagen grüße ich sie alle, die mir mit warmem Herzen wohlgethan, die es der Mühe wert hielten zu sagen: Sei unsres Mitgefühls sicher, wir halten zu dir! Wir haben dich verstanden.

Ich begegne auch Leuten, die mir ganz besonders nahe bekannt sind, mit deren Schicksal ich mich mehr, als es gut ist, beschäftigte.

Man soll aber vor der eignen Thür kehren und andre Leute ungeschoren lassen.

Aber die Menschen sind ein thörichtes Geschlecht! Als ob die Welt nicht Mühsal, Schrecken, Tod, Verzweiflung und Unsinn, Krankheit, Thorheit, Lug und Trug, Lachen, Weinen, Spott, Härte, Freud und Leid, Liebe und Haß, solch alles im Uebermaß brächte! Nein, die Menschen finden es nicht genug!

Da sind welche, die, wie vom bösen Geist getrieben, glauben, es sei unumgänglich notwendig, es sei ein Verdienst, wenn sie sich zu den unzähligen Geschöpfen, die leibhaftig auf Erden sinnverwirrend durcheinander wimmeln, noch welche hinzuträumen, hinzuklügeln.

Das, was Haut und Knochen hat, tagtäglich in Massen zu Grunde geht, stirbt, neu entsteht im ewigen Wechsel, das genügt ihnen nicht; sie schaffen mit Mühe, Begeisterung, Qual und Glück, mit ihrem Herzblut Hirngespinste und sind entzückt, wenn diese den Gestalten gleichen, die sie zu sehen gewohnt sind, und freuen sich ihrer eigenen Käuze, die sie selbst geschaffen, ganz unbändig; sie erscheinen ihnen als außerordentlich wichtige Personen.

Wer diese ihre Käuze lobt, den halten sie für einen vernünftigen, weitherzigen Menschen.

Sie schaffen ihren Käuzen Schicksale, Ereignisse, lassen sie leiden, beglücken sie, und wehe dem, der findet, daß sie dies nicht gerecht, sachgemäß und vernünftig betreiben oder gar vergessen haben, über ihre Käuze ein vollgerüttelt Maß zeitgemäßer Moral auszuschütten.

Wie ernst und eifrig wird dies Spiel betrieben – tödlich ernst – das ganze Glück der wunderlichen Schöpfer hängt an dieser großen Thorheit.

Geraten die Käuze nicht, finden sie kein Gefallen, so ist der Urheber dieser Käuze ein gelieferter Mann, verachtet, gebrochen, – und wenn es noch so ein gesunder, guter, braver Bursche wäre, mit tüchtigen Zähnen und Armen.

Es ist eine Art Verrücktheit, »holder Wahnsinn« – aber was auf Erden ist nicht Wahn? Was auf der Welt thun wir, wobei uns nicht die Sinne umnebelt und verwirrt sind von Vorurteilen, Gewohnheiten, Ueberkommenem?

Sehen wir in irgend einem Ding klar?

Können wir den eigentlichen Wert irgend eines Dinges beurteilen? Gewiß nicht. Also frisch darauf los im Nebel! Uns braucht es nicht zu kümmern. Wer einmal zu den Lebenden gehört, dem ist der Tod gewiß, und was zwischen Geburt und Tod liegt, das macht sich wie von selbst.

Alles, was geschehen ist, geschieht oder geschehen wird, mag es offenkundige Thorheit, oder scheinbare Weisheit sein, füllt das Leben der Generationen aus, führt sie ihren Weg bis zum Vergehen, und keine Thorheit ist Thorheit genug, daß sie nicht ein Menschenleben würdig beschäftigen könnte, eins oder das Leben von Millionen.

Gut ist es, wenn man während des tollen Reigens, der durch das Leben führt, zu dem Mode, Sitte, Vorurteil und Verwirrung den Takt geben, einen ruhigen, praktischen Gedanken in Hirn und Herz halten kann, den nämlich: »Es ist gut, einander zu helfen, es ist das einzige, was Wert hat.«

Herzen und Werke, in denen dieser Gedanke zu spüren ist, mögen gelten.

Mir gefällt es auch, wenn einer seinen Käuzen, mit denen er nun einmal, halsstarrig, wie er ist, die Welt bereichern möchte, wenn er diesen Käuzen Sack und Pack voll Menschenliebe steckt.

Mir gefällt es, wenn einer im heiligen Glauben, Gutes zu thun, seine Käuze ausschickt wie ein Meister seine Jünger. Ich bin jetzt scheinbar weit abgekommen.

Aus meinem behaglichen Wagen also schaue ich nach allen Seiten und sehe überall Leute, die mir sehr bekannt sind, was niemand nach dem eben Gesagten Wunder nehmen wird, denn diese Leute sind meine geliebten Käuze – meine selbstgeschaffenen Gestalten, würde ein ästhetisch Gebildeter sagen.

Da kommt ein armer Judenjunge und reicht mir die Patsche, ein gutes Kerlchen; er hat nicht die übliche krumme Nase, oder vielleicht hat er so eine. Er ist auch ein armes Bürschchen. Sein Herz kann das Böse auf der Welt nicht ertragen, er wird davon zu mächtig gepackt. Salin Kaliske habe ich ihn genannt.

Selbst ein sehr überzeugter Antisemit kann ihn ruhig seines Weges gehen lassen, denn er ist ein kleiner Christusjudenmensch – solch ein Kind, wie unser Erlöser eines war.

Weshalb hab' ich ihn wohl nicht mit einer besonders krummen Nase ausgestattet und mit der naturgeschichtlichen Geldgier? Weshalb bin ich sparsam verfahren mit der Zuteilung der allbekannten Attribute?

Vielleicht hat dies mir Spaß gemacht; vielleicht hab' ich die Ansicht, daß wir in dem lobenswerten Streben nach Wahrheit uns allzusehr mit dem gröbsten Aeußerlichen begnügen, und mehr als je das Beste und Wertvollste achtlos beiseite lassen.

Ich begegne weiter rechtem Gesindel, Leuten, die besorglich wenig Anlage zu Würde und Vortrefflichkeit haben. Ein kräftiger, lebensvoller, geprüfter Mensch geht dort, ein düsterer, grober Geselle, der in der Todesstunde sich mächtig verliebt und sterbend den guten Freund um die Braut bringt, der so kraftvoll und lebendig in den Tod einzieht, wie andere auf Lebenshöhen nicht gehen.

Da läuft ein schönes Pärchen, ein leichtsinniges Mädel und ein liebestrunkener Gesell, ein rechter Lump, der nicht begreifen kann, daß seine unbeglückte Leidenschaft verklingen muß, der über seine unglückliche Liebe tobt.

Kraft auf Kraft beginnt sich in ihm zu regen. Er möchte etwas leisten und schaffen, seiner unerwiderten Liebe ein Denkmal setzen; doch ist er unbegabt.

Er hat das mächtige Empfinden des Künstlers und nichts mehr. Aber er schafft etwas in heiliger Einfalt aus sich selbst, aus seiner eigenen Schönheit.

In dunkler Nacht im ernsten Klostergarten, im Mondschein am hohen Kreuz hängt die göttliche Gestalt des Erlösers, lebenatmend, geisterhaft. Davor in angstvollem Schauer das hübsche leichtsinnige Geschöpf, das zitternd und erbebend vor dem Eindruck gewaltiger Leidenschaften die dunklen verwachsenen Gartenwege zurückhuscht.

Dann begegne ich Leuten, verschiedenen Leuten, denen hab' ich auf die Stirn geschrieben: Der Liebe ist Gerechtigkeit Sünde. Mit diesem für diese Welt sehr thörichten Abzeichen müssen sie umherlaufen.

Dort wandern zwei lustige, schöne Mädchen, die Ratsmädel, die voller munteren Streiche stecken, die ihr Wesen in Weimar treiben, zu Goethes Zeit, und hinter ihnen her ziehen allerlei Personen aus Weimars goldenen Tagen, die Rabenmutter, die alte Kummerfelden, die Leute aus der Gassenmühle, Budang, der prächtige Bursch, das ehrbußliche Weiblein, der blonde mächtige Förster mit seinen armen Töchtern, die eine, die Anne, weiß, was es heißt, die Sünde der Welt auf sich nehmen, mit eigenem Leid fremdes heilen, diese stille, große Anne! Und ihr braver Bräutigam! Welche Menschengröße! Welche Menschenbeschränktheit! Das sind nicht die Adelsmenschen des Genusses, die Raffinierten, aber es sind die ganz Starken, die ganz Zuverlässigen.

Da kommt eine grenzenlos gemütliche Gesellschaft, schwachsinnig vor Behagen. Das sind die verspielten Leute!

Vor denen nehmt euch in acht, schrecklich sind sie in ihrer Gemütlichkeit, treten alles nieder, was hoch steht, flachen und wetzen ab, was ihnen nicht paßt, ersticken alles mit ihrer wattenen Herzensgüte – das sind die rechten, schlimmer wie Raubtiere; wohlversorgt leben sie, essen gut, trinken gut, sind gesund und wohlgestellt – Ehrenmänner – Ehrenfrauen – aber aufgepaßt!

Hütet euch vor ihnen!

Da kommen noch manche Echte aus dem alten Weimar. Der alte Apotheker mit seiner gemütlichen Apotheke, der unheimliche Apothekergehilfe, der jeden Todesfall voraus weiß. Sperbers, die Gutsbesitzer in ihrer köstlichen Hülle und Fülle. Die zwölf Pastorskinder, die vom Nachtwächter schlafen gelegt werden, und bei denen allstündlich der Nachtwächter nachschaut, ob sie auch nächtliche Ruhe halten.

Wie gut haben es all diese Weimaraner, diese Alten, in ihren köstlichen Gärten! O, welches Behagen! Ich denke an den alten Doktor Tiburtsius in den Kußwirkungen, der sich hinter dem Rücken seiner vortrefflichen runden, kleinen Gattin einen Garten kauft, um ihr und ihren fidelen Gästen zu entwischen, und welche Abende er in diesem duftenden, Grün strotzenden Garten verbringt – und wie er dann später entdeckt wird! Und daß ich es nicht vergesse, Goethe und Karl August sind auch dabei unter diesen alten Echten, und Mamselle Muskulus im Veilchenhut auch, und der alte verrückte französische Colonel, der mit Madame Kummerfelden im verschneiten Entenfang, der Nähschule der Kummerfelden, ganz im geheimen Romeo und Julia aufführt.

Die Hemdenmätze der alten Kummerfelden kommen auch anmarschiert, und Franz Horny und Schillers Sohn, die Kameraden der wilden Ratsmädel, die der alten Jüdin alle weimarischen Esel über den Hals gejagt haben – und das dritte zarte, süße Ratsmädel, das Münchner Nönnchen, das katholische Kind, das in die Ratsmädelfamilie hineingeschneit kommt, das entsagende Geschöpfchen, das mitten im freudigsten Leben neidlos steht – und zu guter Letzt der Jenenser Bäckerlehrling, der seine schauervolle Johannisnacht mit seinem süßen Bräutchen, dem würdigen katholischen Geistlichen, den glotzenden Hausleuten und dem Tod oben unter dem Dachraum des uralten Hauses zu Ende feiert.

Leute aus einer Geschichte, die »Der Rangierbahnhof« heißt, seh' ich dort – und ich rufe: O, du meine arme kleine Olly! Du weißt es, wie bitter schwer das Weib zu tragen hat, wenn es mit ganzer Seele die Kunst liebt – und jung ist und leben möchte – und aus einem Zärtlichkeitstraum, aus so einem weichen, weichen Traum in der Ehe erwacht.

Aus welchem Sumpf stammst du! Wie ging es bei dir daheim sonderbar zu! Mit welchem Lärm und Getöse rangierten die hyperästhetischen Naturen, die aus der Kunst doch eine gute Milchkuh machen wollten! Aus welchem Lügen- und Schwatznest stammst du! Und wie bist du rein und feurig geblieben! Wie rührend komisch bist du in deinem Haushalt!

