Dritte Szene

Antoinette (mit Edine, Nanni und Huberta sind indessen in der Mitteltür erschienen und kommen nach vorne.)

Antoinette. So sagt's mir doch was, so gebt's mir doch einen Rat, wenn ihr seht's, daß ich so aufgeregt bin. Da mach' ich doch die irreparablen Dummheiten, wenn man mir nicht beisteht.

Edine. Ich bin dafür, daß wir sie lassen. Sie muß wie zufällig ihm begegnen. Wenn wir sie alle konvoiieren, so verscheuchen wir ihn ja geradezu.

Huberta. Er geniert sich nicht. Wenn er mit ihr allein reden wollt', da wären wir Luft für ihn.

Antoinette. So setzen wir uns daher. Bleibt's alle bei mir, aber nicht auffällig. (Sie haben sich gesetzt.)

Nanni. Wir plauschen hier ganz unbefangen: vor allem darf's nicht ausschauen, als ob du ihm nachlaufen tätest.

Antoinette. Wenn man nur das Raffinement von der Helen hätt', die lauft ihm nach auf Schritt und Tritt, und dabei schaut's aus, als ob sie ihm aus dem Weg ging.

Edine. Ich wär' dafür, daß wir sie lassen, und daß sie ganz, wie wenn nichts wär', auf ihn zuging.

Huberta. In dem Zustand, wie sie ist, kann sie doch nicht auf ihn zugehen, wie wenn nichts wär'.

Antoinette (dem Weinen nah). Sagt's mir doch nicht, daß ich in einem Zustand bin! Lenkt's mich doch ab von mir! Sonst verlier ich ja meine ganze Contenance. Wenn ich nur wen zum Flirten da hätt'!

Nanni (will aufstehen). Ich hol' ihr den Stani her.

Antoinette. Der Stani tät mir nicht so viel nützen. Sobald ich weiß, daß der Kari wo in einer Wohnung ist, existieren die andern nicht mehr für mich.

Huberta. Der Feri Uhlfeldt tät vielleicht doch noch existieren.

Antoinette. Wenn die Helen in meiner Situation wär', die wüßt' sich zu helfen. Sie macht sich mit der größten Unverfrorenheit einen Paravant aus dem Theophil, und dahinter operiert sie.

Huberta. Aber sie schaut ja den Theophil gar nicht an, sie is' ja die ganze Zeit hinterm Kari her.

Antoinette. Sag' mir das noch, damit mir die Farb' ganz aus'm G'sicht geht. (Steht auf.) Red't er denn mit ihr?

Huberta. Natürlich red't er mit ihr.

Antoinette. Immerfort?

Huberta. Sooft ich hing'schaut hab'.

Antoinette. Oh mein Gott, wenn du mir lauter unangenehme Sachen sagst, so werd' ich ja so häßlich werden! (Sie setzt sich wieder.)

Nanni (will aufstehen). Wenn dir deine drei Freundinnen zuviel sind, so lass' uns fort, ich spiel' ja auch sehr gern.

Antoinette. So bleibt's doch hier, so gebt's mir doch einen Rat, so sagt's mir doch, was ich tun soll.

Huberta. Wenn sie ihm vor einer Stunde die Jungfer ins Haus geschickt hat, so kann sie jetzt nicht die Hochmütige spielen.

Nanni. Umgekehrt sag' ich. Sie muß tun, als ob er ihr egal wär'. Das weiß ich vom Kartenspielen: wenn man die Karten leichtsinnig in die Hand nimmt, dann kommt's Glück. Man muß sich immer die innere Überlegenheit menagieren.

Antoinette. Mir is' grad zumut, wie wenn ich die Überlegene wär'!

Huberta. Du behandelst ihn aber ganz falsch, wenn du dich so aus der Hand gibst.

Edine. Wenn sie sich nur eine Direktive geben ließ! Ich kenn' doch den Männern ihren Charakter.

Huberta. Weißt, Edine, die Männer haben recht verschiedene Charaktere.

Antoinette. Das Gescheitste wär', ich fahr' nach Haus.

Nanni. Wer wird denn die Karten wegschmeißen, solang' er noch eine Chance in der Hand hat.

Edine. Wenn sie sich nur ein vernünftiges Wort sagen ließe. Ich hab' ja einen solchen Instinkt für solche psychologische Sachen. Es wär' ja absolut zu machen, daß die Ehe annulliert wird, sie ist eben unter einem moralischen Zwang gestanden die ganzen Jahre und dann, wenn sie annulliert ist, so heirat' sie ja der Kari, wenn die Sache halbwegs richtig eingefädelt wird.

Huberta (die nach rechts gesehen hat). Pst!

Antoinette (fährt auf). Kommt er? Mein Gott, wie mir die Knie zittern.

Huberta. Die Crescence kommt. Nimm dich zusammen.

Antoinette (vor sich). Lieber Gott, ich kann sie nicht ausstehen, sie mich auch nicht, aber ich will jede Bassesse machen, weil sie ja seine Schwester is'.