Fünftes Kapitel

Die Hälfte meiner Ferienzeit – und bei Ferien ist immer die erste Hälfte die längere – war längst vorüber, und der Sommer fing nach einer heftigen Gewitterwoche schon langsam an älter und nachdenklicher zu werden. Ich aber, als sei sonst nichts in der Welt von Belang, steuerte verliebt mit flatternden Wimpeln durch die kaum merkbar abnehmenden Tage, belud jeden mit einer goldenen Hoffnung und sah im Übermut jeden kommen und leuchten und gehen, ohne ihn halten zu wollen und ohne ihn zu bedauern.

An diesem Übermut war nächst der unbegreiflichen Sorglosigkeit der Jugend zu einem kleinen Teile auch meine liebe Mutter schuld. Denn ohne ein Wort darüber zu sagen ließ sie es merken, daß meine Freundschaft mit Anna ihr nicht mißfiel. Der Umgang mit dem gescheiten und wohlgesitteten Mädchen hat mir in der Tat gewiß wohl getan, und mir schien, es würde auch ein tieferes und näheres Verhältnis mit ihr die Billigung meiner Mama finden. So brauchte es keine Sorge und kein Heimlichtun, und wirklich lebte ich mit Anna nicht anders als mit einer guten und geliebten Schwester.

Allerdings war ich damit noch lange nicht am Ziel meiner Wünsche, und nach einiger Zeit bekam dieser unverändert kameradschaftliche Verkehr gelegentlich etwas fast Peinliches für mich, da ich aus dem klar umzäunten Garten der Freundschaft in das weite freie Land der Liebe hin begehrte und durchaus nicht wußte, wie ich unvermerkt meine arglose Freundin auf diese Wege locken könnte. Doch entstand gerade hieraus für die ganze letzte Zeit meiner Ferien ein köstlich freier, schwebender Zustand zwischen Zufriedensein und Mehrverlangen, der mir wie ein großes Glück im Gedächtnis steht. Ich beschloß nämlich nach manchen Erwägungen, alles beim alten zu lassen und erst am letzten Tage, der mir bliebe, mich Anna zu offenbaren. Nachdem meine vorherige leichte Verliebtheit es mir möglich gemacht hatte, so wunschlos brüderlich mit ihr zu leben, schien es mir gut, dies sichere Verhältnis nicht früher als notwendig zu stören.

So verlebten wir in unserm glücklichen Hause fröhlich schöne Sommertage. Zur Mutter war ich inzwischen wieder in das alte Kindesverhältnis gekommen, so daß ich mit ihr ohne Befangenheit über mein Leben reden, Vergangenes beichten und Pläne für später besprechen konnte. Ich weiß noch, wie wir einmal vormittags in der Laube saßen und Garn wickelten. Ich hatte erzählt, wie es mir mit dem Gottesglauben gegangen war, und hatte mit der Behauptung geendet, wenn ich wieder gläubig werden sollte, müßte erst jemand kommen, dem es gelänge, mich zu überzeugen.

Da lächelte meine Mutter und sah mich an, und nach einigem Besinnen sagte sie: „Wahrscheinlich wird der niemals kommen, der dich überzeugen wird. Aber allmählich wirst du selber erfahren, daß es ohne Glauben im Leben nicht geht. Denn das Wissen taugt ja nichts. Jeden Tag kommt es vor, daß jemand, den man genau zu kennen glaubte, etwas tut, was einem zeigt, daß es mit dem Kennen und Gewißwissen nichts war. Und doch braucht der Mensch ein Vertrauen und eine Sicherheit. Und da ist es immer besser, zum Heiland zu gehen als zu einem Professor oder zum Bismarck oder sonst zu jemand.“