Wie tragisch ist alles! Ach, und dein Sterben!

Welch eine Last liegt auf solch einer Weibesseele. Pflicht und Schaffenswonne. Wie wütet das in solchem armen Herzen!

Wie ist es euch schwer gemacht, ihr armen Weiberseelen, am Besten hier auf Erden teilzunehmen!

Und noch so eine arme Seele ganz andrer Art begegnet mir – Dorothea in »Reines Herzens schuldig«. Sie ist so ganz in Liebe erwacht, in heißer Liebe – und muß in einem Leben verschmachten, das ihr nichts bietet, kein Glück, auch nichts, was an Stelle des Glücks treten könnte.

Als ich diese Gestalt schuf, war ich sehr jung und hoffte, dies Buch würde von guten Menschen gelesen, die sich mit dem Gedanken trügen, wie man den Vernachlässigten, Unglückseligen auf Erden, von deren Dasein die arme Dorothea Zeugnis gibt, helfen könnte.

Und daß es solche gute Menschen gibt, hab' ich zu meiner größten Freude erfahren – und ich sehe nicht ein, weshalb ich nicht ein wenig prahlen soll, weshalb ich nicht ein paar von jenen Briefen und Zeilen hier wiedergeben soll, die mir von bekannten, unbekannten, unberühmten und sehr berühmten Händen geschrieben wurden und wie Freudenboten ins Haus kamen, damit die Leute, die diesen kleinen Lebensabriß lesen, doch auch eine Ahnung bekommen, was für ein glückliches Menschenkind ich bin.

»Berlin … Reichstag.

Männer lesen selten Romane, Männer meines Berufes gar nicht. Ihr ›Reines Herzens schuldig‹ las ich zweimal hintereinander. Die Feder eines Dichters in Herzblut getaucht. Sie sprechen einmal: ›Wenn du den Dichter findest, dem es gelungen ist, das tiefste Leiden versöhnend darzustellen, den halte fest wie einen Freund.‹

Möge Ihnen – in Leben und Kunst – das hohe Ziel zu teil werden: die erhabene Heiterkeit eines Sophokles und eines Mozart!«

Ein andrer Brief:

»Ihre drei neuen Bücher schmücken meinen Weihnachtstisch. Ich habe sie mir selbst beschert, doch als eigenste Gabe von Ihnen. Jedes Wort eines Dichters, das mir seine Seele offenbart, nehme ich dankerfüllt als sein ganz unmittelbares Geschenk entgegen. Nicht viele geben so viel wie Sie. Eines Abends, wenige Tage vor dem Fest, las ich Ihren ›Herzenswahn‹. Ihr übermächtiges Empfinden riß mich fort, Ihr Mut, diese Gefühle auszusprechen, begeisterte mich. Zugleich dachte ich mit Bangen an das Schicksal dieser Bücher; mir war's, als sähe ich sie schutzlos in der Welt umherirren; ich wünschte innigst, daß sie zarte Finger und warme Herzen anträfen. Ich fürchte, auch Ihre Dorothea wird nicht oft verstanden werden; die freie Menschlichkeit hat so wenig Raum in dieser verschnörkelten Welt.«

Und noch ein dritter Brief von einem Arzt.

»An die Schriftstellerin Helene Böhlau.

Ich habe den ›Rangierbahnhof‹ gelesen und war zugegen, wie Köppert das Seelchen fand, ich durfte der dritte im Bunde sein; auf mich ist von dem Glücke übergegangen, das zwischen den beiden erstehen durfte. – Das will ich nicht vergessen und Ihnen lange dankbar sein, weil Sie mich zu den zwei Menschen führten, bei denen ich rein und gut sein konnte.«

So, nun habe ich glücklich meine Prahlerei zu Ende gebracht und könnte noch ein ganzes Weilchen fortfahren, doch möchte ich nicht, daß jemand meine Skizzen unmutig aus der Hand legte, und ich will mir meine Freunde erhalten.

Meine Geschichte der Dorothea gehört übrigens nicht zu den trübseligen. Ich habe sie ausgespickt mit allerlei lustigem, freundlichem und thörichtem Volk. Da ist ein Herr von Bublitz, ein fetter Schlingel, der dem Wohlthätigkeitssport obliegt, da ist ein prächtiger lustiger Onkel, schöne Mädchen die Hülle und Fülle, eine gräfliche Hochzeitsgesellschaft, die des Guten zu viel gethan hat.

Das mag noch alles gehen; aber da laufen welche aus Stambul, wunderliches Volk in wunderlicher, göttlich schöner Umgebung, alles wächst und blüht und duftet und leuchtet, und die Menschen wachsen und blühen mit und werden freudig und gesund. Es sind gar liebe Leute, die »im frischen Wasser«.

Ich begegne noch manchem Gesellen; dort, fern von den andern, dem guten Reichlin aus dem »Herzenswahn« mit seiner kleinen überspannten Käthe.

Ein altes Pärchen, »die alten Leutchen«, geht zufrieden miteinander. Die kleine zierliche Frau hat mit ihrem würdigen Herrn ein Lebtag im dunklen Lädchen gesteckt und kommt im Alter zu einem Landhaus und köstlichen Garten, so daß das schwärmerische Persönchen in einer Glücksfülle steckt, die sich ganz wunderlich ausnimmt. Ein widerwärtiger, langbeiniger Ladenjunge schleicht hinter der kleinen Alten her, trägt ein Buch in der Hand, in dem eine Wurstschale als Buchzeichen steckt. Der lange Bengel ist dem Weibchen sehr fatal.

Zu guter Letzt Leute aus einem Roman, »Das Mutterrecht«, Leute, die mir wahrhaft ans Herz gewachsen sind. Laßt es euch sagen, vom alten Kutscher Jermak, wie er über seine Herrin denkt, über ihr Kindchen, wie er von den verlassenen Mädchen spricht, von Gott und der Welt, den Popen, den schwarzen Völkern, und alles zu seinem jungen Herrn im Schlitten, wie er von dem Schandfleck der Familie, der Schwester Jekatherina, spricht.

Dort geht sie, auf den schwarzen Ebenholzstock gestützt, diese herbe, vornehme Frau, diese ganz souveräne, eine Frau, in der der Geist mächtig wurde, eine Herrin des Lebens. – Und Christine, du Reine, auf dich kam die größte Schmach des Weibes, unter der noch keine in der gebildeten Welt frei dahergehen konnte. Diese schwere Schmach hat noch jede zu Boden gedrückt und zur Lügnerin gemacht. – Dich nicht!

Frei hältst du dein Kindchen im Arm.

Wie eine dunkle Wolke liegt die Verachtung der Menschen über dir; aber in deiner Seele ist es nach schwerem Kampf sonnig klar geworden. Auch du bist Herrin geworden, dein Kind ein Königskind – das Kind des freien, ungebeugten Weibes.

Wie geht es dem Rothsplätz, bei dem du Schutz gefunden hast? dem Manne aus dem Volk, dessen Gesicht immer zur Erde gekehrt ist, und doch so heiter blickt wie der liebe Abendhimmel. Er hat dir gezeigt, dir, dem armen gehetzten Geschöpf, wie weit das Volk, das arme Volk den Reichen, den Hochgebildeten voraus ist. – Nicht wahr, er hat dich und dein Kind vor ihnen geschützt wie mit Mauern, in seinem Haus warst du frei und unbescholten?

Diese Armen hatten, was Reichen fehlt. Sie waren menschlicher. – Bei ihnen hatte das Weib schon gesiegt.

Diese Leute möchte ich nun in Wahrheit guten Menschen anempfehlen. Redet mit ihnen! Ich bitte euch, sucht sie zu verstehen. Sie sagen auch viel mehr, als es auf den ersten Blick scheinen möchte – viel mehr. –

All diese Gestalten, von denen ich euch hier sprach, sind der Ausdruck eines so überaus reichen, lebendigen Lebens, der Ausdruck einer Seele, die durch Schweres ging, die Schweres kannte und fühlte, die aber im tiefsten Grunde glückselig und dankbar ist, denn ihr wurde das höchste Glück zu teil, den Menschen zu finden, der sie ganz verstand, der in seiner großen Geistesreife und seinem Können und tiefem Wissen und seiner Güte hilfreich zu ihr stand, der aus einer wunderbaren Fülle sie belehrte, dem sie alles dankt – auch alles Glück auf Erden, Freund, Lehrer, Gemahl zugleich – und jede Stunde segnet sie, die sie beisammen sind.

Wie ist es mir aber in den Sinn gekommen bei so glücklichem Leben, mich mit solchem Volk zu befassen?

Ich begreife es heut noch nicht.

Die Arbeit allein, die Mühe, die Not, die Sorgen, ehe solch ein Kauz sich präsentieren kann, hätte mich abschrecken sollen, – denn ich war so faul, so wundervoll faul!

Noch denke ich mit einiger Sehnsucht daran zurück, denn sie war charaktervoll diese Faulheit – sie war etwas! – Da gab es nichts auf Erden, was mich hätte zu irgend einem Fleiß anspornen können.

Als ich mit dem ersten Verslein im Fibelbuch geplagt werden sollte, sagte ich einsichtsvoll: »Dazu bin ich noch viel zu klein,« und blieb bei dieser Meinung und lernte keine Verslein wie andre brave Kinder.

Ich kam in eins jener fürchterlichen Institute, in denen Kindern während ein paar Vormittagsstunden das Spielen gelehrt wird, auf Kommando in Reih und Glied; ich sollte alles genießen, was die Zeit einem jungen Menschlein bietet. Aber diese ernste Spielmaschine erschien mir abschreckend; ich empfand eine Scheu vor den schon abgerichteten Kindern, die es verstanden, sehr unnötige Lieder zu singen, die es verstanden, im Takte in die Hände zu klopfen und mit den Füßen zu strampfen, die wegen ganz unsinniger Dinge gelobt und getadelt wurden. Das alles geschah in einem dämmerigen, staubigen Raum, es war mir, als würden da schreckliche Dinge getrieben.

Ich schrie und jammerte, die Güte der Spiellehrerinnen, die mich beruhigen wollten, machte mir einen verdächtigen Eindruck. Sie drückten mir eine Puppe in die Arme, eine fremde, mir sehr widerliche Puppe in einem Ballkleid mit einer schwarzen Porzellanfrisur, eine Puppe, wie ich sie mir nicht dummer vorstellen konnte.

Ich legte dieses Geschöpf sehr verächtlich auf die Erde und sagte, daß man nur Kinder tragen könne, keine großen Leute, die Puppe wäre eine alte Frau.

Da lachten die Lehrerinnen und verlangten, ich solle in einen Kreis treten, den die Spielschüler bildeten, und solle so thun, als grübe ich im Sande und pflanzte eine Blume, dann solle ich mich anstellen, als nähme ich einen Rechen, damit der Sand wieder geglättet werden könnte. Die Kinder würden, während sie ein Liedchen sängen, dies alles ausführen, ich hätte es nur nachzumachen.

Ich stand im Kreis, war aber zornig und außer mir, die Kinder erschienen mir immer unheimlicher, das ganze Thun immer sinnloser, die Stube immer düsterer; da sah ich eine Thür offen, lief schreiend hinaus, die Treppe hinab, hinter mir her die Lehrerin; ich war aber flinker.

Mit aller Liebe, allen Bitten, allen Versprechungen brachte niemand es dahin, mich zu einem zweiten Besuch dieses unheimlichen Instituts zu bewegen.

Es fand sich wohl auch, daß es ohne dieses ginge, ich war ein zufriedenes Kind, kannte keine Langeweile, steckte mit meinen zwei Schwestern den ganzen Tag in unserm hübschen Garten, hatte meine wundervolle dunkle Ecke unter einem Holundergebüsch, in die verkroch ich mich, und stundenlang harrte ich dort. Ich erinnere mich, daß es mir da unbeschreiblich wohl war. Ich bildete mir auf meine eigene Faust ein, irgend ein Tier zu sein, ein Vogel oder ein Hase, ein Löwe oder irgend etwas, und in dieser Vorstellung verging mir die Zeit aufs angenehmste.

