38. Raubritterunwesen im Obererzgebirge.

Ein sächsischer Ritter, Dietrich von Vitzthum, beherbergte auf dem uralten Schlosse zu Frauenstein eine Rotte von Raubgesindel und würdigte sich zum Räuberhauptmann herab, indem er mit seinen Leuten, größtenteils aus böhmischem Auswurf bestehend, am hellen Tage auf Raub und Mord ausging und die ganze Gegend bis unter Freiberg, sowie die Ortschaften, welche unter dem Kloster Altenzella standen, wie z. B. Erbisdorf, Nossen u. s. w., unsicher machte. Da die Klagen über den verwegenen Raubritter bis zum Kurfürsten von Sachsen drangen, so sendete dieser, damals Friedrich der Sanftmütige, einen Truppenteil nach Frauenstein. Die Räuber verteidigten sich tapfer; allein die Soldaten belagerten das Schloß und erstürmten es nach blutigem Kampfe. Das Raubschloß ging in Feuer auf und wurde zerstört bis auf zwei Türme, die zum Teil heute noch stehen. Dietrich von Vitzthum wurde auf dem Schloßhofe nach Urtel und Recht mit dem Schwert hingerichtet, die noch lebenden Räuber aber wurden an den Bäumen des Waldes aufgehenkt. Dies geschah im Dezember 1438. Die adelige Familie von Vitzthum warf aber seit jener Zeit einen unvertilgbaren Haß auf den Kurfürsten, der später eine Veranlassung zu dem verheerenden Bruderkrieg wurde.

Nach Müller.