„Warum?“ fragte ich. „Vom Heiland weiß man ja auch nicht so viel Gewisses.“

„O, man weiß genug. Und dann – es hat im Lauf der Zeiten hie und da einen einzelnen Menschen gegeben, der mit Selbstvertrauen und ohne Angst gestorben ist. Das erzählt man vom Sokrates und von ein paar andern; viele sind es nicht. Es sind sogar sehr wenige, und wenn sie ruhig und getrost haben sterben können, so war es nicht wegen ihrer Gescheitheit, sondern weil sie rein im Herzen und Gewissen waren. Also gut, diese paar Leute sollen, jeder für sich, recht haben. Aber wer von uns ist wie sie? Gegen diese wenigen aber siehst du auf der andern Seite Tausende und Tausende, arme und gewöhnliche Menschen, die trotzdem willig und getrost haben sterben können, weil sie an den Heiland glaubten. Dein Großvater, weißt du, ist vierzehn Monate in Schmerzen und Elend gelegen, ehe er erlöst wurde, und hat nicht geklagt und hat die Schmerzen und den Tod fast fröhlich gelitten, weil er am Heiland seinen Trost hatte.“

Und zum Schluß meinte sie: „Ich weiß gut, daß das dich nicht überzeugen kann. Der Glaube geht nicht durch den Verstand, so wenig wie die Liebe. Du wirst aber einmal erfahren, daß der Verstand nicht zu allem hinreicht, und wenn du so weit bist, wirst du in der Not nach allem langen, was wie ein Halt und Trost aussieht. Vielleicht fällt dir dann manches wieder ein, was wir heut geredet haben.“

Dem Vater half ich im Garten, und oft holte ich ihm auf Spaziergängen in einem Säcklein Walderde für seine Topfblumen. Mit Fritz erfand ich neue Feuerkünste und verbrannte mir die Finger beim Loslassen. Mit Lotte und mit Anna Amberg brachte ich halbe Tage in den Wäldern zu, half Beeren pflücken und Blumen suchen, las Bücher vor und entdeckte neue Spaziergänge.

Die schönen Sommertage gingen einer um den andern hin. Ich hatte mich daran gewöhnt, fast immer in Annas Nähe zu sein, und wenn ich daran dachte, daß das nun bald sein Ende haben müsse, zogen schwere Wolken über meinen blauen Ferienhimmel.

Und wie denn alles Schöne und auch das Köstlichste nur zeitlich ist und sein gesetztes Ziel hat, so entrann Tag um Tag auch dieser Sommer, der mir in der Erinnerung meine ganze Jugend zu beschließen scheint. Man begann bedauernd, doch ruhig von meiner baldigen Abreise zu sprechen. Die Mutter nahm noch einmal meinen Besitz an Wäsche und Kleidern prüfend durch, flickte einiges und schenkte mir am Tage des Einpackens zwei Paar guter grauwollener Socken, die sie selber gestrickt hatte und von denen wir beide nicht wußten, daß sie ihr letztes Geschenk an mich waren.

Lang gefürchtet und doch überraschend kam endlich der letzte Tag herauf, ein hellblauer Spätsommertag mit zärtlich flatternden Spitzenwölklein und einem lauen, sanften Südostwinde, der im Garten mit den noch zahlreich blühenden Rosen spielte und schwer mit Duft beladen gegen Mittag müd wurde und einschlief. Da ich beschlossen hatte, noch den ganzen Tag auszunützen und erst spät am Abend abzureisen, wollten wir Jungen den Nachmittag noch auf einen schönen Ausflug verwenden. So blieben die Morgenstunden für die Eltern übrig, und ich saß zwischen beiden auf dem Kanapee in Vaters Studierstube. Der Vater hatte mir noch einige Abschiedsgaben aufgespart, die er mir nun freundlich und mit einem scherzhaften Ton, hinter dem er seine Bewegung verbarg, überreichte. Es war ein kleines altmodisches Beutelein mit einigen Talern, eine in der Tasche tragbare Schreibfeder und ein nett eingebundenes Heftlein, das er selber hergestellt und worin er mir ein Dutzend guter Lebenssprüche mit seiner strengen lateinischen Schrift geschrieben hatte. Mit den Talern empfahl er mir zu sparen, aber nicht zu geizen, mit der Feder bat er mich recht oft heimzuschreiben, und wenn ich einen neuen guten Spruch an mir bewährt fände, ihn ins Heftlein zu den andern zu notieren, die er im eigenen Leben brauchbar und wahr erfunden habe.

