Von Stockholm nach Travemünde und Hamburg.

Am 18. September sagte ich Stockholm »Lebewohl« und schiffte mich Mittags 12 Uhr auf dem Dampfboote Svithiold, mit 100 Pferdekraft, ein, um nach Travemünde zu fahren.

Ich glaube, daß nicht leicht eine Ueberfahrt theurer ist, wie diese. Die Entfernung beträgt bei 500 Seemeilen, die man gewöhnlich in dritthalb bis drei Tagen zurücklegt; dafür bezahlt man auf dem zweiten Platze ohne Kost 43 Bankthaler, oder nach unserm Gelde 35 fl. CM. Die Kost ist ebenfalls unendlich theuer, und noch dazu spielt der Kapitain auch die Rolle des Gastwirthes; man kann sich daher bei einer vorkommenden Prellerei oder Unzufriedenheit an Niemanden wenden, und muß Alles geduldig ertragen.

Nichts that mir so wehe, als da ich sah, wie sich einer der ärmeren Reisenden, der sehr an der Seekrankheit litt, an den Kellner wandte um eine Suppe zu bekommen, und wie dieser ihn an den gutmüthigen Kapitain wies, der dann rund heraus erklärte: er werde keine Ausnahme machen, und man müsse für eine Tasse Suppe so viel bezahlen, wie für die ganze Mittagskost. – Der Arme – er mußte also entweder der für ihn so wohlthuenden Suppe entsagen, oder jeden Kreuzer zusammen suchen, um täglich einige Bankthaler ausgeben zu können. – Glücklicherweise befanden sich einige wohlthätige Menschen auf dem Schiffe, welche für ihn die Mittagskost bezahlten. – Einige der Herren führten ein paar Flaschen Wein mit sich, dafür mußten sie beinah so viel Taxe zahlen, als der Wein werth war.

Zu all diesen Annehmlichkeiten kömmt auf einem schwedischen Dampfschiffe auch noch jene, daß man bei nur etwas ungünstigem Wetter gar nicht vom Flecke kömmt. – Vermuthlich sind die Maschinen zu schwach; wenigstens behaupteten dieß Viele der Reisenden. – Wir hatten nur etwas Gegenwinde und hohes Meer, aber bei weitem keinen Sturm, und doch verspäteten wir uns schon auf der ersten Hälfte des Weges, auf der Fahrt von Stockholm nach Calmar, um 24 Stunden. In Calmar warfen wir Anker und warteten auf bessern Wind. – Ein paar Herren, deren Geschäfte zu Lübeck sehr dringend waren, verließen hier das Dampfboot und setzten ihre Reise zu Lande fort.

Anfänglich hat die Ostsee den Charakter des Mälarsee's. Inseln, Klippen, Felsen, große und kleine Wasserbecken u. s. w. erscheinen immer wechselnd und schön. Rechts sieht man im Hintergrunde die unendlich lange hölzerne Brücke Lindenbrog, die eine Insel mit dem Festlande verbindet.

An dem Ende eines der Becken, in die man einlenkt, liegt das Städtchen Wachsholm, und diesem gegenüber auf einer kleinen felsigen Insel ein herrliches Festungswerk mit einem kolossalen runden Thurme. – Nach der Zahl der Kanonen, welche auf den Wällen aufgepflanzt sind, zu urtheilen, muß diese Festung zu einer der wichtigsten gehören. – An ein ähnliches Festungswerk, Friedrichsborg, kamen wir einige Stunden später; es steht jedoch nicht so frei wie das erstere, sondern ist zum Theil von Waldungen umgeben. Wir fuhren in ziemlicher Entfernung vorbei, und konnten nicht viel davon sehen, so wie auch von einem auf der entgegengesetzten Seite gelegenen Schlosse, das ebenfalls von Waldungen umgeben ist und sehr großartig zu sein scheint.

Die See wird nun auf der rechten Seite auf Augenblicke unübersehbar; – doch bald kömmt man wieder auf eine schauerliche Partie nackter Felsen, an deren äußersten Enden die schöne Festung Dolero liegt. Unweit davon hängen an nackten, in die See ragenden Felsen gruppenweise viele Häuser, die einen sehr ausgebreiteten großen Ort bilden.