Ich kam in die Schule, und man sagte mir vorher, daß es unmöglich sein würde, aus der Schule auszureißen. Das war mir schrecklich zu hören.

»Das mag etwas Schönes sein!« dachte ich mir. Der Kindergarten lebte mir in düsterster Erinnerung. Und ich kam in die Schule. Der Lehrer verkündete mir, daß ich ihn »Sie« zu nennen hätte.

Ich hatte noch niemand »Sie« genannt. Ich grübelte nach, weshalb ich dies thun sollte, und vergaß es darüber; ich konnte mich auch in die Schule nicht hineinfinden.

Das Lernen fiel mir schwer, es interessierte mich auch nicht im geringsten. Die Naturgeschichte, oder wie sie in den untersten Klassen benannt wurde, der »Anschauungsunterricht«, machte mir Spaß, da war ich dabei.

Das war aber auch das einzigste, das allereinzigste.

Die biblische Geschichte gefiel mir zwar. Ich liebte es, wenn der Lehrer erzählte; wenn dieselbe Geschichte aber ihren Weg durch die Klasse nahm, überkam mich eine jämmerliche Langeweile, ich hätte weinen mögen. Da kam ich auf einen glücklichen Gedanken: ich stellte mir vor, in unserm Garten in meiner grünen dunklen Ecke zu sitzen, statt auf der Schulbank, stellte mir weiter vor, ein Hase zu sein, der im Grünen in seinem Neste hockt, die Ohren anlegt und in die blaue Luft blinzelt; wenn nun das Erzählen an den Hasen kam, wußte er natürlich nichts, wie es auch einem guten Hasen zukommt, und das erwies sich als sehr übel für seinen Ruf. Es geschahen auch wunderliche Dinge, der arme Hase sollte sagen, aus was der Mensch besteht – und blieb die Antwort schuldig. Da hoben sich die Fingerchen so frech und keck um ihn her in die Höh', ein ganzes Feld, und nickten und schnickten, und die Bravste sagte im schulgemäßen Ton: »Aus Leib und Seele.«

»Aus Leib und Seele,« mußte ich wiederholen und setzte hinzu: »aber die Wassernixen haben keine Seelen,« da lachten alle, und der Lehrer verwies mir solch dummes Zeug.

»Was in Märchenbüchern steht,« sagt er, »ist immer unwahr.«

Ich aber steckte voller Fragen und hätte gern mit dem Lehrer eine längere Unterhaltung angeknüpft. Ich wollte wissen, was die Seele ist, wollte erfahren, woher man weiß, daß man eine hat, wollte wissen, weshalb die Märchengeschichten unwahr und die biblischen wahr sind.

»Was ist denn mit der Seele?« frug ich meine Nachbarin.

»Na, was denn?« frug diese von oben herab. »Wer freilich so dumm ist, wie du, hat keine.«

Das war mir sehr lieb zu hören. Ich wußte zwar nicht weshalb; aber es war mir angenehmer, zu denken, daß ich keine Seele habe. Es schien mir einfacher und besser, und gerade weil die andern alle eine hatten, gefiel es mir, keine zu haben.

Nach diesem Gespräch beruhigte ich mich und verwandelte mich wieder in den Hasen.

Bei solchem Phantasiespiel aber, das zum Zweck hatte, mich über die Beschwerlichkeiten der Schule hinwegzutäuschen, erging es mir oft übel.

Ich weiß, einmal packte mich der Rechenlehrer ganz desperat an den Schultern, um mich in die Ecke zu stellen. Ich aber, wild, bös und wütend, fahre mit beiden Händen in das Tintenfaß, das in die Bank eingelassen war, halte mich daran und schreie jämmerlich: »Rühr mich nicht an, rühr mich nicht an!«

Das war dem Rechenlehrer sehr einleuchtend. Er mochte nicht Lust haben, nähere Bekanntschaft mit meinen beiden schwarzen Tintenhänden zu machen – und ließ mich unangefochten sitzen. Die Mädchen aber flüsterten untereinander: »Die ist klug, die ist doch schlau.«

Das hörte ich und empfand, daß dies erste Lob aus dem Munde der Kameradinnen mir sehr wohl that.

»Führt sie hinaus und wascht ihr die Hände, damit sie nichts einschmiert,« rief der Rechenmeister, und ich fühlte, daß man mit Hochachtung mir behilflich war, die Spuren meines siegreichen Kampfes unschädlich zu machen.

Das aber blieb der einzige Lichtblick in meiner kurzen Schullaufbahn.

Die Lehrer straften mich beinahe nie, waren freundlich mit mir; in der Erinnerung ist es mir, als hätten sie eine sanftere Art mit mir zu sprechen angenommen, als mit den andern Mädchen; aber es war nicht das Rechte. Ich war und blieb bedrückt. Ich hatte keinen Erfolg aufzuweisen. Meine Hefte gab man mir gewöhnlich stumm, kopfschüttelnd zurück.

Wenn ich eins aufschlug, so klopfte mir das Herz; es sah so unbeschreiblich kraus aus, und die rote Tinte herrschte in erschreckender Weise vor.

Einmal begab es sich, daß die ganze Klasse nachsitzen mußte, und der Lehrer sagte zu mir: »Hör' einmal, ich kann dir's nicht erlassen, du mußt mit dableiben.« Ich beschwor ihn, ich bat ihn, ich küßte seine Hand.

Er sagte aber: »Sei verständig, ich kann nicht anders.« Und so blieb es.

Jede Hoffnung im Leben schien mir zu Ende, ich fühlte mich zerbrochen, fühlte mich nicht fähig, diese Schmach zu tragen, so tausendfach ich sie verdient hatte. Als ich nach Haus kam, stand meine Mutter an der Treppe und reichte mir einen Teller mit Himbeeren entgegen. Sie hatte mich kommen sehen.

Ich konnte nicht gestehen, es war mir unmöglich – ich zitterte; ich hatte noch nie gelogen, noch nie etwas verschwiegen; – aber es ging nicht, ich brachte mein Unglück nicht über die Lippen. Die Güte meiner Mutter rührte mich unbeschreiblich – und ich nahm die Himbeeren, mit denen sie mich so freundlich überraschte, und da ich sie genommen und verzehrt hatte, konnte ich nun erst recht nicht beichten. Ja, hätte ich den Mut vor den Beeren gehabt, aber jetzt, nachdem ich das Gute genossen – das erschien mir abscheulich, trotzdem alles in Angst und Verwirrung geschehen war, ohne daß ich recht wußte wie.

Ich beschloß also, so unmöglich es mir vorkam, die schlimmen Angelegenheiten für immer zu verschweigen.

Das wurde mir bitterschwer, ich litt Tag und Nacht darunter. Ich grämte mich – aber ich konnte nicht reden – ich wurde kränklich – krank und bekam nach einiger Zeit ein Nervenfieber.

Bevor die Krankheit bei mir ausbrach, hatte ich einen Eindruck, der sie beschleunigte und vielleicht herbeiführte. Ich sah einen kleinen Holzschnitt; durch Zufall kam er in meine Hände. Auf diesem Holzschnitt war der Tod als Gerippe abgebildet, wie er durch ein Krankenzimmer schritt. Niemand bemerkte ihn, nur ein kleiner Wachtelhund bellte ihn an.

Dies Bild entsetzte mich so, daß mir die Sinne schwanden; ich fiel bewußtlos zusammen.

Es war niemand zugegen, als mir dies geschah – und niemand, als ich wieder zu mir kam; ich konnte mich vor Grauen, Furcht und Schwäche nicht erheben. Das schreckliche Bild war wie eingebrannt in meine Seele.

Ich fürchtete mich, konnte mich nicht regen und bewegen. Die ganze Welt erschien mir unheimlich und entsetzlich.

Wenn es so etwas Fürchterliches gab, wie konnte man da leben? Wie konnten die Leute noch lachen?

Ich hatte vom Tod gehört und mir wenig dabei gedacht. – Nun aber hatte ich ihn gesehen.

Mein ganzes Gemüt war in Trauer und Verzweiflung verwandelt.

Und wieder mußte ich schweigen – ich konnte nicht reden, fürchtete mich, etwas so Entsetzliches auszusprechen. Mir war, als müßte dann die abscheuliche Gestalt sogleich ins Zimmer treten.

So hatte mein armes Herz viel zu tragen.

Mein Schuldbewußtsein drückte mich noch immer nieder, und das Geheimnis, daß ich nun wußte, wer und was der Tod ist, vernichtete mich fast.

Von meinem Kranksein ist mir keine Erinnerung geblieben, nur weiß ich, daß, als ich wieder aufgestanden war und nicht mehr gehen konnte, ich mich darüber verwunderte und erfuhr, ich wäre sehr krank gewesen.

In die Schule bin ich nie wieder gegangen und ich bekam bei einem guten, freundlichen Manne Unterricht mit noch einem Mädchen. Unser Lehrer hieß Herr Bräunlich.

Ich hatte sein Gesicht gern und seine Stimme. Er war ein behaglicher Mensch, verstand es sogar, uns die Rechenexempel in Form kleiner, netter Geschichten vorzuführen; aber immer noch schlief mein Lerneifer und war auf keine Weise zu erwecken; auch fehlte mir jeder Ehrgeiz.

Nach und nach nahmen mehrere Mädchen an unsern Stunden teil, vortreffliche Schülerinnen, klug und weise. Ich blieb mit aller Gemütsruhe hinter ihnen zurück. Weshalb sollte ich es ihnen gleichthun? Ich sah den Zweck nicht ein.

Herr Bräunlich war mit mir sehr freundlich und nachsichtig. Die Mädchen wußten gar nicht, wie sie ihren Eifer am glänzendsten beweisen sollten. Wir hatten frei, uns die Gedichte, die deklamiert wurden, selbst zu wählen. Da überboten sich die Vortrefflichen in ellenlangen Balladen. Kein Gedicht war ihnen weitläufig genug. Schiller hatte wie für sie geschaffen – die Glocke, die Kraniche. Es konnte nichts lang genug sein.

Und ich liebte, es kurz zu machen, und wählte noch dazu traurige Lieder.

Die Mädchen sagten, dies geschähe aus Faulheit. Sie hatten nicht unrecht; aber es war noch etwas dabei. Ich liebte diese kurzen, traurigen Lieder. Seit ich das Bild vom Tode kannte und die schreckliche Gestalt so verzweiflungsvoll empfunden hatte, erschien mir das Leben nicht mehr harmlos und heiter. Ich liebte es nicht mehr, allein zu sein, ich fürchtete mich, wenn die Sonne unterging – die Träume brachten mir schlimme Erscheinungen – und das Bild des Todes stand unverwischbar in meiner Seele; das geschriebene oder gedruckte Wort »Tod« konnte mich zum Erzittern bringen.

»Armer, kleiner Narr,« sagte Herr Bräunlich, als ich wieder einmal ein recht trübseliges kurzes Gedicht glücklich gefunden und leidlich gelernt hatte.

Ich führte ein freies Leben – täglich nur eine Unterrichtsstunde und diese wurde zur Sommerszeit im Garten gehalten. Herr Bräunlich verschmähte es nicht, als wir zur Heuzeit ihm einen großen Haufen Heu aufgestapelt hatten, auf diesem Platz zu nehmen und so seinen Unterricht zu erteilen.

Vor und nach jeder Stunde führten wir grauenhafte Zigeuner- und Rittergeschichten aus, hatten dazu in einem Kasten das tollste Zeug zusammengetragen, Schnurrbärte, Säbel, Decken, Mützen mit wallenden Hahnenfedern; wir besaßen prächtige Dinge. Wie in den Unterrichtsstunden, spielte ich auch bei den Spielen eine sehr untergeordnete Rolle. Gewöhnlich vergaßen meine Kameradinnen mich, und es hieß schließlich: sie kann die Kammerjungfer der Prinzessin sein, oder der Hund, oder das Bauernmädchen. Ich war es zufrieden und strebte nicht nach Höherem. Ich wußte auch, ich taugte zu nichts.