Zwei Stunden und darüber saßen wir beisammen, und die Eltern erzählten mir manches aus meiner eigenen Kindheit, aus ihrer und ihrer Eltern Leben, das mir neu und wichtig war. Vieles habe ich vergessen, und da meine Gedanken zwischenein immer wieder zu Anna entrannen, mag ich manches ernste und wichtige Wort nur halb gehört und geachtet haben. Geblieben aber ist mir eine starke Erinnerung an diesen Morgen im Studierzimmer, und geblieben ist mir eine tiefe, oft beschämende Dankbarkeit und Verehrung für meine beiden Eltern, die ich heute mehr als je in einem reinen, heiligen Lichte sehe, das für meine Augen keinen andern Menschen umgibt.

Damals aber ging mir der Abschied, den ich am Nachmittag zu nehmen hatte, weit näher. Bald nach dem Mittagessen machte ich mich mit den beiden Mädchen auf den Weg, über den Berg nach einer schönen Waldschlucht, einem schroffen Seitentale unseres Flusses.

Anfangs machte meine bedrückte Stimmung auch die andern nachdenklich und schweigsam. Erst auf der Berghöhe, von wo zwischen hohen roten Föhrenstämmen das schmale gewundene Tal und ein weites waldgrünes Hügelland zu sehen war und wo hochstielige Kerzenblumen im Winde schwankten, riß ich mich mit einem Juchzer aus der Befangenheit los. Die Mädchen lachten und stimmten sofort ein Wanderlied an; es war „O Täler weit, o Höhen,“ ein altes Lieblingslied unserer Mutter, und beim Mitsingen fielen mir eine Menge fröhlicher Waldausflüge aus Kinderzeiten und vergangenen Feriensommern ein. Von diesen und von der Mutter fingen wir denn auch wie verabredet zu sprechen an, sobald der letzte Vers verklungen war. Wir sprachen von diesen Zeiten mit Dank und Stolz, denn wir haben eine herrliche Jugend- und Heimatzeit gehabt, und ich ging mit Lotte Hand in Hand, bis Anna sich lachend anschloß. Da schritten wir die ganze den Bergrücken entlangführende Straße händeschwingend zu dreien in einer Art von Tanz dahin, daß es eine Freude war.

Dann stiegen wir auf einem steilen Fußpfad seitwärts in die finstere Schlucht eines Baches hinab, der von weitem hörbar über Geröll und Felsen sprang. Weiter oben am Bache lag eine beliebte Sommerwirtschaft, in welche ich die beiden zu Kaffee und Eis und Kuchen eingeladen hatte. Bergab und den Bach entlang mußten wir hintereinander gehen, und ich blieb hinter Anna, betrachtete sie und sann auf eine Möglichkeit, sie heute noch allein zu sprechen.

Schließlich fiel mir eine List ein. Wir waren unserm Ziel schon nahe an einer grasigen Uferstelle, die voll von Bachnelken stand. Da bat ich Lotte, vorauszugehen und Kaffee zu bestellen und einen hübschen Gartentisch für uns decken zu lassen, während ich mit Anna einen großen Waldstrauß machen wolle, da es gerade hier so schön und blumig sei. Lotte fand den Vorschlag gut und ging voraus. Anna setzte sich auf ein moosiges Felsstück und begann Farnkraut zu brechen. Ein paarmal jodelte sie der Freundin nach, dann verschwand Lotte im Grünen talaufwärts, und wir beide waren allein.

„Also das ist mein letzter Tag,“ fing ich an.

„Ja, es ist schade. Aber Sie kommen ja sicher bald einmal wieder heim, nicht?“

„Wer weiß? Jedenfalls im nächsten Jahr nicht, und wenn ich auch wiederkomme, so ist doch nicht mehr alles wie diesmal.“

„Warum nicht?“

„Ja, wenn Sie dann auch gerade wieder da wären!“

„Das wäre schließlich nicht unmöglich. Aber meinetwegen sind Sie ja doch auch diesmal nicht heimgekommen.“

„Weil ich Sie noch gar nicht gekannt habe, Fräulein Anna.“

„Allerdings. Aber Sie helfen mir gar nicht! Geben Sie mir wenigstens ein paar von den Bachnelken dort.“

Da nahm ich mich zusammen.

