I.
Ich hab Dir Märchen oft erzählt
Von meiner fremden Dichterwelt,
Nun führ’ mich Du an Deiner warmen Hand,
Den Flügelmüden, durch mein eig’nes Land!
Führ’ mich in meinen tiefen Wald,
Wo Wunderwesen mannigfalt
Lebendig wandeln mit bekränztem Haupt, —
Die Götter alle, die ich einst geglaubt!
Führ’ mich zu jenen Hügeln hin,
Wo schweigsam die Cypressen knie’n,
Dort liegen tief und lauschen auf den Wind
Die Freunde, die mir treu gewesen sind.
Führ’ mich in jener Gärten Grün,
Wo dunkle Wunderbäume blüh’n
Und über Grün und Wunderblüten schaut
Das Liebesschloß, das ich für Dich erbaut.
In roten Lichtern heimlich glimmt,
Die Krone, die ich Dir bestimmt.
Wenn noch Dein Herz an meine Allmacht glaubt,
Dann schmücke mit dem schweren Gold Dein Haupt!
Dann hebt mein Leben neuen Lauf,
Die treuen Toten stehen auf
Und meiner Freudegötter schöne Schaar,
Und ich darf sein, der ich vor Zeiten war.
II.
Nun ist der Tag zu Ende.
Leg mir die lieben Hände
Auf Stirn und Haar
Und singe mir! und wende
Von mir der Träume laute Schaar!
Ich fürcht’ mich vor den langen,
Verschwiegenen, träumebangen
Stunden der Nacht,
Wenn Du bist schlafen gangen
Und nur mein weher Herzschlag wacht.
Dann geht auf dunklen Wegen
Mein Herz mit harten Schlägen
Der bangen Nacht,
Der bangen Nacht entgegen,
Die meine Lieder stille macht.
Dann kommt mit leisen Schritten
Und zagen Kinderbitten
Mein Glück zu mir,
Und sieht, was ich gelitten,
Und sagt: Mein Freund, was ward aus Dir?
Dann kommen die versäumten
Tage und die verschäumten
Becher zu mir,
Und alle ungeträumten
Glücksträume schlank und mädchenzier.
Leg mir die lieben Hände
Auf Stirn und Haar, und wende
Die Holden ab.
Mein Tag ist nun zu Ende,
Ich weiß, was ich verloren hab!