Die Aelteste und Vortrefflichste korrigierte meine Arbeiten, bevor der Lehrer sie in die Hand bekam, so war ich ihr dankbar und machte keine weiteren Ansprüche.

Unsre Spiele vergnügten mich außerordentlich, aber im Eifer drängte sich die Kammerjungfer oder der Hund vor, und that sich wichtig.

Im übrigen waren mir die Mädchen zu erhaben, zu vortrefflich, als daß ich mich ihnen hätte anschließen können. Sie kamen mir mehr oder weniger selbst wie Schulmeister vor, und ich wurde nie ein Angstgefühl vor ihnen los.

Die Gassenbuben und Gassenmädel vor unserm Hause machten mir einen vertrauenerweckenderen Eindruck und waren auch samt und sonders meine Freunde, mit denen ich mich bis zum Dunkelwerden vergnügte, winters und sommers. Schlittenfahren, Schneeballen, Lauscheck, schwarzer Mann, Verstecken, Schreien, Laufen, in Angst und Eile vor den Verfolgern um die Häuser huschen, das war etwas! Und wenn mich ein Mädel mit zu ihrer Mutter nahm und ich im niedern Stübchen mit den guten Leuten zu Abend essen durfte, wie behagte mir das, wie war das heimlich, so klein und warm!

Die glückliche Zeit, in der Herr Bräunlich uns nachsichtig lehrte, war zu Ende. Es sollte jetzt ein Vornehmer, ein Würdiger kommen, einer, der uns in die höheren Wissenschaften einzuführen hatte.

Wer aber hätte mir wohl den guten Herrn Bräunlich ersetzen können, der in mein Censurenbuch jedesmal zu Weihnachten schrieb: Helene war gut; aber gar nicht fleißig, hat auch wenig aufgemerkt, aber da sie brav ist und im Betragen eine 1 erhielt, und zwar die 1 mit dem Stern, denke ich, der heilige Christ soll ihr so viel bescheren wie den Schwestern und ihr die schlechten Fortschritte nicht nachtragen.

Mit solchem freundlichen Begleitschreiben versah Herr Bräunlich meine schlechten Censuren zu Weihnachten Jahr für Jahr, wenn ich sie meinem guten Vater vorzeigen mußte.

Aber auch Herr Bräunlich fühlte einmal das Bedürfnis, mich exemplarisch zu strafen.

Wir hatten den Unterricht zum Teil im Hause Friedrich Prellers, und zwar wie immer gegen Abend; es war zur Winterszeit, also schon völlig dunkel.

Ich liebte diese Stunden zur Abendzeit, sie hatten etwas Anheimelndes – und ich glückseliges Geschöpf besaß eine kleine Laterne und eine große Anzahl Wachslichter.

Und mit dieser Laterne machte ich mich überaus gern auf den Weg. Ich zündete sie schon in der allerersten Dämmerung an, und es war mir wenig störend, wenn die Leute mir nachblickten und die Gassenjungen lachten. Ich fühlte mich glücklich, mein eigenes Licht zu haben, und außerdem war mir's ein behagliches Gefühl, daß keine Dunkelheit mich überraschen konnte.

Meine liebe Mutter hatte diese Laterne und die Kerzen, die sie immer erneuerte, mir geschenkt.

Sie wußte, daß ihre Tochter ein großer Furchthase war. Ich hatte es ihr vertraut, daß die Dunkelheit mir das Schrecklichste auf der Welt sei. Da hat sie mich ausgelacht; aber tags darauf hatte ich mein Laternchen.

So kam ich funkelnd wie ein Glühwurm zur Unterrichtsstunde.

Mein Herr Bräunlich war schlecht aufgelegt, und am Ende der Stunde sagte er mit einem Mal feierlich zu mir gewendet: »Für deine jahrelange Faulheit und Unaufmerksamkeit muß einmal eine Strafe kommen. Du gehst heute abend mit mir und bleibst, bis ich dich nach Hause bringe. – Während der Zeit schreibst du an mich, wie auch an deinen Vater einen Zettel, auf dem du versprichst, dich zu bessern.« Das traf mich wieder wie ein Donnerschlag bis ins innerste Herz; aber ich verhielt mich vollkommen ruhig. Ich wollte den Mädchen nicht die Freude machen, daß sie mich unglücklich sähen.

Als wir beide, Herr Bräunlich und ich, uns auf den Weg machten, blieben die andern zurück. Ich zündete stumpf und verzweifelt mein Laternchen an.

Da hörte ich die Mädchen lachen und trat mit dem Fuß auf und murmelte: »Diese Dummhüte.«

»Was hast du denn?« sagte Herr Bräunlich.

»Die da drinnen lachen mich aus!« sagte ich.

»Nein, das thun sie nicht,« antwortete er, »es sind ganz gute Mädchen.«

»Die sind nicht gut,« sagte ich. »Ich weiß, daß sie mich auslachen!«

Wir hatten den Unterricht, wie ich schon sagte, im Hause Friedrich Prellers gehabt, des Malers der Odyssee. Und ehe wir noch aus der Thüre waren, kam er selbst, seine schwarzseidene gewirkte Kappe tief in die Stirn gezogen.

»Na Lenchen,« sagte er, »wo geht's denn hin?« Sein altes bedeutende Gesicht konnte vor Güte und Freundlichkeit strahlen.

»Ich nehme sie mit mir, sie muß einmal eine Strafe bei mir absitzen, Herr Professor!« sagte Herr Bräunlich würdevoll.

»Ja, in drei Teufels Namen!« – der alte Preller liebte solche kräftige Ausdrücke – »Lenchen, was ist dir denn eingefallen? Ja, es mag ein schweres Stück sein, mit solchen Mädels fertig zu werden. Machen Sie's nur gnädig, das Lenchen ist kein böses Mädchen.«

»Nein, das ist sie nicht,« sagte Herr Bräunlich, »aber das Abscheuliche an ihr ist, daß sie nichts lernt, daß sie faul ist. Dabei ist sie nicht so arg dumm und könnte alles besser machen; aber sie rührt sich nicht.«

»Lenchen! Lenchen!« sagte der alte Preller. »Fleißig muß man sein. Was denkst du denn – gottlob, daß du kein Junge bist!«

Ich war tief beschämt – an dem alten herrlichen Preller hing mein ganzes Herz. Er war so gut mit mir. Ich hatte das große Glück, wenn er abends still seine wundervollen Studien und Skizzenbücher und Zeichnungen durchblätterte, hin und wieder neben ihm sitzen zu dürfen, um mitzuschauen, und that dies mit Leidenschaft und Andacht.

Und er wußte nun so genau, wie es um mich stand! Verzweifelt ging ich neben Herrn Bräunlich die dunkle Belvedere-Allee entlang. Mein Laternchen leuchtete mir und ihm.

Das Herz schlug mir angstvoll. Ich wußte, daß ich es nie zu Hause gestehen würde, was mich getroffen, und noch einmal solch eine Schmach verschweigen, ging auch nicht. Es war beides unmöglich. Beides wollte ich nicht. Also blieb nur ein drittes übrig. Das war einfach und überstieg meine Rechenkunst nicht. Es durfte nie bis dahin kommen, daß Herr Bräunlich mich mit zu sich hinaufnahm. Ich hatte ja Beine – und was für flinke. Gottlob! dachte ich.

Als wir durch die Marienstraße gingen, war mein Entschluß gefaßt, und als wir an den Alexanderplatz kamen mit seiner herrlichen Wiese und dem großen Taxusbusch darauf, da sah mein Herr und Meister mit einmal, wie das Laternchen Sprünge machte, und wie es von seiner Seite gehuscht war. Wir hatten Mondschein, und ich lief, was ich konnte, die Wiese entlang; hörte meinen Lehrer rufen, hörte ihn laufen – und schnaufen.

Ich kam unter dem Taxusbusch an, und wir liefen um denselben herum.

Herr Bräunlich schien seine Ehre dareingesetzt zu haben, mich zu fangen; aber das Laternchen war flinker, als er glaubte.

Ich drohte ihm, außer Atem, als er sich einmal bedenklich genähert hatte.

Ich drohte ihm, mit tiefem Grauen im eigenen Herzen, wenn er mir noch weiter nachrenne, würde ich auf den Friedhof laufen.

»Herr meines Himmels, machst du Geschichten!« rief er pustend. »Mach, was du willst – aber schlecht ist's von dir!«

»Nein, sagen Sie, daß es nicht schlecht ist!« rief ich von weitem und stand still, als ich sah, daß auch er still stand – »und sagen Sie's Papa nicht.«

»Gut,« antwortete Herr Bräunlich immer noch pustend, »es sei dir geschenkt, ich sag's auch nicht.«

»Aber daß es nicht schlecht von mir ist, müssen Sie mir auch noch sagen!«

»Gut,« rief er ungeduldig; »aber mach, daß du nach Hause kommst.«

Wer war glückseliger als ich! Mein Herz schlug leicht und zufrieden, es hatte sich alles vortrefflich gemacht, und ich ging stolz im Gefühl meines Sieges durch die Straßen.

Bei Gelegenheit frug mich der alte Preller, wie die Strafe abgelaufen sei, und ich erzählte ihm alles wahrheitsgetreu; da sagte er mir, daß ich es nicht übel gemacht habe. »Es ist immer gut,« meinte er, »wenn man sich zu helfen weiß.«

Auch Herr Bräunlich und ich, wir blieben gute Freunde.

Aber wie schon gesagt, Herr Bräunlich tauchte unter, ein andrer auf.

Von der ersten Stunde an wurde dieser »Neue«, der ganz unzweifelhaft ein vortrefflicher Lehrer war, mein Feind und wurde von mir gründlich und andauernd gehaßt. Er mochte in seiner Ehre gekränkt sein, daß man ihm, dem ausgezeichneten Manne, zugemutet, ein so dummes Mädchen wie mich zu unterrichten, und behandelte mich danach.

Jedes Wort, das er an mich verschwendete, war Mißachtung und Spott. Tiefer und tiefer sank ich in den Augen meiner Mitschülerinnen und erschien mir selbst wie ausgestoßen aus der menschlichen Gesellschaft. Mir fiel in einer der ersten Stunden das Wort »glimpflich« auf, und ich erkundigte mich nach dessen Bedeutung, da fuhr der Neue, der ein behender Mensch war und seine Glieder zu schleudern verstand, auf mich ein und schrie: »Bisher hat man glimpflich mit Ihnen verkehrt – das hat aber jetzt bei mir ein Ende« – und es war zu Ende.

Ich lebte geängstigt und wahrhaft gehetzt; kam ich zum Unterricht, so hatte ich die Empfindung, als befände ich mich die Zeit über vor der Mündung einer geladenen Kanone, die jeden Augenblick losgehen konnte.

Jedes Geschöpf des Tierreichs, das mir auf meinem Weg zu dem gefürchteten Meister begegnete, sah ich mit neidischen Augen an. Die Verantwortung, Mensch zu sein, war mir sehr drückend. – Wie gern hätte ich mit so einem munteren Pferdchen getauscht, oder mit einem lustigen Hunde oder mit jeder Katze.

Wenn ich ins Haus eintrat, legte ich einen kleinen Stein in einen Winkel mit dem Gelöbnis: komme ich leidlich mit heiler Haut wieder heraus, so will ich dankbar den Stein mit mir nehmen und zum Angedenken aufbewahren. Doch legte ich mir eine ganz gewaltige Steinsammlung an, denn es mochte gewesen sein, wie es wollte, ich nahm den Stein aus Dankbarkeit, daß die Sache überhaupt zu Ende gegangen war, jedesmal mit mir.

So nahm ich nicht zu an Weisheit und Verstand, an Gnade bei Gott und den Menschen, sondern sank tiefer und tiefer in der Achtung aller derer, die über meine glänzenden Erfolge unterrichtet waren.

Das Unglück hatte es einmal gewollt, daß ich in der Angst und Verwirrung, in der ich mich vor dem Unterricht gewöhnlich befand, meinen ganzen Haufen trauriger Hefte bei einer unserm Haus befreundeten Familie hatte liegen lassen. Mit welchem Schreck bemerkte ich dies! Die Hefte, meine greulichen Hefte! – Wie mich das durchfuhr!