„Nachher so viel Sie wollen. Aber im Augenblick ist mir etwas anderes zu wichtig. Sehen Sie, ich habe jetzt ein paar Minuten mit Ihnen allein, und darauf hab ich den ganzen Tag gewartet. Denn – weil ich doch heute reisen muß, wissen Sie – also kurz, ich wollte Sie fragen, Anna – –“

Sie sah mich an, ihr gescheites Gesicht war ernst und beinahe bekümmert.

„Warten Sie!“ unterbrach sie meine hilflose Rede. „Ich glaube, ich weiß schon, was Sie mir sagen wollen. Und jetzt bitte ich Sie herzlich, sagen Sie’s nicht!“

„Nicht?“

„Nein, Hermann. Ich kann Ihnen jetzt nicht erzählen, warum das nicht sein darf, doch dürfen Sie es gern wissen. Fragen Sie später einmal Ihre Schwester, die weiß alles. Unsere Zeit ist jetzt zu kurz, und es ist eine traurige Geschichte, und heut wollen wir nicht traurig sein. Wir wollen jetzt unsern Strauß machen, bis Lotte wiederkommt. Und im übrigen wollen wir gute Freunde bleiben und heute noch miteinander fröhlich sein. Wollen Sie?“

„Ich wollte schon, wenn ich könnte.“

„Nun dann, so hören Sie. Mir geht es wie Ihnen; ich habe einen lieb und kann ihn nicht bekommen. Aber wem es so geht, der muß alle Freundschaft und alles Gute und Frohe, was er sonst etwa haben kann, doppelt festhalten, nicht wahr? Drum sage ich, wir wollen gut Freund bleiben und wenigstens noch diesen letzten Tag einander fröhliche Gesichter zeigen. Wollen wir?“

Da sagte ich leise Ja, und wir gaben einander die Hände darauf. Der Bach lärmte und jubelte und spritzte feine Tropfen zu uns herauf, unser Strauß wurde groß und farbig, und es dauerte nicht lange, da sang und rief meine Schwester uns schon wieder entgegen. Als sie bei uns war, tat ich, als wollte ich trinken, kniete am Bachrand hin und tauchte Stirn und Augen eine kleine Weile in das kalt strömende Wasser. Dann nahm ich den Strauß zur Hand, und wir gingen miteinander den kurzen Weg bis zur Wirtschaft.

Dort stand unter einem Ahornbaum ein Tisch für uns gedeckt, es gab Eis und Kaffee und Biskuits, die Wirtin hieß uns willkommen, und zu meiner eigenen Verwunderung konnte ich sprechen und Antwort geben und essen, als wäre alles gut. Ich wurde fast fröhlich, hielt eine kleine Tischrede und lachte ohne Zwang mit, wenn gelacht wurde. Wenn ich heute daran denke, ist es mir wie einem Kranken, der einen Gesunden Bier trinken und Obst dazu essen sieht und nicht begreift, daß wirklich ein Magen das leisten kann. Er kann es aber leisten, und nicht minder Unbegreifliches tut und erträgt ein jeder, solang er jung ist und den milden Himmel der gläubigen Unerfahrenheit über sich hat.

Ich will es Anna nicht vergessen, wie einfach und lieb und tröstlich sie mir über das Demütigende und Traurige an jenem Nachmittag hinweggeholfen hat. Ohne merken zu lassen, daß etwas zwischen ihr und mir vorgefallen sei, behandelte sie mich mit einer herzlichen und schönen Freundschaftlichkeit, die mir meine Haltung bewahren half und mich nötigte, ihr älteres und vielleicht tieferes Leid und die Art, wie sie es heiter trug, hochzuachten.

