Dritter Auftritt.
Solneß. Kaja.
Kaja (geht an das Pult hin).
Solneß (steht mit gesenktem Kopf rechts am Lehnstuhl).
Kaja (unsicher). Ist's ein Brief?
Solneß (kurz). Ach, keine Spur. (Er blickt sie rauh an.) Kaja!
Kaja (angstvoll, leise). Ja?
Solneß (weist befehlend mit dem Finger auf den Fußboden). Herkommen! Gleich!
Kaja (zögernd). Ja.
Solneß (wie oben). Näher!
Kaja (gehorcht). Was wollen Sie von mir?
Solneß (blickt sie eine Weile an). Sind Sie's, der ich die Geschichte zu verdanken habe?
Kaja. Nein, nein, glauben Sie das ja nicht!
Solneß. Aber heiraten — das wollen Sie ja jetzt.
Kaja (leise). Ragnar und ich sind schon vier — fünf Jahre verlobt, und da —
Solneß. Und da meinen Sie, es muß ein Ende nehmen. Ist's nicht so?
Kaja. Ragnar und der Onkel sagen, ich soll. Und da muß ich mich ja fügen.
Solneß (in sanfterem Tone). Kaja, sind Sie nicht auch, im Grunde genommen, Ragnar ein bißchen gut?
Kaja. Ich war Ragnar sehr, sehr gut — einmal. — Ehe ich hierher kam zu Ihnen.
Solneß. Aber jetzt nicht mehr? Gar nicht mehr?
Kaja (leidenschaftlich, faltet die Hände gegen ihn). Ach, Sie wissen es ja, jetzt bin ich bloß einem einzigen gut! Keinem andern in der ganzen Welt! Kann nie einem andern gut werden!
Solneß. Ja, so sagen Sie. Und da gehen Sie trotzdem von mir fort. Lassen mich hier mit allem allein.
Kaja. Aber dürfte ich denn nicht bei Ihnen bleiben, wenn auch Ragnar —?
Solneß (abweisend). Nein, nein, das läßt sich durchaus nicht machen. Geht Ragnar weg und fängt er an, auf eigene Hand zu arbeiten, dann hat er Sie ja selber nötig.
Kaja (ringt die Hände). Ach, mir kommt's vor, ich kann mich von Ihnen nicht trennen! Das ist doch so rein, rein unmöglich, kommt's mir vor!
Solneß. Dann sehen Sie zu, daß Sie Ragnar die dummen Einfälle da aus dem Kopfe bringen. Heiraten Sie ihn, soviel Sie wollen — (Er verändert den Ton.) Ja, das heißt — reden Sie ihm zu, daß er hier bleibt in seiner guten Stellung bei mir. Dann kann ich ja auch Sie behalten, liebe Kaja.
Kaja. Ach ja, wie wunderschön war's, wenn sich's so machen ließe!
Solneß (legt ihr beide Hände um den Kopf und flüstert). Denn ich kann's ohne Sie nicht aushalten, begreifen Sie. Ich muß Sie um mich haben. Tag aus, Tag ein.
Kaja (nervös hingerissen). Ach Gott! Ach Gott!
Solneß (drückt ihr einen Kuß aufs Haar). Kaja — Kaja!
Kaja (sinkt vor ihm nieder). O wie gut sind Sie gegen mich! Wie unsäglich gut sind Sie!
Solneß (heftig). Stehen Sie auf! So stehen Sie doch auf, zum —! Mir scheint, ich höre jemand! (Er hilft ihr auf.)
Kaja (wankt ans Pult hin).
Frau Solneß (erscheint in der Thüre rechts; sie ist mager und sieht abgehärmt aus, zeigt aber Spuren einstiger Schönheit; sie trägt blonde Hängelocken, ist elegant, vollständig schwarz gekleidet; sie spricht etwas langsam und mit klagender Stimme).