Wenn man nun einen Blick hineinthut! Und sie werden es thun. Das war mir ganz sicher.

Mit welchem Bangen machte ich mich auf den Weg, sie mir wieder zu holen, wie langsam schlich ich die Treppe hinauf, wie zaghaft zog ich die Schelle! – Und was stand mir bevor!

Sie hatten mich kommen sehen und öffneten mir selbst die Thüre, eine ganze Schar mir sehr würdig erscheinender Damen, Gott weiß, wer noch dabei war. Sie ließen mich nicht herein, sondern öffneten nur halb und reichten mir mit der Feuerzange meine Hefte einzeln heraus und riefen: »Bessere dich! Bessere dich!« und lachten, und die Hinteren stellten sich auf die Zehen, um über die Vorderen hinweg mich sehen und mir gute Lehren geben zu können. Ich war wie vernichtet, wütend zum Zerspringen; aber ich nahm die einzelnen Hefte von der Feuerzange ab, stumm und im Herzen zerrissen; schmachvoll erschien mir's, daß ich sie nahm. Als die Sache zu lange dauerte, riß mir die Geduld, und ich lief davon, und meine Peiniger kehrten mir mit dem Besen die übrigen Herrlichkeiten die Treppe hinab nach. Sie ahnten wohl nicht, was sie mir anthaten – fast sinnlos vor Verzweiflung, Wut und Schande, sammelte ich meine Habseligkeit ganz außer mir auf und lief bleich mit verweinten Augen nach Hause, zählte mein Geld nach, um mir neue Hefte zu kaufen und die alten zu verbrennen. Es reichte nicht; aber ich verbrannte sie dennoch.

In dieser Zeit kam es, daß der Gestrenge uns einen Aufsatz gab: Die Vorzüge des Menschen vor dem Tiere.

Dabei schien mir wenig Witz zu sein – und ich beschloß, das Gegenteil zu behandeln: die Vorzüge des Tieres vor dem Menschen. Das leuchtete mir weit mehr ein, und was hatte ich zu verlieren, ein Donnerwetter mehr oder weniger, darauf kam es mir nicht an.

Ich setzte mich daran und ließ mein Licht leuchten, machte meinem Herzen Luft und schrieb wahrhaft glückselig, stand vor lauter Wonne auf einem Bein während des Schreibens, pfiff und war der besten Dinge.

Noch nie hatte ich so viel in meinem Leben geschrieben, es kam mir immer Neues in die Finger. So war das Arbeiten ein Vergnügen. Ja, wenn es sich immer um Dinge handelte, bei denen man mit Leib und Seele dabei sein könnte! Aber dies langweilige Getreibe von Zahlen und Namen, Regeln und Ausnahmen, mit denen man Herz und Hirn beschweren mußte, da konnte man nicht verlangen, daß ein vernünftiges Geschöpf sich daran mitbeteiligen sollte!

Ich gab meinen feurig verfaßten Aufsatz ab mit aller Gemütsruhe und erhielt ihn zu seiner Zeit mit stummer Verachtung von dem Gestrengen zurück. Er durchbohrte mich mit majestätischen Blicken – sagte mir, daß sich derjenige, welcher diesen Aufsatz verfaßt habe, einen übeln Spaß mit mir erlaubt habe. Ich hätte beim Abschreiben nicht einmal bemerkt, daß das gestellte Thema verändert wurde – übrigens sei dieser Aufsatz vortrefflich, und er hätte ihn in seiner Ersten Klasse vorgelesen, habe dabei aber bemerkt, daß dies ein Aufsatz sei, den eine ungeschickte und faule Schülerin sich von fremder Hand habe arbeiten lassen, um damit einen Betrug auszuführen.

Ich erwiderte ruhig, daß diese Arbeit von mir sei, bekam aber wieder einen majestätisch verächtlichen Blick, der mir Schweigen gebot.

Und ich schwieg – ich war zufrieden, stolz und beglückt; was der Gestrenge von mir dachte, war mir vollkommen gleichgültig, er hatte sich bei mir durch Poltern und Ungerechtigkeit die Achtung verscherzt. Es kamen jetzt öfters Aufsätze, unter denen in Schriftzügen zu lesen war: Gut, aber nicht selbst verfaßt.

Alles Uebel aber hat sein Ende, so auch hier. –

Ich sollte konfirmiert werden, und da meine guten Eltern wohl meinten, daß mir ein religiöser Halt im Leben wohlthäte, sollte diese Zeit der Konfirmation mir besonders zu Herzen gehen.

Ich kam für den Sommer zu einem Pfarrer und Dichter.

Nachdem die mächtige Sehnsucht nach meinem reizenden Elternhaus und all der Wärme, Liebe und Güte, dem wundervoll »Heimischen« erträglich überwunden war, fand ich mich in einer wahrhaft beglückenden Umgebung. Alle waren unbeschreiblich gut mit mir. Die Frau Pastorin verwöhnte mich; sie war eine eigenartige, wie mir später bewußt wurde, eine Jean Paulsche Gestalt, zart im Empfinden, dem Uebersinnlichen zugeneigt, dem Humor zugänglich, lebhaft und schön.

Der Pfarrer war die Güte selbst, lebensprühend, dabei markig, kräftig und heiter.

Im Haushalt ging es frei und ländlich zu.

Der Religionsunterricht gestaltete sich vortrefflich, mein ganzes Herz ging mir auf. Denn der Ballast von alle dem Gelerne, Aufgesage fiel weg. – Mein Pastor plagte mich nicht mit Gesangbuchsliedern. Wir unterhielten uns, er hörte geduldig meine Fragen, meine Einwendungen, wir kamen auf dies und jenes zu sprechen. So kam es auch einmal, daß er aufstand, an den Bücherschrank ging und den Faust herausholte.

Noch nie hatte ich einen Blick hineingethan, und er begann zu lesen. Er las lebhaft und hinreißend.

Ich saß vor ihm, wahrhaft entrückt. Da öffnete sich die Thür, und die Frau Pastorin trat ein und blieb, als sie hörte, was hier vorging, mit offenem Munde in der Thür stehen.

»Ja, was fällt dir denn ein?« rief sie. »Du sollst ja Religionsstunde halten – das ist nicht recht von dir – das ist nichts für das Kind.«

»Nun, ich dächte, das könnte ihr nichts schaden,« sagte mein Pastor ganz kleinlaut, »stell' dir vor, dieses Mädchen kannte den Osterspaziergang noch nicht einmal!« rief er und schlug das Buch zu.

Die Frau Pastorin erklärte, daß sie dies für kein Unglück halte – »und du hast es nun ja auch nachgeholt,« sagte sie.

Noch denselben Nachmittag rief mich die Frau Pastorin und las mir, jedenfalls als Gegengewicht, aus einem Buche vor, das die Geschichte der Märtyrer poetisch behandelte. Zu diesen Vorlesungen fand sich eine alte nette Dame ein, und beide Frauen gaben sich den Schicksalen der Märtyrer mit außerordentlicher Begeisterung hin. Die Frau Pastorin saß manchmal wie verklärt da, und die alte Dame auch.

Die Dame fragte mich, ob dies nicht eine herrliche, gottbegnadete Zeit gewesen sei, und ob ich mir etwas Wundervolleres vorstellen könnte, als als Märtyrer zu leben und zu sterben.

Mir war es etwas beängstigt zu Mute, und ich wagte zu sagen, daß es jetzt doch wohl keine Märtyrer mehr gäbe.

»Leider, leider – nein!« rief die alte Dame schmerzlich aus.

Ich aber hatte ein tiefes Mitleid mit diesen guten Heiligen, dachte mir immer, wie schrecklich es sei, daß sie sich bis zu Tode quälen ließen mit der schönen Aussicht, dann in einen wundervollen Himmel zu kommen – und daß sie sich damit vielleicht gar verrechnet hätten – so etwas fürchtete ich sehr, sprach dies aber nicht aus, da die Empfindung in mir lebte, daß man dies für sich behalten müsse.

Ich hatte noch nicht das Ewige, das Unsterbliche in mir gespürt, dasjenige, was wert sei, nie unterzugehen, was andre Leute mit solcher Bestimmtheit in sich vermuten und wissen und mit aller Energie verteidigen. Ich dachte damals nie darüber nach. Wenn ich mich abends niederlegte, sagte ich zu mir: Ob ich nun eine Nacht schlafe und nichts von mir weiß, oder eine Ewigkeit, das bleibt sich gleich.

Damals schrieb ich auf ein Blättchen, das ich mir aufbewahrte: Einen Augenblick bewußtlos – eine Ewigkeit bewußtlos!

Ich habe dies dann später meiner kleinen, überspannten Käthe im »Herzenswahn« in den Mund gelegt – hatte aber meine Lust zum Grübeln mit diesem Worte beruhigt und war völlig zufriedengestellt.

Das hinderte mich aber durchaus nicht, Freude an meinem Religionsunterricht zu finden.

Ich war zu dieser Zeit sehr glücklich, lief abends mit Holzpantoffeln durchs Dorf, die Kinder im Haus, die Mädels in der Nachbarschaft waren mir willkommene Kameraden. Sonntags fuhr ich mit dem Pastor jedesmal früh auf die Filiale, kehrte mit ihm bei Schulmeisters ein und ging mit ihm zur kleinen Kirche. Er hatte dann beim Schulmeister seinen schwarzen Talar schon angezogen und sah sehr würdig und stattlich aus.

Dann saß ich in der kleinen moderigen Kirche und sah die Bauern kommen, indes die Schwalben zwitscherten und an den Fenstern vorüberhuschten. Dann hörte ich meinen Pastor predigen. Die Bauern bekamen manchen kräftigen Brocken von der Kanzel aus zugeworfen, an dem sie, im Fall sie ihn aufhoben, eine Weile kauen sollten.

Wenn wir wieder nach Hause kamen, gab es Schokolade.


Der Tag meiner Konfirmation war sehr feierlich, die Eltern, die Schwestern, mein Großmütterchen und unsre junge, reizende Erzieherin kamen alle von Weimar.

Ich trug zur Feier ein weißes Kleid, und die alte Dame, die für die Märtyrer schwärmte, hatte meine Haare gelockt und sie mit einer Rose zusammengesteckt, versicherte mir auch nach der heiligen Handlung – sie hätte sich mit aller Gewalt in die Hinrichtung ihrer Lieblingsheiligen versetzt, während ich am Altar gestanden hätte, sei es ihr so gewesen, als wäre ich diese Heilige, und die Ceremonie eine Hinrichtung.

Das kam mir sehr übertrieben vor.

Uebrigens gefiel mir meine Konfirmation außerordentlich, es war mir so geheimnisvoll und gehoben zu Mute. Es wurde niemand mit mir konfirmiert, das gefiel mir auch, und ich hatte den Tag über bei jeder Gelegenheit die denkbar besten Vorsätze gefaßt. Alle waren so unbeschreiblich gütig mit mir, und das stimmte mich sehr dankbar.

Freilich, daß man mir sagte, ich wäre jetzt eine erwachsene Person, das erschien mir wenig erfreulich und auch wenig wahrscheinlich, war mir übrigens auch gleichgültig, ich war, was ich war, und damit gut.

Der Pastor las am Abend Droste-Hülshoffs Gespenstergedichte vor, den Grauen und die Doppelgängerin. Bis ins innerste Herz war ich davon erschüttert, so daß ich die ganze Nacht mit den tollsten Phantasieen zu thun hatte und mich fürchtete, wie noch nie in meinem Leben.

Die Pastorin hatte mir meine ganze Stube zur Feier dieses Tages mit Blumen und Guirlanden wahrhaft ausgefüttert, wie ein grünes Nest.