Das enge Waldtal füllte sich mit frühen Abendschatten, als wir aufbrachen. In der Höhe aber, die wir rasch erstiegen, holten wir die sinkende Sonne wieder ein und schritten noch eine Stunde lang in ihrem warmen Licht, bis wir sie beim Niederstieg zur Stadt nochmals aus den Augen verloren. Ich sah ihr nach, wie sie schon groß und rötlich zwischen schwarzen Tannenwipfeln stand, und dachte daran, daß ich sie morgen weit von hier an fremden Orten wiedersehen würde.

Abends, nachdem ich vom ganzen Hause Abschied genommen hatte, gingen Lotte und Anna mit mir auf den Bahnhof und winkten mir nach, als ich im Zug war und der eingebrochenen Finsternis entgegenfuhr.

Ich stand am Wagenfenster und schaute auf die Stadt hinaus, wo schon Laternen und rote Fenster leuchteten. In der Nähe unseres Gartens nahm ich eine starke, blutrote Helle wahr. Da stand mein Bruder Fritz und hatte in jeder Hand ein bengalisches Licht, und in dem Augenblick, da ich winkte und an ihm vorbeifuhr, ließ er eine Rakete senkrecht aufsteigen. Hinauslehnend sah ich sie steigen und innehalten, einen weichen Bogen beschreiben und in einem roten Funkenregen vergehen.

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Werke von Hermann Hesse

Peter Camenzind. Roman. 72. Auflage. Geh. 3 Mark, in Leinen 4 M. 50 Pf.

Unterm Rad. Roman. 19. Auflage. Geheftet 3 M. 50 Pf., in Leinen 5 Mark.

Diesseits. Erzählungen. 18. Auflage. Geheftet 3 M. 50 Pf., in Leinen 5 Mark.

Nachbarn. Erzählungen. 12. Auflage. Geheftet 3 M. 50 Pf., in Leinen 5 Mark.

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Peter Camenzind

Hesse gibt die Geschichte eines Bauernbuben, eines harten, muskeligen Kerls, der aber den versonnenen Träumerkopf des Hermann Hesse auf den Schultern hat. Und da ist schon die Tragik – so einer findet sich im Leben nicht zurecht. Draußen nicht, aber drinnen wohl. Wahrhaftige Firnenreinheit ist über den letzten Kapiteln im Gebirge, da sich alles klärt und versöhnt.

(Freistatt, München)

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(Berliner Tageblatt)

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Hesse hat Indien ganz auf seine Art erlebt, mit jener selben großen, verinnerlichten Gelassenheit, mit der er in seinen Romanen und Novellen Menschen und Landschaften seiner süddeutschen Heimat erlebt. Wohin er uns auch führt, es ist ein berückender Genuß, ihm zu folgen.

(Königsberger Allgemeine Zeitung)

Roßhalde

Nie hat Hermann Hesse künstlerisch etwas so Starkes gestaltet wie die seelische Spannung dieses Gebundenseins, den schmerzhaften Bann der zwiefachen Einsamkeit dessen, der zum engsten Zusammenleben mit einem einst nahen, aber nun willenlos feindlich fernen Menschen verdammt ist. „Roßhalde“ ist eines der menschlich tiefsten und wahrsten Bücher, die geschrieben sind.

(Die Hilfe)

Fischers Romanbibliothek

Jeder Band gebunden 1 Mark, in Leinen Mark 1.25

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Herman Bang, Die vier Teufel
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Martin Beradt, Go
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Alice Berend, Die Reise des Herrn Sebastian Wenzel
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Johan Bojer, Unser Reich
Laurids Bruun, Van Zantens glückliche Zeit
Laurids Bruun, Van Zantens Insel der Verheißung
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Josef Baron Weyssenhoff, Leben und Gedanken des Herrn Podfilipski
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Sammlung von Schriften zur Zeitgeschichte

