Maria.

I.
So schön bist Du!

Ein Lieblingstraum, aus goldnen Nächten

Vortretend, schlank, in ernster Ruh’,

Den Zauberschleier in der Rechten —

So schön bist Du!

Mein Blick erstaunt und muß sich senken,

Mein Herz schließt alle Thore zu,

Dem Wunder heimlich nachzudenken —

So schön bist Du!

II.
So ziehen Sterne —

So ziehen Sterne ihre Bahn,

Unwandelbar und unverstanden!

Wir winden uns in hundert Banden,

Du steigst von Glanz zu Glanz hinan.

Dein Leben ist ein einzig Licht!

Ich muß aus meinen Dunkelheiten

Sehnsüchtige Arme nach Dir breiten,

Du lächelst und verstehst mich nicht.

III.
Du aber.

Der Meister schwieg und that die Geige aus der Hand.

Uns schlug das Herz! Du aber mußtest

Die Hand ihm geben. Ob Du wußtest,

Daß Ihr Glückskinder seid aus Einem Vaterland?

IV.
Ich fragte Dich.

Ich fragte Dich, warum Dein Auge gern

In meinem Auge ruht,

So wie ein reiner Himmelsstern

In einer dunklen Flut.

Du sahest lang mich an,

Wie man ein Kind mit Blicken mißt,

Und sagtest freundlich dann:

Ich bin Dir gut, weil Du so traurig bist.

V.
Wenn doch mein Leben —

Wenn doch mein Leben fürder geht

Und manchmal noch aus reichen Ranken

Ein reifes Lied mir niederweht,

Ich hab’s auch Dir zu danken.

Du weißt es nicht, denn ich begrub

Dein Bild in meiner Nächte Schweigen.

Und was mein Lied zu Tage hub,

War schon zuvor Dein eigen.

Anmerkungen zur Transkription

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