Es war alles hier so schön und beglückend gewesen, daß ich schweren Herzens Abschied nahm. Die Pastorin wußte nicht, was sie mir noch Gutes anthun sollte, und steckte mir alle Taschen voll herrlicher Aepfel. Zwei davon brachte ich unter meinem Hut unter, und die rollten mir wieder hervor, als ich irgend jemand vom Wagen aus noch einen Abschiedskuß gab. Sie wurden mir wieder darunter gesteckt, und ich fuhr mit meinen Eltern davon.

Jetzt übergehe ich eine kleine Zeit; ich blieb nach wie vor Schulmädchen, hatte aber nur bei unsrer von mir sehr geliebten jungen Erzieherin Unterricht.

Ich besuchte das Theater hin und wieder, denn jetzt durfte ich von unsern abonnierten Plätzen Gebrauch machen, und so begab es sich, daß ich der Aufführung von Wagners »Tristan und Isolde« beiwohnte. Ich war überwältigt, hingerissen, betäubt, berauscht. – Die Gewalt in dieser Musik erfaßte mich völlig. Kurvenals Horn durchbebte meine ganze Seele, und ich glaubte hinsterben zu können in den gewaltigen Tönen der Erwartung, der Angst, des Zweifels. Wundervoll empfand ich zuletzt das Sichauflösen alles Leidens, alles Lebens.

Es war zu viel für mich gewesen, ich litt unter den mächtigen Eindrücken, war wie berauscht. Auf dem Heimweg erschien es mir unmöglich, jetzt das gewöhnliche Leben wieder zu beginnen. Es mußte etwas geschehen, etwas Außergewöhnliches – das Leben mußte sich anders gestalten, um mich und mein Empfinden wieder aufnehmen zu können. Aber wie, was sollte geschehen?

Ich stand vor unserm Hause im Dunkeln, voller Sehnsucht nach etwas, was die Wunder, die ich eben durchlebt hatte, und die Alltäglichkeit in Einklang bringen sollte, und ich dachte, daß ich zu meinem Pfarrer gehen wollte.

Als ich hinauf zu meiner Mutter kam, bat ich sie, mich schon den andern Morgen zu den guten Leuten reisen zu lassen. Sie erlaubte mir dies gern; ich teilte ihr auch den Grund meiner Reise mit, der sie einigermaßen zu wundern schien.

Am frühen Morgen fuhr ich glückselig ab. Ich war mit mir durch meinen Entschluß wieder ins Gleichgewicht gekommen.

Als ich im stillen Dörfchen ankam, empfingen sie mich überrascht und freundlich. Es war an einem Frühlingsnachmittag. Die Pastorin führte mich sogleich ins Wohnzimmer, ließ Kaffee kochen, und ich traf eine muntere Gesellschaft. Pastors hatten schon seit einigen Wochen drei junge Mädchen zum Besuch. So ging's lustig wie immer im Hause zu.

Als ich der Pastorin während des Kaffees mein Anliegen vorbrachte und sagte, daß ich gekommen sei, um am Sonntag das Abendmahl hier zu nehmen, sah sie mich kopfschüttelnd an und schwieg.

»Ja, aber so etwas schreibt man doch vorher,« begann sie würdevoll. »Was fällt dir denn ein? Weshalb bist du denn nicht heut' morgen gekommen, um wenigstens zur allgemeinen Beichte da zu sein? So kannst du das Abendmahl gar nicht nehmen. Was stellst du dir vor – ohne Beichte!«

Die gute Pastorin war in Eifer gekommen, und ich fühlte mich sehr beschämt, weshalb, wußte ich eigentlich nicht.

»Das geht gar nicht,« sagte sie wieder entschlossen, »was sollen denn die Leute denken? Da muß wegen dir Privatbeichte gehalten werden, und den Leuten muß gesagt werden, daß du privatim vorbereitet worden seist.«

Denselben Nachmittag noch rief mich der gute Pastor in sein Studierzimmer.

»Geh nur,« sagte meine gute Freundin, »und wenn du etwas auf dem Herzen hast, sag es ihm – und wenn es das größte Unrecht wäre, verschweigen darfst du's nicht. – Ich möcht' wohl wissen,« setzte sie gedankenvoll und etwas neugierig hinzu, »weshalb du jetzt gerade das Abendmahl nehmen willst?«

In des Pastors Zimmer brannte schon die Studierlampe, und er empfing mich ernst und wohlwollend und feierlich. Er fragte mich, ob ich irgend etwas auf dem Herzen hätte.

»Nein,« sagte ich.

Er fragte dieses und jenes mit sehr ernster Miene.

Ich sagte ihm aber, daß es mir sehr wohl ginge.

Er fragte mich, ob ich mit mir selbst zufrieden sei.

Ich sagte ihm, daß ich nie über mich selbst nachdächte.

Es kam nichts zu Tage, was ihn oder mich beunruhigt hätte, und da sich zu seiner großen Verwunderung durchaus nichts fand, so erteilte er mir nach den Worten der Bibel die Vergebung aller meiner Sünden. Da faßte ich seine beiden Hände, sah ihn an und sagte: »Ich habe ›Tristan und Isolde‹ gehört,« und ich sagte es wohl mit solch einem Ausdruck, daß auch er mir in die Augen sah.

Noch immer hielt ich seine Hände, und die ganze Erregung und Bewegung des vorigen Abends kam über mich.

»Ei du Glückspilz!« rief mein guter Pastor überrascht. »Nun setz dich einmal hin und erzähle.«

Und ich erzählte ihm, schüttete mein ganzes Herz vor ihm aus – und wie er zuhörte! Er fragte und fragte und wäre für sein Leben gern dabei gewesen; die Zeit verging uns im Umsehen. Er stand beim dritten Akte auf und holte die Pastorin, und ich mußte mit Erzählen wieder von vorn beginnen.

Als ich geendet hatte, sagte ich mit Thränen: »Lieber guter Pastor, ich möchte auch irgend etwas thun, was schön ist, ich möchte irgend ein großes Talent haben, dann erst würde ich glücklich sein.«

»Ja, mein Kind,« antwortete er, »da bitt' erst einmal um einen großen Fleiß, das ist die Hauptsache. Wenn du auf ein Ding deinen ganzen Fleiß verwendest, wird es dich auch interessieren, ganz gleich, was es ist.«

Ich erzählte ihm, daß ich bei Friedrich Preller zeichnete, daß es damit aber nichts wäre. Der alte Preller lache über alles, was ich mit Müh' und Not zu stande brächte; und wenn er sich meine Arbeit angesehen habe, sage er gewöhnlich, ich solle es sein lassen, es wäre besser, wenn ich mit ihm zum Kaffeetrinken käme. Das ließe ich mir dann auch nicht zweimal sagen, und während die andern noch sich abmühten, säße ich schon und lauerte darauf, daß der alte Preller seine wundervollen Skizzenbücher zur Hand nehmen würde; aber selber zeichnen und bei aller Not und Mühe nur elendes Zeug zu Tage fördern, das hielte ich für eine Sünde.

»Ja, das ist's auch,« sage Preller selbst.

»Nun also!«

Die Feier des heiligen Abendmahls erfüllte wieder mein Herz mit wunderbaren Schauern.

Ich grübelte nicht und gab mich ganz dem weihevollen Augenblicke hin – den dumpfen Klängen der Orgel, dem mystischen Gesang, den geheimnisvollen Worten. –

Meine Seele verlangte danach, sich auf Lebenshöhen zu fühlen. Der Zwiespalt zwischen dem alltäglichen Dasein, seiner Ruhe, Gleichgültigkeit und leichten Befriedigung, und den tiefen Bewegungen und Gewalten einer mächtigen Kunst hatte mich verwirrt, beunruhigt – und ich wollte Beruhigung empfinden.

Nicht lange nach dieser Zeit begann ich in aller Unschuld das wunderliche Spiel mit den Käuzen, von denen ich schon erzählt habe – trieb es geheimnisvoll glückselig, hockte auf unsrer Bodentreppe und schrieb dort nach Herzenslust – Geschöpfe zauberte ich in mein blaues Heft, die mir ungemein sympathisch waren; sie sprachen und thaten, was ich wollte, was ich wünschte, und ich lebte mit ihnen im besten Einvernehmen.

Es war ein leidenschaftliches Spiel, das ich trieb, um die Welt hätte ich es nicht irgend jemand verraten mögen – und dennoch verriet ich es selbst und gewann durch diesen Verrat das höchste Glück, das das Schicksal einer schaffensmutigen Seele zu teil werden lassen kann; ich gewann, wie ich schon sagte, einen Lehrer und Helfer, und zwar einen Lehrer und Helfer, wie er nicht besser zu denken war, der es verstand, mich unverbesserlichen Faulpelz zu Fleiß und Ausdauer anzuspornen; der mir als höchstes Ziel steckte: Wahrheit in jedem Empfinden, und eine freie Würdigung alles Menschlichen. So kam es, daß ich ein reiches und beglücktes Dasein kennen lernte, daß ich meinen festen, ruhigen Weg gehen konnte. – Meine Arbeit, meine Kunst wurde mir die stille Zuflucht, der nichts nahen durfte, wenn das alltägliche Leben zu stürmisch oder zu gleichgültig oder gar zu schwer werden wollte. Und ich selbst habe mich immer gewundert, wie gerade ich zu diesem großen Glück gekommen bin – gerade ich, die so wenig veranlagt schien, je etwas zu erstreben, geschweige zu erreichen.

Ich könnte manches aus meinem Leben erzählen, von guten Freunden, getreuen Nachbarn und dergleichen, von Ereignissen aller Art, von meiner Verheiratung, meinen Reisen, von allem Guten und Bösen, was ich auf Erden kennen lernte, mag es fürs erste aber damit genug sein, daß ich erzählt habe, wie ich zum Blaustrumpf wurde. Das alles ist nur Spaß. Wie der Ernst des Lebens an mich herantrat – der volle Ernst – und in seinem Gefolge Kummer und Not, wie ich die Arme nach Hilfe ausstreckte, wie ich verzweifelte, wie ich endlich nach langer Qual genas, davon will ich schweigen, das liegt im tiefsten Seelengrunde, für Worte kaum erreichbar.

Ende.


Werke von Helene Böhlau.

Das Recht der Mutter. Roman. M. 6.–, geb. M. 7.50. F. Fontane & Co., Berlin.

Der Rangierbahnhof. Roman. Zweite Auflage. M. 4.–, geb. M. 5.–. F. Fontane & Co., Berlin.

Rathsmädelgeschichten. Vierte Auflage. M. 3.60, geb. M. 4.60. J. C. C. Bruns, Minden i. W.

Herzenswahn. Roman. M. 3.60, geb. M. 4.60. J. C. C. Bruns, Minden i. W.

Im Trosse der Kunst. Novellen. M. 3.60, geb. M. 4.60. J. C. C. Bruns, Minden i. W.

Reines Herzens schuldig. Roman. M. 6.–, geb. M. 7.–. J. C. C. Bruns, Minden i. W.

Im frischen Wasser. Roman in zwei Bänden. M. 1.–, geb. M. 1.50. J. Engelhorn, Stuttgart.

Novellen: Der schöne Valentin, Die alten Leutchen. M. 5.–, geb. M. 6.50. Gebr. Pätel, Berlin.

Novellen: Im Banne des Todes, Salin Kaliske, Maleen. M. 5.–, geb. M. 6.20. W. Hertz, Berlin.


Engelhorns
Allgemeine
Romanbibliothek.

Eine Auswahl
der besten modernen Romane aller Völker.

Alle vierzehn Tage erscheint ein Band.

Preis pro Band 50 Pf. Elegant in Leinwand geb. 75 Pf.

(26 Bände jährlich. Gesamtpreis broschiert 13 Mark, gebunden 19 M. 50 Pf.)