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1. Band:Aus den Kämpfen um Lüttich. Von Rudolf Requadt.
2. Band:Weltwirtschaft und Nationalwirtschaft. Von Franz Oppenheimer.
3. Band:Der englische Charakter, heute wie gestern. Von Theodor Fontane.
4. Band:Preußische Prägung. Von Lucia Dora Frost.
5. Band:Friedrich und die große Koalition. Von Thomas Mann.
6. Band:Die Fahrten der Emden und der Ayesha. Von Emil Ludwig. Mit 20 Abbildungen.
7. Band:In England – Ostpreußen – Südösterreich. Von Arthur Holitscher.
8. Band:Der deutsche Mensch. Von Leopold Ziegler. Neue veränderte Ausgabe. (Doppelband).
9. Band:Russischer Volksimperialismus. Von Karl Leuthner.
10. Band:Die Flüchtlinge. Von einer Reise durch Holland hinter die belgische Front. Von Norbert Jacques.
11. Band:Zwischen Lindau und Memel während des Krieges. Von Paul Schlenther.
12. Band:Deutsche Kunst. Von Karl Scheffler.
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14. Band:Die Fahrten der Goeben und der Breslau. Von Emil Ludwig. Mit 18 Abbildungen.
15. Band:Die Front in Tirol. Von Franz Karl Ginzkey. Mit 8 Abbildungen.
16. Band:Im Kriege durch Frankreich und England. Von Hans Vorst.
17. Band:Staatssozialismus. Von Leopold von Wiese.
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19. Band:Deutsche Zukunft. Von Ernst Troeltsch.
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Gesamtausgaben moderner Dichter

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Ausgewählte Werke in drei Bänden. Gebunden 14 Mark.

Arthur Schnitzler

Gesammelte Werke. I. Die erzählenden Schriften in drei Bänden. Gebunden 12 Mark.

Gesammelte Werke. II. Die Theaterstücke in vier Bänden. Gebunden 15 Mark.

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Eine neue Romanreihe

Jeder Band geh. 3 Mark 50 Pf., geb. 4 Mark 25 Pf.

Otto Flake, Horns Ring

Ein Vorkriegsbuch! In haarscharfen Bildern voll packender Wirklichkeit entwirft Flake einen, nein, tausend Abschnitte aus dem Leben, das wir mehr oder weniger alle vor diesem Wettersturz „Weltkrieg“ lebten. Es ist, als habe er in diesem Buch all das Hetzen und Jagen nach Genuß und Gewinn, das atemberaubende Tempo dieser letzten Jahre eingefangen, um es in komprimiertester Form in ebensolchem Eilmarsch wieder vor unseren Augen vorbeiziehen zu lassen.

(Fränkischer Kurier, Nürnberg)

Gerhart Hauptmann, Emanuel Quint

Nun liegt das Buch vor, von dem es leicht ist vorauszusagen, daß es in rascher Folge ungezählte Auflagen erleben und in alle Kultursprachen übersetzt werden wird. Es ist der Roman religiöser Kämpfe unserer Zeit, dargestellt an einem Schwärmer, einem Sohn des Volkes, der sich bis zur Gottessohnschaft versteigt. Hier hat Hauptmann sein größtes Werk vollendet.

(Berliner Neueste Nachrichten)

Norbert Jacques, Piraths Insel

Dieser Roman, an Abenteuern, Menschen und Zuständen überreich, greift auf die modernsten Probleme, nicht nur eines einzelnen Menschen, sondern unserer ganzen seelischen, wirtschaftlichen und weltpolitischen Kultur über.

Jakob Wassermann, Das Gänsemännchen

Das Werk ist vermöge weitausgreifender Lebensfülle, breiter, umfassender Gesellschaftsschilderung, des Hineinspielens politischer und kultureller Zeitgeschehnisse ein wahrhafter Roman. Im Rahmen der Leidens- und Werdegeschichte eines deutschen Musikgenius entrollt die Dichtung auch Deutschlands Seele, Deutschlands Nervenzustand, Deutschlands Kulturströmungen. Tief und voll aus dem Menschlichen ist die Dichtung geschöpft.

(Wiener Abendpost)

Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Änderungen, teilweise unter Zuhilfenahme anderer Ausgaben, sind hier aufgeführt (vorher/nachher):