Vorbemerkung

Rede mit der Erde,
Die wird Dich's lehren.

Hiob XII. 8.

Hermann Löns, der uns Entrissene, ist uns ein Führer gewesen, der uns half, die Schönheit der Welt zu sehen, uns zu befähigen, den großen Rhythmus allen Naturgeschehens staunend zu erkennen.

Das vorliegende Büchlein ist eine seiner liebenswürdigsten Naturstudien. Wie klein und eng scheint das Thema dem Uneingeweihten, wie wenig kann darüber geschrieben werden, dünkt es ihm wohl. Und doch — was hat Löns aus seinem Stoffe gemacht. Mit Verzicht auf alle und jede wissenschaftliche Beschreibung und exakte Erörterung will er erst einmal die »Wasserjungfern« dem Leser näherbringen, ihn für diese bunten, schillernden Wesen interessieren. Er schildert ihre Umwelt, ihr Leben, Leiden und Lieben. Der Künstler hat sich dabei so restlos mit dem Zoologen verbunden, daß wir beim Lesen ein Stück Natur direkt zu erleben glauben und spielend Einblick und Verständnis gewinnen in diese wunderliche Kleinwelt. In zwölf Kapiteln stellt Löns zwölf Wasserlandschaften vor uns hin, jede anders, jede intimsten Lebens voll, jede ein Organismus für sich. Mit unvergleichlichem Einfühlungsvermögen und mit der Liebe des Künstlers und Naturforschers, der »draußen« für sein eigenes Leben immer wieder Balance, Sicherheit und Glück fand, geht er allen großen und kleinen Erscheinungen nach, baut er, ohne sich ins Kleinliche zu verzetteln, eine Miniaturwelt auf, voll von Farben und Glanz. Sommerlich wirds uns zu Mute, und wir glauben ganz ordentlich den strengen Ruch von Altwasser, den Duft von Minze und Weidicht zu spüren. Knabenzeit mit ihrem geheimnisvollen Entdeckertum an Tümpeln und Bachläufen steigt wieder vor uns auf, und mit ihr all die verlorene Phantasie jener Tage. Daß Löns solche Stimmung heraufbeschwören kann, das danken wir ihm ganz besonders, denn nie waren wir reicher als damals, da wir mit brennenden Wangen und klopfendem Herzen uns stundenlang über einen grüngolden durchsonnten Wasserspiegel beugen konnten oder atemlos Vögeln und Faltern im Dickicht nachpirschten und belauschten.

Daß das liebe Buch vielen stilles Glück bringen möge, das wünsche ich von ganzem Herzen.

Monti della Trinita, Oktober 1918.

Karl Soffel.