»Engelhorns Allgemeine Romanbibliothek«, die nun in ihren dreizehnten Jahrgang tritt, hat nicht nur von Jahr zu Jahr an Beliebtheit und Verbreitung zugenommen, sondern auch an litterarischer Bedeutung gewonnen, so daß es nicht zu viel gesagt ist, wenn man sie heute

einen Sammelpunkt der ersten lebenden Romandichter der Weltliteratur

nennt. – Die »Deutsche Dichtung« schreibt darüber:

Es ist auch in Deutschland möglich, dem Publikum gute Bücher zu billigem Preis zu bieten und dabei weder die Autoren noch die eigenen Interessen zu kurz kommen zu lassen, nur gehört Wagemut und geschäftliche Tüchtigkeit dazu – das ist die Lehre, die der deutsche Verlagsbuchhandel aus dem Erfolg von »Engelhorns Allgemeiner Romanbibliothek« ziehen kann, und hoffentlich auch, sofern er sich auf seinen Vorteil versteht, in immer größerer Auswahl ziehen wird. Als der rührige Stuttgarter Verleger vor zwölf Jahren zuerst die bekannten ziegelroten Bändchen – durchschnittlich zehn Bogen guter Ausstattung – zum Preise von 50 Pfennigen in die Welt sandte, begriff man gar nicht, wie der Mann dies leisten könne; schon die »Kollektion Spemann«, von welcher der Band eine Mark kostete, war dem Publikum, wie den Verlegern als unerhörtes Wagnis erschienen, und nun gar dasselbe – nur den Einband abgerechnet – für die Hälfte! Heute, nach zwölf Jahren, ist die »Allgemeine Romanbibliothek« so bekannt und verbreitet, daß eine Empfehlung des vortrefflichen Unternehmens fast überflüssig erscheint.

Die bisher erschienenen, in dem nachfolgenden Verzeichnis aufgeführten Romane können fortwährend durch jede Buchhandlung zum Preise von 50 Pf. für den broschierten und 75 Pf. für den gebundenen Band bezogen werden.

Erster Jahrgang.

Der Hüttenbesitzer. Von Georges Ohnet. Aus dem Französ. 2 Bände.

Aus Nacht zum Licht. Von Hugh Conway. Aus dem Englischen.

Zéro. Eine Geschichte aus Monte Carlo. Von Mrs. Praed. Aus dem Englischen.

Wassilissa. Von Henry Gréville. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Vornehme Gesellschaft. Von H. Aïdé. Aus dem Englischen.

Gräfin Sarah. Von G. Ohnet. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Unter der roten Fahne. Von Miß M. E. Braddon. Aus d. Englischen.

Abbé Constantin. Von L. Halévy. Aus dem Französischen.

Ihr Gatte. Von G. Verga. Aus dem Italienischen.

Ein gefährliches Geheimnis. Von Charles Reade. Aus d. Engl. 2 Bde.

Gérards Heirat. Von André Theuriet. Aus dem Französischen.

Dosia. Von Henry Gréville. Aus dem Französischen.

Ein heroisches Weib. Von J. J. Kraszewski. Aus dem Polnischen.

Eheglück. Von W. E. Norris. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Schiffer Worse. Von Alex. Kielland. Aus dem Norwegischen.

Ein Ideal. Von Marchesa Colombi. Aus dem Italienischen.

Dunkle Tage. Von Hugh Conway. Aus dem Englischen.

Novellen von Hjalmar Hjorth Boyesen. Glitzer-Brita.Einer, der seinen Namen verlor. Deutsch von Friedrich Spielhagen. – Ein Ritter vom Danebrog. Aus dem Englischen.

Die Heimkehr der Prinzessin. Von Jacques Vincent. Aus d. Französ.

Ein Mutterherz. Von A. Delpit. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Zweiter Jahrgang.

Der Steinbruch. Von G. Ohnet. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Helene Jung. Von Paul Lindau.

Maruja. Von Bret Harte. Aus dem Englischen.

Die Sozialisten. Aus dem Englischen.

Criquette. Von L. Halévy. Aus dem Französischen.

Der Wille zum Leben. – Untrennbar. Von Adolf Wilbrandt.

Die Illusionen des Doktor Faustino. Von Valera. Aus d. Span.

Zu fein gesponnen. Von B. L. Farjeon. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Gift. Von Alexander Kielland. Aus dem Norwegischen.

Fortuna. Von Alexander Kielland. Aus dem Norwegischen.

Lise Fleuron. Von G. Ohnet. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Aus des Meeres Schaum. – Aus den Saiten einer Baßgeige. Von Salvatore Farina. Aus dem Italienischen.

Auf der Woge des Glücks. Von Bernhard Frey. (M. Bernhard.)

Die hübsche Miß Neville. Von B. M. Croker. Aus dem Engl. 2 Bde.

Die Verstorbene. Von Octave Feuillet. Aus dem Französischen.

Mein erstes Abenteuer und andere Geschichten. Von Hans Hopfen.

Ihr ärgster Feind. Von Mrs. Alexander. Aus d. Englischen. 2 Bde.

Ein Fürstensohn. – Zerline. Von Claire von Glümer.

Von der Grenze. Novellen von Bret Harte. Aus dem Englischen.

Eine Familiengeschichte. Von Hugh Conway. Aus d. Englischen. 2 Bde.

Dritter Jahrgang.

Die Versaillerin. Von Ernst Remin. 2 Bände.

In Acht und Bann. Von Miß M. E. Braddon. Aus dem Englischen.

Die Tochter des Meeres. Von Johanne Schjörring. Aus dem Dänischen.

Lieutenant Bonnet. Von Hector Malot. Aus d. Französ. 2 Bände.

Pariser Ehen. Von E. About. Aus dem Französischen.

Hanna Warners Herz. Von Florence Marryat. Aus d. Englischen.

Eine Tochter der Philister. Von Hjalmar Hjorth Boyesen. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Savelis Büßung. Von Henry Gréville. Aus dem Französischen.

Die Damen von Croix-Mort. Von Georges Ohnet. Aus d. Französ. 2 Bände.

Die Glocken von Plurs. Von Ernst Pasqué.

Fromont junior und Risler senior. Von Alphonse Daudet. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Der Genius und sein Erbe. Von Hans Hopfen.

Ein einfach Herz. Von Charles Reade. Aus dem Englischen.

Baccarat. Von Hector Malot. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Mein Freund Jim. Von W. E. Norris. Aus dem Englischen.

Hanna. Von Heinr. Sienkiewicz. Aus dem Polnischen.

Das beste Teil. Von Léon de Tinseau. Aus dem Französischen.

Lebend oder tot. Von Hugh Conway. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Die Familie Monach. Von Robert de Bonnières. Aus dem Französ.

Vierter Jahrgang.

Eine neue Judith. Von H. Rider Haggard. Aus d. Englischen. 2 Bde.

Schwarz und Rosig. Von Georges Ohnet. Aus dem Französischen.

Das Tagebuch einer Frau. Von Octave Feuillet. Aus dem Französ.

Jahre des Gärens. Von Ernst Remin. 2 Bände.

Gute Kameraden. Von H. Lafontaine. Aus dem Französischen.

Die Töchter des Commandeurs. Von Jonas Lie. Aus dem Norweg.

Zita. Von Hector Malot. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Die Erbschaft Xenias. Von Henry Gréville. Aus dem Französischen.

Kinder des Südens. Von Rich. Voß.

Daniele Cortis. Von A. Fogazzaro. Aus dem Italienischen. 2 Bände.

Die Herz-Neune. Von B. L. Farjeon. Aus dem Englischen.

Sie will. Von Georges Ohnet. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Die Kinder der Excellenz. Von Ernst v. Wolzogen.

Um den Glanz des Ruhmes. Von Salvatore Farina. Aus dem Ital.

Der Nabob. Von Alphonse Daudet. Aus dem Französischen. 3 Bände.

Der kleine Lord. Von F. H. Burnett. Aus dem Englischen.

Der Prozeß Froideville. Von André Theuriet. Aus d. Französischen.

Stella. Von Miß M. E. Braddon. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Fünfter Jahrgang.

Robert Leichtfuß. Von Hans Hopfen. 2 Bände.

Der Unsterbliche. Von Alphonse Daudet. Aus dem Französischen.

Lady Dorotheas Gäste. Von Ouida. Aus dem Englischen.

Marchesa d'Arcello. Von Memini. Aus dem Italienischen. 2 Bände.

Was der heilige Joseph vermag. Aus dem Französischen.

Alessa. – Keine Illusionen. Von Claire von Glümer.

Wie in einem Spiegel. Von F. C. Philips. Aus d. Englischen. 2 Bände.

Schnee. Von Alexander Kielland. Aus dem Norwegischen.

Jean Mornas. Von Jules Claretie. Aus dem Französischen.

Auf der Fährte. Von H. F. Wood. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Satisfaction. – Das zersprungene Glück. – La Speranza. Von Alexander Baron von Roberts.

Die Scheinheilige. Von Karoline Gravière. Aus dem Französischen.

Doktor Rameau. Von Georges Ohnet. Aus dem Französ. 2 Bände.

Frau Regine. Von Emil Peschkau.

Zwei Brüder. Von Guy de Maupassant. Aus dem Französischen.

Mein Sohn. Von Salvatore Farina. Aus dem Italienischen. 2 Bände.

Dosias Tochter. Von Henry Gréville. Aus dem Französischen.

Der Lotse und sein Weib. Von Jonas Lie. Aus dem Norwegischen.

Numa Roumestan. Von Alphonse Daudet. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Sechster Jahrgang.

Die tolle Komteß. Von Ernst v. Wolzogen. 2 Bände.

Eine Sirene. Von Léon de Tinseau. Aus dem Französischen.

Jack und seine drei Flammen. Von F. C. Philips. Aus dem Englischen.

Mr. Barnes von New-York. Von A. C. Gunter. Aus d. Engl. 2 Bde.

Gertruds Geheimnis. Von André Theuriet. Aus dem Französischen.

Wunderbare Gaben und andere Geschichten. Von Hugh Conway. Aus dem Englischen.

Letzte Liebe. Von Georges Ohnet. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Die Sabinerin. – Felice Leste. – Die Mutter der Catonen. Von Richard Voß.

Mia. Von Memini. Aus dem Italienischen.

Diana Barrington. Von B. M. Croker. Aus d. Englischen. 2 Bände.

Der reine Thor. Von Karl v. Heigel.

Ein Kirchenraub. – Junge Liebe. Von H. Pontoppidan. Aus dem Dänischen.

Die Könige im Exil. Von Alphonse Daudet. Aus d. Französ. 2 Bände.

Die verhängnisvolle Phryne. Von F. C. Philips u. C. J. Wils. Aus dem Englischen.

Serguis Panin. Von Georges Ohnet. Aus d. Französischen. 2 Bände.

Achtung Schildwache! und andere Geschichten. Von Mathilde Serao. Aus dem Italienischen.

Salonidylle. Von H. Rabusson. Aus dem Französischen.

Mr. Potter aus Texas. Von A. C. Gunter. Aus dem Engl. 2 Bände.

Ein gefährliches Werkzeug. Von D. C. u. H. Murray. Aus d. Engl.

Siebenter Jahrgang.

Preisgekrönt. Von Alexander Baron von Roberts. 2 Bände.

Die Seele Pierres. Von Georges Ohnet. Aus dem Französischen.

Zum Kinderparadies. Von André Theuriet. Aus dem Französischen.

Imogen. Von Hamilton Aïdé. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Port Tarascon. Von Alphonse Daudet. Aus dem Französischen.

Ein Mann von Bedeutung. Von Anthony Hope. Aus d. Englischen.

Ohne Liebe. Von Fürst Galitzin. Aus dem Russischen. 2 Bände.

Die Erbin. Von W. E. Norris. Aus dem Englischen.

Die kühle Blonde. Von Ernst v. Wolzogen. 2 Bände.

Mein Pfarrer u. mein Onkel. Von Jean de la Brète. Aus d. Französ.

Der Mönch von Berchtesgaden und andere Erzählungen. Von Rich. Voß.

Oberst Quaritch. Von H. Rider Haggard. Aus dem Engl. 2 Bände.

Noras Roman. Von Emil Peschkau.

Auf Vorposten und andere Geschichten. Von F. de Renzis. Aus dem Italienischen.

Versiegelte Lippen. Von Léon de Tinseau. Aus d. Französ. 2 Bände.

Aus den Papieren eines Wanderers. Von Jefferey C. Jeffery. Aus dem Englischen.

Mein Onkel Scipio. Von André Theuriet. Aus dem Französischen.

Wie's im Leben geht. Von A. Delpit. Aus dem Französischen. 2 Bde.

Verhängnis. Von F. de Renzis. Aus dem Italienischen.

Achter Jahrgang.

Irgend ein Anderer. Von B. M. Croker. Aus d. Englischen. 2 Bände.

Fräulein Reseda. – Ein Mann der Erfolge. Von Julien Gordon. Aus dem Englischen.

Künstlerehre. Von Octave Feuillet. Aus dem Französischen.

In frischem Wasser. Von Helene Böhlau. 2 Bände.

Die geprellten Verschwörer. Von W. E. Norris. Aus dem Englischen.

Daphne. Nach A Diplomat's Diary von Julien Gordon, deutsch bearb. von Friedrich Spielhagen.

Ein Genie der That. Von Ernst Remin. 2 Bände.

Mischa. Von Marguerite Poradowska. Aus dem Französischen.

Der Thronfolger. Von Ernst von Wolzogen. 2 Bände.

Im Reisfeld. – Ohne Liebe. Von Marchesa Colombi. Aus d. Ital.

Eine Künstlerin. Von Jeanne Mairet. Aus dem Französischen.

Miß Niemand. Von A. C. Gunter. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Marienkind. Von Paul Heyse.

Schwarzwaldgeschichten. Von Hermine Villinger.

Jack. Von Alphonse Daudet. Aus dem Französischen. 3 Bände.

Der schwarze Koffer. Aus dem Engl.

Der Affenmaler. Von Jeanne Mairet. Aus dem Französischen.

Schwer geprüft. Von J. Masterman. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Neunter Jahrgang.

Im Schuldbuch des Hasses. Von G. Ohnet. Aus d. Französ. 2 Bde.

Meine offizielle Frau. Von Col. Richard Henry Savage. Aus d. Engl.

Sein Genius. Von Claus Zehren.

Ein Zugvogel. Von B. M. Croker. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Violette Merian. Von Augustin Filon. Aus dem Französischen.

Fräulein Kapitän. Eine Eismeergeschichte von Max Lay.

Ein puritanischer Heide. Von Julien Gordon. 2 Bände. Aus dem Englischen.

Das Stück Brot und andere Geschichten. Von François Coppée. Aus dem Französischen.

In der Prairie verlassen. Von Bret Harte. Aus dem Englischen.

Zwischen Lipp' und Kelchesrand. Von Charles de Berkeley. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Mein erster Klient und andere Geschichten. Von Hugh Conway. Aus dem Englischen.

Auf steinigen Pfaden. Von Léon de Tinseau. Aus dem Französischen.

Heimatlos. Von Hector Malot. 3 Bände. Aus dem Französischen.

Baronin Müller. Von R. v. Heigel.

In guter Hut. Von Jeanne Mairet. Aus dem Französischen.

Das Kind. Von Ernst Eckstein.

Das Haus am Moor. Von Florence Warden. Aus d. Englischen. 2 Bde.

Giovannino oder den Tod! – Dreißig Prozent. Von Mathilde Serao. Aus dem Italienischen.

Des Seemanns Tagebuch. Von Gustave Toudouze. Aus dem Französ.

Zehnter Jahrgang.

Das Geheimnis des Hauslehrers. Von Victor Cherbuliez. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Das wandernde Licht. Von Ernst von Wildenbruch.

Einer alten Jungfer Liebestraum. Von Alan St. Aubyn. Aus dem Englischen.

Schatten. Von Ossip Schubin.

Unerwartet. Von B. M. Croker. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Ein Opfer. Von Karl E. Franzos.

Die Möwe. Von Zacharias Nielsen. Aus dem Dänischen. 2 Bände.

Geopfert. Von George Simmy. Aus dem Französischen.

Unheimliche Geschichten. Von Dick-May. Aus dem Französischen.

Margarete und Ludwig. Von Frieda Freiin von Bülow. 2 Bände.

Die Herzogstochter. Von Mrs. Oliphant. Aus dem Englischen.

Briefe aus meiner Mühle. Von Alphonse Daudet. Aus d. Französ.

Erinnerungen einer Schwiegermutter. Von George R. Sims. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Lou. Von Alexander Baron von Roberts.

Hof Gilje. Von Jonas Lie. Aus dem Norwegischen.

Don Cirillos Hut. Von Emilio de Marchi. Aus d. Italienischen. 2 Bde.

Jean von Kerdren. Von Jeanne Schultz. Aus dem Französischen.

Unter Bauern. Von Hermine Villinger.

Prinz Schamyls Brautwerbung. Von R. H. Savage. Aus dem Engl. 2 Bände.

Elfter Jahrgang.

Das Recht des Kindes. Von Georges Ohnet. Aus dem Fränzös. 2 Bände.

Ein schlechter Mensch. Von A. von Gersdorff.

Mademoiselle. Von F. M. Peard. Aus dem Englischen.

Kosmopolis. Von Paul Bourget. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Eine schnurrige Geschichte. Von Frank R. Stockton. Aus d. Engl.

Die wahren Reichen. Von François Coppée. Aus dem Französischen.

Simson und Delila. Von Annie Bock. 2 Bände.

Die gelbe Rose. Von Maurus Jókai. Aus dem Ungarischen.

Verloren. Von Henry Gréville. Aus dem Französischen.

Zwei Herren. Von B. M. Croker. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Eine Schultragödie. Von Edmondo de Amicis. Aus dem Italienischen.

Schiffe, die nachts sich begegnen. Von Beatrice Harraden. Aus d. Engl.

Susi. Von Friedrich Spielhagen. 2 Bände.

Tim. Aus dem Englischen.

Frauen. Von Anna Munch. Aus dem Norwegischen.

Die alte Geschichte. Von Charles de Berkeley. Aus d. Französ. 2 Bde.

Der Sänger. Von Karl v. Heigel.

Möblierte Wohnungen. Von George R. Sims. Aus dem Englischen.

Tante Anna. Von W. R. Clifford. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Zwölfter Jahrgang.

Die Erbschleicherinnen. Von Ernst v. Wolzogen. 2 Bände.

Der Kameenknopf. Von Rodrigues Ottolengui. Aus dem Englischen.

Die Cigarette und andre Geschichten. Von Jules Claretie. Aus dem Französischen.

Dodo. Von E. F. Benson. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Die Brüder. Von Claus Zehren.

Pflichtgefühl. Von W. D. Howells. Aus dem Englischen.

Revanche! Von Alexander Baron von Roberts. 2 Bände.

Pinsel und Meißel. Von Teodoro Serrao. Aus dem Englischen.

Schwere Frage. Von A. v. Gersdorff.

Das Magdalenenhaar. Von Jean Rameau. Aus dem Französischen. 2 Bände.

Der Verkauf einer Seele. Von F. Frankfort Moore. Aus d. Englischen.

Wandelbilder. Von Richard Henry Savage. Aus dem Englischen.

Selbstgerecht. Von Friedrich Spielhagen. 2 Bände.

Roman-Studien. Von Jerome K. Jerome. Aus dem Englischen.

Jugendstürme. Von Karl Busse.

Eine Familienähnlichkeit. Von B. M. Croker. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Verbotene Frucht. Von Henning van Horst.

Gold und Ehre. Von Otto M. Moeller. Aus dem Dänischen.

Eine gelbe Aster. Von Jota. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Dreizehnter Jahrgang.

Villa Falconieri. Von R. Voß. 2 Bde.

Mit wahrhaft berauschender Glut der Schilderung zaubert uns der berühmte Dichter in seinem prächtigen Roman den Frühling der Campagna di Roma und des Albanergebirgs mit seiner märchenhaften Blumenfülle vor Augen, und mächtig ergreift uns das Schicksal der Menschen voll Leidenschaft, die er in dieser großartigen, stil- und stimmungsvollen Umgebung lieben und leiden läßt.

Die Tochter des Abgeordneten. Von Georges Ohnet.

In diesem glänzend geschriebenen Roman bietet Ohnets vielseitiges und fruchtbares Talent eine seiner reifsten Früchte. Die große Schar der Freunde und Verehrer des gefeierten Erzählers wird dieses Buch namentlich auch darum noch vermehren, weil es sich auch zur Lektüre für junge Mädchen eignet.

Die Siegerin. Von Hans Hopfen.

Einem neuen Buche von Hans Hopfen können wir keine bessere Empfehlung mit auf den Weg geben als die, daß es ein »echter Hopfen« ist.

Eine dritte Person. Von B. M. Croker. Aus dem Englischen. 2 Bände.

Ein Abglanz der Sonne Indiens, dem Schauplatze der meisten Crokerschen Romane, durchwärmt und verklärt gleichsam die Geschichten dieser mit Recht so beliebten Erzählerin und verleiht ihnen einen romantischen Schimmer, der den Leser unwiderstehlich gefangen nimmt.

Flederwischs Heirat. Von Gyp. Aus dem Französischen.

Die Heldin dieser Geschichte, der »Flederwisch«, ist ein entzückendes Geschöpfchen, dessen köstliche Naivetät und neckischer Humor wahrhaft herzerfrischend wirken.

Eine internationale Ehe. Von Madame Bigot. Aus dem Englischen.

Ein glücklich gewählter Stoff, ein interessantes, gut beobachtetes Milieu und eine reich bewegte Handlung vereinigen sich in diesem flott geschriebenen Roman zu einem wohlgelungenen, wirkungsvollen Ganzen.

Sich selber treu. Von M. Gerbrandt. 2 Bände.

Warmherzige Menschen von reich entwickeltem Gefühlsleben treten uns in diesem hochgestimmten Roman entgegen, in dem sich die begabte Verfasserin als eine Seelenkennerin von feiner poetischer Empfindung und abgeklärter Kunstanschauung erweist.

Islandfischer. Von Pierre Loti. Aus dem Französischen.

Mit der Einreihung von Lotis berühmten Roman, diesem Hohenlied der See und der Liebe, in unsere Sammlung erfüllen wir einen Wunsch vieler unserer Leser.

Ratsmädel- und altweimarische Geschichten. Von Helene Böhlau.

Wahre Kabinettstücke stimmungsvoller Kleinmalerei und gemütvollen, schalkhaften Humors sind auch diese neuen Böhlauschen Ratsmädelgeschichten, in denen wir einen Hauch aus Weimars großer Zeit verspüren.

Die nachstehenden Romane sind auch in einer zu Geschenken ganz besonders geeigneten

Salon-Ausgabe

auf feines, extra starkes Papier gedruckt und in elegantem Liebhaber-Einband zum Preise von M. 2.– für den einfachen und M. 3.– für den doppelten Band erschienen.

Einfache Bände:

Burnett, Der kleine Lord.

Feuilett, Das Tagebuch einer Frau.

Paul Lindau, Helene Jung.

Voß, Kinder des Südens.

Was der heilige Joseph vermag.

v. Wolzogen, Die Kinder der Excellenz.

v. Gersdorff, Ein schlechter Mensch.

Savage, Meine offizielle Frau.

Doppel-Bände:

Conway, Eine Familiengeschichte.

Croker, Die hübsche Miß Neville.

Hopfen, Robert Leichtfuß.

Ohnet, Der Hüttenbesitzer.

v. Wolzogen, Der Thronfolger.

Die tolle Komteß.

Sims, Erinnerungen einer Schwiegermutter.


Weitere Anmerkungen zur Transkription

Die Werbeseiten wurden komplett an das Ende des Buches verschoben.

Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Korrekturen:

S. 7: alimodisches → altmodisches
wie ein [altmodisches] Kleidungsstück abgelegt

S. 11: Augenbiick → Augenblick
Von dem [Augenblick] an, als sie

S. 61: Weimararaner → Weimararnern
den [Weimaranern] ihr geliebtes Deutsch

S. 136: wir → mir
es war [mir], als würden da

Buchkatalog, 6. Jahrgang: Muray → Murray
Von D. C. u. H. [Murray]